Facebook und die Kunst

Nebst der Frage, ob Mark Zuckerberg etwas von Kunst versteht, geht es hier darum, ein bisschen auf Facebook herumzuhacken und abschliessend auf Yarn hinzuweisen.

Animierte GIFs sind kein Teil der menschlichen Hochkultur. Das sieht man allein an der Tatsache, dass Mohammed bin Salman seine 450 Millionen US-Dollar für Leonardo da Vincis Bild Salvator mundi ausgegeben hat – und nicht für Giphy. Das ist jene Plattform, die für 50 Millionen weniger nicht nur ein Kunstwerk, sondern Hunderttausende von GIFs zu bieten gehabt hätte. Aber das kann einen echten Kenner nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Weswegen Mark Zuckerberg den Zuschlag bekommen hat und Giphy für 400 Millionen Dollar erwerben durfte.

Wobei es nun ungerecht wäre, Mark Zuckerberg einen Sinn für Kunst abzusprechen – selbst wenn seine Plattform derjenige Ort ist, wo der gute Geschmack sterben geht. (Wenn man zynischen Leuten wie mir glauben darf.) Denn Mark Zuckerberg bzw. sein  erlaubt es jungen Künstlern, die Bilder in den Facebook-Büros mit ihren Werken zu versehen. Aus Steven Levys Buch weiss man, dass sich auch ein Künstler namens David Choe verwirklichen durfte: „Facebook und die Kunst“ weiterlesen

Bin ich ein guter Blogger?

Wie es sich für einen guten Blogger gehört, beantworte ich hier eine Frage, die gar niemand gestellt hat.

Zugegeben: Der Zeitpunkt für diese Frage ist absonderlich. Denn ich blogge nun schon seit bald 14 Jahre. Ein guter Moment für eine kritische Selbstbeäugung wäre sechs Monate nach dem Start des Blogs. Oder meinetwegen nach einem Jahr. Dann könnte man sich fragen, ob diese Beschäftigung irgend einen Nutzen für die Welt hat. Oder wenigstens für einen selbst.

Aber was soll bei einer Manöverkritik nach mehr als einer Dekade noch herauskommen? Die Erkenntnis, dass ich all die Zeit besser mit Mandalamalen oder dem Ausstopfen der Beutetiere unserer Nachbarskatze verbracht hätte?

Der Punkt ist nun der, dass ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin, mich einer Evaluation zu unterziehen. Ich wurde vom Blogosphäre mit dieser Aufgabe konfrontiert. „Bin ich ein guter Blogger?“ weiterlesen

Eine neue Geschichte für ein altes Foto

Ein kleines Experiment: Wie gross ist der Rechercheaufwand, einem dreissig Jahre alten Foto seine Geheimnisse zu entlocken?

Wie digitalisiert man seine analogen Negative, Dias, Papierabzüge, Schallplatten, Kassetten, Schmalfilme und Videos? Das haben Kevin und ich neulich ausführlich und annähernd abschliessend behandelt. Wie man es sich erspart, 5000 Dias zu scannen, heisst diese schöne Sendung.

Ich erzähle in der Sendung, dass ich meine Dias und Negative seinerzeit erfolgreich digitalisiert habe (Dias scannen im Akkord) – und stelle die Frage, wie weit man es mit den Metadaten denn treiben sollte. Denn was bringt es, wenn man die Fotos hat, aber nicht mehr weiss, wann, wo und bei welcher Gelegenheit ein Bild aufgenommen worden ist?

Digitale Fotos bekommen von Haus aus einige hilfreiche Zusatzinformationen mit: Mindestens das Aufnahmedatum und die Uhrzeit (falls man denn die Uhr an der Kamera richtig gestellt hat). Wenn man mit dem Handy oder mit GPS-Kameras knipst, dann werden auch die geografischen Koordinaten erfasst. Damit ist zumindest das Wo und Wann geklärt. Und wenn man nicht total vergesslich ist, sollte sich daraus auch das Warum ableiten lassen. Sprich: Man hat zumindest eine vage Ahnung, bei welcher Gelegenheit eine Aufnahme entstanden ist.

Bei den analogen Fotos gibt es keine Metadaten. „Eine neue Geschichte für ein altes Foto“ weiterlesen

Ich hadere heftig mit der Strava-App

Braucht man diese Sportler-App für erfülltes Hobbysportlertum? Und lohnt sich das Premium-Abo?

Ich hadere noch immer mit mir. Soll ich nun den Probemonat bei Strava starten oder nicht?

