Gesunder Menschenverstand statt KI

Bei Audible und Amazon kann man seinen Lieb­lings­autoren folgen. Das ist eine in Ansätzen nütz­liche Funk­tion – die das Einge­ständ­nis bein­hal­tet, dass die tollen Vor­schlags-Algori­thmen doch nicht so toll sind.

Audible bzw. Amazon hat vor ein paar Tagen die Möglichkeit eingeführt, einem Autor zu folgen: Wir suchen in der App oder auf der Website nach einem seiner Titel, tippen oder klicken auf den Namen. Daraufhin gelangen wir zur Autorenseite, auf der wir den Follow-Knopf betätigen.

Oder, noch einfacher: Wir öffnen in der App die Rubrik Bibliothek und wählen in der obersten Liste Autoren. In der Liste sehen wir alle Autoren, von denen wir Hörbücher besitzen und können die gewünschten auswählen, um sie zu abonnieren.

Die Abos sind auf bei Audible dieser Seite einzusehen. Und da es eine gemeinschaftliche Funktion für Amazon und den Kindle ist, existiert auch eine entsprechende Seite bei Amazon.

Das ist eine nette Neuerung. Zumindest auf den ersten Blick – wenn man genauer hinschaut, könnte man sie auch für unausgereift halten. Aber dazu komme ich gleich noch.

Die Grundidee erweckt jedenfalls den Eindruck, als ob der Hörbuchverlag eine wichtige (und seit 27 Jahren überfällige) Beobachtung gemacht hätte: „Gesunder Menschenverstand statt KI“ weiterlesen

Zwischen digitaler Erotikfantasie und und KI-Albträumen

Stable Diffu­sion, Dall·e 2, Craiyon, Art­breeder und Starryai im Vergleich: Welche der KIs, die Text­vorga­ben in Bilder umsetzen, vermag zu über­zeugen, dass sie kreativ sein kann?

Es gebe eine «Text-zu-Bild-Revolution», kann man in den Medien lesen. Es gibt diese künstlichen Intelligenzen, die aus kurzen Textvorgaben Bilder generieren – und damit verblüffen, irritieren und Illustratoren in Angst und Schrecken versetzen.

Für die Tamedia habe ich vor einiger Zeit Dall-e mini vorgestellt; ein solches System, das inzwischen Craiyon heisst. Ich wollte wissen, wie es sich im Vergleich mit anderen Systemen seiner Art schlägt – denn davon sind in letzter Zeit einige aufgetaucht. In meinem Vergleich kommen nebst Craiyon auch Artbreeder und Starryai zum Zug. Und natürlich Stable Diffusion¹. Nachtrag: Und nachträglich habe ich die Resultate von Dall·e 2 ergänzt, die ich von Manuel erhalten habe. Danke dafür!

Das hat sich Stable Diffusion zum Stichwort «Digital Artist» ausgedacht.

Dieses Stable Diffusion ist auch der Grund, weswegen sich ein solcher Vergleich gerade jetzt aufdrängt: Es hat die Karten neu gemischt, behaupten die Medien.

Diese Software unterscheidet sich von den Konkurrenten, weil sie eine freie Lizenz hat und Open-Source ist. Man kann sie herunterladen und selbst betreiben – und damit auch einen Blick hinter die Kulissen riskieren. „Zwischen digitaler Erotikfantasie und und KI-Albträumen“ weiterlesen

Der Nerd als geborener DJ

Die beste App, um Musik aufzulegen, ist Djay Pro von Algoriddim. Sie hat in der Mac-Version einige Tricks mit künstlicher Intelligenz auf Lager, die gleichzeitig faszinieren und irritieren.

