Microsoft, so kann ich immer noch nicht arbeiten

Neulich habe ich mich über Mietsoftware aufgeregt. Beileibe nicht zum ersten Mal – siehe Microsoft, so kann ich nicht arbeiten, Adobe, so kann ich nicht arbeiten und I love you, you pay my rent. Der Grund dieses Mal: Ich habe bei meinem Microsoft-Konto auf die Zwei-Faktor-Authentifizierung umgeschaltet. Bei Microsoft heisst das zweistufige Überprüfung. Hier gibt es eine kurze Beschreibung und im Video hier führe ich es vor.

Diese Änderung hatte eine unerwartete Nebenwirkung. Als ich das nächste Mal mit Word etwas schreiben wollte, war das nicht möglich. Office war nicht einsatzbereit. Nicht nur das: Das Programm war überhaupt nicht mehr da. Ich würde vermuten, dass Office 365 nicht komplett gelöscht, sondern versteckt worden ist. Aber egal – das Resultat war, dass ich noch nicht mal mehr ein vorhandenes Dokument öffnen konnte.

Das ist genauso überraschend wie ärgerlich. Ich war der Meinung, dass Office in den reduced functionality mode wechselt, wenn die Gültigkeit des Abos nicht überprüft werden kann. So steht es hier kurz und bündig für die Home- und Personal-Versionen und hier ausführlich für die Business-Varianten.

Ausserdem gab es keine Gnadenfrist oder Warnung. „Microsoft, so kann ich immer noch nicht arbeiten“ weiterlesen

Die Wirkung von Farbe und von Schrift

Seit Ende Februar arbeite ich nicht bei beim «Publisher» (der Zeitschrift und der Website) mit – siehe Eine Ära geht zu Ende. Das bedeutet aber nicht, dass mir die Publishing-Themen künftig völlig egal sein werden. Ich werde sie ab und zu in diesem Blog hier aufgreifen. Denn sie haben mich mehr als zwanzig Jahre begleitet. Von jetzt auf sofort aufzuhören, wäre eine Art kalter Entzug.

Also, in medias res:

Cinema Palettes ist ein Twitter- (bzw. Instagram-Account), der die Farbsetzung in Filmen analysiert. Man sieht ein typisches Standbild aus dem Film, darunter in zehn Farbfeldern die dominierenden Töne.

Es erstaunt nicht, dass die Farbgebung in Filmen kein Zufall ist. Denn der Film lebt davon, dass seine Wirkung nur zu einem Teil von der Handlung und den Schauspielern abhängt. Unterschwellig genauso wichtig sind Musik und Geräusche, und eben die Farben. Deren Wirkung wird durch Kulissen, Kostüme und Beleuchtung gesteuert. Und durch die Nachbearbeitung. In Englisch heisst das Color Grading, in Deutsch Farbkorrektur. Wobei der deutsche Begriff meiner Meinung nach Unsinn ist. Es geht nicht ums Korrigieren, sondern um eine bestimmte Wirkung. „Die Wirkung von Farbe und von Schrift“ weiterlesen

Ein Wimpernschlag für ein ganzes Buch

Ihr habt vielleicht schon von Blinkist gehört: Das ist ein Dienst für Leute wie dich und mich, die wir einfach nicht genügend Zeit für all die Dinge haben, die wir gerne tun möchten. Zum Beispiel fürs Lesen von Sachbüchern.

Das wäre eine gute Sache, denn man würde seinen Wissensstand aufbessern. Aber bei all den ungesehenen Netflix-Serien, den ungehörten Podcasts, den in der Warteliste aufgereihten Hörbüchern und den unter «später ansehen» abgespeicherten Youtube-Videos haben diese Sachbücher einen schweren Stand.

Blinkist (auch fürs iPhone und iPad und Android) will das Problem lösen, indem diese Bücher auf einen leicht verdaulichen Umfang eingedampft werden. Statt Stunden muss man eine Viertelstunde oder 20 Minuten mit einem Titel zubringen. In der Zeit werden einem die Kernbotschaften vermittelt. Das ganze Drumherum wird weggelassen.

Man fragt sich sofort zwei Dinge. Erstens: Funktioniert das? Und zweitens: Ist das nicht ein Sakrileg? Respektive ein Auswuchs unserer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft, die uns einfach keinen Raum mehr für gar nichts lässt?

Ich bin hin- und hergerissen. „Ein Wimpernschlag für ein ganzes Buch“ weiterlesen

Apps gegen das Organisations-Chaos

Ich bin nun nicht gerade ein leuchtendes Vorbild an Selbstorganisation und planhafter Arbeit. Ich bin eher ein Single-Tasker als einer, der gleichzeitig mehrere Fäden in der Hand hält (Aber wieso auch nicht? Siehe Multitasking ist produktiv? Ein fataler Irrtum). Darum bin ich nur bedingt berufen, den Leuten Tipps zu geben, wie sie ihren Alltag organisieren sollen.

