Ist das noch Fotografie?

Im Beitrag Schabernack oder Spiegelreflex habe ich über den Porträtmodus des iPhones geschnödet. Er versucht, die Anmutung eines mit grossem Sensor aufgenommenen Bildes zu imitieren, obwohl die winzigen Objektive eines Smartphones niemals die Abbildungsleistung einer grossen Kamera zu erbringen vermögen – egal, ob es sich nun um eine Spiegelreflexkamera oder um ein spiegelloses Modell handelt.

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Die Blende nachträglich vestellen (links) oder den Fokuspunkt versetzen (rechts) – und man kann bei Focos sogar ein anderes virtuelles Objektiv auswählen.

Ich kritisiere im Beitrag, dass die Illusion nicht perfekt ist. Allerdings macht die Technik grosse Fortschritte. Apps imitieren die Eigenschaften von richtigen, teuren Objektive. Phil Schiller hat an der letzten Keynote den Begriff der Computational photography in den Mund genommen: Mittels massiver Rechenleistung, die Apple in ein Ding namens Neural Engine packt, imitieren die neuen iPhone-Modelle (Xs, Xs Max und Xr) sogar das Bokeh, das ein grosses Portrait-Objektiv erzeugen würde.
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Suchmaschinen? Miese Versager sind sie alle!

Ich predige immer mal wieder die angewandte Google-Skepsis. Und die Berichte von Googles Aktivitäten in China machen meine Vorbehalte nicht eben kleiner: «The Intercept» hat über den Prototypen einer chinesischen Suchmaschine berichtet, die ziemlich evil klingt: Dragonfly würde zensurierte Resultate ausliefern und gleichzeitig die Suchanfragen mit der Telefonnummer des Suchenden koppeln. Was das bedeuten könnte, wird von Menschenrechtsgruppen im Beitrag so gesagt:

It could result in the company “directly contributing to, or [becoming] complicit in, human rights violations.”

Aus dem Grund halte ich immer ein Auge nach Suchmaschinen offen, die man anstelle von Google nutzen könnte. Zum Beispiel Bing (Wieso nicht mal ein bisschen bingen?), Duck Duck Go oder Startpage.com – bei dieser Suchmaschine sucht man via Google, aber anonymisiert.

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Die verwanden Begriffe, die Swisscows bereithält, sind eine charmante Idee – aber mehrheitlich unbrauchbar.

Da gibt es auch qwant.com – eine Suchmaschine, die den Nachteil hat, dass man sich nach kurzer Zeit nicht mehr an die korrekte Schreibweise erinnern kann. Quant? Quwant? Qwuant? Vielleicht ist das in Frankreich weniger ein Problem, wo die Suchmaschine beheimatet ist. Jedenfalls legt sie mehr Wert auf den Datenschutz und durchsucht auch News, soziale Kanäle wie Twitter, sowie Musik. Und das neue Design ist recht hübsch, wie ich finde.

Und erinnert sich noch jemand an die Schweizer Suchmaschine? „Suchmaschinen? Miese Versager sind sie alle!“ weiterlesen

Wer Office hat, braucht keine Feinde mehr

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Symbolbild: Ich, an einem hektischen Tag, an dem ich mich statt zu arbeiten mit dem 🤬-Office herumschlage. (Bild: Tim Gouw/Pexels, CC0)

Dieser Beitrag könnte eine Diskussion um die Frage provozieren, warum man heute noch Office benutzt – und warum es unbedingt die Office-Variante von Microsoft sein muss, wo die Open-Source-Welt doch OpenOffice bzw. LibreOffice bereithält. Ich würde beiden Fragen gerne aus dem Weg gehen, weil IMHO Microsoft Office durchaus eine Existenzberechtigung hat. In meinem Fall spielt viel Gewohnheit mit. Und die beiden Umstände, dass die Office-Varianten aus der Open-Source-Welt zu wenig eigenständig sind ich mich mit Google Docs nicht anfreunden kann bzw. will, weil meine Daten mir gehören.

Nun gibt es jedoch Momente, wo ich Office mitsamt seinem Mutterkonzern auf den Mond schiessen möchte. Vor einem Jahr hatte ich so einen Moment. Und neulich wieder. Just an einem Tag, wo es so viel zu erledigen gab, dass ich nun überhaupt keine Musse hatte, mich mit Software-Sperenzchen herumzuärgern.

Die Sache fing mit damit an, dass Word nicht daran dachte zu starten, sondern stattdessen Windows vorschickte, eine lahme Entschuldigung vorzubringen: Das Äquivalent von: «Mein Hund hat die Hausaufgaben gefressen!»
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Von Verunglimpfungen und unmoralischen Angeboten

Das unerfreuliche Wort der Lügenpresse ist keine neue Erfindung. Doch hierzulande hat es trotz seiner bewegten Vergangenheit auch bei den Nazis niemand benutzt. In der Schweizer Mediendatenbank gibt es während 100 Jahren (von 1900 bis 1999) gerade mal vier Treffer (18. April 1910, Juni 1960, Februar 1983 und September 1996). Alle stammen aus der NZZ, was natürlich damit zu tun hat, dass die NZZ die einzige Schweizer Zeitung ist, die von Anfang an digital und durchsuchbar archiviert ist.