Die App habe ich seit längerem installiert – nämlich, seit ich mir für das Video Wenn das Smartphone nach draussen lockt einige Sport-Apps angesehen habe. Ich habe die App durchaus schätzen gelernt. Vor allem wegen der schönen Dinge, die man mit seinen Daten anstellen kann (Erst schwitzen, dann daten-minen). Denn Strava ist nicht bloss eine App und eine Website, sondern auch ein soziales Netzwerk – und die massgebliche Plattform für Sportler, die ihre Ambitionen gegenüber der Welt offenbaren wollen.

Dieses Bedürfnis hatte ich bislang nicht. Nachdem aber Dani Hofstetter bei uns im Nerdfunk war, habe ich mich entschlossen, Strava mit der Garmin-Connect-App zu verbinden und meine aufgezeichneten Aktivitäten automatisch dort zu teilen. Bislang war ich ganz zufrieden mit dem, was die Connect-App an Analysen ausgespuckt hat. Und neuerdings nutze ich auch die Aktivitäten-App von Apple.

Auch die Strava-App konnte meinen Ehrgeiz nicht massgeblich steigern. Ich schätze es zwar durchaus, von meinen (wenigen) Freunden Kudos zu erhalten, nachdem ich mich in einer einsamen Physical-Distancing-Jogging-Runde verausgabt habe. Aber ich plage mich für mich selbst und nicht für andere oder für das Lob: „Ich hadere heftig mit der Strava-App“ weiterlesen

Twitter, nur ohne den Zahlenverhau

Eine Browser-Erweiterung entfernt die Anzahl Likes, Retweets und Follower aus der Benutzeroberfläche von Twitter. Das klingt unsinnig – ist es aber nicht.

Der scharfsinnige, hier schon einmal erwähnte Ezra Klein hat mich auf eine Browser-Erweiterung namens Twitter Demetricator aufmerksam gemacht, die es für Firefox und für Google Chrome gibt.

Na, wie viele Likes hat dieser Tweet wohl eingesammelt?

Sie blendet bei den Retweets, Antworten und Favoriten die Zahlenangaben aus. Man erfährt auch nicht mehr, wie viele Follower ein Account hat und wie vielen Leute er folgt.

Das klingt auf den ersten Blick völlig unsinnig. Als Twitter-Nutzer ist man gewohnt, diese Informationen bei Relevanzabwägungen routinemässig miteinzubeziehen. Wenn etwas mit vielen Herzchen versehen oder häufig retweetet wurde, dann beurteilen wir es als wichtiger als Meldungen, die scheinbar unbeachtet durch die Zeitleiste flutschen.

Der Urheber der Erweiterung ist ein Künstler namens Ben Grosser. Er schreibt: „Twitter, nur ohne den Zahlenverhau“ weiterlesen

Ein Schweizer Liebling der Verschwörungstheoretiker

Nein, auch von der so genannte «Swiss Propaganda Research» solltet ihr keine Beiträge in sozialen Medien posten.

Beitragsbild: Und jetzt bitte einen Hut daraus basteln (Aluminum foil, close up von Marco Verch/Flickr.com, CC BY 2.0).

Neulich habe ich  zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen ins Feld geführt. Das war erfolgreich Einen meiner Facebook-Freunde konnte ich dazu bewegen, seinen entsprechenden Post zu löschen.

Doch die Freude währte nur kurz. Letzte Woche hat er  wieder im Bodensatz des Internets gerührt und einen besonders illusteren Link nach oben befördert. Diesen Link haben wir,  also seine Internetfreunde, nämlich sogleich zur Begutachtung dargereicht bekommen.

Deshalb komme ich nicht darum herum, mich an dieser Stelle mit der Website zu beschäftigen, die – mit freundlicher Unterstützung von Facebook – weitere Kreise gezogen hat, als sie es verdient.

Es handelt sich um die so genannte «Swiss Propaganda Research»  (swprs Punkt org). „Ein Schweizer Liebling der Verschwörungstheoretiker“ weiterlesen

Treten wir alle gegen Fakenews und Verschwörungstheorien an!

Wir müssen uns nicht nur mit dem Lockdown herumschlagen, sondern auch mit der ganzen Flut an Fehlinformationen, die nonstop ins Internet abgelassen wird. Warum es wichtig ist dagegenzuhalten!

Neulich habe ich mich über die Zunahme an verschwörungstheoretischem Quark in meiner Facebook-Timeline aufgeregt und mir in einem Blogpost Luft gemacht. Doch damit war die Sache noch nicht erledigt. Denn erstens lesen offenbar nicht alle Nutzer von Facbeook mein Blog – der Strom an Unseriösem, Irreführendem und Fragwürdigen ist nicht abgerissen. Und zweitens gibt es noch andere Quellen für derlei Zeugs: Andere Social-Media-Kanäle. Und vor allem auch die Messenger wie Whatsapp.

