Da geht es lang im Internet

Die .htaccess-Datei: Eine jener Erfindungen, die man im selben Atemzug lobpreist und verflucht. Sie macht Dinge möglich. Und gleichzeitig treibt sie einem den Angstschweiss auf die Stirn.

Also, um die Sache etwas einzugrenzen: Die Datei wird von Webservern verwendet, um die Adressen zu konfektionieren. Standardmässig entspricht der Pfad einer URL der Verzeichnis- und Dateistruktur auf dem Server. Beispiel clickomania.ch/click/indexD.html: Das ist eine Datei indexD.html, die im Ordner click im Rootverzeichnis des Webservers liegt.

Nun ist es aber nicht immer so einfach: Wenn man seine Seiten mit PHP aufbereitet oder mittels einer Datenbank mit Inhalten füllt, dann gibt es keine Struktur im Dateisystem des Webservers, die man als URL abbilden könnte. Es werden vielmehr Parameter an Scriptdateien übergeben. Bei vielen dynamischen Websites wird nur eine einzige Seite aufgerufen, auch wenn die Site selbst aus Dutzenden, Hunderten oder Tausenden von Unterseiten besteht. Parameter in der Adresse zeigen an, welcher Beitrag aus der Datenbank geholt werden soll. Diese Parameter werden typischwerweise mit Fragezeichen übergeben. Das könnte etwa so aussehen: Example.com/Main.php?page=1020

Das ist nun nicht sonderlich hübsch und auch nicht sehr praktisch. „Da geht es lang im Internet“ weiterlesen

Siri auf Steroiden


So erledigt Siri die Drecksarbeit.

Ich hadere oft mit Apple – aber manchmal gelingt es diesem Unternehmen, das sich selbst für das schönste, innovativste und wichtigste hält (und es gemäss dem Börsenwert auch ist), mich auch wieder versöhnlich zu stimmen. Zum Beispiel, wenn es Dinge wie Apple Script und Automator hegt und pflegt. Man kann sich fragen, wie viele Leute solche Nischen-Features wirklich produktiv einsetzen und ob das den Aufwand wert ist. Ich selbst nutze sie nicht so oft, wie ich gern würde. Es fehlt mir dann doch die Zeit, perfekte Automatisierungslösungen zu stricken. Aber egal: Ich finde toll, dass es sie gibt und dass Apple mit seinen Produkten zwar sehr oft auf den Mainstream zielt (Stichwort Animoji), dann aber doch auch Spass an schrägem Nerdzeugs zu haben scheint.

Darum war ich sehr auf iOS 12 gespannt. Bei dem Betriebssystem-Update sollte die alte Workflow-App, die mich schon von Anfang an faszinierte, eine Wiedergeburt erleben. „Siri auf Steroiden“ weiterlesen

Bots, die Fotos anstarren

Captionbot ist eine lustige kleine Webanwendung von Microsoft, die Bilderkennung betreibt. Das ist per se nichts Neues. 2015 sind künstliche Intelligenzen aufgetaucht, die Fotos analysieren und mit Schlagworten versehen. Das hat dazu geführt, dass manche Leute sich etwas dumm vorgekommen sind: Nämlich die Leute, die das bis dato selbst gemacht hatten.

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Nicht falsch – aber auch nicht so ganz auf den Punkt.

Captionbot will nun nicht das Metadatenfeld mit den Schlagwörtern mit Inhalt füllen, sondern eine Bildbeschreibung abgeben. Das ist noch ein bisschen anspruchsvoller: Es geht nicht einfach nur darum, ein paar Dinge zu benennen, die auf dem Foto zu sehen sind. Nein, die Aufgabe ist, den Kerninhalt des Bildes zu erfassen. Und das Resultat sollte keine Aufzählung, sondern ein kleines Sätzchen sein. Dieses Sätzchen sollte idealerweise jemandem, der das Bild nicht sieht, eine klare Vorstellung vermitteln, was auf dem Bild zu sehen ist.

Das funktioniert in manchen Fällen ganz prächtig. „Bots, die Fotos anstarren“ weiterlesen

Wie viele Festplatten braucht die Welt?

Wo stecken eigentlich die grossen Datenmengen auf dieser Welt? Diese Frage habe ich mir neulich gestellt und bin nach etwas googeln auf die Zusammenstellung Top 10 Largest Databases in the World 2018 gestossen. Die hält Überraschungen bereit. Die weltgrösste digitale Müllhalde (a.k.a. Facebook) hat es noch nicht einmal in die Liste geschafft. Youtube (a.k.a. die weltgrösste Müllhalde für bewegte Bilder) ist bloss auf Platz sieben. Google, auch so ein Datensammler und -horter, hat es immerhin auf Platz vier geschafft.

