Von wegen Recht am eigenen Bild

In den Medien sind häufig Fotos anzu­treffen, in denen die abge­bil­deten Personen un­kennt­lich gemacht wurden. Aber schützen Verpixelung und schwarze Balken über­haupt – oder findet man die Origi­nal-Auf­nah­men nicht trotz­dem?

Neulich habe ich in der Zeitung ein grosses Foto gesehen, das einen Mann und seine Freundin zeigte. Beide hatten verpixelte Gesichter und unter dem Titel Aussenseiter, Entführer, Todesschütze konnte man eine Recherche über B. V. lesen. Er hat Ende März 2022 Christoph Berger, den Chef der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) entführt. Als er von der Polizei verhaftet werden soll, erschiesst er seine Freundin. Auch er stirbt, wobei mir die Umstände nicht klar sind. Die NZZ lässt das ebenfalls offen und schreibt nur: «Auch er stirbt noch vor Ort.»

Aber darum geht es mir nicht, sondern um das Foto mit den beiden Personen. Sie sind unkenntlich gemacht, weil das zu den Pflichten der Journalistinnen und Journalisten gehört. Der Schweizer Presserat formuliert das zum Stichwort «Recht am eigenen Bild» wie folgt: „Von wegen Recht am eigenen Bild“ weiterlesen

No sponsored content in this blog. (Goddam it!)

Warum es sinnlos ist, mir Mails mit der Anfrage zu schicken, ob man hier im Blog bezahlte Inhalte unterbringen kann. Nein, kann man nicht.

Eine Nebenwirkung meines Umstiegs auf WordPress besteht in einem vergrösserten Mailaufkommen. Ich bekomme inzwischen täglich Mails von Leuten, die fragen, was es wohl kosten würde, hier im Blog einen Beitrag unterzubringen – natürlich ohne, dass irgendwo steht, dass es sich um einen gesponsorten Beitrag handelt.

Ich mache mir noch nicht einmal die Mühe, diesen Leuten zurückzuschreiben, sondern markiere ihre Mails unzeremoniell als Spam. An dieser Stelle nehme ich ausserdem die Gelegenheit wahr, ihnen mitzuteilen, dass ich sie für Arschkrampen halte, die meine Zeit  verschwenden: „No sponsored content in this blog. (Goddam it!)“ weiterlesen

Die alte Software-Masche feiert fröhliche Urständ

Braucht es Com­pu­ter­zeit­schrif­ten noch? Haben sich die Down­load­por­tale über­lebt? Diese Fragen drängen sich auf, nachdem ich wieder einmal, schlechte Er­fah­rungen mit Chip.de ge­macht habe.

Vor vier Jahren habe ich einen fetten Daumen nach unten für Chip.de verteilt. Der Anlass für den Tadel war eine unerfreuliche Erfahrung, die ich mit dem Softwarearchiv dieses deutschen Computermagazins gemacht hatte. Ich hatte damals ein Programm heruntergeladen und hinterher in meinem Windows-System einen Hintergrundprozess namens Chip 1 Click Installer vorgefunden.

Das habe ich seinerzeit kritisiert: Es kann nicht angehen, dass «Chip» Software von Drittherstellern mit eigenen Komponenten anreichert – weder der eigene Installer ist akzeptabel, noch die mitinstallierten, gebündelten Programme. Wer wie «Chip» ein Downloadportal betreibt, steht in der Pflicht, die Software von Drittherstellern unverändert weiterzugeben. Alles andere ist verdächtig, weil wir Nutzer aus Gründen der Sicherheit und Zuverlässigkeit nur die Originalsoftware verwenden wollen.

Für uns Nutzer eines solchen Downloadportals gibt es keinen legitimen Grund für solche Zusatzprogramme. Die nützen ausschliesslich dem Betreiber: „Die alte Software-Masche feiert fröhliche Urständ“ weiterlesen

Hey, wir sind keine Newsroboter

Ich komme nicht umhin, völlig freiwillig und ohne jegliche Anordnung von oben ein Produkt meines Arbeitgebers zu empfehlen. Nämlich den Apropos-Podcast der Tamedia.

Ich habe mit mir gehadert, ob ich den heutigen Blogpost schreiben soll. Denn es soll darin um einen Podcast gehen, der von meinem Arbeitgeber stammt und in dem ich auch schon einen Auftritt hatte (Warum Facebook uns gerade jetzt eine neue virtuelle Welt verspricht). Die Gefahr ist unvermeidlich, dass meine Empfehlung als parteiisch erscheint. Dieser Gefahr setze ich mich nicht gerne aus, denn dieses Blog hier soll weiterhin als unabhängig wahrgenommen werden – weil es das schliesslich auch ist.

