Apple, das spassbefreite Unternehmen

OldOS ist eine App, die detailgetreu iOS 4 simuliert, das bald zwölf­jährige iPhone-Betriebs­system. Die zum Laufen zu bringen, ist knifflig – genau­so wie andere Nos­tal­gie­pro­jek­te, z.B. zur Wieder­bele­bung des iPods.

Ich verstehe Apple nicht. Da gibt es diesen Typen, Zane bzw. @zzanehip auf Twitter, der etwas gemacht hat, das ich gleichzeitig toll und fragwürdig finde. Er hat nämlich iOS 4 als iPhone-App nachgebaut.

Die App OldOS simuliert das Betriebssystem, das im Juni 2010 herausgekommen ist und auf dem iPhone 3G lief, später dann auch auf dem 3GS. Doch natürlich ist diese App nicht im Store zu finden. Wenn man sie verwenden möchte, muss man entweder so viel Glück haben, via Testflight an eine Test-Installation heranzukommen – die Kontingente sind aber, so weit ich sehen kann, restlos aufgebraucht. Es lohnt sich aber, Zane auf Twitter zu folgen, weil er ab und zu neue Links postet, auch von Leuten, die OldOS über einen eigenen Testflight-Account zur Verfügung stellen.

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Fliegende Toaster und andere digitale Relikte aus der Vergangenheit

Wer sucht, der findet sie sogar bei Windows 11: die Bildschirmschoner. Dabei wäre es an der Zeit, den Tatsachen ins Auge zu sehen und die endgültig zu beerdigen.

Mit Windows 11 verschwinden einige Funktionen, die teils vor nicht allzu langer Zeit als Neuerung eingeführt worden sind. Eine davon ist die Zeitleiste. Sie wird bei Windows 10 über den Knopf Aktive Anwendungen aufgerufen, der neben dem Suchfeld in der Taskleiste zu finden ist.

Das ist bedauerlich – aber ich könnte damit leben, wenn das die Folge einer umfassenden Entrümpelungsaktion wäre. Ich denke an Dinge wie die Werbung im Startmenü, die Widgets in Windows 11, den Windows Media Player, Windows Fax und Scan, XPS, die Windows-Aktivierung, Candy Crush Saga – und noch x andere Dinge, die ich vergessen oder verdrängt habe. Fühlt euch frei, sie in die Kommentare zu schreiben.

… echt, könnt ihr es fassen? „Fliegende Toaster und andere digitale Relikte aus der Vergangenheit“ weiterlesen

Was sehr lange währt, wird richtig gut

Kürzlich ist Inkscape 1.0 erschienen – nach der vermutlich längsten Betaphase aller Zeiten. Grund für eine Laudatio.

Heute geht es weniger um eine Software – als vielmehr um die Würdigung einer bemerkenswerten Ausdauerleistung. Es gilt zu berichten, dass Inkscape in der Version 1.0 erschienen ist. Inkscape ist ein quelloffenes Programm zur Bearbeitung von Vektorgrafiken, das in etwa mit Adobe Illustrator zu vergleichen ist.

Die Veröffentlichung der Version 1.0 geschah am 4. Mai 2020. Sie ist deswegen bemerkenswert, weil es das Programm seit November 2003 gibt. Mit anderen Worten: Es war fast 17 Jahre lang in einer 0.x-Version erhältlich. Eine Versionsnummer mit einer Null am Anfang assoziiert man mit einem unfertigen, noch in der Testphase befindlichen Softwareprodukt.

Man nennt das auch Betaphase. Und Inkscape dürfte eine der längsten Betaphase in der Softwaregeschichte durchlaufen haben. „Was sehr lange währt, wird richtig gut“ weiterlesen

Hätten wir damals schon geahnt, was daraus werden würde

Vor gut zehn Jahren haben wir es zum ersten Mal mit der Gesichtserkennung zu tun bekommen. Heute gibt es Suchmaschinen, jedes beliebige Gesicht innert Sekunden in den Weiten des Web aufstöbern.

Ich bin ein Fan von Archiven – auch und gerade von meinem eigenen. Das schafft es immer wieder, mich aus dem Alltagsgeschäft herauszukatapultieren. Es bringt mich dazu, für einen Moment die Lupe beiseite zu legen und die Sache in einem grösseren Massstab zu betrachten. Ich finde Themen, die sich selbst überlebt haben – und solche, die es noch gibt, aber die einen anderen Stellenwert einnehmen.

Heute geht es um so einen Fall. Ich habe in meinem Archiv Screenshots von iPhoto 09 entdeckt. Das ist im Januar 2009 an der MacWorld in San Francisco vorgestellt worden. Die grosse Neuerung damals war die Gesichtserkennung. Ich habe die Software am 16. Februar 2009 im Beitrag «Bildprogramme entdecken das menschliche Gesicht» vorgestellt, zusammen mit Picasa und Magix Foto Manager, die beide nun ebenfalls Gesichter erkennen und die Fotos nach Personen sortieren konnten.

