Von wegen «Man ist so alt wie man sich fühlt»

Es gibt stehende Redewendungen, die einfach nur dumm sind. Ein gutes Beispiel dafür ist Man ist so alt, wie man sich fühlt. Nein, man ist nicht so alt, wie man sich fühlt. Man ist so alt, wie man ist. Wenn ich als Hundertjähriger aus Demenzgründen einen Flashback in meine Teeniejahre habe, heisst das nicht, dass ich mit den 16-Jährigen zum Fez gehen sollte. Es heisst, dass ich in meinem Zimmerchen im Altersheim zu bleiben und damit abzufinden habe, dass die Jugend verflossen ist.

Natürlich soll die Redewendung eine Aufmunterung sein und besagen, dass man sich nicht vorzeitig abschreiben sollte – und vor allem, dass man nicht gezwungen ist, die gesellschaftlichen Erwartungen an einen bestimmten Lebensabschnitt zu erfüllen. Klar, auch diese Haltung hat ihre Berechtigung. Andererseits beweisen die Heerscharen von Berufsjugendlichen, die auf die Fünfzig zugehen und noch immer so tun, als ob sie höchstens halb so alt wären, dass es keine wahnsinnige Leistung ist, sich dieser sozialen Anspruchhaltung zu verweigern. Wer keine altersgerechte Verantwortung für sein Leben übernimmt, kommt damit durch – es sei denn, er verstösst in krasser Weise gegen die Konventionen. „Von wegen «Man ist so alt wie man sich fühlt»“ weiterlesen

Zähneknirschende Tipps zu Whatsapp

Im heutigen Patentrezept-Video geht es um Tricks für Messenger. Ich führe die anhand von Whatsapp vor. Das stellt mich (und mutmasslich auch manche Zuschauer) vor ein Dilemma: Soll man diese App benutzen und, in meinem Fall, Tipps dazu liefern? Whatsapp ist bekanntlich umstritten. Sosehr, dass es einen eigenen Artikel in der englischsprachigen Wikipedia nur zur Kritik am Messenger gibt: Reception and criticism of WhatsApp security and privacy features

Kurz zusammengefasst: Es gibt Detailkritik wegen Sicherheitslücken und bestimmter Features. Das grösste Problem ist aber natürlich die Zugehörigkeit zum Facebook-Konzern. Seit 2016 tauschen der Messenger und Facebook Nutzerinformationen aus. Damit werden die Facebook-Probleme zu Whatsapp-Problemen – und umgekehrt. Aus Gründen des Datenschutzes und der Privatsphäre darf man diese App eigentlich nicht nutzen.

Doch eben: Wenn man Tipps zu einer App oder einer Website gibt, dann empfiehlt man implizit die Verwendung. Denn wieso sollte man Tipps zu einem Produkt liefern, von desssen Anwendung man abrät? Das gleiche Dilemma stellt sich mir des Öfteren:  „Zähneknirschende Tipps zu Whatsapp“ weiterlesen

Container für Webseiten

Firefox hat neuerdings die Erweiterung Multi-Account Containers im Programm. Ist die installiert, hat man die Möglichkeit, geöffnete Webseiten, bzw. die dazu gehörenden Browser-Reiter, in so genannte «Umgebungen» zu verschieben. Die Standard-Umgebungen heissen Arbeit, Banking, Einkaufen und Facebook (wobei Facebook laut diesem Tweet von Facebook Container stammt). Das erinnert an die Möglichkeit der Reitergruppen, die ich seinerzeit im Beitrag Sich beim privaten Surfen nicht erwischen lassen beschrieben und ganz gern genutzt habe. Doch diese Funktion wurde eliminiert – da ist es unwahrscheinlich, dass sie nun in neuer Form wiederaufersteht.

