Was hätte Immanuel Kant dazu gesagt?

Was hätte Immanuel Kant wohl über die Gewohnheit vieler Handyfilmer gesagt, ihre Aufnahmen vertikal zu drehen? Nicht viel, nehme ich an, denn als Philosoph und Aufklärer hätte er Besseres zu tun. Und ich erwähne ihn auch nur, weil mir neulich auf Facebook ein Scherzchen begegnet ist, das ich am Ende des Beitrags eingefügt habe. (Jawohl, mit so perfiden Methoden bringe ich euch dazu, meine Beiträge bis zum Ende zu lesen.)

Obwohl das Scherzchen reichlich müde ist, musste ich sehr lachen. Und wo wir mit Kant im Zeitalter der Vernunft angelangt sind, gilt es festzuhalten, dass es wirklich fast gar keine Gründe gibt, seine Videos aufrecht zu filmen. Das Vertical Video Syndrome klingt wie eine Krankheit, ist schon längstens ein Meme und eine Landplage sondergleichen.

Es hat damit zu tun, dass die Leute halt so filmen, wie ihnen ihr Smartphone gerade in die Hand gekommen ist – und das ist typischerweise aufrecht. Man kann es so schön in einer Hand halten. Im Querformat muss man schauen, dass es einem nicht aus der Hand fällt. „Was hätte Immanuel Kant dazu gesagt?“ weiterlesen

Der Screenshot-Alleskönner

Ich habe im Beitrag Pseudo-Fortschritt bei Windows neulich über die Screenshot-Möglichkeiten von Windows 10 geschrieben. Wie der Titel schon verrät, bin ich nicht begeistert von den Neuerungen. Auf Twitter hat mir Remo daraufhin das Windows-Programm ShareX empfohlen. Das sei dank vielen Automatisierungsmöglichkeiten ausgezeichnet auf die Bedürfnisse von Leuten zugeschnitten, die ständig Screenshots machen.

Versteht sich von selbst, dass ich dieses Programm sofort testen muss. Und in der Tat: Schon der erste Blick erstens eine schnörkellose Oberfläche. Und zweitens alle Funktionen, die man sich als professioneller Screenshotter wünschen könnte.

Im Aufnahmemenü stehen alle nur denkbaren Modi zur Auswahl. Von Vollbild über Fenster und Monitor bis hin zu exotischen Modi wie Autoaufnahme, Texterkennung und Scrollaufnahme – zu denen ich gleich noch kommen werde. Bei Fenster sind alle offenen Programmfenster aufgelistet, sodass man das gewünschte nur auszuwählen braucht. „Der Screenshot-Alleskönner“ weiterlesen

Der gute Ton bei Videoproduktionen

Für die meisten meiner Videoaufnahmen setze ich das im Beitrag Das Smartphone als Audio-Recorder vorgestellte Lavalier-Mikrofon SmartLav von Røde ein. Das funktioniert (mit dem SC3-Adapter) auch bestens an meiner Videokamera, wo ich es mit einer simplen Klinkenkabel-Verlängerung nutze.

Das ist in bei all den Fällen praktisch, wo ich allein vor der Kamera stehe. Wenn ich vor der Kamera ein Interview führen will, dann sieht es anders aus. Ich habe in solchen Fällen meinen Audiorekorder (Roland R05) mit dabei. Allerdings musste ich mit dieser etwas unprofessionell wirkenden Methode schon des öfteren Spott über mich ergehen lassen (zum Beispiel hier in den Kommentaren).

Was könnte man besser machen? Man könnte natürlich zwei Lavalier-Mikrofone einsetzen. Man bräuchte dann allerdings irgend eine Möglichkeit, die beiden Signale zusammenzumischen, bevor man sie in der Kamera aufzeichnet. Muss man also noch einen kleinen Audiomixer mit sich herumschleppen und während der des Interviews auf die richtige Auspegelung achten?