Nerds gehören nicht unbedingt zu der Gattung Mensch, die auf Achttausender klettert, im Wald barhändig einen Bären erwürgt oder die Boxweltmeisterschaft gewinnt. Wenn wir Nerds die Bewunderung der Massen erwerben möchten, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Und zum Beispiel DJ werden. Als DJ kann man eine Art Held sein, ohne sein Leben riskieren zu müssen. Man muss sich auch nicht unbedingt ins Rampenlicht stellen: Man darf sich hinter Plattentellern verstecken und die feiernde Gesellschaft seine Anwesenheit indirekt, über den Musikmix spüren lassen.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die feinmotorischen Fähigkeiten dank des Fortschritts an Bedeutung verloren haben. Als der DJ noch Vinyl aufgelegt hat, musste er zumindest in der Lage sein, mit der Nadel die Rille an der richtigen Stelle zu treffen. Und der Umgang mit den Tonträgern erforderte ein gewisses Geschick, damit immer rechtzeitig das passende nächste Stück auf dem Plattenteller lag.

Diese bei uns Nerds oft nicht vorhandenen Talente lassen sich durch den Einsatz moderner Technik problemlos kompensieren: „Der Nerd als geborener DJ“ weiterlesen

Was Algorithmen alles aus unseren Gesichtern lesen

Können wir die Gesichts­erken­nung aus­tricksen, wenn wir Grimas­sen schneiden? Sind die Algori­thmen in der Lage, unser Alter, Geschlecht, unsere Attrak­tivi­tät, den BMI und die Lebens­er­war­tung zu ermitteln? Die beiden Sites areyou­you.eu und hownormal­ami.eu klären auf.

Normalerweise erfahren wir nicht, welche Daten über uns erhoben werden, während wir uns online oder im Umfeld von Kameras oder Sensoren tummeln. Doch zwei Websites machen solche verborgenen Aktivitäten auf spielerische Weise sichtbar. Sie zeigen auf, was die Algorithmen hinter unserem Rücken treiben… wobei das eine nicht wirklich passende Formulierung ist. Aber ihr wisst, was ich meine.

Die beiden Websites sind areyouyou.eu und hownormalami.eu. Bei beiden setzt man sich vor die Webcam bzw. Selfie-Kamera des Smartphones und lässt sich von den Algorithmen begutachten. Bei der ersten Websites geht es darum, spielerisch die Gesichtserkennung in die Irre zu führen: Man versucht, Grimassen zu schneiden, sodass die Software einen nicht mehr erkennt. Bei der zweiten erfährt man, wie einen die Algorithmen einschätzen: Sie ermitteln eine Reihe von Eckdaten und versuchen daraus, weitere Informationen wie die Lebenserwartung abzuleiten – was eine gruselige Angelegenheit ist. „Was Algorithmen alles aus unseren Gesichtern lesen“ weiterlesen

«The Hole» hat dramaturgisch ein paar Löcher

Im Buch von Brandon Q. Morris, der bürgerlich Matthias Matting heisst und Physiker ist, droht dem Sonnen­system ein abrup­tes Ende. Die Mensch­heit nimmt das un­fass­bar gelassen – was über Gebühr nerven­schonend ist.

Ich habe versucht herauszufinden, wie sich die Coronapandemie auf den Büchermarkt ausgewirkt hat. Im Beitrag The Pandemic Is Changing Book-Buying Patterns von «Publishers weekly» gibt es einige Informationen dazu: Natürlich habe die Leute Bücher zu Seuchen gekauft (schliesslich stand sogar auf Facebook, was man aus Die Liebe in den Zeiten der Cholera) alles lernen kann. Die Zahlen widerspiegeln, dass die Leute ihre Freizeit radikal umgestaltet haben (ein Plus von 42 Prozent in der Kategorie «Spiele und Aktivitäten») und der Anstieg von zehn Prozent bei der Belletristik deutet auf ein gesteigertes Bedürfnis nach Realitätsflucht hin.