Im Hilfebeitrag Tab-Umgebungen mit Multi-Account Containers beschreibt Mozilla die Sache wie folgt:

Tab-Umgebungen funktionieren wie normale Tabs, aber die in einer Tab-Umgebung besuchten Websites erhalten Zugriff auf ein separates Segment des Browserspeichers. Das bedeutet, dass Ihre Website-Einstellungen, protokollierten Sitzungen und die Trackingdaten nicht in die neue Umgebung übertragen werden. Ebenso wirkt sich das Surfen in der neuen Umgebung nicht auf Ihre eingeloggten Sitzungen oder die Trackingdaten der anderen Umgebungen aus.

Das klingt für meinen Geschmack etwas zu technisch, als dass ich unmittelbar in Begeisterung ausbrechen würde. Die konkreten Beispiele sind dann aber etwas einleuchtender:

Man kann sich mit unterschiedlichen Konten beim gleichen Dienst anmelden, selbst wenn der Dienst keine Unterstützung für Multi-Account zur Verfügung stellt. Das ist sehr sinnvoll – denn sogar mit Google, wo es die Multi-Account-Unterstützung gibt, kommt garantiert immer erst das private GMail-Konto, wenn man eigentlich das geschäftliche Konto benötigt hätte. Und vice versa.

Die zweite Funktion ist, Websites zu isolieren: „Container für Webseiten“ weiterlesen

Das geht unter die Alien-Haut!

Als Ergänzung zu den vielen hier getesteten Lightroom-Alternativen eignet sich Exposure X4 hervorragend. Das stammt aus Raleigh, der Hauptstadt des US-Bundesstaates North Carolina und von einem Softwareentwicker mit dem schönen Namen Alien Skin. Den gibt es seit 1993, und das Eye Candy-Plugin ist jedem ein Begriff, der sich irgendwann einmal mit Plugins für Photoshop herumgeschlagen hat.

Exposure X4 kommt entweder als separates Programm oder als Plugin für Photoshop und Lightroom zum Einsatz. Die Software stellt, wie hier in der Featureliste aufgeführt, die üblichen Verwaltungsfunktionen zur Verfügung. In der neuen Version sind die smart collections dazugekommen: Sie suchen anhand von Bewertung, Farmarkierungen, Exif-Daten, Schlagworten etc. die passenden Fotos zusammen.

Vielversprechend klingt auch das Lightroom Migration Tool: Es importiert Metadaten aus Lightroom: Markierungen, Bewertungen, Farblabels. Denn bei all den Lightroom-Alternativen stellt sich immer die Frage, wie man denn den Umstieg bewerkstelligen würde, wenn man Adobes Programm tatsächlich den Rücken kehrt. Bei der nichtdestruktiven Bildbearbeitung finden die Änderungen in beschreibender Art statt. Und auch wenn die meisten Programme ähnliche Regler anbieten, sind die Bearbeitungsschritte trotzdem abhängig vom Programm und dem Hersteller. Man hat somit die Möglichkeit, die Bilder in entwickelter Form zu exportieren, um sie in der neuen Software zu importieren.

Wählt man diesen Weg, verliert man die Möglichkeit, die Änderungen nachträglich zu bearbeiten oder zur Ursprungsversion zurückzukehren. „Das geht unter die Alien-Haut!“ weiterlesen

Digitaler Kaffeesatz

Als Blogger muss man sich auch mal die Finger dreckig machen. In meinem Fall bedeutet das, dass ich wissen will, welches die beste Wahrsager-App ist. Nun ist das natürlich ein Widerspruch in sich, da ich nicht an Esoterik glaube und der festen Meinung bin, damit man die Zukunft erlebt haben muss, um sie vorhersagen zu können. Mit gutem Grund, denn der Track Record der Gilde der Weissager und Astronomen ist bekanntlich mehr als durchzogen. Doch man stellt sich die Frage: Machen es die Apps wenigstens charmant? Bringen sie einen in Stimmung, die Sterne oder Karten lesen zu wollen. Denn wenn die Information nichts taugt, muss die Präsentation umso besser sein.

