Autoplay ist des Teufels!

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Der Play-Knopf ist unverzichtbar. (Bild: Pexels.com, CC0)

Wer selbststartende Videos erfunden hat, soll in der Hölle schmoren! Und dann wiedergeboren werden, um nochmals in der Hölle schmoren zu können.

Ich meine, eigentlich wäre es so einfach: Jedem ist klar, dass niemand es toll findet, in seinem Browser auf einen Link zu klicken, um sich dann unvermittelt in einer infernalischen Soundkulisse wiederzufinden: Ein Musikteppich aus dem Discountmarkt, marktschreierisches Werbegeprolle oder auch nur stumpfsinniges Gequassel. Das ist unhöflich, genauso, wie wenn man jemanden ruppig an der Schulter packt, um seine Aufmwerksamkeit zu wecken. Es ist, als ob man jemandem zum Wecken einen kalten, feuchten Lappen ins Gesicht schlägt, während man ihm seine Decke klaut. Es ist ein Affront und es ignoriert die Tatsache, wie leicht Leute dadurch in Verlegenheit gebracht werden können:

Vielleicht sitzt das Opfer des Video-Überfalls gerade in einem mucksmäuschenstillen Grossraumbüro, wo intensiv gearbeitet wird – und wird zum gehassten Ruhestörer. Oder: „Autoplay ist des Teufels!“ weiterlesen

Schrödingers Katze hat zwei Meinungen

Der Unfalltod von Ueli Steck hat letzte Woche, nebst dem fulminanten Start von Repulik.ch, in meiner Timeline virtuelle Wellen geworfen. Es hat sich sehr schnell eine Kluft aufgetan. Auf der einen Seite gab es denjenigen, die betroffen waren (sind) und ihre Anteilnahme ausgedrückt haben. Auf der anderen Seite gab es Leute, die zum Ausdruck brachten, dass hier einer bewusst ein extremes Risiko eingegangen ist und den Tod gefunden hat. Das sei dann quasi Berufsrisiko – und somit kein Grund für Mitgefühl.

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Den Berg zu besteigen, scheint genauso schwierig, wie auf Facebook eine vernünftige Debatte zu führen. (Bild: Nepal 31 von Sam Hawley/Flickr.com, CC BY 2.0)

Ich habe ab und zu diese Momente, wo ich es bedauere, nicht Philosophie studiert zu haben. (Ich habe mal ein Semester damit zugebracht, dann aber vor der Lektüreliste kapituliert.) Es werden nämlich zwei Fragen aufgeworfen. Erstens: Warum verstehen die einen Leute dieses Bedürfnis, sich in Gefahr zu bringen, um «einen Traum zu leben»? (Die Anführungszeichen drücken aus, dass die Redewendung sehr abgegriffen ist, mir aber nichts weniger Floskelhaftes eingefallen ist.) Und warum haben andere dafür überhaupt kein Verständnis, sondern halten Extrembergsteiger, Basejumper, Autorennfahrer für rücksichtslos? Diese Fraktion vertritt den Standpunkt, solche Adrenalinjunkies seien Egoisten, die sich nicht darum kümmern, dass sie ihrem Umfeld ständig Angst und Sorge bereiten und im Fall eines Unglücks auch die Trauer über den verfrühten Verlust aufbürden.
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Eine Beleidigung für jeden Zeitschriftenleser

Neulich fühlte ich eine Abenteuerlust in mir aufsteigen, bei der mir sofort klar war, dass sie die nur durch eine besonders tollkühne Aktion gestillt werden würde. Ich habe mich also entschlossen, wieder einmal eine Zeitschrift zu kaufen. Und zwar in digitaler Form.

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Schlecht lesbar: Die Standard-Ansicht mit einer Doppelseite.

