«Wir sehen uns vor dem Kriegsgericht»

Ein grund­legendes Miss­verständ­nis besteht in der Fehl­annahme, die sozialen Medien würden sich für Frust­abbau eignen. Im Gegenteil – wer seine Unzu­frieden­heit bei Facebook ablädt, trägt bloss dazu bei, dass sich dort der Hass kumuliert.

Kein Like von Facebook.

Ein Erfolg! Ich habe es in der Tat geschafft, einen Kommentar erfolgreich zu melden. Ich habe Facebook dazu gebracht, einen Kommentar wegen Verletzung der viel zitierten Gemeinschafts-Standards zu löschen. Das ist etwas, woran ich mich aufrichten kann!

Nein, eigentlich nicht. Es führt nur vor Augen, wie sehr die sozialen Medien ausser Kontrolle geraten sind.

Ein Symptom sind die Nazivergleiche, von denen inzwischen fast täglich einer die Runde macht. „«Wir sehen uns vor dem Kriegsgericht»“ weiterlesen

Die Untergangsspirale brechen

Die sozialen Medien tragen derzeit zu einer rasanten Eskalation bei. Ich mache mir einige hilflose Gedanken, wie man diese Entwicklung aufhalten oder bremsen könnte.

Während die Pandemie fortschreitet, ist das Verweilen in den sozialen Medien nicht angenehmer geworden. Der Umgangston hat sich verschärft, die Wogen gehen ständig hoch und man wird den Eindruck nicht los, dass manche Leute das Mass völlig verloren haben.

Ich teile die Ansicht von Reda el Arbi im Blogpost Dieser «Spaltung der Gesellschaft»-Bullshit, dass es eine Minderheit ist, die die Diskussion bestimmt, weil sie sich pausenlos und immer extremer äussert.

Allerdings sehe ich auch Leute, die sich geistig in gefährliche Kaninchenbauten verkrochen haben. Das hier ist ein solches Beispiel: „Die Untergangsspirale brechen“ weiterlesen

Die destruktive Kraft der sozialen Medien

Wie man die Impf-Skeptiker mit scheinbar neutralen Informationen anfeuert – mein Facebook-Freund Jürg beherrscht diese Kunst in Perfektion.

Bei oberflächlicher Lektüre klingt das, als ob die Impfung überhaupt nicht schützen würde.

Das ist einer dieser Frust­posts, in denen ich mich über die destruktive Kraft der sozialen Medien aufrege. Es ist eine Ver­zweif­lungs­tat, weil gegen die Unver­nunft auf Face­book offen­sicht­lich kein Kraut gewachsen ist und einem darum nichts anderes bleibt, als Dampf abzu­lassen. Aber besser, als den Ärger in sich rein­zu­fressen.

Es geht um einen Facebook-Post meines Freundes Jürg, der auch schon die Ehre hatte, hier am Pranger zu stehen. Er hat neulich den Screenshot eines Artikels aus der NZZ veröffentlicht, der für sich gesehen einseitig, aber okay ist. Er beschreibt, dass in Israel inzwischen ein ungefähr die Hälfte der Corona-Fälle auf Geimpfte zurückgeht.

Bei oberflächlicher Lektüre klingt das so, als ob die Impfung überhaupt nicht wirken würde. Aber heisst es das auch? Nein, natürlich nicht: „Die destruktive Kraft der sozialen Medien“ weiterlesen

Als Facebook mich vor sich selber warnte

Die grosse Scheinheiligkeit bei Facebook: Unmoralische Angebote sind völlig okay, solange sie nicht allzu öffentlich stattfinden.

Neulich hat sich Facebook blamiert. Und nicht nur ein bisschen. Ich würde sagen, das Mark Zuckerberg bis zu den Unterhosen im Fettnäpfchen versunken ist.

Und ja, man könnte die Sache auch für einen Ausrutscher halten; eine kleine Fehleinschätzung, wie sie gelegentlich vorkommen können. Und ja, Facebook verwendet für so viele Algorithmen, die alle nicht perfekt sind. Das ist ein Problem für sich, weil beim Kampf gegen Hass auf der Plattform Lücken offen bleiben, durch die ein gewisser Anteil an Gift durchrutscht

Doch in dem Fall geht es nicht um die Algorithmen, sondern darum, dass Facebook die eigene Scheinheiligkeit offen legt.