Ich habe die Gesichtserkennung von damals als mühsamen Prozess in Erinnerung. „Hätten wir damals schon geahnt, was daraus werden würde“ weiterlesen

Kein Grund für Browser-Tristesse

Browsehappy.com verfolgt nichts weiter als den Zweck, uns von Chrome, Firefox, Safari, Opera, Edge und Internet Explorer die aktuellste Version anzubieten. Banal aber nützlich.

Es ist Sommer – und da kommen selbst die eingefleischten Nerds weniger zum Bloggen. Ihr wisst schon: Die Familie will, dass man sich «erholt», mal «ausspannt», den «Alltag hinter sich lässt», und so weiter. Dass genau das Bloggen für unsereins Erholung sein könnte, daran denkt natürlich keiner.

Aber egal. Ich will diesem Anspruch zumindest ansatzweise Rechnung tragen, indem ich (wenn möglich) nicht weniger, aber immerhin kürzer blogge. Darum geht es hier um einen simplen Webtipp.

Nämlich um browsehappy.com: „Kein Grund für Browser-Tristesse“ weiterlesen

2010 war die Handywelt noch in Ordnung

Neulich ist mir mein iPhone 4 von 2010 in die Finger geraten. Ein guter Anlass, die Entwicklung seitdem Revue passieren zu lassen.

… oder auch nicht. Neulich ist mir mein iPhone 4 (MC605FD/A) in die Finger geraten. Ich gehöre nämlich zu den Leuten, die alte Geräte nicht zum Recycling geben, sondern in einer Schublade verstauen. Der prähistorische Sammeltrieb hat sich offensichtlich in die Moderne gerettet.

Wie ein SUV neben einem Fiat Cinquecento.

Das iPhone 4 ist 2010 auf den Markt gekommen. Es zeichnet sich durch eine rückseitige Glasscheibe aus, die genauso kaputtgehen kann wie die Front, wenn man das Telefon unglücklich fallen lässt. Immerhin: Eine gesplitterte Rückseite stört nicht sosehr wie das Spinnenmuster auf dem Display.

Zwei Gadgetpannen während einer Reise

Im Gegenteil; man kann ihr sogar attestieren, dass sie einem Telefon Charakter und Individualität verleiht. Die Splitter bei meinem Gerät stammen von unseren Azoren-Ferien 2011, wo ich das Telefon im Hotel aus zwanzig Zentimetern Höhe auf die Steinplatten habe fallen lassen. Damals hat auch meine Spiegelreflexkamera, die D70s bei einem Walbeobachtungstrip zu viel Wasser abbekommen und das mit Aussetzern quittiert. Es war, aus Sicht des Equipments, keine glückliche Reise. Anderweitig aber schon.

Wie auch immer. „2010 war die Handywelt noch in Ordnung“ weiterlesen

Als Facebook noch eine Unbekannte war

Es ist oft verblüffend, einen Blick zurückzuwerfen und nachzusehen, wie wir damals auf die sozialen Medien reagiert haben, als sie noch brandneu waren.

Facebook: Seit zehn Jahren da und nicht gewillt, wieder zu verschwinden. (Bild: LoboStudioHamburg/pixabay.com, CC0)

Facebook ist 2004 gegründet worden. Hierzulande hat man Ende 2007 angefangen, vom sozialen Netzwerk Notiz zu nehmen. Der Tagesanzeiger hat am 26. September 2007 zum ersten Mal über die Plattform geschrieben: «Facebook entwickelt sich zu einem der gesuchtesten Partner im Internet. Die Plattform ist mit weltweit über 42 Millionen eingetragenen Nutzern nach Myspace die grösste soziale Kontaktbörse.» Wenn man der Mediendatenbank SMD glauben darf, war das erste Medium, das Facebook überhaupt wahrgenommen hat, die NZZ. Claude Settele schrieb dort am 28. April 2006:

Erfolgreich sind auch die Studenten-Plattform Facebook oder Googles Orkut, die fast zu drei Vierteln von Brasilianern bevölkert wird. Hierzulande gehören MSN Spaces, Youths.ch und Meinbild.ch zu den frequentierten Adressen, aufstrebend ist die im Februar gestartete Site Klassenfreunde.ch, die 170 000 Mitglieder zählt.

meinbild.ch gibt es übrigens noch und Klassenfreunde heisst jetzt stayfriends.ch. Ich kann mich erinnern, dass ich die auch irgendwann Ende 2007 auf Facebook gestossen bin.