Nein, dank eines einfachen Tricks muss man das nicht: „Der gute Ton bei Videoproduktionen“ weiterlesen

Jeder ein Podcaster

Podcasts: Sie waren 2006 ein Ding, sind dann ausser bei ein paar Freaks in Vergessenheit geraten. Seit 2015 sind sie wieder ein Ding. Das liegt an bemerkenswert neuen und andersartigen Podcasts, die seitdem erschienen sind. Es liegt daran, dass das Podcasten einfacher geworden ist: Das technische Equipment, das man für einen gut klingenden Podcast braucht, ist erschwinglich und es gibt praktische Produktions- und Veröffentlichungshilfsmittel, zum Beispiel dank Auphonic und dem Podlove Player. Spotify und andere sind auf den Zug aufgesprungen, was die Verbreitung und Rezeption für Nicht-Tech-Freaks vereinfacht. Und Google hat eine Podcast-App gebracht.

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Direkt ab Smartphone podcasten: Jetzt braucht man nur noch eine Idee, worüber man denn reden könnte.

Aber natürlich ist der entscheidende Faktor das liebe Geld. Und da scheint sich Bemerkenswertes zu tun: Die US-Podcaster haben 2017 einen Umsatz von 314 Millionen US-Dollar erzielt. Das ist eine Steigerung um 86 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und die Marktauguren behaupten, es gehe so weiter. Das lockt Investoren an und dürfte dem Genre noch weiter Auftrieb verleihen. Im deutschsprachigen Raum sind offenbar die Lebenshilfe-Podcasts auf dem Vormarsch oder «Spiritualität als Hype-Thema», wie es hier heisst: Eine Expertin für «Mindful Empowerment» erzielt millionenfache Downloads, was mich beeindruckt, da ich selbst niemals etwas anhören würde, was derartig dummdenglisch daherkommt.

Jedenfalls scheint der Podcast für diese neuen Podcaster mit dem Hang zum Influencertum vor allem ein Marketingverhikel zu sein. „Jeder ein Podcaster“ weiterlesen

Nie mehr abtippen?

Interviews abzutippen, ist etwas, das wir Journalisten sehr ungern tun. Ich werde daher immer mal wieder gefragt, ob es keine Lösung gibt, mit der man seine Aufnahmen automatisch verschriftlichen kann. Ich habe seinerzeit im Beitrag Youtube als Freund und Helfer für uns Interviewer auf die schönen Möglichkeiten von Googles Videoplattform hingewiesen: Die macht automatische Untertitel, die unter idealen Umständen ganz brauchbar sind. Man kann diese Untertitel auch abgreifen. Man kommt so also an eine Transkription heran, auch wenn der Weg dazu reichlich umständlich ist.

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Links: Man kann entweder «live» übers Mikrofon transkribieren oder aber Aufnahmen über den Knopf rechts oben importieren.
Das Resultat eines transkribierten Podcasts.

Darum musste ich natürlich sofort die App Steno (gratis, leider nur fürs iPhone und iPad) testen: Die hat einen reichlich irreführenden Namen, weil sie nichts mit Kurzschrift zu tun hat – auch wenn sie letztlich das gleiche bezweckt wie ein Stenograf: Einem eine Abschrift einer gesprochenen Konversation zu liefern. Die App kann eine Konversation live transkribieren oder aber eine Aufnahme in Text umwandeln. Mich interessiert natürlich vor allem die zweite Möglichkeit: Ich würde ein Interview erst einmal so aufzeichnen wollen, um es es notfalls halt auf die althergebrachte Art (d.h. mit F5) zu transkribieren.

