Bei Cede.ch und Digitec einzukaufen, ist auch nicht die reine Freude

Intransparent und nicht benutzerfreundlich: Zwei nervige Erlebnisse mit zwei Schweizer Webshops.

Gutscheine sind in der Theorie eine tolle Sache. Man kann einkaufen gehen, muss aber nicht das eigene Portemonnaie zücken: Man bekommt ein Geschenk, das man sich obendrein selbst aussuchen darf.

In der Praxis sind Gutscheine nervig und umständlich. Ich hatte in der letzten Zeit zwei Fälle, bei denen ich mich einfach nur genervt habe.

Der eigentlich harmlose Fall betrifft Cede.ch.

Der Winterthurer Versandhändler von Ton- und Filmträgern, Büchern und Spielen hat mir einen Gutschein von 10 Franken zukommen lassen. Erstes Ärgernis war die Mindestbestellmenge von 35 Franken. Die Musik-CD, die ich meinem Göttimeitli schenken wollte, («Schwiizergoofe 8») lag mit 29.90 genau 5.10 Franken darunter. (Ist es eine Verschwörungstheorie, wenn ich vermute, dass der typische Bestellbetrag bei Cede.ch just ein bisschen unter diesen 35 Franken liegt?)

Jedenfalls habe ich den neuen Asterix («Die Tochter des Vercingetorix») obendrauf gelegt – und mich schon mal ein bisschen geärgert, dass ich 13 Franken ausgebe, um zehn zu sparen. „Bei Cede.ch und Digitec einzukaufen, ist auch nicht die reine Freude“ weiterlesen

Eine schlechte Angewohnheit, die Podcaster schleunigst aufgeben müssen

Mit den Podcasts ist eine Unsitte aus der US-amerikanischen Radiokultur auch hierzulande eingeschleppt worden: Die ungenügende Trennung von Werbung und Inhalt.

Es war 1990 im Spätsommer, als ich einen Freitagabend in Nashville im «Opryland» verbrachte. Auf der Bühne des Grand Ole Opry House gab es eine Parade von Sängern zu sehen, die zwei Gemeinsamkeiten hatten: Jeder hatte einen Cowboyhut auf dem Kopf und alle gaben Countrysongs zum Besten. Im Bible Belt ist dieses Genre alternativlos.

Aber es erlebte auch im Rest des Landes einen Höhenflug. Das war Billy Ray Cyrus zuzuschreiben: Ein junger Schönling, der mit Achy Breaky Heart ein Stück auf Lager hatte, das als County-Rock galt – das ich aber eher als leicht traditionell angehauchten Schlager bezeichnen würde.

Für mich war der Besuch im Mekka der Countrymusik eine leicht surreale Erfahrung. Es wurde nämlich nicht nur musiziert. Zwischendurch wurden mit breitestem Southern Drawl Witze zum Besten gegeben, von denen ich meistens den Anfang, aber selten die Pointe verstanden habe. Und zwischendurch trug der Mann, der als eine Art Conférencier war, äusserst seltsame Dinge vor:

Es schien um Seife, Traktoren und die besten Angebote in Ole mom and pop farming accessories Store (oder so ähnlich) zu gehen. Doch konnte es tatsächlich sein, dass dort in Tennessee an Konzerten zwischen den Songs Werbesprüche rezitiert werden? „Eine schlechte Angewohnheit, die Podcaster schleunigst aufgeben müssen“ weiterlesen

So radikalisieren sich die Verschwörungstheoretiker

Einer setzt immer noch eins drauf. Das gilt auch bei den Verschwörungstheoretikern, wie ein besonders illusteres Video zeigt.

Beitragsbild: Ein grosser Verschwörungstheoretiker wird man nach dem Matroska-Prinzip – indem man immer noch mal eins draufsetzt (Matryoshka Russian Dolls, Marco Verch/Flickr.com, CC BY 2.0).

Es tut mir leid, dass es schon wieder um diese Dinge geht, die sich im Internet ganz unten ablagern – um Lügen, Falschinformationen und Verschwörungsmythen. Aber es muss sein.

