«Wir sehen uns vor dem Kriegsgericht»

Ein grund­legendes Miss­verständ­nis besteht in der Fehl­annahme, die sozialen Medien würden sich für Frust­abbau eignen. Im Gegenteil – wer seine Unzu­frieden­heit bei Facebook ablädt, trägt bloss dazu bei, dass sich dort der Hass kumuliert.

Kein Like von Facebook.

Ein Erfolg! Ich habe es in der Tat geschafft, einen Kommentar erfolgreich zu melden. Ich habe Facebook dazu gebracht, einen Kommentar wegen Verletzung der viel zitierten Gemeinschafts-Standards zu löschen. Das ist etwas, woran ich mich aufrichten kann!

Nein, eigentlich nicht. Es führt nur vor Augen, wie sehr die sozialen Medien ausser Kontrolle geraten sind.

Ein Symptom sind die Nazivergleiche, von denen inzwischen fast täglich einer die Runde macht. „«Wir sehen uns vor dem Kriegsgericht»“ weiterlesen

Damit Windows richtig Hello sagt

Bei Microsofts Betriebs­system kann man sich mit mehreren Methoden anmelden. Doch wie definiert man die bevorzugte? Das ist, wenn auch etwas umständlich, möglich.

Windows 10 hält nebst der Anmeldung mittels Passwort diverse andere Möglichkeiten bereit. Das nennt sich Windows Hello:

Die Methoden, wie man Windows Hallo sagt.

In den Einstellungen bei Anmeldeoptionen stehen nebst dem klassischen Passwort auch PIN und Bildcode zur Verfügung.

Man kann auch einen Sicher­heits­schlüssel verwenden – mehr dazu im Beitrag Ein Blick in die passwort­lose Zukunft und mit der passenden Hardware-Aus­stattung stehen auch Gesichts- und Finger­abdruck­erkennung zur Verfügung.

Meine Lieblingsoption ist der Bildcode. Für die, die sie nicht kennen: Man wählt ein Bild, auf dem man drei Mausoperationen ausführt: Man klickt eine markante Stelle an, dann eine andere und zeichnet abschliessend noch eine Linie oder einen Kringel.

Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass man sie nach einiger Zeit ganz ohne Nachdenken ausführt. Die Bewegungen gehen ins «Muskelgedächtnis» über und führen sich wie von allein aus. „Damit Windows richtig Hello sagt“ weiterlesen

Superhelden wider Willen

In «Helix – Sie werden uns ersetzen» spekuliert Marc Elsberg, wie es sein wird, wenn die ersten genetisch optimierten Menschen über ihre Existenz nach­denken und sich nicht damit abfinden können, etwas so Beson­deres zu sein.

Nach meiner Lektüre von «Blackout» (Zappenduster und eiskalt) war mir sofort klar, dass ich von diesem Autor noch mehr würde lesen wollen. Ich habe mich also sogleich dem nächsten Werk von Marc Elsberg zugewandt. Das ist das Buch von 2016. Und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass der dritte Elsberg, nämlich das brandneue Buch Der Fall des Präsidenten bereits in der Pipeline steckt.

Ein bisschen am Erbgut herumzubasteln, wird demnächst ganz normal sein.

Aber das Buch, um das es jetzt geht, stammt von 2016 und heisst Helix – Sie werden uns ersetzen. Wenn man davon absieht, dass das Buch eigentlich Doppelhelix heissen müsste, bringt der Titel die Geschichte auf den Punkt: Die Helix bezieht sich auf unser Erbgut, das bekanntlich als Doppelstrang angelegt ist …

… und es tut mir leid, dass ich an dieser Stelle ein Detail einflechten muss, das ich mir nicht verkneifen kann, wenn von der Desoxy­ribonuklein­säure die Rede ist, seit ich beim Surfen im Netz (hier, PDF) zufällig darübergestolpert bin. Also, Zitat: „Superhelden wider Willen“ weiterlesen

Wie man im Ausland haushälterisch mit seinen Daten umgeht

Seit anfangs Juli 2021 gibt es neue Regeln fürs Roaming, die die Gefahr von Kostenfallen drastisch reduzieren. Und nebst dieser frohen Botschaft habe ich einen Tipp, wie man am iPhone sein Datenvolumen schont.

Das mobile Surfen im Ausland hat seine Tücken – vor allem, wenn man sich zu Hause an einen unbegrenzten Datentarif gewöhnt ist und dementsprechend munter drauflossurft. Immerhin: Ich habe schon seit längerer Zeit keine Horrorstorys mehr gehört, in denen Leute Tausende von Franken zahlen mussten, weil sie ihr Datenpaket zu schnell aufgebraucht oder überhaupt keins gebucht hatten.

