Die fiesen Tricks der Designer

Wir werden auf Schritt und Tritt verarscht: Im Web und in ihren Apps versuchen uns die Entwickler zu Dingen zu verleiten, die wir gar nicht tun wollen. Drei solcher «Dark Pattern», die mir in letzter Zeit begegnet sind.

Ein wahres Meme!

Neulich bin ich einem Meme begegnet, das ich nicht nur lustig, sondern auch sehr bezeichnend fand. Es ist nebenstehende Grafik, die die «kleinsten Dinge im Universum» aufzählt.

Links das Elektron, daneben das Quark. Und rechts, noch viel kleiner, der Knopf mit dem x, mit dem man eine mobile Werbung wieder schliesst.

Dieses Meme hat mir in Erinnerung gerufen, dass ich mich schon seit längerem mit den «Dark Pattern» beschäftigen wollte: Das sind Gestaltungstricks bei Benutzeroberflächen und in interaktiven Umgebungen, die den Anwender dazu bringen wollen, etwas zu tun, was er eigentlich gar nicht tun wollte: Zum Beispiel einen Newsletter abonnieren, eine unerwünschte Option aktivieren, persönliche Daten angeben oder  Geld ausgeben.

Die Unterbrecherwerbung in Apps ist ein gutes Beispiel für derlei Finten. „Die fiesen Tricks der Designer“ weiterlesen

Ein Zauberer mit einem etwas dünnen Repertoire an Tricks

Designwizard.com im Test: Erspart einem diese Webanwendung tatsächlich den teuren Gestaltungsprofi oder zumindest die Layoutsoftware?

Es ist schon länger her, dass ich hier im Blog ein Online-Werkzeug für gestalterische Zwecke vorgestellt habe. Dabei habe ich das phasenweise recht intensiv getan: Hier und hier ging es darum, wie man sich möglichst billig ein Logo aus dem Boden, pardon: dem Internet stampft. In diesem Beitrag habe ich die Online-Layout-Software Canva vorgestelt, hier Piktochart und hier Venngage. Mit den letzten beiden Webdiensten bastelt man aus grösseren oder kleineren Datenmengen mehr oder minder ansprechende Infografiken.

Um diese schöne Tradition nach längerer Zeit aufzugreifen und endlich wieder einem kreativen Webdienst zu huldigen, beschäftige ich mich heute mit designwizard.com: Das ist eine Website, die behauptet, man könne mit ihrer Hilfe innert Minuten eindrückliche Gestaltungsarbeit leisten – und das selbst dann, wenn man selbst nur eine mässige Begabung oder überhaupt kein entsprechendes Talent mitbringt.

Der Trick, wie das erreicht werden soll, ist immer der gleiche: Man bekommt ansprechend gestaltete Vorlagen vorgesetzt, die man für seine Zwecke anpasst: Man fügt hier ein Element hinzu, lässt da etwas weg und tauscht dort drüben ein Bild gegen ein anderes aus.

Und ja, diese Methode setzt der Kreativität enge Grenzen. Sie bringt nichts überraschend Neues hervor, sondern reproduziert bewährte Muster. Aber das ist okay, wenn man die Dienste richtig einsetzt. Das heisst: „Ein Zauberer mit einem etwas dünnen Repertoire an Tricks“ weiterlesen

Ist Photoshop unersetzlich? Die Meinungen gehen auseinander

Die Affinity-Anwendungen waren hier im Blog immer mal wieder ein Thema. Im Beitrag Eine vielversprechende InDesign-Alternative habe ich Affinity Publisher vorgestellt, bei Ernsthafte Bildbearbeitung mit dem iPad Photo und im Beitrag Diese App sollte Adobe Angst einjagen Designer.

Da ich mir ziemlich sicher war, dass diese Apps nicht nur mir und den Leserinnen und Lesern dieses Blogs gut gefallen, sondern auch für ein breiteres Publikum interessant sind, habe ich sie im letzten Patentrezept-Video vor den Sommerferien vorgestellt.


