Wann ist Zeit, mit einem Idol Schluss zu machen?

Wie viel lässt man einem Künstler durch­gehen, bevor man ihm seine Liebe und Gefolg­schaft kündigt? Die Frage stelle ich mir wegen Horst Tappert, wegen Charlie Chaplin und Michael Jackson, vor allem aber wegen Bertrand Cantat von Noir Désir.

Kann man den Künstler von seinem Werk trennen? Diese Frage stellt sich immer dann, wenn man es mit einem Menschen zu tun bekommt, der Grossartiges schafft, aber einen unschönen Charakter besitzt. Oder noch schlimmer: Der nicht nur tolle Werke kreiert, sondern auch unhaltbare Positionen vertritt oder sogar Verbrechen begeht. Mit so jemandem würde man nichts zu tun haben wollen, wenn er eben nicht diese andere, grossartige Seite hätte.

Die Frage beschäftigt immer mal wieder. Denn es kommt ab und an vor, dass man in der Klatschpresse Dinge über Leute liest, die man eigentlich mag. Horst Tappert ist so ein Fall: „Wann ist Zeit, mit einem Idol Schluss zu machen?“ weiterlesen

Ein Jahr Vegetarier

Vor einem Jahr habe ich hier im Blog öffentlich dem Fleisch abge­schwo­ren. Und jetzt interes­siert euch natürlich alle, ob ich durch­gehal­ten habe oder reu­mütig zum karni­voren Lebens­wandel zurück­gekehrt bin.

Vor einem Jahr habe ich hier im Blog berichtet, dass ich Vegetarier geworden bin. Ich habe erklärt, welche Gründe mich zu diesem Schritt bewogen haben. Und ich habe gelobt, hier im Blog Rechenschaft abzulegen – gleichgültig, ob ich meinen neuen Lebenswandel treu bleibe oder zur karnivoren Gewohnheiten zurückkehre.

Und ich hätte offen darüber berichtet, wenn ich gescheitert wäre. Gleichwohl ist meine Situation hier leichter und angenehmer: „Ein Jahr Vegetarier“ weiterlesen

Ein digitales Puzzle im Grossformat

Ich bin Opfer meines eigenen Perfek­tio­nis­mus geworden: Mein eigent­lich schon ab­geschlos­senes Word­press-Projekt sollte noch eine kleine Verbes­serung erfahren – was mir lange Nächte und um ein Haar auch Wein­krämpfe ein­ge­tra­gen hätte.

Anfang April habe ich das perfektionistische Ende eines überambitionierten Projekts verkündet. Und mich offensichtlich in mir selbst getäuscht. Denn wie sich zeigt, bin ich in der Lage, eine Sache auch weit über ihren gottgewollten Endpunkt hinaus zu treiben.

Also, es handelt sich um mein Projekt 2020, das Mitte 2022 nun hoffentlich endgültig so ausgereift ist, dass sogar mir nichts mehr einfällt, was ich verbessern könnte.

Dieses Projekt bestand darin, eine in Microsoft Access gespeicherte Datenbank web- und zukunftstauglich zu machen. In der Datenbank, die ich seit 1992 pflege, sind meine in diversen Medien erschienen Artikel im Volltext und mit einigen Metadaten erfasst. Ich habe einige Dinge ausprobiert und mich dann entschieden, die Daten mittels WordPress online zu erschliessen – was sich als hervorragende Wahl entpuppt hat.

Nachdem das Projekt eigentlich abgeschlossen war, hat mich eine Sache nicht in Ruhe gelassen: „Ein digitales Puzzle im Grossformat“ weiterlesen

Eine Lektion in angewandem Web-Voyeurismus

Gebt zu: Ihr könntet nicht wider­stehen, wenn ihr die Gelegen­heit hättet, einmal quer durch einen fremden Browser­verlauf zu schnü­feln. Und ja – ich konnte es auch nicht.

Die heutige Geschichte handelt von einem moralischen Dilemma. Und meinem Scheitern. Aber ich wage die Behauptung, dass es euch an meiner Statt nicht besser gegangen wäre. Ihr wärt genauso eurer Neugierde – bzw. eurem Voyeurismus – erlegen. Darum gibt es keinen Grund, diesen Blogpost hier aus einem Gefühl der moralischen Überlegenheit zu rezipieren.

