Als Facebook mich vor sich selber warnte

Die grosse Scheinheiligkeit bei Facebook: Unmoralische Angebote sind völlig okay, solange sie nicht allzu öffentlich stattfinden.

Neulich hat sich Facebook blamiert. Und nicht nur ein bisschen. Ich würde sagen, das Mark Zuckerberg bis zu den Unterhosen im Fettnäpfchen versunken ist.

Und ja, man könnte die Sache auch für einen Ausrutscher halten; eine kleine Fehleinschätzung, wie sie gelegentlich vorkommen können. Und ja, Facebook verwendet für so viele Algorithmen, die alle nicht perfekt sind. Das ist ein Problem für sich, weil beim Kampf gegen Hass auf der Plattform Lücken offen bleiben, durch die ein gewisser Anteil an Gift durchrutscht

Doch in dem Fall geht es nicht um die Algorithmen, sondern darum, dass Facebook die eigene Scheinheiligkeit offen legt.

«Es gibt viele sexy Frauen in dieser Gruppe»

Angefangen hat die Sache mit einem Video, in dem ich mich mit den unerwünschten Kontaktanfragen bei Facebook beschäftige. „Als Facebook mich vor sich selber warnte“ weiterlesen

Wie Adobe uns Antikünstlern auf die Sprünge hilft

Mit der Spark Post-App bastelt man prägnante grafische Posts für die sozialen Medien. Adobe beweist, dass künstliche Intelligenz Leuten ohne jegliches Gestaltungstalent zu brauchbarer Gestaltungen verhilft.

Boldomatic und Textograph Pro sind Apps, mit denen man Text-Memes herstellen kann. Ich habe sie bei früheren Gelegenheiten vorgestellt, nämlich hier und hier. Nun komme ich auf dieses Thema zurück, weil ich keine andere Wahl habe. Denn es gibt eine App, die sich der gleichen Aufgabe widmet – die aber in einer ganz anderen Liga spielt.

Es handelt sich um die App Spark Post von Adobe, die fürs iPhone, fürs iPad und für Android verfügbar ist und weit über die klassischen Textmemes hinausgeht – auch wenn es mir relativ schwerfällt, den Sinn und Zweck dieser App überhaupt verständlich zu beschreiben. Man könnte sagen, dass sie für die visuelle Kommunikation in den sozialen Medien zuständig ist.

Jedenfalls fabriziert man mit ihr Grafiken mit Bild und Text, die auf einen Blick eine kurze Botschaft transportieren. Sie ist daher im weitesten Sinn eine Layout-App, wobei das Resultat nicht eine Publikation von x Seiten, sondern ein Blickfang ist, der aus dem sozialmedialen Rauschen auf Facebook, Twitter oder vor allem Instagram heraussticht. Man kann die App natürlich auch benutzen, um ein Youtube-Video mit einem hübschen Thumbnail auszustatten oder um Banner oder andere grafische Elemente zu basteln, die sich durch eine gewisse Prägnanz auszeichnen sollten.

Und das macht die App auf ziemlich verblüffende Art. „Wie Adobe uns Antikünstlern auf die Sprünge hilft“ weiterlesen

Jetzt mal im Ernst: Heute bloggen nur noch die Ewiggestrigen – oder?

Noch ist nicht der letzte Blogger gestorben, doch dass die Blogosphäre implodiert ist, lässt sich nicht übersehen – und schuld sind nicht allein die sozialen Medien. Trotzdem: Eine Durchhalteparole.

Wenn man Wikipedia glauben darf, dann ist das Blogging ungefähr vor sechs Jahren gestorben. Im Beitrag zur Geschichte dieser publizistischen Disziplin heisst es im Abschnitt «2014 und danach»:

Die Entwicklung der sozialen Medien und die Geschwindigkeit, mit der auf gepostete Inhalte reagiert wird, führten zu zunehmenden Todesbescheinigungen, auch wenn anerkannt wurde, dass das, was danach kam, viel von der DNS der Idee aufgenommen hat.

Die Aussage wird noch weiter relativiert, indem der Wikipedia-Eintrag darauf hinweist, dass es noch immer beeindruckend viele Blogs gibt: Vor zwei Jahren seien ungefähr 500 Millionen gezählt worden. Man könnte nun endlos darüber streiten, wie akkurat eine solche Zahl und wie gross ihre Aussagekraft ist, wenn beispielsweise viele Blogs vernachlässigt vor sich hindümpeln und der Elan ihres Bloggers vielleicht noch zweimal im Jahr aufflammt.