Diese Kampfansage bringt Photoshop in Bedrängnis

Die Resonanz war dann noch viel grösser, als ich erwartet hatte – natürlich auch, weil die Überschrift gegen Adobe gemünzt war. Die Unzufriedenheit bei den Nutzern ist beträchtlich – ebenso natürlich auch das Bewusstsein, wie gross die Abhängigkeit ist.

Das zeigt sich auch bei den Kommentaren zum Video – die für einmal aufschlussreich und lesenswert sind. Da schreibt zum Beispiel Hans Huggentobler: „Ist Photoshop unersetzlich? Die Meinungen gehen auseinander“ weiterlesen

Diese App sollte Adobe Angst einjagen

Kürzlich gab es im Apple-App-Store Affinity Designer von Serif Labs für fürs iPad für günstige 16 Franken zu kaufen. Das ist ein Vektorgrafikprogramm, das sich für Leute anbietet, die mit Adobe Illustrator nicht zurechtkommen oder der Adobe Creative Cloud müde sind.

Und es ist ideal für Leute wie mich, die zwar von Vektorgrafik keine Ahnung haben, aber vielleicht mal ein simples Logo oder Symbol basteln, ein Kärtchen oder einen einfachen Situationsplan zeichnen möchten – oder die schon in den 1990er-Jahren mit CorelDraw nichts anzufangen wussten. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass man sich auch mit dem Open-Source-Programm Inkscape über die Runden retten oder einen Versuch mit Krita wagen kann. Oder man wendet sich gleich dem Web und gravit.io oder vectr.com zu.

Aber hier soll es wie gesagt um Designer gehen. Nach dem Start lässt diese App keinen Zweifel daran, dass ich ein denkbar inadäquater Nutzer bin. „Diese App sollte Adobe Angst einjagen“ weiterlesen

Die Wirkung von Farbe und von Schrift

Seit Ende Februar arbeite ich nicht bei beim «Publisher» (der Zeitschrift und der Website) mit – siehe Eine Ära geht zu Ende. Das bedeutet aber nicht, dass mir die Publishing-Themen künftig völlig egal sein werden. Ich werde sie ab und zu in diesem Blog hier aufgreifen. Denn sie haben mich mehr als zwanzig Jahre begleitet. Von jetzt auf sofort aufzuhören, wäre eine Art kalter Entzug.

Also, in medias res:

Cinema Palettes ist ein Twitter- (bzw. Instagram-Account), der die Farbsetzung in Filmen analysiert. Man sieht ein typisches Standbild aus dem Film, darunter in zehn Farbfeldern die dominierenden Töne.

Es erstaunt nicht, dass die Farbgebung in Filmen kein Zufall ist. Denn der Film lebt davon, dass seine Wirkung nur zu einem Teil von der Handlung und den Schauspielern abhängt. Unterschwellig genauso wichtig sind Musik und Geräusche, und eben die Farben. Deren Wirkung wird durch Kulissen, Kostüme und Beleuchtung gesteuert. Und durch die Nachbearbeitung. In Englisch heisst das Color Grading, in Deutsch Farbkorrektur. Wobei der deutsche Begriff meiner Meinung nach Unsinn ist. Es geht nicht ums Korrigieren, sondern um eine bestimmte Wirkung. „Die Wirkung von Farbe und von Schrift“ weiterlesen

Ein halber Photoshop-Ersatz

In unserer schönen Radiosendung Wir terminieren den Terminator haben wir von guten Vorsätzen gesprochen. Einer davon war, den Softwaregebrauch zu hinterfragen. Braucht man teure Programme, wenn es kostenlose Alternativen gibt? Ich komme mit einer Besprechung von Krita auf diese Frage zurück.

Krita ist ein Bildbearbeitungsprogramm, das laut Alternativeto.net hinter Gimp (hier und hier vorgestellt) als die beste Photoshop-Alternative gilt. Das Programm ist Open-Source, und kostenlos. Es existiert für Windows, Mac und Linux und wurde auch mittels Kickstarter-Kampagnen unterstützt.

