Als Facebook mich vor sich selber warnte

Die grosse Scheinheiligkeit bei Facebook: Unmoralische Angebote sind völlig okay, solange sie nicht allzu öffentlich stattfinden.

Neulich hat sich Facebook blamiert. Und nicht nur ein bisschen. Ich würde sagen, das Mark Zuckerberg bis zu den Unterhosen im Fettnäpfchen versunken ist.

Und ja, man könnte die Sache auch für einen Ausrutscher halten; eine kleine Fehleinschätzung, wie sie gelegentlich vorkommen können. Und ja, Facebook verwendet für so viele Algorithmen, die alle nicht perfekt sind. Das ist ein Problem für sich, weil beim Kampf gegen Hass auf der Plattform Lücken offen bleiben, durch die ein gewisser Anteil an Gift durchrutscht

Doch in dem Fall geht es nicht um die Algorithmen, sondern darum, dass Facebook die eigene Scheinheiligkeit offen legt.

«Es gibt viele sexy Frauen in dieser Gruppe»

Angefangen hat die Sache mit einem Video, in dem ich mich mit den unerwünschten Kontaktanfragen bei Facebook beschäftige. „Als Facebook mich vor sich selber warnte“ weiterlesen

Wundertechnik aus der analogen Mottenkiste

Die Facebook-Seite «Cassette Futurism» führt vor Augen, wie schräg, genial, überraschend und herzerwärmend die Heimelektronik-Erfindungen der letzten Jahrzehnte vor dem Internet und Smartphone waren.

Meine Vorliebe für Retrofuturismus habe ich im Beitrag So schön wird die Retrozukunft gewesen sein kundgetan, in dem ich eine Würdigung auf die nach wie vor tolle Facebook-Seite The Vault of the Atomic Space Age.

Spotify von anno domini.

Eine Seite, die die gleiche Sai­te zum Schwin­gen bringt, ist Cas­sette Futur­ism. Sie zele­briert ana­loge High-Tech-Höhen­flüge, die sich häufig um jenen Kult­gegen­stand drehen, der anfangs der 1960er-Jahre von Lou Ottens erfunden worden war. Ottens, der kürzlich verstorben ist, war  Produktentwickler für den niederländischen Elektronikkonzern Philips. Sie hat dem Walkman den Weg geebnet und das Lebensgefühl mehrerer Jugendgenerationen bestimmt: „Wundertechnik aus der analogen Mottenkiste“ weiterlesen

Der ganz normale Hass bei Facebook

Ein Kommentar auf der Facebook-Seite der NZZ, der Gewalt an der Klimajugend verherrlicht, bleibt trotz Aufforderung zum Löschen viel zu lang unwidersprochen stehen.

Ich habe mich letzten Freitag über die NZZ aufgeregt.

Es geht um diesen Beitrag hier, eine ausführliche Reportage zur Klimajugend, die in einem Dilemma steckt. Die Coronakrise hat ihren Kampf in den Schatten gedrängt und die Protestbewegung mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, wie sie ihr Anliegen wieder ins Gespräch bringt. Wie weit darf sie für diesen Zweck gehen? Welche Mittel sind in Ordnung, wo verläuft die Grenze?

Diese Fragen werden in der Reportage differenziert behandelt, indem Exponenten, die mit den Mitteln des Systems operieren, den Exponenten gegenüber gestellt werden, die laut über Gewalt nachdenken: „Der ganz normale Hass bei Facebook“ weiterlesen

Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn

Manche Leute drehen frei, weil ein Ex-US-Präsident und ein Zürcher Kantonsrat auf Twitter blockiert worden sind. Resultat: Absurde Diskussionen auf Facebook – aber auch spannende Überlegungen, wie die Meinungsfreiheit zu schützen wäre.

Neulich hatte ich eine Diskussion auf Facebook, die sich im weitesten Sinn um die Frage nach der Zensur in den sozialen Medien gedreht hat.

Diese Diskussion hat sich – wie häufig auf Facebook, im Kreis gedreht. Godwin’s law hat sich einmal mehr bewahrheitet. Diese Regel besagt, dass bei Diskussionen im Internet früher oder später ein Nazi-Vergleich erfolgt. In diesem Fall kam dieser Vergleich schon ganz am Anfang: Meine kleiner, spöttischer Beitrag hier, der sich mit dem Twitter-Output von Weltwoche-Chef und Nationalrat Roger Köppel beschäftigt, wurde mit folgenden Worten kommentiert:

Beginn eines Denunziantentums? Schöne neue Welt wie in der dunkelsten Zeit Deutschlands.

Nun, mit diesem Zitat dürfte auch schon deutlich werden, warum sich die anschliessende Diskussion nichts Vernünftiges hervorgebracht hat: „Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn“ weiterlesen

Jahresmusterung, Teil 5: Chance verpasst, Facebook

Ich bewerte die Leistungen der Tech-Konzerne 2020. Facebook hat sich zwar keinen ganz grossen Patzer geleistet. Doch das ist schon das beste, was man über das soziale Netzwerk dieses Jahr sagen kann.

