Der Nonstop-Hass in meiner Inbox

Als Journalist bekommt man immer mal wieder Mails, die man schulterzuckend zur Kenntnis nimmt. In diesem Blogpost geht es um einen Fall aus meiner Inbox, der mich erst schockiert und dann traurig gestimmt hat.

Als Journalist landet man immer mal wieder auf dem Mailverteiler eines besorgten oder erregten Bürgers. Man erhält Aussendungen, in denen es um Sachverhalte geht, die der Absender unbedingt in der Zeitung lesen oder über die elektronischen Medien verbreitet haben möchte. Meistens erhält man auch gleich eine Anleitung mitgeliefert, mit welchen Worten und Vorwürfen ein bestimmter Politiker, Wirtschaftsboss, Promi oder Behördenvertreter eingedeckt werden muss.

Typischerweise werden solche Mails an sehr viele Empfänger versandt: Dutzende oder sogar Hunderte Leute. Und meistens sind die Absender nicht sehr wählerisch, an wen sie die Mails verschicken: Adressiert wird jeder, der mehr als zwei Artikel für irgend ein Käseblatt geschrieben und seine Mailadresse im Internet hinterlassen hat.

Ich kann vorwegschicken, dass das Giesskannenprinzip keine zweckdienliche Methode ist, um Medienvertretern eine Information zukommen zu lassen. Um Erfolg zu haben, muss man als angehender Whistleblower zwei Bedingungen erfüllen: „Der Nonstop-Hass in meiner Inbox“ weiterlesen

Es war ein perfektes Jahr!

Man glaubt es kaum – aber ich kann auch versöhnlich und optimistisch bloggen. Und das am Ende eines solchen Jahres! (Ob dieser Blogpost bereits unter dem Einfluss von prickelnden alkoholischen Getränken entstanden ist, wird die Welt nie erfahren.)

Siehst du: Ein perfektes Jahr! (Zumindest bei den «täglichen Herausforderungen» in der Solitaire Collection von Microsoft.)

Ein perfektes Jahr, zumindest, was mich und meine Leistung in der Microsoft Solitaire Collection (siehe Yesss!) angeht.  Ich hoffe, dass das in irgend einer – vielleicht sogar etwas sinnvolleren – Form auch für euer Leben zutrifft.

Ich bin zwar keiner dieser Menschen, die der Ansicht sind, dass alles gut wird, wenn man nur darauf achtet, mit einer rosaroten Brille auf die Welt zu schauen (siehe Alles wird schlecht! Alles wird grossartig!).

Das heisst aber auch nicht, dass man immer nur die graugefärbte Polfilterbrille aufbehalten müsste. Die Kunst ist, die unscheinbaren, aber vielleicht umso positiveren Dinge des Lebens nicht zu übersehen.

Und darum betrachte ich dieses Jahr nicht nur durch die Solitaire-Brille, sondern werfe auch einen Blick in meine Garmin-App. Dort hat das Corona-Jahr unübersehbar seine Spuren hinterlassen: „Es war ein perfektes Jahr!“ weiterlesen

Jahresmusterung, Teil 5: Chance verpasst, Facebook

Ich bewerte die Leistungen der Tech-Konzerne 2020. Facebook hat sich zwar keinen ganz grossen Patzer geleistet. Doch das ist schon das beste, was man über das soziale Netzwerk dieses Jahr sagen kann.

So ein richtiger Klimax ist das nicht, wenn ich mich im (mutmasslich) letzten Teil meiner schönen Serie zur Jahresmusterung der grossen Tech-Konzerne auf Facebook stürze. Denn Facebook ist seit Jahren ein Sorgenkind. Aus der eigentlich schönen Vision, die Menschen der ganzen Welt zu vernetzen, ist eine Art geistiger Krankheit geworden, die sich pandemisch durchs Internet verbreitet. Ich habe sie seinerzeit Morbus Facebook genannt.

In einem in diesem Jahr erschienenen Buch, hier besprochen, lässt uns Steven Levy nacherleben, wie es dazu kommen konnte – und wie die Taten des Mark Zuckerberg seiner hehren Vision nie so richtig gerecht werden konnten. Dieses Muster hat sich auch 2020 fortgesetzt: Zuckerberg hat zwar keinen Skandal à la Cambridge Analytica gebaut, worüber man eigentlich schon einmal froh und dankbar sein müsste. Aber Facebook hat nicht den Eindruck erweckt, dass man längst diagnostizierten Probleme auch wirklich angehen will. Im Gegenteil – was wir 2020 aus Menlo Park in Kalifornien gehört haben, ist unter dem Strich sehr ernüchternd.

Erinnern wir uns an den Boykott im Juli: „Jahresmusterung, Teil 5: Chance verpasst, Facebook“ weiterlesen

Jahresmusterung, Teil 4: Der unheimliche Krisengewinnler

Amazon hat 2020 die Möglichkeiten genutzt, die sich durch die Coronapandemie ergeben haben. Und was ist an der Theorie, dass Jeff Bezos ein fleischgewordener Bond-Bösewicht sei?

