Kommt ein Nerd in einen Buchladen

Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore (Amazon Affiliate), bzw. in Deutsch Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra (Amazon Affiliate) von Robin Sloan: Eine sympathische Geschichte, die die alte Art der Wissensvermittlung mittels Büchern auf ihr modernes Äquivalent prallen lässt. Das ist natürlich die Cloud mit ihrer gigantischen Rechenleistung, die innert weniger Minuten so viel zu leisten vermag wie ein paar mittelalterliche Mönche in einer Million Lebensjahren.

Mich hat das Buch sehr an «The Circle» (So borniert sind die Tech-Nerds auch wieder nicht) erinnert. Es ist auf eine gewisse Weise das negative – oder eigentlich positive – Abziehbild dieser Geschichte. In der Dystopie von Dave Eggers sind die grossen Tech-Konzerne böse, demokratiezersetzend und absolutistisch.

In der Geschichte von Robin Sloan hingegen sympathisch. Man könnte sie fast schon als Liebeserklärung an Google betrachten. „Kommt ein Nerd in einen Buchladen“ weiterlesen

Die Doktorarbeit würde ich trotzdem nicht in Google Docs schreiben

Der Beitrag mit den 14 Tipps zu Google Docs neulich hier im Blog hat erfreulich viel Resonanz ausgelöst. Ich gab daher einem guten alten journalistischen Reflex nach, der besagt, dass man doch gleich noch eine Schippe nachlegen könnte.

Und zwar in Form eines Patentrezept-Videos. Denn Google Docs hat inzwischen eine breite Nutzerschaft. Ich habe bei der Recherche zu dem Beitrag herausgefunden, dass die Schweizer Hochschulen Google Docs nun offiziell anbieten: «Das Angebot der G Suite bildet daher eine bedürfnisgerechte Alternative für Studierende, Dozierende, Mitarbeitende und Alumni von Schweizer Hochschulen zu anderen Diensten», heisst es in einer Pressemeldung der Switch, der Stiftung für die Vernetzung der Schweizer Hochschulen.

Wenn ich an dieser Stelle ein kleines Fragezeichen machen darf: Ich wundere mich, dass viele Unternehmen Google Docs trotz der Vorbehalte der Cloud einführen. „Die Doktorarbeit würde ich trotzdem nicht in Google Docs schreiben“ weiterlesen

So muss Chrome!

Statt Google Chrome sollte man Firefox verwenden. Diese Empfehlung schreibe ich hier nicht zum ersten Mal. Die Begründung ist einfach: Man sollte nicht alle seine Eier in ein Körbchen legen, wie der Engländer sagt. Wenn man googelt, gmailt, googledoct, googlefotografiert, und googleDNSt, dann schadet es nicht, wenigstens beim Browser für etwas Abwechslung zu sorgen. Abgesehen davon ist Firefox auch einfach der bessere Browser als Google Chrome.

Da ich weiss, dass ihr nicht auf mich hört, empfehle ich heute trotzdem eine Erweiterung für Chrome. Sie heisst Cato, ist kostenlos und fügt dem Browser eine Befehlszeile hinzu. Klingt schräg, ist aber gar nicht so absurd: Statt mit Menübefehlen zu hantieren, tippt man close ins Suchfenster, drückt einmal die Pfeiltaste nach unten, um zum Befehl Close all tabs except current zu gelangen und betätigt Enter. Und schon werden alle Reiter geschlossen, ausser derjenige, den man gerade im Vordergrund hat.

Würde man das gleiche auf herkömmlichem Weg tun wollen, müsste man zur Maus greifen, mit der rechten Maustaste auf den aktuellen Reiter klicken und den Befehl Andere Tabs schliessen aus dem Kontextmenü auswählen. „So muss Chrome!“ weiterlesen

14 Tipps für Google Docs

Heute gibt es eine Handvoll Tipps zu Google Docs – bereits zum zweiten Mal, nachdem ich erst vor kurzem über die besten Erweiterungen für die Office-Apps geschrieben habe (Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs).

Und vorab eine Rechtfertigung dafür, weil Google Docs kein Softwareprodukt ist, das mich in Begeisterung versetzen würde: Der Look ist altbacken, die Funktionen sind nicht sonderlich inspiriert. Und Google wird niemals gegen Microsoft anstinken können, weil man Office auch offline nutzen kann. Und das ist unvermeidlich, wenn es um Dokumente mit sensiblem Inhalt geht.

