Ein Zauberer mit einem etwas dünnen Repertoire an Tricks

Designwizard.com im Test: Erspart einem diese Webanwendung tatsächlich den teuren Gestaltungsprofi oder zumindest die Layoutsoftware?

Es ist schon länger her, dass ich hier im Blog ein Online-Werkzeug für gestalterische Zwecke vorgestellt habe. Dabei habe ich das phasenweise recht intensiv getan: Hier und hier ging es darum, wie man sich möglichst billig ein Logo aus dem Boden, pardon: dem Internet stampft. In diesem Beitrag habe ich die Online-Layout-Software Canva vorgestelt, hier Piktochart und hier Venngage. Mit den letzten beiden Webdiensten bastelt man aus grösseren oder kleineren Datenmengen mehr oder minder ansprechende Infografiken.

Um diese schöne Tradition nach längerer Zeit aufzugreifen und endlich wieder einem kreativen Webdienst zu huldigen, beschäftige ich mich heute mit designwizard.com: Das ist eine Website, die behauptet, man könne mit ihrer Hilfe innert Minuten eindrückliche Gestaltungsarbeit leisten – und das selbst dann, wenn man selbst nur eine mässige Begabung oder überhaupt kein entsprechendes Talent mitbringt.

Der Trick, wie das erreicht werden soll, ist immer der gleiche: Man bekommt ansprechend gestaltete Vorlagen vorgesetzt, die man für seine Zwecke anpasst: Man fügt hier ein Element hinzu, lässt da etwas weg und tauscht dort drüben ein Bild gegen ein anderes aus.

Und ja, diese Methode setzt der Kreativität enge Grenzen. Sie bringt nichts überraschend Neues hervor, sondern reproduziert bewährte Muster. Aber das ist okay, wenn man die Dienste richtig einsetzt. Das heisst: „Ein Zauberer mit einem etwas dünnen Repertoire an Tricks“ weiterlesen

Vorbei mit Sändele?

Die Zukunft eines wichtigen Sicherheitsprogramms für Windows ist ungewiss. Eine gute Gelegenheit, die Alternativen auszuloten.

Sandboxie ist eines der Programme, das ich seit vielen Jahren in Betrieb halte. Sie versetzt Programme in eine abgesicherte Umgebung, eine so genannte Sandbox. Im Beitrag Der Sandkasten fürs Windows-System habe ich das seinerzeit ausführlich beschrieben.

Das Programm war ursprünglich das Werk eines Einzelkämpfers, Ronen Tzur. 2013 hat es ein Sicherheitsunternehmen namens Invincea gekauft, das 2017 in Sophos aufgegangen ist. Und spätestens seit dieser Übernahme hat Sandboxie einen vernachlässigten Eindruck hinterlassen.

Und der täuschte nicht: Im März hat Sophos die Entwicklung eingestellt und das Programm als Open-Source freigegeben. Der Quellcode ist bei Github zu finden.

Bedeutet das das Ende – oder einen Neuanfang? „Vorbei mit Sändele?“ weiterlesen

Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 1: @redder66

Hurra, endlich eine neue Rubrik in meinem Blog: Ich bewerte ungefragt, völlig subjektiv und teilweise hochgradig unfair die Twitter-Nutzer aus meinem Dunstkreis.

Name und Twitter-Handle

Réda el Arbi, alias @redder66. Das Twitter-Handle könnte sich vom Vornamen des Twitter-Nutzers ableiten. Eine Anspielung auf den Redder – «einen Weg zwischen zwei mit Hecken besetzten Gräben» – ist zwar denkbar, aber wenig plausibel; da es sich nicht um einen im Bereich der Naturpflege oder des Gartenbaus angesiedelten Account handelt.

Explizit zu kritisieren ist die Nummer im Handle. In aller Regel sind es wenig erfahrene Internetnutzer, die ihren bevorzugten Aliasnamen mit einer Nummer, beispielsweise dem Jahrgang, ergänzen, wenn der gewünschte Name bereits vergeben ist.

