Hat das Gute gewonnen?

Viele Expo­nenten, die sich wäh­rend der Pan­de­mie laut­stark zu Wort gemel­det haben, sind seit dem Kriegs­beginn in der Ukraine ver­stummt oder geben sich wort­karg. Herrscht jetzt end­lich wieder Ruhe?

Wenn einer an öffentlichem Bekanntheitsgrad zulegt, ist das weitherum sichtbar. Ein Abstieg findet andererseits still und leise statt. Das liegt in der Natur der Sache: Eine allgegenwärtige Person fällt logischerweise mehr ins Auge als eine, die sich aus dem Staub gemacht hat. Kommt hinzu, dass Leute zwar viel Aufhebens um ihren Erfolg machen, aber es weniger herumposaunen, wenn ihre Stellung und ihre Berühmtheit schwindet. Da hängt es von uns ab, ob uns die Lücke auffällt oder nicht.

Doch wer nicht blind ist, dem fällt unweigerlich auf, dass es um viele der Pandemie-Schreihälse ruhig geworden ist. Allerdings nicht um alle: Es gibt auch solche, die übergangslos auf ein neues Thema umgeschaltet haben und von Corona-Leugnern zu Putin-Fans mutiert sind.

Auf die komme gegen Ende zurück, doch erstmals hier soll es erst einmal um die Leute gehen, die zwar Verständnis für Putin haben, aber das viel weniger lautstark und vehement äussern, als sie es zu Schutzmassnahmen und Impfung getan haben. Ein Beispiel ist Ronnie Grob, mit dem ich auf Facebook und Twitter immer wieder aneinandergeraten bin: „Hat das Gute gewonnen?“ weiterlesen

Was die Nachbarn zu sagen haben

Auf der Suche nach einem sozia­len Netz­werk, das aus Spass und nicht bloss aus Gewohn­heit zu nutzen wäre, bin ich bei der «hyper­loka­len Com­munity» Jodel gelandet. Gab es einen dort Freu­den­schrei?

Facebook geht mir zunehmend auf die Nerven, Instagram ist seit Jahren kaputt und Twitter ist seit Elon Musks Eskapaden auch nicht mehr das Wahre. Man könnte nun hoffen, dass das Anzeichen dafür sind, dass diese traditionellen sozialen Medien auf das Ende ihrer Lebenszyklen zusteuern und ein Generationenwechsel bevorsteht.

Ich teile die Hoffnung, gebe mich allerdings keinen Illusionen hin: So schnell werden wir Zuckerberg und Musk nicht los – dafür ist die Übernahme von Twitter ein beredtes Beispiel. Mit den 44 Milliarden, die er für den Deal hinblättern will, hätte man eine tolle, neue Plattform aus dem Boden stampfen können. Doch weil es schwierig bis unmöglich ist, eine kritische Masse von Nutzern zum Wechsel zu bewegen, hat der Aufkauf einer bestehenden Plattform mehr Aussicht auf Erfolg.

Mit anderen Worten: „Was die Nachbarn zu sagen haben“ weiterlesen

Das Hakenkreuz, das gar keines ist

Putin-Propa­ganda zu verbreiten, ist einfach – die Propa­ganda als Lüge zu entlar­ven, manchmal aber auch. Ein Beispiel, wie das mittels Bilder­suche und Über­setzungs­dienst tun kann – und ein Plädoyer, es auch zu tun.

Aus (manchen) Corona-Massnahmengegner sind Putin-Apologeten geworden. Das ist überaus bedauerlich, aber zu einem gewissen Grad erklärbar.

Diese Leute, die aufseiten Russlands stehen, haben ein Problem: Es ist schwierig, die Position eines rücksichtslosen Aggressors zu verteidigen, der Völkerrecht bricht, mutmasslich Kriegsverbrechen begeht und mutmasslich einen Genozid anstrebt. Wer das rechtfertigen will, muss zu den groben Propaganda-Mitteln greifen und die Wahrheit verdrehen und Dinge aus dem Kontext reissen. Aber in Zeiten der sozialen Medien braucht man auch dafür kein Diplom in angewandter Desinformationsverbreitung. Man braucht sich nur bei den passenden Quellen zu bedienen. Telegram ist hierfür die passende Anlaufstelle.

