Ein Tee für George R.R. Martin

Ob George R.R. Martin Tee trinkt? Dieses Youtube-Video hier legt nahe, dass er es tut. Und in seiner berühmten Buchreihe gibt es den ominösen Moon Tea. Doch kann man den als Beleg für die persönlichen Vorlieben des Autors nehmen? Aus zwei Gründen nicht, vermute ich:

Erstens würde man den Moon Tea nicht zum Spass trinken wollen. Er wirkt verhütend. Und, wenn man schon empfangen hat, abtreibend. Das ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, weil beim Tee die Grenzen zwischen Erfrischungsgetränk und Therapeutikum fliessend sind.

Zweitens ist es so, dass dieser These die Annahme zugrunde liegt, in «A Song of Ice and Fire» seien die persönlichen Vorlieben und Abneigungen des Autors eingeflossen. Und mit der gelangt man unweigerlich in Teufels Küche. Denn es gibt in dem Buch derartig viele literarische Schöpfungen, dass man sich fragt, wie ein derartig vielseitig orientierter Mann überhaupt noch zum Schreiben kommt. (Falls er denn zum Schreiben kommt – in den letzten Jahren wars leider eher nicht der Fall.)

Und viele der literarischen Schöpfungen sind so abartig, dass man George R.R Martin nicht unbedingt im Dunkeln begegnen möchte. Nicht als Wildfremder. Und schon gar nicht, wenn man sein Bruder oder seine Schwester ist.

Egal. Es soll in diesem Beitrag nicht um die Trinkgewohnheiten dieses Fantasten gehen – sondern um das Fantastische des besagten Trunks.

Darum zuerst einmal zurück zum Moon Tea: Wenn man googelt, dann stösst man auf Belege dafür, dass er Vorbilder in der realen Welt hat. Es muss also nicht so sein, dass George R.R. Martin einen Groll hegt, der ihn dazu brachte, diesem Getränk eine so dramatische Fähigkeit zuzuschreiben. Denn die Mayas haben offenbar so etwas Ähnliches genutzt.

Und unbestritten ist, dass man selbst als leidenschaftlicher Teetrinker vom  Moon Coffee Abstand genommen hätte. Erstens, weil man nicht verklagt werden will. Es gibt nämlich nicht nur Kaffeehäuser, sondern auch Kaffeeröstereien, die den Mond im Namen tragen. Und zweitens, weil es albern klingt.

Der Tee, um den es heute in der teeologischen Bresprechung geht, erfüllt meines Wissens keine familienplanerische Funktion. Aber er gibt sich ein fantastisch angehauchtes Image, als ob man Mythologie auch oral und sensorisch konsumieren könnte.

Auf der Schachtel hat es ein Muster, das eine grün gefärbte, biologische Variante des Iron Throne sein könnte. Und er liefert «Energie für müde Krieger». So steht es zumindest hinten auf der Schachtel. Und so geht dieses Versprechen weiter:

Superheldin und Superheld, aufgewacht! Smaragdgrünes, feinstes Matcha-Pulver gibt im Nu neue Power, fein abgemischt mit fair gehandelten Grüntees höchster Güteklasse. Sencha, indischer Indisch Grüntee und vietnamesischer Pin Ho Wild Jade. Willkommen in einer magisch-neuen Teewelt.

Naja, den Literaturnobelpreis gibt es dafür nicht. Sondern eher eine Watsche von George R.R. Denn erstens irritiert das Durcheinander an literarischen Motiven. Geht es nun um Superhelden oder um Fantasy? Natürlich sind die Genres verwandt. Aber beim einen denkt man an Superman und Batman und an Figuren, die in einer überzeichneten Variante unserer Welt zu Hause sind. Bei einer smaragdgrünen magischen Welt hingegen eher an die unbekannten Gebiete westlich von Westeros.

Aber egal – Werbe- und Verpackungstext-Texter sind bekannt dafür, dass sie Metaphern und Wörter durch den Häcksler drehen, selbst wenn es nicht um die Bewerbung eines Produkts zur Verkleinern von Astwerk, Baum- und Heckenschnitt geht.

Aber zum Glück tut das dem Tee selbst keinen Abbruch. Der Pukka Matcha Green ist im Moment mein bevorzugter Morgentee. Zum Superhelden bin ich deshalb noch nicht geworden und auch der müde Krieger in mir ist noch nicht zur hochenergetischen Kampfmaschine mutiert. Doch er belebt und hilft mir, auch ohne Kaffee in die Gänge zu kommen. Und das ist doch auch schon was.

Angeblich schmeckt man nebst dem Grüntee auch Zitrone und Löwenzahn heraus. Das geht mir nicht so. Gemäss meiner Zunge dominiert der Matcha-Geschmack. Und der ist herb und leicht bitter. Nicht gerade gefällig, sondern ein bisschen aufdringlich – aber nicht sosehr, dass es stören würde. Und gut geeignet, um einen vom Bett-Modus in den Werktätigen-Modus zu versetzen.

Der grösste Nachteil ist, dass man ihn nicht zu lange ziehen lassen sollte – so, wie ich es oft tue. Sechs bis sieben statt der drei bis fünf empfohlenen Minuten ist noch akzeptabel. Aber jenseits der Zehn-Minuten-Grenze dürfte er sich geschmacklich nicht mehr gross vom Moon Tea unterscheiden…

Fazit: Selbst wenn George R.R. Martin diesen Tee trinken würde, hätte er wahrscheinlich keinen nachhaltigen Effekt auf sein schriftstellerisches Werk gehabt – ausser vielleicht, dass er morgens früher in die Gänge gekommen wäre und The Winds of Winter wahrscheinlich schon fertig wäre.

Es gibt den Tee für 6.95 Franken bei Coop at Home.

Autor: Matthias

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