Das Revival des Hörspiels

Blood Ties – zu Deutsch: Blutsbande.

Der Auslöser für diesen Blogpost ist der Podcast Blood Ties (RSS, iTunes, Spotify). Er erzählt, wie Eleonore und Michael Richland in die Bredouille geraten, nachdem die Eltern der beiden mit einem Flugzeug abgestürzt sind. Die Mutter ist tot, der Vater verschwunden. Und nicht nur das: Es ruft auch noch eine Reporterin an, die sagt, sie hätte belastende Informationen über den Vater Richland, einen Kardiologen von Weltruhm.

Der Podcast selbst ist ganz unterhaltsam, aber kein Meilenstein in der Podcastgeschichte. Zumindest inhaltlich nicht: Die Handlung ist ein locker-flockiges Gemisch aus Familiengeheimnissen, einer Verschwörung und #MeToo. Die etwas naive Hauptfigur, Eleonore Richland, muss erkennen, dass ihr Vater nicht der war, als den sie ihn kannte. Und auch ihr Bruder kommt reichlich schräg rüber.

Was ich allerdings bemerkenswert finde: Es handelt sich hier um einen Podcast mit fiktionalem Inhalt. «Blood Ties» ist ein klassisches Hörspiel. Diese Geschichte wäre früher im Radio ausgestrahlt worden. Selbst die Länge von um die 20 Minuten pro Folge würde passen.

Ich habe mich daraufhin gefragt, wie es eigentlich um das Hörspiel bestellt ist. „Das Revival des Hörspiels“ weiterlesen

So läuft man auf Youtube ins Messer

Ich war neulich im Zoo Zürich und habe während des Besuchs ein Video gebastelt und bei Youtube hochgeladen. Hier kann man es sich ansehen.

Nun passierte das, was häufig passiert, wenn man ein Video bei Youtube hochlädt. Es gab nämlich einen Urheberrechtsanspruch:

Ein Urheberrechtsinhaber hat mit Content ID einen Anspruch auf Inhalte in deinem Video erhoben. Dies ist keine Urheberrechtsverwarnung [und kein Copyright strike, Anmerkung des Autors]. Dieser Anspruch hat keinerlei Auswirkungen auf deinen Kontostatus. Der Urheberrechtsinhaber erhält entweder Einnahmen aus Werbeanzeigen in deinen Videos oder statistische Daten rund um die Aufrufzahlen für deine Videos.

Hinweis: Dein Video wurde vom Urheberrechtsinhaber oder von einem Vertreter des Urheberrechtsinhabers manuell geprüft.

Ein Urheberrechtsanspruch?

Das fand ich nun einigermassen überraschend. Ich bin mir des Problems natürlich bewusst. Für Videos, die bei Youtube oder sonstwie offen im Netz landen, verwende ich nicht irgendwelche Musik. Ich setze natürlich auf passend lizenzierte Musik. „So läuft man auf Youtube ins Messer“ weiterlesen

Potz Pulverdampf und Pistolenrauch

Eine Nebenwirkung von Kindern besteht darin, dass man selbst immer mal wieder in seine Kindheitstage zurückversetzt wird. Das passiert dann, wenn man dem Nachwuchs die Geschichten vorliest, die man selbst vor einer Handvoll Jahrzehnten vorgelesen bekommen hat.

Ich geniesse das. Es ist eine gesunde Form von Sentimentalität. Und man hat die Gelegenheit, die Erzählungen der Kindheit mit den Augen eines Erwachsenen neu zu entdecken. Und es ist schön zu sehen, dass manche Geschichten das aushalten und ihren Reiz behalten. Und nicht nur das: Sie geben einem die Gelegenheit, ein paar Finessen zu entdecken, die einem als Kind entgangen sind.

Mir geht das mit den Büchern von Otfried Preussler so. Die kleine Hexe, der kleine Wassermann, das kleine Gespenst, Hotzenplotz und später auch der starke Wanja und Krabat fand ich als Bub toll. Und sie gefallen – soweit sie schon alt genug dafür ist – auch meiner Tochter.