Die Mobilfunkanbieter scheinen inzwischen besser darin zu sein, die Leute vorab auf Probleme hinzuweisen. Und bei konsumentenschutz.ch lese ich von neuen Regeln, die per 1. Juli 2021 in Kraft getreten sind. Unter anderem heisst es hier: „Wie man im Ausland haushälterisch mit seinen Daten umgeht“ weiterlesen

In den App-Stores kommt die freie Software unter die Räder

Ich sehe die Vision der freien und offenen Software in der Defensiven. Die Freiheitsrechte, die sie den Nutzern gewährt, sind nicht kompatibel zu den App-Stores. Trotzdem sollte man diese Bewegung noch nicht abschreiben.

Neulich gab es die laute Klage auf Twitter¹, mein Gspändli Rafael Zeier und ich würden zu oft Apple abhandeln und uns zu wenig um Open Source kümmern. Die Meinungen über die Setzung und Gewichtung von Themen gehen auseinander – ist ja klar. Doch wenn neue Versionen der Betriebssysteme für iPhone und iPad erscheinen, dünkt mir die Sache so klar wie selten: Das ist ein Thema, das einen beträchtlichen Anteil unserer Leserinnen und Leser direkt betrifft. Wir müssen es aufgreifen, wenn wir unseren Service-Auftrag ernst nehmen.

Abgesehen davon halte ich Open-Source bzw. freie und offene Software (FOSS) für wichtig – nicht unbedingt als Selbstzweck, weil ich nicht zu den Leuten gehöre, die proprietäre Softwareprodukte grundsätzlich ablehnen und sich ihnen verweigern. Aber wenn die offene Software als ernstzunehmende Alternative zu einem kommerziellen Produkt auf den Plan tritt, dann gebe ich ihr selbstverständlich eine Chance.

Bei der Diskussion hat sich mir eine weitere Frage gestellt. Und zwar die, ob freie Software an Bedeutung verliert. Die Ursache für eine solche Entwicklung läge auf der Hand: „In den App-Stores kommt die freie Software unter die Räder“ weiterlesen

Die schnelle Notiz-App ohne Schnickschnack

Simplenote dient als digitale Gedächtnisstütze. Der über­schau­bare Funktions­umfang passt: Forma­tierung mit Mark­down, verfügbar auf allen Platt­formen, solide Versionierung und flottes Arbeits­tempo.

Da ich neulich (mehr aus Versehen) die Notiz-App Bear vorgestellt habe, spricht eigentlich nichts dagegen, nachzudoppeln. Und zwar mit einem offensichtlichen Kandidaten in dieser Kategorie: nämlich Simplenote.

Man kann seine Notizen im reinen Text erfassen – oder wie hier in Markdown.

Der Funktions­umfang ist zwar auf den ersten Blick sehr bescheiden. Doch es gibt Möglich­keiten, die man bei anderen, teils umfang­reicheren Apps nicht zur Verfü­gung hat: Man kann Notizen für andere freigeben und unter­einander verlinken und mittels Markdown forma­tieren.

Und es gibt eine auto­matische Versionie­rung, die man zügig schätzen lernt, gerade bei den Notizen, die man ständig benutzt und verändert – und manchmal auch verschlimmbessert.

Und die App hat einen weiteren, meines Erachtens ausschlaggebenden Vorteil: „Die schnelle Notiz-App ohne Schnickschnack“ weiterlesen

Die Post-it-Notizen von Windows sind nicht das Gelbe vom Ei

Seit 20 Jahren nutze ich die Kurznotizen-App nicht, weil sie zwei eklatante Mankos haben. Doch heute nehme ich einen beherzten Anlauf und räume alle Hindernisse aus dem Weg.

Die Windows Kurznotizen (Sticky Notes) gibt es seit bald zwanzig Jahren. Um genau zu sein, wird dieses Programm im November 2022 diesen Geburstag feiern, weil es, wie Wikipedia verrät, mit der Tablet PC Edition von Windows XP eingeführt worden ist. Nebenbei verrät das auch, wie lange Microsoft schon am Tablet-Computing herumdoktert – deutlich länger als Apple.

Und genau so lange, wie es diese Kurznotizen gibt, nehme ich mir vor, sie zu benutzen. Eigentlich hätte ich das Bedürfnis: Ich verwende oft den Windows Editor für Dinge, für die dieses Programm gar nicht gedacht ist. Ich halte darin Ideen fest, lagere Textfragmente oder Links zwischen oder missbrauche das Programm als Gedächtnisstütze oder To-do-Liste.