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Alles nur Lüge? (Bild: kalhh/Pixabay, CC0)

Wenn man im Vergleich nur die NZZ von den Jahren 2015 bis heute durchsucht, kommt man auf 87 Resultate. Das Wort Lügenpresse hat eine beachtliche Karriere hingelegt. Und es ist unübersehbar so, dass ein Teil der Leute es ganz normal im Munde führen. In meinem Teil meines Facebook-Bekanntenkreises lese ich es inzwischen als normaler Begriff für die grossen Medien. Es wird auch als Abgrenzung zu den alternativen Informationsanbietern benutzt und ist ein Synonym zu Systemmedien und Mainstreammedien.

Klar, es ist ein ganz spezieller Teil meines sozialmedialen Bekanntenkreises: „Von Verunglimpfungen und unmoralischen Angeboten“ weiterlesen

Schmeisst Google Analytics über Bord

Ich bemerke ein seltsames Phänomen. Naja, eigentlich bemerke ich tagtäglich seltsame Phänomene. Zum Beispiel das, dass es offenbar aus der Mode gerät, normal zu telefonieren. Das heisst, mit dem Telefon am Ohr. Ich sehe nur noch Leute, die das Telefon vors Gesicht halten und den Gesprächspartner auf dem Lautsprecher haben. Oder ihn über einen Kopfhörer hören, wenn es sich nicht um völlige Neandertaler handelt. Ich frage mich, was das soll. Ich verstehe es, wenn es sich um Videotelefonierer handelt: Zum Beispiel um Touristen, die via Kamera zeigen wollen, wo sie gerade sind. Klar, in dem Fall will man nicht unbedingt per Skype, WhatsApp oder Facetime eine Ansicht seiner Ohrmuschel übertragen. Aber bei normalen Telefongesprächen ohne Video halte ich das für einigermassen albern. Hat man einen Kopfhörer, dann kann man das Telefon auch in die Jackentasche stecken. Und wenn man keinen Kopfhörer hat, dann könnte man sich überlegen, ob man wirklich die ganze Umgebung mit beiden Seiten des Gesprächs belästigen will. Wenn man das Telefon am Ohr hat, hören die Umstehenden wenigstens nur die Hälfte dieser Konversation, die sie mutmasslich nicht im geringsten interessiert

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Wie viel haben diese Zahlen mit der Wirklichkeit zu tun? (Bild: Negative Space/Pexels, CC0)

Soweit dieses Phänomen, um das es hier aber gar nicht gehen soll. Das Phänomen, das ich meine, nennt sich Google-Analytics-Hörigkeit. Für Leute, die nicht wissen, was Sache ist: Google Analytics ist eine Webstatistik, die vom gleichnamigen Suchmaschinenkonzern angeboten wird und über Javascript-Codes in beliebige Websites eingebunden werden kann. Die ganze Sache ist gratis, zumindest bei oberflächlicher Betrachtungsweise. Schaut man genauer hin, fällt auf, dass man den Dienst relativ teuer bezahlt, nämlich indem man Google alles über die eigene Website herausfinden lässt, was Google über die eigene Website herausfinden möchte. „Schmeisst Google Analytics über Bord“ weiterlesen

Morbus Facebook

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Pillen helfen leider auch nichts. (Bild: Hastywords/Pixabay, CC0)

Es wäre wahrscheinlich besser, Twitter und Facebook einfach abzuschalten – die Plattform befördern vor allem Dummheit und niedere Instinkte. Es bedeutet nicht, dass man sich nicht was Neues einfallen lassen darf – nachdem wir alle aus den Fehlern gelernt haben.

Das war neulich ein frustrierter Tweet von mir. Ich hatte auf Facebook mal wieder eine deprimierende Erfahrung gemacht. Ein Mann des öffentlichen Lebens, Politiker und Gemeinderat hier in der Stadt für eine freibeuterische Splitterpartei, hatte einen deplatzierten Facebook-Kommentar über eine Juso-Politikerin verteidigt. Das hat Widerspruch hervorgerufen. Doch der Mann machte das, was Leute in solchen Situationen häufig tun: Er stellte sich auf die Position, die Kritik an seinen Aussage sei bloss ein Beleg, wie Recht er doch eigentlich habe. Und er war sich offensichtlich nicht im Klaren darüber, dass man eine Aussage wie, paraphrasiert: «Die Frau leidet darunter, dass sie noch nicht mal einer vergewaltigen will» einfach nicht verteidigen sollte – selbst wenn man besagte Frau nicht mag.

