Windows, was für eine Sauordnung!

Microsoft kassiert eine Standpauke, weil offensichtliche Mängel des Betriebssystems auch 25 Jahre später noch nicht behoben sind. Und ich gebe Tipps, wie man das Beste aus dieser desolaten Situation macht.

Windows hat sich in der letzten Zeit gemacht: Die Einstellungen sind im Vergleich zur alten Systemsteuerung einfacher zu benutzen und einleuchtender. Die App-Zeitleiste, die mit April-2018-Update eingeführt wurde, machte eine annähernd nutzlose Funktion brauchbar. Und die Fotos-App ist ebenfalls ein grosser Fortschritt.

Es gibt auch eine Kehrseite: Manche Funktionen sind seit Jahren unbrauchbar. Und obwohl das jedem bewusst ist, der seinen Windows-PC mindestens einmal pro Woche einschaltet und mehr als drei Apps installiert hat, tut Microsoft nichts dagegen. Dieses komplette Desinteresse ist mir ein völliges Rätsel.

Ich beziehe mich mit dieser Kritik auf den Windows-Explorer, bzw. die Windows Shell. Das ist die sichtbare Benutzeroberfläche des Betriebssystems, mit der man sich herumschlägt, wenn man Programme startet und Dokumente verwaltet. Diese Shell muss sich (meiner bescheidenen Meinung nach) nicht hinter der anderer Systeme verstecken. Ich finde sie beispielsweise besser als den Finder des Mac.

Aber eben: Sie hat ein paar Mängel, die den Alltagsnutzen unnötig schmälern und Funktionen, die eigentlich sinnvoll wären, mehr oder weniger unbrauchbar machen.

Ich habe ein Paradebeispiel und einen Kronzeugen für diese Behauptung: „Windows, was für eine Sauordnung!“ weiterlesen

Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 2: @PrettyDamnSwiss

Ich bewerte ungefragt, völlig subjektiv und teilweise hochgradig unfair die Twitter-Nutzer aus meinem Dunstkreis. Heute: Rea.

Name und Twitter-Handle

Rea is staying the fk home alias @PrettyDamnSwiss. Diese Twittererin hat ein natürliches, leicht anarchistisches Talent für Twitter und ein wohl angeborenes Gespür für die neuen digitalen Medien. Das ist allein an den beiden Eckdaten ihres Accounts, dem Namen und dem Twitter-Handle, zu erkennen.

Was macht die Kröte da?

Einerseits verrät uns die heutige Probandin in der Angabe beim Namensfeld nichts mehr als ihren Vornamen, Rea. Andererseits verwendet sie ihn für die unmissverständliche Feststellung, dass sie the fuck zu Hause bleibt.

Mit diesem Zusatz positioniert sie sich klar als Unterstützerin der Covid-19-Schutzmassnahmen – und da sie das bereits beim Namen tut, darf die Twitter-Gefolgschaft auch davon ausgehen, dass diese Twittererin auch bei ihren Tweets mit Meinungsäusserungen nicht sparsam sein wird.

Man könnte auch den Eindruck bekommen, dass diese Twittererin direkt und schnörkellos kommuniziert. Doch dieser Annahme wird bereits durch das Twitter-Handle infrage gestellt. Das lautet @PrettyDamnSwiss.

Dieses Alias ist – zumindest für Leute, die die Probandin nicht persönlich kennen – nicht eindeutig zu interpretieren. „Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 2: @PrettyDamnSwiss“ weiterlesen

Die hohe Kunst der Inszenierung

Der Beoplay H95 im Test: Ist dieser Kopfhörer, der mich fast dazu verleitet hätte, ein Unboxing-Video zu fabrizieren, tatsächlich 900 Franken wert?

Eine der dämlichsten Modeerscheinungen, die in letzter Zeit die Tech-Welt heimgesucht hat, sind die sog. Unboxing-Videos: Man sieht jemandem zu, wie er ein Gerät aus der Verpackung nimmt. Das hat keinerlei Nutzwert für den Betrachter. Der einzige Zweck eines solchen Videos ist, die Vorfreude zu steigern und das Produkt zu zelebrieren. Entsprechend ist ein solches Video keine journalistische Leistung, sondern Marketing.