Vielleicht bin ich auch übervorsichtig. Man ist nicht automatisch ein PR-Instrument, wenn man nicht wenigstens ein paar der Produkte seines Arbeitgebers gut finden würde. Nein, wenn man an ihnen überhaupt keinen Gefallen findet, sollte man schnellstens den Job wechseln. Der Ausschlag gegeben hat für mich, dass ich den Podcast nicht nur theoretisch eine vielversprechende Idee finde, sondern ihn seit einiger Zeit regelmässig höre, und zwar nicht aus Pflichtbewusstsein, sondern, weil ich ihn spannend und aufschlussreich finde.

Also, nach dieser wohlabgewogenen Erklärung sei gesagt, wenden wir uns dem Thema zu: „Hey, wir sind keine Newsroboter“ weiterlesen

Sind wir alle Sklaven unserer Smartphones?

Wenn es nach Anna Miller und ihrem Auftritt in Schawinskis Talkshow geht, sind wir Smartphone-Nutzer allesamt sucht­ge­fähr­det und auf­ge­rufen, uns abzu­nabeln. Eine meines Erach­tens falsche Eins­chätzung.

Vorgestern, am letzten Sonntag war in Roger Schawinskis «Doppelpunkt»-Podcast Anna Miller zu Gast. Es ging um unseren Umgang mit dem Smartphone – und zwar auf eine Weise, von der ich mich persönlich angegangen fühlte. Denn nach Anna Miller gehöre ich fraglos zu den bedauernswerten Kreaturen, die von den Handyherstellern in eine Abhängigkeit gebracht und nun als sogenannte Phombies (phone zombie) durch ihren Alltag und die Weltgeschichte getrieben werden.

Darum fühle ich mich zu einer Replik bemüssigt. Ich glaube, dass Anna Miller im Kern einige interessante Ideen hat, die in der zugespitzten Form aber unzutreffend sind. Ferner finde ich, dass genau durch diese undifferenzierte Problematisierung die Medien ihren guten Ruf verspielen, weil sie Leute zwecks Bedienung einer These in eine Ecke drängen, wo diese Leute erstens nicht sein wollen und zweitens auch nicht hingehören.

Die Motivation für ihren Feldzug gegen das Smartphone bezieht Anna Miller aus einer Selbstbeobachtung: „Sind wir alle Sklaven unserer Smartphones?“ weiterlesen

Zwei missratene Podcasts von der BBC

«Pieces of Britney» und «Who Killed Emma?» sind zwei Beispiele dafür, wie schwierig es ist, trotz hohem Engagement für eine Sache die journalistische Distanz zu wahren.

So viele tolle Podcasts es gibt, immer mal wieder begegne ich auch Produktionen, die mir zuwiderlaufen. «Other People’s Problems» etwa, bei dem man Ohrenzeuge bei richtigen Psychotherapiesitzungen wird, was sogar für einen Podcast zu weit geht.

Heute prangere ich zwei Grenzüberschreitungen an, die beide von der BBC stammen.

Pieces of Britney

Erstens Pieces of Britney von BBC4 und der Podcasterin Pandora Sykes. Die Idee hinter dieser achtteiligen Reihe ist völlig in Ordnung: „Zwei missratene Podcasts von der BBC“ weiterlesen

Der ganz normale Hass bei Facebook

Ein Kommentar auf der Facebook-Seite der NZZ, der Gewalt an der Klimajugend verherrlicht, bleibt trotz Aufforderung zum Löschen viel zu lang unwidersprochen stehen.

Ich habe mich letzten Freitag über die NZZ aufgeregt.

Es geht um diesen Beitrag hier, eine ausführliche Reportage zur Klimajugend, die in einem Dilemma steckt. Die Coronakrise hat ihren Kampf in den Schatten gedrängt und die Protestbewegung mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, wie sie ihr Anliegen wieder ins Gespräch bringt. Wie weit darf sie für diesen Zweck gehen? Welche Mittel sind in Ordnung, wo verläuft die Grenze?

Diese Fragen werden in der Reportage differenziert behandelt, indem Exponenten, die mit den Mitteln des Systems operieren, den Exponenten gegenüber gestellt werden, die laut über Gewalt nachdenken: „Der ganz normale Hass bei Facebook“ weiterlesen

Roger Schawinski kämpft den falschen Kampf

Die Abschaltung der UKW-Sender im nächsten Jahr ist nicht die grösste Herausforderung, die der ehemalige Radiopirat zu meistern hat.

