Von wegen Recht am eigenen Bild

In den Medien sind häufig Fotos anzu­treffen, in denen die abge­bil­deten Personen un­kennt­lich gemacht wurden. Aber schützen Verpixelung und schwarze Balken über­haupt – oder findet man die Origi­nal-Auf­nah­men nicht trotz­dem?

Neulich habe ich in der Zeitung ein grosses Foto gesehen, das einen Mann und seine Freundin zeigte. Beide hatten verpixelte Gesichter und unter dem Titel Aussenseiter, Entführer, Todesschütze konnte man eine Recherche über B. V. lesen. Er hat Ende März 2022 Christoph Berger, den Chef der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) entführt. Als er von der Polizei verhaftet werden soll, erschiesst er seine Freundin. Auch er stirbt, wobei mir die Umstände nicht klar sind. Die NZZ lässt das ebenfalls offen und schreibt nur: «Auch er stirbt noch vor Ort.»

Aber darum geht es mir nicht, sondern um das Foto mit den beiden Personen. Sie sind unkenntlich gemacht, weil das zu den Pflichten der Journalistinnen und Journalisten gehört. Der Schweizer Presserat formuliert das zum Stichwort «Recht am eigenen Bild» wie folgt: „Von wegen Recht am eigenen Bild“ weiterlesen

Was ist dran am Gerücht, dass unsere Handys und PCs uns belauschen?

Immer wieder bin ich mit der Frage kon­fron­tiert, ob es so ist, dass Face­book – oder auch Google – mitlau­schen und heraus­fin­den, worüber wir mit unseren Freunden reden, um uns dann passende Werbung zu ser­vieren. Was ist dran an dieser Ver­mu­tung?

Es gibt eine Frage, mit der in schöner Regelmässigkeit konfrontiert werde. Sie lautet: Hören die Tech-Konzerne uns via Smartphone und Computer unsere Gespräche ab? Der Ausgangspunkt ist immer der Gleiche: Jemand hat sich offline mit jemand anderem über ein Thema unterhalten und hinterher Werbung zum besprochenen Thema angezeigt bekommen.

Klar: Technisch wäre ein solcher Lauschangriff möglich: Siri, Google Assistant und Amazon Alexa zeigen auf, wie weit das Verständnis der Maschinen für gesprochene Sprache geht. Aber ist es auch wahrscheinlich, dass das passiert?

Ich erkläre gleich, was ich den Leuten jeweils auf diese Frage antworten. Aber erst eine Bitte an euch: „Was ist dran am Gerücht, dass unsere Handys und PCs uns belauschen?“ weiterlesen

Der Hipster hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel

Mit dem Google Ngram Viewer durchforstet man den Bestand von Google Books nach Begriffen und erforscht, wie sie über die Zeit in den digitalisierten Büchern auftreten.

In meiner losen Serie zu alten, seltsamen und wenig bekannten Google-Diensten ging es neulich um Google News, bzw. das zu Google-News gehörende digitale Zeitungsarchiv mit Suchmaschine für alte News. Das ist theoretisch eine tolle Sache, praktisch aber annähernd unbrauchbar – leider. Entsprechend war der Beitrag zu meinem Bedauern nur von bescheidener Nützlichkeit.

Das ist mit dem heutigen Tipp diametral anders: Zwar kennen diese spezielle Suchmaschine ebenfalls längst nicht alle Leute, die alles nutzen, was Google ansonsten zu bieten hat. Aber sie leistet hervorragende Dienste, zumindest für Recherchen, die sich mit den Trends der Vergangenheit beschäftigen. Es handelt sich um den Google Ngram Viewer, zu finden unter books.google.com/ngrams.

Die Suchmaschine verwendet die Daten von Google Books, der grossen Sammlung an digitalisierten Büchern, die der Konzern seit 2004 betreibt. Zum 15. Jubiläum 2019 konnte man im firmeneigenen Blog lesen, wie viele Bücher dort vorhanden sind: „Der Hipster hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel“ weiterlesen

Das sträflich vernachlässigte Zeitungsarchiv von Google

Bei Google News gibt es einen grossen Bestand mit digitalisierten alten Zeitungen. Wenn man sich mit Neugierde und Forschungsdrang auf den stürzt, erlebt man leider eine Enttäuschung: Das Archiv ist hundslausig erschlossen.

