Wie Facebook und Instagram uns Nutzer entmündigt haben

Die Social-Media-Platt­formen verändern sich rasant: Mark Zucker­berg und Meta nehmen uns Unsern die Kontrolle über unsere Feeds.

Die Veränderungen bei Facebook und Instagram sind unübersehbar. Erstens fällt die brutale Menge an Werbung auf, die inzwischen über diese Plattformen ausgespielt werden.

Und natürlich, ich verstehe, dass Mark Zuckerberg sie nicht zum Spass betreibt, sondern, um Geld zu verdienen. Aber es ist eine Frage des Masses. Das ist nicht mehr gewahrt, wenn jeder dritte Beitrag aus einer Anzeige besteht.

Immerhin, es gibt eine Möglichkeit, Gegensteuer zu geben: „Wie Facebook und Instagram uns Nutzer entmündigt haben“ weiterlesen

Youtube war von der schnellen Truppe, Facebook ein Spätzünder

Wie lange dauert es, bis die Schweizer Medien von einem digitalen Phänomen Wind bekommen? Und gelingt es ihnen, dessen Bedeu­tung richtig ein­zu­ord­nen? Zwei gegen­sätz­liche Beispiele.

Als Journalist erlebt man viele erste Male. Es gehört zu unseren Aufgaben, über Newcomer zu berichten und sie dem Publikum vorzustellen. Es ist dabei gleichgültig, ob es sich nun um Personen, Phänomene, Trends oder Unternehmen handelt – wobei ich es in meinem Feld der Technik naturgemäss vor allem mit Erfindungen, Produkten und neuen Dienstleistungen zu tun bekomme.

Beim ersten Mal ist das Timing entscheidend: Es ist wichtig, die Sache nicht zu überstürzen. Es bringt nichts, einem Newcomer eine halbe Seite in der Zeitung einzuräumen, nur um festzustellen, dass es ihn drei Wochen später schon nicht mehr gibt. Für die Berichterstattung in einem grossen Medium braucht es ausreichend Relevanz und ein Verantwortungsbewusstsein. Aber klar: „Youtube war von der schnellen Truppe, Facebook ein Spätzünder“ weiterlesen

Wie man auf Twitter fragt, wenn man keine Antwort will

Der Mikro­blog­ging­dienst hat eine Mög­lich­keit ein­ge­führt, die Ant­wort­mög­lich­keiten auf Tweets einzuschränken. Doch die ist kom­plett miss­raten

Enno Lenze ist Kriegsreporter und oft in der Ukraine. Zu seinem Beruf sei er «versehentlich» gekommen, heisst es bei Übermedien. Die Fotos, die er auf Twitter postet, zeigen ihn häufig mit schusssicherer Weste und gepanzerten Fahrzeugen posierend. Da ein Hang zum Martialischen unübersehbar ist, habe ich den Verdacht, dass trotz des Versehens eine deutliche Prädisposition für diesen Beruf vorhanden ist.

Aber darum geht es gar nicht. Sondern um eine Nebensächlichkeit. Neulich hat Lenze das Foto eines Flugblatts gepostet, das mit «Achtung, Ihr Spritfresser tötet» überschrieben war. Es stammt von einer Gruppierung namens «The Tyre Extinguishers», die mir bis dato nicht bekannt war. Sie fällt seit Kurzem damit auf, dass sie bei SUVs die Luft aus den Reifen lässt. Über 5000-mal hat sie das laut Wikipedia gemacht.

Auf dem Flugblatt werden einige Thesen aufgestellt: „Wie man auf Twitter fragt, wenn man keine Antwort will“ weiterlesen

Hey, Twitter! Wie wärs mit sozialer Verantwortung?

Da meldet man einen ekla­tant rassis­tischen Tweet auf Twitter. Und was pas­siert? Nichts. Es stellt sich die Frage, was die Inhalts­richt­li­nien über­haupt wert sind.

Die erbitterten Debatten über die kulturelle Aneignung sind am Abklingen – wie das halt so ist. Denn selbst mit voller Schützenhilfe der sozialen Medien können sich die Emotionen nicht unbegrenzt auf dem Siedepunkt halten. Und schliesslich wartet schon der nächste Aufreger darauf, die öffentliche Empörung zu befeuern.

Eine Sache gibt es nachzutragen. Nämlich die Frage, ob die sozialen Medien endlich bereit sind, ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen.

