Wie gut sind eigentlich die App-Tipps von Apple?

Eine kritische Würdigung der App-Besprechungen in der App-Store-App von iPhone und iPad – mit einem deftigen Seitenhieb auf Corporate Media.

In der App Store App von Apple gibt es den Reiter Heute, wo Spiele und Apps vorgestellt werden. Man findet dort die App des Tages und das Spiel des Tages. Und immer wieder finden sich auch Schwerpunkte wie Lern-Apps für Kinder oder ähnliche Dinge.

Candy Crush Saga? Wirklich?

Diese so genannten Storys werden von Redaktoren verfasst, die nicht namentlich genannt werden. Die Redaktoren, die Storys in Deutsch verfassen, sitzen dem Vernehmen nach in München  – so habe ich es zumindest einmal gehört. Einen Beleg für die Aussage habe ich auf die Schnelle nicht gefunden.

Ich lese diese Storys gelegentlich. Und ich finde sie leider nicht sonderlich gut.

Doch bevor ich das weiter ausführe, werde ich selbstverständlich gerne proaktiv den Einwand adressieren, der an dieser Stelle kommen muss.

Dieser Einwand lautet: «Natürlich, du kannst gar nicht anders, als diese Storys schlecht zu finden. Schliesslich fühlt ihr Journalisten euch bedroht, wenn Unternehmen sich direkt ans Publikum wenden – ihr bleibt dann aussen vor.»

Und der Einwand ist nicht von der Hand zu weisen. „Wie gut sind eigentlich die App-Tipps von Apple?“ weiterlesen

Sollten wir nicht nur 5G verhindern, sondern auch den Mobilfunk abschaffen?

Ein Verein kämpft gegen 5G und gegen jegliche elektromagnetische Strahlung – und er verlangt auch WLAN-freie Zonen. Ich habe versucht herauszufinden, ob diese Forderung ernst gemeint ist – und was hinter ihr steckt.

Auf Facebook bin ich einer, Zitat, «nationalen und hoffentlich zukunftsweisenden» Umfrage zu 5G begegnet. 5G: Das ist dieser neue Mobilfunkstandard, der heftig angefeindet wird. Es gibt Leute, die ihn unbedingt verhindern wollen. Zu diesem Zweck setzen sie einiges an Aktivitäten in Gang.

Der Facebook-Post mit Umfrage zu 5G.

Eine dieser Aktivitäten ist eben diese Umfrage. Sie stammt, genauso wie der gesponsorte Facebook-Post, von einem Verein namens «Stopp 5G in Winterthur».

Bei dieser Ausgangslage hat man eine ziemlich klare Vorstellung davon, was Sinn und Zweck dieser Erhebung ist. Und ein Blick auf die Fragen bestätigt die schlimmsten Vermutungen. Wenn ich es jemals mit Suggestivfragen zu tun bekommen habe, dann bei diesem demoskopischen Meisterwerk: „Sollten wir nicht nur 5G verhindern, sondern auch den Mobilfunk abschaffen?“ weiterlesen

Wer will sich von einem Algorithmus bevormunden lassen?

Der angeblich so geniale Netflix-Algorithmus nimmt es uns ab, lange nach Filmen und Serien suchen zu müssen. Doch bei näherer Betrachtung ist das gar nicht so toll – ganz im Gegenteil.

Netflix ist bekanntlich unglaublich stolz auf diesen Algorithmus, der uns immer gleich etwas zum Anschauen vorsetzt. Mehr als achtzig Prozent der Filme und Serien, die sich die Leute ansehen, seien von diesem Algorithmus vorgeschlagen worden, habe ich hier gelesen.

Dieser Beitrag ist interessant: Er erklärt ein bisschen etwas darüber, wie der Algorithmus funktioniert. Es gibt hyperspezifische Mikro-Genres wie «visuell beeindruckende Nostalgie-Dramen» (siehe auch hier) und viele Datenpunkte über den Nutzer, die am Schluss – irgendwie – bestimmen, was wir uns ansehen.