Google News ist seit 2002 am Start: Unter news.google.com werden die Schlagzeilen vieler Newssites aggregiert. Wer keine bevorzugte Nachrichtenquelle hat, kann sich dort durch die Nachrichtenlage klicken.

Wie es Googles Art ist, bekommen nicht alle das gleiche Angebot, sondern eine personalisierte Variante davon. Ich bin kein Fan Google News, sondern halte das für eine erstaunlich schlechte Google-App. Und ich halte an der Meinung fest, dass man sich seine News nicht von Google (oder sonst wem) auswählen lassen sollte, sondern sie selbst kuratieren muss. Der Tipp dazu ist RSS und eine vielversprechende Möglichkeit, den zu nutzen, ist die Feedbro-Erweiterung für Firefox.

Trotzdem ergibt sich hier die Gelegenheit, auf Google News zurückzukommen. Mir ist neulich per Zufall aufgefallen, dass es dort nicht nur neue, sondern auch alte News gibt. Unter news.google.com/newspapers findet sich ein Archiv von eingescannten Zeitungen, das an Google Books erinnert – das wiederum ein Google-Dienst, den ich sehr gern nutze.

Diese Seite sieht aus wie Yahoo 1996.

Soweit ich sagen kann, sind Zeitungen aus Nordamerika archiviert. Auf mich, der ich kein Experte für die US-amerikanische Zeitungslandschaft bin, macht die Auswahl einen willkürlichen bis chaotischen Eindruck: „Das sträflich vernachlässigte Zeitungsarchiv von Google“ weiterlesen

Google ist auf dem Weg zum evil empire

Da ist sie wieder, die Jahres­mus­terung: In meinem Rück­blick auf die Leis­tungen der Tech­kon­zerne 2021 kommt als Erstes die grosse Such­maschi­ne an die Reihe. Google bzw. Alphabet ist auf den ersten Blick lang­wei­lig, auf den zweiten be­un­ruhi­gend.

Ich weiss, ihr habt alle sehnlichst auf sie gewartet: auf meine schöne Rückblickserie namens Jahresmusterung. Ihr erinnert euch natürlich: Letztes Jahr habe ich damit angefangen, die Leistungen der grossen Tech-Konzerne zu beurteilen. Und das soll nun auch heuer wieder geschehen.

Damit die Spannung gewährleistet ist, fange ich mit dem Kandidaten an, der auf den ersten Blick der langweiligste war und auf den zweiten Blick beängstigende Tendenzen zeigt. Das ist – und ich könnte hier noch einige Pirouetten schlagen, um die Spannung zu erhöhen, was die traurige Wahrheit aber leider auch nicht besser macht – Google.

Ja, Google: Das ist jener Konzern, der in früheren Jahren ein Feuerwerk an Ideen versprüht hat. Alle zwei Wochen kam irgendein neues Produkt um die Ecke. Vieles davon ist genauso schnell verschwunden, wie es gekommen ist – oder noch schneller: „Google ist auf dem Weg zum evil empireweiterlesen

Wie man tote Websites ausgräbt

Tipps zum Google Cache und zu den Webarchiven von Bing, Yandex und zu Wayback Machine und Archive.is. Plus Tricks, wie man diese einfach und unkompliziert im Browser zur Verfügung hat.

Neulich habe ich mit den Alerts einen Google-Dienst vorgestellt, der uralt, aber nichtsdestoweniger ausgesprochen praktisch ist. Da passt es doch, wenn ich mich einer weiteren Funktion zuwende, die ebenso die Eigenschaften aufweist, schon seit langem zu existieren und im Alltag immer mal wieder gute Dienste zu leisten.

Das ist der Google Cache. Dort werden Webseiten zwischengespeichert und stehen zum Abruf, wenn das Original nicht zugänglich sein sollte. Man kann sich somit Informationen holen, die entweder temporär oder dauerhaft aus dem Web verschwunden sind.

Einen solchen Fall hatte ich neulich: „Wie man tote Websites ausgräbt“ weiterlesen

Wenn Alain Berset euch Bitcoins andrehen will

Ein Wort zur Kritik an der Werbung hier im Blog und zu betrügerischen Werbebannern im Allgemeinen: Ich verstehe Leute, die gern ein werbefreies Internet hätten – doch ein bisschen was sollte hier halt auch hängen bleiben.

Heute geht es um ein Thema, das in erster Linie dieses Blog hier betrifft, in zweiter Linie aber auch darüber hinaus interessant ist.

