Wie wir unsere Kinder elegant loswerden könnten

«Unwind» von Neal Shusterman ist das gross­artigste Buch, das ich seit Langem gelesen habe. Fast wäre es nicht dazu gekom­men, weil ich Vorbehalte hatte, mich auf diese Geschichte über­haupt ein­zulas­sen.

Es ist das beste Buch, das ich in diesem Jahr bisher gelesen habe. Und fast hätte ich einen Bogen darum gemacht. Der Klappentext hat zwar Interesse befeuert, aber gleichzeitig Misstrauen geweckt. Wie kommt ein Autor dazu, sich so eine Geschichte auszudenken?

Also, der Klappentext lautet wie folgt:

Nach dem Zweiten Amerikanischen Bürgerkrieg haben sich die Pro-Choice- und die Pro-Life-Armee geeinigt. Nach ihrer «Bill of Life» darf menschliches Leben vom Zeitpunkt der Empfängnis bis zum Alter von dreizehn Jahren nicht beendet werden. Aber zwischen dem dreizehnten und dem achtzehnten Lebensjahr kann das Kind von seinen Eltern durch einen Prozess, der «Unwind» genannt wird, beseitigt werden.

Ja, natürlich: Sciencefiction-Autoren haben die Aufgabe, sich in menschliche Untiefen vorzuwagen und sich vorzustellen, wohin technische oder auch gesellschaftliche Entwicklungen in letzter Konsequenz führen werden. Aber sich auszumalen, dass Abtreibung erst einmal verboten, gleichzeitig aber nachträglich erlaubt wird, ist ein starkes Stück. „Wie wir unsere Kinder elegant loswerden könnten“ weiterlesen

Damals, als wir uns noch Liebes-E-Mails geschrieben haben

Das Inter­net hat die Part­ner­suche nicht einmal, son­dern mehr­fach verän­dert. In der Anfangs­phase, bevor es Messenger und Video­chat gab, hat es sogar für eine Renais­sance des Liebes­briefs geführt.

In meiner kleinen Sommerserie denke ich daran zurück, wie es war, als wir das Internet kennengelernt haben (und das Internet uns) – und wie wir nur langsam erahnt haben, dass es in sämtliche Lebensbereiche vordringen und viele Gewissheiten umstossen würde.

Apropos Kennenlernen: Auch das hat sich mit dem Internet verändert. Früher hat man sich bei der Arbeit oder im Restaurant getroffen. Oder man wurde von Bekannten oder Verwandten verkuppelt. Heute selektiert man die passenden Kandidaten mittels Tinder oder man vertraut sich den Algorithmen einer Dating-Plattform an.

Denn bekanntlich basiert deren Geschäftsmodell auf einer fragwürdigen Versprechung: „Damals, als wir uns noch Liebes-E-Mails geschrieben haben“ weiterlesen

Offline-Medien auf dem AppleTV

Offiziell ist es nicht mög­lich – aber inof­fiziell gibt es eine Methode, um Filme auf Apples Fern­seh­box zu speichern und ohne Cloud oder lokales Netzwerk abzu­spielen.

Wie bringt man Filme auf den Apple TV?

Auf diese Frage gibt es einige naheliegende Antworten: Man verwendet die App eines Streamingdienstes, kauft Inhalte im iTunes Store, verwendet die Privatfreigabe oder installiert sich Infuse. Mit dieser App oder ähnlichen Programmen ist es keine Hexerei, Inhalte ab Mac oder Windows-PCs abzuspielen. Dazu gibt man ein Laufwerk im lokalen Netzwerk frei und greift am Apple TV darauf zu. Das ist schnell eingerichtet und funktioniert gemäss meiner Erfahrung ausgezeichnet.

Das ist gut und schön, doch in dieser Aufzählung fehlt eine Möglichkeit – und zwar eine extrem naheliegende: „Offline-Medien auf dem AppleTV“ weiterlesen

Ich war in meinen jungen Jahren ein alter Sexist

In meinem Archiv habe ich einen Text entdeckt, der heute ein Garant für einen Shit­storm wäre. Was beweist, dass die gesell­schaft­liche Entwicklung manchmal noch schneller verläuft als die techno­logische.

Bis jetzt habe ich mich in der Sommerserie als Journalist mit prophetischen Fähigkeiten dargestellt: Ich habe vorausgesagt, wie das Problem mit Napster und der MP3-Piraterie zu bekämpfen wäre und sogar die Influencer habe ich am Horizont auftauchen sehen, als es längst noch kein Insta gab.

Doch heute geht es um eine Leistung, bei der sich mein Stolz in Grenzen hält. Oder, um es etwas weniger verblümt zu sagen: für die ich mich in Grund und Boden schämen sollte. Am 13. September 1999 ist der fragliche Artikel erschienen: „Ich war in meinen jungen Jahren ein alter Sexist“ weiterlesen

Wer hat den Influencer erfunden? Ich wars!

Sommerserie, Teil 2: Beim Blät­tern im Archiv bin ich auf einen Text gestos­sen, über man nur schmun­zeln kann – weil er von einer aus heuti­ger Sicht rühren­den Naivi­tät zeugt.

Manches von den Dingen, die ich vor zwanzig Jahren geschrieben habe, erschliesst sich mir heute nicht mehr so ganz. Zum Glück ist es selten so, dass ich meiner Argumentation nicht folgen könnte oder zum Schluss komme, dass ich etwas Wesentliches übersehen oder nicht verstanden hatte. Aber es kommt vor, dass ich die Relevanz infrage stelle. Wieso habe ich des Themas angenommen? Gab es nichts Wichtigeres?

