Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen

Warum posten derzeit so viele vernünftige Leute total unvernünftigen Quatsch auf Facebook? Und wie könnte man mit den Videos von Verschwörungstheoretikern sinnvollerweise umgehen?

Verschwörungstheoretiker und ihr toxischer Output sind ein reales Phänomen. Damit habe ich mich abgefunden und an dieser Stelle schon diverse Male auseinandergesetzt.

Was mich betrübt und auch sauer macht, ist eine Beobachtung, die ich in machen musste, als es mit der Coronakrise ernster wurden. Es zeigt sich nämlich, dass die Thesen und Behauptungen in Krisenzeiten infektiöser sind als in einer normalen Situation. Das war während der Nobillag-Abstimmung zu beobachten. (Wobei man sich natürlich fragen darf, ob aus heutiger Sicht diese Periode das Attribut «Krise» verdient.) Und es ist wird in diesen Tagen sehr deutlich.

In meinem Social-Media-Umfeld ist die Situation typischerweise so: Es sind die einschlägig bekannten Figuren, die Fragwürdiges aus der Ecke der Aluhutträger in Umlauf bringen. Man kennt sie, schaltet sie stumm, wenn sie einem zu sehr auf die Nerven gehen – aber es sieht so aus, als ob die Szene in ihrem eigenen Saft vor sich hin köcheln würde.

In der letzten Zeit hat mir Facebook mehrere Posts in meine Timeline gespült, die von Leuten stammen, die ich erstens alle persönlich kenne. Und die ich zweitens alle als vernünftige, nüchterne Personen einschätze. Drittens ging es immer um Videos von KenFM. „Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen“ weiterlesen

Das Leben (und Apple-Watch-Wettbewerbe) sind nicht fair

Über Sinn und Unsinn (und Ungerechtigkeiten) bei Wettbewerben mit der Apple Watch.

Die Apple Watch sei «the most personal device we’ve ever created», das persönlichste Gerät, das es von Apple gibt, hat Tim Cook bei der Vorstellung 2014 gesagt.

Das ist eine Behauptung, die zumindest ein bisschen kontrovers ist. Es gibt die Leute, die Technik auf Distanz halten und sie strikt auf ihre Rolle als unpersönliches Hilfsmittel reduziert wissen wollen. Und dann gibt es die Leute, die zumindest akzeptieren, dass man diese Uhr so nah an seinen Körper heranlässt, wie sonst kein anderes Apple-Produkt.

… an dieser Stelle kann man einwerfen, dass es Leute gibt, die sich ihr Smartphone an einem Täschchen um den Hals und damit an den Busen bzw. vor das Herzen hängen. Oder meinetwegen über den Bauch. Das finde ich mehr als seltsam. Aber es ist womöglich kein Ausdruck einer sonderlich innigen Bindung zum Gerät, sondern eine pragmatische Angelegenheit. Nicht alle Leute haben Hosen mit ausreichend grossen Taschen.

Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass die Apple Watch Dinge tut, die sich das iPhone nicht erlauben würde. „Das Leben (und Apple-Watch-Wettbewerbe) sind nicht fair“ weiterlesen

Was Buchverlage von Fernsehserien lernen könnten

Schauen Buchautoren manchmal fern? Die Frage klingt polemischer, als sie gemeint ist. Ich will der buchschreibenden Zunft keine Abgehobenheit attestieren – obwohl ich mich schon ein bisschen wundere.

Der Ausgangspunkt für mein Erstaunen ist folgender: Sowohl im Fernsehen als auch beim Buch gibt es die sogenannte Serie. Sie entsteht dann, wenn ein Werk nicht in einem Stück an den Rezipienten überantwortet wird, sondern in Segmenten. Die Daseinsberechtigung für diese sequenzierte Form der Erzählung wird von Wikipedia einleuchtend beschrieben:

Um Spannung und Interesse der Zuschauer zu erhalten, ist ein Drama in seiner Länge zeitlich beschränkt. Geduld, Konzentrationsfähigkeit und schiere körperliche Ausdauer des Publikums lassen eine Aufführung von mehr als drei, maximal vier Stunden nicht zu.

Übertragen auf Bücher hat das Serienprinzip praktische Gründe. Man stelle sich George R.R. Martins «A Song of Ice and Fire» als Einzelausgabe vor: Die wäre (gemäss Amazon) fast 23 Zentimeter dick und 3,9 Kilogramm schwer.

Und natürlich gibt es auch kaufmännische Gründe. Mehrere dünne Bücher ergeben einen höheren Verkaufserlös als ein dickes. „Was Buchverlage von Fernsehserien lernen könnten“ weiterlesen

Dieses Meme hättest du besser nicht gepostet

Berühmt, weil sie medienwirksam rummotzt.

Facebook hat die unangenehme Eigenschaft, einem ungefragt Dinge ins Gesicht zu schleudern, die man dort nicht haben will: Verschwörungstheorien, Fakenews, Memes und stockdummer Quatsch.

