Reichweite dank Facebook-Werbung?

Facebook reibt mir mit einer gewissen Aufdringlichkeit den Vorschlag unter die Nase, die Reichweite meiner Inhalte mittels Werbung zu vergrössern. Geschaltet werden soll diese Werbung, wenig überraschend, natürlich auf Facebook.

Neulich habe ich mich breitschlagen lassen. Ich habe vor Kurzem den Beitrag Wenn dein Arbeitgeber dein iPhone löschen will veröffentlicht. Er hat in den sozialen Medien für Diskussionen gesorgt und zeichnete sich durch eine deutlich längere Halbwertszeit als ein normaler Blogpost hier aus. Eine gute Ausgangslage, dachte ich. Es geht mir um die Klärung der Frage, ob es sich lohnt, einem solchen Beitrag einen kleinen Schubs zu geben – um ihn noch weiter unter die Leute zu bringen.

Ich habe für dieses Experiment den exorbitanten Betrag von 5 Franken aufgeworfen. Ich habe mir davon nun nicht unbedingt den globalen Durchbruch als Erfolgsblogger versprochen. Aber mich hat sehr interessiert, was die Auswirkungen einer solchen Investition sein würden.

Wenn man nicht deswegen Geld für Werbung ausgibt, um nachher darüber zu bloggen, sollte man sich natürlich vorab ein paar Gedanken zu realistischen Zielen zu machen: „Reichweite dank Facebook-Werbung?“ weiterlesen

Google Plus ist bald weg – na und?

Im Juli 2016 habe ich fünf Thesen, warum es Google+ immer noch gibt aufgestellt. Nun, ungefähr vier davon würden heute noch stimmen. Die fünfte allerdings ist offensichtlich weggefallen: «Google glaubt weiterhin an Google+».

Nein, Google glaubt nicht mehr an Google Plus. Am 2. April 2019, also in ungefähr zehn Tagen, wird dem sozialen Netzwerk den Stecker gezogen. Die Daten werden gelöscht. Das allein ist schon bemerkenswert, weil man Google nicht dafür kennt, überhaupt jemals irgend etwas zu löschen (siehe zum Beispiel Think your Google history has been completely deleted? Think again…).

Überraschend sind auch die Umstände, die zum Ende geführt haben. Google hat Sicherheitslücken gefunden und das zum Anlass genommen, mit Google Plus gleich aufzuhören. Und als dann noch weitere Lücken auftauchten, wurde das Enddatum sogar noch vorgezogen. Ist das eine Überreaktion? Oder die logische Konsequenz? Die Einschätzung hängt von den Erwartungen ab. Und von der Einschätzung, was Google Plus für einen gebracht hat.

Für mich war Google Plus nicht unverzichtbar, aber auch nicht komplett für die Katze. „Google Plus ist bald weg – na und?“ weiterlesen

Eine App für Orte, an denen man gerne ist

Aus unerfindlichen Gründen nutze ich noch immer die Swarm-App (für Android und iPhone/iPad). Die älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch. Unter dem Namen Foursquare hat die seinerzeit für Furore gesorgt. 2010 war es, als diese Check-in-Apps aufkamen und damals für einigen Social-Media-Stress gesorgt hatten. Nebst Foursquare gab es auch Gowalla, das von Facebook 2011 übernommen und 2012 eingestellt wurde.

Die Idee war eigentlich einleuchtend: Man registriert seine Anwesenheit an einem Ort, sodass man von anderen dort gefunden werden kann. Wenn jemand dazustossen möchte, kann er das tun. Spontane Treffen, wie sie nur mit dem Internet möglich sind.

Ich weiss nicht, wie es euch geht – aber für mich hat diese Idee nicht funktioniert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dank einer dieser Apps jemals jemanden spontan getroffen hätte. Die Sache ist an mehreren Dingen gescheitert: „Eine App für Orte, an denen man gerne ist“ weiterlesen

Skype, Facebook und Instagram auf Irrwegen

Skype scheint in einer Art Identitätskrise zu stecken. Letztes Jahr wollte Microsoft den altehrwürdigen Videotelefoniedienst in eine Art Social-Media-Netzwerk umbauen. Man konnte sogar eine Art Story über seinen Tag anfertigen. Ja, Microsoft hat bei Skype tatsächlich eines der Features von Facebook (oder ursprünglich von Snapchat) kopiert, die uns schon bei Snapchat kaltgelassen haben und bei Facebook auf den Wecker gegangen sind. Ob das eine vielversprechende Strategie ist?

Nein, natürlich nicht. Man hat auf diesem Weg keine neuen Nutzer dazugewonnen. Denn wieso sollte jemand, der auf Snapchat (oder meinetwegen bei Facebook oder Instagram) mit Leidenschaft jeden Tag seine Story veröffentlicht, das gleiche nochmals bei Skype tun? Und wer es bei Snapchat, Facebook und Instagram nicht tut, der tut es auch bei Skype nicht.

