Wie der Browser vor Fakenews warnt

Microsoft hat vor einiger Zeit eine Partnerschaft mit einem Unternehmen angekündigt, das sich dem Kampf gegen Fakenews verschrieben hat. Inzwischen ist daraus eine Browser-Erweiterung namens Newsguard geworden, die ihren Weg in den Edge-Browser gefunden hat. Es gibt sie auch für Firefox und Chrome.

Die Erweiterung klinkt sich in die Symbolleiste ein und zeigt ein Schild an. Bei CNN, washingtonpost.com oder theverge.com ist das Schildchen grün: «This website generally maintains basic standards of accuracy and accountability», heisst es in der Beschreibung («Diese Website hält im Allgemeinen grundlegende Standards für Richtigkeit und verantwortliche Berichterstattung ein»). Bei einer Website wie «Info Wars» des professionellen Verschwörungstheoretikers Alex Jones heisst es dagegen: „Wie der Browser vor Fakenews warnt“ weiterlesen

Wie ich in zwanzig Jahren die Welt retten werde

Als Journalist hat man seine Lieblingsthemen. Auf denen arbeitet man sich immer mal wieder ab. Es kann unterschiedliche Gründe geben, wenn man nicht loslassen kann. Da sind die unerfreulichen Motive: Wenn man das Gefühl hat, dem Thema nicht gerecht geworden zu sein oder es nicht erschöpfend behandelt zu haben. Oder wenn es einem es bitzeli an Ideen mangelt.

Selbstverständlich gibt es auch hehrere Motive für widerkehrende Motive: Zum Beispiel eine Unzahl von Facetten, die man aus allen möglichen und unmöglichen Blickwinkeln beleuchten könnte. Das gilt dann genauso fürs literarische wie fürs journalistische Fach: Manche Schriftsteller beschäftigen sich ihr ganzes Leben lang mit der Liebe, dem Tod, ihrer Mutter oder der ignoranten Gesellschaft. Oder mit der Frage, welches die schleimigste Gattung Aliens sind, die man sich ausdenken könnte. „Wie ich in zwanzig Jahren die Welt retten werde“ weiterlesen

Klischees, Selbstverteidigung, Relotius

Da ist sie also, die letzte Ausgabe der Zeitschrift «Publisher», unter der alten Besetzung. Und das sind die Beiträge, mit der diese Ära zu Ende geht:

Bitte Klischees vermeiden! Es geht in der Webtricks-Rubrik um die Klischees der Stockfotografie zu abstrakten Themen wie Erfolg, Glück oder Teamwork. Und um the over­exposed stock photo model, Rebecca Ariane Givens. Und weiter zum Thema der Bilder ab Stange: Wie viel zahlen die Penny-Stocks? Wie hebt man sich von der Masse ab? Was sind sinnvolle Wege, um mit Abmahnungen zu verfahren? Plus Tipps viele Tipps mehr: Zu einer Website und einer App, die Hintergründe automatisch freistellen. Zum «richtigen» Photoshop fürs iPad, der dieses Jahr kommen soll. Zu imageresize.org, wo man Bilder auf die Schnelle skaliert. Und zu einem Blogbeitrag, wo ein Experte für Programmoberflächen Adobe so richtig die Meinung geigt.

Die unendlichen Möglichkeiten der Mischoptionen In Photoshop kann man die Möglichkeiten der Ebenenverrechnung auf die Spitze treiben, zum Beispiel mit der Option Mischen, wenn. Plus, zu InDesign: Was bedeutet es, wenn das Layoutprogramm den Text blau hinterlegt? Wie kann man Text vom Format abkuppeln? Auf welchem Weg bringt man die Scriptpalette dazu, zu Scripts einen beschreibenden Tooltip anzuzeigen? Warum sollte man Satzdateien nicht umbenennen? „Klischees, Selbstverteidigung, Relotius“ weiterlesen

Die Steinzeit der Computerberichterstattung

Vor Kurzem war das 35-Jahr-Jubiläum des Macintosh. Tim Cook hat keine Kosten und Mühen gescheut und dieses Ereignis mit einem – Achtung! – Tweet gefeiert.

Ich habe mir überlegt, einen Artikel dazu zu machen. Nach einigem Nachdenken habe ich den Gedanken verworfen. Der Mac wurde oft genug als Wegbereiter des PCs gefeiert. Er hat die Rolle natürlich zu recht. Aber der Sockel ist bereits hoch genug – da braucht man den Mythos nicht noch weiter zu untermauern.

