Eine unterbewertete Datenschutz-App

Gestern ging es an dieser Stelle im Beitrag Den Datensammlern eine lange Nase! um den Schutz der privaten Daten im Netz und um den Brave-Browser. Bei meinen Recherchen zu diesem Beitrag bin ich auf einen einheimischen Kämpfer für die Privatsphäre gestossen. Er heisst Snow Haze und ist bislang fürs iPhone erhältlich.

In der Schweiz haben sich diverse Medien mit der App beschäftigt. SRF hat die App und die Macher 2018 vorgestellt. Laut «Blick» verhindert sie sogar «peinliche Porno-Pannen». Allerdings hat es die App nie über die Landesgrenzen hinaus geschafft. Ich habe auf keiner der grossen internationalen Tech-Websites einen Artikel zu Snow Haze gefunden, weder in Deutsch noch in Englisch.

Das kann zwei Dinge bedeuten: Entweder haben die internationalen Medien nur den eigenen Bauchnabel vor Augen – und nicht kapiert, dass auch die kleine Schweiz nennenswerte Beiträge zur digitalen Welt beiträgt.

Oder die App ist nicht so herausragend, dass sich eine Würdigung aufdrängen würde.

Wenn man die Berichte der Schweizer Medien liest, dann bekommt man leider den Eindruck, dass das zweite der Fall ist. „Eine unterbewertete Datenschutz-App“ weiterlesen

Den Datensammlern eine lange Nase!

Ich hatte letzthin eine Cookie-Erfahrung, die mich nachhaltig traumatisiert hat. Um mich zu therapieren, habe ich die Erkenntnisse zum Thema auf den neuesten Stand gebracht: Was den Trackingschutz angeht, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht: Wer mit einem Desktop-Computer im Netz unterwegs ist, hat inzwischen sehr gute Instrumente zur Verfügung. Das gilt selbst für die Leute, die keine Lust haben, Browser-Erweiterungen (wie zum Beispiel Ghostery) zu installieren. Man muss allerdings gewillt sein, Firefox zu benutzen. Denn während sich die Browser in vielen Bereichen nicht gross unterscheiden, sind die Funktionen zum Datenschutz bei Firefox ein echtes Unterscheidungsmerkmal.

Das ist auch kein Wunder: Denn die Mozilla-Stiftung ist in der idealen Position, eine harte Linie zu fahren. Anders als zum Beispiel Google, wo das Datensammeln zum Kern der Geschäftstätigkeit gehört. Und auch Apple kann es sich leisten, Haltung zu zeigen.

Firefox jedenfalls hat die Schutzfunktionen in der letzten Zeit kontinuierlich ausgebaut. Die Version 70 von Safari Firefox bringt noch einmal einen wichtigen Schritt. „Den Datensammlern eine lange Nase!“ weiterlesen

Meine neuen, imaginären Freunde

Es gibt Erfindungen, von denen man nicht so richtig weiss, was man von ihnen halten soll. Und damit meine ich nicht den Käse aus der Tube, den elektrifizierten Kinderwagen oder das Glühbier. Sondern Dinge wie thispersondoesnotexist.com.

Das ist eine Website, auf der Fotos von Leuten gezeigt werden, die, wie der Name verrät, nicht existieren. Es hat sie nie gegeben. Sie haben keinen Namen, keine Mutter und keinen Vater. Und trotzdem sehen sie so aus, als ob sie mit ein bis zwei Beinen im Leben stehen würden.

Der Clou ist: Die Bilder stammen von einer künstlichen Intelligenz. Von einer GAN (Generative adversarial network), um ganz genau zu sein. Hier steht, wie man sich das genau vorzustellen hat:

Ein solches System besteht aus zwei neuronalen Netzwerken. „Meine neuen, imaginären Freunde“ weiterlesen

Tiere in die Arche stapeln

Wer gute Apps finden will, der muss sich erst mit mittelmässigen und schlechten Apps herumschlagen. Das gilt in vielen Kategorien. Aber besonders offensichtlich ist es bei den Apps, die sich an Kinder richten.

Das hat meines Erachtens zwei Gründe. Erstens sind gute Kinder-Apps besonders schwierig: Sie müssen altersgerecht, hübsch und originell sein – und nicht nur den Goofen (schweizerdeutsch für Blagen), sondern auch den Eltern gefallen. Und zweitens nutzen manche App-Entwickler den Umstand schamlos aus, dass Kinder laut Quengeln, Schreien und Toben können. Und diese Fähigkeit gerne auch dazu einsetzen, um ihren Willen zu bekommen.

Das Resultat ist zum Beispiel eine App, bei der das Kind kostenlos zwei Dinosaurier zusammenpuzzeln und anmalen kann. Das sind  typischerweise die lahmsten Dinosaurier, die die prähistorische Welt je gesehen hat. Wenn das Kind sich mit seinen virtuellen Farbstiften auf die coolen Dinos stürzen will, dann blitzt es ab – weil T-Rex, Triceratops, Velociraptor und Spinosaurus erst mit einem In-App-Kauf freigeschaltet werden müssen.