Konkret geht es mir um eine Wortmeldung von einem Herrn Gregor Keller, der auf Twitter zu begegnen ich das Pech hatte: „Hey, Twitter! Wie wärs mit sozialer Verantwortung?“ weiterlesen

Wenn Instagram und WhatsApp ein Baby hätten

Die HalloApp ist eine Mischung aus Instant Messenger und sozialem Netzwerk. Sie ist für Kommunikation auf Augenhöhe im Familien- und Freundeskreis ausgelegt. Vorerst ist sie gratis, später soll sie kosten – aber kann das funktionieren?

Ohne dass ich es geplant hätte, hat sich in diesem Blog eine Mini-Serie zu neueren und älteren sozialen Netzwerken ergeben, mit Tests von Bereal und Jodel. Dabei soll es nicht bleiben, denn heute geht es um die HalloApp.

Die HalloApp ist für Android und fürs iPhone und iPad erhältlich, und sie verspricht «einen neuen digitalen Raum für Menschen, die Sie tatsächlich kennen und mit denen Sie in Kontakt treten möchten». Die Verbindung wird – und das ist nun nicht unbedingt neu, sondern von Apps wie WhatsApp hinlänglich bekannt – über die Telefonnummer hergestellt. Denn «wir denken, wenn Sie Ihre Telefonnummer mit jemandem teilen, ist er Ihnen wichtig», erklärt der Hersteller auf seiner Website.

Im weitesten Sinn stimmt das schon, auch wenn ich in meinem Adressbuch auch die Nummer der Stadtpolizei Winterthur habe, die mir nicht im traditionellen Sinn wichtig ist. Ich bin natürlich froh, dass es sie gibt, verspüre aber selten den Drang, mich mit ihr auf einen informellen Plausch einzulassen.

Aber gut, ich betreibe Haarspalterei. Die Stossrichtung ist dadurch schon einmal klar: „Wenn Instagram und WhatsApp ein Baby hätten“ weiterlesen

Hat das Gute gewonnen?

Viele Expo­nenten, die sich wäh­rend der Pan­de­mie laut­stark zu Wort gemel­det haben, sind seit dem Kriegs­beginn in der Ukraine ver­stummt oder geben sich wort­karg. Herrscht jetzt end­lich wieder Ruhe?

Wenn einer an öffentlichem Bekanntheitsgrad zulegt, ist das weitherum sichtbar. Ein Abstieg findet andererseits still und leise statt. Das liegt in der Natur der Sache: Eine allgegenwärtige Person fällt logischerweise mehr ins Auge als eine, die sich aus dem Staub gemacht hat. Kommt hinzu, dass Leute zwar viel Aufhebens um ihren Erfolg machen, aber es weniger herumposaunen, wenn ihre Stellung und ihre Berühmtheit schwindet. Da hängt es von uns ab, ob uns die Lücke auffällt oder nicht.

Doch wer nicht blind ist, dem fällt unweigerlich auf, dass es um viele der Pandemie-Schreihälse ruhig geworden ist. Allerdings nicht um alle: Es gibt auch solche, die übergangslos auf ein neues Thema umgeschaltet haben und von Corona-Leugnern zu Putin-Fans mutiert sind.

Auf die komme gegen Ende zurück, doch erstmals hier soll es erst einmal um die Leute gehen, die zwar Verständnis für Putin haben, aber das viel weniger lautstark und vehement äussern, als sie es zu Schutzmassnahmen und Impfung getan haben. Ein Beispiel ist Ronnie Grob, mit dem ich auf Facebook und Twitter immer wieder aneinandergeraten bin: „Hat das Gute gewonnen?“ weiterlesen

Was die Nachbarn zu sagen haben

Auf der Suche nach einem sozia­len Netz­werk, das aus Spass und nicht bloss aus Gewohn­heit zu nutzen wäre, bin ich bei der «hyper­loka­len Com­munity» Jodel gelandet. Gab es einen dort Freu­den­schrei?

Facebook geht mir zunehmend auf die Nerven, Instagram ist seit Jahren kaputt und Twitter ist seit Elon Musks Eskapaden auch nicht mehr das Wahre. Man könnte nun hoffen, dass das Anzeichen dafür sind, dass diese traditionellen sozialen Medien auf das Ende ihrer Lebenszyklen zusteuern und ein Generationenwechsel bevorsteht.

Ich teile die Hoffnung, gebe mich allerdings keinen Illusionen hin: So schnell werden wir Zuckerberg und Musk nicht los – dafür ist die Übernahme von Twitter ein beredtes Beispiel. Mit den 44 Milliarden, die er für den Deal hinblättern will, hätte man eine tolle, neue Plattform aus dem Boden stampfen können. Doch weil es schwierig bis unmöglich ist, eine kritische Masse von Nutzern zum Wechsel zu bewegen, hat der Aufkauf einer bestehenden Plattform mehr Aussicht auf Erfolg.

