Die erste Anlaufstelle für Google-Häretiker

Es scheint, dass ich etwas klarstellen muss: Nein, ich bin absolut kein Feind von Google. Im Gegenteil; ich bin fasziniert, was dieses Unternehmen ständig an neuen Ideen produziert. (Wobei die Innovationskraft meinem subjektiven Empfinden in letzter Zeit deutlich nachgelassen hat. Aber das ist sicher nur eine kleine Durststrecke.)

Ich bin aber der Ansicht, dass man Google kritisch auf die Finger schauen muss – wie das bei jedem Unternehmen mit einer solchen Marktmacht der Fall ist. Darum prangere ich Googles Arroganz an. Und wir Nutzer sollten uns unserer Abhängigkeit bewusst sein. Und darum angewandte Google-Skepsis pflegen.

Aus diesem Grund empfehle ich heute die Website No More Google. Hier gibt es «privatsphärenfreundliche Alternativen, bei denen man nicht getrackt wird», wie es in der Unterzeile heisst. Das impliziert, dass zumindest der Betreiber der Site Google nicht gerade wohlgesonnen ist. „Die erste Anlaufstelle für Google-Häretiker“ weiterlesen

Googles Arroganz

Vor ein paar Tagen habe ich ein Mail von Google bekommen. Darin stand, man habe einen neuen Google-Maps-Timeline-Rückblick für mich erstellt. Darin ein Link zu google.com/maps/timeline. Und dort wiederum eine ausführliche Historie, wo ich mich im Juli herumgetrieben hatte: 28 Fleckchen in drei Ländern, natürlich schön beschriftet, mit genauer Ortsangabe. Google sagt mir, ich sei in zehn Städten gewesen und 51 Stunden in einem Fahrzeug gehockt.

Das ist einerseits faszinierend, andererseits auch gruselig. Vor allem deswegen, weil ich mich nicht erinnere, den Google-Standortverlauf eingeschaltet zu haben. Ich hatte ihn vor Urzeiten einmal benutzt, um auszuprobieren, was das bringt. Meine Erkenntnis damals war, dass das Google mehr bringt als mir – und darum habe ich den Standortverlauf wieder deaktiviert. Denn es gibt andere Methoden, seine Aufenthaltsorte zu tracken – und zwar weniger verräterische.

Zum Beispiel Geofency. Diese App habe ich seinerzeit im Beitrag Die App fürs perfekte Alibi vorgestellt. Sie speichert die Daten lokal auf dem Gerät. Man kann sie exportieren und selbst auswerten. „Googles Arroganz“ weiterlesen

Gmail auf die Finger schauen

Google ist ein seltsames Unternehmen. Da wurde vor einiger Zeit mit viel Getöse der 15 Geburtstag von Gmail gefeiert. Zum Getöse gehörten, als Geburtstagsgeschenk verpackt, neue Funktionen für den Maildienst: Spannende, nützliche Dinge wie zum Beispiel die Möglichkeit, Mails nicht sofort, sondern zu einem bestimmten Datum zu senden.

Ich nutze seit Jahren ein Plugin, welches genau das ermöglicht. Meine Erfahrung ist ausgezeichnet: Bei der Kommunikation mit stark frequentierten Mailboxen ist es sinnvoll, eine Nachricht genau in dem Moment abzusenden, in dem sie relevant für den Empfänger ist. Schickt man sie zu früh ab, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie untergeht.

Boomerang hat die Arbeit zuverlässig erledigt. Aber es ist viel praktischer, wenn die Funktion für das zeitgesteuerte Versenden direkt in Gmail eingebaut ist. Darum habe ich mich auf die Neuerung gefreut: Die ist ein echt gutes Geburtstagsgeschenk.

Doch weil Google ein seltsames Unternehmen ist, war dieses Geschenk – die neuen Funktionen – über Tage und Wochen nach dem grossen Datum nicht zu entdecken. Da ich unlängst Gelegenheit hatte, mit zwei Googlern zu plaudern, habe ich danach gefragt: Wie kann es sein, dass ein solches Geburtstagsgeschenk nicht wie angekündigt zum Geburtstag, sondern erst viel später eintrudelt? Die Antwort war wie erwartet: „Gmail auf die Finger schauen“ weiterlesen

Kommt ein Nerd in einen Buchladen

Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore (Amazon Affiliate), bzw. in Deutsch Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra (Amazon Affiliate) von Robin Sloan: Eine sympathische Geschichte, die die alte Art der Wissensvermittlung mittels Büchern auf ihr modernes Äquivalent prallen lässt. Das ist natürlich die Cloud mit ihrer gigantischen Rechenleistung, die innert weniger Minuten so viel zu leisten vermag wie ein paar mittelalterliche Mönche in einer Million Lebensjahren.