Das passiert immer unerwartet und meistens im falschen Moment. Klar, wir sind auch selber schuld: Wir haben ohne viel Nachdenkens dieses Facebook geöffnet – oder Twitter, Instagram, Pinterest oder sonst irgend ein Verteilsystem für Internet-Bullshit. Wir wollten uns bloss ein paar Minuten vertreiben. Dabei hätten wir wissen können, dass oft genau dann irgend etwas im Feed erscheint, dass uns eine unangenehme Entscheidung abnötigt.

Die Auswahlmöglichkeiten bei dieser Entscheidung sind:

  1. Ignorieren.
  2. Eine klare, aber freundliche Replik schreiben.
  3. Eine unfreundliche Abkanzelung schreiben.
  4. Stummschalten. Entfreunden. Blockieren.

Ich bin normalerweise für Weg zwei. Der hat allerdings den Nachteil, dass er viel Zeit braucht – die man in jenen Momenten, in denen man es mit einem solchen Meme zu tun bekommt, absolut nicht hat. Darum hier dieser Blogpost: Ich schreibe ihn als Reaktion auf eine Diskussion, die ich bei Facebook neulich hatte. Aber vor allem auch als Reserve, damit ich ihn in ähnlichen Fällen als Kommentar unter eine solche Facebook-Veröffentlichung knallen kann.

Das Prinzip der präemptiven Kritik hat sich übrigens bestens bewährt: „Dieses Meme hättest du besser nicht gepostet“ weiterlesen

Instagram und ich, wir haben uns nichts mehr zu sagen

Instagram? Das ist dieses Ding, wo Influencer im Reagenzglas gezüchtet und wie im Zoo gehalten werden. Wieso schreitet nicht schon längst die UN-Menschenrechtskommission ein?

Und nein, das ist nicht zu harsch formuliert. Genau so klingt es, wenn Zuneigung verraten und Liebe enttäuscht wird. Und genau das ist das Thema in diesem Beitrag hier: Um eine Beziehung, die über die Jahre immer mehr gelitten hat. Und bei der es an der Zeit ist, einen Schlussstrich zu ziehen.

Okay, den letzten Satz habe ich des Effekts wegen geschrieben. Ich werde mein Instagram-Konto (@mrclicko) nicht löschen. Aber ich halte fest, dass mir Instagram je länger je weniger geheuer ist und ich jedes Mal zusammenzucke, wenn die insidrige Kurzformel #insta an mein Ohr dringt (zum Beispiel von Sara Satir in diesem Podcast hier). Oder wenn einer von #instagold schwadroniert (zum Beispiel Olli Schulz in diesem Podcast hier).

Ja, vermutlich meint es der Schulz sogar ironisch. Doch ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis meine Schwiegermutter mich fragt, wie sie Influencerin für … äh, ihr bevorzugtes Themengebiet behalte ich aus Gründen jetzt für mich. „Instagram und ich, wir haben uns nichts mehr zu sagen“ weiterlesen

Die Illusion von Offenheit bei Android

Es gibt ein paar Dinge, denen man ab und zu begegnet – und bei denen man sich jedes Mal vornimmt, sich mal genauer damit zu beschäftigen. Irgendwann – wenn man mal Zeit hat. Ein solches Ding ist, in meinem beruflichen Leben, die Open Handset Alliance. Und heute habe ich Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Der Ausgangspunkt: Ich weiss natürlich das, was bei Wikipedia steht: Es ist eine Organisation, die irgend etwas mit Googles Handy-Betriebssystem Android zu tun hat. Auf dem Papier ist es eine sehr eindrückliche Organisation: 84 Unternehmen aus der ganzen Tech-Branche haben sich zusammengeschlossen: Telkos, Gerätehersteller, Softwareunternehmen – sogar Noser Engineering findet man auf der Liste. Das ist das Unternehmen von Ruedi Noser, einem der beiden Zürcher Ständeräte.

Die Open Handset Alliance, oder kurz OHA, hat eine Website, die für ein Tech-Konsortium aber einen sehr angestaubten Eindruck hinterlässt – ebenso, wie die News-Sektion, wo der neueste Eintrag vom 18. Juli 2011 datiert. Auf dieser Website liest man ein flammendes Bekenntnis zur Offenheit: „Die Illusion von Offenheit bei Android“ weiterlesen

Die Pro-Version von Windows 10 ist Unsinn

Die Windows-Sandbox habe ich neulich hier im Blog vorgestellt (Jederzeit ein frisches Windows). Vor längerer Zeit ist hier auch der Windows Defender Application Guard (Edge, auf Sicherheit getrimmt) zum Zug gekommen.

Nun fand ich, die beiden Beiträge würden zusammen sehr schön in ein Video passen. Es sind zwei Sicherheitsinstrumente, die in Windows 10 von Haus aus eingebaut sind – zumindest bei der Pro- und der Enterprise-Edition, aber darauf komme ich gleich noch zu sprechen. Und sie sind einfach zu aktivieren und zu benutzen. Mit den beiden Werkzeugen kommen auch Leute zurecht, die sich nicht berufen fühlen, eine virtuelle Maschine in Betrieb zu nehmen. (Obwohl es natürlich auch dafür hier im Blog eine schöne Anleitung gibt.)