Okay, kleiner Einwand: Einen Nutzen haben Unboxing-Videos. Nämlich für Leute wie mich, die ihre Testgeräte nach dem Test zurückschicken – und dann herausfinden müssen, wie zum Teufel Gadget, die Kabel, Anleitung und das Zubehör jemals in diese winzige Schachtel gepasst haben. Daran scheitere ich regelmässig. Und deswegen habe ich auch schon Hilfe bei Youtube gesucht. Aber klar: Man könnte stattdessen beim Auspacken zu Dokumentationszwecken ein Handyfoto machen.

Neulich habe ich mir aber trotzdem fast eine halbe Sekunde lang überlegt, selbst ein solches Video zu machen. Nämlich, als neulich ein Testexemplar des Beoplay H95 bei mir eingetroffen ist.

Bei diesem Gadget bekommt man als Erstes eine edle Kartonschachtel in die Finger. „Die hohe Kunst der Inszenierung“ weiterlesen

App Tracking: Es ist noch viel, viel schlimmer

Mithilfe der Exodus-Datenbank erfährt man mehr über die Art und Weise, wie Apps uns tracken. Und die Erkenntnis ist: Google steckt einfach überall.

Das Tracking im Netz ist ein konstantes Übel: Es kann nicht angehen, dass jegliche Daten über uns Nutzer gesammelt werden, nur weil das möglich ist. Es braucht eine Abwägung zwischen dem Bedürfnis dieser Nutzer, nicht zum gläsernen Surfer zu werden und berechtigten Anspruch der Betreiber, zumindest grundlegende Kenntnisse der Nutzer-Interessen zu haben.

Um dieses Thema ging es gestern im Beitrag Zur Hölle mit dem User Journey Mapping. Heute gibt es einen Nachtrag in Form eines Hinweises auf eine Website, die uns Nutzern hilft, uns ein Bild darüber zu verschaffen, wie gross das Interesse einer App an uns Nutzern und unseren Verhaltensweisen ist.

Die Website heisst Exodus und ist nach eigenen Angaben eine privacy audit platform for Android applications, also eine Plattform, auf der Android-Apps dahingehend überprüft werden, wie sie mit der Privatsphäre der Nutzer verfahren. Und ja: „App Tracking: Es ist noch viel, viel schlimmer“ weiterlesen

Zur Hölle mit dem User Journey Mapping

Was man gegen das Tracking in den Apps tun kann – und warum es endlich ein Umdenken bei den Datensammlern braucht.

Das Tracking in Apps ist ein Thema, das mich seit einiger Zeit beschäftigt. Denn wenn man sieht, wie minutiös unsere Aktivitäten beim Surfen protokolliert, analysiert und monetarisiert werden, dann braucht man sich keine Illusionen zu machen.

Im Gegenteil: Es liegt auf der Hand, dass das gleiche auch bei der Nutzung von Apps an Tablets und Handys geschieht. Und auch die Desktop-Betriebssysteme sind nicht ausgeklammert, wie die gelegentlichen scheuen Anfragen zeigen, ob man denn nicht «Insights mit den Entwicklern teile wolle».

Im Web haben wir immerhin Möglichkeiten, Gegensteuer zu geben. Einige davon habe ich im Beitrag Den Datensammlern eine lange Nase! beschrieben. Bei den Apps sind die Einflussmöglichkeiten geringer. Das liegt daran, dass sie direkt vom Betriebssystem ausgeführt werden und keinen Browser benötigen. Denn dieser Browser ist der Verbündete von uns Nutzern, wenn es um die Beschränkung des Trackings geht. Wir können ihn anweisen, unerwünschte Module nicht zu laden und Gegensteuer geben.