Der Beitrag zitiert auch die berühmten neunzig Sekunden, die ein Netflix-Nutzer angeblich maximal aufwendet, um seine Wahl zu treffen. Diese Zeitangabe stammt aus dem Blogpost The Power Of A Picture von 2016 von Netflix‘ Presseseite: „Wer will sich von einem Algorithmus bevormunden lassen?“ weiterlesen

Der riesige Hunger der SBB nach Kundendaten

Eine neue Reise-App der Bundesbahnen sammelt ungeniert und nonstop Ortsdaten der Nutzer. Das geht sogar mir zu weit.

Auf die Empfehlung eines Lesers hin habe ich neulich für die Tamedia die Citymapper-App vorgestellt. Dabei habe ich auf frühere Tipps zur Routenplanung hingewiesen, die es hier im Blog unter dem Titel Der Komfort eines GAs, aber ohne die Fixkosten zu lesen gab.

Einer der Tipps damals war die Reiseplaner-App der SBB. Als ich die noch einmal angeschaut habe, musste ich feststellen, dass sie einen leisen Tod gestorben ist: Die App funktionierte nicht mehr und sie ist auch aus dem Store verschwunden. Eine Erklärung dazu habe ich nicht gefunden, noch nicht mal einen Hinweis, dass die App eingestellt wurde.

Das ist nicht die feine Art, liebe SBB. Wenn Ihr eine App zurückzieht, dann teilt das den Nutzern mit. Und sagt ihnen, weswegen Ihr das tut.

In dem Fall hättet Ihr auch darauf hinweisen können, dass es eine Nachfolge-App gibt. Von der habe ich nämlich erst als Reaktion auf meinen Artikel erfahren.

Dieser Nachfolger heisst SmartWay und ist fürs iPhone/iPad und für Android erhältlich. Den Namen finde ich nicht sehr geglückt: „Der riesige Hunger der SBB nach Kundendaten“ weiterlesen

Alter Privatfernseh-Unfug in neuen App-Schläuchen

Apps, die einem den letzten Nerv rauben – durch hirnlose Werbung. Oder aber, indem sie einen für dumm verkaufen wollen.

Hier steht klar und deutlich: «Matthias, es ist Zeit, dass du deine Zeit für sinnvolle Dinge verwendest!» ( Karolina Grabowska, Pexels-Lizenz)

Manchmal klicke ich aus purer Rachsucht auf ein Online-Banner. Zum Beispiel dann, wenn eine dieser werbefinanzierten Apps mich besonders aufdringlich mit übergriffigen Anzeigen gepiesackt hat. Vor allem bei Spielen gibt es sehr viel Werbung. Und dort ist sie besonders nervtötend – wie ich feststellen durfte, als ich die  Games für meinen Beitrag Da läuft man sich gleich viermal die virtuellen Hacken wund getestet habe.

Unterbrecherwerbung will einen mit allen möglichen fiesen Tricks dazu bringen, sie anzuklicken. Sie verschwindet nicht von alleine, sondern muss vom Nutzer entfernt werden. Zum Schliessen gibt es ein kleines x-Symbol: Das zeichnet sich dadurch aus, dass es nie in der gleichen Ecke zu finden ist: Man muss es somit immer erst suchen. Und es ist winzig, dass man möglichst leicht daneben tippt.

Auch die Werbung selbst nutzt Tricks, die höfliche Leute als «fragwürdig» bezeichnen würden. Wenn man es weniger zurückhaltend ausdrücken will, nimmt man das Wort hinterfotzig in den Mund. „Alter Privatfernseh-Unfug in neuen App-Schläuchen“ weiterlesen

Bei Cede.ch und Digitec einzukaufen, ist auch nicht die reine Freude

Intransparent und nicht benutzerfreundlich: Zwei nervige Erlebnisse mit zwei Schweizer Webshops.

Gutscheine sind in der Theorie eine tolle Sache. Man kann einkaufen gehen, muss aber nicht das eigene Portemonnaie zücken: Man bekommt ein Geschenk, das man sich obendrein selbst aussuchen darf.

