Vor zwölf Jahren behauptete ich, Apple sei das neue Microsoft. Ich hatte das in einem Ausbruch an Zorn über ein missratenes Softwareupdate so dahergesagt. Doch heute, bei näherer Betrachtung, zeigt sich, dass die Einschätzung gar nicht mal so absurd war.
Kategorie: Nerdkultur
Hier gibt es Inhalte, die ein technikaffines, anspruchsvolles und weltoffenes Publikum ansprechen.
«Future Man» verbindet Zeitreise, Videospiel-Mythos und derben Klamauk zu einer stimmigen Nerd-Komödie. Die Serie lebt von Popkultur-Referenzen, schrägen Figuren und Ernsthaftigkeit an den richtigen Stellen. Kein kultureller Meilenstein, aber unterhaltsamer und charmanter, als man es nach den ersten Szenen erwartet hätte.
Eine Revue von zehn digitalen Kulturtechniken, die teils nostalgische Gefühle wecken und manche von der guten™ alten™ Zeit™ schwärmen lassen – und die teils zu Recht auf der Müllhalde der digitalen Geschichte landeten: vom Defragmentieren übers Terminieren bis hin zur Mauspflege und der Modemzähmung.
Tana Frenchs «In the Woods» verbindet einen Mordfall im irischen Kleinstadtmilieu mit einem psychologisch aufgeladenen Ermittlertrio und einer verstörenden Kindheitserinnerung. Der Roman setzt auf Atmosphäre und starke Dialoge. Beim Plot müssen wir Abstriche in Kauf nehmen.
Benjamin von Stuckrad-Barres «Udo Fröhliche» ist weniger klassische Biografie als eine lockere, essayistische Annäherung an Udo Lindenberg. Das Buch ist ein literarisches Denkmal, manchmal sprunghaft, aber in der Sprache seinem Gegenstand hundertprozentig angemessen.
Zwischen 1964 und 1978 schrieben Zeitungen hierzulande diverse Male über Computerspiele. Bloss ging es dabei nie um das, was wir heute unter einem Game verstehen. Stattdessen wurde der Begriff als Verlegenheitslösung für allerhand Dinge benutzt, für die den Journalisten die Worte fehlten.
Was friedlich auf Amrum beginnt, artet zu einem erbarmungslosen Kampf der Spione aus: «Kälter» von Andreas Pflüger besticht durch eine taffe Heldin, die authentische Atmosphäre im Kalten Krieg und durch eine grossartige Sprache.
Der Podcast «Kaff Crimes» könnte den Eindruck erwecken, dass auf dem Land besonders unbeholfen gemordet wird. Eventuell ist das nicht das Problem der ländlichen Verbrecher, sondern der Erzählweise in dieser ARD-Produktion.
Der Spiegel-Podcast «Menschenjagd» zeichnet die Online-Szene 764 als Netzwerk aus Erpressung, Grooming und Gewalt nach. Journalistisch hochstehend ist es dramaturgisch missraten, wie das emotional aufgewühlte Publikum mit Abowerbung eingedeckt wird.
2005 gehörte Kwerfeldein.de zur Speerspitze der deutschsprachigen Bloggerszene. Zwanzig Jahre später werden die Überreste von einem dieser Suchmaschinenoptimierer gefleddert. Ein Niedergang, symptomatisch für das ganze unabhängige Web.
Mit einer Zeitmaschine würde ich mich davon abhalten, diese Bücher zu lesen: «Extracted» und «Executed» von RR Haywood ist eine Sciencefiction-Trilogie, die temporal an der Stelle tritt.
Das Autotelefon führte über Jahrzehnte ein Nischendasein, das nur von Taxifahrern und Aussendienstmitarbeitern genutzt wurde. Es brauchte einen nerdigen Zürcher Privatdetektiv, damit die Öffentlichkeit überhaupt Notiz vom kommunikativen Fortschritt nahm.