Eine erste Enttäuschung bei Steno gibt es gleich zu Beginn: Die App unterstützt zwar mehr Sprachen als bloss amerikanisches und britisches Englisch, nämlich auch Spanisch, Französisch, Mandarin, modernes Standard-Arabisch, Japanisch und brasilianisches Portugiesisch. Deutsch unterstützt sie bislang leider nicht und Züritütsch schon grad gar nicht. Ein Testlauf unter Realbedingungen mit einer authentischen, vor kurzem entstandenen Interviewaufnahme ist somit leider nicht möglich.
„Nie mehr abtippen?“ weiterlesen

Sich einen Wolf scrollen

Da bahnt sich der Addons-Supergau an!, habe ich neulich beklagt. Eine der schon bald nicht mehr unterstützten Firefox-Erweiterungen ist Fireshot, die ich im Beitrag Als Screenshotter sich das Leben leichter machen vorgestellt habe. Die nutze ich nicht täglich, aber häufig genug, um sie ersetzen zu müssen.

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Man kann Screenshots natürlich auch mit der Kamera machen und schauen, dass der Smoothie auch noch mit drauf ist. (Bild: Nguyen Nguyen/Pexels.com, CC0)

Nun scheint es so zu sein, dass ich das ganz einfach tun kann. Firefox hat nämlich vor Kurzem eine Screenshot-Funktion eingeführt. Und wenn die bei Mozilla etwas mitdenken, wird die auch in Firefox 57 noch enthalten sein. Naja, am 15. November wird die neue Version erscheinen und dann wird man sehen.

Die Screenshot-Funktion von Firefox wird über das neue Symbol in der Symbolleiste benutzt, und sie hat einen Vorteil gegenüber von Fireshot und dem Snipping Tool von Windows und Bildschirmfoto beim Mac. Sie kennt die Bereiche, aus denen eine Webseite typischerweise aufgebaut ist – wer sich mit HTML und CSS auskennt, der wird Div und Span entweder lieben oder hassen. Jedenfalls werden bei Mausbewegungen automatisch bestimmte Bereiche der Seite umrandet. Wenn man klickt, wird dieser Bereich markiert. Man kann ihn aber noch verschieben und ihn in der Grösse verändern. Ausschnitte zu nehmen ist wirklich einfach.
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Die grossartigen Video-Apps von Go Pro

Im Moment bin ich mit einem Video-Ärbeitlein beschäftigt, das andere sicherlich grossspurig mit dem Hashtag #Geheimprojekt versehen würden. Es ist dieser Tage in Mode, sich in den sozialen Medien beredt über unausgegorene Pläne auszuschweigen. Jedenfalls gibt es in meinem Video einen Teil, bei dem eine Sammlung von Fotos relativ zügig durchgehechelt werden soll. Gefragt ist einerseits eine hübsche Darstellung. Und da es andererseits auch Musik gibt, sollten die Fotos auf den Takt durchgewechselt bzw. durchgeblättert werden.

Wenn man so etwas von Hand z.B. in Final Cut Pro schneiden würde, dann bekäme man es mit echter Arbeit zu tun. Die Alternative ist eine App, die sich auf solcherlei spezialisiert hat. Ich habe sofort an Adobe Clips (Kurzvideos zusammenadobeclippen) gedacht. Doch diese App musste vor der Aufgabe schmählich kapitulieren: Sie hat es nicht geschafft, den gewünschten Song aus der Musik-App zu importieren. Fehlermeldung: Nicht gefunden. Obwohl ich ihn auf althergebrachte Weise per iTunes aufs iPad synchronisiert hatte.

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Splice mit Farbeffekten und der Möglichkeit, seine Videos mit Kommentaren zu besprechen.

Die (nicht ganz so neue) Erkenntnis: Auf Adobe ist kein Verlass. Meine nächste Wahl fiel auf Go Pro. Der Action-Cam-Hersteller hat auch zwei Videoschnitt-Apps im Angebot, nämlich Quik (fürs iPhone/iPad und Android), sowie Splice (offenbar nur fürs iPhone und iPad). Die beiden Apps haben einen guten Ruf und ich habe Splice seinerzeit kurz bei der Vorstellung von Apple Clips als Alternative vorgeschlagen.

