Typografische Selbsthilfe auf Grünschnabel-Niveau

Aus unerfindlichen Gründen liegt seit einiger Zeit wöchentlich die «Handelszeitung» in meinem Briefkasten – ohne dass ich darum gebeten hätte. Ich nehme an, dass irgend ein Adresshändler meine Adresse zum Kauf angeboten hat – und zwar mit dem Vermerk, ich hätte ein gesteigertes Interesse an Wirtschaftsberichterstattung.

Leider entspricht das nicht den Tatsachen. Ich interessiere mich zwar auch für Wirtschaft – aber vor allem als Nebenaspekt. Wie wirtschaftliche Überlegungen die Verhaltensweise der Tech-Konzerne beeinflussen, finde ich spannend; abgesehen davon, dass es mich auch beruflich interessieren sollte. Die Auswirkungen des Wirtschaftsstrebens (um das Wort «Kapitalismus» an dieser Stelle grosszügig zu umschiffen) auf die Gesellschaft ist auch etwas, das mich nicht so richtig kaltlässt.

Doch ich berichte aus der Sicht der Betroffenen – die man in meinem Umfeld auch gerne die «User» nennt. Klammer auf: „Typografische Selbsthilfe auf Grünschnabel-Niveau“ weiterlesen

So geht die Fotografie den Bach hinunter

Bei (der übrigens sehr empfehlenswerten) Foto-Site Petapixel habe ich neulich einen Beitrag über ein Ding namens Exposure Calculator gefunden. Er setzt bei einem interessanten Phänomen an. Nämlich bei der Tatsache, dass immer mehr Fotografen mit «Exposure» bezahlt werden.

Die exposure hat in dem Fall nichts mit der fotografischen Belichtung zu tun (obwohl es dafür natürlich auch Webanwendungen gibt). Nein, in Deutsch würde man das wahrscheinlich «Publicity» nennen, obwohl das auch nicht wirklich ein deutsches Wort ist. Aber mit «Öffentlichkeit» kommt man der Sache auch einigermassen nahe.

Also, das funktioniert so: Ein Auftraggeber hätte gerne ein Foto, möchte dafür aber kein Geld bezahlen. Stattdessen bietet er «Öffentlichkeit» an: «Wir werden dein Foto einem grossen Publikum zugänglich machen.» Der Fotograf steigert seinen Bekanntheitsgrad, baut sich einen Ruf auf. Das hilft  dabei, Aufträge an Land zu ziehen, die dann auch wirklich bezahlt werden – in echtem Geld.

Das ist kein seltenes Phänomen. „So geht die Fotografie den Bach hinunter“ weiterlesen

Pseudo-Fortschritt bei Windows

Microsoft ergänzt das altbewährte Snipping Tool durch ein Ding namens Ausschneiden und skizzieren, das es bislang als separate App im Windows Store gab. Das soll den Umgang mit Bildschirmfotos (Denglisch: Screenshots) verbessern. Zum Schicksal des Snipping Tools gibt es widersprüchliche Angaben. Erst hiess es, es würde verschwinden. Hier heisst es folgendes:

Currently, we are not planning to remove the Snipping Tool in the next update to Windows 10 and the consolidation work underway will be a feedback and data-driven decision.

Das Snipping Tool wird nicht sofort verschwinden. Ob es erhalten bleiben wird, hängt von den Rückmeldungen der Leute ab. Und davon, ob die Telemetrie-Daten zeigen, dass die Leute es weiterhin benutzen.

Für die allermeisten Windows-Nutzer dürfte die Frage annähernd irrelevant sein. Für mich ist sie es nicht, weil ich es sehr häufig mit Screenshots zu tun habe, Ich fabriziere sie als Tech-Journalist und als Blogger. Ich bin von der Neuerung somit persönlich betroffen – und ich nehme sie auch ein bisschen persönlich.

Darum hier das gewünschte Feedback zu Handen von Microsoft. In einem Satz: Die neue App ist ein Rohrkrepierer. „Pseudo-Fortschritt bei Windows“ weiterlesen

Netflix, das ist eine Frechheit!

Wir haben seit Ende des letzten Jahres einen smarten, etwas blöden Fernseher, der auch 4k kann. Darum hatten wir für ein paar Monate auch die entsprechende Netflix-Ausbaustufe abonniert. Das heisst Premium und unterstützt auch das Streaming auf vier Geräte. Das brauchen wir allerdings nicht. Wir schauen normalerweise zusammen Netflix, sodass an sich sogar die Nutzung von zwei Streams parallel beim Standard-Abo nett, aber nicht zwingend ist.