Mit anderen Worten: „Was die Nachbarn zu sagen haben“ weiterlesen

Das Hakenkreuz, das gar keines ist

Putin-Propa­ganda zu verbreiten, ist einfach – die Propa­ganda als Lüge zu entlar­ven, manchmal aber auch. Ein Beispiel, wie das mittels Bilder­suche und Über­setzungs­dienst tun kann – und ein Plädoyer, es auch zu tun.

Aus (manchen) Corona-Massnahmengegner sind Putin-Apologeten geworden. Das ist überaus bedauerlich, aber zu einem gewissen Grad erklärbar.

Diese Leute, die aufseiten Russlands stehen, haben ein Problem: Es ist schwierig, die Position eines rücksichtslosen Aggressors zu verteidigen, der Völkerrecht bricht, mutmasslich Kriegsverbrechen begeht und mutmasslich einen Genozid anstrebt. Wer das rechtfertigen will, muss zu den groben Propaganda-Mitteln greifen und die Wahrheit verdrehen und Dinge aus dem Kontext reissen. Aber in Zeiten der sozialen Medien braucht man auch dafür kein Diplom in angewandter Desinformationsverbreitung. Man braucht sich nur bei den passenden Quellen zu bedienen. Telegram ist hierfür die passende Anlaufstelle.

Wenn nun Bilder und Memes aus der geschlossenen Telegram-Welt in die öffentlicheren sozialen Medien wie Facebook und Twitter schwappen, ist es unsere Pflicht dagegenzuhalten. „Das Hakenkreuz, das gar keines ist“ weiterlesen

Aus Corona-Leugnern werden Putin-Fans

Wer in seinem Social-Media-Umfeld Quer­denker und Mass­nahmen­gegner hatte, stellt fest: Der harte Kern aus diesen Kreisen verbreitet nun Kreml-Propa­ganda gegen die Ukraine. Zeit, diese Leute endgültig zu ent­freun­den?

Hier im Blog ging es immer mal wieder um die Kämpfe in den sozialen Medien. Zum Glück werden die nur intellektuell ausgetragen – denn wie schrecklich es ist, wenn Politik, frei nach Carl von Clausewitz, «mit anderen Mitteln ausgetragen» wird, sehen wir jeden Abend in der «Tagesschau». Zutiefst bedrückende Bilder, denen wir uns stellen müssen.

In meiner Wahrnehmung sind die Konflikte auf Facebook und Twitter nach der Abstimmung vom 28. November 2021 zum Covid-19-Gesetz zurückgegangen. Das eindeutige Resultat hat geholfen, die Fronten zu klären: 62 Prozent der Bevölkerung waren dafür, nur zwei Kantone (Schwyz und Appenzell Innerrhoden) waren dafür.

Doch mit dem Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine sind die Leute, die sich gegen die Corona-Massnahmen geäussert und teils auch das Virus selbst infrage gestellt haben, zurück. Zumindest der harte Kern, der für Argumente nicht empfänglich war: „Aus Corona-Leugnern werden Putin-Fans“ weiterlesen

Echter wirds nicht

Bereal ist eine Anti-Instagram-App: Sie soll einen ehr­lichen, unge­künstel­ten und un-ins­zenier­ten Einblick in unsere Leben liefern. Das tut sie – wobei man sich fragen kann, ob so viel ungefil­terte Realität nicht auf den Magen schlägt.

Wäre es nicht Zeit für ein neues soziales Medium? Facebook und Twitter haben während der Pandemie den letzten Glanz verloren. Tiktok ist auch nicht mehr taufrisch; und was wir in der letzten Zeit sonst so zu sehen bekommen haben, zum Heulen. Ihr erinnert euch an Gettr (Der Messias ist schon da – aber viele andere fehlen noch)? Dort sind all die Leute zu finden, die bei Twitter rausgeflogen sind. Clubhouse hat sich als Eintagsfliege entpuppt. Und Discord (Heute wird hier Zwietracht gesät) ist zwar nett, aber kein Strassenfeger.

Also, was gäbe es noch? Ich bin im iPhone Store bei einer App namens BeReal gelandet. Die behauptet zwar, «kein weiteres Social Media» (sic) zu sein, hat aber eine offensichtliche soziale Komponente, indem man die App zusammen mit Freunden verwenden soll. „Echter wirds nicht“ weiterlesen