Zwei Eigenschaften grenzen Krita von Photoshop ab: Erstens kann man das Programm zwar auch fürs Compositing und die Foto-Bearbeitung und -Retusche verwenden. Doch die eigentliche Stärke liegt beim digitalen Malen. Man hat eine grosse Zahl von Pinseln und anderen Mal-Instrumenten zur Verfügung. Das zeigt sich bei einem Rechtsklick auf eine Malebene: Es erscheint dann ein grosser, kreisrundes Bedienelement, das Pinsel für nasse und trockene Farben, Marker, Zeichenstifte, Airbrush, Radiergummi und Hintergrund- und Vordergrundfarbe bereithält.  „Ein halber Photoshop-Ersatz“ weiterlesen

Nicht zu Ende gedacht, Microsoft

Heute gibt es, wenn ich mich nicht irre, eine Premiere hier im Blog. Ich bespreche nämlich zum allerersten Mal eine App aus dem Microsoft Store (den Tipp hier ausgeklammert). Die Windows-Programme, die hier zum Zug kommen, stammen normalerweise aus dem freien Web und werden nach Art unserer Grosseltern installiert: Man lädt sie herunter, startet den Installer, gibt das Installatonsverzeichnis an, sagt, dass man kein Ikönchen auf dem Desktop haben möchte und wartet, bis die Sache durch ist.

Doch dieses Programm hier ist tatsächlich eine UWP-App. Also ein Universal Windows Platform-Programm. Die sind so konzipiert, dass sie (mit wenig Anpassungsaufwand) auch auf Windows 10 Mobile laufen würden, wenn es denn überhaupt Mobilgeräte für dieses Betriebssystem gäbe. Und man kann sie auf die Xbox bringen, was in dem Fall aber auch nicht sonderlich sinnvoll wäre. Warum, dazu komme ich gleich.

Wie gesagt, der Windows-Store spielt für mich nach wie vor keine Rolle. Dabei hat er ohne Zweifel Vorteile: Die Installation ist einfacher, indem man wie beim iPhone und Android nur einmal zu klicken braucht. Die UWP-Apps haben weniger Möglichkeiten und können das System nicht verhunzen. Trotzdem nutze ich ihn nicht, was mich selbst erstaunt. Das liegt natürlich daran, dass die Programme, die mich interessieren, meistens nicht im Store zu finden sind. Es liegt auch daran, dass ich gar nicht daran denke, im Store nachzusehen. Der Hauptgrund ist aber, dass mir die UWP-Apps optisch nicht besonders gut gefallen. Das reduzierte Design mit den grossen Schriften passt schlecht auf den grossen Desktop, finde ich. Was die Optik angeht, müsste Microsoft noch einmal über die Bücher.

Aber jetzt zum Programm:  „Nicht zu Ende gedacht, Microsoft“ weiterlesen

Da weinen Bildbearbeiter vor Glück!

Ist das noch Fotografie? habe ich mich neulich gefragt. Es ging um Spielereien mit der Doppelkamera des iPhones, die auch Tiefeninformationen aufnimmt. Das ermöglicht es, manuell ein Bokeh dazuzurechnen oder den Hintergrund unschärfer zu rechnen, als er es von Haus aus wäre. Ob man das mag, ist Geschmackssache – und eine Frage, wie weit man seine Bilder dem Einfluss von Algorithmen aussetzen möchte.

Nun ist mir aber neulich eingefallen, dass die Doppelkamera auch für die herkömmliche Bildbearbeitung nützlich sein könnte. Der Trick mit dem Portraitmodus des iPhones basiert darauf, dass mit Hilfe der Tiefeninformationen, Vordergrund und Hintergrund einfach voneinander getrennt werden können. Entsprechend müssten diese Informationen doch auch beim Freistellen helfen, oder? Freistellen bedeutet, dass der Hintergrund isoliert und entfernt wird. Man braucht den für sein Foto nicht oder empfindet ihn als störend. Man will in der Layoutsoftware womöglich den Text um das Objekt herum arrangieren. Oder vielleicht möchte man auch einen anderen Hintergrund einfügen.