Nun haben wir wieder auf das Standard-Abo zurückgewechselt. Erstens gibt es zu wenige Inhalte in 4k bzw. UHD, dass sich der Aufpreis wirklich lohnen würde.

Zweitens langt Netflix beim Premium-Abo ziemlich hin – und demnächst wird es noch teurer. „Netflix, das ist eine Frechheit!“ weiterlesen

Wie man ein grosses Manko von iOS ausbügelt

Copied ist eine praktische App, mit der man am iPhone und iPad Inhalte via Zwischenablage wunschgemäss aufbereitet.

Kann ich mit dem iPad genauso speditiv arbeiten wie mit einem Laptop oder einem Desktop-Computer? Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt. Die Antwort war hier ein krachendes Nein. Das liegt natürlich nicht am iPad selbst. Wie Apple gerne betont, sind die iPads leistungsfähiger als der durchschnittliche PC. Die Einschränkungen liegen bei iOS, dem Betriebssystem. Es schränkt die Möglichkeiten, wie Apps miteinander interagieren, für meinen Geschmack viel zu sehr ein.

Es gibt Limiten beim Multitasking und beim Dateisystem. Und bei der Zwischenablage. Bei Windows und Mac kann man Clipboard-Manager einsetzen, die zum Beispiel den Inhalt der Zwischenablage automatisch archivieren, damit man nicht nur auf den letzten, sondern auch auf vorherige Einträge zugreifen kann. Windows 10 macht das inzwischen sogar standardmässig, inklusive Synchronisation mit anderen Geräten via Cloud. „Wie man ein grosses Manko von iOS ausbügelt“ weiterlesen

Echte und vermeintliche Gefahren von 5G

Neulich war ich in der Stadtbibliothek Winterthur. Dort gibt es auch einen Ständer, bei dem Faltblätter, Postkarten und ähnliche Dinge aufliegen. An diesem ist mir ein Pamphlet mit einem sehr unheilvollen Titel aufgefallen: «5G-Monster schlägt zu!» Und am Rand: «Kriegserklärung an die Menschheit?!»

Die Mobilmachung gegen 5G findet nicht nur mittels Youtube-Videos, sondern auch mit Flyern statt, mit denen selbst unschuldige Bibliothekenregale nicht verschont werden? Irgendjemand scheint hier eine tiefgehende Antipathie gegen Datenfunkwellen in sich zu spüren.

Die Argumente im Flyer bewegen sich zwischen unhaltbar und Panikmache. Sie sind schon allein deswegen unsinnig, weil selbst das gierigste Telekomunternehmen – die hinter dieser «Kriegserklärung an die Menschheit» stecken – keine Technologie einsetzen wird, die innert weniger Jahren einen Grossteil der Kundschaft eliminiert. Aber egal, mit Logik muss man der Zielgruppe dieses Flyers und den Urhebern nicht kommen.

Mein erster Impuls war, mich aufzuregen und lauthals zu erklären, wie falsch es sei, dass solche Flyer an Orten wie der Stadtbibliothek aufliegen. „Echte und vermeintliche Gefahren von 5G“ weiterlesen

Facebook ist ein schwarzes Loch

Ein schwarzes Loch im All krümmt die Raumzeit und wirkt mit brutalen Gravitationskräften auf die Umgebung, sodass sogar das Licht absorbiert wird. Das erinnert mich an Facebook. Es gibt immer weniger Inhalte im Netz, die dieser Plattform entkommen können. Facebook absorbiert 4 Petabyte Daten jeden Tag, habe ich neulich gelesen.

4 Petabyte sind ziemlich viel. Um diese Datenmenge zu speichern, bräuchte man Tausend 4-TB-Festplatten. Und das jeden Tag, und ohne dass man ein Backup davon hätte. Andererseits: Braucht man von Facebook-Daten wirklich ein Backup?

Aber das ist nicht der Punkt. Mir geht es darum, dass ich vermute, dass ungefähr die gleiche Datenmenge auch entstehen würde, wenn es Facebook nicht gäbe. Nur würde sie nicht in Zuckerbergs schwarzem Loch verschwinden, sondern im freien Internet flottieren: Auf News-Websites, in Internetforen, bei kleineren Social-Media-Plattformen, in Blogs und wo auch immer.

Ein gutes Beispiel dafür sind Kommentare. Ich sehe es bei befreundeten Bloggern und den News-Websites: Die Diskussion zu einem Blogbeitrag findet sehr oft bei Facebook oder manchmal auch auf Twitter statt – nicht auf der Ursprungs-Plattform.