Mich hat das Buch sehr an «The Circle» (So borniert sind die Tech-Nerds auch wieder nicht) erinnert. Es ist auf eine gewisse Weise das negative – oder eigentlich positive – Abziehbild dieser Geschichte. In der Dystopie von Dave Eggers sind die grossen Tech-Konzerne böse, demokratiezersetzend und absolutistisch.

In der Geschichte von Robin Sloan hingegen sympathisch. Man könnte sie fast schon als Liebeserklärung an Google betrachten. „Kommt ein Nerd in einen Buchladen“ weiterlesen

Die Doktorarbeit würde ich trotzdem nicht in Google Docs schreiben

Der Beitrag mit den 14 Tipps zu Google Docs neulich hier im Blog hat erfreulich viel Resonanz ausgelöst. Ich gab daher einem guten alten journalistischen Reflex nach, der besagt, dass man doch gleich noch eine Schippe nachlegen könnte.

Und zwar in Form eines Patentrezept-Videos. Denn Google Docs hat inzwischen eine breite Nutzerschaft. Ich habe bei der Recherche zu dem Beitrag herausgefunden, dass die Schweizer Hochschulen Google Docs nun offiziell anbieten: «Das Angebot der G Suite bildet daher eine bedürfnisgerechte Alternative für Studierende, Dozierende, Mitarbeitende und Alumni von Schweizer Hochschulen zu anderen Diensten», heisst es in einer Pressemeldung der Switch, der Stiftung für die Vernetzung der Schweizer Hochschulen.

Wenn ich an dieser Stelle ein kleines Fragezeichen machen darf: Ich wundere mich, dass viele Unternehmen Google Docs trotz der Vorbehalte der Cloud einführen. „Die Doktorarbeit würde ich trotzdem nicht in Google Docs schreiben“ weiterlesen

So muss Chrome!

Statt Google Chrome sollte man Firefox verwenden. Diese Empfehlung schreibe ich hier nicht zum ersten Mal. Die Begründung ist einfach: Man sollte nicht alle seine Eier in ein Körbchen legen, wie der Engländer sagt. Wenn man googelt, gmailt, googledoct, googlefotografiert, und googleDNSt, dann schadet es nicht, wenigstens beim Browser für etwas Abwechslung zu sorgen. Abgesehen davon ist Firefox auch einfach der bessere Browser als Google Chrome.

Da ich weiss, dass ihr nicht auf mich hört, empfehle ich heute trotzdem eine Erweiterung für Chrome. Sie heisst Cato, ist kostenlos und fügt dem Browser eine Befehlszeile hinzu. Klingt schräg, ist aber gar nicht so absurd: Statt mit Menübefehlen zu hantieren, tippt man close ins Suchfenster, drückt einmal die Pfeiltaste nach unten, um zum Befehl Close all tabs except current zu gelangen und betätigt Enter. Und schon werden alle Reiter geschlossen, ausser derjenige, den man gerade im Vordergrund hat.

Würde man das gleiche auf herkömmlichem Weg tun wollen, müsste man zur Maus greifen, mit der rechten Maustaste auf den aktuellen Reiter klicken und den Befehl Andere Tabs schliessen aus dem Kontextmenü auswählen. „So muss Chrome!“ weiterlesen

14 Tipps für Google Docs

Heute gibt es eine Handvoll Tipps zu Google Docs – bereits zum zweiten Mal, nachdem ich erst vor kurzem über die besten Erweiterungen für die Office-Apps geschrieben habe (Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs).

Und vorab eine Rechtfertigung dafür, weil Google Docs kein Softwareprodukt ist, das mich in Begeisterung versetzen würde: Der Look ist altbacken, die Funktionen sind nicht sonderlich inspiriert. Und Google wird niemals gegen Microsoft anstinken können, weil man Office auch offline nutzen kann. Und das ist unvermeidlich, wenn es um Dokumente mit sensiblem Inhalt geht.

Aber ich komme selbst nicht darum herum, mit Google Docs zu arbeiten. Ich habe einen Arbeitgeber, der Microsoft Office durch die G Suite ersetzt hat. Und auch beim Nerdfunk verwenden wir Google Docs und Tabellen: Dort haben sich die kollaborativen Features für uns im Team bewährt. Und die Software ist auch erfreulich niederschwellig, wenn man einen Gast für ein Dokument dazuholen will.