So ein richtiger Klimax ist das nicht, wenn ich mich im (mutmasslich) letzten Teil meiner schönen Serie zur Jahresmusterung der grossen Tech-Konzerne auf Facebook stürze. Denn Facebook ist seit Jahren ein Sorgenkind. Aus der eigentlich schönen Vision, die Menschen der ganzen Welt zu vernetzen, ist eine Art geistiger Krankheit geworden, die sich pandemisch durchs Internet verbreitet. Ich habe sie seinerzeit Morbus Facebook genannt.

In einem in diesem Jahr erschienenen Buch, hier besprochen, lässt uns Steven Levy nacherleben, wie es dazu kommen konnte – und wie die Taten des Mark Zuckerberg seiner hehren Vision nie so richtig gerecht werden konnten. Dieses Muster hat sich auch 2020 fortgesetzt: Zuckerberg hat zwar keinen Skandal à la Cambridge Analytica gebaut, worüber man eigentlich schon einmal froh und dankbar sein müsste. Aber Facebook hat nicht den Eindruck erweckt, dass man längst diagnostizierten Probleme auch wirklich angehen will. Im Gegenteil – was wir 2020 aus Menlo Park in Kalifornien gehört haben, ist unter dem Strich sehr ernüchternd.

Erinnern wir uns an den Boykott im Juli: „Jahresmusterung, Teil 5: Chance verpasst, Facebook“ weiterlesen

Noch ein paar solcher Posts, und ich bin raus bei Facebook

Wenn die sozialen Medien Leute dazu bringen, ihre asoziale Seite hervorzukehren und statt zu diskutieren bloss noch zu provozieren, dann sollte man darüber nachdenken, ob man sein Facebook-Konto nicht löschen will.

Wer so etwas postet, disqualifiziert sich.

In der letzten Zeit ging es hier im Blog immer mal wieder um Dinge, die mir bei Facebook begegnet sind – und über die ich mich genug geärgert habe, um mich in einem Beitrag damit auseinanderzusetzen (zum letzten Mal hier).

Bei meinen Entgegnungen habe ich mich von der Überzeugung  leiten lassen, dass eine sachliche Diskussion mehr bringt, als den Urhebern der Postings die Freundschaft zu künden und mir ihre Beiträge künftig zu ersparen.

Ich habe jeweils die eigentlichen Beiträge kritisiert – aber auch den Umstand, dass die Leute in aller Regel nicht erklären, warum sie einen Link, ein Meme oder ein Video posten. Stehen sie zu hundert Prozent hinter den fragwürdigen Inhalten, die sie weiterverbreiten? Haben sie nicht nachgedacht?

Wollten sie bloss provozieren? Oder Haben sie einzelne Aspekte entdeckt, die sie für diskussionswürdig erachten? Es ist schliesslich in der Tat so, dass mancher Unsinn, der im Netz verbreitet wird, diskutable Einzelaspekte enthält.

Heute geht es wiederum um einen Facebook-Beitrag. Mit einem entscheidenden Unterschied: „Noch ein paar solcher Posts, und ich bin raus bei Facebook“ weiterlesen

Die tapferen Kämpfer gegen Zensur und Denkverbote

Mein Facebook-Freund Jürg hat einen Text von «Die Ostschweiz» geteilt. Sie behauptet, man dürfe das Coronavirus und die Influenza nicht im gleichen Atemzug nennen. Aber stimmt das?

Auf Facebook liest man oft die Behauptung, die freie Meinungsäusserung sei eingeschränkt – man könne auf Facebook «nicht mehr sagen, was man wolle». Auch von Zensur ist oft die Rede.

Das amüsiert und irritiert mich gleichermassen. Amüsant finde ich die Tatsache, dass die Leute komplett ignorieren, wie widersinnig ihre Behauptung ist. Wenn jemand sie zensurieren würde, dann würde er logischerweise auch den Zensurvorwurf unterbinden. Das müsste auf der Hand liegen.

Irritierend ist, dass die Leute nicht verstehen, was Zensur und Einschränkung der freien Meinungsäusserung bedeuten. Es bedeutet, dass der Staat gewisse Ansichten unterdrückt – wie es die Chinesen mit dem «goldenen Schild» tun. Soziale Netzwerke gibt es dort nicht oder nur in ausgedünnter Form.

Ein zentrales Element dieser Zensur ist die Gefahr, der sich Leute aussetzen, die die explizit oder implizit verbotenen Themen trotzdem ansprechen. Sie laufen Gefahr, im Gefängnis zu landen oder zu verschwinden. Deniz Yücel hat das erlebt und im «Fest & flauchig»-Podcast eindrücklich davon erzählt.

Halten wir fest: „Die tapferen Kämpfer gegen Zensur und Denkverbote“ weiterlesen

Mein Corona-«skeptischer» Freund hat mal wieder auf Facebook gepostet

Wer Unsinn in den sozialen Medien postet, muss sich hier öffentlich Kritik gefallen lassen. Ebenso die Medien, die hanebüchenen Unsinn verbreiten. Heute: «Linth24».