In der Praxis sind Gutscheine nervig und umständlich. Ich hatte in der letzten Zeit zwei Fälle, bei denen ich mich einfach nur genervt habe.

Der eigentlich harmlose Fall betrifft Cede.ch.

Der Winterthurer Versandhändler von Ton- und Filmträgern, Büchern und Spielen hat mir einen Gutschein von 10 Franken zukommen lassen. Erstes Ärgernis war die Mindestbestellmenge von 35 Franken. Die Musik-CD, die ich meinem Göttimeitli schenken wollte, («Schwiizergoofe 8») lag mit 29.90 genau 5.10 Franken darunter. (Ist es eine Verschwörungstheorie, wenn ich vermute, dass der typische Bestellbetrag bei Cede.ch just ein bisschen unter diesen 35 Franken liegt?)

Jedenfalls habe ich den neuen Asterix («Die Tochter des Vercingetorix») obendrauf gelegt – und mich schon mal ein bisschen geärgert, dass ich 13 Franken ausgebe, um zehn zu sparen. „Bei Cede.ch und Digitec einzukaufen, ist auch nicht die reine Freude“ weiterlesen

Eine schlechte Angewohnheit, die Podcaster schleunigst aufgeben müssen

Mit den Podcasts ist eine Unsitte aus der US-amerikanischen Radiokultur auch hierzulande eingeschleppt worden: Die ungenügende Trennung von Werbung und Inhalt.

Es war 1990 1991 im Spätsommer, als ich einen Freitagabend in Nashville im «Opryland» verbrachte. Auf der Bühne des Grand Ole Opry House gab es eine Parade von Sängern zu sehen, die zwei Gemeinsamkeiten hatten: Jeder hatte einen Cowboyhut auf dem Kopf und alle gaben Countrysongs zum Besten. Im Bible Belt ist dieses Genre alternativlos.

Aber es erlebte auch im Rest des Landes einen Höhenflug. Das war Billy Ray Cyrus zuzuschreiben: Ein junger Schönling, der mit Achy Breaky Heart ein Stück auf Lager hatte, das als County-Rock galt – das ich aber eher als leicht traditionell angehauchten Schlager bezeichnen würde.

Für mich war der Besuch im Mekka der Countrymusik eine leicht surreale Erfahrung. Es wurde nämlich nicht nur musiziert. Zwischendurch wurden mit breitestem Southern Drawl Witze zum Besten gegeben, von denen ich meistens den Anfang, aber selten die Pointe verstanden habe. Und zwischendurch trug der Mann, der als eine Art Conférencier war, äusserst seltsame Dinge vor:

Es schien um Seife, Traktoren und die besten Angebote in Ole mom and pop farming accessories Store (oder so ähnlich) zu gehen. Doch konnte es tatsächlich sein, dass dort in Tennessee an Konzerten zwischen den Songs Werbesprüche rezitiert werden? „Eine schlechte Angewohnheit, die Podcaster schleunigst aufgeben müssen“ weiterlesen

So radikalisieren sich die Verschwörungstheoretiker

Einer setzt immer noch eins drauf. Das gilt auch bei den Verschwörungstheoretikern, wie ein besonders illusteres Video zeigt.

Beitragsbild: Ein grosser Verschwörungstheoretiker wird man nach dem Matroska-Prinzip – indem man immer noch mal eins draufsetzt (Matryoshka Russian Dolls, Marco Verch/Flickr.com, CC BY 2.0).

Es tut mir leid, dass es schon wieder um diese Dinge geht, die sich im Internet ganz unten ablagern – um Lügen, Falschinformationen und Verschwörungsmythen. Aber es muss sein.

Ich habe nämlich letzte Woche ein Video zugespielt erhalten, das «KenFM» und die «Swiss Propaganda Research» geradezu vernünftig und differenziert aussehen lässt. Ich habe mir den Clip mit völligem Unverständnis angeschaut. Nach der Sichtung hätte ich Stein und Bein geschworen, dass es keinen Menschen auf diesem Planeten gibt, der auf solchen Humbug hereinfällt.