Wenn nun Bilder und Memes aus der geschlossenen Telegram-Welt in die öffentlicheren sozialen Medien wie Facebook und Twitter schwappen, ist es unsere Pflicht dagegenzuhalten. „Das Hakenkreuz, das gar keines ist“ weiterlesen

Aus Corona-Leugnern werden Putin-Fans

Wer in seinem Social-Media-Umfeld Quer­denker und Mass­nahmen­gegner hatte, stellt fest: Der harte Kern aus diesen Kreisen verbreitet nun Kreml-Propa­ganda gegen die Ukraine. Zeit, diese Leute endgültig zu ent­freun­den?

Hier im Blog ging es immer mal wieder um die Kämpfe in den sozialen Medien. Zum Glück werden die nur intellektuell ausgetragen – denn wie schrecklich es ist, wenn Politik, frei nach Carl von Clausewitz, «mit anderen Mitteln ausgetragen» wird, sehen wir jeden Abend in der «Tagesschau». Zutiefst bedrückende Bilder, denen wir uns stellen müssen.

In meiner Wahrnehmung sind die Konflikte auf Facebook und Twitter nach der Abstimmung vom 28. November 2021 zum Covid-19-Gesetz zurückgegangen. Das eindeutige Resultat hat geholfen, die Fronten zu klären: 62 Prozent der Bevölkerung waren dafür, nur zwei Kantone (Schwyz und Appenzell Innerrhoden) waren dafür.

Doch mit dem Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine sind die Leute, die sich gegen die Corona-Massnahmen geäussert und teils auch das Virus selbst infrage gestellt haben, zurück. Zumindest der harte Kern, der für Argumente nicht empfänglich war: „Aus Corona-Leugnern werden Putin-Fans“ weiterlesen

Echter wirds nicht

Bereal ist eine Anti-Instagram-App: Sie soll einen ehr­lichen, unge­künstel­ten und un-ins­zenier­ten Einblick in unsere Leben liefern. Das tut sie – wobei man sich fragen kann, ob so viel ungefil­terte Realität nicht auf den Magen schlägt.

Wäre es nicht Zeit für ein neues soziales Medium? Facebook und Twitter haben während der Pandemie den letzten Glanz verloren. Tiktok ist auch nicht mehr taufrisch; und was wir in der letzten Zeit sonst so zu sehen bekommen haben, zum Heulen. Ihr erinnert euch an Gettr (Der Messias ist schon da – aber viele andere fehlen noch)? Dort sind all die Leute zu finden, die bei Twitter rausgeflogen sind. Clubhouse hat sich als Eintagsfliege entpuppt. Und Discord (Heute wird hier Zwietracht gesät) ist zwar nett, aber kein Strassenfeger.

Also, was gäbe es noch? Ich bin im iPhone Store bei einer App namens BeReal gelandet. Die behauptet zwar, «kein weiteres Social Media» (sic) zu sein, hat aber eine offensichtliche soziale Komponente, indem man die App zusammen mit Freunden verwenden soll. „Echter wirds nicht“ weiterlesen

Ein unbefriedigender Besuch im Rotlichtmilieu des Web

Wer im Internet alles gesehen haben will, muss auch einen Blick auf Onlyfans.com werfen. Unter dieser Prämisse ist dieser Blogpost hier entstanden.

Onlyfans ist ein Liebling der Boulevardmedien und ein guter Schlagzeilenlieferant: Katie Price kündigt an: Sie will auf OnlyFans blank ziehen!, Studentin bietet heisse Inhalte auf OnlyFans an: Dann bemerkt sie voller Scham, wer ihr zuschaut oder Mama macht sexy Fotos für Onlyfans und neben ihr ertrinkt ihr eigenes Kind – solcher Stoff, halt. Da ich derlei Medien meide wie der Teufel das Weihwasser, wars kein Wunder, dass ich dieser Plattform bislang nicht begegnet bin.

Doch im letzten Jahr ist die Plattform auch in den Medien aufgetaucht, die ich lese: „Ein unbefriedigender Besuch im Rotlichtmilieu des Web“ weiterlesen

Über Sinn und Unsinn der Twitter-Labels

Beim Mikrobloggingdienst lassen sich neuerdings Bots kenntlich machen. Es gibt auch Labels für Regierungs-Accounts und staats­nahe Medien. Bringt diese Kenn­zeich­nung etwa oder ist sie bloss eine Alibi­übung?

Transparenz bei meinem twitternden Alter-Ego.

Twitter stellt seit etwa einem Monat die Möglichkeit bereit, Accounts zu kennzeichnen, die automatisch bespielt werden – und die man gemeinhin als Bots bezeichnet.