Ich habe nämlich letzte Woche ein Video zugespielt erhalten, das «KenFM» und die «Swiss Propaganda Research» geradezu vernünftig und differenziert aussehen lässt. Ich habe mir den Clip mit völligem Unverständnis angeschaut. Nach der Sichtung hätte ich Stein und Bein geschworen, dass es keinen Menschen auf diesem Planeten gibt, der auf solchen Humbug hereinfällt.

Doch es ist unverkennbar, dass der Mann im Video ein Publikum bespielt, das ihn als eine Art Aufklärer betrachtet. Er behauptet, es seien Millionen – was ich, wie eigentlich alles aus seinem Mund, nicht ohne handfeste, objektive Beweise glauben würde. Es liegt somit an meiner Fantasielosigkeit: Ich kann mir keine Welt vorstellen, in der sich Leute auf solchen Habakuk stürzen.

Doch sie tun es. Das bestätigt mir auch mein Freund aus den sozialen Medien: „So radikalisieren sich die Verschwörungstheoretiker“ weiterlesen

Microsoft hat den Edge-Browser über die Kante geschubst

Microsoft hätte seinen Edge-Browser besser in Frieden sterben lassen, anstatt ihn zu diesem lahmen Abklatsch von Google Chrome umzubauen.

Mein erster Versuch, die neue Version des Edge-Browsers herunterzuladen, ist leider an einer Nebensächlichkeit gescheitert. Immerhin hat es uns allen einen Extra-Blogbeitrag beschert.

Willkommen beim neuen Browser. Ähnlichkeiten zum Browser eines Mitbewerbers sind nicht zufällig.

Ich habe mich jedoch nicht dauerhaft ablenken lassen. In einem zweiten Anlauf habe ich es geschafft, das ursprüngliche Vorhaben in die Tat umzusetzen, das Update auszuführen und die neue Version des Edge-Browsers zu installieren. Daher ist es an dieser Stelle unvermeidlich, sie einer kritischen Würdigung zu unterziehen.

Eine kleine Vorbemerkung: Der direkte Vergleich wird erschwert, weil die alte Version komplett ersetzt wird. Ich habe zwar versucht, auf meine Windows-10-Installation in der virtuellen Box zurückzugreifen. Doch die verweigert sich leider mit der Fehlermeldung «Raw-mode is unavailable courtesy of Hyper-V.» Man müsste zur Lösung des Problems Microsoft Hyper-V entfernen. Aber das war mir für diesen kleinen Test zu aufwändig.

Als erstes fällt das neue, buntere und abstraktere Icon auf. Das alte Programmsymbol hatte eine gewisse Ähnlichkeit zum E des Internet Explorer aufgewiesen. Das ist nun (weitestgehend) weg. Stattdessen gibt es eine Art blaugrüne Schnecke. Ich hoffe, dass darin kein diskreter Hinweis auf die Ausführungsgeschwindigkeit des Programms verborgen ist. „Microsoft hat den Edge-Browser über die Kante geschubst“ weiterlesen

Sag mal, Microsoft, was soll diese Schlamperei?

Microsoft hat sich in letzter Zeit alle Mühe gegeben, mein Vertrauen durch kleinere und grössere Ausrutscher zu erschüttern.

Wenn man bei Windows 10 ins Suchmenü klickt, erscheint ein Fenster, dass einem einerseits Informationen zum Coronavirus anbietet.

Wer ist dieser Microsoft Ed?

Andererseits gibt es am unteren Rand auch Werbung in eigener Sache: «Holen Sie sich den neuen Microsoft Ed…» steht da. Man fragt sich natürlich sofort, wer dieser Ed ist. Ein neuer Mitarbeiter, der auf Anfrage bei mir zu Hause vorbeikommt – natürlich mit Schutzmaske –, um mir mein PC-Gehäuse abzuwischen und einige Sicherheits-Updates zu installieren? Oder eine künstliche Intelligenz, die mir das Plauderstündchen mit meinen Freunden ersetzt?