Also, hier das Video, das eine kurze Einführung liefert und erklärt, was man mit der Windows-Sandbox und dem Windows Defender Application Guard so anstellen kann: „Die Pro-Version von Windows 10 ist Unsinn“ weiterlesen

Scheidung unmöglich bei Spotify und Facebook

Bei Spotify konnte man sich ursprünglich nur über Facebook anmelden. Das liegt daran, dass der Streamingdienst in der Anfangszeit eng mit dem sozialen Netzwerk verbandelt war. Die NZZ hat das am 26. Mai 2011 als Situation beschrieben, von der beide Unternehmen etwas versprachen:

Mit der Kooperation könnte Facebook die Verweildauer seiner Nutzer erhöhen. Bisher hat man dazu unter anderem einen Filmverleih integriert und bietet Spiele wie jene von Zynga.

Spotify seinerseits hatte die Gelegenheit, sein Icon prominent in Facebook zu platzieren. Trotzdem frage ich mich bis heute, ob Daniel Ek und seine Mitstreiter nie auf die Idee gekommen sind, dass das womöglich nicht so eine gute Idee sein könnte. Mir hat das jedenfalls ziemlichen Ärger eingetragen. „Scheidung unmöglich bei Spotify und Facebook“ weiterlesen

Ausgerechnet ich verteidige den Kapitalismus?!

Neulich habe ich die «Freitagsrunde» von SRF gehört. In der Folge «Ich sehe das Milizsystem nicht gefährdet» ging es (ab Minute 16) auch um das Klima und die Flugticketabgabe.

Wenn man die Aussagen zum Massstab nimmt, dann sind wir unrettbar verloren. Die drei Gesprächsteilnehmer zeigten sich absolut unwillig, über echte Massnahmen überhaupt nachzudenken. Besonders geärgert hat mich Claudia Wirz, die für die NZZ geschrieben hat. Sie sagt: «Dass wir fliegen, ist einer der Widersprüche, mit denen wir leben müssen.»

Müssen wir? Man denkt, die bei der NZZ hätten die Funktionsweise des Kapitalismus ansatzweise begriffen. Natürlich, die Flugticketabgabe ist nun wirklich eine zahnlose Massnahme. Thomas Meier, Rektor der Zürcher Hochschule der Künste, sagt es richtig: Die geplante Abgabe ist viel zu wenig; wenn es etwas bringen wollen würde, müsste man mehr verlangen.

Claudia Wirz brachte als Einwand dann sofort die «soziale Frage» auf und empfahl Freiwilligkeit. Damit die Leute eher bereit sind, freiwillig CO₂-Kompensation zu leisten, müsse man bei den Formularen für den Ticketkauf das entsprechende Kästchen einfach grösser machen. Die Webdesigner werden die Klimakrise lösen? Dass da noch keiner darauf gekommen ist! „Ausgerechnet ich verteidige den Kapitalismus?!“ weiterlesen

Hey Word­press, hier ein guter Vorsatz für dich

Vor gut 14 Monaten ist dieses Blog hier auf Word­press umgestiegen. Das Fazit seinerzeit war positiv und auch eine weitere Website in meiner Obhut ist seitdem nachgefolgt. Man könnte das als Erfolgsgeschichte bezeichnen.

Nun gibt es allerdings eine Schwachstelle. Und das ist die Word­press-App. Die gibt es für Android und fürs iPhone und iPad.

Die Statistik ist nützlich. (Auch wenn sie die Frage aufwirft, wieso niemand aus Grönland dieses Blog hier liest).

Auf den ersten Blick macht die App einen sehr guten Eindruck: Man hat dank Jetpack alle seine Word­press-Sites in einer App im Blick. Man sieht Statistiken, die zwar nicht so toll sind wie das, was ich mir von parsely.com inzwischen gewohnt bin – die aber trotzdem einen guten Eindruck vermitteln, welche Inhalte beim Publikum ankommen und welche nicht.

Es gibt ausserdem die Benachrichtigungen, in denen man neue Kommentare, Hinweise auf Traffic-Aufschwünge und Ausfälle sieht. Auch Likes würde man hier sehen – wenn es denn welche gäbe. Aber da ich die Like-Knöpfe nicht anzeige, ist es auch kein Wunder, dass sich an dieser Front nichts tut.

Im Reader schliesslich abonniert man Websites. Das können Word­press-Sites sein, müssen aber nicht. Die Word­press-App kann auch einfach als RSS-Reader-App benutzt werden. Trotzdem ziehe ich eine App wie Inoreader vor und verwende die Reader-Funktion nur, um die Beiträge auf meinen eigenen Websites im Auge zu behalten.

So weit, so in Ordnung – aber ich wollte hier ja über die Schwachstelle berichten. „Hey Word­press, hier ein guter Vorsatz für dich“ weiterlesen