Tot nicht – aber nicht mehr relevant

Meines Erachtens zeigt das vor allem, dass die Frage, ob Blogs nun tot sind oder nicht, nicht zu beantworten ist. Sie lässt auch eine wichtige medienwissenschaftliche Erkenntnis ausser Acht, nämlich das Rieplsches Gesetz„Jetzt mal im Ernst: Heute bloggen nur noch die Ewiggestrigen – oder?“ weiterlesen

Der ganz normale Hass bei Facebook

Ein Kommentar auf der Facebook-Seite der NZZ, der Gewalt an der Klimajugend verherrlicht, bleibt trotz Aufforderung zum Löschen viel zu lang unwidersprochen stehen.

Ich habe mich letzten Freitag über die NZZ aufgeregt.

Es geht um diesen Beitrag hier, eine ausführliche Reportage zur Klimajugend, die in einem Dilemma steckt. Die Coronakrise hat ihren Kampf in den Schatten gedrängt und die Protestbewegung mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, wie sie ihr Anliegen wieder ins Gespräch bringt. Wie weit darf sie für diesen Zweck gehen? Welche Mittel sind in Ordnung, wo verläuft die Grenze?

Diese Fragen werden in der Reportage differenziert behandelt, indem Exponenten, die mit den Mitteln des Systems operieren, den Exponenten gegenüber gestellt werden, die laut über Gewalt nachdenken: „Der ganz normale Hass bei Facebook“ weiterlesen

So schreibt ihr euren Erfolgsroman

Bei Reedsy gibt es nicht nur einen Texteditor für Literaten, sondern ein ganzes Ökosystem für Autoren und Verlage.

Wer dieses Blog hier auch zwischen den Zeilen liest, dem sind gewisse Dinge nicht entgangen. Beispielsweise mein innerer Drang, die Amateurliga hinter mir und die Bloggerei bleibenzulassen und mich stattdessen der Königsdisziplin zuzuwenden: der echten Literatur – oder zumindest dem Unterhaltungsgenre, wo es zwar keinen Nobelpreis zu gewinnen, aber immerhin Tantiemen zu verdienen gibt.

Diese Ambition lässt sich daran erkennen, dass ich immer mal wieder Programme vorgestellt habe, die man als richtiger Autor verwenden würde: In Schreiben wie Hemingway geht es um eine Text-App, die Stil-Empfehlungen gibt. In Mit dieser App ist der Bestseller-Roman ein Klacks um eine App, die einem bei der Konzeption und Planung seiner Geschichte hilft. Und in Kreative Texte (trotz Word) ging es unter anderem um die Textverarbeitung Papyrus, die sich explizit an Schriftsteller wendet.

Apropos Papyrus: Ich habe mich seinerzeit gefragt, ob mit dieser Software tatsächlich Bestseller geschrieben werden oder ob sie Leute kaufen, die gerne ein Buch verfassen und sich von der Software die nötige Hilfe versprechen. Nun, diese Frage kann ich inzwischen beantworten. Andreas Eschbach hat sich nämlich neulich als Anwender dieser App geoutet. „So schreibt ihr euren Erfolgsroman“ weiterlesen

Twitter sagt, ich sei eine linke Socke

Was ist eigentlich von The Blindspotter zu halten? Dieser Twitter-Analyst masst sich an, meine – und auch eure – politische Ausrichtung zu erkunden. Erkenntnis: Manchmal passt das, manchmal nicht.

Neulich bin ich dank meines lieben Twitter-Freundes @undifferanziert bei The Blindspotter gelandet. Letzterer verspricht, einem aufzuzeigen, ob man bei seinem Nachrichtenkonsum einen blinden Fleck aufweist. Sprich, ob man sich ausgewogen informiert oder bestimmte Quellen bevorzugt. Und ja, es geht um die politische Ausrichtung.

Wie zu erwarten war.

Bei mir kam der Blindspotter zu einem wenig überraschenden Ergebnis. Er hat einen starken Linksdrall konstatiert und den sogar mit einem Prozentwert ausgewiesen: „Twitter sagt, ich sei eine linke Socke“ weiterlesen

Warum unsere Facebook-Posts uns überleben sollten

Die Beiträge in den sozialen Medien sind längst nicht so flüchtig, wie es den Anschein hat. Und das ist gut so – ich plädiere dafür, dass sie uns alle überleben und zu einer Ressource für unsere Nachfahren werden.

Im Beitrag Eine Zeitkapsel für das Internet habe ich über unser digitales Erbe philosophiert. Ich weiss zwar nicht, ob sich die nachfolgenden Generationen über all die Daten freuen werden, die wir derzeit anhäufen. Vielleicht werden sie sich darüber freuen – vielleicht nicht. Aber da wir diese Entscheidung nicht für sie treffen können, sollte es unser Anliegen sein, möglichst viele von unseren Daten für die Nachwelt zu erhalten.

In diesem Beitrag habe ich nebenbei auch die Bemerkung fallen lassen, dass zukünftige Generationen «dank der sozialen Medien jede Regung ihrer Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern werden erkunden können».