2008 war ich bereit, mich anzumelden…

Ich habe die Sache beobachtet, bin irgendwann im Verlauf von 2008 beigetreten und hielt am 27. Oktober 2008 die Zeit für gekommen, Facebook als Tipp der Woche vorzustellen: Facebook hilft, weltweite Kontaktnetze zu knüpfen, hiess der Titel:

Facebook.com hat sich seit dem Start im Jahr 2004 zu einer der grössten Kontaktplattformen im Web gemausert. Im August feierte der Gründer und Selfmade-Milliardär Mark Zuckerberg den 100-millionsten Teilnehmer. Grösser ist nur Myspace.com, eine vergleichbare Community für Teenager und junge Nutzer.

Es war damals nötig, genau zu erklären, wie die Sache funktioniert:
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Corel? Die gibt es noch?

Ich war seinerzeit ein intensiver Nutzer von CorelDraw 6, obwohl die Software nur so vor Fehlern gestrotzt hat. Mit solchen Missgriffen hat sich der kanadische Hersteller die Chance verbaut, zum grossen Adobe-Rivalen zu werden.

Neulich bin ich durch Zufall auf einer Webseite gelandet, wo CorelDraw 2017 feilgeboten wurde. Spontaner Verblüffungsmoment: «Die gibt es noch?»

Nach 22 Jahren und x Versionen immer noch vertraut.

Ich habe seinerzeit, 1995 muss es gewesen sein und wahrscheinlich mit der Windows 95-Euphorie zu tun gehabt haben, CorelDraw 6.0 erstanden. Falls mich die Erinnerung nicht täuscht, habe ich dafür 360 Franken hingelegt. Das war ein dickes Paket mit der Vektorgrafiksoftware Draw, dem Bildbearbeitungsprogramm CorelPaint und den typischen Dreingaben, für die Corel so berüchtigt ist: Also Schriften en masse und Tonnen von ClipArts.

Aus der Vor-Internet-Ära

Der Kauf hatte stattgefunden, als mein Computer noch nicht am Internet hing. Darum hielt man diese Sammlungen damals für besitzenswert, weil man nicht einfach mal kurz online gehen und sich eine Schrift oder ein passendes Foto besorgen konnte.

Was ich mit dieser Software so getrieben habe, ist mir im Detail nicht mehr präsent. Abgesehen von einer Sache: Den grossartigen Clickomania-Hintergrund habe ich in CorelDream 3D selbst gerendert.

CorelDraw ist so ein Fall. „Corel? Die gibt es noch?“ weiterlesen

Digitale Midlife Crisis

Als ich neulich krachend an Blender gescheitert bin.

Wenn man das Brett bohrt, kommt so etwas dabei heraus.

Ich glaube, ich werde alt.

Da bin ich neulich per Zufall über diesen Artikel hier gestolpert. Vor 13 Jahren, im August 2004, habe ich auf vier Druckseiten Blender vorgestellt. Das ist ein monumentales Werkzeug aus dem Bereich der freien Software fürs Rendern von dreidimensionalen Bildern und Filmen. Ich habe mich damals offensichtlich intensiv mit ihr auseinandergesetzt. Es gibt da nämlich sogar ein Illustration mit einer dreidimensional gerenderten Schweizer Karte, auf der kleine Autos herumfahren.

Da dachte ich, es wäre doch mal wieder an der Zeit, einen frischen Blick auf Blender zu werfen: Sehen, was man damit inzwischen anstellen kann. Ein bisschen Spass haben, wie wir Nerds das so tun.

Aber wisst ihr was? Es lief ganz anders: Software herunterladen, öffnen… den Kopf schütteln, Software schliessen und löschen!
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Aus der Not eine Untugend gemacht

Die sogenannten Splash-Screens erscheinen während des Startvorgangs einer Software – sodass der Nutzer nicht etwa glaubt, das Programm sei gleich am Anfang abgestürzt. Aber wäre es nicht klüger darauf zu achten, dass es ausreichend schnell parat ist?

Frage: Stell dir vor, du wärest ein Softwareentwickler und hättest ein Programm geschrieben, das etwas langsam startet. Was tust du, damit der Benutzer nicht wie wild aufs Icon klickt, weil er denkt, er hätte das Programm nicht gestartet – und damit das Problem noch verschärft?

Autsch!

Deine logische Antwort lautet natürlich: Ich schaue zu, dass mein Programm schneller startet.

Doch das ist nicht, was passiert ist. Irgend ein fauler Softwareingenieur – oder auch sein Chef – hat die Idee ausgebrütet, stattdessen einen Pausenfüller anzuzeigen. Der nennt sich technisch Splash Screen oder Startbildschirm. Er lässt den Benutzer wissen, dass sein Programm dabei ist zu starten und er sich gefälligst gedulden soll.
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