Ich tue es trotzdem – denn beurteilen, welche Apps und Webdienste etwas taugen, kann ich. Und da ich meine diversen Deadlines immer einhalte, funktioniert meine Methode (anstehende Aufgabe mit Vollgas erledigen, dann den Kopf für die nächste befreien) ganz gut.

Also, es geht im neuesten Patentrezept-Video um Apps und Webdienste, mit denen man seine Aufgaben plant, die Übersicht über Projekte behält und für sich oder zusammen mit Mitstreitern am gleichen Strick zieht (möglichst auch in die gleiche Richtung). Es gibt drei unterschiedliche Ansätze: Die klassische Pendenzenliste in digitaler Form, die Pomodoro-Methode und die Kanban-Tafeln.

Die ergeben zusammen eine breite Palette an Möglichkeiten, wie man sich organisieren und mit anderen abstimmen könnte. „Apps gegen das Organisations-Chaos“ weiterlesen

Google Plus ist bald weg – na und?

Im Juli 2016 habe ich fünf Thesen, warum es Google+ immer noch gibt aufgestellt. Nun, ungefähr vier davon würden heute noch stimmen. Die fünfte allerdings ist offensichtlich weggefallen: «Google glaubt weiterhin an Google+».

Nein, Google glaubt nicht mehr an Google Plus. Am 2. April 2019, also in ungefähr zehn Tagen, wird dem sozialen Netzwerk den Stecker gezogen. Die Daten werden gelöscht. Das allein ist schon bemerkenswert, weil man Google nicht dafür kennt, überhaupt jemals irgend etwas zu löschen (siehe zum Beispiel Think your Google history has been completely deleted? Think again…).

Überraschend sind auch die Umstände, die zum Ende geführt haben. Google hat Sicherheitslücken gefunden und das zum Anlass genommen, mit Google Plus gleich aufzuhören. Und als dann noch weitere Lücken auftauchten, wurde das Enddatum sogar noch vorgezogen. Ist das eine Überreaktion? Oder die logische Konsequenz? Die Einschätzung hängt von den Erwartungen ab. Und von der Einschätzung, was Google Plus für einen gebracht hat.

Für mich war Google Plus nicht unverzichtbar, aber auch nicht komplett für die Katze. „Google Plus ist bald weg – na und?“ weiterlesen

Fotokunst auf die faule Tour

Doppel- oder Mehrfachbelichtungen sind eine kreative Spielerei, die man schon im analogen Zeitalter äusserst kreativ anwenden konnte. Damals im Zelluloidzeitalter musste man seine Kamera dazu bringen, den Film nicht zu transportieren, bevor man erneut auslöst. Die meisten Kameras haben das automatisch verhindert, indem der Spannhebel den Film um ein Bild weiterbefördert, während er den Verschluss wieder schussbereit macht. Es gibt bei manchen Kameras aber einen Knopf, der den Filmtransport abschaltet.

Auch viele Digitalkameras haben eine Option für Doppelbelichtungen. Die bei meiner Nikon D700 ist allerdings nicht das, was man erwarten würde. Sie fügt nämlich nachträglich Bilder zusammen (im Menü bei Bildbearbeitung gibt es die Option Bildmontage). Wenn man die Doppelbelichtung hinterher zusammenfügt, kann man das auch gleich in der Bildbearbeitungssoftware tun.

Wenn man Doppelbelichtungen mit der Kamera machen will, dann natürlich gleich bei der Aufnahme. Erstens kommt es dann auf die fotografischen Fähigkeiten und das sorgfältige Arbeiten an. Und zweitens kommen gewisse Vorteile nur bei der Aufnahme überhaupt zum Tragen.

Man kann die Mehrfachbelichtungen nämlich nicht nur kreativ, sondern auch handwerklich nutzen. „Fotokunst auf die faule Tour“ weiterlesen

Glasnost bei Google

Ich habe mich neulich gefragt, wie viele Videos eigentlich bei Youtube verschwinden. Bei der Recherche zu dieser Frage bin ich auf den Google-Transparenzbericht gestossen. Transparenz und Google? wundert man sich. Das sind zwei Wörter, die man nicht im gleichen Satz erwarten würde. Denn wie Strassenumfragen zeigen, beklagen acht von zehn Schweizern die Intransparenz von grossen Tech-Unternehmen wie Google.