Das ist aus mehreren Gründen ärgerlich: „Facebook ist ein schwarzes Loch“ weiterlesen

Die Dropbox fallen lassen

Dropbox gehört zu den Webdiensten, die ich intensiv nutze und schon mit diversen Tipps bedacht habe (Dropbox-Upload mit dem passenden Dateinamen, Die Dropbox mit verschlüsselten Daten füllen, Der Trick für die Benutzerwörterbücher, Drei Tipps für die Box der Boxen). Nun bin ich allerdings kurz davor, abtrünnig zu werden. Denn Dropbox führt eine Beschränkung auf drei Geräte ein. Zumindest für Gratisnutzer wie mich. Wenn man bezahlt, dann kann man auch weiterhin mehr Geräte nutzen.

Ich habe das preisliche Update in Erwägung gezogen. Selbstverständlich, denn Dropbox ist seit Jahren nützlich. Da wäre es nicht verkehrt, nicht beim Gratis-Abo zu bleiben, sondern etwas zurückzugeben, in Form einer Abogebühr. Schliesslich liegt es auch am Geiz von uns Nutzern, die wir auch bei wirklich nützlichen Angeboten im Netz nichts bezahlen, dass die Anbieter auf anderem Weg an Geld gelangen – und dann halt unsere persönlichen Daten verscherbeln oder sonstigen Schindluder treiben.

Dropbox bietet zwei Abos an: 10 Euro im Monat oder 100 Euro im Jahr für das Plus-Abo oder 20 Euro im Monat oder 200 Euro im Jahr für Professional. Dafür gibt es 1 Terabyte, respektive 2 Terabyte Speicherplatz. Damit gibt es allerdings ein Problem: „Die Dropbox fallen lassen“ weiterlesen

Touchbar-Schabernack

Ich habe mich bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit darüber beklagt, dass Apple scheinbar jedes Interesse an einer technischen Errungenschaft verloren hat, von der es noch 2016 geheissen hat, sie werde uns Laptopbenutzer in neue Sphären katapultieren. Eine Revolution bei der Steuerung tragbarer Computer sollte sie bringen. Ein völlig neues Bedienerlebnis bei der kreativen Mediengestaltung, sei es in Photoshop, sei es in Final Cut.

Und dann? Dann ist nichts passiert. Die Betriebssystem-Updates kamen und gingen – aber sie brachten keine Neuerungen für diese so hochgelobte Errungenschaft. Man fand, wenn man suchte, kleine Hilfsprogramme, die sie etwas verbesserten. Doch der Erfinder selbst, Apple, schien der Ansicht zu sein, dass ihm diese Schöpfung schon vom Fleck weg in vollendeter Perfektion gelungen war, sodass jegliche Weiterentwicklung überflüssig oder sogar unmöglich sein würde. Hat es das in der Menschheitsgeschichte schon einmal gegeben – ein von Anfang an komplett ausgereifter Wurf?

Wohl nicht. Darum könnte auch das Gegenteil zutreffen.  „Touchbar-Schabernack“ weiterlesen

Reichweite dank Facebook-Werbung?

Facebook reibt mir mit einer gewissen Aufdringlichkeit den Vorschlag unter die Nase, die Reichweite meiner Inhalte mittels Werbung zu vergrössern. Geschaltet werden soll diese Werbung, wenig überraschend, natürlich auf Facebook.

Neulich habe ich mich breitschlagen lassen. Ich habe vor Kurzem den Beitrag Wenn dein Arbeitgeber dein iPhone löschen will veröffentlicht. Er hat in den sozialen Medien für Diskussionen gesorgt und zeichnete sich durch eine deutlich längere Halbwertszeit als ein normaler Blogpost hier aus. Eine gute Ausgangslage, dachte ich. Es geht mir um die Klärung der Frage, ob es sich lohnt, einem solchen Beitrag einen kleinen Schubs zu geben – um ihn noch weiter unter die Leute zu bringen.

Ich habe für dieses Experiment den exorbitanten Betrag von 5 Franken aufgeworfen. Ich habe mir davon nun nicht unbedingt den globalen Durchbruch als Erfolgsblogger versprochen. Aber mich hat sehr interessiert, was die Auswirkungen einer solchen Investition sein würden.

Wenn man nicht deswegen Geld für Werbung ausgibt, um nachher darüber zu bloggen, sollte man sich natürlich vorab ein paar Gedanken zu realistischen Zielen zu machen: „Reichweite dank Facebook-Werbung?“ weiterlesen