Die Prüfung und mein Scheitern haben mit NextDNS zu tun. Diese Software ist dazu da, Datensammlern das Handwerk zu legen. Sie blockiert Tracker und auf Wunsch auch Werbung. Dieser Dienst funktioniert nicht nur auf einzelnen Endgeräten, sondern auch als Firewall für die ganze Familie. Nebst dem konfigurierbaren Filter gibt es auch eine Protokollfunktion. Die zeichnet auf, welches Gerät welche Adressen ansteuert und welche Adressauflösungen blockiert worden sind.

Und damit sind wir beim Kern des Pudels. Denn wie schon im ursprünglichen Test bemerkt, steckt in diesem Protokoll ein Missbrauchspotenzial: „Eine Lektion in angewandem Web-Voyeurismus“ weiterlesen

Eine Schweigeminute für schwarz gepresste Musik

Die Digitali­sie­rung hat ein Ding dahin­ge­rafft, das für die Musiker immer Ärgernis und Inspi­rations­quel­le zugleich war: das Boot­leg – un­autori­sierte Ver­öf­fent­lichun­gen ihrer Platten und Kon­zerte.

Beitragsbild: Der Urheberechtshinweis entbehrt nicht einer gewissen Ironie (Bootleg LP Rolling Stones 1969 von RoBes81/Wikimedia, CC BY-SA 4.0).

Im Tagesgespräch von SRF hat Igor Petrov, der Leiter der russischsprachigen Redaktion bei Swissinfo.ch, davon erzählt, wie er in den 1980er-Jahren in der Sowjetunion Platten von den Beatles und Abba gekauft hat. Das war damals eine Möglichkeit zu hören, was jenseits des eisernen Vorhangs vor sich ging.

Das hat bei mir alte Erinnerungen wachgerufen. Nein, ich bin nicht in Moskau aufgewachsen. Aber Petrov hat ein Wort erwähnt, das ich schon lange nicht mehr gehört habe. Das Wort ist – genauso wie viele der anderen Erinnerungen, die es in diesem Gespräch zu hören gibt, ein Überbleibsel aus einer anderen Ära: „Eine Schweigeminute für schwarz gepresste Musik“ weiterlesen

Einmal alles zum Mitnehmen, bitte

Die Wordpress-Erweiterung WP RSS Aggregator zieht Inhalte von mehreren Quellen zusammen und zeigt sie, laufend aktualisiert, auf einer Website an – und zwar ohne, dass der Nutzer selbst einen RSS-Reader nutzen müsste. Ich schildere konkrete Anwendungsfälle.

Seit Juni 2012 gibt es in der Rubrik Werkschau und Linkstau eine Übersicht meiner neuen Artikel und Podcast, die ich in (mehr oder weniger) regelmässigen Abständen von Hand zusammenstelle.

Es gibt zwei Probleme mit dieser Übersicht: Erstens muss ich sie von Hand zusammenstellen. Und zweitens ist sie immer nur dann aktuell, wenn ich das gerade getan habe. Schon eine Woche später fehlen die allerneuesten Beiträge – also typischerweise jene, die gerade am meisten interessieren.

Ich habe mir darum überlegt, wie sich dieses Problem beheben liesse. Es bestand bis anhin in den unterschiedlichen Quellen. Da es nicht auf allen Websites einen passenden RSS-Feed gibt, kann ich die nicht automatisch zusammenziehen und in einem konsolidierten Liste anbieten, so wie es mir vorschweben würde.

Doch zum Glück gibt es dafür seit einigen Wochen eine Lösung: „Einmal alles zum Mitnehmen, bitte“ weiterlesen

Das perfektionistische Ende eines überambitionierten Projekts

So toll es ist, Anwender zu sein – der richtige Spass geht los, wenn man selbst Hand anlegt, Code schreibt und sich seine Web­site zurecht­biegt. Allerdings droht die Gefahr, dass man vor lauter Eupho­rie die Ver­häl­tnis­mäs­sig­keit aus den Augen verliert.

Dank meines Projekts 2020 hatte ich Gelegenheit, noch etwas mehr an WordPress herumzubasteln. Bei diesem Projekt ging es darum, meine seit dreissig Jahren gepflegte Artikeldatenbank ins Web zu bringen.