«Es gibt viele sexy Frauen in dieser Gruppe»

Angefangen hat die Sache mit einem Video, in dem ich mich mit den unerwünschten Kontaktanfragen bei Facebook beschäftige. „Als Facebook mich vor sich selber warnte“ weiterlesen

Wundertechnik aus der analogen Mottenkiste

Die Facebook-Seite «Cassette Futurism» führt vor Augen, wie schräg, genial, überraschend und herzerwärmend die Heimelektronik-Erfindungen der letzten Jahrzehnte vor dem Internet und Smartphone waren.

Meine Vorliebe für Retrofuturismus habe ich im Beitrag So schön wird die Retrozukunft gewesen sein kundgetan, in dem ich eine Würdigung auf die nach wie vor tolle Facebook-Seite The Vault of the Atomic Space Age.

Spotify von anno domini.

Eine Seite, die die gleiche Sai­te zum Schwin­gen bringt, ist Cas­sette Futur­ism. Sie zele­briert ana­loge High-Tech-Höhen­flüge, die sich häufig um jenen Kult­gegen­stand drehen, der anfangs der 1960er-Jahre von Lou Ottens erfunden worden war. Ottens, der kürzlich verstorben ist, war  Produktentwickler für den niederländischen Elektronikkonzern Philips. Sie hat dem Walkman den Weg geebnet und das Lebensgefühl mehrerer Jugendgenerationen bestimmt: „Wundertechnik aus der analogen Mottenkiste“ weiterlesen

Der ganz normale Hass bei Facebook

Ein Kommentar auf der Facebook-Seite der NZZ, der Gewalt an der Klimajugend verherrlicht, bleibt trotz Aufforderung zum Löschen viel zu lang unwidersprochen stehen.

Ich habe mich letzten Freitag über die NZZ aufgeregt.

Es geht um diesen Beitrag hier, eine ausführliche Reportage zur Klimajugend, die in einem Dilemma steckt. Die Coronakrise hat ihren Kampf in den Schatten gedrängt und die Protestbewegung mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, wie sie ihr Anliegen wieder ins Gespräch bringt. Wie weit darf sie für diesen Zweck gehen? Welche Mittel sind in Ordnung, wo verläuft die Grenze?

Diese Fragen werden in der Reportage differenziert behandelt, indem Exponenten, die mit den Mitteln des Systems operieren, den Exponenten gegenüber gestellt werden, die laut über Gewalt nachdenken: „Der ganz normale Hass bei Facebook“ weiterlesen

Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn

Manche Leute drehen frei, weil ein Ex-US-Präsident und ein Zürcher Kantonsrat auf Twitter blockiert worden sind. Resultat: Absurde Diskussionen auf Facebook – aber auch spannende Überlegungen, wie die Meinungsfreiheit zu schützen wäre.

Neulich hatte ich eine Diskussion auf Facebook, die sich im weitesten Sinn um die Frage nach der Zensur in den sozialen Medien gedreht hat.

Diese Diskussion hat sich – wie häufig auf Facebook, im Kreis gedreht. Godwin’s law hat sich einmal mehr bewahrheitet. Diese Regel besagt, dass bei Diskussionen im Internet früher oder später ein Nazi-Vergleich erfolgt. In diesem Fall kam dieser Vergleich schon ganz am Anfang: Meine kleiner, spöttischer Beitrag hier, der sich mit dem Twitter-Output von Weltwoche-Chef und Nationalrat Roger Köppel beschäftigt, wurde mit folgenden Worten kommentiert:

Beginn eines Denunziantentums? Schöne neue Welt wie in der dunkelsten Zeit Deutschlands.

Nun, mit diesem Zitat dürfte auch schon deutlich werden, warum sich die anschliessende Diskussion nichts Vernünftiges hervorgebracht hat: „Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn“ weiterlesen

Jahresmusterung, Teil 5: Chance verpasst, Facebook

Ich bewerte die Leistungen der Tech-Konzerne 2020. Facebook hat sich zwar keinen ganz grossen Patzer geleistet. Doch das ist schon das beste, was man über das soziale Netzwerk dieses Jahr sagen kann.

So ein richtiger Klimax ist das nicht, wenn ich mich im (mutmasslich) letzten Teil meiner schönen Serie zur Jahresmusterung der grossen Tech-Konzerne auf Facebook stürze. Denn Facebook ist seit Jahren ein Sorgenkind. Aus der eigentlich schönen Vision, die Menschen der ganzen Welt zu vernetzen, ist eine Art geistiger Krankheit geworden, die sich pandemisch durchs Internet verbreitet. Ich habe sie seinerzeit Morbus Facebook genannt.

