Ein Tee für George R.R. Martin

Ob George R.R. Martin Tee trinkt? Dieses Youtube-Video hier legt nahe, dass er es tut. Und in seiner berühmten Buchreihe gibt es den ominösen Moon Tea. Doch kann man den als Beleg für die persönlichen Vorlieben des Autors nehmen? Aus zwei Gründen nicht, vermute ich:

Erstens würde man den Moon Tea nicht zum Spass trinken wollen. Er wirkt verhütend. Und, wenn man schon empfangen hat, abtreibend. Das ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, weil beim Tee die Grenzen zwischen Erfrischungsgetränk und Therapeutikum fliessend sind.

Zweitens ist es so, dass dieser These die Annahme zugrunde liegt, in «A Song of Ice and Fire» seien die persönlichen Vorlieben und Abneigungen des Autors eingeflossen. Und mit der gelangt man unweigerlich in Teufels Küche. „Ein Tee für George R.R. Martin“ weiterlesen

Der Denglisch-Tee für süsse Träume

Der Teeologe ist zurück. Mit einem Tee, der bei seinem Namen keinen esoterischen Schabernack betreibt, sondern die Funktion umreisst. Er heisst Good Night Tea, was keinen allzu grossen Raum für Anwendungsfehler lässt: Man trinkt ihn vor dem Zubettgehen als flüssiges Bettmümpfeli. Es erleichtert womöglich das Einschlafen und beschert im Idealfall schöne Träume. Und wenn nicht, dann wars trotzdem die bessere Wahl als der Zubettgeh-Schnaps.

Jedenfalls ist eines klar: Wenn einer ihn zum Frühstück nimmt und infolgedessen im Büro schläft, bis er von den Kollegen fürs Mittagessen geweckt wird, dann ist er ein bisschen selber schuld. Oder er kann kein Englisch. Warum man ihn nicht einfach in Deutsch mit Gute-Nacht-Tee angeschrieben hat, erschliesst sich mir nicht. Ist es noch immer so, dass alles, was in Englisch beschriftet ist, doppelt so cool sein muss?

Wenn man sieht, wie unsere Detailhändler, namentlich Migros und Coop, mit Anglizismen um sich werfen, muss man es vermuten. Je banaler das Prodüktlein, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass irgend eine komische Namenskreation stolz auf der Verpackung prangt, die aus einem wirren Sprachmix aus Deutsch und Englisch besteht. „Der Denglisch-Tee für süsse Träume“ weiterlesen

Was Scharfes für die Kehle

Juhuu, der Teeologe ist zurück! Mit zwei Tees, die sich dadurch auszeichnen, dass sie nicht gefällig die Kehle herunterrinnen, sondern leichte Irritation auslösen. Hoppla, scharf! Das hätte man bei beiden nicht gedacht – beim einen noch etwas weniger als beim anderen.

Der eine heisst Daily Boost, stammt vom Lipton (Amazon Affiliate) und macht einen leicht hipsterigen Eindruck. Offenbar hat auch dieses Unternehmen das unternehmerische Heil in der Produktdiversifikation entdeckt. (Kein Wunder, Lipton gehört inzwischen ja auch zu einem dieser Lebensmittelgiganten, nämlich zu Unilever.) Earl Grey ist zwar nach wie vor ein unbestrittener Klassiker, ebenso wie das Fehlen von Mischbatterien bei vereintkönigreichlichen Lavabos. Doch der junge Mensch wird wahrscheinlich nicht mehr unbedingt diesem schwarzen Tee frönen, der unter uns gesagt auch etwas langweilig schmeckt. Ich werde ihn trinken, wenn ich mal bei der Queen zu Gast bin. (Oder bei Meghan und Harry.) Aber sonst kann ich auch ganz gut ohne.

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Dass die Matterhorn-Beutel einzeln in Zelophan verpackt sind, scheint mir überflüssig. Ich hätte dafür lieber Pyramidenbeutel.