Nachdem ich verschiedene Wege ausprobiert habe, bin ich bei WordPress gelandet. Ich habe den Import via CSV vorgenommen, anschliessend die Suchmöglichkeiten meinen Bedürfnissen angepasst und Hand an das Theme gelegt, dass die zusätzlichen Datenbankfelder angezeigt werden.

Das Resultat kann sich sehen lassen; es ist unter archiv.matthiasschuessler.ch zu finden.

Nachdem die hauptsächliche Arbeit erledigt war, hatte ich das Vergnügen, mich um einige Details zu kümmern. Zu diesen Details gehören folgende Dinge: „Das perfektionistische Ende eines überambitionierten Projekts“ weiterlesen

Den Browser entlasten

Immer mehr Reiter, eine stets wachsende Sammlung an angehefteten Websites und immer weniger Überblick: da musste etwas passieren. Darum habe ich einige Aufgaben von Firefox an Windows-Apps ausgelagert.

Der Browser ist in den letzten Jahren immer mehr ins Zentrum meiner Arbeit gerückt. Der grösste Teil meiner Berufs besteht auf Recherche und Schreibarbeit; und beides verrichte ich in Firefox. Informationen sammle ich, wenn nicht in der direkten Kommunikation, dann im Web; die Textarbeit leiste ich in mehreren Content-Management-Systemen.

Das hatte zur Folge, dass es bei mir in Firefox immer mehr angeheftete Reiter gab. Irgendwann waren am linken Rand meiner Reiterleiste fast ein Dutzend Websites angepinnt. Bei meinem alten Computer – der acht, und nicht wie der neue PC 32 GB RAM hatte – war das allein aus Ressourcen-Gründen keine gute Idee.

Doch auch wenn der Computer die Reiterflut verkraftet, ist es fraglich, ob man sich selbst nicht zu viel zumutet: „Den Browser entlasten“ weiterlesen

Pizza as a service – und en guete Rutsch!

Zum Abschluss des Jahres er­fahrt ihr, was ein beleg­tes Fladen­brot mit der Cloud zu tun hat. Und ich wünsche euch einen schönen letzten Abend im 2021 und einen guten Start ins hoffentlich erfreulichere 2022…

Pizza ist nicht das, was man zum Silvester unbedingt würde geniessen wollen.

Aber es geht auch nicht unbedingt um das Essen, sondern um einen Tweet, der anhand der Pizza ein Ding erklärt, das vielen Leuten schwer verständlich ist. Ich gehöre zu denen – ich muss zumindest tief in mich gehen, um mir die Unterschiede zwischen On Prem, IaaS, PaaS und SaaS zu vergegenwärtigen. Aber diese Grafik hier macht es ein für allemal klar: „Pizza as a service – und en guete Rutsch!“ weiterlesen

Apple diktiert die Agenda

Apple in der Jahres­muste­rung: Der iPhone-Konzern hat die Kunst per­fek­tioniert, das Interes­se der Welt­öffent­lich­keit auf sich zu ziehen. Trotzdem gab es keine revo­lutionä­ren An­kündi­gungen, aber kleine Fort­schritte und einige Ent­täu­schungen.

Eins muss man Apple lassen: Der Konzern hat die Kunst perfektioniert, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen und konstant im Gespräch zu bleiben. Streng getaktete, perfekt gestaffelte Events, Ankündigungen, Produktneuigkeiten und Gerüchte sorgten 2021 dafür, dass das Interesse kaum je erlahmte.

Einigen Leserinnen und Lesern ist es zu viel geworden. Ich erinnere mich noch an eine Diskussion, die sich an einem Beitrag zu iOS 15 entzündet hatte. Ich hatte daraufhin versucht, mit dem Beitrag In den App-Stores kommt die freie Software unter die Räder die Debatte in eine andere, meines Erachtens produktivere Richtung zu lenken – aber, wie ich feststellen musste, ohne den geringsten Erfolg. Die Apple-Verweigerer kein anderes Thema, sie wollten bloss weniger Apple.

Das kann ich nachvollziehen: „Apple diktiert die Agenda“ weiterlesen