Das Versuchsobjekt war die aktuelle Ausgabe vom «PC Magazin». Klar, die könnte man auch auf Papier kaufen. Als Schweizer sollte man das jedoch nur tun, wenn man unter akutem Geldüberschuss leidet. Das Heft kostet in Deutschland 5,40 Euro und in der Schweiz 10.60 Franken: Das sind 9,90 Euro, was einem Plus von 83 Prozent entspricht. Da kann ich nur wiederholen: Boykottiert Zeitschriften!

Kauft man das Heft als Epaper auf ikiosk.de, kommt man deutlich günstiger weg: 2,99 Euro bezahlt man, egal aus welchem Land. So weit, so erfreulich. Doch die Begeisterung erlahmt recht schnell. „Eine Beleidigung für jeden Zeitschriftenleser“ weiterlesen

Was ist ein Podcast? Nachhilfe für Herrn Niggemeier

Ich habe mich neulich schon mal darüber aufgeregt, was heute so als Podcast bezeichnet wird. Die Definition meines Erachtens ist einfach: Wenn man es in einem Podcatcher (wie dem hier) abonnieren kann, ist es ein Podcast. Wenn man es nur auf einer Website oder in einer App wie der von Spotify oder Audible hören kann, ist es kein Podcast.

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Nein, das inmitten des MDR-Fernsehballetts ist nicht Stefan Niggemeier. (Bild: Manfred Werner – Tsui/Wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Und nun muss ich den Punkt noch einmal belabern (falls man die englische Redewendung belabor the point so übersetzen kann). Schuld daran ist der «Podcast» mit dem Titel Das kleine Fernsehballett, vom «Tagesspiegel» eindeutig als Podcast tituliert (Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier starten Podcast), aber irgendwie nur auf Deezer zu hören.

Immerhin kann man Deezer zu Gute halten, dass man den «Podcast» auch auf der Website konsumieren kann, ohne dass man eine App oder eine Anmeldung benötigen würde. Bei anderen «Podcasts» ist das zumindest offiziell nötig (inoffiziell auch nicht). Allerdings ist der Webplayer etwas vom Grässlichsten, was die Welt je gesehen hat: „Was ist ein Podcast? Nachhilfe für Herrn Niggemeier“ weiterlesen

Seine Schreibe entfloskeln

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Seit kurzem habe ich einen neuen Twitter-Lieblingsaccount, nämlich @floskelwolke. Das ist ein nettes kleines Beispiel einer klugen Datenanalyse. Die Betreiber untersuchen kontinulierlich die Websites «nahezu aller deutschsprachigen Zeitungen, Radiosender, Fernsehsender und Magazine in Deutschland, Österreich und der Schweiz» (siehe FAQ). Das Resultat sind stehende Wendungen, die so genannten Floskeln, die immer und immer wieder auftauchen. Das grüne Licht, die nicht schlecht Staunenden, das in die Hand genommene Geld, die geforderten Toten, die überwiegende Mehrheit, der an den Rollstuhl gefesselte, das steigende Thermometer…

Wer sein Geld mit Schreiben verdient oder auch nur Wert auf eine gepflegte Sprache legt, sollte sich dieser Floskeln bewusst sein. „Seine Schreibe entfloskeln“ weiterlesen

Geld, das virtuelle Wesen

Der Omega-Tau-Podcast war hier schon öfters Thema: Zweimal nebenbei (hier und hier) und einmal hauptsächlich (nämlich hier).

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Sie sind Teil einer grossen Familie, von denen die meisten Familienmitglieder nur als Datensatz existieren. (Bild: Tekke/Flickr.com, CC BY-ND 2.0)

Ich komme nun gerne auf diesen Podcast zurück, um euch die Folge Vollgeld, Inflation und Kryptowährungen speziell ans Herz zu legen. Der Titel ist eher abschreckend – ich hätte den salopper und zugänglicher formuliert. Aber ihr habt ja nun mich, der euch sagt, dass ihr die Folge trotzdem hören sollt.

Thomas Mayer gibt Auskunft zum lieben Geld. Und zwar so, dass auch Leute wie ich das kapieren. (Ich bin als ehemaliger Wirtschaftsgymnasiast zwar nicht völlig unbeleckt, aber auch nicht wirklich auf dem neuesten Stand.)