Ich bin ein Fan des Radiopioniers: Ich mag seine kämpferische Ader, seine geradlinige Art und die Tatsache, dass er einiges für die Schweizer Medienlandschaft getan hat. Und ich mag ihn auch als Interviewer, auch wenn er für meinen Geschmack manchmal zu parteiisch ist.

Aber geschenkt. Ich hoffe, dass er seine Sendungen auf Radio 1, die ich immer als Podcast höre, noch mit 120 machen wird.

Ein neueres Foto von Roger Schawinski mit passendem Creative Commons habe ich leider nicht gefunden (Roger Schawinski (1991); Walter Rutishauser, Fotograf – Bibliothek am Guisanplatz, Sammlung Rutishauser/Wikimedia, CC BY-SA 4.0).

Neuerdings kämpft Roger Schawinski einen Kampf, den ich zu einem gewissen Grad verstehe, aber trotzdem für vergebliche Liebes­mühe halte. Er setzt sich nämlich gegen die Abschal­tung der UKW-Verbrei­tung des Radios ein. Die hat das Bakom für 2022 und 2023 verordnet. Lineares Radio wird man ab dann noch via DAB+ und natürlich via Internet zu hören sein.

Teure Doppelspurigkeit

Der Grund für die Abschaltung besteht darin, dass die Verbreitung auf drei Wegen sehr teuer ist, gerade in einem bergigen Land wie der Schweiz, wo es für eine flächendeckende Versorgung bis in die hintersten Täler viele kleine Umsetzer braucht. „Roger Schawinski kämpft den falschen Kampf“ weiterlesen

Die grosse Identitätskrise beim SRF

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle Play­suisse, die neue Streaming­platt­form der SRG, besprechen. Doch ich bin vom rechten Pfad ab­ge­kom­men und habe mich statt­des­sen darüber aus­gelas­sen, dass SRF bei seiner Digital­strate­gie nicht weiss, was digital bedeutet.

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF orientiert sich unter der 2018 gewählten Chefin Nathalie Wappler um: Das Projekt heisst «SRF 2024» und sei ein «Aufbruch in die digitale Zukunft», liest man in Medienportal.

Das klingt auf den ersten Blick ausgezeichnet: SRF stärke den Investigativjournalismus und die Informationen über die digitalen Kanäle. Wappler verspricht mehr Livestreams im Sport, Podcasts, Storytelling.

Auf den zweiten Blick beginnt man sich vielleicht über die vielen Schlagworte zu wundern: Da wird das «digital first»-Prizip hochgehalten und von «smarteren» Produktionsmethoden geschrieben. Und auf den dritten Blick – wenn man bis zum Ende liest –, erfährt man, dass der «Ausbau im Digitalen Verzichte im Linearen» erforderlich mache.

An dieser Stelle muss ich mich erst einmal über ein Detail aufregen: Es handelt sich um den unsinnigen Gebrauch des Wortes Begriffs digital. Dieser Begriff ergibt im Kontext von «SRF 2024» absolut gar keinen Sinn. Denn es ist doch so: „Die grosse Identitätskrise beim SRF“ weiterlesen

Die tapferen Kämpfer gegen Zensur und Denkverbote

Mein Facebook-Freund Jürg hat einen Text von «Die Ostschweiz» geteilt. Sie behauptet, man dürfe das Coronavirus und die Influenza nicht im gleichen Atemzug nennen. Aber stimmt das?

Auf Facebook liest man oft die Behauptung, die freie Meinungsäusserung sei eingeschränkt – man könne auf Facebook «nicht mehr sagen, was man wolle». Auch von Zensur ist oft die Rede.

Das amüsiert und irritiert mich gleichermassen. Amüsant finde ich die Tatsache, dass die Leute komplett ignorieren, wie widersinnig ihre Behauptung ist. Wenn jemand sie zensurieren würde, dann würde er logischerweise auch den Zensurvorwurf unterbinden. Das müsste auf der Hand liegen.

Irritierend ist, dass die Leute nicht verstehen, was Zensur und Einschränkung der freien Meinungsäusserung bedeuten. Es bedeutet, dass der Staat gewisse Ansichten unterdrückt – wie es die Chinesen mit dem «goldenen Schild» tun. Soziale Netzwerke gibt es dort nicht oder nur in ausgedünnter Form.

Ein zentrales Element dieser Zensur ist die Gefahr, der sich Leute aussetzen, die die explizit oder implizit verbotenen Themen trotzdem ansprechen. Sie laufen Gefahr, im Gefängnis zu landen oder zu verschwinden. Deniz Yücel hat das erlebt und im «Fest & flauchig»-Podcast eindrücklich davon erzählt.

Halten wir fest: „Die tapferen Kämpfer gegen Zensur und Denkverbote“ weiterlesen