Darum habe ich mich entschieden, ein Patentrezept-Video zum Thema aufzunehmen. Das hat zwei Aufgaben: Erstens soll es die Leute dazu bewegen, selbst keine Verschwörungstheorien und keine Kettenbriefe weiterzuverbreiten. Und zweitens will ich die Zuschauer motivieren einzuschreiten, falls jemand in ihrem Umfeld das tut.

Und das hier ist das Video: „Treten wir alle gegen Fakenews und Verschwörungstheorien an!“ weiterlesen

Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen

Warum posten derzeit so viele vernünftige Leute total unvernünftigen Quatsch auf Facebook? Und wie könnte man mit den Videos von Verschwörungstheoretikern sinnvollerweise umgehen?

Verschwörungstheoretiker und ihr toxischer Output sind ein reales Phänomen. Damit habe ich mich abgefunden und an dieser Stelle schon diverse Male auseinandergesetzt.

Was mich betrübt und auch sauer macht, ist eine Beobachtung, die ich in machen musste, als es mit der Coronakrise ernster wurden. Es zeigt sich nämlich, dass die Thesen und Behauptungen in Krisenzeiten infektiöser sind als in einer normalen Situation. Das war während der Nobillag-Abstimmung zu beobachten. (Wobei man sich natürlich fragen darf, ob aus heutiger Sicht diese Periode das Attribut «Krise» verdient.) Und es ist wird in diesen Tagen sehr deutlich.

In meinem Social-Media-Umfeld ist die Situation typischerweise so: Es sind die einschlägig bekannten Figuren, die Fragwürdiges aus der Ecke der Aluhutträger in Umlauf bringen. Man kennt sie, schaltet sie stumm, wenn sie einem zu sehr auf die Nerven gehen – aber es sieht so aus, als ob die Szene in ihrem eigenen Saft vor sich hin köcheln würde.

In der letzten Zeit hat mir Facebook mehrere Posts in meine Timeline gespült, die von Leuten stammen, die ich erstens alle persönlich kenne. Und die ich zweitens alle als vernünftige, nüchterne Personen einschätze. Drittens ging es immer um Videos von KenFM. „Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen“ weiterlesen

Dieses Meme hättest du besser nicht gepostet

Berühmt, weil sie medienwirksam rummotzt.

Facebook hat die unangenehme Eigenschaft, einem ungefragt Dinge ins Gesicht zu schleudern, die man dort nicht haben will: Verschwörungstheorien, Fakenews, Memes und stockdummer Quatsch.

Das passiert immer unerwartet und meistens im falschen Moment. Klar, wir sind auch selber schuld: Wir haben ohne viel Nachdenkens dieses Facebook geöffnet – oder Twitter, Instagram, Pinterest oder sonst irgend ein Verteilsystem für Internet-Bullshit. Wir wollten uns bloss ein paar Minuten vertreiben. Dabei hätten wir wissen können, dass oft genau dann irgend etwas im Feed erscheint, dass uns eine unangenehme Entscheidung abnötigt.

Die Auswahlmöglichkeiten bei dieser Entscheidung sind:

  1. Ignorieren.
  2. Eine klare, aber freundliche Replik schreiben.
  3. Eine unfreundliche Abkanzelung schreiben.
  4. Stummschalten. Entfreunden. Blockieren.

Ich bin normalerweise für Weg zwei. Der hat allerdings den Nachteil, dass er viel Zeit braucht – die man in jenen Momenten, in denen man es mit einem solchen Meme zu tun bekommt, absolut nicht hat. Darum hier dieser Blogpost: Ich schreibe ihn als Reaktion auf eine Diskussion, die ich bei Facebook neulich hatte. Aber vor allem auch als Reserve, damit ich ihn in ähnlichen Fällen als Kommentar unter eine solche Facebook-Veröffentlichung knallen kann.

Das Prinzip der präemptiven Kritik hat sich übrigens bestens bewährt: „Dieses Meme hättest du besser nicht gepostet“ weiterlesen

Stolpersteine in der Timeline

Twitter im Speziellen und soziale Medien im Allgemeinen sind ein bisschen wie Formatradio: Für gewöhnlich plätschert es vor sich hin. Man sieht einmal was Lustiges, dann etwas Ärgerliches, ab und zu einen unnötigen Auswurf eines Verschwörungstheoretikers oder Fake-News-Reposters. Aber es gibt wenig, was die Routine des Sich-Berieseln-Lassens unterbrechen würde.

Es gibt aber eine Ausnahme. Seit einiger Zeit folge ich dem Twitter-Account @AuschwitzMuseum. Was die Tweets mit mir machen, lässt sich am besten mit der englischen Redewendung stop dead in my tracks umschreiben. Sie katapultieren mich augenblicklich aus dieser Ist-alles-nur-Internet-Theater-Haltung – wenn ich einem Tweet wie diesem hier begegne: „Stolpersteine in der Timeline“ weiterlesen