John, fahr schon mal den DeLorean vor

«Geschichten aus der Geschichte» ist ein Podcast, der kreuz und quer durch die Mensch­heits­ge­schich­te hüpft und histo­rische Ereig­nisse erzählt, die wir längst nicht alle aus dem Schul­unter­richt kennen.

Es gibt einige Themenbereiche, für die sich das Medium Podcast offensichtlich besonders gut eignet. Das ist das Feld der wahren Verbrechen (True Crime), Gespräche frisch von der Leber weg und ohne Drehbuch (Laberpostcasts) und natürlich die Ur-Disziplin des Podcasts, die sehr vom Labern lebt, aber doch eine gewisse Zielrichtung aufweist: Das sind jene Sendungen, in denen die Nerds ihre Tech-Verliebtheit zelebrieren und mit unermüdlicher Ausdauer noch die kleinste Regung, die in Cupertino am Hauptsitz von Apple getätigt wird, analytisch zerlegen.

Ein weiteres Themenfeld, das wie gemacht ist für die Podcasts, ist die Menschheitsgeschichte. Sie hält einen unerschöpflichen Fundus an Geschichten bereit, die sich erzählen, analysieren und bewerten lassen:  „John, fahr schon mal den DeLorean vor“ weiterlesen

Damit Trump nicht so leicht davonkommt

Der Podcast «Will be wild» hat den Anspruch, den Sturm aufs Kapitol in Washing­ton aufzuar­beiten und die Hinter­gründe zu klären. Ich bin nicht überzeugt, ob er ihm gewach­sen ist. Aber hörens­wert ist er alle­mal.

Beitragsbild: Sie sind überall (Overall von Tyler Merbler/Flickr, CC BY 2.0).

Will be wild ist ein Podcast, der genauso unvermeidlich wie unverzichtbar ist. Er beschäftigt sich mit dem Sturm auf das Kapitol in Washington vom 6. Januar 2021 beschäftigt.

Dieses Ereignis hat damals viele erschreckt und erschüttert. Aber der Schock ist erstaunlich schnell verpufft. Vielleicht täusche ich mich, aber in meiner Wahrnehmung hat die Welt diesen Angriff achselzuckend ad-acta gelegt, nachdem Trumps zweites Amtsenthebungsverfahren ohne Amtsenthebung geendet war. Ob die Pandemie schuld war oder der Eindruck, dass letztlich «nichts Schlimmes» passiert ist, weiss ich nicht. Vielleicht hat auch die Abwahl Trumps dazu geführt, dass das Ereignis im kollektiven Bewusstsein nach hinten gerückt ist.

Aber auch wenn eine weitere politische Aufarbeitung an der Weigerung der Republikaner zu jeglicher Einsicht scheitert und die juristische Aufarbeitung und Verurteilung der Randalierer und Möchtegern-Putschisten weitergeht, so ist es wichtig, dass die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Ereignis weitergeht: „Damit Trump nicht so leicht davonkommt“ weiterlesen

Sieben Stunden Günther Jauch – am Stück

Im Podcast «Alles gesagt?» kann der Gast so lange sprechen, bis ihm nichts mehr einfällt oder vor Müdig­keit die Augen zuklappen. Ist das ein geniales Format – oder eines, das belegt, dass man nur wenigen Leuten bis zum Ende zuhören will?

Macht kürzere Podcasts, habe ich vor zehn Jahren gefordert. Damals waren die Laber-Formate en vogue, die auch vier oder fünf Stunden dauern konnten. Die Prämisse war, alles bis zum bitteren Ende auszudiskutieren – oder bis zu dem Punkt, wo das Bier oder die Konzentration endgültig alle war.

Nun bin ich es mir gewohnt, dass man nicht auf mich hört. Auch «Die Zeit» hat weder meine Expertise eingeholt noch (was noch einfacher gewesen wäre), meinen Blogpost gelesen. «Die Zeit» hat nämlich ein Format im Angebot, bei dem das, was ich als Not sehe, zur formgebenden Tugend erklärt wird. Will sagen: In diesem Podcast dauert ein Gespräch so lange, bis der Gast es für beendet erklärt. Dafür wird am Anfang eine Art Safeword vereinbart. Sobald das geäussert wird, kommt ohne eine weitere Floskel oder eine Verabschiedung der Abspann, und die Sache ist zu Ende.

Bevor ich mir die allererste Folge angehört habe, war ich hin- und hergerissen: „Sieben Stunden Günther Jauch – am Stück“ weiterlesen

Der Polit-Podcast für alle, die deutsch können

Der Podcast «Servus. Grüezi. Hallo.» von «Die Zeit» ist eine unter­halt­same und lehrreiche Drei­fach-Refle­xion der politi­schen Aktuali­täten­lage in Deut­schland, Öster­reich und der Schweiz – und er müsste vom Schweizer Radio SRF schamlos ab­ge­kupfert werden.