Natürlich kann man das Jubiläum zum Anlass nehmen, in die Zukunft zu blicken. Denn es fragt sich, ob der Mac eine Zukunft hat.  „Die Steinzeit der Computerberichterstattung“ weiterlesen

Hallo Bot!

Wie vor einiger Zeit nebenbei erwähnt hat mir die WordPress-Statistik vor Augen geführt, dass mein Blog weniger gelesen wird als gedacht. Mein altes CMS hat für jeden Beitrag die Views, also Anzahl Aufrufe gezählt. Nur ist die diese Zahl leider nicht sonderlich aussagekräftig. Nicht jeder Aufruf stammt von einem interessierten Leser. Ganz im Gegenteil.

Was mir theoretisch klar war, haben mir diese Zahlen deutlich ins Bewusstsein gerufen: Ein grosser Teil des Internetverkehrs stammt nicht von Menschen, sondern von Bots. The Internet Is Mostly Bots, hat «The Atlantic» neulich geschrieben. Der Bot Traffic Report gibt an, dass 48,2 Prozent menschliche Nutzer sind. 22,9 Prozent seien gute Bots und 28,9 Prozent böse Bots.

Etwas fällt bei dieser Studie sofort auf: Nämlich die Unterscheidung in gute und böse Bots. Die guten überwachen die Website, holen legitimerweise Daten, erstellen Indizes für Suchmaschinen wie Google und Bing oder halten Feed-Verzeichnisse und andere Dinge am Laufen. Die bösen Bots versuchen Sicherheitslücken zu finden und in die Website einzubrechen, Spam-Kommentare abzusetzen, Daten zu stehlen, Viren zu infiltrieren oder Informationen abzuziehen.

Viele der Bots haben mit Suchmaschinenoptimierung (search engine optimization, SEO) zu tun – und da kann man sich streiten, ob das nun gut oder böse ist. Ich tendiere eher zum letzteren.

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Nach den Wearables dann die Implantables

In diesem Blog ist in letzter Zeit häufig das Wort Feed gefallen. Auch heute ist das wieder der Fall. Doch während es meistens um RSS ging, kommt heute völlig überraschend die Rubrik Nerdliteratur zum Zug. Das Thema hier: Das Buch Feed von M.T. Anderson (Amazon Affiliate), das es leider anscheinend nicht in einer deutschen Übersetzung gibt.

Ich habe das Buch für meinen Tagi-Artikel Vier Bücher für den Durchblick im digitalen Zeitalter ausgesucht. Die anderen drei sind NSA und The Circle, die ich beide hier im Blog schon besprochen habe, plus Fahrenheit 451, das ich für eine ausführliche Rezension hier erst noch einmal lesen müsste. Obwohl es ein Buch für junge Erwachsene ist, passt es ausgezeichnet in die Reihe: Es erklärt ein Phänomen in fiktionalisierter Form besser, als das ein Sachbuch oder ein Erklärstück könnte.

Klar, der Einwand auf diese Behauptung liegt auf der Hand:  „Nach den Wearables dann die Implantables“ weiterlesen

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht…

Wenn man das Blühmchen am Anfang des Videos sieht, könnte man auf die Idee kommen, dass die digitalen Patentrezepte auf den Valentinstag gekommen sind. Da gäbe es einiges:

Die schönsten Dating-Apps. Die romantischsten Hintergründe für den Homescreen. Den erotischsten Klingelton für Anrufe der oder des Geliebten. Und selbst bei Liebeskummer kann man sich digital helfen lassen. Mend heisst die App, die am iPhone gebrochene Herzen flickt.

Oder aber eine «Sie liebt mich, sie liebt mich nicht»-App, wie das Video-Standbild insinuiert? Die gibt es übrigens auch. Picking Daisies ist kostenlos fürs iPhone und erlaubt es auch Fruitariern und anderen fundamentalistischen Naturschützern, die Chancen bei dem angebeteten Menschen durch Auszupfen von Blütenblättern in Erfahrung zu bringen. Denn mit dieser App leidet keine Blume, ausgezupft werden simulierte Blättchen. (Ich habe die App nicht getestet, aber ich wäre sehr enttäuscht, wenn es in den Credits keinen Hinweis à la: «Bei der Entwicklung dieser App sind keine Blumen zu Schaden gekommen» hat.) „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht…“ weiterlesen

Sex-Podcasts: Ein Prickeln in den Ohren?

