Und wieder hat einer auf Facebook groben Unsinn geteilt

Ich unterziehe einen Beitrag von RT einer kritischen Prüfung. Und das Ergebnis ist für meinen Freund, der ihn auf Facebook geteilt hat, leider nicht schmeichelhaft.

Eine weitere Folge aus der beliebten Reihe Zeugs, das besser nicht gepostet worden wäre: Der Beitrag «The 1% blunder: How a simple but fatal math mistake by US Covid-19 experts caused the world to panic and order lockdowns» von RT.com. Ich gebe hier zu Dokumentationszwecken den Link an, natürlich mit Noreferrer und Nofollow-Attribut.

«Bitte lest das», verlangt mein Facebook-Freund. Das habe ich gemacht.

Ein Freund auf Facebook hat ihn gestern veröffentlicht. Er gibt dem Link in seinem Posting eine kleine Relativierung mit: Der Text sei «zumindest interessant». Doch die Relativierung wird auch gleich wieder relativiert, indem er angibt, auch ein befreundeter Arzt hätte ihn gepostet.

Jetzt könnte man es sich einfach machen und auf die Quelle verweisen: RT.com ist die Website zum gleichnamigen Fernsehsender, der ursprünglich «Russia Today» hiess.

Schon die Selbstbeschreibung weist auf zwei grundsätzliche Probleme mit dieser Informationsquelle hin. Es heisst auf der «About RT»-Seite Folgendes: „Und wieder hat einer auf Facebook groben Unsinn geteilt“ weiterlesen

Heute kein Covid-19. Heute kein Trump.

Die Login-Allianz hat eine Chance verpasst: Den Leserinnen und Lesern die Möglichkeit zu geben festzulegen, womit sie nicht behelligt werden möchten. Lässt sich dieses Versäumnis ausbügeln?

Seit Ende letzten Jahres gibt es die Login-Allianz.  Sie soll die Nutzer von Schweizer Newssites dazu bringen, sich zu registrieren, um die Angebote zu nutzen. Tamedia, Ringier, CH Media und NZZ sind beteiligt, und auch wenn es wegen Corona in letzter Zeit still um dieses Unternehmen geworden ist, soll es weitergehen.

In der «Werbewoche» war Ende Juni zu lesen, dass das Single Sign-on 2021 kommen soll. Single Sign-on bedeutet, dass sich der Nutzer nur einmal registrieren muss, um sich bei allen beteiligten Titeln einloggen zu können. Derzeit sind es rund 30 Medienmarken, die zur Allianz gehören.

Mit der Einführung des Universal-Logins wird die Registrierung nicht mehr freiwillig sein, sondern obligatorisch. Und auch SRF will daran teilnehmen; Ende 2020 soll dort die Amneldemaske Einzug halten.

Für die Idee hinter der Login-Allianz habe ich ein gewisses Verständnis: Es ist die Einsicht, dass man die Mediennutzern die Gratismentalität nur dann abgewöhnt, wenn die grossen Medienhäuser gemeinsam auftreten und gewisse Schranken vor die Inhalte setzen. Auch für das Interesse an Nutzerdaten habe ich absatzweise Verständnis. „Heute kein Covid-19. Heute kein Trump.“ weiterlesen

Schabernack, Unfug und Augenöffnen mit Diagrammen

Ich habe einen neuen Lieblings-Zeitvertreib: Die teils albernen, teils genialen satirischen Diagramme von «Shitposts That Look Like Science Diagrams».

Ich habe den Vorsatz gefasst, weniger Zeit auf Facebook zu verbringen. Der wurde mir aber gründlich verhagelt. Ich habe nämlich die Seite Shitposts That Look Like Science Diagrams entdeckt.

Das ist eine Gruppe mit gut 138’000 Mitgliedern, die parodistischen Ulk mithilfe von Infografiken betreibt: Die Beiträge sollen ein Diagramm, ein Schaubild oder eine grafische Darstellung enthalten – oder zumindest ein Element, das auf den ersten Blick so aussieht, aber auf den zweiten Blick etwas anderes ist. Nämlich irgend ein Schabernack bzw. eine Verballhornung.

