Hunde sind nicht so toll wie auf Instagram

Jogger und Eltern kennen das: Nicht alle Hunde sind so wohl­er­zo­gen, wie es sich gehört. Darum hier eine Idee, wie das Smart­phone gegen solch all­ge­mein gefähr­liche Viecher helfen könnte.

Hunde gehören wie die Katzen zu den Tierarten, deren primärer Zweck es ist, für virale Postings in den sozialen Medien Modell zu stehen. Sie erfüllen den, indem sie lustige oder freche Dinge tun oder einfach nur niedlich aussehen.

Es tut mir darum leid, dass ich heute eine unpopuläre Position vertreten muss. Aber: Diese Tiere – Hunde vor allem – sind keine reine Freude, wenn man im richtigen Leben mit ihnen zu tun bekommt.

Anlass für diese Richtigstellung ist ein Erlebnis, das ich vor ein paar Wochen beim Joggen hatte. Als Läufer gehört man zu den natürlichen Feinden der Hunde: Man weckt ihre Jagdinstinkte und wenn man etwas zu ihrem Wohlbefinden würde beitragen wollen, dann täte man gut daran, die Rolle der Beute zu übernehmen und die Kehle zum Biss darzubieten.

Tierische Stolperfallen

Wir Läufer wissen, dass Hunde eine Vorliebe dafür haben, einem so in die Haxen zu laufen, dass ein doppelter Salto die Folge ist, wenn man nicht aufpasst. Darauf sind wir geeicht. Unerfreulicher ist allerdings, wenn uns Hunde hinterherrennen, bellen oder sogar Anstalten machen, zuzubeissen, wie es beim besagten Erlebnis (wieder einmal) der Fall war. Bei dem bekam ich es mit einem hüfthohen Hund zu tun, der auf Körperkontakt an mich herangekommen ist, indem er mir seine Schnauze gegen den Brustkorb gedrückt hat.

Nun, ich nehme an, dass er zugebissen hätte, wenn er das hätte tun wollen. Vielleicht hat ihn auch seine laut Befehle erteilende Besitzerin von seinem Plan abgebracht. Aber das ist nicht entscheidend: Auch wenn ich keine eigentliche Angst vor Hunden habe, kann ich auf solche Erlebnisse gern verzichten. Ich habe der Dame gesagt, sie solle doch bitte ihr Tier unter Kontrolle halten. Sie hat sich daraufhin ehrlich entschuldigt, mit den Worten, die in solchen Fällen offenbar Standard sind («Das tut er sonst nie!»). Und sie hat erklärt, es sei ihre Schuld als Halterin, weil sie abgelenkt gewesen sei.

Nun, ich finde, Hunde sollten von sich aus wissen, was sie tun dürfen und was nicht. Trotzdem hatte ich an der Stelle fast ein schon schlechtes Gewissen, weil die Besitzerin eine ältere Dame war, die den Hund sicherlich als wichtigen Bezugspunkt im Leben wahrnimmt. Und ich will nicht, dass sich ihre Beziehung zu ihrem Kameraden meinetwegen verschlechtert.

Unfähige Hundebesitzer

Also, Senioren, die ihre Tieren nicht voll im Griff haben, sind das eine. Nicht zu Nachsicht bereit bin ich jedoch, wenn Leute sich einen Hund als eine Art Spielzeug halten (oder für besagte Instagram-Posts), aber keine Ahnung haben, welche Verantwortung das mit sich bringt.

Als Vater habe ich das x-mal erlebt. Meine Tochter ist in dem Alter, in dem Kinder mit ihrer typischen Körpergrösse Hunde ganz anders erleben: Nämlich als bedrohliche Tiere, die ihren Kopf und ihre Schnauze auf ihrer Augenhöhe haben. Es ist während der Coronapandemie vermehrt passiert, dass ich sie auf den Arm nehmen musste, um sie aus der Reichweite von Hunden zu befördern, die offenbar keinerlei Erziehung genossen haben.

Ein Erlebnis, das meine Meinung von Hundehaltern nachhaltig beschädigt hat, ist schon etwas länger her. Es hat bei einem Bäcker in Winterthur abgespielt, wo ich mit meiner Tochter bei einem recht grossen Kundenandrang etwas einkaufen wollten. Ein Hund – der offensichtlich draussen hätte angebunden werden sollten – stieg zuerst an meinen Hosen hoch, um dann das gleiche bei meiner Tochter zu tun. Wiederum waren das – natürlich – ganz andere Grössenverhältnisse, weswegen sie in völlige Panik geriet. Ich habe sie auf den Arm genommen und den Besitzer so ruhig, wie es mir möglich war, aufgefordert, er solle auf seinen Hund aufpassen.

Damit hätte die Sache erledigt sein können, weil der Hund, soweit ich das beurteilen konnte, mehr aus Neugierde und Spieltrieb denn aus Angriffslust gehandelt hatte. Doch Irrtum: Als ich beim Bezahlen war, kam der Hundebesitzer wie ein Berserker auf mich zu und beschuldigte mich vor allen Leuten, ich hätte mich vorgedrängelt. Dicht aufrückend machte er mir eine Szene, woraufhin ich ihm bloss sagte, er solle mich nicht anfassen und gefälligst Abstand halten.

Die Moral von der Geschicht’?

Diese Anekdote zeigt, dass häufig (nicht immer) nicht die Hunde das Problem sind, sondern die Hundehalter. Im geschilderten Fall finde ich es bemerkenswert, dass der Hund trotz seines psychopathischen Besitzers sich seine freundliche, neugierige Natur bewahren konnte.

Mich täuschst du nicht! (T.R Photography 📸, Unsplash-Lizenz)

So weit die Erlebnisse. Kann man aus ihnen eine Moral oder eine Forderung ableiten? Sollte die Hundehaltung strenger reguliert werden? Ohne Zweifel ist es richtig, dass die sogenannten Kampfhunde nicht ohne Bewilligung gehalten werden dürfen. Nicht auszudenken, wenn jener Hund beim Bäcker zu dieser Kategorie gezählt hätte. Und ohne Zweifel zeigen uns auch derlei Erlebnisse die Grenzen der Idee der «Eigenverantwortung» auf.

Und ja, da Hunde schon heute mit RFID-Chips ausgestattet werden. Und wieso sollte dieser Chip nicht fürs Smartphone lesbar sein?

Ich stelle mir eine automatische Lösung vor, die analog zum Kontakt-Tracing funktioniert: Wenn mir ein Hund einen Sicherheitsabstand zu mir unterschreitet und sich mir auf, sagen wir, dreissig Zentimeter annähert, dann registriert die App seinen Code. Wenn er mich beisst oder mich in Panik versetzt, kann ich hinterher mit dieser Nummer bei der Polizei Meldung machen. Wenn der Hund seine Distanz wahrt, bleibt er anonym – auch wenn er kläfft wie durchgeknallt. Auf alle Fälle würde eine solche Regelung sicher dazu führen, dass viele Hundehalter ihren Tieren die notwendige Erziehung würden angedeihen lassen.

Beitragsbild: Und jetzt stell dir vor, anstelle des weissen Hundes bist du beim Joggen (PxHere, CC0).

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