Vermeintlich einfache Dinge, die in der Realität unglaublich kompliziert sind

Die allgemeine Einstellung beim Mac.

Bei Mac kann man bekanntlich einstellen, ob nach einem Neustart die zuvor geöffneten Apps wieder erscheinen sollen. Die Option findet sich in den Systemeinstellungen im Reiter Allgemein und heisst Fenster beim Beenden eines Programms schliessen.

Wieso nicht bei jedem Herunterfahren fragen, was der Nutzer möchte?

Und man kann bei jedem Herunterfahren im Dialog Möchtest du den Computer jetzt ausschalten? angeben, ob man seine Apps wieder öffnen will oder nicht (Beim nächsten Anmelden alle Fenster wieder öffnen).

So einfach und unkompliziert. Bei Windows ist die Sache wie nicht anders zu erwarten ein bisschen vertrackter.

Windows-Anwender sind sich eigentlich gewohnt, dass das Betriebssystem keine Anwendungen wiederherstellt. Beim Start werden nur die Programme automatisch ausgeführt, die als Selbststarter definiert sind (dazu übrigens mehr weiter unten).

Doch seit einiger stellt Windows ebenfalls Programme wieder her – aber nicht konsequent, sondern nur manchmal. Diese Verhaltensweise scheint auf das Fall Creators Update zurückzuführen zu sein. Dort hat Microsoft dem Betriebssystem beigebracht, beim Warmstart Anwendungen wiederherzustellen. Ein Warmstart wird auch Neustart genannt und zeichnet sich dadurch aus, dass der Computer automatisch wieder hochfährt. Er ist das Gegenstück zum Kaltstart, bei dem der Computer ganz ausgeht und vom Nutzer reaktiviert wird.

Viel umständlicher kann die Benennung einer simplen Checkbox nicht mehr ausfallen.

Das Knöpfchen, dass diese Verhaltensweise bewirkt, findet sich in den Einstellungen bei Konten > Anmeldeoptionen. Dort gibt es im Abschnitt Datenschutz eine Option mit der etwas ungelenken Bezeichnung Meine Anmeldeinformationen verwenden, um die Geräteeinrichtung nach einem Update oder Neustart automatisch abzuschliessen und meine Apps erneut zu öffnen.

Das muss man so interpretieren, dass Microsoft die Funktion speziell für die automatischen Updates eingebaut hat. Wenn das Betriebssystem dem Nutzer einen Neustart aufzwingt, soll er wenigstens dort weiterarbeiten können, wo er aufgehört hat.

Vier kleine Einschübe dazu:

Erstens: Meines Erachtens wäre es vernünftiger, die Option Anwendungen beim Anmelden wiederherstellen? generell zur Verfügung zu stellen. Klar, typischerweise führt man einen Neustart nur aus, um ein Problem zu beheben. Doch es gibt Leute, die eh meistens mit den gleichen drei Programmen arbeiten. Die würden eine solche Option womöglich schätzen – vor allem, wenn das Betriebssystem auch gleich noch die zuvor offenen Dokumente hevorholen würde.

Zweitens: Es wäre meiner Ansicht nach sinnvoller, der Option nicht Meine Anmeldeinformationen verwenden, um die Geräteeinrichtung nach einem Update oder Neustart automatisch abzuschliessen und meine Apps erneut zu öffnen zu nennen, sondern ihr einen kurzen Namen zu geben, z.B. «Anwendungen wiederherstellen». Die Details könnte man über einen Beschreibungstext direkt bei der Option klären.

Drittens: Wer dazu neigt, sein System über die Befehlszeile neu zu starten, hat zwei neue Parameter zur Verfügung:

  • shutdown /g führt einen Neustart (Warmstart) aus und lässt die geöffneten Programme wieder erscheinen.
  • Mit shutdown /sg wird der Computer  heruntergefahren. Wenn man den Computer wieder einschaltet (Kaltstart), werden die zuvor offenen Programme wieder geöffnet. Fragt mich aber nicht, was sg heissen könnte.
Der Windows-Explorer bekommt eine Extrawurst. Ob seine Fenster wiederhergestellt werden, lässt sich separat einstellen.