Den Podcast Servus. Grüezi. Hallo. (RSS, iTunes, Spotify) steht schon seit längerer Zeit auf meiner Rezensionsliste. Der Abwechslung wegen habe ich ihn vor mir hergeschoben. Denn letztes Jahr habe ich vier Podcasts aus dem gleichen Haus vorgestellt; und auch wenn die alle differierende Themen und unterschiedliche Tonalitäten haben, so sollen hier im Blog auch Vielfalt bei den Anbietern herrschen.

Also, dieser Podcast stammt von drei Redakteuren der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» und hat die Unterzeile «der transalpine Politikpodcast». Lenz Jacobsen aus Deutschland, Florian Gasser aus Österreich und Matthias Daum aus der Schweiz unterhalten sich über globale und nationale politische Ereignisse.

Was diese Konstellation spannend macht, sind zwei Dinge: „Der Polit-Podcast für alle, die deutsch können“ weiterlesen

Familie Lobo hat jetzt einen Podcast

In «Feel The News» besprechen Juliane und Sascha Lobo die Aktua­lität und den Umgang der sozialen und tra­ditio­nellen Medien mit der­sel­ben. Und ich überdenke – womöglich – meine Haltung, keine Podcasts von mit­einan­der verhei­rate­ten Pod­castern an­zu­hören.

Sascha Lobo ist der Mann, der mit Andreas Thiel eine Gemeinsamkeit hat – nämlich einen aufgereckten roter Kamm, den er an der Stelle trägt, wo sich beim durchschnittlich bünzligen Mann ein gepflegter Mittelscheitel befindet. Dass beide ein Bedürfnis haben, sich von der Masse abzuheben, ist äusserlich sichtbar.

Aber zum Glück tun die beiden das auf unterschiedliche Weise. Thiel vertritt libertäre Positionen, die meines Erachtens egoistisch und schädlich für die Gesellschaft sind. Lobo hingegen hat einen Sinn für die Gemeinschaft und hat oft kluge Gedanken zum Zusammenleben und auch zur fortschreitenden Digitalisierung: „Familie Lobo hat jetzt einen Podcast“ weiterlesen

Warum ich drauf und dran bin, mein Spotify-Abo zu künden

Ist Spotifys teurer Exklusiv-Podcast so schlimm, wie alle behaup­ten? Ich habe mir eine Folge von «The Joe Rogan Expe­rience» angehört. Eine so trauma­tisie­rende Erfah­rung, dass ich nicht sicher bin, ob ich noch länger Kunde bei diesem ignoranten Streaming­dienst sein mag.

Spotify hat mir in letzter Zeit mehrere Gelegenheit gegeben, mich herzhaft aufzuregen. An dieser Stelle geht es um das grosse Ärgernis: die Sache mit dem Podcast des Herrn Rogan, den sich der schwedische Streamingdienst für viel Geld einkauft, ohne sich vorher zu überlegen, welche Probleme das verursachen könnte. Ich habe mir eine Folge angehört, was um ein Haar mit der Kündigung meines Streaming-Abos geendet hätte. Ich habe es nicht getan – zumindest vorerst nicht.

Für Leute, die mit der Materie nicht vertraut sind: Joe Rogan wird als Comedian gehandelt, kennt sich gemäss Wikipedia mit Kampfsportarten aus und hat im US-Fernsehen Karriere gemacht. Im Mai 2020 hat er einen exklusiven Deal mit Spotify abgeschlossen und dafür einen hoch dotierten Vertrag erhalten. Damals war von hundert Millionen US-Dollar die Rede gewesen. Mitte Februar konnte man in der «New York Times» lesen, dass es wohl eher zweihundert Millionen gewesen sind.

Ist der Mann das Geld wert? „Warum ich drauf und dran bin, mein Spotify-Abo zu künden“ weiterlesen

Hey, wir sind keine Newsroboter

Ich komme nicht umhin, völlig freiwillig und ohne jegliche Anordnung von oben ein Produkt meines Arbeitgebers zu empfehlen. Nämlich den Apropos-Podcast der Tamedia.

Ich habe mit mir gehadert, ob ich den heutigen Blogpost schreiben soll. Denn es soll darin um einen Podcast gehen, der von meinem Arbeitgeber stammt und in dem ich auch schon einen Auftritt hatte (Warum Facebook uns gerade jetzt eine neue virtuelle Welt verspricht). Die Gefahr ist unvermeidlich, dass meine Empfehlung als parteiisch erscheint. Dieser Gefahr setze ich mich nicht gerne aus, denn dieses Blog hier soll weiterhin als unabhängig wahrgenommen werden – weil es das schliesslich auch ist.

Vielleicht bin ich auch übervorsichtig. Man ist nicht automatisch ein PR-Instrument, wenn man nicht wenigstens ein paar der Produkte seines Arbeitgebers gut finden würde. Nein, wenn man an ihnen überhaupt keinen Gefallen findet, sollte man schnellstens den Job wechseln. Der Ausschlag gegeben hat für mich, dass ich den Podcast nicht nur theoretisch eine vielversprechende Idee finde, sondern ihn seit einiger Zeit regelmässig höre, und zwar nicht aus Pflichtbewusstsein, sondern, weil ich ihn spannend und aufschlussreich finde.