Zum Beispiel diese Anleitung, wie man sich (nicht) vor Angriffen von Gänsen schützt. Oder diese Bilder, die das deutsche Reich und das Vereinigte Königreich als Film-Franchise darstellen.

Sehr lachen musste ich auch bei dieser Nsfw-Grafik, die aus einem Medizinlexikon der 1950er-Jahre stammen könnte, wenn es damals schon Screenshots gegeben hätte.

Nebst den Illustrationen, wie sie aus Lexika, Schul- und Lehrbüchern stammen könnten, gibt es Flussdiagramme. Hier eines, das erklärt, wie man herausfindet, ob man ein Pferd ist oder nicht.

Die beliebteste Diagramm-Art sind, soweit ich das beurteilen kann, jedoch die Venn-Diagramme. In Deutsch heissen die Mengendiagramme, und sie zeigen Überschneidungs- und Ausschlusskriterien. Da gibt es sehr schöne Beispiele: „Schabernack, Unfug und Augenöffnen mit Diagrammen“ weiterlesen

Einmal Hetze, immer Hetze?

Eine Knacknuss für uns Freunde der angewandten Medienkompetenz: Darf man Desinformations- und Fakenews-Quellen global ächten – oder muss man bereit sein, begründete Ausnahmen zu machen?

Beitragsbild: Pegida Frankfurt April 2015 von Opposition 24/Flickr.com, CC BY 2.0

Hier im Blog ging es (hier, hier und hier) um Websites, die ihren Teil zur Vielfalt des Internets beitragen – bei denen ich aber Gegenposition einnehme, wenn sie mir in den sozialen Medien begegnen.

Denn ich finde, dass wir Nutzer von Facebook, Twitter und Co. die Beiträge sorgfältig auswählen sollten, die wir unseren Freunden und Followern unterbreiten. Es braucht einen kritischen Umgang mit den Quellen. Wir sollten die Motive kennen, die hinter einer Veröffentlichung stehen: Geht es um Information, Aufklärung, persönliche Meinung oder meinetwegen auch um Unterhaltung? Oder geht es um das Gegenteil?

Das Gegenteil von Information ist die Desinformation. Bei der spielen Fakten eine untergeordnete oder gar keine Rolle. Das Ziel ist, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und in eine bestimmte Richtung zu lenken. Und daher ist die Gefahr gross, dass man durch eine Weiterverbreitung in den sozialen Medien die öffentliche Meinungsbildung nicht fördert, sondern behindert – und Leute mit Reichweite belohnt, deren Motive fragwürdig sind.

Und um das auch mal gesagt zu haben: Jeder meiner Freunde auf Facebook und Twitter darf den grässlichsten Mist posten – wenn er dafür einen guten Grund hat und ich erkennen kann, dass eine kritische Auseinandersetzung beabsichtigt ist. Auf jeden Fall ist auch eine Triggerwarnung sinnvoll: „Einmal Hetze, immer Hetze?“ weiterlesen

Sollten wir nicht nur 5G verhindern, sondern auch den Mobilfunk abschaffen?

Ein Verein kämpft gegen 5G und gegen jegliche elektromagnetische Strahlung – und er verlangt auch WLAN-freie Zonen. Ich habe versucht herauszufinden, ob diese Forderung ernst gemeint ist – und was hinter ihr steckt.

Auf Facebook bin ich einer, Zitat, «nationalen und hoffentlich zukunftsweisenden» Umfrage zu 5G begegnet. 5G: Das ist dieser neue Mobilfunkstandard, der heftig angefeindet wird. Es gibt Leute, die ihn unbedingt verhindern wollen. Zu diesem Zweck setzen sie einiges an Aktivitäten in Gang.

Der Facebook-Post mit Umfrage zu 5G.