Ich erzähle sie aus den gleichen alten Büchern. Meine Mutter hat sie nämlich sorgfältig aufgehoben und uns fürs abendliche Geschichtenerzählen überlassen. „Potz Pulverdampf und Pistolenrauch“ weiterlesen

Vermeintlich einfache Dinge, die in der Realität unglaublich kompliziert sind

Die allgemeine Einstellung beim Mac.

Bei Mac kann man bekanntlich einstellen, ob nach einem Neustart die zuvor geöffneten Apps wieder erscheinen sollen. Die Option findet sich in den Systemeinstellungen im Reiter Allgemein und heisst Fenster beim Beenden eines Programms schliessen.

Wieso nicht bei jedem Herunterfahren fragen, was der Nutzer möchte?

Und man kann bei jedem Herunterfahren im Dialog Möchtest du den Computer jetzt ausschalten? angeben, ob man seine Apps wieder öffnen will oder nicht (Beim nächsten Anmelden alle Fenster wieder öffnen).

So einfach und unkompliziert. Bei Windows ist die Sache wie nicht anders zu erwarten ein bisschen vertrackter.

Windows-Anwender sind sich eigentlich gewohnt, dass das Betriebssystem keine Anwendungen wiederherstellt. Beim Start werden nur die Programme automatisch ausgeführt, die als Selbststarter definiert sind (dazu übrigens mehr weiter unten).

Doch seit einiger stellt Windows ebenfalls Programme wieder her – aber nicht konsequent, sondern nur manchmal. Diese Verhaltensweise scheint auf das Fall Creators Update zurückzuführen zu sein. Dort hat Microsoft dem Betriebssystem beigebracht, beim Warmstart Anwendungen wiederherzustellen. „Vermeintlich einfache Dinge, die in der Realität unglaublich kompliziert sind“ weiterlesen

Wasser statt Wein predigen (und trinken)

Hm. Wenn ich euch an dieser Stelle mit guten Vorsätzen komme – wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr dankend ablehnt und euch von diesem Beitrag hier abwendet? Ich würde schätzen: Zwischen 97,8 und 99,5 Prozent. Aber diese «guten Vorsätze» klingen auch unglaublich pompös und ambitioniert: Da will einer sein Leben umkrempeln, neue Tugenden zum Aufblühen bringen und ein besserer Mensch werden. Und sehr wahrscheinlich tut er das nicht nur für sich selbst – nein, die ganze Welt soll daran teilhaben. Und ihm möglicherweise nachfolgen.

Aber keine Angst: Ihr dürft weiterlesen. Ich habe nicht vor, euch zu bekehren. Und die Sache selbst ist auch kein grosses Ding: Ich habe mir nämlich etwas wahnsinnig Banales vorgenommen.

Es geht darum, regelmässig genügend zu trinken. Denn wenn man dem Internet glauben darf, ist das unglaublich wichtig. Google spukt zum Thema unglaubliche Mengen an Links aus. Auch auf Websites, bei denen man es nicht unbedingt erwarten würde. Hier zum Beispiel predigt ein Experte für Möbel (sic!) Wasser statt Wein.

Ja – wenn nun mein Hausarzt oder meine Mutter mir diesen Ratschlag gegeben hätten, wäre ich misstrauisch geworden. Die haben schliesslich nur mein Wohlbefinden im Sinn. Und das wirft die Frage auf, ob man den Empfehlungen der Leute glauben schenken darf, die nur unser Bestes wollen. „Wasser statt Wein predigen (und trinken)“ weiterlesen

Reykjavík dunkelgrau

Ich habe ein kleines Flair für Islandkrimis – siehe hier, hier oder auch hier. Darum habe ich mich gefreut, neulich bei Audible ein schönes Hörbuch namens Snare von Lilja Sigurdardóttir. Es gibt das unter dem Titel Das Netz auch in Deutsch – wobei die Titel verwirrend sind. Es handelt sich nämlich um eine Trilogie, bei der in Englisch der erste Teil den Titel «Schlinge» (Snare) trägt, in deutsch jedoch der zweite Teil. Der zweite Teil heisst in Englisch Trap und der dritte Cage. In Deutsch: Der Käfig. Immerhin hier waren sich die Übersetzer einig.