Nun ist es natürlich auch für Hersteller von Kinder-Apps nicht verboten, sich erfolgversprechende Finanzierungsmodelle für ihre Apps auszudenken. Aber es ist halt moralisch überaus verwerflich, wenn unschuldige Kinder auf die Rolle als Umsatzträger reduziert werden. Mögen diese Entwickler für alle Ewigkeit im Höllenfeuer schmoren! „Tiere in die Arche stapeln“ weiterlesen

Fröhliche PDF-Vereinigung

Das PDF-Format ist, behaupte ich, etwas vom Besten, was Adobe je gemacht hat. Daran halte ich fest – auch wenn ich ein Format vorziehen würde, das komplett frei von Patenten ist.

Das papierlose Büro ist ohne PDF nicht denkbar. Und ich archiviere mein Recherchematerial aus dem Internet in PDF-Form. Denn so habe ich alle meine Informationen noch greifbar, selbst wenn die Originalquellen nicht mehr verfügbar sein sollte. Was bekanntlich häufiger vorkommt, als einem lieb sein kann.

Leider unterstützt Windows das PDF-Format nach wie vor nur unzureichend. Man bekommt seine PDF-Dateien zwar inzwischen auch ohne den Adobe Reader zu Gesicht. Microsoft Edge zeigt sie an und bietet auch rudimentäre Bearbeitungsmöglichkeiten: Textmarkierung und Kommentar. Doch andere Funktionen wie Seiten hinzufügen, löschen, umstellen, etc., gibt es nach wie vor nicht.

Man kann sich dafür mit Webdiensten behelfen. Ich habe in letzter Zeit einige vorgestellt: pdfbob.com (Wenn Bob über eure PDFs herfällt), Pdfshrink.com (Der Shrink fürs PDF), SmallPDF (Etwas vom Besten, was Adobe je gemacht hat) und pdfcandy.com (Ein Zückerchen für PDF-Nutzer).

Aber eben: Es kommt immer wieder vor, dass eine PDF-Datei vertraulich ist, sodass man sie nicht einfach ins Web hochladen will. Dann braucht man ein Programm, mit dem man die Aufgabe offline erledigt.

Und für diesen Zweck wäre eine App aus dem Microsoft Store die beste Wahl: „Fröhliche PDF-Vereinigung“ weiterlesen

Apple könnte von Microsoft lernen

Im Patentrezept-Video geht es nun – nach den Querelen im Vorfeld – tatsächlich um die neue Version von Apples Desktop-Betriebssystems. Mac OS 10.15 alias Catalina zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass vieles verschwindet: iTunes wird in drei Apps, Musik, Podcasts und TV, zerlegt. Die Unterstützung für 32-bit-Anwendungen wird ausgebaut. Und was ich im Video nicht erwähne: Auch das Dashboard muss über die Klinge springen.

Dem weine ich keine Träne nach. Das Dashboard war schon immer ein nutzloser Ressourcenfresser. Es stammt aus der Zeit, wo die Hersteller krampfhaft bemüht haben, dem Desktop mehr Nützlichkeit abzugewinnen. Bei Windows Vista gab es die Gadgets und beim Mac die Widgets, und beide Erfindungen haben sich nicht bewährt.

Das liegt daran, dass diese Informationshäppchen heute via Smartphone, Tablet oder eventuell sogar per Smartwatch verabreicht werden. Da darf der Desktop in der Tat frei von solchen nervösen Mini-Bildschirmelementen bleiben, die bloss vom Arbeiten ablenken.  „Apple könnte von Microsoft lernen“ weiterlesen

Das Pasta-Gadget

Heute wagt sich dieses Blog wieder einmal in ein thematisches Randgebiet vor. Es geht zwar um ein Gadget. Aber um eines, das weder smart ist noch eine Internetanbindung aufweist. Immerhin hat es ein digitales Display – aber das ist auch schon der einzige Bezug zur Welt der Hochtechnologie.

Aber essen müssen schliesslich alle. Sogar wir Nerds, die wir uns hauptsächlich im Cyberspace aufhalten und uns von Bits und Bytes ernähren. Und dafür ist dieses Gadget gut: Für die analoge Kalorienzufuhr. Das Gadget gibt einem sogar das angenehme Gefühl, man würde eine selbstverantwortliche Ernährungsweise pflegen und nicht bloss Fastfood und Fertiggerichte in sich hineindrücken. (Was natürlich ein Klischee ist.)

Also, es geht um eine Teigwarenmaschine, neudeutsch Pastamaker genannt. Hier im Blog bespreche ich speziell die Avance Collection von Philips, die es bei Galaxus für ca. 230 Franken und bei Amazon für um die 209 Euro gibt. Aber ich nehme an, dass andere Modelle und die Geräte der Konkurrenz ganz ähnlich funktionieren.

