Ein Smartphone zeigt eine goldene Statue vor einem Himmel mit Wolken. Zwei Personen stehen daneben. Im Hintergrund eine Flagge und ein Gebäude. Anzeigezeit: «Heute 17:20».

Apple 2025: Eine Tonne Gold für Trump

Von Steve Jobs hätte der US-Prä­si­dent nicht bloss eine gra­vier­te Glas­schei­be be­kom­men, sondern ein Mo­nu­ment so gross wie das Ego des Mannes. Tim Cook hat 2025 eine Chan­ce ver­passt – aber auch einiges richtig gemacht.

Apple glänzte 2025 nicht. In Erinnerung wird bleiben, wie Tim Cook dieses Ding aus Gold und Glas im Oval Office vorbeibrachte. «The Verge» nennt es eine Statue, aber nach meinem (laienhaften) Kunstverständnis wäre Skulptur der bessere Begriff. Jedenfalls gibt es einen dicken goldenen Sockel, auf dem eine Glasscheibe thront. Auf der sind mehrere Dinge eingraviert: Trumps Name, das Apple-Logo, Cooks Unterschrift, die Jahreszahl 2025 und das Bekenntnis «Made in USA».

Halten wir das Offensichtliche fest: Egal, ob Statue oder Skulptur, dieser Staubfänger wird in einem Lagerraum verschwinden und nie wieder einen einzigen Strahl Tageslicht abbekommen. Trumps Penthouse in New York sei zwar geschlagene 2800 Quadratmeter gross und auch in Mar-a-Lago gibt es sicherlich ausreichend Ablagefläche. Doch bei allem, was wir über den Geschmack des Mannes wissen, ist ihm dieses Teil nicht goldig, nicht klotzig und protzig genug.

Was wäre Steve Jobs’ Geschenk für Trump gewesen?

Zwar lobt «The Verge» Cooks Fähigkeit, Trump für sich einzunehmen. Er könne das so gut, dass andere Firmenchefs ihn kopieren würden. Trotzdem steht dieses Objekt sinnbildlich für die Verrenkungen, zu denen der Chef eines Billionenkonzerns bereit ist.

Wir wissen alle, weswegen Apple einen legendären Ruf geniesst: Es ist die Fähigkeit, Design und Funktion in Einklang zu bringen. Das Prinzip Form follows function bringt das nur unzureichend auf den Punkt. Es kommt bei Apple häufig vor, dass die form die function dominiert. Trotzdem entsteht etwas, das aus der Masse herausragt und mehr ist als bloss ein Gegenstand mit einem bestimmten Zweck.

Bei dieser Glasscheibe auf dem Goldsockel ist die function klar. Doch die form wird ihr nicht so ganz gerecht. Was hätte Steve Jobs bei Trump vorbeigebracht? Ich bin überzeugt, dass es etwas gewesen wäre, was Trump in der Eingangshalle seines neuen Ballsaals aufgestellt hätte – und das uns allen ausserhalb der MAGA-Zirkel unmissverständlich kommuniziert hätte, dass sich Jobs als Sieger in diesem Machtspiel sieht.

Wenn ich einen Tipp abgeben darf: Es wäre keine Skulptur, keine Statue, sondern ein Monument geworden. Inspiriert vom legendären Foto nach dem Attentat in Butler, Pennsylvania, in Überlebensgrösse – und natürlich gefertigt aus einer Tonne Gold. (Die Schweizer Delegation mit Goldbarren und Rolex hatte die bessere Nase, aber zu klein gedacht.) Preispunkt für das Korruptionsobjekt in ausreichender Grösse: Etwa 112 Milliarden. Aber nachdem Apple an der Börse inzwischen über vier Billionen wert ist, wäre das finanziell zu stemmen gewesen. Und sonst hätte es auch goldüberzogenes Wolfram getan.

Spielraum, um sich treu zu bleiben

Nach diesem Geschenk hätte es sich Cook leisten können, Trump in anderer Hinsicht Paroli zu bieten. Er hätte sich dagegen entscheiden können, die Apps aus dem Store zu werfen, die Immigranten vor den Agenten der Einwanderungsbehörden warnen und mit denen die Subjekte dieser Menschenjagden Übergriffe dokumentieren können.