Originalität der Twitter-Bio
«Fick dich!»

Die Selbstcharakterisierung unseres heutigen Probanden lautet wie folgt: «Privat hier – Consultant Communication, brutaler Blogger @ fadegrad.co, freier Journalist, Campaigner, PR-Profi, Autor – allergisch auf Bullshit».

Der Proband wählt eine betont sachliche Form, um sich selbst zu charakterisieren. Er gibt Hinweise auf seine berufliche Tätigkeit, erklärt aber gleichzeitig, dass er Twitter zu privaten Zwecken nutzt. Wir erkennen hier einen gewissen Widerspruch: „Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 1: @redder66“ weiterlesen

Mein Corona-«skeptischer» Freund hat mal wieder auf Facebook gepostet

Wer Unsinn in den sozialen Medien postet, muss sich hier öffentlich Kritik gefallen lassen. Ebenso die Medien, die hanebüchenen Unsinn verbreiten. Heute: «Linth24».

Was muss man eigentlich von linth24.ch halten? Das habe ich mich letzte Woche gefragt, nachdem einer meiner Facebook-Freunde einen Link gepostet hat, der Zweifel an der redaktionellen Kompetenz dieses Online-Mediums aufwirft.

Ein Leserbrief, den die Redaktion sogar mit einer Illustration gewürdigt hat.

Der Beitrag «Aus Angst vor dem Tod aufs Leben verzichten» stammt von einem Leser. Er wird in der Spitzmarke als Leserbrief gekennzeichnet und im Lead entsprechend eingeführt.

Darüber hinaus gibt es keinerlei Einbettung. Das widerspricht meiner Erwartung als Mediennutzer. Denn bei einem klassischen Medium erscheinen Leserbriefe in einem eigenen redaktionellen Gefäss. Sie werden mit anderen Einsendungen gebündelt veröffentlicht und decken im Idealfall das ganze Spektrum der Lesermeinungen ab.

Die Einsendung von Leser Jürg Rückmar steht aber für sich und liest sich wie ein normaler redaktioneller Beitrag. Das lässt nur den Schluss zu, dass die Redaktion von «Linth24» voll und ganz hinter den Aussagen steht. Würde sie es nicht tun, hätte sie am Ende die für Gastbeiträge gerne verwendete Floskel angehängt: «Die Meinung des Autors muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.»

Darum lässt sich an dieser Stelle schon eine Feststellung treffen: Entweder beherrschen die Redaktoren bei «Linth24» ihr Handwerk nicht. „Mein Corona-«skeptischer» Freund hat mal wieder auf Facebook gepostet“ weiterlesen

Dieser Nachrichtenwächter hat einen fatalen Fehler

Newsguard ist eine Initiative gegen Fakenews, die inzwischen auch deutschsprachige Informationsquellen auf ihre Glaubwürdigkeit hin abklopft. Das wäre verdienstvoll – doch leider habe ich etwas Grundsätzliches auszusetzen.

Im Beitrag Wie der Browser vor Fakenews warnt habe ich vor gut anderthalb Jahren auf Newsguard hingewiesen. Das ist eine Initiative gegen Falschnachrichten im Internet.

Das Kernstück ist eine Erweiterung, die es für Firefox, für Google Chrome, Edge, Safari und für andere Browser gibt. Sie zeigt via Adressleiste zu der geöffneten Website eine Bewertung an. Ein grünes Schild bedeutet, dass die Quelle verlässlich ist. Bei Websites, die gelegentlich oder regelmässig Desinformation verbreiten, erscheint hingegen eine rote Warnung.

Diese Einstufung ist auf vielen Websites auch bei Links ersichtlich: Newsguard zeichnet Resultate in Google aus und klinkt sich auch in Facebook ein. Man sieht sofort, ob eine Quelle als verlässlich beurteilt wird oder ob man ihr mit Vorsicht begegnen sollte.