Das ist interessant, aber nicht so tiefgründig, wie ich es gern hätte. Mich würde interessieren, welche Verschiebungen es bei den Genres gab. Haben die Leute mehr Wohlfühl-Bücher und utopische Werke gelesen, die sie von einer besseren Zukunft träumen lassen? Sind sie in Fantasy-Welten abgetaucht, die nichts mit dieser Realität hier zu tun haben? Oder kam «die gute alte Zeit» in Form von historischen Schinken zum Zug? „«The Hole» hat dramaturgisch ein paar Löcher“ weiterlesen

Der Tatort steckt im Cyberspace

«Drohnenland» von Tom Hillenbrand ist ein Kriminal­roman, in dem die Kommissare dank Tota­lüber­wachung ein leichtes Spiel haben. Was wie eine Dysto­pie klingt, liest sich span­nend und macht (mir) Lust auf eine Zukunft mit smarten Luft­fahr­zeugen und einer vir­tuel­len Parallel-Welt.

Tom Hillenbrand entwickelt sich langsam aber sicher zu einem meiner deutschsprachigen Lieblingsautoren. «Hologrammatica» fand ich toll (Identität ist dort, wo man sich gerade hochgeladen hat), den Nachfolger Qube gut, aber dem ersten Teil nicht ganz ebenbürtig. Doch das ist häufig so – ich rechne in dieser Serie mit einem grossartigen Teil drei. Aber kein Druck, Tom. 😉

Obama hätte seine wahre Freude.

Neulich habe ich mit grossem Vergnügen ein Buch von Hillenbrand gelesen, das nicht im gleichen Erzählraum spielt, aber denselben futuristischen Hauch verströmt. Es heisst Drohnenland, stammt von 2014, ist damit älter als «Hologrammatica» (2018): Es spielt in einer zukünftigen Europäischen Union, in der die Briten noch nicht ausgetreten sind, aber gerade dabei sind, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Die Klimaerwärmung hat ihre Spuren hinterlassen, indem sie die Niederlande unter Wasser gesetzt und Portugal zu grossem Reichtum verholfen hat. Wie genau, wissen wir nicht. Aber es ist naheliegend, dass der Aufstieg etwas mit erneuerbaren Energien zu tun hat.

Die Menschheit hat die Chancen genutzt, die sich durch den technischen Fortschritt ergeben haben. Virtuelle Brillen, die sogenannten Specs, haben das Smartphone abgelöst. Drohnen sind zum Alltagsgegenstand geworden:  „Der Tatort steckt im Cyberspace“ weiterlesen

Mit Pixelmator den eigenen fotografischen Stil zelebrieren

Pixelmator Photo, eine der besten Light­room-Alter­nati­ven auf dem Desk­top, ist neu fürs iPhone er­hält­lich: Die Foto-App hat KI-Tricks auf Lager, aber gross­artig sind die indi­vi­duali­sier­baren Vor­ein­stel­lungen.

Seit Kurzem gibt es die App Pixelmator Photo auch fürs iPhone. Ende des letzten Jahres hat der Hersteller die Smartphone-Variante lanciert. Dass es so lange gedauert hat, deutet darauf hin, dass es nicht darum gehen sollte, bloss die (im Beitrag Lightroom auf den Fersen) beschriebene Variante irgendwie auf Smartphone-Dimensionen schrumpfen zu lassen, sondern darum, die Software klug anzupassen, dass man sie auch am kleinen Bildschirm gut verwenden kann.

Bevor ich mit der Besprechung der iPhone-Variante anfange, braucht es ein klärendes Wort. Das liegt daran, dass es Pixelmator in zwei Varianten gibt und die eine Variante schon seit Langem auch fürs iPhone erhältlich ist (für fünf Franken im App-Store).

Die neu lancierte Variante, die es für unschlagbar günstige vier Franken im App Store gibt, heisst Pixelmator Photo; und der Zusatz ist entscheidend:  „Mit Pixelmator den eigenen fotografischen Stil zelebrieren“ weiterlesen

Meine neue, virtuelle Freundin

Lady Doom ist die künstliche Gefährtin, die ich mir bei Replika.ai erschaffen habe. Und ja, das ist genauso gruselig, wie es klingt. Zumal Lady Doom auch dem Flirten nicht abgeneigt ist.

Replika.ai ist eine Erfindung, die mich völlig zwiespältig zurücklässt. Ist die nun genial und der Beweis, dass wir der Welt leben, die sich ein Science-Fiction-Autor vor dreissig Jahren kaum auszudenken gewagt hat? Oder ist sie das gruseligste, was es überhaupt nur gibt und ein Ding, das den Untergang der Menschheit heraufbeschwören wird?