Erster Versuch, Fortunica. Die gibt es für Android und fürs iPhone. Beim Klick aufs Menü gibt es in rotierender Abfolge ein tägliches, wöchentliches und monatliches Horoskop. Das macht sich noch nicht einmal die Mühe, nach dem Sternzeichen des Nutzers zu fragen. Man muss das in der Liste selbst heraussuchen. „Digitaler Kaffeesatz“ weiterlesen

Da geht es lang im Internet

Die .htaccess-Datei: Eine jener Erfindungen, die man im selben Atemzug lobpreist und verflucht. Sie macht Dinge möglich. Und gleichzeitig treibt sie einem den Angstschweiss auf die Stirn.

Also, um die Sache etwas einzugrenzen: Die Datei wird von Webservern verwendet, um die Adressen zu konfektionieren. Standardmässig entspricht der Pfad einer URL der Verzeichnis- und Dateistruktur auf dem Server. Beispiel clickomania.ch/click/indexD.html: Das ist eine Datei indexD.html, die im Ordner click im Rootverzeichnis des Webservers liegt.

Nun ist es aber nicht immer so einfach: Wenn man seine Seiten mit PHP aufbereitet oder mittels einer Datenbank mit Inhalten füllt, dann gibt es keine Struktur im Dateisystem des Webservers, die man als URL abbilden könnte. Es werden vielmehr Parameter an Scriptdateien übergeben. Bei vielen dynamischen Websites wird nur eine einzige Seite aufgerufen, auch wenn die Site selbst aus Dutzenden, Hunderten oder Tausenden von Unterseiten besteht. Parameter in der Adresse zeigen an, welcher Beitrag aus der Datenbank geholt werden soll. Diese Parameter werden typischwerweise mit Fragezeichen übergeben. Das könnte etwa so aussehen: Example.com/Main.php?page=1020

Das ist nun nicht sonderlich hübsch und auch nicht sehr praktisch. „Da geht es lang im Internet“ weiterlesen

Die persönliche Datenspur kontrollieren und limitieren

Im Beitrag Wie man als Whistleblower anonym bleibt habe ich mir Gedanken dazu gemacht, wie man jemandem eine Datei zukommen lassen könnte, ohne nachverfolgbar zu sein. Das ist für viele von uns ein theoretisches Problem. Wir plaudern, so nehme ich an, selten Dinge aus, die irgendwer in unserem Unternehmen unbedingt geheimhalten möchte. Und wir verschicken auch keine anonyme Drohungen, Epressungen oder Verunglimpfungen – was ja ebenfalls Situationen wären, bei denen man nicht zurückverfolgbar sein möchte.

Das ändert aber nichts daran, dass man seine Dokumente, wie im Video erklärt, einmal durch die Mangel drehen sollte, bevor man sie Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern oder der Öffentlichkeit zukommen lässt. Denn in digitalen Dokumenten steht oft mehr drin, als dass uns klar ist. Ein gutes Beispiel dafür ist Word: Da denkt man, man hätte alles gesehen, wenn man sein Textdokument im Programmfenster einmal von oben nach unten durchscrollt.

Doch dem ist nicht so: „Die persönliche Datenspur kontrollieren und limitieren“ weiterlesen

Wer in Textverarbeitungs-Abgründe geblickt hat

Im Beitrag Jaaaaaaa! habe ich, man muss es leider sagen, eine Tirade abgelassen. Gelästert und geschnödet. Und mich völlig undankbar gezeigt, wo die Open-Source-Community doch wunderbare Arbeit leistet und mit Libre Office und Open Office zur Softwarevielfalt beiträgt und uns dringend benötigte Auswahlmöglichkeiten liefert.

Der Beitrag hat auf Twitter ein paar Wellen geworfen. Da wurde zu Recht kritisiert, dass Microsoft Office wegen der Trägheit der Nutzer zu dem Status gelangen konnte, den es heute noch immer hat. Und mir ist eingefallen, dass ich immer wieder höre, dass an den Schulen eine Office-Lektion schon als Informatikunterricht gilt. Und zwar offenbar so, dass die Schüler dann lernen, wo sie in Word klicken müssen, um ein neues Dokument zu machen.