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Eine allein reicht nicht. (Bild: Tookapic.com/CC0)

In der Liste gibt es auch Überraschungen: „Wie viele Festplatten braucht die Welt?“ weiterlesen

Wie man als Whistleblower anonym bleibt

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Wer sie bläst, darf sich keine Unachtsamkeiten erlauben. (Bild: Call in the Troops, Alan Levine/Flickr.com, CC BY 2.0)

spite77 bei steemit.com, mit dem ich gelegentlich unter seinem bürgerlichen Namen Raoul René bei Radio Stadtfilter Nerdfunk betreibe, stellt hier ausführlich eine neue Funktion von Mozilla vor. Sie heisst Firefox Send, die man unter send.firefox.com findet: Man lädt dort eine Datei mit maximal einem GB grösse hoch, die automatisch verschlüsselt wird und während 24 Stunden für eine vorgegebene Anzahl Downloads zur Verfügung steht.

Das klingt interessant, wobei man sich natürlich fragen kann, weswegen man Dateien nicht einfach über die Teilen-Funktion bei einer der vielen Onlinie-Dateiablagen weitergibt, die man eh schon nutzt. Also Dropbox, Onedrive, iCloud oder Swisscom MyCloud (siehe Die einheimische Datenwolke). Wenn man Wert auf den automatischen Ablauf der Datei legt, kommt auch Wetransfer (siehe Vier Tricks fürs altehrwürdige E-Mail) infrage. Braucht es da tatsächlich noch einen Dienst?

Das Interessante an Firefox’ Lösung ist natürlich die anonyme Nutzungsmöglichkeit. Man braucht sich nirgends einzuloggen, sondern lädt die Datei hoch, gibt den Link weiter und macht sich wieder aus dem Staub. Firefox gibt an, nur wenige Daten zum Vorgang zu speichern und das meiste davon nach Ablauf der 24 Stunden komplett zu löschen.

Stellt sich also die Frage: Ist Send It anonym genug, um von Whistleblowern genutzt zu werden, um unerkannt ein heikles Dokument weiterzugeben? „Wie man als Whistleblower anonym bleibt“ weiterlesen

Das Screenshot-Chaos entschärfen

Ich weiss, ihr seid ihm überdrüssig – meinem Herumgereite auf den Mängeln von iPhone und iPad (Nein, das iPad ist kein Profi-Gerät). Aber da ich unglaublich konstruktiv an die Sache herangehe, werdet ihr auch heute weiterlesen. Da bin ich mir sicher.

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Die Screenshots-App räumt alte Bildschirmfotos weg.

Also, es geht um einen Nebenaspekt, nämlich um die Screenshots. Wie diverse Male ausgeführt, stört mich, dass die in der Mediathek zwischen den normalen Fotos landen und nicht in einer separaten Ablage, zum Beispiel in der Dateien-App. Der Grund dafür ist ganz einfach: Ich möchte zwischen meinen Familienfotos keine App-Screenshots haben, die ich für berufliche Zwecke anfertige. Es geht um die Trennung von beruflichen und privaten Daten – eine simple und einleuchtende Forderung, die sich mit dem iPhone aber nicht so richtig gut umsetzen lässt. Tipps dazu gibt es trotzdem, nämlich im Beitrag Nutz doch deinen eigenen Kram!.

Die App Screenshots (Kostenlos fürs iPhone) entschärft die Lage ein bisschen. „Das Screenshot-Chaos entschärfen“ weiterlesen

So macht iPad-Bloggen Spass!

Ich habe seinerzeit darüber räsoniert, wie unprofessionell das iPad und iOS-Geräte generell sind. Das Problem ist, dass sich Bilder nur mit viel Aufwand so optimieren lassen, wie ich das gerne hätte. Ich möchte einerseits eine bestimmte Kantenlänge in Pixeln haben, andererseits Dateigrösse und Bildqualität in Einklang bringen. Das lässt sich mit Bordmitteln nur schwierig erzielen. Man kann sich immerhin von einem Webdienst helfen lassen.