Also, jetzt aber (fast) ohne weitere Vorreden zu den versprochenen Tipps und Tricks. „14 Tipps für Google Docs“ weiterlesen

Google Plus ist bald weg – na und?

Im Juli 2016 habe ich fünf Thesen, warum es Google+ immer noch gibt aufgestellt. Nun, ungefähr vier davon würden heute noch stimmen. Die fünfte allerdings ist offensichtlich weggefallen: «Google glaubt weiterhin an Google+».

Nein, Google glaubt nicht mehr an Google Plus. Am 2. April 2019, also in ungefähr zehn Tagen, wird dem sozialen Netzwerk den Stecker gezogen. Die Daten werden gelöscht. Das allein ist schon bemerkenswert, weil man Google nicht dafür kennt, überhaupt jemals irgend etwas zu löschen (siehe zum Beispiel Think your Google history has been completely deleted? Think again…).

Überraschend sind auch die Umstände, die zum Ende geführt haben. Google hat Sicherheitslücken gefunden und das zum Anlass genommen, mit Google Plus gleich aufzuhören. Und als dann noch weitere Lücken auftauchten, wurde das Enddatum sogar noch vorgezogen. Ist das eine Überreaktion? Oder die logische Konsequenz? Die Einschätzung hängt von den Erwartungen ab. Und von der Einschätzung, was Google Plus für einen gebracht hat.

Für mich war Google Plus nicht unverzichtbar, aber auch nicht komplett für die Katze. „Google Plus ist bald weg – na und?“ weiterlesen

Glasnost bei Google

Ich habe mich neulich gefragt, wie viele Videos eigentlich bei Youtube verschwinden. Bei der Recherche zu dieser Frage bin ich auf den Google-Transparenzbericht gestossen. Transparenz und Google? wundert man sich. Das sind zwei Wörter, die man nicht im gleichen Satz erwarten würde. Denn wie Strassenumfragen zeigen, beklagen acht von zehn Schweizern die Intransparenz von grossen Tech-Unternehmen wie Google.

Da geht es dann allerdings um die Frage, was diese Tech-Unternehmen alles mit den eigenen Daten anstellen – und da ist es bekanntlich nach wie vor so, dass man als Nutzer (oft mit einem unguten Gefühl und manchmal sogar wider besseres Wissen) einen Vertrauensvorschuss leistet. Meine Lieblings-Anekdote dazu bezieht sich auf einen Besuch bei Google Schweiz, wo unter anderem an Technologien wie Google Maps und der fotografischen Dokumentation der ganzen Welt gearbeitet wird. Genau an diesem Ort wurde ich einmal uncharmant zurechtgewiesen, weil ich ungefragt ein Foto gemacht habe. Die werden wohl wissen, was man mit solchen Fotos alles anstellen kann.

Aber gut, ein bisschen Transparenz ist besser als gar keine. Und der Transparenzbericht ist durchaus aufschlussreich. Was Youtube angeht, erfährt man im Abschnitt YouTube-Community-Richtlinien und ihre Anwendung, dass von Oktober bis Dezember 2018 fast 2,4 Millionen Kanäle gelöscht worden sind. „Glasnost bei Google“ weiterlesen

Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs

Eine der besten Erfindungen in der Softwarewelt sind die Erweiterungen: Sie erweitern den Funktionsumfang. Und zwar ganz gezielt und nicht einfach aufs Geratewohl, wie es bei Software-Weiterentwicklungen normalerweise oft der Fall ist. Denn die Updatepolitik der Softwarehersteller ist oft marketinggetrieben: Es werden Features eingebaut, die sich gut bewerben lassen und die bei den «Entscheidern» in den Unternehmen gut ankommen.

Das Resultat sind nicht unbedingt bessere, sondern überfrachtete Produkte. Die Blähware (Bloatware) ist theoretisch für alle Eventualitäten gerüstet. Praktisch findet man sich als Nutzer bei all diesen auf Vorrat hinzugefügten Befehlen nicht mehr zurecht. Und die hochgezüchteten Softwaremonster starten langsam, brauchen viel Speicher, stürzen auch mal ab oder hängen.

Mit Erweiterungen hingegen installiert man sich genau die Funktionen, die man auch braucht. Wenn man sie nicht mehr braucht, entfernt man sie wieder. Wie gut das funktioniert, sieht man bei den Browsern. Zumindest für Firefox und Chrome gibt es eine riesige Auswahl an Add-ons für alle möglichen und unmöglichen Zwecke.

Natürlich haben die Erweiterungen auch Nachteile: „Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs“ weiterlesen