Eine solche Maschine hat mehrere Vorteile: Sie erlaubt es unsereins, unsere (im Kindesalter stecken gebliebenen) kulinarischen Vorlieben zu pflegen und fünfmal die Woche Teigwaren zu essen. Gleichzeitig schmeisst man nicht einfach fertig gekaufte Pasta in einen Topf und macht eine Fertigsosse dazu. Nein, man stellt die Pasta selbst her und darf sich dem Gefühl hingeben, die jahrtausendealte Menschheitstradition der Selbstversorgung weiterzuführen. „Das Pasta-Gadget“ weiterlesen

Zwei Dateien-Tricks für iOS 13

Hier im Blog ging es schon zweimal um iOS 13 und iPad OS 13. Erstens gab es eine allgemeine Besprechung (Das lange Warten auf den besseren Homescreen) und zweitens eine Erklärung der neuen Funktion zum Schutz der Ortsdaten (Wo bist du? Wo bist du? Wo bist du?). Im dritten Beitrag soll es nun um kleinere Tipps gehen.

Die Dateien-App ist endlich (einigermassen) brauchbar. Ich habe mich schon des Öfteren darüber beklagt, dass man im iPad und iPhone nicht vernünftig mit Dateien umgehen kann. Ursprünglich gab es überhaupt kein klassisches, hierarchisches Dateisystem. Dokumente steckten ausschliesslich in den Apps. Und auch wenn das für viele Anwender die Benutzung vereinfacht, stellt es einen in gewissen Situationen vor fast unlösbare Probleme.

Die Dateien-App hat diese ursprünglichen Mankos graduell verbessert. Doch das Gelbe vom Ei war auch die nicht, wie ich im Beitrag Nein, das iPad ist kein Profi-Gerät ausgeführt habe.

Beim letzten Update ist diese Dateien-App nun auf einem Niveau angelangt, wo sich Apple nicht mehr allzusehr schämen muss. „Zwei Dateien-Tricks für iOS 13“ weiterlesen

Wie der Zauberwürfelmann zum Whistleblower wurde

Um dieses Buch kommt jemand wie ich nicht herum. Darum ist es auch überhaupt keine Frage, dass es hier im Blog besprochen wird. Wobei ich nun gar nicht allzu viel über den Inhalt verlieren will: Es ist eine Autobiografie und eine Erzählung der Ereignisse, die rund um den 6. Juni 2013 stattgefunden haben. Es erklärt schlüssig, wie es dazu kommen konnte, dass der grösste Datenschutzskandal aller Zeiten stattgefunden hat. Und wie ein Patriot zum «Landesverräter» wurde.

Der Whistleblower war ihm nicht in die Wiege gelegt.

Es geht um Permanent Record, das Buch von Edward Snowden (Amazon deutsch; Amazon Englisch), das Mitte September auf den Markt gekommen ist. Und auch wenn ich es als Pflichtlektüre apostrophiert habe, empfehle ich es unbedingt auch all den Leuten, die ihre Bücher auf rein freiwilliger Basis auswählen dürfen. Denn «Permanent Record» hat mich ab Seite eins überrascht und in den Bann geschlagen.

Ich war schon bei den ersten Kapiteln verblüfft, wie flüssig und leichtfüssig das Buch geschrieben ist. Ich gebe zu, dass das mit meiner vorgefassten Meinung zu tun hatte. Die wiederum fusst auf einer klischierten Vorstellung der Spezies des Nerds, die ich offenbar habe: Ich dachte, dass so einer wie der Snowden eine trockene Schreibe pflegen muss. Er würde sich in den technischen Details von XKeyscore, PRISM und Boundless Informant verlieren, so habe ich befürchtet.

Aber da lag ich doch ziemlich daneben. „Wie der Zauberwürfelmann zum Whistleblower wurde“ weiterlesen

Geht zum Wählen!

Die Wahlen sind fast da – noch zehn Tage dauert es, bis wir (vielleicht) einen grünen Linksrutsch durchs Parlament senden. Ich nehme an, dass die allermeisten Leserinnen die Wahlzettel längst ausgefüllt haben. Denn wer informationell so selbstbestimmt ist, dass er sogar Blogs liest (!), der wird sich auch bei der politischen Mitbestimmung nicht den Anken (🇩🇪🇦🇹: Butter) vom Brot nehmen lassen.

Wer es aber noch nicht getan hat, obwohl er wahlberechtigt ist: Siehe Titel!

Wie üblich vor den Wahlen habe ich mir meinen smarten Spider ausrechnen lassen. Das ist eine Visualisierung der politischen Ansichten, die nicht bloss zwischen den zwei Polen links-rechts, sondern auf acht Achsen (offene Aussenpolitik – restriktive Migrationspolitik, liberale Gesellschaft – Law & Order, ausgebauter Sozialstaat – restriktive Finanzpolitik, ausgebauter Umweltschutz – liberale Wirtschaftspolitik) abgebildet wird.

Die vier Begriffspärchen sind konträr aufgestellt, aber nicht unvereinbar. „Geht zum Wählen!“ weiterlesen