Bevormundung am Arbeitsplatz

Ich verstehe, dass es in Unternehmen gewisse Einschränkungen gibt, was die Nutzung des Arbeitsgeräts angeht. Man muss die Nutzer daran hindern, aus Unkenntnis oder Frustration dieses Arbeitsgerät oder gleich das ganze Unternehmen lahmzulegen. Denn anders als bei Motorsägen, Schaufelbaggern, Teigmischmaschinen, Bolzenschussgeräten sind viele Arbeitnehmer in der Nutzung ihrer PCs nur oberflächlich oder gar nicht geschult.

Das hat damit zu tun, dass dieser PC nicht zentrales Werkzeug, sondern bloss Mittel zum Zweck angesehen wird. Ein Goldschmied betrachtet Hammer, Amboss, Zangen, Feilen, Sägen, Schleifen, Lupen und Lehren als integrale Bestandteile seiner Kunst. Der Computer dagegen – der steht halt auf dem Schreibtisch, weil er zufälligerweise die Schreibmaschine verdrängt hat.  „Bevormundung am Arbeitsplatz“ weiterlesen

Das Nonplusultra für RSS-Fans

Es ist wieder einmal Zeit, eine Lanze für RSS zu brechen. Hinter Rich Site Summary steht eine klevere Webtechnologie, mit der man die Inhalte seiner Lieblings-Websites in einer App vorfindet – oder zusammengeführt auf einer Website.

RSS macht, nebenbei erwähnt, auch Podcasts möglich: Die abonnierten Sendungen werden per RSS verteilt und landen so in der App, mit der man sie hört – ohne dass man als Hörer die einzelnen Anbieter abklappern und nach neuen Folgen sehen müsste. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Leute unsere Website nerdfunk.ch besuchen – auch wenn die Hörerzahlen unseres Podcasts stabil und (für Schweizer Verhältnisse) ganz in Ordnung sind.

Ich würde schätzen, dass über 90 Prozent der Hörer den Podcast abonniert haben. Es gibt vermutlich Leute im Publikum, die niemals je auf unserer Website waren.  „Das Nonplusultra für RSS-Fans“ weiterlesen

Etwas für die Sicherheit tun

Es ist eine kleine Tradition, dass ich mit bei den Patentrezept-Videos mit einem Sicherheitstipp ins neue Jahr starte. 2018 mit Tipps zum Schutz vor Sicherheitslücken, 2017 mit der Frage, ob man denn gehackt worden sei. 2016 hatte sich dieser Brauch noch nicht etabliert. Da hiess das Video Lustgewinn beim Surfen und bot immerhin u.a. einen Tipp zu mehr Datensicherheit im Browser.

2019 hat es sich angeboten, die Tradition weiterzuführen. Denn es gab in der ersten Januarwoche den grossen Doxing-Fall, bei dem persönliche Informationen von Politiker und prominenten Internetnutzern in die Öffentlichkeit geraten sind.

Nun zeichnet sich dieser Fall dadurch aus, dass sehr viele Dinge nicht bekannt sind. Beispielsweise, woher die Daten eigentlich stammen, die über den Twitter-Account @_0rbit in Umlauf gebracht worden sind. Es wurden offenbar viele Quellen ausgewertet: Solche aus älteren Hacks und öffentlich zugängliche. Ausserdem sollen Methoden des Social Engineerings zum Einsatz gelangt sein. „Etwas für die Sicherheit tun“ weiterlesen

Eine Ära geht zu Ende

Für mich geht eine Ära zu Ende. Seit 1996 habe ich, mal in grösserem, mal in kleinerem Umfang, für Digipress gearbeitet. Das ist das KMU, das hinter der Zeitschrift «Publisher» und Publisher.ch steht. Die Zeitschrift behandelte ursprünglich Themen aus dem klassischen Desktop Publishing, später allerlei Formen des elektronischen Publizierens, also auch im Web, als App und mobil.

Ich habe für den Publisher Artikel geschrieben, die Videoserie Publisher Insiders gemacht, die Tipps-und-Tricks-Rubriken betreut und den Download-Bereich mit hübscher, nützlicher Software bestückt. Das war aber längst nicht alles: Digipress hat bis zur Einstellung 1999 auch die Zeitschrift «M&K Computermarkt» redaktionell bespielt, sodass ich damals wie die Jungfrau zum Kind zu einem Co-Chefredaktor-Job gekommen bin. „Eine Ära geht zu Ende“ weiterlesen

Was Sportler sich so streamen könnten

Wie findet man die passende Musik für sportliche Aktivitäten? Eine scheinbar banale Frage, die keine so richtig befriedigende Antwort hat. Man kann es mit einer App wie Rock my Run probieren, doch die ist nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Man könnte auch eine der Apps verwenden, die ich im Beitrag Die Schnellen ins Töpfchen und die Langsamen ins Kröpfchen vorgestellt habe. Die analysieren das Tempo der Titel in der Mediathek und erstellen Wiedergabelisten anhand des BPM-Werts. Das ist aber umständlich und nicht sehr charmant.

Zeitgemäss wäre natürlich die Spotify Running-Funktion, die Musik vom Streamingdienst anhand des Lauftempos auswählt. Nur leider hat Spotify dieses schöne Feature aus dem Verkehr gezogen, noch bevor ich es testen konnte. Spotify selbst schlägt als Alternative Runkeeper vor, doch das scheint den Zweck, Musik mit dem passenden Tempo aufzustöbern, auch nicht zu erfüllen. Hier wird Weav Run vorgestellt, doch diese App gibt es hierzulande offensichtlich noch nicht. Also alles einigermassen unbefriedigend.