Beitragsbild: Amazon Spheres Grand Opening von Seattle City Council/Flickr.com, CC BY 2.0)

Wenn mich jemand fragen würde, welcher von den grossen Fünf in meiner Gunst am tiefsten steht, würde mir die Antwort einigermassen schwerfallen. Denn besagte Gruppe ist nicht gerade eine Versammlung von Unternehmen, der ungefilterte Zuneigung zuteil wird – weder von mir noch von der Welt im allgemeinen.

Also, mit den grossen Fünf meine ich jene Giganten in der digitalen Welt, die manchmal mit dem Akronym GAFAM (oder alternativ FAAMG), gebildet aus den Anfangsbuchstaben bezeichnet werden, bestehend aus Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft. Und ja, wenn ich mich entscheiden würde, wer aus dieser Gruppe der grösste Unsympath ist, dann würde meine Wahl auf Amazon fallen. Dicht gefolgt von Facebook.

Der Unterschied bei dieser Reihenfolge macht der Chef. Ich würde zwar Mark Zuckerberg kein gebrauchtes Automobil abkaufen wollen. (Oder mit ihm ein gemeinsames Unternehmen gründen.) Aber er taugt weniger zum Superschurken als Jeff Bezos. „Jahresmusterung, Teil 4: Der unheimliche Krisengewinnler“ weiterlesen

Jahresmusterung Teil 3: Hat Microsoft 2020 überhaupt etwas gemacht?

Es gibt eine weitere Note für einen grossen Tech-Konzern. Derjenige, der sich heute meinem Urteil stellen muss, hat dieses Jahr immerhin eine Spielkonsole lanciert.

Microsoft hat dieses Jahr mehrfach in Form von nostalgischen Rückblicken stattgefunden: In meinem Beitrag Das leise Ende des PC-Zeitalters zum Auslaufen von Windows 7. Oder im grossen Jubiläumsbeitrag zu 35 Jahren Windows 1.0, der die Frage gestellt hat, warum das Betriebssystem eigentlich nicht gleich zu Beginn wieder von der Bildfläche verschwunden ist.

Ist Microsoft vor allem noch dazu da, sentimentale Gefühle zu wecken und uns daran zu erinnern, wie wir in unserer Jugend mit dem Programmmanager hantiert und  mit Solitär Zeit verschwendet haben? Ist dieser Eindruck gerechtfertigt?

Zu einem guten Teil ist er das natürlich. Microsoft ist zwar nicht den Weg von IBM gegangen und für uns Endanwender in der kompletten Bedeutungslosigkeit versunken. Aber Microsoft ist nicht mehr das Unternehmen, das Trends vorgibt und an dem sich unsere Gefühle entzünden – egal, ob die nun positiver oder negativer Art sind.

Natürlich mit einer grossen Ausnahme: „Jahresmusterung Teil 3: Hat Microsoft 2020 überhaupt etwas gemacht?“ weiterlesen

Jahresmusterung, Teil 2: Der Konzern, der gegen Trump und Corona anstinken konnte

Ich beurteile die Leistungen der grossen Tech-Konzerne in diesem Jahr. Und selbst ein gestrenger Kritiker wie ich kommt zum Schluss: 2020 hat sich Apple am besten geschlagen.

Nachdem diese neue Rubrik auf derartig grossen Anklang gestossen ist, mache ich gleich weiter. Ein Unternehmen, das unbedingt beurteilt werden sollte, ist Apple.

Apple, man muss es festhalten, hat etwas geschafft, dass 2020 nur wenigen gelungen ist: Der Konzern konnte sich während seinen Anlässen in den Schlagzeilen nicht nur gegen die Coronakrise behaupten, sondern auch gegen das Debakel um die Abwahl von Ex-Präsident Trump.

Ich halte fest, dass ich die Aufmerksamkeit nicht immer gerechtfertigt fand. Trotzdem muss ich neidlos anerkennen: Gegen eine Pandemie und einen irren Möchtegern-Autokraten anzustinken, muss man erst einmal schaffen!

Da Apple diesbezüglich Anerkennung gebührt, kann ich auch gleich mit dem Fazit herausplatzen: Es war für Apple ein gutes Jahr.

2020 war besser, als einige der vorherigen Jahre. Und zwar nicht deswegen, weil Apple nach den (für meinen Geschmack viel zu vielen Events) im Dezember nochmals einen Coup lancierte: „Jahresmusterung, Teil 2: Der Konzern, der gegen Trump und Corona anstinken konnte“ weiterlesen

Jahresmusterung, Teil 1: Eine schlechte Note für Google

Eine neue Rubrik hier im Blog: Ich beurteile die Leistungen der grossen Tech-Konzerne von 2020. Als erster ist der sympathische Suchmaschinenkonzern aus Mountain View, Kalifornien, an der Reihe.