Diese Möglichkeit gibt es bei Apps nicht. Eine App ist im Vergleich zu einer Website eine Blackbox. Und da die mobilen Betriebssysteme weniger über interne Vorgänge preisgeben als die Desktop-Systeme, sind wir Nutzer den Aktivitäten der Datensammler ausgeliefert. Naja, nicht ganz: „Zur Hölle mit dem User Journey Mapping“ weiterlesen

Ein Zauberer mit einem etwas dünnen Repertoire an Tricks

Designwizard.com im Test: Erspart einem diese Webanwendung tatsächlich den teuren Gestaltungsprofi oder zumindest die Layoutsoftware?

Es ist schon länger her, dass ich hier im Blog ein Online-Werkzeug für gestalterische Zwecke vorgestellt habe. Dabei habe ich das phasenweise recht intensiv getan: Hier und hier ging es darum, wie man sich möglichst billig ein Logo aus dem Boden, pardon: dem Internet stampft. In diesem Beitrag habe ich die Online-Layout-Software Canva vorgestelt, hier Piktochart und hier Venngage. Mit den letzten beiden Webdiensten bastelt man aus grösseren oder kleineren Datenmengen mehr oder minder ansprechende Infografiken.

Um diese schöne Tradition nach längerer Zeit aufzugreifen und endlich wieder einem kreativen Webdienst zu huldigen, beschäftige ich mich heute mit designwizard.com: Das ist eine Website, die behauptet, man könne mit ihrer Hilfe innert Minuten eindrückliche Gestaltungsarbeit leisten – und das selbst dann, wenn man selbst nur eine mässige Begabung oder überhaupt kein entsprechendes Talent mitbringt.

Der Trick, wie das erreicht werden soll, ist immer der gleiche: Man bekommt ansprechend gestaltete Vorlagen vorgesetzt, die man für seine Zwecke anpasst: Man fügt hier ein Element hinzu, lässt da etwas weg und tauscht dort drüben ein Bild gegen ein anderes aus.

Und ja, diese Methode setzt der Kreativität enge Grenzen. Sie bringt nichts überraschend Neues hervor, sondern reproduziert bewährte Muster. Aber das ist okay, wenn man die Dienste richtig einsetzt. Das heisst: „Ein Zauberer mit einem etwas dünnen Repertoire an Tricks“ weiterlesen

Vorbei mit Sändele?

Die Zukunft eines wichtigen Sicherheitsprogramms für Windows ist ungewiss. Eine gute Gelegenheit, die Alternativen auszuloten.

Sandboxie ist eines der Programme, das ich seit vielen Jahren in Betrieb halte. Sie versetzt Programme in eine abgesicherte Umgebung, eine so genannte Sandbox. Im Beitrag Der Sandkasten fürs Windows-System habe ich das seinerzeit ausführlich beschrieben.

Das Programm war ursprünglich das Werk eines Einzelkämpfers, Ronen Tzur. 2013 hat es ein Sicherheitsunternehmen namens Invincea gekauft, das 2017 in Sophos aufgegangen ist. Und spätestens seit dieser Übernahme hat Sandboxie einen vernachlässigten Eindruck hinterlassen.

Und der täuschte nicht: Im März hat Sophos die Entwicklung eingestellt und das Programm als Open-Source freigegeben. Der Quellcode ist bei Github zu finden.

Bedeutet das das Ende – oder einen Neuanfang? „Vorbei mit Sändele?“ weiterlesen

Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 1: @redder66

Hurra, endlich eine neue Rubrik in meinem Blog: Ich bewerte ungefragt, völlig subjektiv und teilweise hochgradig unfair die Twitter-Nutzer aus meinem Dunstkreis.

Name und Twitter-Handle

Réda el Arbi, alias @redder66. Das Twitter-Handle könnte sich vom Vornamen des Twitter-Nutzers ableiten. Eine Anspielung auf den Redder – «einen Weg zwischen zwei mit Hecken besetzten Gräben» – ist zwar denkbar, aber wenig plausibel; da es sich nicht um einen im Bereich der Naturpflege oder des Gartenbaus angesiedelten Account handelt.

Explizit zu kritisieren ist die Nummer im Handle. In aller Regel sind es wenig erfahrene Internetnutzer, die ihren bevorzugten Aliasnamen mit einer Nummer, beispielsweise dem Jahrgang, ergänzen, wenn der gewünschte Name bereits vergeben ist.