Eine Lückenbüsser-Methode eröffnet immerhin eine Website mit einem schönen und etwas umständlichen Namen. „Was Sportler sich so streamen könnten“ weiterlesen

So borniert sind die Tech-Nerds auch wieder nicht

Das Buch The Circle (Amazon deutsch bzw. englisch) von Dave Eggers wäre an dieser Stelle eigentlich schon lange fällig gewesen. Es handelt sich um ein Buch, das man mit dem Prädikat Standardwerk versehen könnte, wenn das nicht einen so arrogant-abschreckenden Beiklang hätte. Ich fühle jedenfalls immer den Impuls, einen grossen Bogen um solche Titel zu machen: Ich möchte meine Bücher nämlich nicht deswegen lesen, weil man sie gelesen haben muss. Sondern freiwillig.

Also, man muss «The Circle» nicht unbedingt gelesen haben. Aber es schadet nicht. Denn der Roman ist unterhaltsam und flüssig zu lesen. Und er lässt einen verstehen, wie Silicon Valley tickt. Dort ist bekanntlich die Tech-Industrie angesiedelt. Die hat ihre eigenen Gesetzmässigkeiten, wie wir alle wissen: Sie ist arrogant, geschichtsvergessen, selbstverliebt und kindisch.

Und so widersprüchlich, dass es an Schizophrenie grenzt. Da gibt man sich cool, bescheiden und weltverbesserisch. Doch man will diesen Planeten hier nicht nur verändern und verbessern, sondern erobern und ihm den Stempel aufdrücken.  „So borniert sind die Tech-Nerds auch wieder nicht“ weiterlesen

Etwas Kulanz, VTX?

Ich bekunde gewisse Mühe, Kündigungsfristen einzuhalten – was schon früher Anlass zu Kummer gab. Neulich ist es mir wieder passiert. Ich habe es verpasst, rechtzeitig ein ausgedrucktes und unterschriebenes Dokument auf den Weg zu bringen, das anzeigt, dass ich nach meinem Wechsel zu Hostpoint die Dienste meines Hosters VTX nicht mehr in Anspruch zu nehmen gedenke.

Ich habe um Kulanz gebeten, zumal ich fast zwanzig Jahre Kunde war und meine Rechnungen immer bezahlt habe. Was allein genügend Grund für ein Entgegenkommen sein sollte, wie ich finde. Zufriedenen Kunden sind gemäss VTX-CEO Yves Pitton zwar seit 30 Jahren das Anliegen des Telekom- und Hosting-Unternehmens. Trotzdem hat man mir bis jetzt kein Entgegenkommen signalisiert. Ich hoffe, dass sich das noch ändern wird, und ich nicht wegen ein paar verpasster Tage eine ganze Jahresrechnung bezahlen muss. Wenn das so sein sollte, werde ich das hier sehr gerne wohlwollend vermerken.

Ob man einvernehmlich oder mit bürokratischer Prinzipienreiterei auseinandergeht, prägt natürlich auch das Bild, das man von einem Unternehmen hat (und das ich als Blogger hier wiedergebe). Natürlich kann man sich als Unternehmen darauf versteifen, dass Vereinbarungen gelten und Verträge einzuhalten sind.  „Etwas Kulanz, VTX?“ weiterlesen

Ein mit allen Wassern gewaschener Editor

Im Beitrag App-mässige Resteverwertung habe ich eine ausführliche Besprechung der App Drafts 5 versprochen. Und hier ist sie auch schon:

Drafts 5 ist ein Markdown-Editor fürs iPhone und iPad, der laut Website des Entwicklers auch für den Mac unterwegs ist. Oder, um genau zu sein: Es ist ein Editor, mit dem die meisten Nutzer hauptsächlich Markdown-formatierte Texte schreiben werden. Er lässt aber auch andere Syntax-Varianten zu, nämlich Multi-Markdown, Simple List, Taskpaper und Javascript.

Ein unscheinbarer Editor – auf den ersten Blick.

Er hat eine simple Oberfläche, die auch auf dem iPhone nicht überladen wirkt. Es gibt eine Dokumentenverwaltung, Tags, Versionsverlauf, Integration mit Siri, der Apple Watch und anderen Apps wie Text Expander und viele Export- und Weitergabemöglichkeiten. Die App kann kostenlos verwendet werden, doch für die Pro-Funktionen zahlt man ein Abo von 21 Franken im Jahr oder zwei Franken im Monat. Die Pro-Funktionen umfassen die Actions, Themes fürs Erscheinungsbild der App und die Icons, Widgets mit einer Möglichkeit zum Teilen von Texten und den Workspaces: Mit denen kann man seine Dokumente noch vielfältiger organisieren.

Da zeigt sich schon, dass der Begriff «Editor» zu kurz greift:  „Ein mit allen Wassern gewaschener Editor“ weiterlesen

App-mässige Resteverwertung

Okay, dieser Beitrag hier ist Resteverwertung vom letzten Jahr. Ich habe es (feier- und faulheitsbedingt) verpasst, die beiden letzten Beiträge von 2018 von den digitalen Patentrezepten rechtzeitig hier zu bebloggen.

Das Versäumnis ist umso unverzeihlicher, als dass es im Video um die besten Apps von 2018 geht – die jetzt, wo wir erfolgreich (?) ins neue Jahr gestartet sind, nicht mehr geeignet sind, irgendjemanden hinter dem Ofen hervorzulocken. Und wenn ich hier bekräftige, dass die vorgestellten Apps über den Jahreswechsel ihren Reiz nicht gänzlich verloren haben, dann wirkt das womöglich nur umso mehr so, als wollte ich hier Produkte über das Verfallsdatum hinaus an den Mann und an die Frau bringen.

Aber im Ernst: „App-mässige Resteverwertung“ weiterlesen