Ich habe in meinem Beitrag ein ausführliches Urteil abgegeben: „Dieser Nachrichtenwächter hat einen fatalen Fehler“ weiterlesen

Microsoft dreht das Rad zurück

Kommt bei Windows 10 durch die Hintertür der Windows-Vista-Look zurück? Ich frage mich das angesichts der Veränderungen beim Startmenü – und weil allenthalben wieder mehr Glas, Transparenz und plastisch wirkende Elemente zu sehen sind.

Wir sind es uns gewohnt: Im Herbst gibt es von Microsoft ein Update für Windows 10. Das war auch heuer nicht anders. Das Update trägt den Codenamen 20H2 (siehe Die bizarre Zahlenmystik, die Microsoft mit Windows 10 betreibt). Es wird derzeit über die automatische Update-Funktion an die Nutzer ausgeliefert.

Ja, ich kann meine Enttäuschung nicht verbergen: Es gibt nur wenige Neuerungen in diesem Update. Die Hauptneuerung finde ich nicht gelungen.

Diese Hauptneuerung ist die optische Auffrischung des Startmenüs. Microsoft-Manager Brandon LeBlanc erklärt im Windows-Blog, die Kacheln seien nun «Theme-aware» – was eine extravagante Formulierung dafür ist, dass sie das für Windows gewählte Farbschema berücksichtigen.

Die Veränderungen am Startmenü beschreibt LeBlanc wie folgt: „Microsoft dreht das Rad zurück“ weiterlesen

Ich weiss, wonach du vor drei Wochen gegoogelt hast

Eine Software behauptet, die Surfgewohnheiten einer Person schonungslos offenzulegen. Aber vollumfänglich einhalten kann sie dieses Versprechen nicht.

Aus nicht mehr rekonstruierbarem Anlass habe ich mir neulich ein Programm namens Browser History Examiner heruntergeladen. Das verspricht einerseits Aufschluss über die Aktivitäten im Netz, andererseits gezielte Suchmöglichkeiten nach bestimmten Informationen: Man kann sich den Suchverlauf ansehen, Mailadressen extrahieren, die URLs nach Kategorien filtern und sich die Bilder ansehen, die im Cache stecken.

Mit anderen Worten: Wenn dieses Werkzeug seine Versprechen einhält, steht der examinierte Webnutzer ziemlich exponiert da. Der Name des Unternehmens, Foxton Forensics, gibt dem ganzen einen ernsthaften Anstrich und eine kriminalistische Note.

Die Hersteller-Beschreibung unterstreicht das: «BHE kann bei digitalen Ermittlungen behilflich sein, zum Beispiel bei zivil- und strafrechtlichen Forensik-Fällen, Sicherheitsvorfällen, Personaluntersuchungen und allgemeinen Berichten über Mitarbeiteraktivitäten.»

Interessant jedenfalls, dass nicht nur Ermittler zum anvisierten Nutzerkreis gehören, sondern auch neugierige Chefs und übergriffige Arbeitgeber. „Ich weiss, wonach du vor drei Wochen gegoogelt hast“ weiterlesen

Mit einer App die Kinder schützen?

Microsoft hat sein Family Safety-Programm ausgebaut und von Windows auf Android und iOS ausgeweitet. Ich habe es mir angesehen und übe Kritik – sowohl an den technischen Details wie an der grundsätzlichen Idee, Kinder zu überwachen und einzuschränken.

Das sind die Einstellungen, die Vater Matthias für Sohn Matthias treffen kann.

Mit dieser Besprechung hier tue ich mich schwer. Es geht um  Microsoft Family Safety. Mein Problem mit der App ist, dass ich nicht sicher bin, ob ich die grundsätzliche Idee gut finde und gutheissen kann.

Aber zum Glück muss jede Familie für sich selbst entscheiden, ob eine solche App eingesetzt werden soll. Und darum gibt es hier eine möglichst neutrale Besprechung – mit meiner persönlichen Meinung am Schluss.