Normalerweise ist das mit beträchtlichem Aufwand verbunden:  „Da weinen Bildbearbeiter vor Glück!“ weiterlesen

Nach dem Shot ist vor der Bearbeitung

Euch ist aufgefallen, dass ich an der Produktkategorie der RAW-Entwickler einen Narren gefressen habe. Und ja, ich kann es nicht verleugnen. Denn heute ist schon wieder ein solches Programm dran: After Shot von Corel. Denn ja, Corel gibt es noch. Und da die von Bildbearbeitung auch ein bisschen etwas verstehen, lohnt sich ein Blick auf dieses Programm. Gerade weil es anscheinend nicht als erstes genannt wird, wenn man nach Alternativen zu Adobe Lightroom fragt.

Beim Start fällt störend auf, dass man ein Corel-Konto erstellen muss, wenn man das Programm nutzen möchte. Die Zeit, wo die Anbindung an ein Online-Benutzerkonto freiwillig war, scheint endgültig vorbei zu sein. Ich nehme an, dass das der schlechte Einfluss von Adobe ist. Bei Corel ist das deswegen seltsam, weil einem nicht erklärt wird, was man von dieser Registrierung hat. Beim Einloggen ins Konto sieht man früher getestete Produkte und Rubriken wie «Auftragsstatus und -entwicklung». Aber nichts, was unmittelbar zwingend erscheint.

Die Anwendung, getestet in der Version 3, erscheint mit schwarzer Oberfläche und der hinlänglich bekannten Aufteilung mit Leisten am linken und rechten Rand und einem grossen Bereich für die Bilder dazwischen. Es fällt auf, dass Corel keine Einteilung nach Modulen vornimmt. Man muss also nicht wie bei Lightroom zwischen Bibliothek, Entwickeln, Karte, Buch, Diashow, Web, etc. umschalten. Das wirkt weniger spektakulär, erfüllt den Zweck aber auch. „Nach dem Shot ist vor der Bearbeitung“ weiterlesen

Kann man sich bookmarken

photopea.com ist eine Bildbearbeitungssoftware direkt im Browser. Man kann ohne Installation – und sogar ohne Registrierung – Bilder hochladen, bearbeiten und das fertige Resultat herunterladen. Bemerkenswert ist, dass Photopea auch die Dateiformate von Photoshop (.psd), Gimp (.xcf) und von Sketch öffnet. Letzteres ist ein Vektor-Editor für den Mac, den ich nicht näher kenne – die beiden anderen Formate sind aber weit verbreitet bzw. im Fall von Photoshop geradezu dominant.

Das allein macht Photopea schon wertvoll: Sollte man in die Verlegenheit kommen, eine Photoshop-Datei öffnen zu müssen, ohne eine Photoshop-oder Photoshop-Elements-Installation in Griffnähe zu haben, dann hilft einem dieser Webdienst weiter: Man kann die Datei öffnen, in ein anderes Format überführen und in einem passenden Format herunterladen. Zur Verfügung stehen nicht nur PNG, JPG, SVG, Gif und PDF, sondern auch Exoten wie EMF, BMP, Tiff und (warum auch immer) BMP. Und man kann eine Komposition auch im PSD-Format speichern.

Für einen Test habe ich in Photoshop mein halboffizielles Testbild (Diese Aufnahme hier von David Bartus bei Pexels mit einer CC0-Lizenz) mit einer Text- und einer Korrekturebene mit Ebenenmaske angereichert, einige Ebeneneffekte hinzugefügt (Kontur und Schein nach aussen) und das Meisterwerk in voller Auflösung gespeichert. „Kann man sich bookmarken“ weiterlesen