Wie Facebook und Instagram uns Nutzer entmündigt haben

Die Social-Media-Platt­formen verändern sich rasant: Mark Zucker­berg und Meta nehmen uns Unsern die Kontrolle über unsere Feeds.

Die Veränderungen bei Facebook und Instagram sind unübersehbar. Erstens fällt die brutale Menge an Werbung auf, die inzwischen über diese Plattformen ausgespielt werden.

Und natürlich, ich verstehe, dass Mark Zuckerberg sie nicht zum Spass betreibt, sondern, um Geld zu verdienen. Aber es ist eine Frage des Masses. Das ist nicht mehr gewahrt, wenn jeder dritte Beitrag aus einer Anzeige besteht.

Immerhin, es gibt eine Möglichkeit, Gegensteuer zu geben: „Wie Facebook und Instagram uns Nutzer entmündigt haben“ weiterlesen

Fragwürdige Auskünfte im Swisscom-Shop

Unwissenheit oder blanke Lüge? In einem Laden des Telekom-Anbieters wurde Unsinn darüber erzählt, wie lange man ein älteres iPhone sicher benutzen kann.

In schöner Regelmässigkeit habe ich das Vergnügen, Leserinnen-Zuschriften zu bekommen. Nein, nicht von euch, die ihr dieses Blog hier lest: Ihr seid bemerkenswert schreibfaul. Ausser natürlich die Stammgäste in den Kommentarspalten, denen ich an dieser Stelle gern ein Dankeschön für ihre Rückmeldungen zukommen lasse.

Nein, die Zuschriften kommen aus den Reihen der Leserinnen und Leser der Tamedia-Titel. Seit 2015 und dem Ende der Kummerbox hat die Korrespondenz mengenmässig nachgelassen, aber sie ist nicht versiegt. Und ab und zu kommt es sogar vor, dass jemand aus der Leserschaft anruft. Ja: per Telefon! Auf meine Redaktions-Festnetz-Nummer!

Das ist neulich wieder einmal passiert. Eine Dame aus Bern war am Draht, die sich höflich als Leserin von «Der Bund» vorgestellt hat und mir ihr Anliegen schilderte: Sie war in einem Laden ihres Telekom-Anbieters, der Swisscom, wo man ihr gesagt hat, sie brauche ein neues iPhone, weil ihr altes «von Apple nicht mehr unterstützt» werde. Doch weil sie der Auskunft nicht so ganz getraut hat, wollte sie es genau wissen. „Fragwürdige Auskünfte im Swisscom-Shop“ weiterlesen

Wie man auf Twitter fragt, wenn man keine Antwort will

Der Mikro­blog­ging­dienst hat eine Mög­lich­keit ein­ge­führt, die Ant­wort­mög­lich­keiten auf Tweets einzuschränken. Doch die ist kom­plett miss­raten

Enno Lenze ist Kriegsreporter und oft in der Ukraine. Zu seinem Beruf sei er «versehentlich» gekommen, heisst es bei Übermedien. Die Fotos, die er auf Twitter postet, zeigen ihn häufig mit schusssicherer Weste und gepanzerten Fahrzeugen posierend. Da ein Hang zum Martialischen unübersehbar ist, habe ich den Verdacht, dass trotz des Versehens eine deutliche Prädisposition für diesen Beruf vorhanden ist.

Aber darum geht es gar nicht. Sondern um eine Nebensächlichkeit. Neulich hat Lenze das Foto eines Flugblatts gepostet, das mit «Achtung, Ihr Spritfresser tötet» überschrieben war. Es stammt von einer Gruppierung namens «The Tyre Extinguishers», die mir bis dato nicht bekannt war. Sie fällt seit Kurzem damit auf, dass sie bei SUVs die Luft aus den Reifen lässt. Über 5000-mal hat sie das laut Wikipedia gemacht.

Auf dem Flugblatt werden einige Thesen aufgestellt: „Wie man auf Twitter fragt, wenn man keine Antwort will“ weiterlesen

Maria will was von mir auf Instagram

Ist es geschäftlich, romantisch oder doch eine Betrugsmasche? Eine Frau schickt mir seit ein paar Tage mysteriöse Direktnachrichten. Ob sie demnächst zu Potte kommt?

Habe ich etwa eine Verehrerin? Diese ungeheuerliche Vermutung hat sich mir neulich aufgedrängt, als mir das iPhone den Eingang von zwei Direktnachrichten in meinem Instagram-Posteingang vermeldete. Die erste lautete: «Hello». Und die zweite: «How are you doing, dear?»