Es geht um eine Kritik, die ich in letzter Zeit von mehreren Leuten gehört habe. Sie bezieht sich (zum Glück) nicht auf meine Themen oder deren Darbietung, sondern um das Drumherum: Nämlich um die Werbung, die sowohl hier auf Clickomania.ch als auch auf meiner zweiten Site, mrclicko.de geschaltet wird.

Manche Leute sind davon grundsätzlich genervt, andere ärgern sich nur über eine bestimmte Art von Werbung. In der geht es um Prominente, die mit ihren Investments so grosse Gewinne erzielt haben, dass Experten und Grossbanken beeindruckt sind. Im Screenshot sieht man eine solche Werbung mit Alain Berset, aber auch viele andere bekannte Persönlichkeiten mussten ihren Kopf dafür hinhalten.

Es ist offensichtlich, dass das ein Betrug ist. Um das zu merken, muss man die Werbung noch nicht einmal anklicken: „Wenn Alain Berset euch Bitcoins andrehen will“ weiterlesen

Wissen, was läuft

Google Alerts ist ein unschein­barer Dienst des Such­maschinen-Konzerns, der mir nichts­destotrotz seit Jahren gute Dienste leistet. Mit der Mention-App habe ich ausser­dem eine Alternative in petto.

Eine unbestritten praktische Sache sind die Google Alerts, zu finden unter google.com/alerts. Die Aufgabe dieser Funktion ist es, die Nutzer zeitnah über neue Informationen im Web zu informieren.

Das funktioniert einfach: Man trägt ein Stichwort oder eine Anfrage ein, wie man sie via Suchmaschine verwenden würde. Dazu trifft man einige Einstellungen: „Wissen, was läuft“ weiterlesen

Wie Google vor fremdsprachigen Peinlichkeiten schützt

In letzter Zeit sind mir immer mal wieder Produkt- und Unter­nehmens­namen begegnet, die im Original völlig harmlos klingen, in Deutsch aber hochgradig obszön daherkommen. Solche Blamagen liessen sich vermeiden.

Der heutige Blogpost könnte etwas problematisch werden. Es kommen nämlich einige unanständige Wörter darin vor.

Um das am Anfang ganz deutlich zu sagen: Das ist keine böse Absicht. Ich werde niemanden beschimpfen – höchstens als unfähig hinstellen, aber auch das in freundlichen Worten. Die bösen Worte haben eine im Grund harmlose Ursache. Die rührt daher, dass es verschiedene Sprachen gibt, in denen Wörter unterschiedliche Dinge bedeuten.

Einige Beispiele aus der analogen Welt: Da ist das Oberösterreicher Kaff Fugging, das bis 2020 Fucking hiess, was natürlich hilarious für alle jene simplen Gemüter war, die das gleichnamige englische Wort schon einmal gehört hatten. Nicht ganz so offensichtlich, aber für echte Engländer und Amis dennoch ein Grund zur Erheiterung ist das Berner Wankdorfstadion. «The Telegraph» hat es 2015 im Artikel The funniest football team names in the world gewürdigt: „Wie Google vor fremdsprachigen Peinlichkeiten schützt“ weiterlesen

Ich mag Gmail nicht

Googles Mail-Anwendung hat Mängel: Sie ist nicht benutzer­freundlich und kaum brauch­bar für ein umfang­reiches Mail­archiv. Für die Such­funktion sollte sich Google schämen.

Es gibt viele Produkte von Google, die grossartig sind: Die Bildersuche, der Kalender und Maps fallen mir zuerst ein. Und trotz Vorbehalten brilliert der Konzern auch beim Kerngeschäft, der Websuche.

Danach kommen einige Angebote, die einmal revolutionär waren, inzwischen aber einige Problemzonen aufweisen. In diese Kategorie zähle ich den Übersetzungsdienst Translate, der von Deepl.com auf den zweiten Platz verwiesen wurde. Ebenso Youtube – so erfolgreich die Videoplattform auch ist, so viel läuft schief: beim Umgang mit dem Urheberrecht, der Moderation der Videos, der Monetarisierung.

Schliesslich gibt es auch Google-Produkte, mit denen ich mich nie anfreunden konnte und die ich bloss deswegen verwende, weil mein Arbeitgeber sie gut findet. Google Docs (Die Doktorarbeit würde ich trotzdem nicht in Google Docs schreiben) gehört in diese Kategorie.

Und Gmail. „Ich mag Gmail nicht“ weiterlesen