Sagt, liebe Leserinnen und Leser dieses schönen Blogs, was haltet ihr von dieser Idee? Es geht um eine kleine Reihe zum Jahresende, in der ich Rückblick halte.

Und ja, bevor ihr mir ins Wort fallt und darauf hinweist, dass ein Jahresrückblick keine originelle Idee ist und wir im Nerdfunk mit dem digitalen Realitätsabgleich (erste Folge 2020: Drucker sagt nein) dieses Format seit mehr als zehn Jahren pflegen, lasst mich noch auf ein besonderes Merkmal dieser neuen Reihe hinweisen:

Also, die eigentliche Idee ist, dass ich einem grossen Tech-Unternehmen eine Note austeile. Wie hat es sich geschlagen? Ist es den Erwartungen gerecht geworden? Läuft alles so, wie wir als Kunden und Nutzer es uns wünschen würden?

Damit ihr euch das vorstellen könnt, ein Beispiel: Meine Beurteilung eines nicht unwichtigen Suchmaschinenbetreibers aus Mountain View, Kalifornien, der nebenbei auch noch ein florierendes Cloudgeschäft betreibt. Wie hat uns Google dieses Jahr gefallen? „Jahresmusterung, Teil 1: Eine schlechte Note für Google“ weiterlesen

Ohrmuscheln, Rassismus, Krawall-Twitterer

Noch einmal 44 Links und elf Herzchen: Meine gesammelten Werke der letzten Zeit und eine Ladung der besten Lesestücke aus dem Web.

Ich weiss, ihr liebt sie nicht sonderlich – diese Blogposts mit dem Rückblick auf meine beruflichen Arbeiten der letzten Zeit. Aber die gehören nun einmal zu diesem Blog hier, und darum müssen wir alle durch.

Also, fangen wir an mit den Beiträgen, die im November in den Tamedia-Medien erschienen sind:

„Ohrmuscheln, Rassismus, Krawall-Twitterer“ weiterlesen

So klappt es mit den Screencasts!

Wie fabriziert man ein Erklärvideo, das nicht zu viel und nicht zu wenig zeigt und das das richtige Timing aufweist? Dazu gibt es heute ein paar Tipps, die teils auch für Powerpoint-Präsentationen anwendbar sind.

Neulich ist mir – wie schon so oft – ein Jubiläum durch die Lappen gegangen: Die digitalen Patentrezepte, meine Videorubrik für den Tagesanzeiger, gibt es seit fünf Jahren. Am 16. Juni habe ich hier die erste Folge präsentiert. Und seitdem sind noch mehr als zweihundert dazugekommen.

Eine Gelegenheit, hier ein paar Tricks für die Screencasts zum Besten zu geben. Ein Screencast ist das bewegte Äquivalent zum Bildschirmfoto; also die Anzeige des Computers oder Mobilgeräts, die in Form eines Videos eingefangen wird. Ich nutze noch immer die gleichen Programme, die ich allesamt hier im Blog vorgestellt habe: „So klappt es mit den Screencasts!“ weiterlesen

Mein Mobilfunkanbieter und ich – wir sind seit ewig zusammen

Man könnte es Porzellanhochzeit nennen – oder mein längster Langzeittest aller Zeiten: Ich bin seit 1999 mit meinem Mobilfunkanbieter verbandelt. Und ja: Es gab Höhen und Tiefen.

Im Beitrag Zieht euch warm an, liebe Unternehmen im Fernmeldewesen! habe ich auf drei Jahre mit Init7 zurückgeblickt. Man könnte das auch einen Langzeittest nennen. Und wenn ich schon dabei bin, kann ich mir auch ein paar Gedanken zu meinem Mobilfunkanbieter machen.

Das ist Salt. Ich habe dort ein Abo, seit Salt – damals noch unter dem Namen Orange – in der Schweiz gestartet ist. Das war am 29. Juni 1999. Aus unerfindlichen Gründen war ich zur Startveranstaltung eingeladen. Da gab es für sämtliche Besucher eine Prepaid-SIM-Karte und ein Nokia 6150. Und weil ich bis dato weder Mobiltelefon noch mobile Rufnummer besessen hatte, war Orange schuld, dass ich zum Handynutzer wurde.

Und das, obwohl Orange den Start seinerzeit verpatzt hat, wie der Tagesanzeiger am 30. Juni 1999 geurteilt hatte:

Zwar konnte in Zürich mit dem neuen Mobilfunkanbieter problemfrei telefoniert werden. Doch in der Region Aargau kämpften die Orange-Installateure mit technischen Problemen. In Turgi und Baden liess sich per Handy keine Verbindung zum Netz herstellen, und nach dem Gubristtunnel war Funkstille – dies obwohl Orange eine 90-Prozent-Abdeckung verspricht.

Man erinnert sich: „Mein Mobilfunkanbieter und ich – wir sind seit ewig zusammen“ weiterlesen