Die beiden gelegentlich Pimmelwitze erzählenden Podcaster Böhmermann und Schulz (Fest und flauschig, siehe auch hier, hier und hier) haben neulich einen gewissen Neid auf das offenbar aufstrebende Genre der Sex-Podcasts erkennen lassen. Ich glaube, es war in der Folge Leipziger Einerlei.

Bei der Gelegenheit ist mir eingefallen, dass mein Leistungsauftrag als Blogger es mir gebietet, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. Ungeachtet persönlicher Opfer gilt es die Frage zu klären: Sind Sex-Podcasts ein Ding?

Geht man unvoreingenommen (und unbelastet von tatsächlichen Hör-Erlebnissen) an die Sache heran, kommt man zum Schluss, dass Sex-Podcasts ein tolles Ding sein müssen: Der Podcast ist ein intimes Medium, das eine so persönliche Beziehung zwischen Hörer und Macher entstehen lässt, wie das bei kaum einer anderen medialen Form der Fall ist. Der Podcast – und ich spreche hier vom Audio-Podcast, nicht von Videoproduktionen – ist optimal geeignet, das Kopfkino in Gang zu setzen. „Sex-Podcasts: Ein Prickeln in den Ohren?“ weiterlesen

VTX: Schwacher Support, noch schwächerer Kundendienst

An dieser Stelle komme ich auf VTX zurück. Das war der Hoster dieser Website von 1999 bis Ende 2018, der mir mich offenbar nicht in Frieden ziehen lassen will.

Zur Rekapitulation: Ich habe im Beitrag Etwas Kulanz, VTX? beschrieben, dass ich nach meinem Wechsel die Kündigungsfrist verpasst habe. Ich kann mir vorstellen, dass VTX es darauf anlegt und die Rechnung fürs neue Jahr mit Absicht erst dann verschickt, wenn die Kündigungsfrist bereits abgelaufen ist. Und man kann sich auch fragen, warum der Kündigungstermin aufs Jahresende  fällt, wo meine Website am 7. Mai 1999 online ging. Wieso nicht Ende März oder April? Dann wäre meine Kündigung allemal rechtzeitig gekommen.

Aber gut, mir ist mir klar, dass es in meiner Verantwortung liegt, die Kündigungsfrist einzuhalten. Ich habe das zähneknirschend akzeptiert und freundlich um Kulanz gebeten. Ein Entgegenkommen wäre allein deswegen nicht verkehrt gewesen, weil ich meine Rechnungen während zwanzig Jahren immer pünktlich bezahlt habe. Wenn man mir gesagt hätte, «Nein, geht leider nicht, Gleichbehandlung aller Kunden, blablabla», dann wäre hätte mich das etwas geärgert. Aber es hätte sicherlich nicht zu einem zweiten Blogpost geführt, der nun deutlich geharnischter ausfällt als der erste.

Doch nun bin ich tatsächlich sauer: Was mich auf die Palme bringt, ist dieses «Verfahren», das VTX an den Tag legt, um nicht kulant sein zu müssen. Zur Erinnerung:  „VTX: Schwacher Support, noch schwächerer Kundendienst“ weiterlesen

Ein guter Begleiter für Text-Odysseen

In meiner kleinen Reihe zu Markdown-Editoren habe ich mit Drafts 5 (Ein mit allen Wassern gewaschener Editor) schon einen ziemlich heissen Favoriten gefunden. Aber natürlich komme ich um Ulysses nicht herum. Das ist eine App fürs iPhone und iPad und den Mac, die ich 2016 zu einem meiner App-Lieblinge erkoren habe. Und auch im direkten Vergleich von Drafts und Ulysses ziehen manche Ulysses vor – zum Beispiel er hier, der die beiden Apps im Detail verglichen hat.

Seit meinem Test hat sich ein kleines, wesentliches Detail verändert. Es gibt Ulysses nicht mehr kostenlos. Man benötigt zwingend ein Abo, das 7 Franken im Monat oder 49 Franken im Jahr kostet – siehe Beitrag Immer mehr Apps wollen abonniert werden vom August 2017.

Das wirft zwei Fragen auf, nämlich erstens, ob man grundsätzlich gewillt ist, eine App zu abonnieren. Und zweitens, ob 7 Franken pro Monat nicht etwas hoch angesetzt ist.

Ymmv, was das angeht. Für mich war der Wechsel vom Bezahl-Modell – die 25 Franken habe ich seinerzeit gern aufgeworfen – zum Abo ein Grund, abzuspringen.  „Ein guter Begleiter für Text-Odysseen“ weiterlesen