Wasser statt Wein predigen (und trinken)

Hm. Wenn ich euch an dieser Stelle mit guten Vorsätzen komme – wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr dankend ablehnt und euch von diesem Beitrag hier abwendet? Ich würde schätzen: Zwischen 97,8 und 99,5 Prozent. Aber diese «guten Vorsätze» klingen auch unglaublich pompös und ambitioniert: Da will einer sein Leben umkrempeln, neue Tugenden zum Aufblühen bringen und ein besserer Mensch werden. Und sehr wahrscheinlich tut er das nicht nur für sich selbst – nein, die ganze Welt soll daran teilhaben. Und ihm möglicherweise nachfolgen.

Aber keine Angst: Ihr dürft weiterlesen. Ich habe nicht vor, euch zu bekehren. Und die Sache selbst ist auch kein grosses Ding: Ich habe mir nämlich etwas wahnsinnig Banales vorgenommen.

Es geht darum, regelmässig genügend zu trinken. Denn wenn man dem Internet glauben darf, ist das unglaublich wichtig. Google spukt zum Thema unglaubliche Mengen an Links aus. Auch auf Websites, bei denen man es nicht unbedingt erwarten würde. Hier zum Beispiel predigt ein Experte für Möbel (sic!) Wasser statt Wein.

Ja – wenn nun mein Hausarzt oder meine Mutter mir diesen Ratschlag gegeben hätten, wäre ich misstrauisch geworden. Die haben schliesslich nur mein Wohlbefinden im Sinn. Und das wirft die Frage auf, ob man den Empfehlungen der Leute glauben schenken darf, die nur unser Bestes wollen. Da besteht die Gefahr, dass die wollen, dass man sich viel tugendhafter aufführt, als es nötig wäre. Doch einer, der sich mit Mobiliar für Arbeitsräume beschäftigt, hat – weil ich nur sehr selten Büromöbel kaufe – wohl kaum ein gesteigertes Interesse an meiner Gesundheit. Darum muss sein Tipp verlässlich sein.

Also, ich habe mir vorgenommen, mehr zu trinken. Ich gehöre nämlich zu der Sorte Mensch, die manchmal sogar das Essen vergisst. Wenn konzentriertes Arbeiten angesagt ist, dann ist die körperliche Versorgung nachrangig.

Wenn die Nahrungszufuhr auf der Strecke bleibt, ist das nicht so schlimm. Aber wenn man einen ganzen Tag lang fast gar keine Flüssigkeit zu sich nimmt, dann kann das tatsächlich unmittelbar unangenehme Auswirkungen haben.

Es ist zwar nicht so, wie das Internet einem glauben machen will – nämlich, dass man augenblicklich tot umfällt, wenn man nicht täglich mindestens einen halben Hektoliter Flüssigkeit (Achtung: Kein Bier!) durch seinen Körper leitet. Aber es kann halt gewisse Gebrechen zur Folge haben. Bei mir fängt typischerweise der Magen an zu spinnen.

Auf eine Anfrage per Twitter wurden mir mehrere Dinge vorgeschlagen: Ein Shortcut für Apple Health, diese Flasche hier. Oder ein pragmatischer Ansatz:

Der Mann hat eigentlich recht. Und einer hat auch einfach nur gespottet – wie ich das bei oberflächlicher Betrachtung der Angelegenheit vielleicht auch getan hätte:

Und ja: Genau dafür brauche ich jetzt eine App. Ich arbeite an verschiedenen Orten, bin gelegentlich unterwegs, trinke nicht nur aus einer Flasche und ein Getränk, sondern mal Tee, mal Wasser und, wenn ich ganz hipsterig aufgelegt bin, womöglich sogar einen Smoothie (😲). Und ich will nicht Speicherkapazität meines Hirns dafür verwenden mir zu merken, wann ich bereits was getrunken habe.

