Maus schlägt Touch

Ein nüchterner Blick auf die Maus- und Trackpad-Unterstützung am iPad: Wie funktioniert – und was bringt sie?

Ihr wisst es ja: Ich bin der dezidierten Meinung, dass das iPad einem ganz normalen Laptop oder Desktop-Computer nicht das Wasser reichen kann – egal, wie leistungsfähig die Hardware auch ist und wie viel Mühe sich Apple auch gibt, uns vom Gegenteil zu überzeugen.

Dennoch war ich bespannt auf iPadOS 13.4. Das wurde am 24. März 2020 veröffentlicht und hat nebst einigen Sicherheitsverbesserungen vor allem den Sinn und Zweck, die Steuerung per Maus und Trackpad zu verbessern. Es gab schon seit einer Hauptversion rudimentären Support für diese Steuerungsgeräte – doch jetzt sind sie nicht mehr nur für behinderte Nutzer gedacht, sondern für die breite Nutzerschaft.

Und klar – mir lag Spott auf der Zunge. So ähnlich, wie ich im Pro und Kontra mit Rafael Zeier geätzt hatte: «Apple erfindet das Rad neu – und in Fan-Kreisen Neuerungen bejubelt werden, die es beim Personal Computer seit 30 Jahren gibt.»

Aber dann fand ich es nicht sonderlich originell, noch einmal darauf herumzureiten. Stattdessen habe ich mich daran gemacht, diese Mausunterstützung möglichst vorurteilslos zu testen und mich ernsthaft zu fragen, ob sie eine echte Verbesserung oder aber eine seltsame «Kontamination» der reinen iPad-Lehre darstellt. Oder anders gefragt: Braucht es das – eine Maus am iPad?

Die Antwort war für mich als Skeptiker ein bisschen überraschend: Ich finde den Maussupport erstaunlich nützlich. Klar, das hat damit zu tun, dass ich selbst lieber per Maus und auch per Trackpad arbeite und mich mit der reinen Touch-Steuerung beschränkt fühle. Aber es bringt auch den eingefleischten Tablet-Streichlern etwas: Denn längere Arbeitseinsätze sind am entspannendsten, wenn man das Gerät nicht ständig anfassen muss, sondern die Hand entspannt auf der Tastatur und der Maus liegen hat.

Die Mausunterstützung selbst funktioniert ganz gut. Mir gefällt hervorragend, dass sich der Mauszeiger dem Kontext anpasst. Er zeigt sich normalerweise als Punkt, wenn man zum Beispiel in Safari einen Link anklicken kann. Er verändert sich zu einer vertikalen Linie, wenn man Text markieren könnte. Das ist eine sinnvolle Weiterentwicklung des normalen Cursors bzw. Mauszeigers, die ich auch ganz gerne bei Windows und Mac sehen würde.

Es gibt auch noch einiges an Verbesserungspotenzial: Die Interaktion mit dem Homescreen lässt noch zu wünschen übrig und bei Aktionen, die man typischerweise mit Touchgesten erledigt hat, fühlt man sich als Mausanwender hilflos. Und auch längst nicht alle Apps unterstützen die Maus und das Trackpad. Aber ich rechne damit, dass das sich bald bessert.

Also, hier das Video zur Maus- und Trackpadsteuerung, das auch erklärt, wie man seine Maus überhaupt in Betrieb nimmt – diesbezüglich war ich angenehm überrascht, dass auch meine knapp fünfjährige Microsoft-Maus problemlos mit dem iPad Pro kooperiert hat. (Allerdings belegt sie den USB-C-Port, an dem ich den Adapter für die drahtlose Kommunikation angehängt habe. Ein Bluetooth-Maus ist da pflegeleichter.)


So wird das iPad richtig produktiv

Fazit: Ein Fortschritt fürs iPad und eine grosse Genugtuung für uns überzeugte Mausanwender. Und eine Herausforderung für Apple – denn die Frage, wie sich Tablet und Desktop-Computer bzw. iPad OS und Mac OS künftig ausdifferenzieren sollten, wo sich die beiden Systeme nun noch näher gekommen sind, wird nicht einfacher. Vielleicht läuft es doch auf ein fusioniertes System mit unterschiedlichen Steuerungsmodi hinaus…

Beitragsbild: Rica Naypa, Unsplash-Lizenz

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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