Zwei Dinge haben mich betrübt: „Morbus Facebook“ weiterlesen

Allzu vergängliche Spuren der Kommunikation

Vor gut einem Jahr habe ich mich im Beitrag Das E-Mail stirbt einen langsamen Tod mit den Zukunftsaussichten des Mails auseinandergesetzt. Die sehen ähnlich aus wie die des SMS: Beide sind unverzichtbar. Aber beide sind dazu da, zu einem Administrationsinstrument zu verkommen. Das SMS wird, in Zeiten von Messengern, hauptsächlich noch für den Versand von Einmal-Codes für die Zwei-Faktor-Authentifizierung benutzt. Und die Mailadresse ist für Logins unverzichtbar – doch abgesehen davon scheint die Welt inzwischen lieber per WhatsApp, Slack, Facebook Messenger, iMessage zu kommunizieren.

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Briefe wirft man (meistens) auch nicht einfach so weg. (Bild: Andrys/Pixabay, CC0)

Und das gilt nicht nur für die private Kommunikation. Auch Geschäftliches läuft immer häufiger via Messenger ab und nicht mehr per Mail. Das ist nicht gänzlich verkehrt: Das Mail ist einfach kein sehr sicheres Kommunikationsmedium. Es gibt standardmässig keine Verschlüsselung. Und die Verschlüsselung, die man dem Mail überstülpen kann, ist unsicher.

Trotzdem habe ich ein Problem mit dieser Entwicklung. „Allzu vergängliche Spuren der Kommunikation“ weiterlesen

Gib mir Sterne! GIB MIR STERNE!

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Eine (beendbare) Unsitte. (Mutmasslich gefälschter Screenshot gesehen bei osxdaily.com).

Heute schaffe ich es glaubs tatsächlich mal, einen wirklich kurzen Blogpost vom Stapel zu lassen. Ein kurzer Tipp, ohne viel Drumherum. Keine Welterklärungsformel, keine Auszüge aus der Autobiografie, die verständlich machen sollen, warum das Thema nun relevant ist. Sondern einfach nur der Tipp, direkt in medias res. (Da ich mich nicht so ganz daran gehalten habe, gibt es in diesem Blogpost die eine oder andere Ausstreichung.

Wobei ich dann auch tatsächlich damit anfangen sollte. Also, es geht um die lästigen Aufforderungen von Apps, man möge sie doch bitte bewerten. Die sind in meinem Fall überflüssig, weil ich Apps hier bespreche, falls sie besprechenswürdig sind. Man kann die abschalten. „Gib mir Sterne! GIB MIR STERNE!“ weiterlesen

Muss das sein, SBB?

Die Schweizerischen Bundesbahnen sind ein Transportunternehmen. Würde man meinen. Und ganz falsch ist es nicht. Ein Teil des Unternehmens beschäftigt sich damit, Züge durch die Gegend fahren zu lassen. Aber die SBB sind auch Immobilienbesitzer und -vermieter, Bauunternehmer und Werbetreibender.

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Die sind auch noch stolz drauf!

Und deswegen habe ich ein Problem mit diesem Unternehmen, das mir grundsätzlich eigentlich sehr sympathisch ist. Die Werbung im öffentlichen Raum ist bekanntlich eines meiner Lieblings-Aufregerthemen. Aus Prinzip, denn Werbung ist eine Kommunikation, um die man nicht gebeten hat und die einem aufgenötigt wird. Es kann sein, dass sie einen interessiert. Aber in vielen Fällen muss man einen mentalen Verarbeitungs- und Verdrängungsaufwand für eine Botschaft betreiben, die völlig irrelevant ist. Wie viele Plakate für grottenhässliche SUV-Monstrositäten einer rückständigen Branche sehe ich täglich, die mit einem riesigen Aufwand ihre schon bald obsoleten Produkte in den Markt drücken wollen? Ich weiss es nicht, aber schon ein solches Plakat ist eines zuviel. Es braucht in jedem Fall einen kleinen Energieaufwand, um den Vandalismusimpuls zu unterdrücken. Denn ich würde sehr gerne etwas in der Art wie «Wer dieses Auto kauft, hat einen kleinen Penis» aufs Plakat schreiben wollen.

Werbung ist IMHO ein überholtes Ding und sollte mittelfristig abgelöst werden. Aber sie ist nicht überall gleich schlimm. „Muss das sein, SBB?“ weiterlesen

Verlags-Idioten

Ein Ärgernis der digitalen Welt sind die Geoblockaden. Bei Ebooks und Hörbüchern existiert es in einer speziellen Ausprägung. Im Beitrag Audible macht gar keine gute Figur habe ich beschrieben, wie man mir nicht erlaubt hat, die Harry Potter-Hörbücher in der von Stephen Fry gelesenen Fassung zu hören.

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Häh? (Bild: JD Hancock/Flickr.com, CC BY 2.0)

Diesem Problem bin ich wieder begegnet. Ich habe hier und hier die Krimireihe von Michael Ridpath erwähnt, in der Kommissar Magnus Jonson in Island Verbrechen aufklärt und seinem eigenen isländischen Erbe auf die Spur kommt.

Neulich ist mir eingefallen, nach weiteren Folgen dieser Reihe zu suchen. „Verlags-Idioten“ weiterlesen