Die «Sticky Notes»-App wäre so viel besser…

Die Kurznotizen wären für diesen Zweck besser geeignet: Sie speichern den Inhalt automatisch, sodass nicht verloren geht, selbst wenn man den Computer herunterfährt und alle Warnungen, es seien in manchen Apps, namentlich Editor, noch ungespeicherte Dokumente vorhanden.

Ausserdem gibt es einige nützliche Befehle: „Die Post-it-Notizen von Windows sind nicht das Gelbe vom Ei“ weiterlesen

Die Bear-Notiz-App stellt Apple in den Schatten

Einfachen Aufgaben ist die Notizen-App von Mac, iPhone und iPad gewachsen. Doch wer mehr will, ist mit dieser un­kompli­zierten, leistungs­fähi­gen Alter­native besser bedient.

Ich bin weiterhin auf der Suche nach dem perfekten Texteditor. Auf dieser Mission bin ich neulich Atom begegnet. Das ist ein eindrückliches Stück Software, das keine Wünsche offen lässt. Wie hier beschrieben, gibt es nur ein Problem: Die Software ist für meinen Zweck zu überdimensioniert. Was ich suche, ist ein kleines, wendiges Textprogrämmchen, das nicht ganz so nervt wie TextEdit von Apple.

Den nächsten Versuch unternehme ich mit Bear. Das ist mehr Notiz-App als Editor – aber die Übergänge sind fliessend. Wenn man unkompliziert Gedanken festhalten, Textfragmente zwischenlagern und auch mal abspeichern kann, bin ich zufrieden.

Bear ist kostenlos im Mac-App-Store und fürs iPhone und iPad erhältlich. „Die Bear-Notiz-App stellt Apple in den Schatten“ weiterlesen

Die besten Übersetzungen, noch schneller

Eine kleine Lobes­hymne auf Deepl.com, weil der Über­setzungs­dienst auch mit Markdown und HTML zurechtkommt, Office-Dokumen­te übersetzt und eine nützliche Desktop-App hat.

Ich bin ein erklärter Fan von Deepl.com. Das ist ein Dienst für maschinelle Übersetzung, der 2017 für Furore gesorgt hat, weil er Google Translate und Konsorten in den Schatten gestellt hat: Deepl war nicht nur einfach ein bisschen besser, sondern der Konkurrenz massiv überlegen. Ich habe ihn damals im Beitrag Der erste Übersetzer mit dem Wow-Effekt auf den Tamedia-Newssites vorgestellt – und schon seinerzeit war die Resonanz überragend. Offensichtlich hat die Welt nur auf Deepl gewartet.

Ein heisser Tipp: Mit Markdown kommt Deepl bestens zurecht; die Steuerzeichen bleiben auch in der Übersetzung erhalten.

Seitdem nutze ich den Dienst gelegentlich, etwa, wie hier beschrieben, fürs Übersetzen meiner Youtube-Videos.

Ich habe auch mit englischen Varianten von Blogposts experimentiert. Das funktioniert gut, aber nicht so gut, dass man die Beiträge nicht nachbearbeiten müsste – und dafür bringe ich weder die Zeit noch die Lust auf.

Mit anderen Worten: Ich brauche Deepl zu wenig oft, dass ich ein Abo vor mir rechtfertigen könnte. Das bedauere ich fast ein wenig, da ich mir immer ein wenig schäbig vorkomme, wenn ich einen so tollen Dienst völlig unentgeltlich in Anspruch nehme. Darum sollte nun Deepl.com wenigstens einmal anständig hier im Blog besprochen werden.

Also: „Die besten Übersetzungen, noch schneller“ weiterlesen

Die Untergangsspirale brechen

Die sozialen Medien tragen derzeit zu einer rasanten Eskalation bei. Ich mache mir einige hilflose Gedanken, wie man diese Entwicklung aufhalten oder bremsen könnte.

Während die Pandemie fortschreitet, ist das Verweilen in den sozialen Medien nicht angenehmer geworden. Der Umgangston hat sich verschärft, die Wogen gehen ständig hoch und man wird den Eindruck nicht los, dass manche Leute das Mass völlig verloren haben.

Ich teile die Ansicht von Reda el Arbi im Blogpost Dieser «Spaltung der Gesellschaft»-Bullshit, dass es eine Minderheit ist, die die Diskussion bestimmt, weil sie sich pausenlos und immer extremer äussert.

Allerdings sehe ich auch Leute, die sich geistig in gefährliche Kaninchenbauten verkrochen haben. Das hier ist ein solches Beispiel: „Die Untergangsspirale brechen“ weiterlesen