Aber ich komme selbst nicht darum herum, mit Google Docs zu arbeiten. Ich habe einen Arbeitgeber, der Microsoft Office durch die G Suite ersetzt hat. Und auch beim Nerdfunk verwenden wir Google Docs und Tabellen: Dort haben sich die kollaborativen Features für uns im Team bewährt. Und die Software ist auch erfreulich niederschwellig, wenn man einen Gast für ein Dokument dazuholen will.

Also, jetzt aber (fast) ohne weitere Vorreden zu den versprochenen Tipps und Tricks. „14 Tipps für Google Docs“ weiterlesen

Google Plus ist bald weg – na und?

Im Juli 2016 habe ich fünf Thesen, warum es Google+ immer noch gibt aufgestellt. Nun, ungefähr vier davon würden heute noch stimmen. Die fünfte allerdings ist offensichtlich weggefallen: «Google glaubt weiterhin an Google+».

Nein, Google glaubt nicht mehr an Google Plus. Am 2. April 2019, also in ungefähr zehn Tagen, wird dem sozialen Netzwerk den Stecker gezogen. Die Daten werden gelöscht. Das allein ist schon bemerkenswert, weil man Google nicht dafür kennt, überhaupt jemals irgend etwas zu löschen (siehe zum Beispiel Think your Google history has been completely deleted? Think again…).

Überraschend sind auch die Umstände, die zum Ende geführt haben. Google hat Sicherheitslücken gefunden und das zum Anlass genommen, mit Google Plus gleich aufzuhören. Und als dann noch weitere Lücken auftauchten, wurde das Enddatum sogar noch vorgezogen. Ist das eine Überreaktion? Oder die logische Konsequenz? Die Einschätzung hängt von den Erwartungen ab. Und von der Einschätzung, was Google Plus für einen gebracht hat.

Für mich war Google Plus nicht unverzichtbar, aber auch nicht komplett für die Katze. „Google Plus ist bald weg – na und?“ weiterlesen

Glasnost bei Google

Ich habe mich neulich gefragt, wie viele Videos eigentlich bei Youtube verschwinden. Bei der Recherche zu dieser Frage bin ich auf den Google-Transparenzbericht gestossen. Transparenz und Google? wundert man sich. Das sind zwei Wörter, die man nicht im gleichen Satz erwarten würde. Denn wie Strassenumfragen zeigen, beklagen acht von zehn Schweizern die Intransparenz von grossen Tech-Unternehmen wie Google.

Da geht es dann allerdings um die Frage, was diese Tech-Unternehmen alles mit den eigenen Daten anstellen – und da ist es bekanntlich nach wie vor so, dass man als Nutzer (oft mit einem unguten Gefühl und manchmal sogar wider besseres Wissen) einen Vertrauensvorschuss leistet. Meine Lieblings-Anekdote dazu bezieht sich auf einen Besuch bei Google Schweiz, wo unter anderem an Technologien wie Google Maps und der fotografischen Dokumentation der ganzen Welt gearbeitet wird. Genau an diesem Ort wurde ich einmal uncharmant zurechtgewiesen, weil ich ungefragt ein Foto gemacht habe. Die werden wohl wissen, was man mit solchen Fotos alles anstellen kann.

Aber gut, ein bisschen Transparenz ist besser als gar keine. Und der Transparenzbericht ist durchaus aufschlussreich. Was Youtube angeht, erfährt man im Abschnitt YouTube-Community-Richtlinien und ihre Anwendung, dass von Oktober bis Dezember 2018 fast 2,4 Millionen Kanäle gelöscht worden sind. „Glasnost bei Google“ weiterlesen

Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs

Eine der besten Erfindungen in der Softwarewelt sind die Erweiterungen: Sie erweitern den Funktionsumfang. Und zwar ganz gezielt und nicht einfach aufs Geratewohl, wie es bei Software-Weiterentwicklungen normalerweise oft der Fall ist. Denn die Updatepolitik der Softwarehersteller ist oft marketinggetrieben: Es werden Features eingebaut, die sich gut bewerben lassen und die bei den «Entscheidern» in den Unternehmen gut ankommen.

Das Resultat sind nicht unbedingt bessere, sondern überfrachtete Produkte. Die Blähware (Bloatware) ist theoretisch für alle Eventualitäten gerüstet. Praktisch findet man sich als Nutzer bei all diesen auf Vorrat hinzugefügten Befehlen nicht mehr zurecht. Und die hochgezüchteten Softwaremonster starten langsam, brauchen viel Speicher, stürzen auch mal ab oder hängen.