Also, nach dieser wohlabgewogenen Erklärung sei gesagt, wenden wir uns dem Thema zu: „Hey, wir sind keine Newsroboter“ weiterlesen

Wie geile Väter in den 1990ern die Telefonrechnung in die Höhe trieben

Der «Operator»-Podcasts schildert Aufstieg und Fall des Telefonsex-Geschäfts in den USA. Er tut das erfrischend vorurteilsfrei und mit viel Sympathie für die Frauen, die sich am anderen Ende der Leitung all den Kram anhören mussten.

Es gibt kulturelle Errungenschaften, die fast so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Um eine davon geht es heute – und ich muss mit einem gewissen Bedauern vermelden, dass ich seinerzeit nie die Gelegenheit wahrgenommen habe, sie auszuprobieren. Einerseits aus Gründen des Geizes, andererseits, weil es mir hochnotpeinlich gewesen wäre.

Die kulturelle Errungenschaft, von der die Rede ist, heisst Telefonsex. Sie wurde, natürlich, in den USA erfunden und auf ihrem Höhepunkt von der Pornografie im Internet verdrängt – wobei ich nicht ausschliessen will, dass es noch einige Nischenanbieter gibt.

Aus Sicht der Konsumenten ist diese Entwicklung ein Vorteil: „Wie geile Väter in den 1990ern die Telefonrechnung in die Höhe trieben“ weiterlesen

Wahre Weisskragen-Verbrechen

Die «Süddeutsche Zeitung» hat den Wirecard-Skandal als Podcast aufgearbeitet. Die zentrale Frage in «1,9 Milliarden Lügen» lautet: Haben wir es mit einem Wirtschaftskrimi oder mit einem Spionagethriller zu tun?

Wirecard: 1,9 Milliarden Lügen heisst die Podcastreihe der «Süddeutschen Zeitung» mit acht Folgen, die von Mitte April bis in den Juni veröffentlicht wurden und die die als «grösster deutscher Bilanzskandal» titulierte Affäre aufarbeitet. Als «Spotify Original» ist diese Produktion leider nur beim Streaminganbieter zu hören. Aber spannend ist es allemal.

Je nach Wechselkurs können es noch ein paar Tausend mehr oder weniger sein.

Gastgeberin der Reihe ist die Audio- und Video-Redaktorin Laura Terberl, die im Vergleich zu der überdrehten Art des «Cui Bono»-Podcasts (Hat Ken Jebsen diesen Podcast verdient?) etwas spröde wirkt, der man nach kurzer Eingewöhnungszeit gerne zuhört – und deren nüchterner Präsentationsstil ohne Zweifel besser zu der seriösen «Süddeutschen Zeitung» passt als der Habitus eines medialen Newcomers, der es der ganzen Welt zeigen will, wie das der Antrieb des Podcast-Startups war, das hinter der besagten Produktion über Ken Jebsen steht.

Doch natürlich schlagen einen auch langsamer getaktete Erzählungen in den Bann, wenn sie eine schillernde Hauptfigur wie Jan Marsalek haben, der in der Folge zwei dem etwas trockenen Vorstandsvorsitzendern Markus Braun gegenübergestellt wird, der offenbar einige Wissenslücken zu den Vorgängen in seinem Unternehmen aufwies.

Die Podcast-Reihe ist, so könnte man sagen, didaktisch aufgebaut: „Wahre Weisskragen-Verbrechen“ weiterlesen

Der grösste gemeinsame Nenner des helvetischen Kulturschaffens

Damit der Anteil der einheimischen Produktionen irgendwann doch noch die vom Bundesrat festgelegte Quote erfüllt, erfolgt heute die Besprechung eines Podcasts, wie er schweizerischer kaum sein könnte: dem Giacobbodcast.

Das einheimische Schaffen kam bei meinen Podcast-Besprechungen bislang kaum zum Zug. Kafi Freitag, einige SRF-Podcasts (hier und hier) – und das war es auch schon. Doch es ist Besserung in Sicht: Heute gesellt sich eine längst überfällige Nennung hinzu.

Die drei gelben Quadrate stehen wahrscheinlich für die vier Landesteile.

Es handelt sich um den Giacobbodcast, der schon im Titel verrät, wer die Hauptfigur ist: Viktor Giacobbo, mit dem mich die weltbewegende Gemeinsamkeit verbindet, dass wir beide in Winterthur wohnen.

Darüber hinaus sind wir beide Moderatoren, wobei er dieses Geschäft allerdings um eine Nuance erfolgreicher betreibt als ich. Und mit dieser Erkenntnis nähern wir uns so langsam dem wichtigsten Unterschied an: Er ist nämlich, anders als ich, tatsächlich witzig. „Der grösste gemeinsame Nenner des helvetischen Kulturschaffens“ weiterlesen