Dieses unerwartete Interesse an meiner Gefühlslage stammt von einer Instagrammerin namens Maria. Wir folgen uns auf dieser Plattform seit zwei, drei Wochen. Wir haben über einen gemeinsamen Freund zueinander gefunden: Simon, den ich im wirklichen Leben kenne. Ob er seinerseits Maria IRL getroffen hat, weiss ich nicht. Möglich wäre es, aber konkrete Anzeichen wie gemeinsame Fotos habe ich keine entdeckt.

Maria wohnt in Pittsburgh, Pennsylvania. Sie ist Unternehmerin und steht aufs Reisen. Sie hat ungefähr 600 Follower und folgt ihrerseits um die 1600 Leuten. „Maria will was von mir auf Instagram“ weiterlesen

Der Spamfilter für die Haustür

Das Spam-Problem hat sich in die reale Welt verlagert: In manchen öffent­lichen Räumen kann man keinen Meter mehr gehen, ohne von einem Fund­raiser an­ge­sprochen zu werden. Und neuer­dings klingeln die sogar daheim.

Wer erinnert sich noch an die Flut unerwünschter E-Mails, mit denen wir in den Nullerjahren zu kämpfen hatten? Wir haben daraus gelernt, dass es Hürden bei der Kontaktaufnahme braucht. Es geht nicht, dass wir als Privatpersonen von beliebigen Leuten und Organisationen nach deren Gutdünken angesprochen und mit irgendwelchen Anliegen behelligt werden.

Das allein aus Kapazitätsgründen: Wenn jeder uns persönlich von seinem tollen Produkt, seinem süffigen Wein oder seiner Weltverbesserungs-Idee erzählen will, dann kommen wir zu nichts anderem mehr. Welche Dimensionen das annehmen kann, sieht man in den USA: „Der Spamfilter für die Haustür“ weiterlesen

Android One ist noch immer ein Rohrkrepierer

Nutzer eines Nokia-Smartphones mussten lange, sehr lange auf das versprochene Update auf Android 11 warten. Nun ist es da – und leider stellt sich eher Frust denn Freude ein.

Android One sei ein Rohrkrepierer, habe ich behauptet. Anlass für diese Unmutsäusserung war der Umstand, dass mein Nokia 7.2 im Januar noch immer mit Android 10 herumdümpelte, obwohl bereits Android 12 in den Startlöchern stand. Das war meines Erachtens ein Bruch des Versprechens hinter Android One. Das ist eine Initiative von Google, die dafür sorgen sollte, dass Smartphones mit dem entsprechenden Logo mindestens für zwei Jahre mit den neuesten Betriebssystemen versorgt würden.

Auch «Android Authority» hat diesen Vorwurf erhoben und HMD Global damit konfrontiert. Das ist das Unternehmen, das die Geräte mit dem Nokia-Label heute verantwortet, und der Marketing-Chefzeigte sich erstaunlich einsichtig. Stephan Taylor antwortete wie folgt: „Android One ist noch immer ein Rohrkrepierer“ weiterlesen

Der Microsoft Store ist noch immer unbrauchbar

Eine der grossen Verbes­serungen von Windows 11 betrifft – so behauptet der Hersteller – den Microsoft Store. Ich habe ihn mir ange­schaut und komme zum Schluss, dass wenig besser, aber einiges schlim­mer geworden ist.

Vor gut acht Monaten habe ich den Microsoft Store als Trauerspiel bezeichnet. Seitdem hat Microsoft Windows 11 vom Stapel gelassen, und für dieses Update einen «neuen, offenen» Software-Laden versprochen:

Es hilft Ihnen, die besten Apps, Spiele, Filme und sogar Sonderangebote zu entdecken und zu installieren.

Es liegt auf der Hand, diesen neuen Store einer Begutachtung zu unterziehen, zumal Microsofts Verheissungen noch weitergehen:

Wir haben den Microsoft Store von Grund auf neu gestaltet, um Platz für mehr Inhalte zu schaffen und die Benutzererfahrung einfach und reaktionsschnell zu halten.

Ich kann nicht verhehlen, dass ich mit einer guten Portion Skepsis an den Test herangehe. Denn das Hauptversprechen hat Microsoft noch nicht eingelöst: „Der Microsoft Store ist noch immer unbrauchbar“ weiterlesen

Was wird jetzt aus der F1-Taste?

Mit Windows 11 wird die kon­text­sen­si­tive Hilfe ab­ge­schafft. Die Funk­tions­taste ganz links ist in den meisten Apps ohne Funktion. Das ist unsin­nig: darum ein Vor­schlag, wie Micro­soft das ändern soll.