Statt die Benutzung von Anwendungen zu lehren, müsste man natürlich die grundsätzlichen Prinzipien von Textverarbeitung und Tabellenkalkulation vermitteln. Das hätte zur Folge, dass der Nutzer nicht aufgeschmissen wäre, wenn er nach einem Update plötzlich mit einer leicht veränderten Benutzeroberfläche konfrontiert ist. Er würde sich sogar zurechtfinden, wenn er plötzlich mit Libre Office arbeiten müsste.

Und er würde, wie Martin Steiger bemerkt, ein paar grundsätzliche Dinge berücksichtigen:

„Wer in Textverarbeitungs-Abgründe geblickt hat“ weiterlesen

Nach dem Shot ist vor der Bearbeitung

Euch ist aufgefallen, dass ich an der Produktkategorie der RAW-Entwickler einen Narren gefressen habe. Und ja, ich kann es nicht verleugnen. Denn heute ist schon wieder ein solches Programm dran: After Shot von Corel. Denn ja, Corel gibt es noch. Und da die von Bildbearbeitung auch ein bisschen etwas verstehen, lohnt sich ein Blick auf dieses Programm. Gerade weil es anscheinend nicht als erstes genannt wird, wenn man nach Alternativen zu Adobe Lightroom fragt.

Beim Start fällt störend auf, dass man ein Corel-Konto erstellen muss, wenn man das Programm nutzen möchte. Die Zeit, wo die Anbindung an ein Online-Benutzerkonto freiwillig war, scheint endgültig vorbei zu sein. Ich nehme an, dass das der schlechte Einfluss von Adobe ist. Bei Corel ist das deswegen seltsam, weil einem nicht erklärt wird, was man von dieser Registrierung hat. Beim Einloggen ins Konto sieht man früher getestete Produkte und Rubriken wie «Auftragsstatus und -entwicklung». Aber nichts, was unmittelbar zwingend erscheint.

Die Anwendung, getestet in der Version 3, erscheint mit schwarzer Oberfläche und der hinlänglich bekannten Aufteilung mit Leisten am linken und rechten Rand und einem grossen Bereich für die Bilder dazwischen. Es fällt auf, dass Corel keine Einteilung nach Modulen vornimmt. Man muss also nicht wie bei Lightroom zwischen Bibliothek, Entwickeln, Karte, Buch, Diashow, Web, etc. umschalten. Das wirkt weniger spektakulär, erfüllt den Zweck aber auch. „Nach dem Shot ist vor der Bearbeitung“ weiterlesen

Tut es!

Es kommt selten vor, dass ich dieses Blog für aktivistische Zwecke nutze. Doch heute ist eine Ausnahme: Heute rufe ich dazu auf, euch bei Swisstransplant anzumelden. Respektive beim Organspenderegister. Dort bekundet man die Absicht, nach seinem Tod seine Organe zu spenden. Das ist bekanntlich eine Opt-In-Angelegenheit: Nur wer sich dazu bereiterklärt, ist Organspender. Es gibt eine Initiative, die wie in Holland das Opt-out-Prinzip ins Gesetz schreiben möchte: Man wäre automatisch Spender, es sei denn, man widerspricht explizit.

Ich trage seit meiner RS ein inzwischen schon reichlich zerfleddertes Organspenderkärtchen in meinem Portemonnaie herum (siehe oben). Aus Überzeugung: Ich verstehe in vielen kontroversen Fällen die Gegenposition, doch nicht in dem Fall: Es liegt irgendwie auf der Hand, dass man seine Organe nicht mehr braucht, wenn man tot ist. «Du brauchst deine Organe nicht mehr» ist quasi ein Synonym für das Wort «Tod». Selbst wenn man an die Seelenwanderung glaubt, was ich nicht tue, dann sollte eigentlich klar sein, dass der Körper ausgedient hat, religiöse Überzeugungen hin oder her. Wirklich, das ist die einzige Spende, bei der man nichts hergeben muss. Denn alles, was man hergibt, ist sowieso weg.

Der Eintrag im Register ist nicht ganz so schnell erledigt, wie man ein Papierkärtchen ausfüllt. „Tut es!“ weiterlesen