Bitter wie Orange und Grüntee, belebend wie Kaffee

Der Teeologe ist zurück! Er bespricht einen Tee, den er wort­wört­lich in Hek­to­liter-Quan­titä­ten ver­zehrt hat und den er des Mor­gens seiner bele­ben­den Wirkung wegen schätzen ge­lernt hat.

Der Teeologe hat sich lange in Schweigen gehüllt. Welche Gründe dazu geführt haben, bleibt an dieser Stelle der Spekulation der Leserschaft überlassen. Erlahmendes Interesse an exotischen und überraschenden Kräutern und deren Heisswasser-Inkarnation ist es jedenfalls nicht. Aber wer vermutet, dass es an der Zeit und der Musse liegt, die für eine richtige Aufguss-Zeremonie notwendig ist, der liegt nicht völlig falsch.

Auch an dieser Stelle hat er leider keine Entdeckung zu bieten, die den Connaisseur mit der Zunge schnalzen und den teeophilen Weltenbummler zum Geständnis nötigen würde, dass er derlei noch nie getrunken hat. Im Gegenteil: Es geht um ein Alltagsprodukt, das sich weder durch eine besondere Geschmacksexplosion noch durch ausgefallene Ingredienzien auszeichnen würde. Dennoch dreht sich dieser Bericht hier nicht um eine reine Banalität, sondern um einen Tee, der sich über Jahre bewährt hat.

191 Liter Tee

Beachtlich, was während eines Jahres für Mengen zusammenkommen.

Es ist sogar so, dass das hier geäusserte Urteil nicht auf ein, zwei Verköstigungen basiert, sondern wortwörtlich auf dem Konsum im Hektoliter-Bereich. Der Teeologe protokolliert den Verzehr flüssiger Substanzen nämlich in einer App (Wasser statt Wein predigen (und trinken)), in der bei jeder Getränkeart die Menge ersichtlich ist. Und was den Tee angeht, so bescheinigt sie den Genuss von 191 Litern Tee im letzten Jahr. Da der fragliche Tee über den Daumen gepeilt einen Anteil von zwei Dritteln in Anspruch nehmen darf, ergibt sich eine verköstigte Menge von 1,27 Hektolitern. Was allein einen Bericht wert ist.

Also, es handelt sich beim fraglichen Produkt um einen aromatisierten Grüntee von Tetley, dem Orange und Guarana beigemengt worden ist. Orange und Grüntee harmonieren gut, weil erstere letzterem einen gewissen Boden gibt und sich zwei Arten der Bitterkeit mischen.

Der Sinn und Zweck von Guaraná im Tee dürfte der geneigten Leserschaft bekannt sein: Die Pflanze enthält Koffein und zwar in beträchtlichen Mengen. Hier heisst es, die Früchte würden «als die stärkste natürlich vorkommende Koffeinquelle (vier bis acht Prozent) gelten und etwa dreimal soviel Koffein wie eine Kaffeebohne» enthalten.

Aufs Koffein kommt es an

An dieser Stelle dürfte sich der Anwendungsbereich dieses Tees ohne viele weitere Worte erschliessen. Er ist ein Kaffee-Ersatz, den der Teeologe bevorzugt des Morgens und während der Arbeit trinkt, weil er anregt, stimuliert und Müdigkeit vertreibt. Das ist der Hauptzweck; dass die Orange das hinlänglich bekannte Grünteearoma variiert, ist ein netter Nebeneffekt.

Dieser Tee ist für 3.20 Franken bei der Migros erhältlich. Wer es noch exquisiter mag, der könnte es mit dem Lovely Morning probieren. Er enthält nebst Grüntee Mate, Orange, Zitrone, Grapefruit und Guarana, schlägt allerdings mit 16,40 Euro für hundert Gramm zu Buche. Und wer in den Verdacht eines Haudegens (allenfalls auch eines Perverslings) geraten möchte und die Unterstellung verkraften kann, vom teeologischen Glauben abgefallen zu sein, der findet hier einen Kakao mit Orange, Guarana und Matcha. Wohl bekomms!

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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