Darum bin ich dieser Empfehlung gefolgt und habe mir die App Water Minder besorgt. Die gibt es fürs iPhone und für Android. Sie ist mit 5 Franken nicht gerade günstig. Aber wie hier im Blog immer mal wieder geschrieben: Wenn eine App eine Aufgabe – selbst eine simple – gut erfüllt, darf sie auch ein bisschen etwas kosten.

Und das tut Water Minder. Sie errechnet die Wassermenge, die man sinnvollerweise trinken sollte. Bei mir sind das 1893 Milliliter. Wie genau sie auf diese Menge kommt, ist ihr Geheimnis. Aber es ist ein vernünftiges Ziel: Ambitioniert, aber erreichbar.

Einschub: Im öffentlichen Gesundheitsportal Österreich wird die Menge wie folgt berechnet.

Ein Milliliter Wasser pro 1 kcal und pro Tag. Bei 2500 kcal ergibt das 2,5 Liter bei Erwachsenen pro Tag. Erwachsene sollten eine Mindestmenge von 1,5 Liter Flüssigkeit aus Getränken pro Tag zu sich nehmen.

Die Empfehlung von Water Minder erscheint mir sinnvoller. Zweieinhalb Liter sind einfach zu viel. Ich will nämlich auch nicht jede halbe Stunde aufs WC rennen.

Der Mann sollte am Ende des Tages von Kopf bis Fuss blau sein.

Die App zeigt einem in einer simplen Grafik an, wie nah man seinem Ziel ist. Sie erinnert einen ans Trinken, wenn man es nicht von sich aus tut – und diese Benachrichtigungen sind vielfältig anpassbar. Ein getrunkenes Getränk zu erfassen, ist keine Hexerei.

Wenn man aufs grosse Plus-Symbol drückt, dann erscheinen drei Knöpfe, bei denen man die am häufigsten getrunkenen Getränke und Mengen hinterlegt. Bei mir sind das Tee aus einer Tasse mit 1,5 Deziliter, normales Wasser aus dem 2-Dezi-Glas und Sprudelwasser aus der 6,5-Dezi-Flasche (die es bei meinem Arbeitgeber gibt).

Man kann noch weitere Standard-Getränke hinterlegen. Und es ist möglich, einen Siri-Befehl zu hinterlegen, um den Konsum des Getränks zu loggen.

Bier und Wein sind schliesslich auch Flüssigkeiten.

Wenn man sich ein nicht-standardisiertes Getränk zu Gemüte führt, dann kann man das ebenfalls eintragen, wobei man dann Menge und Art erfasst. Welche Getränke zur Auswahl stehen, lässt sich in den Einstellungen auswählen.

Fazit: Die App passt. Sie sieht gut aus, ist einfach zu benutzen (auch per Apple Watch) und zeigt einem nicht nur, ob man so viel trinkt, wie man möchte, sondern liefert auch einige Analysen: Konsum über die Tage und Wochen und Verteilung nach Getränkearten. Das heisst nebenbei: Wenn man auch seinen Alkoholkonsum ehrlich einträgt, sieht man, wenn man über die Stränge schlägt. Und es gibt ein bisschen Gamification-Schnickschnack: Man wird mit Badges belohnt, wenn man brav an seiner Wasserflasche nuckelt.

Wie man sieht, ist es gar nicht so leicht, das Ziel zu erreichen.

Trotzdem stellt sich die Frage: Lohnt sich der ganze Aufwand? Das hängt natürlich davon ab. Wenn man nach ein paar Tagen feststellt, dass man die angestrebte Menge locker erreicht, dann kann man es auch wieder bleiben lassen.

Ich habe festgestellt, dass das bei mir nicht der Fall ist. Selbst wenn ich mir Mühe gebe, erreiche ich das Ziel oft nur zur Hälfte. Das heisst, dass ich tatsächlich meist zu wenig oder viel zu wenig trinke.

Darum werde ich die App weiternutzen – in der Hoffnung, dass daraus irgendwann eine Gewohnheit und die App überflüssig wird. Dabei kann einem WaterMinder in der Tat helfen.

Beitragsbild: Es geht natürlich auch ohne die Deko (Joanna Kosinska/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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