Eine dieser Aktivitäten ist eben diese Umfrage. Sie stammt, genauso wie der gesponsorte Facebook-Post, von einem Verein namens «Stopp 5G in Winterthur».

Bei dieser Ausgangslage hat man eine ziemlich klare Vorstellung davon, was Sinn und Zweck dieser Erhebung ist. Und ein Blick auf die Fragen bestätigt die schlimmsten Vermutungen. Wenn ich es jemals mit Suggestivfragen zu tun bekommen habe, dann bei diesem demoskopischen Meisterwerk: „Sollten wir nicht nur 5G verhindern, sondern auch den Mobilfunk abschaffen?“ weiterlesen

Facebook und die Kunst

Nebst der Frage, ob Mark Zuckerberg etwas von Kunst versteht, geht es hier darum, ein bisschen auf Facebook herumzuhacken und abschliessend auf Yarn hinzuweisen.

Animierte GIFs sind kein Teil der menschlichen Hochkultur. Das sieht man allein an der Tatsache, dass Mohammed bin Salman seine 450 Millionen US-Dollar für Leonardo da Vincis Bild Salvator mundi ausgegeben hat – und nicht für Giphy. Das ist jene Plattform, die für 50 Millionen weniger nicht nur ein Kunstwerk, sondern Hunderttausende von GIFs zu bieten gehabt hätte. Aber das kann einen echten Kenner nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Weswegen Mark Zuckerberg den Zuschlag bekommen hat und Giphy für 400 Millionen Dollar erwerben durfte.

Wobei es nun ungerecht wäre, Mark Zuckerberg einen Sinn für Kunst abzusprechen – selbst wenn seine Plattform derjenige Ort ist, wo der gute Geschmack sterben geht. (Wenn man zynischen Leuten wie mir glauben darf.) Denn Mark Zuckerberg bzw. sein  erlaubt es jungen Künstlern, die Bilder in den Facebook-Büros mit ihren Werken zu versehen. Aus Steven Levys Buch weiss man, dass sich auch ein Künstler namens David Choe verwirklichen durfte: „Facebook und die Kunst“ weiterlesen

Ein Schweizer Liebling der Verschwörungstheoretiker

Nein, auch von der so genannte «Swiss Policy Research» solltet ihr keine Beiträge in sozialen Medien posten.

Beitragsbild: Und jetzt bitte einen Hut daraus basteln (Aluminum foil, close up von Marco Verch/Flickr.com, CC BY 2.0).

Neulich habe ich  zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen ins Feld geführt. Das war erfolgreich Einen meiner Facebook-Freunde konnte ich dazu bewegen, seinen entsprechenden Post zu löschen.

Doch die Freude währte nur kurz. Letzte Woche hat er  wieder im Bodensatz des Internets gerührt und einen besonders illusteren Link nach oben befördert. Diesen Link haben wir,  also seine Internetfreunde, nämlich sogleich zur Begutachtung dargereicht bekommen.

Deshalb komme ich nicht darum herum, mich an dieser Stelle mit der Website zu beschäftigen, die – mit freundlicher Unterstützung von Facebook – weitere Kreise gezogen hat, als sie es verdient.

Es handelt sich um die so genannte «Swiss Policy Research»  (swprs Punkt org). (Ursprünglich «Swiss Propaganda Research»; siehe Fussnote¹.) „Ein Schweizer Liebling der Verschwörungstheoretiker“ weiterlesen

Treten wir alle gegen Fakenews und Verschwörungstheorien an!

Wir müssen uns nicht nur mit dem Lockdown herumschlagen, sondern auch mit der ganzen Flut an Fehlinformationen, die nonstop ins Internet abgelassen wird. Warum es wichtig ist dagegenzuhalten!

Neulich habe ich mich über die Zunahme an verschwörungstheoretischem Quark in meiner Facebook-Timeline aufgeregt und mir in einem Blogpost Luft gemacht. Doch damit war die Sache noch nicht erledigt. Denn erstens lesen offenbar nicht alle Nutzer von Facbeook mein Blog – der Strom an Unseriösem, Irreführendem und Fragwürdigen ist nicht abgerissen. Und zweitens gibt es noch andere Quellen für derlei Zeugs: Andere Social-Media-Kanäle. Und vor allem auch die Messenger wie Whatsapp.