Es lohnt sich, diesen Gedanken auszuloten, finde ich. Denn er widerspricht unserer Wahrnehmung. „Warum unsere Facebook-Posts uns überleben sollten“ weiterlesen

Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn

Manche Leute drehen frei, weil ein Ex-US-Präsident und ein Zürcher Kantonsrat auf Twitter blockiert worden sind. Resultat: Absurde Diskussionen auf Facebook – aber auch spannende Überlegungen, wie die Meinungsfreiheit zu schützen wäre.

Neulich hatte ich eine Diskussion auf Facebook, die sich im weitesten Sinn um die Frage nach der Zensur in den sozialen Medien gedreht hat.

Diese Diskussion hat sich – wie häufig auf Facebook, im Kreis gedreht. Godwin’s law hat sich einmal mehr bewahrheitet. Diese Regel besagt, dass bei Diskussionen im Internet früher oder später ein Nazi-Vergleich erfolgt. In diesem Fall kam dieser Vergleich schon ganz am Anfang: Meine kleiner, spöttischer Beitrag hier, der sich mit dem Twitter-Output von Weltwoche-Chef und Nationalrat Roger Köppel beschäftigt, wurde mit folgenden Worten kommentiert:

Beginn eines Denunziantentums? Schöne neue Welt wie in der dunkelsten Zeit Deutschlands.

Nun, mit diesem Zitat dürfte auch schon deutlich werden, warum sich die anschliessende Diskussion nichts Vernünftiges hervorgebracht hat: „Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn“ weiterlesen

Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 3: @koeppelroger

Ich bewerte ungefragt, völlig subjektiv und teilweise hochgradig unfair die Twitter-Nutzer aus meiner Bubble. Heute einer, der die meisten seiner Berufskollegen alt aussehen lässt: @KoeppelRoger

Name und Twitter-Handle
Das Header-Bild verspricht eine heile Welt, die dieser Account nicht heraufzubeschwören vermag.

Roger Köppel alias @KoeppelRoger. Das Twitter-Handle ist, man muss es anerkennen, durchaus passend gewählt. Der Proband versteckt sich nicht hinter einem fantasievollen Alias oder hinter einer originellen Abwandlung seines Geburtsnamens.

Im Gegenteil: Das Twitter-Handle entspricht dem Geburtsnamen, mit einer bemerkenswerten Besonderheit allerdings: Der Proband stellt den Nachnamen vor den Vornamen.

Dieses Muster ist als Anknüpfung an eine konservative Tradition zu verstehen. In ländlichen Gebieten war (und ist es womöglich heute noch) Brauch, Leute mit dem Geschlechtsnamen voran zu benennen, teils sogar im Genitiv: «Meiers Fritz ist gestern schon wieder besoffen mit dem Velo aus dem Spunten nach Hause gefahren».

Hier drückt der Nachname eine Art Stammeszugehörigkeit aus, während der Vorname lediglich eine Konkretisierung darstellt, welcher der Meiers denn nun genau gemeint ist. „Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 3: @koeppelroger“ weiterlesen

God save the Bundesrat!

Ist das simpler Schabernack, was der Flags Mashup Bot betreibt – oder schon künstlich intelligente Satire? Jedenfalls handelt es sich um einen der amüsantesten Twitter-Bots überhaupt.

Man hat mich noch nie fahnenschwenkend durch die Strassen laufen sehen. Dafür fehlt mir die adäquate Grundhaltung. Die Fahnen hatten, wie man bei Wikipedia nachlesen darf, ursprünglich eine militärische Bedeutung. Sie halfen Soldaten dabei, ihre Einheit wiederzufinden und nicht versehentlich auf der Seite des Feindes das Kriegshandwerk zu verrichten.

Auch heute sind Fahnen vor allem Ausdruck der bedingungslosen Verehrung als einer kritischen Grundhaltung. Und ja, sie sind auch identitätsstiftend. In dieser Funktion kann ich mit ihnen leben – sodass ich auch schon an einer Erstaugustfeier sass, ohne das Gefühl zu haben, mich konstant von den überall drapierten Nationalsymbolen distanzieren zu müssen. (Das ist aber wirklich schon lange her.)

Dennoch hatte ich während gewisser Phasen meines Lebens intensiv mit Fahnen zu tun. Nämlich ungefähr 1996, wo ich bei meinem damaligen Arbeitgeber an einem Multimediaprojekt mitgearbeitet habe. Das hiess «Swiss Publishing CD» und wird im Beitrag Eine Ära geht zu Ende ausführlich gewürdigt:  Wir haben damals eine Schweizer Clipart-Sammlung zusammengetragen. Die Fahnen von Ländern, Kantonen und Gemeinden waren ein zentraler Bestandteil dieser Sammlung und ich habe selbst diverse Fahnen in Illustrator als Vektorgrafik digitalisiert. „God save the Bundesrat!“ weiterlesen