Nein, natürlich nicht. Microsoft zeigt an dieser prominenten Stelle, dass die Anpassung des Betriebssystems an die diversen Sprachen dieser Erde noch immer ein Problem ist. In Englisch dürfte da so etwas wie «Get the new Edge browser» stehen – ein kurzer und bündiger Satz, der problemlos auf einer Zeile unterkommt. Da Deutsch etwas mehr Buchstaben benötigt, hat das entscheidende Wort nurmehr halb Platz. „Sag mal, Microsoft, was soll diese Schlamperei?“ weiterlesen

Ist Flash jetzt endlich tot?

Es ist wie ein Flashback in die alte, nicht so ganz gute Zeit, wenn sich aus heiterem Himmel der Flash-Updater meldet. Doch das Ende ist nah!

Neulich hat mich mein Computer wieder einmal mit einer Meldung belästigt, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte: Es stehe eine neue Version von Adobe Flash bereit, die ich doch bitte installieren solle. Und ich habe mich gefragt: Wann ist das Ding endlich tot?

Adobe schreibt, man werde Flash noch während des ganzen Jahres 2020 pflegen. Daraus schliesst Microsoft hier knallhart, das Ende sei am 31. Dezember 2020 gekommen. Die Browser führen die Inhalte aber nur noch auf expliziten Wunsch hin aus: Click to play heisst diese Funktion, über die ich mich im Beitrag Unausgereifte Schutzfunktion seinerzeit ausführlich ausgelassen habe.

Auch wenn wir uns für die Beerdigung noch etwas gedulden müssen, lässt sich eines feststellen: Man kommt heute ohne Flash gut über die Runden, beziehungsweise durchs Netz. Es ist daher nicht verkehrt, allein aus Sicherheitsgründen, Flash zu deinstallieren. „Ist Flash jetzt endlich tot?“ weiterlesen

Ein nützlicher Trick – und wie Firefox und Chrome ihn sabotieren

Die automatischen Textersetzungen beim iPhone und Mac sind praktisch beim Googeln, Bloggen und bei vielen anderen Gelegenheiten. Nur schade, dass sie in Firefox und Chrome nicht richtig funktionieren.

Eine der wirklich praktischen Funktionen in der Apple-Welt ist die automatische Textersetzung. Es gibt die beim Mac, beim iPhone und iPad – und dank der iCloud werden die Ersetzungen erst noch automatisch via iCloud synchronisiert.

Ich benutze zum Beispiel das Kürzel sitew, das automatisch zu site:wikipedia.org erweitert wird. Auf diese Weise lässt sich mittels Google direkt bei Wikipedia suchen. Ich habe auch sitet für Tagesanzeiger.ch, sitec für dieses Blog hier und ein paar andere Kürzel eingerichtet, um via Google die fraglichen Websites absuchen zu können.

Auch sehr praktisch: Mittels Textersetzung macht es keinen Aufwand, in einem Blogpost die Quellenangaben für die  Bilder von Pexels, Unsplash und Pixabay platzieren. kpxl fügt die Lizenzangabe für Pexels ein, kusl für Unsplash – und so weiter (das k steht bei mir seit Jahren am Anfang solcher Kurzphrasen). Mit diesen automatischen Erstzungen spare ich enorm viel Zeit.  Und besonders nützlich sind sie am Tablet und Smartphone, wo die Verlinkung ohne Hilfsmittel eine enorm mühsame Angelegenheit ist. „Ein nützlicher Trick – und wie Firefox und Chrome ihn sabotieren“ weiterlesen

Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen

Warum posten derzeit so viele vernünftige Leute total unvernünftigen Quatsch auf Facebook? Und wie könnte man mit den Videos von Verschwörungstheoretikern sinnvollerweise umgehen?

Verschwörungstheoretiker und ihr toxischer Output sind ein reales Phänomen. Damit habe ich mich abgefunden und an dieser Stelle schon diverse Male auseinandergesetzt.