Mit Erweiterungen hingegen installiert man sich genau die Funktionen, die man auch braucht. Wenn man sie nicht mehr braucht, entfernt man sie wieder. Wie gut das funktioniert, sieht man bei den Browsern. Zumindest für Firefox und Chrome gibt es eine riesige Auswahl an Add-ons für alle möglichen und unmöglichen Zwecke.

Natürlich haben die Erweiterungen auch Nachteile: „Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs“ weiterlesen

Mark ist ein Depp

Mit einem ziemlichen Erstaunen musste ich als erklärter Trendbanause zur Kenntnis nehmen, dass das Popup wieder in Mode ist. Das Popup! Genau das Ding, was uns vor zehn, fünfzehn Jahren das Surfen verleidet hat.

Damals war es eine aufdringliche Form der Werbung, die mit der amerikanischen Redewendung in your face recht gut beschrieben ist: Man bekommt etwas vor den Latz geballert, um das man nicht gebeten hat. Man könnte das auch als Form des Aufmerksamkeitsdiebstahls bezeichnen.

Immerhin: Die Belästigung ist weitgehend gebannt. Einerseits dank Technik: Die modernen Browser unterdrücken Fenster, die sich automatisch öffnen. Was zur Folge hat, dass legitime Popup-Fenster verhindert werden. Aber gut, diese Art von Kollateralschaden ist man sich im Internet gewohnt.

Noch wirksamer als die Blockade im Browser dürfte aber die offizielle Ächtung gewesen sein.  „Mark ist ein Depp“ weiterlesen

Die Welt durch die Augen des Google-Bots

Der User-Agent Switcher ist eine nützliche Erweiterung für Firefox, mit der man den User Agent umschalten kann. Je nach Einstellung gibt sich Firefox dann nicht mehr als Firefox unter Windows, sondern als Safari unter Mac OS, als Edge-Browser unter Windows oder als Android-Telefon oder sonst ein Gerät bzw. eine Software aus.

Das ist nützlich, wenn man Websites testen muss, die sich auf den einzelnen Geräten unterschiedlich verhalten sollen. Ich brauche diese Erweiterung aber aus einem trivialeren Grund: Ich betreue bei Publisher.ch bekanntlich den Downloadbereich. Da dort sowohl die Windows- als auch die Mac-Versionen der Programme angeboten werden, muss ich beides herunterladen. Viele Websites nehmen dem Nutzer die Arbeit ab, die passende Variante wählen zu müssen – mit dem unerfreulichen Nebeneffekt, dass ich die Mac-Version nicht herunterladen kann, wenn ich einen Windows-Computer benutze. Damit ich dazu keinen Mac bemühen muss, schalte ich einfach den User Agent um. Das klappt in den meisten Fällen hervorragend.

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Eine Schreckreaktion? So sieht Google aus, wenn man mit User Agent «Googlebot» surft.

Lustig ist nun, dass man die Einstellung bei User Agent nun auch auf exotische Dinge wie Google Bot einstellen kann. Und das, von Neugierde getrieben, auch sogleich tut. „Die Welt durch die Augen des Google-Bots“ weiterlesen

Googles gottlose Bösartigkeit

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Woher kommt sie bloss, diese Fixierung auf Strassenschilder bei Google? (Bild: Ed Gregory/stokpic.com, CC0)

Captchas sind eine anstrengende Angelegenheit. Sie kommen einem oft in die Quere, wenn man seine Arbeit erledigt bekommen sollte und keine Zeit zu vertrödeln hat. Noch nerviger als die Captchas sind jedoch die Recaptchas, die Google erfunden hat. Sie seien «tough on bots und easy on humans», behauptet der Suchmaschinenhersteller hier. Die Botschaft ist seltsamerweise weder mit einem Menschen, noch mit einem Bot, sondern mit einem spielenden Kätzchen illustriert.

Nun, im Idealfall muss man bei Googles Variante bloss ein Kästchen anklicken, in dem steht, man sei kein Roboter. Unter Umständen funktioniert die Überprüfung auf Bot oder Nichtbot sogar im Hintergrund, dass man überhaupt nicht belästigt wird. Doch manchmal kommt diese vermaledeite «Wählen Sie alle Bilder mit Strassenschildern aus»-Variante: Sie enthält ein in neun oder 16 Quadrate zerlegte Bilderseite, auf der man alle Teile anklicken sollte, die ein Strassenschild enthalten. Oder Fahnen. Oder Geschäfte. Oder sonst irgend etwas – hier ist ein Beispiel beschrieben, wo ich es mit so so einer Abfrage zu tun hatte, die nicht zufriedenzustellen war.

Es gibt jede Menge Probleme mit dieser Captcha-Variante: „Googles gottlose Bösartigkeit“ weiterlesen