Die F1-Taste steht für die Hilfe-Funktion – und zwar seit vierzig Jahren. Schon 1982 haben Programme wie die Textverarbeitung Volkswriter für IBM-PCs sie für diesen Zweck verwendet, wenngleich die Zuschreibung damals nicht verbindlich war.

Das hat 1987 dann die Common User Access-Richtlinie geändert. In diesem Regelwerk hat IBM festgelegt, wie Benutzeroberflächen gestaltet werden sollten. Es ist eine lesenswerte Lektüre, weil es viele Vorgaben macht, die auch heute noch gebräuchlich sind: Die Menüleiste am oberen Rand, die Möglichkeit, Dialogboxen über Abbrechen bzw. die Escape-Taste zu schliessen – und vieles mehr. IBM hat auch vorgeschrieben, dass Programme eine Hilfe-Funktion aufweisen sollen, die über den letzten Punkt in der Menüleiste zugänglich sein soll – oder kontextsensitiv über die F1-Taste.

Nun ist unübersehbar, dass es immer weniger Programme mit einer solchen Hilfe-Funktion gibt: „Was wird jetzt aus der F1-Taste?“ weiterlesen

Ein scheinheiliger Robin Hood

Knatsch um Gratis-Foto­platt­formen: Nutzen Unsplash und Pexels die Foto­grafen aus? Ich bin mit einem Mann ins Gehege geraten, der vorgibt, der Rächer dieser Entrechteten zu sein.

Beitragsbild: Eine Strumpfhose und ein Pfeilbogen allein machen noch keinen Helden (Man dressed as Robin Hood von AndScene/Wikimedia, CC BY-SA 2.0).

Neulich ging es hier im Blog um Nippelklammern. Und um den Fall des Herrn Benjamin Jørgensen, der mir per Mail mitgeteilt hat, ein hier im Blog publiziertes Bild habe einen falschen Bildnachweis. Ich bin der Sache nachgegangen und habe herausgefunden, was dahintersteckt. Die Absicht von Jørgensen besteht darin, Leute wie mich dazu zu bringen, Links auf seine Website zu setzen. Auf diese Weise versucht er, diese Website in den Resultaten bei Google nach vorn zu bringen. Denn bekanntlich stuft Google häufig verlinkte Websites als wichtig ein.

Für seine Methode der Suchmaschinenoptimierung (SEO) setzt Benjamin Jørgensen bei Bildplattformen wie Pexels und Unsplash an. Dort gibt es Fotos, die man kostenlos und frei verwenden kann. Manche der Bilder sind extrem beliebt und hundertfach in Verwendung.

Solche Fotos kauft Jørgensen den Fotografen ab, löscht sie auf der Ursprungsplattform und platziert sie auf seiner eigenen Website. Und nun verschickt er seine Mails mit dem Hinweis auf den angeblich falschen Bildnachweis, der in korrekter Form einen Link auf seine Website enthalten müsse.

Ich komme auf diese Methode zurück, weil ich inzwischen zwei weitere Mails von Benjamin Jørgensen bekommen habe. (Die Dokumentation dieser Fälle findet sich als Ergänzung im Originalbeitrag). „Ein scheinheiliger Robin Hood“ weiterlesen

Wie man Apps verschlimmbessert

Schweizer Banken und Ver­siche­rungen haben ein Händ­chen dafür, zweck­dien­liche mobile Anwen­dungen durch Updates massiv zu ver­hun­zen.

Der Sinn und Zweck eines App-Updates besteht in einer Verbesserung – sollte man meinen. Es kommt allerdings auch vor, dass die neuen Versionen markant schlechter sind als ihre Vorgänger. Das kann so schlimm sein, nichts übrig bleibt, als einen Nachruf auf die Apps zu halten und sie dann würdig zu löschen; wie seinerzeit bei zwei einstmals heiss geliebten Smartphone-Anwendungen.

Heute geht es um zwei Fälle, bei denen die Verschlechterung nicht so drastisch wäre, dass ich die Apps gleich über den Jordan schicken müsste. Dafür haben sie die Gemeinsamkeit, dass sie beide einheimischer Herkunft sind. Offenbar neigen Schweizer Entwickler zu Verschlimmbesserungen ihrer Produkte.

Das erste Beispiel stammt von meiner Hausbank, der Zürcher Kantonalbank (ZKB): „Wie man Apps verschlimmbessert“ weiterlesen