Stellt sich als erstes die Frage: Will man Splice oder Quik verwenden – und was ist der Unterschied? „Die grossartigen Video-Apps von Go Pro“ weiterlesen

Zwei Tipps für ein verregnetes Wochenende

Die Woche fängt ja gut an! Nämlich mit zwei Einträgen von meiner To-Do-Liste, die direkt in diesen Beitrag gewandert sind – ohne, dass ich sie hätte testen können. Doch weil die Gefahr besteht, dass ich innert nützlicher Frist nicht zum Testen komme, gebe ich hier lieber Empfehlungen vom Hörensagen weiter, anstatt die schönen Tipps verkommen zu lassen:

Da ist zum einen odrive.com: Dieser Tipp hat mir ein Arbeitskollege bei der Teepause im Newsroom gegeben. Odrive ist ein Client, der diverse Speicherdienste im Netz bündelt. Er kombiniert Dropbox, Onedrive, Google Drive, Amazon S3, FTP, DAV und sogar Slack, Gmail, Instagram und einige weitere Dienste, deren Icon ich auf der Website hier noch nicht einmal erkannt habe.

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Der Client werkelt im Hintergrund…

Das klingt grossartig, denn erstens ist es nicht sehr effizient, diverse solcher Sync-Clients laufen zu haben. Jeder frisst Ressourcen und womöglich kommen sie sich auch in die Quere. Nicht nur das: Odrive beherrscht auch die Platzhalter. „Zwei Tipps für ein verregnetes Wochenende“ weiterlesen

Aufnahme-Apps, die auch aufnehmen

Aus unerfindlichen Gründen haben gleich beide meine Aufnahme-Apps den Geist aufgegeben. Røde Rec, hier vorgestellt, nimmt nicht mehr auf, ohne dafür einen Grund zu nennen. Rekorder seinerseits nimmt auch nicht auf, sagt aber wenigstens, weshalb. Er findet nämlich, es gebe keinen freien Speicherplatz mehr. Was eine falsche Begründung ist, weil noch 181 GB frei sind. Aber das Resultat ist das gleiche.

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Links: Die Editierfunktion der Diktiergerät-App.
Rechts: Zeitgesteuerte Aufnahmen, speziell geeignet für Spionagezwecke.

Da ich nur mit Aufnahme-Apps etwas anfangen kann, die auch aufnehmen, habe ich mich nach Alternativen umgesehen. Wichtig ist mir eine simple Aufzeichnungsfunktion. Eine Hüllkurve ist zur Kontrolle nötig. Und schön ist auch eine einfache Möglichkeit, eine Aufnahme vom Gerät zu kriegen, beispielsweise übers WLAN:

Diktiergerät (Voice Recorder) ist gratis und macht eigentlich einen guten Eindruck. „Aufnahme-Apps, die auch aufnehmen“ weiterlesen

Screencast-Fliessbandarbeit am Mac

Bei Mac OS X1 gibt es mit QuickTime eine praktische Möglichkeit, Screencasts aufzunehmen: Ablage > Neue Bildschirmaufnahme, und schon geht es los. Trotzdem habe ich mir diese Woche das Programm Screenium 3 gekauft (48 Franken im Mac App Store).

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Das Regiepult für Bildschirmvideoaufnahmen.

Dafür gibt es zwei hauptsächliche Gründe. Der erste: Ich nehme häufig nicht den ganzen Bildschirm auf, sondern nur einen Teilbereich, der gerade die Zielauflösung des Videos abdeckt (normalerweise 720p, siehe dazu auch hier). Das geht bei Quicktime nur bedingt. Man kann zwar einen Teilbereich aufnehmen. Den zieht man allerdings aufs Geratewohl auf. Ob die Auflösung und das Seitenverhältnis stimmen, ist mehr oder weniger Zufall. Man kann sich behelfen, indem man mit dem hier beschriebenen Trick das Browserfenster auf die richtige Grösse bringt. Oder man legt sich ein Hintergrundbild an, das den gewünschten Aufnahmebereich farblich markiert. In beiden Fällen muss man versuchen, per Maus den Aufnahmebereich möglichst präzise aufzuziehen.
„Screencast-Fliessbandarbeit am Mac“ weiterlesen