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In einem Rutsch optimiert: Dieses Bild hier ist 56 KB gross. (Bild: Bruce Mars/Pexels, CC0)

Bleibt die Frage: Könnte die Workflow-App helfen? Ich habe sie seinerzeit im Beitrag Ein Fliessbandarbeiter für iOS vorgestellt und bin damals zu einem recht euphorischen Urteil gelangt: «Workflow ist eine tolle App, deren Möglichkeiten nur durch die Fantasie des Nutzers beschränkt sind.»

Das stimmt natürlich nicht, weil die App auch durch das Betriebssystem limitiert wird. „So macht iPad-Bloggen Spass!“ weiterlesen

Homografischer Schabernack

Ich habe neulich ein Video über die Möglichkeiten von Unicode und Opentype gemacht. Bei den Recherchen bin ich auf die App Symbol Keyboard gestossen. Die war nicht spektakulär genug fürs Video. Aber hier für den Blog müsste sie ausreichen. 😲

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Symbol Keyboard stellt eine Zeichentabellen-Tastatur zur Verfügung, die die Unicode-Blöcke und die dazu gehörenden Zeichen erschliesst.

Die App erschliesst den Unicode-Zeichenfundus. Das sind gemäss Wikipedia inzwischen 136’000 Zeichen in über den Daumen gepeilt 220 Kategorien, den so genannten Blocks. Ob die App alle davon anbietet, habe ich nicht nachgeszählt – aber es sind auch so eine Menge.

Die App lässt sich auf zwei Arten und für verschiedene Zwecke verwenden. „Homografischer Schabernack“ weiterlesen

Damit auch jedes Schrittchen zählt

Ich bin seit knapp fünf Jahren Schrittzähler. Eingestiegen in die Selbstquantifizierung bin ich mit dem Jawbone Up. Anschliessend habe ich zwei Uhren von Withings (hier und hier) benutzt, dann ein Fitbit. Die jüngste Errungenschaft ist die Fēnix 5S von Gramin, die mich diesbezüglich vollkommen zufriedenstellt.

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Ein Unterschied von knapp 5 Prozent zwischen Garmin (links) und Fitbit (rechts). Uneins sind sie sich auch bezüglich Distanz, grosse Einigkeit herrscht aber bei den Kalorien (etwa ein Prozent Unterschied).

Wenn ich dieser Tage unterwegs bin, werden meine Schritte dreifach gezählt: Das Fitbit befindet sich am rechten Arm. Am linken die Fēnix. Und in der Tasche das iPhone, das bekanntlich auch Schritte zählt. Nun stellt man fest, dass die Resultate am Ende des Tages1 oft deutlich abweichen. Klar, die Fitnesstracker trägt man immer auf sich, während das iPhone auch mal auf dem Tisch liegenbleibt, wenn man sich durch die Wohnung begiebt oder am Arbeitsplatz drei Büros weiter ein paar Worte mit einem Arbeitskollegen wechselt.

Einen wesentlichen Unterschied ergibt sich auch aus den Schrittzähl-Algorithmen: Die müssen aus der Bewegung des Handgelenks erschliessen, was der Träger genau tut: Geht er? Fuchtelt er mit den Armen? Tippt er auf der Tastatur? Dirigiert er ein Orchester oder spielt er Drums in einer Speed-Metal-Band? Fährt er mit dem Auto über eine holperige Strasse? Oder, wie ein Kollege mal in der Kantine erläuterte, wie viele Kilometer habe er gerade masturbiert?
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Wer hat hier von wem abgekupfert?

Im Beitrag Zu bärchenmässig, aber sonst voll iO habe ich das Spiel «Toon Blast» vorgestellt. Es ist die erste moderne Umsetzung der alten Clickomania-Idee, Gruppen gleichfarbiger Steine wegzuräumen, die mir wirklich gefällt. Abgesehen von unsympathischen Free-to-Play-Sperenzchen ist das Spiel rundum gelungen.

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Angry Birds Blast hat nicht nur beim Namen verblüffende Ähnlichkeiten mit…

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… Toon Blast. Aber wer war zuerst?

Nun bin ich vor Kurzem dem Spiel Angry Birds Blast (kostenlos für iPhone/iPad und Android) begegnet. Über das könnte ich nun das genau gleiche nochmals schreiben, das ich schon über Toon Blast geschrieben habe: Es funktioniert nämlich ganz genauso, bishin zu den Free-To-Play-Mechanismen mit den beschränkten Leben und der Möglichkeit, anderen Spielern Leben zu spenden.

Stellt sich natürlich die Frage: Wer hat von wem abgekupfert? „Wer hat hier von wem abgekupfert?“ weiterlesen