Lilja Sigurdardottir legt in «Snare» nicht nur zwei, sondern drei Handlungsstränge aus.

Das ist die Ausgangslage: Da ist Sonja, die sich mit ihrem Exmann Adam um das Sorgerecht des Sohns Thomas streitet und zwecks Bestreitung des Lebensunterhalts Kokain ins Land schmuggelt. Da ist Agla, die beim isländischen Bankencrash tief gefallen ist und nun den Kopf hinhalten soll für die Verfehlungen all ihrer Banken-Kollegen und -vorgesetzten, die sich vor dem grossen Knall 2008 eine goldene Nase verdient haben. Und da ist der erfahrene Zollbeamte Bragi, dem Sonjas häufige Grenzübertritte am Flughafen Keflavik längst aufgefallen sind und der sein eigenes Bündel zu schultern hat. Seine Frau ist an Alzheimer erkrankt und sein Chef droht im mit der Pensionierung.

Das ist eine spannende Ausgangslage – und Lilja Sigurdardóttir macht eine solide Geschichte daraus. Ich fühlte mich gut unterhalten – aber hundertprozentig zufrieden bin ich nicht. „Reykjavík dunkelgrau“ weiterlesen

Access denied bei dieser Datenbank

Brauche ich ein Projekt für 2020? Wahrscheinlich nicht – ein bisschen mehr Zeit fürs Ausspannen und Durchatmen würde mir auch guttun. Doch wie es die Umstände wollen, habe ich dieser Einsicht zum Trotz ein Projekt für 2020.

Das hat mit der Datenbank zu tun, in der ich meine Artikel erfasse. Die habe ich im Beitrag Ein Hoch auf den Fortschritt! beschrieben. Sie umfasst 7715 Einträge, ist 37 MB gross. Und sie hat noch eine Besonderheit: Sie steckt in Microsofts Datenbank-Software namens MS Access. Die kam 1992 auf den Markt. Für mich damals eine gute Gelegenheit, meine Artikel systematisch digital abzulegen: Für mein Archiv, für die Urheberrechtsentschädigungen durch Pro Litteris und um datenjournalistische Selbstbeweihräucherung zu betreiben.

Access war damals ein nützliches Werkzeug. Aus heutiger Sicht ist es ein Oldtimer. Die Datenbank läuft auf meinem privaten PC zu Hause und sonst nirgends. Im Zeitalter von Cloud und Nextcloud ist das zu eingeschränkt. Es hilft mir wenig, wenn ich an meinem Büro-PC in Zürich sitze, wenn ich weiss, dass ich einen bestimmten Artikel an meinem privaten PC innert Sekunden aufgestöbert hätte. „Access denied bei dieser Datenbank“ weiterlesen

Hier läuten Kuhglocken in jeder Grösse

Unter dem Schlagwort Multimedia-Ressourcen sammle ich hier im Blog Ressourcen für kreative Produktionen aller Art. Ob das Endresultat nun eine Drucksache, ein Blog, ein Video, ein Podcast oder Hörbuch, eine Radiosendung oder eine App, ein Spiel oder eine VR-«Experience» ist, spielt keine Rolle. Entscheidend ist lediglich der Bedarf für digitales Rohmaterial: Wer Bilder, Videos oder Soundeffekte, Geräusche, Musik oder Atmo braucht, der wird in diesem Links fündig.