Da geht es dann allerdings um die Frage, was diese Tech-Unternehmen alles mit den eigenen Daten anstellen – und da ist es bekanntlich nach wie vor so, dass man als Nutzer (oft mit einem unguten Gefühl und manchmal sogar wider besseres Wissen) einen Vertrauensvorschuss leistet. Meine Lieblings-Anekdote dazu bezieht sich auf einen Besuch bei Google Schweiz, wo unter anderem an Technologien wie Google Maps und der fotografischen Dokumentation der ganzen Welt gearbeitet wird. Genau an diesem Ort wurde ich einmal uncharmant zurechtgewiesen, weil ich ungefragt ein Foto gemacht habe. Die werden wohl wissen, was man mit solchen Fotos alles anstellen kann.

Aber gut, ein bisschen Transparenz ist besser als gar keine. Und der Transparenzbericht ist durchaus aufschlussreich. Was Youtube angeht, erfährt man im Abschnitt YouTube-Community-Richtlinien und ihre Anwendung, dass von Oktober bis Dezember 2018 fast 2,4 Millionen Kanäle gelöscht worden sind. „Glasnost bei Google“ weiterlesen

Löcher im Web

Tote Links sind eine mühsame Angelegenheit. Sie führen dazu, dass bei einem Klick nicht der gewünschte Webinhalt, sondern bloss eine Fehlermeldung erscheint. Denn entgegen der oft gehörten Behauptung, dass das Internet angeblich nichts vergisst, verschwinden ganz schön viele Inhalte.

Ich habe nach einer Statistik gesucht, die diesen Prozess veranschaulichen würde. Zum Beispiel: Wie viele Websites verschwinden jedes Jahr? Auch aufschlussreich wäre eine ungefähre Antwort auf die Frage, welcher Anteil des bei der Wayback Machine archivierten Inhalts unter der Originaladresse nicht mehr zu finden ist.

Was diese Website hier angeht, habe ich mit den hier beschriebenen Methoden herausgefunden, dass inzwischen mindestens auf jeder zehnten Seite ein toter Link zu finden ist. (Die kostenlose Variante des Dienstes überprüft maximal 3000 Seiten und hat darauf 319 tote Links entdeckt.) Dieser Anteil nimmt natürlich zu, je älter die Beiträge werden. Einige Stichproben bei den Beiträgen von 2007 zeigen, dass über den Daumen gepeilt die Hälfte der Links nicht mehr funktionieren. „Löcher im Web“ weiterlesen

Die Foto-App könnte noch besser sein

Die Idee der Fotomediathek beim iPhone und iPad (und analog auch bei den Foto-Apps bei Android) ist simpel: Alles landet an einem Ort. So braucht der Nutzer keine Triage vorzunehmen  und die Bilder verwalten sich quasi von allein. Auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und, beim iPhone zum Beispiel mit den automatischen Rückblicken.

Kann man die Fotoverwaltung komplett automatisieren und es dem Benutzer ersparen, selbst Hand anlegen zu müssen? Das ist eine spannende Frage, finde ich. Sie zeigt die Herausforderung auf, der sich ein Hersteller gegenübersieht, der sich seit jeher für seine Benutzerfreundlichkeit rühmt. Er will und muss hier den eigenen Ansprüchen genügen – bei ziemlich grosser Fallhöhe. Denn wenn im Rückblick zum Paris-Wochenende die TGV-Platzreservierung auftaucht, die man zur Sicherheit abgeknipst hat, dann sinkt das Vertrauen in Apples Foto-Auswahlkünste gleich schlagartig um zwanzig Prozent.

Für meinen Geschmack wird etwas viel Vertrauen ins maschinelle Lernen gesetzt. Beim iPhone und iPad gibt es in der Foto-App eine Rubrik mit der Bezeichnung Für dich. Was dort auftaucht, ist nicht völlig verkehrt. „Die Foto-App könnte noch besser sein“ weiterlesen

Eine App für Orte, an denen man gerne ist

Aus unerfindlichen Gründen nutze ich noch immer die Swarm-App (für Android und iPhone/iPad). Die älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch. Unter dem Namen Foursquare hat die seinerzeit für Furore gesorgt. 2010 war es, als diese Check-in-Apps aufkamen und damals für einigen Social-Media-Stress gesorgt hatten. Nebst Foursquare gab es auch Gowalla, das von Facebook 2011 übernommen und 2012 eingestellt wurde.

Die Idee war eigentlich einleuchtend: Man registriert seine Anwesenheit an einem Ort, sodass man von anderen dort gefunden werden kann. Wenn jemand dazustossen möchte, kann er das tun. Spontane Treffen, wie sie nur mit dem Internet möglich sind.

Ich weiss nicht, wie es euch geht – aber für mich hat diese Idee nicht funktioniert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dank einer dieser Apps jemals jemanden spontan getroffen hätte. Die Sache ist an mehreren Dingen gescheitert: „Eine App für Orte, an denen man gerne ist“ weiterlesen