Es handelt sich beim Daily Boost um einen Grüntee, der zu meinen bevorzugten Teesorten gehört und der eine Produktdiversivikations-Steilvorlage darstellt: Man kann offenbar fast alles untermengen: Kräuter, Früchte, Vanille. Und alles, was einen exotischen Namen hat und ansonsten schwer verkäuflich ist. Vermischt man es mit Grüntee und packt es in eine fancy Schachtel, dann wird es auch gekauft. Ich glaube, das würde sogar mit gerösteten Katzenpfötchen und gehäckselten Fussnägeln von Lady Di funktionieren.

… wobei, Katzenpfötchen gibt es anscheinend tatsächlich in Tees. Es gibt nämlich eine Heilpflanze dieses Namens, sodass man kein perverser Tierquäler mit absurden Teefantasien sein muss, um die zu verwenden. Obs schmeckt, weiss ich allerdings nicht.

Also, die Schärfe im Daily Boost stammt (nicht überraschend) von Ingwer. „Was Scharfes für die Kehle“ weiterlesen

In your head, zombie

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Der Teeologe hat lange geschwiegen. Was daran liegt, dass er in der letzten Zeit nicht zu ausgiebigen Teezeremonien gekommen ist. Aber immerhin, heute gibt es wieder eine Verkostung. Und zwar des Cranberry-Tees aus Müllers Teestube. Erhältlich in dem Laden der Müller heisst, obwohl er nicht Mehl herstellt, sondern Drogerieprodukte verkauft.

Cranberries, oder, wie sie in Deutsch heissen würden, Moosbeeren, sind als Saft weit verbreitet und werden vom Teeologen in dieser Form auch gern getrunken. (Ohne dass er sich deswegen aber Saftologe nennen würde.) „In your head, zombie“ weiterlesen

Lieber Matcha als Macho

Für die Überschrift entschuldige ich mich in aller Form. Ein so billiger Kalauer ist eines Teeologen nicht würdig.

Aber vielleicht freut ihr euch über meine Tee-Empfehlung. Es handelt sich um ein Produkt, das von seinem Hersteller als «Wohlfühltee» bezeichnet wird und bei mir damit die Frage aufwirft, ob nicht jeder Tee in irgend einer Form zum Wohlfühlen beitragen müsste. Man könnte jetzt natürlich als Gegenargument den Abführtee anführen. Allerdings sollte es auch bei dem so sein, dass man sich zumindest mittelbar wieder besser fühlt. So eine Verstopfung ist schliesslich keine angenehme Sache.

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Was Quinoa beim Slowfood ist Matcha unter den Heissgetränken. Hier die Variante, bei der faule Leute wie ich auf Besen und Bambuslöffel verzichten können.

Die Nomenklatur rund um die Tees und die Fantasieergüsse ihrer Vermarkter zu hinterfragen, ist aber müssig. Tees muss man an ihren inneren Werten messen und nicht am Geschwurbel auf der Verpackung. Dieser Tee hier ist bei mir zum Verzehr am Morgen vorgesehen. Da steht bei mir bekanntlich meistens Grüntee auf dem Tisch, gelegentlich auch ein weisser Tee, zum Beispiel der von Lipton.
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Ein Tee, der Charakter beweist

Für meine teeologische Horizonterweiterung – und genauso für meinen täglichen Konsum – suche ich nach den aussergewöhnlichen, speziellen Tees. Geschmacksrichtungen abseits der Klassiker Grün, Schwarz, Kamille und Pfefferminz, Rooibos, Lindenblüte und Hagebutte.

Der Olivenblättertee passt hervorragend in diese Kategorie, auch wenn Wikipedia verkündet, in den Ländern des Mittelmeerraums habe er lange Tradition. Ich jedenfalls bin erst vor Kurzem auf ihn gestossen. Er passt aber sehr gut in die anderen hier vorgestellten Tees mit dem mediterranen Flair: Das sind der Oregano-Tee und der griechische Bergtee.

