Skype, Facebook und Instagram auf Irrwegen

Skype scheint in einer Art Identitätskrise zu stecken. Letztes Jahr wollte Microsoft den altehrwürdigen Videotelefoniedienst in eine Art Social-Media-Netzwerk umbauen. Man konnte sogar eine Art Story über seinen Tag anfertigen. Ja, Microsoft hat bei Skype tatsächlich eines der Features von Facebook (oder ursprünglich von Snapchat) kopiert, die uns schon bei Snapchat kaltgelassen haben und bei Facebook auf den Wecker gegangen sind. Ob das eine vielversprechende Strategie ist?

Nein, natürlich nicht. Man hat auf diesem Weg keine neuen Nutzer dazugewonnen. Denn wieso sollte jemand, der auf Snapchat (oder meinetwegen bei Facebook oder Instagram) mit Leidenschaft jeden Tag seine Story veröffentlicht, das gleiche nochmals bei Skype tun? Und wer es bei Snapchat, Facebook und Instagram nicht tut, der tut es auch bei Skype nicht.

Das hätte Microsoft schon erkennen können, bevor sie mit viel Aufwand ein bewährtes Produkt in einen sinnlosen Snapchat-Klon umgebaut haben. „Skype, Facebook und Instagram auf Irrwegen“ weiterlesen

So borniert sind die Tech-Nerds auch wieder nicht

Das Buch The Circle (Amazon deutsch bzw. englisch) von Dave Eggers wäre an dieser Stelle eigentlich schon lange fällig gewesen. Es handelt sich um ein Buch, das man mit dem Prädikat Standardwerk versehen könnte, wenn das nicht einen so arrogant-abschreckenden Beiklang hätte. Ich fühle jedenfalls immer den Impuls, einen grossen Bogen um solche Titel zu machen: Ich möchte meine Bücher nämlich nicht deswegen lesen, weil man sie gelesen haben muss. Sondern freiwillig.

Also, man muss «The Circle» nicht unbedingt gelesen haben. Aber es schadet nicht. Denn der Roman ist unterhaltsam und flüssig zu lesen. Und er lässt einen verstehen, wie Silicon Valley tickt. Dort ist bekanntlich die Tech-Industrie angesiedelt. Die hat ihre eigenen Gesetzmässigkeiten, wie wir alle wissen: Sie ist arrogant, geschichtsvergessen, selbstverliebt und kindisch.

Und so widersprüchlich, dass es an Schizophrenie grenzt. Da gibt man sich cool, bescheiden und weltverbesserisch. Doch man will diesen Planeten hier nicht nur verändern und verbessern, sondern erobern und ihm den Stempel aufdrücken.  „So borniert sind die Tech-Nerds auch wieder nicht“ weiterlesen

Ein Tröööt auf Mastodon!

Der hochgeschätzte @xeophin hat uns allen neulich empfohlen, einen Massen-Exodus zu mastodon.social zu veranstalten. Grund ist Twitters erratisches Verhalten. Zuletzt sah man das, als die alten Benutzerschnittstellen abgeschaltet wurden. Das sorgt dafür, dass in Twitter-Clients von Drittherstellern weniger Funktionen zur Verfügung stehen. Da ich seit Jahr und Tag Tweetbot benutze, mindert das den Spass und den Nutzen von Twitter. (Wieder einmal.)

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Hier wird mastodonisiert!

Mastodon? Der Name tönt auf alle Fälle schon mal toll. Das sind elefantenähnliche Rüsseltiere, die seit Ewigkeiten ausgestorben sind. Das gibt dem ganzen die notwendige ironische Brechung, und es wirft die Frage auf, wie man das Publizieren auf Mastodon denn nennen würde. Das ist bekanntlich wichtig, da viele der grossen Plattformen auch als Verb funktionieren: Google – googeln, Twitter – twittern. Bei Mastodon wäre das dann wahrscheinlich mastodonisieren. Dass das wie masturbieren klingt, scheint mir auch kein Nachteil zu sein.
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Morbus Facebook

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Pillen helfen leider auch nichts. (Bild: Hastywords/Pixabay, CC0)

Es wäre wahrscheinlich besser, Twitter und Facebook einfach abzuschalten – die Plattform befördern vor allem Dummheit und niedere Instinkte. Es bedeutet nicht, dass man sich nicht was Neues einfallen lassen darf – nachdem wir alle aus den Fehlern gelernt haben.

Das war neulich ein frustrierter Tweet von mir. Ich hatte auf Facebook mal wieder eine deprimierende Erfahrung gemacht. Ein Mann des öffentlichen Lebens, Politiker und Gemeinderat hier in der Stadt für eine freibeuterische Splitterpartei, hatte einen deplatzierten Facebook-Kommentar über eine Juso-Politikerin verteidigt. Das hat Widerspruch hervorgerufen. Doch der Mann machte das, was Leute in solchen Situationen häufig tun: Er stellte sich auf die Position, die Kritik an seinen Aussage sei bloss ein Beleg, wie Recht er doch eigentlich habe. Und er war sich offensichtlich nicht im Klaren darüber, dass man eine Aussage wie, paraphrasiert: «Die Frau leidet darunter, dass sie noch nicht mal einer vergewaltigen will» einfach nicht verteidigen sollte – selbst wenn man besagte Frau nicht mag.