Heute ergänze ich die Sammlung um das tolle Archiv der BBC Sound Effects. Bei dem gibt es 16’000 Aufnahmen im WAV-Format, die man sich anhören und herunterladen darf. Das Angebot ist beeindruckend. In der Category-Auswahl habe ich fast vierhundert Kategorien gezählt (393, um genau zu sein). Da gibt es Windmühlen, Werkstätte, Wrestling und Fenster, Flugzeuge und Flughäfen, Alarmsiganale und Barmänner, Busse, Kaffees und Kirchen – die Chancen jedenfalls stehen gut, dass man hier fündig wird.

Lustigerweise gibt es auch Kategorien wie Africa, Belgium und, bevor ihr fragt, ja, auch Switzerland. „Hier läuten Kuhglocken in jeder Grösse“ weiterlesen

Möge der Pflotsch (nicht) mit uns sein

Neulich habe ich die Frage Sind wir verkannte Software-Genies? aufgeworfen und mich auch in der Leserschaft nach interessanten Schweizer Apps erkundigt. Manuel hat mir daraufhin Bexio, PeakFinder und Pflotsh empfohlen.

Bexio scheint mir vor allem mit der dazugehörenden Buchhaltungs-App interessant zu sein. PeakFinder (5 Franken für iPhone und Android) von Fabio Soldati kenne und nutze ich. Aber zugegeben, ich habe dieser App hier im Blog noch nie die gebührende Zuwendung zukommen lassen. Das liegt daran, dass die App einen so grossen Bekanntheitsgrad hat, dass ich niemandem in meinem Publikum etwas Neues zu ihr erzählen kann. (Sollte ich mich damit täuschen, zögert nicht, es mir zu sagen.)

Pflotsh jedenfalls war mir nicht bekannt – und der Name ist grossartig.

Die App stammt stammt von Jörg Kachelmann, dem man übrigens auf Twitter unbedingt folgen sollte, respektive von dessen Unternehmen Kachelmannwetter, respektive vom Entwickler Andreas Garzotto. Und es handelt sich nicht um eine App, sondern um eine App-Familie. „Möge der Pflotsch (nicht) mit uns sein“ weiterlesen

Hey Word­press, hier ein guter Vorsatz für dich

Vor gut 14 Monaten ist dieses Blog hier auf Word­press umgestiegen. Das Fazit seinerzeit war positiv und auch eine weitere Website in meiner Obhut ist seitdem nachgefolgt. Man könnte das als Erfolgsgeschichte bezeichnen.

Nun gibt es allerdings eine Schwachstelle. Und das ist die Word­press-App. Die gibt es für Android und fürs iPhone und iPad.

Die Statistik ist nützlich. (Auch wenn sie die Frage aufwirft, wieso niemand aus Grönland dieses Blog hier liest).

Auf den ersten Blick macht die App einen sehr guten Eindruck: Man hat dank Jetpack alle seine Word­press-Sites in einer App im Blick. Man sieht Statistiken, die zwar nicht so toll sind wie das, was ich mir von parsely.com inzwischen gewohnt bin – die aber trotzdem einen guten Eindruck vermitteln, welche Inhalte beim Publikum ankommen und welche nicht.

Es gibt ausserdem die Benachrichtigungen, in denen man neue Kommentare, Hinweise auf Traffic-Aufschwünge und Ausfälle sieht. Auch Likes würde man hier sehen – wenn es denn welche gäbe. Aber da ich die Like-Knöpfe nicht anzeige, ist es auch kein Wunder, dass sich an dieser Front nichts tut.

Im Reader schliesslich abonniert man Websites. Das können Word­press-Sites sein, müssen aber nicht. Die Word­press-App kann auch einfach als RSS-Reader-App benutzt werden. Trotzdem ziehe ich eine App wie Inoreader vor und verwende die Reader-Funktion nur, um die Beiträge auf meinen eigenen Websites im Auge zu behalten.

So weit, so in Ordnung – aber ich wollte hier ja über die Schwachstelle berichten. „Hey Word­press, hier ein guter Vorsatz für dich“ weiterlesen