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Etwas bitter. Leicht scharf. Und gut für die Konzentration.
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Der Tee für zugige Berghütten

Über die Unsitte, Tee mit mystisch, esoterisch oder übersinnlich angehauchten Namen auszustatten, habe ich mich ja auch schon ausgelassen. Zu dieser Marotte neigt auch das Unternehmen Narimpex, das auf seiner Website nichts weiter über sich preisgibt, als dass es sich um einen Familienbetrieb handelt. Da gibt es den «traumhaften Kräuterabend», das «Alpenfeuer» und den «Alpenglanz», sowie den «taufrischen Kräutermorgen». Was vergleichsweise harmlos ist. Der Spiegel hat im Beitrag Schwer geteebeutelt einige Müsterchen auf Lager:

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Ein Beutelchen wie ein Berg…

Als ich neulich bei Freunden auf dem Sofa Platz genommen hatte, bot man mir Tee an. «Wir haben ‹Mutquelle›, ‹Lebensfreude› und ‹Fühl Dich stark›», sagte die Gastgeberin.

Worauf sich der Autor, Tom König, verzweifelt fragt:
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Ein Tee für echte Kerle

Der Machismo im Titel mag für viele im Zusammenhang mit einem Tee deplatziert oder gar lächerlich wirken. Tee trinken die Esoteriker und die Gutmenschen, während die Charles Bronsons und Bruce Willises Hochprozentiges oder zumindest Gebräu aus Gerste und Hopfen in sich hineingluckern lassen.

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Der Retsina unter den Tees.

… aber das ist natürlich nur ein dumpfes Vorurteil. Denn gerade beim Tee gibt es die herben Noten, die man durch entsprechende Dosierung und lange Ziehzeiten sosehr steigern kann, dass der Genuss des fertigen Getränks eine ähnliche maskuline Mutprobe darstellt wie der Verzehr von Chilischoten oder das Niedermähen von kommunistischen Unterhunden. Oder was man als Mann im zerrissenen Unterhemd heute so tut.

Der Tee, den ich in diesem Kontext empfehle, ist der Oregano-Tee von Adam herbs. „Ein Tee für echte Kerle“ weiterlesen

Treibstoff für Nerds

Nachdem das Szenegetränk überhaupt – wenn man denn bei uns Nerds von einer Szene sprechen kann – in mehreren Winterthurer Lokalen aufgetaucht ist, komme ich nicht umhin, es hier zu besprechen. Es handelt sich um die famose Club Mate, die man sich im Kafisatz oder beim Portier zu Gemüte führen oder via clubmate.ch ordern kann.

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In Winterthur angekommen – und trotzdem immer noch cool!

Ich mache es (untypischerweise) kurz: „Treibstoff für Nerds“ weiterlesen

Der Breakfast-Tea für Nichtengländer

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Diese Inselbewohner da oben haben viele seltsame Gewohnheiten. Eine davon ist, sich Schwarztee zum Frühstück zu genehmigen. Ich halte Schwarztee generell für massiv überbewertet. Er ist bitter – aber nicht auf die gute Art. Geschmacklich ansonsten keine Erleuchtung, und überhaupt: Wenn man erst Milch hineinschütten muss, um ihn trinkbar zu machen, dann ist generell etwas amiss. (Milch ist nur beim Chai latte okay!)

Entsprechend ist es die feste Überzeugung dieses Blogs und seines Autors, dass man den English breakfast tea zusammen mit der Queen abschaffen sollte. Und wie wäre es, wenn sich Britannien dafür den Luxus einer richtigen Verfassung gönnen würde?! Was das Frühstück angeht, sollte die kodifizierte Tradition Kräutertee oder so etwas wie Minztee beinhalten. Oder Grüntee.
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