Viertens: Beim Windows-Explorer ist es seit jeher üblich, dass Fenster beim Anmelden wiederhergestellt werden. Das konfiguriert man über die Rubrik Ansicht der Multifunktionsleiste. Dort klickt man auf den Knopf Optionen, öffnet die Rubrik Ansicht und schaltet Vorherige Ordnerfenster bei der Anmeldung wiederherstellen an oder ab.

Und nun wie versprochen noch ein paar Worte zu der Möglichkeit, die häufig gebrauchten Programme beim Start bzw. Anmelden immer automatisch zu öffnen.

Die Anmeldeobjekte beim Mac.

Beim Mac werden die Programme, die man immer zur Verfügung haben will, in den Systemeinstellungen bei Benutzer & Gruppen in der Rubrik Anmeldeobjekte hinterlegt. Man kann über ein Kreuzchen am rechten Rand neben dem Eintrag festlegen, ob die App mit Fenster oder minimiert geöffnet wird.

Das ist übrigens genau da, wo diese Option hingehört: Schliesslich hängt es vom Benutzerkonto ab, welche Anwendungen bei der Anmeldung geöffnet werden – und jeder Nutzer des Mac kann das für sich selbst einrichten, wie er will.

Bei Windows ist die Sache komplizierter. Microsoft hat es geschafft, eine unglaubliche Verzettelung anzurichten. Es gibt unzählige Möglichkeiten, Programme automatisch starten zu lassen. Und über die Jahre hat Microsoft die Art und Weise, wie man diese Selbststarter konfiguriert, immer wieder verändert.

  • Bei alten Windows-Versionen musste man ein dubioses Programm namens Systemkonfiguration (msconfig) bemühen.
  • In neueren Windows-Versionen startet man den Taskmanager (zum Beispiel über einen Rechtsklick auf eine freie Stelle der Taskleiste) und wendet sich dem Reiter Autostart zu.
  • Man kann seit jeher auch im Windows-Explorer auch shell:Common Startup in die Adressleiste eingeben und
Revolutionär: Optionen da platzieren, wo der Nutzer sie auch sucht!

Und nun habe ich neulich noch eine neue Möglichkeit entdeckt. In den Einstellungen gibt es in der Rubrik Apps nun einen Unterbereich namens Autostart. Dort sind die automatisch startenden Programme ebenfalls aufgeführt und abschaltbar.

Erstaunlich, dass Microsoft seit Windows 95 nur schlappe 25 Jahre gebraucht hat, um zu merken, dass eine so wichtige Funktion dort zu finden sein sollte, wo die Leute sie auch suchen.

Beitragsbild: Man sollte glauben, das wäre keine Raketenwissenschaft (Pixabay/Pexels, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Vermeintlich einfache Dinge, die in der Realität unglaublich kompliziert sind“

  1. Ich mag mich noch an die Diskussionen erinnern, als Apple das eingeführt hat.
    Der Neustart mit dem automatischen Wiederherstellen von Anwendungen inkl. Daten benötigt ja eine (mehr oder weniger) permanente Zwischenspeicherung von Dokumenten, was natürlich einen leichten Impact auf die Performance bzw. bei SSD auf die Schreibzyklen hat. Zudem werden so auch Sachen persistent auf die Platte geschrieben, die ein Benutzer uU nur temporär in einem Editorfenster notiert hat. D.h. Festplattenverschlüsselung ist auf jeden Fall noch wichtiger, um allenfalls vertrauliche Informationen nicht in fremde Hände fallen zu lassen.
    Und wer hin und wieder präsentiert, ist anfänglich sicher auch mal erschrocken, wenn man beim Öffnen einer Anwendung gleich das letzte Dokument präsentiert, welches vielleicht doch nicht für die ganze Audience gedacht war! 😉

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