Diese Frage erinnert mich daran, was es damals alles nicht gegeben hat:  „Wer hat den Influencer erfunden? Ich wars!“ weiterlesen

Der Fensterputzer hat sich angemeldet

Die wichtigsten Neue­rungen des für September geplan­ten Updates von Windows 11 (Version 22H2) in einem ersten Augen­schein.

Die neue Version von Windows 11 rollt an: Sie trägt den Versions-Code 22H2 (Build 22621.317). Sie ist über das Windows Insider Programm mit der Option Release Preview erhältlich. «The Verge» vermutet, dass das Update anlässlich des zehnjährigen Geburtstags der Surface-Gerätereihe im September freigegeben wird.

Ich habe die besagte Release-Preview-Version von Windows 11 22H2 angesehen und einige sinnvolle (und nichtfunktionerende) Neuerungen entdeckt: „Der Fensterputzer hat sich angemeldet“ weiterlesen

«Diese Schmarotzer, die Musik aus dem Internet stehlen»

In meiner Sommer­serie grabe ich im Archiv und stelle mir Noten aus. Hatte ich recht mit den Dingen, die ich vor zehn oder zwanzig Jahren behaup­tet habe? Heute: Musik­tausch­börsen und Napster.

Beitragsbild: Viel zu früh (?) von uns gegangen (Yep, Napster technically died in 2011 von James Allenspach/Flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0).

Hier im Blog habe ich darüber berichtet, wie aus der Access-Datenbank mit meinen Artikeln eine schöne Archiv-Website geworden ist. Das gibt mir Gelegenheit, meinem zwanzig Jahre jüngeren Ich auf die Finger zu schauen: Was habe ich damals so geschrieben und für Behauptungen in die Welt gesetzt? Und wie bewertet sich das aus heutiger Sicht?

Nun, ich will nicht zu streng mit mir ins Gericht gehen. Oder vielleicht doch? „«Diese Schmarotzer, die Musik aus dem Internet stehlen»“ weiterlesen

Ein digitales Puzzle im Grossformat

Ich bin Opfer meines eigenen Perfek­tio­nis­mus geworden: Mein eigent­lich schon ab­geschlos­senes Word­press-Projekt sollte noch eine kleine Verbes­serung erfahren – was mir lange Nächte und um ein Haar auch Wein­krämpfe ein­ge­tra­gen hätte.

Anfang April habe ich das perfektionistische Ende eines überambitionierten Projekts verkündet. Und mich offensichtlich in mir selbst getäuscht. Denn wie sich zeigt, bin ich in der Lage, eine Sache auch weit über ihren gottgewollten Endpunkt hinaus zu treiben.

Also, es handelt sich um mein Projekt 2020, das Mitte 2022 nun hoffentlich endgültig so ausgereift ist, dass sogar mir nichts mehr einfällt, was ich verbessern könnte.

Dieses Projekt bestand darin, eine in Microsoft Access gespeicherte Datenbank web- und zukunftstauglich zu machen. In der Datenbank, die ich seit 1992 pflege, sind meine in diversen Medien erschienen Artikel im Volltext und mit einigen Metadaten erfasst. Ich habe einige Dinge ausprobiert und mich dann entschieden, die Daten mittels WordPress online zu erschliessen – was sich als hervorragende Wahl entpuppt hat.

Nachdem das Projekt eigentlich abgeschlossen war, hat mich eine Sache nicht in Ruhe gelassen: „Ein digitales Puzzle im Grossformat“ weiterlesen

Der Modus für Extra-Sicherheit beim iPhone und iPad

Der Lockdown Mode beim iPhone und iPad ist zum Schutz gegen ge­zielte Spio­nage-Atta­cken gedacht: Wie er funk­tio­niert und welche Neben­wir­kungen und Schwach­stellen er hat.

Apple hat sich eine neue Schutzfunktion ausgedacht, die ungute Erinnerungen an die Coronazeit weckt, obwohl weder mit Viren noch mit einer Pandemie etwas zu tun hat. Es geht vielmehr darum, ein iPhone oder iPad stärker als normal zu schützen, damit die Besitzerin bzw. der Besitzer weniger Angriffsfläche bietet.

Diese Funktion heisst in Englisch Lockdown Mode. Die deutsche Bezeichnung ist Blockierungsmodus, was zwar nicht nach einer Quarantäne-Massnahme klingt, aber den Sachverhalt nicht wirklich trifft: „Der Modus für Extra-Sicherheit beim iPhone und iPad“ weiterlesen

Der Spamfilter für die Haustür

Das Spam-Problem hat sich in die reale Welt verlagert: In manchen öffent­lichen Räumen kann man keinen Meter mehr gehen, ohne von einem Fund­raiser an­ge­sprochen zu werden. Und neuer­dings klingeln die sogar daheim.

Wer erinnert sich noch an die Flut unerwünschter E-Mails, mit denen wir in den Nullerjahren zu kämpfen hatten? Wir haben daraus gelernt, dass es Hürden bei der Kontaktaufnahme braucht. Es geht nicht, dass wir als Privatpersonen von beliebigen Leuten und Organisationen nach deren Gutdünken angesprochen und mit irgendwelchen Anliegen behelligt werden.

Das allein aus Kapazitätsgründen: Wenn jeder uns persönlich von seinem tollen Produkt, seinem süffigen Wein oder seiner Weltverbesserungs-Idee erzählen will, dann kommen wir zu nichts anderem mehr. Welche Dimensionen das annehmen kann, sieht man in den USA: „Der Spamfilter für die Haustür“ weiterlesen