Zwei Dinge haben mich betrübt: „Morbus Facebook“ weiterlesen

Steemt die Kohle?

steemit.com ist ein Webdienst. Und zwar einer, der zu der Sorte gehört, die ich mutmasslich niemals verstehen werde. Dennoch unternehme ich hier einmal den Versuch, ihn zu besprechen.

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Die (Block)chain. (Bild: anaterate/Pixabay, CC0)

Ich vermute, dass ich ihn nicht verstehen werde, weil Wikipedia hier schreibt, die «Grundidee würde Blog-Plattformen wie Reddit ähneln». Es ist eine Tatsache, dass ich in den letzten gut zehn Jahren immer wieder Versuche unternommen habe, Reddit zu verstehen. Leider ohne Erfolg. Klar, das theoretische Konzept leuchtet mir schon ein: Man kann dort irgendwelche Dinge einstellen. Da andere sie hochstufen und herabwählen können, sollte es so sein, dass die besonders interessanten Dinge ganz nach oben gelangen. So weit, so einleuchtend.

Nur ist Reddit leider (auch nach dem Rededign) so unübersichtlich, dass ich überhaupt noch nie jemals etwas gefunden habe, das mich nur ansatzweise interessiert – ich wüsste noch nicht einmal, wo ich anfangen sollte zu suchen. „Steemt die Kohle?“ weiterlesen

Dock.io: Die Zukunft oder ein zukünftiger Flop?

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Dieses Bild hat entfernt mit dem Thema zu tun, weil es Verbindungen zwischen Leuten darstellt. (Bild: rawpixel/Pixabay, CC0)

Ich habe von mehreren Leuten eine Einladung zu dock.io bekommen. Das ist eine Website, die, während ich diesen Blogbeitrag verfasse, noch nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag hat. Das liegt vielleicht daran, dass die Wikipedia-Autoren das Funktionsprinzip nicht verstanden haben – und das meine ich jetzt nicht überheblich, denn mir ist auch nicht ganz klar, wie Dock ganz konkret funktionieren sollte.

Bei How It Works heisst es zur Funktionsweise:

Dock.io is a decentralized data exchange protocol that lets people connect their profiles, reputations and experiences across the web with privacy and security.

Das erinnert natürlich sofort an Diaspora, einem sozialen Netzwerk mit hochfliegenden Plänen, das grandios gescheitert ist. Aber natürlich: „Dock.io: Die Zukunft oder ein zukünftiger Flop?“ weiterlesen

Meine Strategie gegen den Facebook-Datenhunger

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Wo man im Web sonst noch so herumhüpft, bleibt Herrn Zuckerberg verborgen. (Bild: Kaique Rocha/Pexels.com, CC0)

Im Nerdfunk haben wir in der Folge Das himmelblaue Chilbimonster den Facebook-Skandal analysiert. Kevin und ich sind zum Schluss gekommen, dass wir beide nicht in die #DeleteFacebook-Rufe einstimmen werden. Aber wir beide nutzen dieses datenhungrige Biest so, dass es uns nicht wehtun würde, wenn sämtliche dort gespeicherten Daten geklaut, verschachert oder öffentlich gemacht würden. Das heisst für mich, dass ich die allermeisten Dinge sowieso öffentlich poste und Beiträge verbreite, die ich auch über Twitter oder auf was für Kanälen auch immer verbreiten würde. Das heisst leider nicht, dass Facebook nicht trotzdem sehr viel über mich erfährt – und unter Umständen mehr, als mir lieb ist.

Das hat zum einen mit der sozialen Struktur zu tun: Da man sich mit Leuten verbindet, ergibt sich eine Abbildung des Beziehungsgeflechts. Und die kann unter Umständen aufschlussreich sein und indirekte Rückschlüsse auf Gesinnung, politische Einstellungen und Vorlieben zulassen. „Meine Strategie gegen den Facebook-Datenhunger“ weiterlesen

Als Facebook noch eine Unbekannte war

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Facebook: Seit zehn Jahren da und nicht gewillt, wieder zu verschwinden. (Bild: LoboStudioHamburg/pixabay.com, CC0)

Facebook ist 2004 gegründet worden. Hierzulande hat man Ende 2007 angefangen, vom sozialen Netzwerk Notiz zu nehmen. Der Tagesanzeiger hat am 26. September 2007 zum ersten Mal über die Plattform geschrieben: «Facebook entwickelt sich zu einem der gesuchtesten Partner im Internet. Die Plattform ist mit weltweit über 42 Millionen eingetragenen Nutzern nach Myspace die grösste soziale Kontaktbörse.» Wenn man der Mediendatenbank SMD glauben darf, war das erste Medium, das Facebook überhaupt wahrgenommen hat, die NZZ. Claude Settele schrieb dort am 28. April 2006:

Erfolgreich sind auch die Studenten-Plattform Facebook oder Googles Orkut, die fast zu drei Vierteln von Brasilianern bevölkert wird. Hierzulande gehören MSN Spaces, Youths.ch und Meinbild.ch zu den frequentierten Adressen, aufstrebend ist die im Februar gestartete Site Klassenfreunde.ch, die 170 000 Mitglieder zählt.

meinbild.ch gibt es übrigens noch und Klassenfreunde heisst jetzt stayfriends.ch. Ich kann mich erinnern, dass ich die auch irgendwann Ende 2007 auf Facebook gestossen bin. Ich habe die Sache beobachtet, bin irgendwann im Verlauf von 2008 beigetreten und hielt am 27. Oktober 2008 die Zeit für gekommen, Facebook als Tipp der Woche vorzustellen: «Facebook hilft, weltweite Kontaktnetze zu knüpfen», hiess der Titel:

Facebook.com hat sich seit dem Start im Jahr 2004 zu einer der grössten Kontaktplattformen im Web gemausert. Im August feierte der Gründer und Selfmade-Milliardär Mark Zuckerberg den 100-millionsten Teilnehmer. Grösser ist nur Myspace.com, eine vergleichbare Community für Teenager und junge Nutzer.

Es war damals nötig, genau zu erklären, wie die Sache funktioniert:
„Als Facebook noch eine Unbekannte war“ weiterlesen

So geht entfreunden

Ich bilde mir ein, ziemlich umgänglich zu sein. Nicht nur im richtigen Leben, sondern auch online. Das führt dazu, dass ich in sozialen Medien selten unversöhnliche Gräben aufreisse und höchstselten entfreundet oder geblockt werde. Man könnte sich sogar auf den Standpunkt stellen, dass ein Journalist mit einer pointierten Meinung mehr anecken müsste. Denn klare Positionen einnehmen und von allen geliebt werden, das geht nun einmal nicht.

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Naja, ganz so schlimm ist es nicht. (Bild: geralt/pixabay.com, CC0)

Immerhin: Vor Jahren habe ich es geschafft, von @freichgeist geblockt zu werden. Das allerdings noch nicht einmal wegen einer öffentlich ausgetragenen Meinungsverschiedenheit, bei der ich es ihm so richtig gezeigt und er als schlechter Verlierer nur noch eins zu tun wusste. Nein, es ging um einen Retweet. Ich weiss den Inhalt nicht genau, aber weil ich noch einen kurzen eigenen Kommentar dazu schreiben wollte, habe ich den Tweet auf eine Weise gekürzt, die ihm nicht gefiel. Heute wäre das kein Problem, weil man Tweets zitieren kann: Der Originaltext bleibt erhalten, und man hat fast die volle Zeichenzahl (280 statt wie damals nur 140) für seinen eigenen Senf zur Verfügung. Man kann also sagen, dass dank des technischen Fortschritts die Welt auf Twitter eine friedlichere ist. Bzw. wäre, wenn es auf Twitter nicht so viele Idioten gäbe.

Was nun @frechgeist angeht, habe ich mich, wie ich das auch im richtigen Leben getan hätte, entschuldigt. Doch das hat ihn nicht gerührt – weswegen ich heute dazu neige, ihn für mich @kleingeist zu nennen.

Aber darum geht es heute gar nicht. Sondern um den Fall von Facebook, wo mich das Schicksal des Entfreundetwerdens neulich ereilt hat. „So geht entfreunden“ weiterlesen

Nichts liken, was nicht gelikt gehört!

Heute geht es um eine Kleinigkeit – die aber wichtig genug ist, um er einen eigenen Beitrag zu widmen. Immer wieder sehe ich es auf Facebook, dass Leute Dinge mit einem Gefällt mir (a.k.a. Like) versehen, die sie nicht im geringsten gut finden. Die AfD, die Nobillag-Seite, irgendwelcher Verschwörungskram und was es auf Facebook sonst noch für abartiges Zeugs gibt.

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Ein Daumen nach oben ist ein Daumen nach oben. (Bild: Piotr Łohunko/tookapic.com, CC0)

Wenn man sie dann fragt, warum sie solches tun, schauen einem die Leute treuherzig in die Augen (bzw. in ihren Monitor, an dem sie gerade auf Facebook ihre Rechtfertigung verfassen) und erklären, dass sie das aus Gründen der Beobachtung tun. Know your enemies, sagen die einen. Und die etwas weniger martialischen Zeitgenossen sprechen von Konkurrenzbetrachtung oder nüchtern von Recherche.

Das Problem ist natürlich, dass ein Like explizit Zustimmung und Sympathie ausdrückt. „Nichts liken, was nicht gelikt gehört!“ weiterlesen