Was mich betrübt und auch sauer macht, ist eine Beobachtung, die ich in machen musste, als es mit der Coronakrise ernster wurden. Es zeigt sich nämlich, dass die Thesen und Behauptungen in Krisenzeiten infektiöser sind als in einer normalen Situation. Das war während der Nobillag-Abstimmung zu beobachten. (Wobei man sich natürlich fragen darf, ob aus heutiger Sicht diese Periode das Attribut «Krise» verdient.) Und es ist wird in diesen Tagen sehr deutlich.

In meinem Social-Media-Umfeld ist die Situation typischerweise so: Es sind die einschlägig bekannten Figuren, die Fragwürdiges aus der Ecke der Aluhutträger in Umlauf bringen. Man kennt sie, schaltet sie stumm, wenn sie einem zu sehr auf die Nerven gehen – aber es sieht so aus, als ob die Szene in ihrem eigenen Saft vor sich hin köcheln würde.

In der letzten Zeit hat mir Facebook mehrere Posts in meine Timeline gespült, die von Leuten stammen, die ich erstens alle persönlich kenne. Und die ich zweitens alle als vernünftige, nüchterne Personen einschätze. Drittens ging es immer um Videos von KenFM. „Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen“ weiterlesen

Das Leben (und Apple-Watch-Wettbewerbe) sind nicht fair

Über Sinn und Unsinn (und Ungerechtigkeiten) bei Wettbewerben mit der Apple Watch.

Die Apple Watch sei «the most personal device we’ve ever created», das persönlichste Gerät, das es von Apple gibt, hat Tim Cook bei der Vorstellung 2014 gesagt.

Das ist eine Behauptung, die zumindest ein bisschen kontrovers ist. Es gibt die Leute, die Technik auf Distanz halten und sie strikt auf ihre Rolle als unpersönliches Hilfsmittel reduziert wissen wollen. Und dann gibt es die Leute, die zumindest akzeptieren, dass man diese Uhr so nah an seinen Körper heranlässt, wie sonst kein anderes Apple-Produkt.

… an dieser Stelle kann man einwerfen, dass es Leute gibt, die sich ihr Smartphone an einem Täschchen um den Hals und damit an den Busen bzw. vor das Herzen hängen. Oder meinetwegen über den Bauch. Das finde ich mehr als seltsam. Aber es ist womöglich kein Ausdruck einer sonderlich innigen Bindung zum Gerät, sondern eine pragmatische Angelegenheit. Nicht alle Leute haben Hosen mit ausreichend grossen Taschen.

Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass die Apple Watch Dinge tut, die sich das iPhone nicht erlauben würde. „Das Leben (und Apple-Watch-Wettbewerbe) sind nicht fair“ weiterlesen

Was Buchverlage von Fernsehserien lernen könnten

Schauen Buchautoren manchmal fern? Die Frage klingt polemischer, als sie gemeint ist. Ich will der buchschreibenden Zunft keine Abgehobenheit attestieren – obwohl ich mich schon ein bisschen wundere.

Der Ausgangspunkt für mein Erstaunen ist folgender: Sowohl im Fernsehen als auch beim Buch gibt es die sogenannte Serie. Sie entsteht dann, wenn ein Werk nicht in einem Stück an den Rezipienten überantwortet wird, sondern in Segmenten. Die Daseinsberechtigung für diese sequenzierte Form der Erzählung wird von Wikipedia einleuchtend beschrieben:

Um Spannung und Interesse der Zuschauer zu erhalten, ist ein Drama in seiner Länge zeitlich beschränkt. Geduld, Konzentrationsfähigkeit und schiere körperliche Ausdauer des Publikums lassen eine Aufführung von mehr als drei, maximal vier Stunden nicht zu.

Übertragen auf Bücher hat das Serienprinzip praktische Gründe. Man stelle sich George R.R. Martins «A Song of Ice and Fire» als Einzelausgabe vor: Die wäre (gemäss Amazon) fast 23 Zentimeter dick und 3,9 Kilogramm schwer.

Und natürlich gibt es auch kaufmännische Gründe. Mehrere dünne Bücher ergeben einen höheren Verkaufserlös als ein dickes. „Was Buchverlage von Fernsehserien lernen könnten“ weiterlesen