Originalität der Twitter-Bio
«Fick dich!»

Die Selbstcharakterisierung unseres heutigen Probanden lautet wie folgt: «Privat hier – Consultant Communication, brutaler Blogger @ fadegrad.co, freier Journalist, Campaigner, PR-Profi, Autor – allergisch auf Bullshit».

Der Proband wählt eine betont sachliche Form, um sich selbst zu charakterisieren. Er gibt Hinweise auf seine berufliche Tätigkeit, erklärt aber gleichzeitig, dass er Twitter zu privaten Zwecken nutzt. Wir erkennen hier einen gewissen Widerspruch: „Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 1: @redder66“ weiterlesen

Mein Corona-«skeptischer» Freund hat mal wieder auf Facebook gepostet

Wer Unsinn in den sozialen Medien postet, muss sich hier öffentlich Kritik gefallen lassen. Ebenso die Medien, die hanebüchenen Unsinn verbreiten. Heute: «Linth24».

Was muss man eigentlich von linth24.ch halten? Das habe ich mich letzte Woche gefragt, nachdem einer meiner Facebook-Freunde einen Link gepostet hat, der Zweifel an der redaktionellen Kompetenz dieses Online-Mediums aufwirft.

Ein Leserbrief, den die Redaktion sogar mit einer Illustration gewürdigt hat.

Der Beitrag «Aus Angst vor dem Tod aufs Leben verzichten» stammt von einem Leser. Er wird in der Spitzmarke als Leserbrief gekennzeichnet und im Lead entsprechend eingeführt.

Darüber hinaus gibt es keinerlei Einbettung. Das widerspricht meiner Erwartung als Mediennutzer. Denn bei einem klassischen Medium erscheinen Leserbriefe in einem eigenen redaktionellen Gefäss. Sie werden mit anderen Einsendungen gebündelt veröffentlicht und decken im Idealfall das ganze Spektrum der Lesermeinungen ab.

Die Einsendung von Leser Jürg Rückmar steht aber für sich und liest sich wie ein normaler redaktioneller Beitrag. Das lässt nur den Schluss zu, dass die Redaktion von «Linth24» voll und ganz hinter den Aussagen steht. Würde sie es nicht tun, hätte sie am Ende die für Gastbeiträge gerne verwendete Floskel angehängt: «Die Meinung des Autors muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.»

Darum lässt sich an dieser Stelle schon eine Feststellung treffen: Entweder beherrschen die Redaktoren bei «Linth24» ihr Handwerk nicht. „Mein Corona-«skeptischer» Freund hat mal wieder auf Facebook gepostet“ weiterlesen

Dieser Nachrichtenwächter hat einen fatalen Fehler

Newsguard ist eine Initiative gegen Fakenews, die inzwischen auch deutschsprachige Informationsquellen auf ihre Glaubwürdigkeit hin abklopft. Das wäre verdienstvoll – doch leider habe ich etwas Grundsätzliches auszusetzen.

Im Beitrag Wie der Browser vor Fakenews warnt habe ich vor gut anderthalb Jahren auf Newsguard hingewiesen. Das ist eine Initiative gegen Falschnachrichten im Internet.

Das Kernstück ist eine Erweiterung, die es für Firefox, für Google Chrome, Edge, Safari und für andere Browser gibt. Sie zeigt via Adressleiste zu der geöffneten Website eine Bewertung an. Ein grünes Schild bedeutet, dass die Quelle verlässlich ist. Bei Websites, die gelegentlich oder regelmässig Desinformation verbreiten, erscheint hingegen eine rote Warnung.

Diese Einstufung ist auf vielen Websites auch bei Links ersichtlich: Newsguard zeichnet Resultate in Google aus und klinkt sich auch in Facebook ein. Man sieht sofort, ob eine Quelle als verlässlich beurteilt wird oder ob man ihr mit Vorsicht begegnen sollte.

Ich habe in meinem Beitrag ein ausführliches Urteil abgegeben: „Dieser Nachrichtenwächter hat einen fatalen Fehler“ weiterlesen