In einem in diesem Jahr erschienenen Buch, hier besprochen, lässt uns Steven Levy nacherleben, wie es dazu kommen konnte – und wie die Taten des Mark Zuckerberg seiner hehren Vision nie so richtig gerecht werden konnten. Dieses Muster hat sich auch 2020 fortgesetzt: Zuckerberg hat zwar keinen Skandal à la Cambridge Analytica gebaut, worüber man eigentlich schon einmal froh und dankbar sein müsste. Aber Facebook hat nicht den Eindruck erweckt, dass man längst diagnostizierten Probleme auch wirklich angehen will. Im Gegenteil – was wir 2020 aus Menlo Park in Kalifornien gehört haben, ist unter dem Strich sehr ernüchternd.

Erinnern wir uns an den Boykott im Juli: „Jahresmusterung, Teil 5: Chance verpasst, Facebook“ weiterlesen

Noch ein paar solcher Posts, und ich bin raus bei Facebook

Wenn die sozialen Medien Leute dazu bringen, ihre asoziale Seite hervorzukehren und statt zu diskutieren bloss noch zu provozieren, dann sollte man darüber nachdenken, ob man sein Facebook-Konto nicht löschen will.

Wer so etwas postet, disqualifiziert sich.

In der letzten Zeit ging es hier im Blog immer mal wieder um Dinge, die mir bei Facebook begegnet sind – und über die ich mich genug geärgert habe, um mich in einem Beitrag damit auseinanderzusetzen (zum letzten Mal hier).

Bei meinen Entgegnungen habe ich mich von der Überzeugung  leiten lassen, dass eine sachliche Diskussion mehr bringt, als den Urhebern der Postings die Freundschaft zu künden und mir ihre Beiträge künftig zu ersparen.

Ich habe jeweils die eigentlichen Beiträge kritisiert – aber auch den Umstand, dass die Leute in aller Regel nicht erklären, warum sie einen Link, ein Meme oder ein Video posten. Stehen sie zu hundert Prozent hinter den fragwürdigen Inhalten, die sie weiterverbreiten? Haben sie nicht nachgedacht?

Wollten sie bloss provozieren? Oder Haben sie einzelne Aspekte entdeckt, die sie für diskussionswürdig erachten? Es ist schliesslich in der Tat so, dass mancher Unsinn, der im Netz verbreitet wird, diskutable Einzelaspekte enthält.

Heute geht es wiederum um einen Facebook-Beitrag. Mit einem entscheidenden Unterschied: „Noch ein paar solcher Posts, und ich bin raus bei Facebook“ weiterlesen

Die tapferen Kämpfer gegen Zensur und Denkverbote

Mein Facebook-Freund Jürg hat einen Text von «Die Ostschweiz» geteilt. Sie behauptet, man dürfe das Coronavirus und die Influenza nicht im gleichen Atemzug nennen. Aber stimmt das?

Auf Facebook liest man oft die Behauptung, die freie Meinungsäusserung sei eingeschränkt – man könne auf Facebook «nicht mehr sagen, was man wolle». Auch von Zensur ist oft die Rede.

Das amüsiert und irritiert mich gleichermassen. Amüsant finde ich die Tatsache, dass die Leute komplett ignorieren, wie widersinnig ihre Behauptung ist. Wenn jemand sie zensurieren würde, dann würde er logischerweise auch den Zensurvorwurf unterbinden. Das müsste auf der Hand liegen.

Irritierend ist, dass die Leute nicht verstehen, was Zensur und Einschränkung der freien Meinungsäusserung bedeuten. Es bedeutet, dass der Staat gewisse Ansichten unterdrückt – wie es die Chinesen mit dem «goldenen Schild» tun. Soziale Netzwerke gibt es dort nicht oder nur in ausgedünnter Form.

Ein zentrales Element dieser Zensur ist die Gefahr, der sich Leute aussetzen, die die explizit oder implizit verbotenen Themen trotzdem ansprechen. Sie laufen Gefahr, im Gefängnis zu landen oder zu verschwinden. Deniz Yücel hat das erlebt und im «Fest & flauchig»-Podcast eindrücklich davon erzählt.

Halten wir fest: „Die tapferen Kämpfer gegen Zensur und Denkverbote“ weiterlesen