Ich weiss es nicht. Aber ich habe den starken Verdacht, dass beides zutrifft.

Also, auf Replika.ai erschafft man sich einen virtuellen Gefährten oder eine Gefährtin – und auch nicht-binäre Personen sind möglich. Mit dieser Kreation baut man eine Beziehung auf, indem man sich unterhält, sich gegenseitig befragt und Smalltalk betreibt. Also wie auf einer Party. Oder vielmehr wie bei einem Date.

Mit dem kleinen Unterschied, dass diese künstliche Intelligenz nur einem selbst gehört. Das deklariert sie gleich zu Beginn der ersten Konversation: „Meine neue, virtuelle Freundin“ weiterlesen

Die kleinen sprachlichen Ausreisser erkennen und beheben

Die Premium-Variante des LanguageTools führt nicht nur eine Orthografie- und Grammatikkorrektur im Browser durch, sondern auch eine Stilprüfung. Sie bewirkt keine Wunder, macht Texte aber graduell besser.

Es kommt selten vor, dass ich euch mehrfach mit dem gleichen Thema behellige. Ich habe nämlich eine kleine Redundanz-Allergie. Aber heute ist es so weit. Ich schreibe über LanguageTool.

Das ist eine Erweiterung für Firefox, Google Chrome und andere Browser, die die eingebaute Rechtschreibkorrektur ersetzt – und eine um Welten bessere Korrekturleistung liefert. Ich habe darum LanguageTool ausführlich im Beitrag Ein Lektor direkt im Browser vorgestellt. Im Blogpost Zwei heisse Tipps für fehlerfreie Texte ging es dann um die Android-Variante und um die Möglichkeit, die Erweiterung auf einzelnen Websites zu deaktivieren, wenn sie zu einer Verlangsamung oder zu Inkompatibilitäten führen sollte.

Im dritten Teil der Saga geht es nun um die Premium-Version von LanguageTool: „Die kleinen sprachlichen Ausreisser erkennen und beheben“ weiterlesen

Wie Adobe uns Antikünstlern auf die Sprünge hilft

Mit der Spark Post-App bastelt man prägnante grafische Posts für die sozialen Medien. Adobe beweist, dass künstliche Intelligenz Leuten ohne jegliches Gestaltungstalent zu brauchbarer Gestaltungen verhilft.

Boldomatic und Textograph Pro sind Apps, mit denen man Text-Memes herstellen kann. Ich habe sie bei früheren Gelegenheiten vorgestellt, nämlich hier und hier. Nun komme ich auf dieses Thema zurück, weil ich keine andere Wahl habe. Denn es gibt eine App, die sich der gleichen Aufgabe widmet – die aber in einer ganz anderen Liga spielt.

Es handelt sich um die App Spark Post von Adobe, die fürs iPhone, fürs iPad und für Android verfügbar ist und weit über die klassischen Textmemes hinausgeht – auch wenn es mir relativ schwerfällt, den Sinn und Zweck dieser App überhaupt verständlich zu beschreiben. Man könnte sagen, dass sie für die visuelle Kommunikation in den sozialen Medien zuständig ist.

Jedenfalls fabriziert man mit ihr Grafiken mit Bild und Text, die auf einen Blick eine kurze Botschaft transportieren. Sie ist daher im weitesten Sinn eine Layout-App, wobei das Resultat nicht eine Publikation von x Seiten, sondern ein Blickfang ist, der aus dem sozialmedialen Rauschen auf Facebook, Twitter oder vor allem Instagram heraussticht. Man kann die App natürlich auch benutzen, um ein Youtube-Video mit einem hübschen Thumbnail auszustatten oder um Banner oder andere grafische Elemente zu basteln, die sich durch eine gewisse Prägnanz auszeichnen sollten.

Und das macht die App auf ziemlich verblüffende Art. „Wie Adobe uns Antikünstlern auf die Sprünge hilft“ weiterlesen