Als erstes räumt Mayer, der u.a. für Goldman Sachs und die Deutschen Bank gearbeitet hat, mit einer alten Mär auf. „Geld, das virtuelle Wesen“ weiterlesen

Wir schweigen nichts tot

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«Wie könnt ihr Medien dieses unschuldige kleine Radio nur sosehr hassen?» (Bild: Screenshot Youtube)

Letzthin bin ich dem Beitrag Warum die Schweiz beim Umstieg auf DAB+ ganz vorne mitmischt begegnet. Er analysiert die Frage, warum das Digitalradio nicht vom Fleck kommt. Der Text ist interessant und weitgehend sachlich. Mit Ausnahme des folgenden Satzes:

Ebenfalls wird das Thema DAB+ in der Printpresse tunlichst totgeschwiegen. Auch hier sind Konkurrenzgedanken der Verlagshäuser im Spiel.

Das ist eine Behauptung, wie man ihr häufig begegnet: Die kleinen Journalisten der grossen Medien unterdrücken absichtlich Informationen auf Geheiss «von oben». Es gibt geschriebene oder ungeschriebene Direktiven von der Chefredaktion, der Geschäftsleitung, den Inserenten, der Politik, der geheimen Weltregierung. „Wir schweigen nichts tot“ weiterlesen

Lachen statt essen

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Das ist wohl das, was man eine Mixed Message nennt. (Bild von chefkoch.de via amateurkochfotos.tumblr.com)

Manchmal drängt sich einem der Verdacht auf, das Internet sei nur zu einem einzigen Zweck erfunden worden: Nämlich zur Verbreitung von Hohn und Spott. Wer einen gewissen Grad an Prominenz und Publikumsinteresse vorzuweisen hat und dem Internet einen Anlass liefert, der wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Clickbait-Medien greifen das dann gerne auf, und zwar mit immer der gleichen Schlagzeile. Sie lautet «So lacht das Internet über…» (Maradonna, David Cameron, Tim Cook, den «IS», Uli Hoeness, Holland, Magdalena Martullo-Blocher, die Fifa, das iPad Pro. Und so weiter.)

Nun ist es so, dass gewisse Leute den Spott ehrlich verdienen. „Lachen statt essen“ weiterlesen

Macht hinne!

Methodisch inkorrekt ist ein Podcast, der mir in letzter Zeit immer mal wieder begegnet ist. Er wurde in diversen anderen Podcasts erwähnt und neulich hat ihn auch mein Mitstreiter maege in der Folge Boom shakalaka des Digitalmagazins erwähnt. Es handelt sich um einen Wissenschaftspodcast, der «interessante aktuelle Forschung, Experimente und den Alltag» behandelt. Ein Thema, das mich sehr interessiert, dem ich hohe Relevanz beimesse und das sich fürs Podcaten bestens eignet. Ich höre zwar nicht regelmässig, aber doch ab und zu gerne Wissenschaft von Holger Klein und Florian Freistetter.

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Häh? (Bild: JD Hancock/Flickr.com, CC BY 2.0)

Grund genug für eine Besprechung. Ich habe mir die Folge 62 «Alles ist besser mit Alkohol» angehört und sie – weil ich sie hier besprechen wollte – auch zu Ende gehört. Es war aber schon nach einer halben Stunde klar, dass Nicolas Wöhrl, Reinhard Remfort und ich nicht harmonieren. „Macht hinne!“ weiterlesen

Mediennutzungsgewohnheitenwandel?


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Letztes Wochenende stand das digitale Patentrezept im Dienst der neuen 12-App der Tamedia1. Ich finde den Ansatz spannend, da ich mich an vielen Newssites stört, dass sie eigentliche Durchlauferhitzer sind. Die Top-Meldungen rutschen nur so durch, damit man als Leser alle halbe Stunde etwas Neues vorfindet. „Mediennutzungsgewohnheitenwandel?“ weiterlesen