Also, zu den Fakten: Microsoft Family Safety gibt es fürs iPhone und iPad und für Android. In Windows sind die korrespondierenden Funktionen von Haus aus integriert. Man findet sie in der App Windows-Sicherheit im Abschnitt Familienoptionen. Klickt man auf Familieneinstellungen anzeigen, landet man auf account.microsoft.com/family, dem Online-Dashboard für die Familienfunktionen. Nebenbei bemerkt gibt es hier auch die Möglichkeit, Notizen via Onenote zu teilen, und einen Familienkalender anzulegen.

Die App will fünf Aufgaben erfüllen: „Mit einer App die Kinder schützen?“ weiterlesen

Diese Website ist ein Gedicht

Darum ist das Web so toll: Es gibt Websites, die einen begeistern, selbst wenn man mit dem dort abgehandelten Thema nichts anfangen kann.

Ich sags gleich, wie es ist: Gedichte sind nicht mein Ding. Lyrik ist mir zu anstrengend. Und wenn meine Texte sich hinten reimen müssten, dann wäre ich heute Gärtner. Oder Buchhalter.

Nichtsdestotrotz geht es in diesem Beitrag heute um Gedichte. Und um die erstaunliche Gegebenheit, dass es interessante Websites zu langweiligen Themen gibt. Ja, ich habe eine Website gefunden, die mir überaus gut gefällt, obwohl es dort nichts anderes als Gedichte zu finden gibt.

Die Website heisst lyrikline.org. Es gibt sie schon seit ewig – nämlich genauso lange wie diese Website hier, die seit 1999 das Web bereichert. Sie wurde, wie man bei Wikipedia erfährt, vom Haus für Poesie Berlin ins Leben gerufen. Sie sei ein «kulturelles Brückenprojekt» – was bedeutet, dass sie Grenzen und Sprachbarrieren überwindet und für jedermann zugänglich ist.

Die Beschreibung leuchtet ein: „Diese Website ist ein Gedicht“ weiterlesen

Skandal, was mir der Amazon-Algorithmus so alles vorenthält!

Ich bespreche drei Bücher: Zwei überzeugen und eines habe ich eines fertig gelesen. Und dieses dritte Buch macht klar, dass J. K. Rowling auch der grösste Shitstorm nichts anhaben kann.

Meine Ausbeute bei den Hörbüchern war in der letzten Zeit nicht gut. Von drei gekauften Werken habe ich nur eines fertig gelesen. Dabei gehöre ich zu denen, die angefangene Dinge meistens zu Ende bringen – auch bei der Lektüre.

Die drei Bücher waren NPC von Jeremy Robinson, Brave New World von Aldus Huxley (deutsch Schöne Neue Welt) und Troubled Blood von
Robert Galbraith alias J. K. Rowling (deutsch Böses Blut). (Links jeweils Amazon Affiliate.)

Wenn ihr mich und dieses Blog hier gut kennt, dann erratet ihr sofort, bei welchem Buch ich drangeblieben bin.

Ja, natürlich, «Troubled Blood», der neueste Fall von Cormoran Strike und Robin Ellacott. Ich habe The Cuckoo’s Calling gelesen und hier besprochen und dann mit The Silkworm und Career of Evil nachgedoppelt. Und anhand des bücherübergreifenden Handlungsbogens ist mir aufgefallen, dass ich eine Folge verpasst haben muss.

Eine kleine Nachforschung hat ergeben, dass dem tatsächlich so ist. Mir ist Lethal White von 2018 entgangen. Das ist die vierte Folge, die ich mir sogleich besorgt habe – nicht ohne mich darüber zu ärgern, nun die Bücher nicht in der richtigen Reihenfolge geniessen zu können.

Dieses Versäumnis lässt den famosen Amazon-Algorithmus in  schlechtem Licht dastehen. „Skandal, was mir der Amazon-Algorithmus so alles vorenthält!“ weiterlesen