Was muss man eigentlich von linth24.ch halten? Das habe ich mich letzte Woche gefragt, nachdem einer meiner Facebook-Freunde einen Link gepostet hat, der Zweifel an der redaktionellen Kompetenz dieses Online-Mediums aufwirft.

Ein Leserbrief, den die Redaktion sogar mit einer Illustration gewürdigt hat.

Der Beitrag «Aus Angst vor dem Tod aufs Leben verzichten» stammt von einem Leser. Er wird in der Spitzmarke als Leserbrief gekennzeichnet und im Lead entsprechend eingeführt.

Darüber hinaus gibt es keinerlei Einbettung. Das widerspricht meiner Erwartung als Mediennutzer. Denn bei einem klassischen Medium erscheinen Leserbriefe in einem eigenen redaktionellen Gefäss. Sie werden mit anderen Einsendungen gebündelt veröffentlicht und decken im Idealfall das ganze Spektrum der Lesermeinungen ab.

Die Einsendung von Leser Jürg Rückmar steht aber für sich und liest sich wie ein normaler redaktioneller Beitrag. Das lässt nur den Schluss zu, dass die Redaktion von «Linth24» voll und ganz hinter den Aussagen steht. Würde sie es nicht tun, hätte sie am Ende die für Gastbeiträge gerne verwendete Floskel angehängt: «Die Meinung des Autors muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.»

Darum lässt sich an dieser Stelle schon eine Feststellung treffen: Entweder beherrschen die Redaktoren bei «Linth24» ihr Handwerk nicht. „Mein Corona-«skeptischer» Freund hat mal wieder auf Facebook gepostet“ weiterlesen

Und wieder hat einer auf Facebook groben Unsinn geteilt

Ich unterziehe einen Beitrag von RT einer kritischen Prüfung. Und das Ergebnis ist für meinen Freund, der ihn auf Facebook geteilt hat, leider nicht schmeichelhaft.

Eine weitere Folge aus der beliebten Reihe Zeugs, das besser nicht gepostet worden wäre: Der Beitrag «The 1% blunder: How a simple but fatal math mistake by US Covid-19 experts caused the world to panic and order lockdowns» von RT.com. Ich gebe hier zu Dokumentationszwecken den Link an, natürlich mit Noreferrer und Nofollow-Attribut.

«Bitte lest das», verlangt mein Facebook-Freund. Das habe ich gemacht.

Ein Freund auf Facebook hat ihn gestern veröffentlicht. Er gibt dem Link in seinem Posting eine kleine Relativierung mit: Der Text sei «zumindest interessant». Doch die Relativierung wird auch gleich wieder relativiert, indem er angibt, auch ein befreundeter Arzt hätte ihn gepostet.

Jetzt könnte man es sich einfach machen und auf die Quelle verweisen: RT.com ist die Website zum gleichnamigen Fernsehsender, der ursprünglich «Russia Today» hiess.

Schon die Selbstbeschreibung weist auf zwei grundsätzliche Probleme mit dieser Informationsquelle hin. Es heisst auf der «About RT»-Seite Folgendes: „Und wieder hat einer auf Facebook groben Unsinn geteilt“ weiterlesen

Heute kein Covid-19. Heute kein Trump.

Die Login-Allianz hat eine Chance verpasst: Den Leserinnen und Lesern die Möglichkeit zu geben festzulegen, womit sie nicht behelligt werden möchten. Lässt sich dieses Versäumnis ausbügeln?

Seit Ende letzten Jahres gibt es die Login-Allianz.  Sie soll die Nutzer von Schweizer Newssites dazu bringen, sich zu registrieren, um die Angebote zu nutzen. Tamedia, Ringier, CH Media und NZZ sind beteiligt, und auch wenn es wegen Corona in letzter Zeit still um dieses Unternehmen geworden ist, soll es weitergehen.

In der «Werbewoche» war Ende Juni zu lesen, dass das Single Sign-on 2021 kommen soll. Single Sign-on bedeutet, dass sich der Nutzer nur einmal registrieren muss, um sich bei allen beteiligten Titeln einloggen zu können. Derzeit sind es rund 30 Medienmarken, die zur Allianz gehören.

Mit der Einführung des Universal-Logins wird die Registrierung nicht mehr freiwillig sein, sondern obligatorisch. Und auch SRF will daran teilnehmen; Ende 2020 soll dort die Amneldemaske Einzug halten.

Für die Idee hinter der Login-Allianz habe ich ein gewisses Verständnis: Es ist die Einsicht, dass man die Mediennutzern die Gratismentalität nur dann abgewöhnt, wenn die grossen Medienhäuser gemeinsam auftreten und gewisse Schranken vor die Inhalte setzen. Auch für das Interesse an Nutzerdaten habe ich absatzweise Verständnis. „Heute kein Covid-19. Heute kein Trump.“ weiterlesen