Ich habe sogleich die Gelegenheit ergriffen, mein Alter-Ego @MSchuessler mit diesem Label auszuzeichnen. Das verwittert in Eigenregie meine Artikel. Ich habe es vor zehn Jahren eingerichtet, weil ich unbedingt mit dem damals höchst faszinierenden Web-Automatisierungsdienst Ifttt herumexperimentieren wollte. Inzwischen ist Ifttt leider in Ungnade gefallen: „Über Sinn und Unsinn der Twitter-Labels“ weiterlesen

Der halbherzige Versuch von Windows 11, uns beim Arbeiten zu helfen

Die Uhr-App in Micro­softs Be­triebs­sys­tem kann mehr, als nur die Zeit anzu­zeigen und als Wecker zu dienen. Neuer­dings will sie auch zu mehr Kon­zen­tra­tion verhelfen. Das funk­tioniert so halb.

Es gibt in Windows 10 eine App namens Alarm & Uhr, die mutmasslich kein Nutzer jemals geöffnet hat. Denn wieso auch? Die Zeit zeigt einem Windows rechts unten im Infobereich der Taskleiste an. Und wenn man einen Wecker setzen will, dann verwendet man dazu das Smartphone und nicht den Windows-PC. Denn im Gegensatz zum Handy fährt man den Rechner nach der Arbeit herunter, was zur Folge hat, dass keine Benachrichtigung erfolgt.

Die App ist trotzdem einen Blick wert. Sie hat inzwischen nämlich mehr auf Lager als die aktuelle Uhrzeit und eine Weckfunktion. Bei Windows 10 gibt es drei weitere Funktionen, nämlich die folgenden: „Der halbherzige Versuch von Windows 11, uns beim Arbeiten zu helfen“ weiterlesen

Wie man kurze Aufmerksamkeitsspannen maximal ausreizt

Die Prequel-App motzt Fotos und Videos nach allen Regeln der Kunst auf: Mit Effek­ten, Anima­tio­nen, Texten, Vor­spännen und 3D-Schnick­schnack erhält man Kurz-Clips, die sich in den sozia­len Medien gut machen.

Hier im Blog wurde schon öfters das Instagram-Zeitalter für beendet erklärt. Das nicht deswegen, weil sich dieses Netzwerk von einer Foto-Plattform in einen Hort der Eitelkeit, der Schleichwerbung und der Selbstdarstellung verwandelt hat – diese Metamorphose habe ich zum zehnten Geburtstag ausführlich angeprangert und hier erläutert.

Nein, vor fünf Jahren habe ich Instagram aus technischer Sicht zu einem Ding der Vergangenheit erklärt: Die simplen Effekte, die ursprünglich das Markenzeichen waren, sind nicht mehr das Nonplusultra. Heute sind die Ansprüche höher: Wenn nicht mindestens KI mit im Spiel ist, lockt eine Foto-App niemand mehr hinter dem Ofen hervor.

Das gilt auch für die App Prequel, die fürs iPhone und iPad und für Android existiert. Sie sieht zwar aus wie eine aufgebohrte Variante von Instagram, hat jedoch mehr auf dem Kasten: „Wie man kurze Aufmerksamkeitsspannen maximal ausreizt“ weiterlesen

Der Messias ist schon da – aber viele andere fehlen noch

Was taugt diese Twitter-Alternative für Leute, die bei Twitter rausgeflogen sind? Nach einem Augenschein von Gettr glaube ich nicht, dass die Plattform für Deplatformierte eine Zukunft hat.

Neulich ist mir auf Twitter jener Zürcher Kantonsrat begegnet, der zwar vor einiger Zeit von der Plattform verbannt worden ist, nun dort aber mit einem neuen Account ein Comeback hinlegte. Er hat in einem Tweet erwähnt, er sei auch auf Gettr zu finden, würde dort aber seit vier Monaten nichts mehr schreiben, weil «zu Milieu».

Das hat mein Interesse geweckt. Was meint er mit «zu Milieu»? Der nächste Satz, wonach Facebook «das einzige soziale Medium mit Relevanz» sei, macht es klar: Es ist ihm zu wenig los auf Gettr, bzw. er findet, er habe dort zu wenig Reichweite.

Mich hat das daran erinnert, dass ich mir Gettr schon lange einmal ansehen wollte. Zur Erinnerung: „Der Messias ist schon da – aber viele andere fehlen noch“ weiterlesen