Darum habe ich mich entschieden, ein Patentrezept-Video zum Thema aufzunehmen. Das hat zwei Aufgaben: Erstens soll es die Leute dazu bewegen, selbst keine Verschwörungstheorien und keine Kettenbriefe weiterzuverbreiten. Und zweitens will ich die Zuschauer motivieren einzuschreiten, falls jemand in ihrem Umfeld das tut.

Und das hier ist das Video: „Treten wir alle gegen Fakenews und Verschwörungstheorien an!“ weiterlesen

Zuckerberg sollte den Hut nehmen

Das sieht nicht gut aus für «the blue app»: Einige Erkenntnisse aus dem Facebook-Buch von Steven Levy.

Ich fand und finde es heute noch irritierend, wenn von einer «juristischen Person» gesprochen wird. Das sind eben keine Personen, sondern Organisationen – Kapitalgesellschaften, Vereine, Stiftungen und Genossenschaften.

Doch vielleicht ist die Bezeichnung nicht ganz so unsinnig, wenn man sich vergegenwärtigt, dass einem manche Unternehmen sympathisch sind und man andere für ziemliche Kotzbrocken hält. Die Handlungen der einen Organisation leuchten einem ein, während man sich bei anderen bloss wundern kann.

Ein Unternehmen, über das ich mich in den letzten Jahren immer wieder gewundert habe, ist Facebook. Wenn man sich dieses Unternehmen als Person vorstellt, dann hat man einen geltungssüchtigen, unreifen, rabiaten und rücksichtslosen Nerd vor Augen. Diese Person hat ohne Zweifel ihre Ideale. Und ich gestehe ihr auch zu, dass sie tatsächlich im Glauben handelt, die Welt zu verbessern – und ich teile ihre Ansicht, dass die Vernetzung von Menschen im Kern etwas Gutes ist.

Das Problem dieser Person ist jedoch, dass ihr Verständnis für die Menschen und soziale Mechanismen erstaunlich unterentwickelt ist. „Zuckerberg sollte den Hut nehmen“ weiterlesen

Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen

Warum posten derzeit so viele vernünftige Leute total unvernünftigen Quatsch auf Facebook? Und wie könnte man mit den Videos von Verschwörungstheoretikern sinnvollerweise umgehen?

Verschwörungstheoretiker und ihr toxischer Output sind ein reales Phänomen. Damit habe ich mich abgefunden und an dieser Stelle schon diverse Male auseinandergesetzt.

Was mich betrübt und auch sauer macht, ist eine Beobachtung, die ich in machen musste, als es mit der Coronakrise ernster wurden. Es zeigt sich nämlich, dass die Thesen und Behauptungen in Krisenzeiten infektiöser sind als in einer normalen Situation. Das war während der Nobillag-Abstimmung zu beobachten. (Wobei man sich natürlich fragen darf, ob aus heutiger Sicht diese Periode das Attribut «Krise» verdient.) Und es ist wird in diesen Tagen sehr deutlich.

In meinem Social-Media-Umfeld ist die Situation typischerweise so: Es sind die einschlägig bekannten Figuren, die Fragwürdiges aus der Ecke der Aluhutträger in Umlauf bringen. Man kennt sie, schaltet sie stumm, wenn sie einem zu sehr auf die Nerven gehen – aber es sieht so aus, als ob die Szene in ihrem eigenen Saft vor sich hin köcheln würde.

In der letzten Zeit hat mir Facebook mehrere Posts in meine Timeline gespült, die von Leuten stammen, die ich erstens alle persönlich kenne. Und die ich zweitens alle als vernünftige, nüchterne Personen einschätze. Drittens ging es immer um Videos von KenFM. „Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen“ weiterlesen