Polizisten verhaften eine Person neben einem dunklen Auto auf einer Wohnstrasse. Zwei Beamte halten die Person fest, andere stehen in der Nähe. Im Hintergrund Häuser und geparkte Autos.
Agenten der Immigrationsbehörde führen eine Verhaftung durch.

Ob er es getan hätte? Vielleicht, vielleicht nicht. Sollen wir an dieser Stelle darüber diskutieren, ob sich Unternehmen an ihren Standards messen lassen müssen oder ob wir uns alle insgeheim einig sind, dass die hehren Firmenziele, wie Apples Bekenntnis zu den Menschenrechten bloss pour la galerie sind? Ohne allzu sehr den Moralapostel zu geben, kann und will ich meine Enttäuschung nicht verhehlen.

Was sonst?

Was die technische Entwicklung angeht, kam die Apple Vision Pro 2025 weiterhin nicht vom Fleck. Die zweite Auflage kam Mitte Oktober auf den Markt, die noch immer so teuer ist wie vor zwei Jahren. Es gibt Spekulationen über ein Produkt namens N100, das leichter und günstiger sein soll. Das heisst: Brillenträger wie ich, die ihr normales Nasenfahrrad mit etwas digitalem Schnickschnack versehen würden, kommen wiederum nicht zum Zug.

Apples Hardware von 2025 hat mich nicht gepackt (ich habe allerdings, wie schon letztes Jahr, auch kein Testgerät bekommen).

Apples Software-Updates von 2025 überzeugen

Bei der Software hingegen bin ich zufrieden. Apple hat keinen Geniestreich vollbracht und mit der Liquid Glass, der neue Optik der Betriebssysteme von iPhone, iPad, Mac und Apple TV, die falsche Priorität gesetzt. Aber die lange Reihe kleiner, nützlicher Verbesserungen das für mich auf:

Laptop-Bildschirm mit geöffnetem Kurzbefehle-Menü zeigt farbige Kacheln für verschiedene Aufgaben. Links steht eine Pflanze in einem Korb. Die Tastatur ist im Vordergrund sichtbar.
Mit der Kurzbefehle-App von Tahoe lässt sich die KI in Arbeitsabläufe integrieren.

Und während die ganze Apple-Fangemeinschaft (und Forbes) über Apple Intelligence schnöden, gibt es von mir explizites Lob. Klar, ich finde nicht alles toll. Dass die Image Playground-App noch immer Kitsch fabriziert, ist kein überzeugender Leistungsausweis.

Der wesentliche Punkt ist, dass Apple uns ermöglicht, die künstliche Intelligenz datenschutzbewusst zu nutzen. Für die meisten Aufgaben kommen lokale Modelle zum Zug. Die Cloud wird nur bemüht, wenn diese überfordert sind und wir unsere Einwilligung für ChatGPT oder Apples Private Cloud Compute geben.

Ein erwachsener Umgang mit der KI

Natürlich sind unter diesen Umständen nicht die gleichen Resultate zu erwarten, wie wenn wir die maximale KI-Power in der Cloud nutzen und eine beliebige Menge an persönlicher Informationen preisgeben. Das versteht sich eigentlich von selbst und müsste bei der Beurteilung berücksichtigt werden. Aber dazu sind die KI-Euphoriker anscheinend nicht in der Lage.

Die Integration von Apple Intelligence in die Kurzbefehle-App halte ich für vorbildlich. Mozilla könnte sie bei der Weiterentwicklung von Firefox als Leitschnur dienen. Sie gibt uns Nutzerinnen und Nutzer Kontrolle darüber, wann und wie wir die künstliche Intelligenz in unsere Arbeitsabläufe einbauen wollen. Das ist der entscheidende Unterschied zu den Ansätzen von Google und Microsoft. Die haben das Ziel, unsere Nutzung zu maximieren, weil das letztlich unsere Abhängigkeit verstärkt. Wenn Apple im nächsten Jahr uns auch erlaubt, via Schnittstelle beliebige LLMs anzubinden, dann gibt es in der Jahresmusterung 2026 die Bestnote von mir.

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