Doch es ist unverkennbar, dass der Mann im Video ein Publikum bespielt, das ihn als eine Art Aufklärer betrachtet. Er behauptet, es seien Millionen – was ich, wie eigentlich alles aus seinem Mund, nicht ohne handfeste, objektive Beweise glauben würde. Es liegt somit an meiner Fantasielosigkeit: Ich kann mir keine Welt vorstellen, in der sich Leute auf solchen Habakuk stürzen.

Doch sie tun es. Das bestätigt mir auch mein Freund aus den sozialen Medien: „So radikalisieren sich die Verschwörungstheoretiker“ weiterlesen

Microsoft hat den Edge-Browser über die Kante geschubst

Microsoft hätte seinen Edge-Browser besser in Frieden sterben lassen, anstatt ihn zu diesem lahmen Abklatsch von Google Chrome umzubauen.

Mein erster Versuch, die neue Version des Edge-Browsers herunterzuladen, ist leider an einer Nebensächlichkeit gescheitert. Immerhin hat es uns allen einen Extra-Blogbeitrag beschert.

Willkommen beim neuen Browser. Ähnlichkeiten zum Browser eines Mitbewerbers sind nicht zufällig.

Ich habe mich jedoch nicht dauerhaft ablenken lassen. In einem zweiten Anlauf habe ich es geschafft, das ursprüngliche Vorhaben in die Tat umzusetzen, das Update auszuführen und die neue Version des Edge-Browsers zu installieren. Daher ist es an dieser Stelle unvermeidlich, sie einer kritischen Würdigung zu unterziehen.

Eine kleine Vorbemerkung: Der direkte Vergleich wird erschwert, weil die alte Version komplett ersetzt wird. Ich habe zwar versucht, auf meine Windows-10-Installation in der virtuellen Box zurückzugreifen. Doch die verweigert sich leider mit der Fehlermeldung «Raw-mode is unavailable courtesy of Hyper-V.» Man müsste zur Lösung des Problems Microsoft Hyper-V entfernen. Aber das war mir für diesen kleinen Test zu aufwändig.

Als erstes fällt das neue, buntere und abstraktere Icon auf. Das alte Programmsymbol hatte eine gewisse Ähnlichkeit zum E des Internet Explorer aufgewiesen. Das ist nun (weitestgehend) weg. Stattdessen gibt es eine Art blaugrüne Schnecke. Ich hoffe, dass darin kein diskreter Hinweis auf die Ausführungsgeschwindigkeit des Programms verborgen ist. „Microsoft hat den Edge-Browser über die Kante geschubst“ weiterlesen

Sag mal, Microsoft, was soll diese Schlamperei?

Microsoft hat sich in letzter Zeit alle Mühe gegeben, mein Vertrauen durch kleinere und grössere Ausrutscher zu erschüttern.

Wenn man bei Windows 10 ins Suchmenü klickt, erscheint ein Fenster, dass einem einerseits Informationen zum Coronavirus anbietet.

Wer ist dieser Microsoft Ed?

Andererseits gibt es am unteren Rand auch Werbung in eigener Sache: «Holen Sie sich den neuen Microsoft Ed…» steht da. Man fragt sich natürlich sofort, wer dieser Ed ist. Ein neuer Mitarbeiter, der auf Anfrage bei mir zu Hause vorbeikommt – natürlich mit Schutzmaske –, um mir mein PC-Gehäuse abzuwischen und einige Sicherheits-Updates zu installieren? Oder eine künstliche Intelligenz, die mir das Plauderstündchen mit meinen Freunden ersetzt?

Nein, natürlich nicht. Microsoft zeigt an dieser prominenten Stelle, dass die Anpassung des Betriebssystems an die diversen Sprachen dieser Erde noch immer ein Problem ist. In Englisch dürfte da so etwas wie «Get the new Edge browser» stehen – ein kurzer und bündiger Satz, der problemlos auf einer Zeile unterkommt. Da Deutsch etwas mehr Buchstaben benötigt, hat das entscheidende Wort nurmehr halb Platz. „Sag mal, Microsoft, was soll diese Schlamperei?“ weiterlesen