Das hätte Microsoft schon erkennen können, bevor sie mit viel Aufwand ein bewährtes Produkt in einen sinnlosen Snapchat-Klon umgebaut haben. „Skype, Facebook und Instagram auf Irrwegen“ weiterlesen

So borniert sind die Tech-Nerds auch wieder nicht

Das Buch The Circle (Amazon deutsch bzw. englisch) von Dave Eggers wäre an dieser Stelle eigentlich schon lange fällig gewesen. Es handelt sich um ein Buch, das man mit dem Prädikat Standardwerk versehen könnte, wenn das nicht einen so arrogant-abschreckenden Beiklang hätte. Ich fühle jedenfalls immer den Impuls, einen grossen Bogen um solche Titel zu machen: Ich möchte meine Bücher nämlich nicht deswegen lesen, weil man sie gelesen haben muss. Sondern freiwillig.

Also, man muss «The Circle» nicht unbedingt gelesen haben. Aber es schadet nicht. Denn der Roman ist unterhaltsam und flüssig zu lesen. Und er lässt einen verstehen, wie Silicon Valley tickt. Dort ist bekanntlich die Tech-Industrie angesiedelt. Die hat ihre eigenen Gesetzmässigkeiten, wie wir alle wissen: Sie ist arrogant, geschichtsvergessen, selbstverliebt und kindisch.

Und so widersprüchlich, dass es an Schizophrenie grenzt. Da gibt man sich cool, bescheiden und weltverbesserisch. Doch man will diesen Planeten hier nicht nur verändern und verbessern, sondern erobern und ihm den Stempel aufdrücken.  „So borniert sind die Tech-Nerds auch wieder nicht“ weiterlesen

Ein Tröööt auf Mastodon!

Der hochgeschätzte @xeophin hat uns allen neulich empfohlen, einen Massen-Exodus zu mastodon.social zu veranstalten. Grund ist Twitters erratisches Verhalten. Zuletzt sah man das, als die alten Benutzerschnittstellen abgeschaltet wurden. Das sorgt dafür, dass in Twitter-Clients von Drittherstellern weniger Funktionen zur Verfügung stehen. Da ich seit Jahr und Tag Tweetbot benutze, mindert das den Spass und den Nutzen von Twitter. (Wieder einmal.)

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Hier wird mastodonisiert!

Mastodon? Der Name tönt auf alle Fälle schon mal toll. Das sind elefantenähnliche Rüsseltiere, die seit Ewigkeiten ausgestorben sind. Das gibt dem ganzen die notwendige ironische Brechung, und es wirft die Frage auf, wie man das Publizieren auf Mastodon denn nennen würde. Das ist bekanntlich wichtig, da viele der grossen Plattformen auch als Verb funktionieren: Google – googeln, Twitter – twittern. Bei Mastodon wäre das dann wahrscheinlich mastodonisieren. Dass das wie masturbieren klingt, scheint mir auch kein Nachteil zu sein.
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Morbus Facebook

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Pillen helfen leider auch nichts. (Bild: Hastywords/Pixabay, CC0)

Es wäre wahrscheinlich besser, Twitter und Facebook einfach abzuschalten – die Plattform befördern vor allem Dummheit und niedere Instinkte. Es bedeutet nicht, dass man sich nicht was Neues einfallen lassen darf – nachdem wir alle aus den Fehlern gelernt haben.

Das war neulich ein frustrierter Tweet von mir. Ich hatte auf Facebook mal wieder eine deprimierende Erfahrung gemacht. Ein Mann des öffentlichen Lebens, Politiker und Gemeinderat hier in der Stadt für eine freibeuterische Splitterpartei, hatte einen deplatzierten Facebook-Kommentar über eine Juso-Politikerin verteidigt. Das hat Widerspruch hervorgerufen. Doch der Mann machte das, was Leute in solchen Situationen häufig tun: Er stellte sich auf die Position, die Kritik an seinen Aussage sei bloss ein Beleg, wie Recht er doch eigentlich habe. Und er war sich offensichtlich nicht im Klaren darüber, dass man eine Aussage wie, paraphrasiert: «Die Frau leidet darunter, dass sie noch nicht mal einer vergewaltigen will» einfach nicht verteidigen sollte – selbst wenn man besagte Frau nicht mag.

Zwei Dinge haben mich betrübt: „Morbus Facebook“ weiterlesen

Steemt die Kohle?

steemit.com ist ein Webdienst. Und zwar einer, der zu der Sorte gehört, die ich mutmasslich niemals verstehen werde. Dennoch unternehme ich hier einmal den Versuch, ihn zu besprechen.

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Die (Block)chain. (Bild: anaterate/Pixabay, CC0)

Ich vermute, dass ich ihn nicht verstehen werde, weil Wikipedia hier schreibt, die «Grundidee würde Blog-Plattformen wie Reddit ähneln». Es ist eine Tatsache, dass ich in den letzten gut zehn Jahren immer wieder Versuche unternommen habe, Reddit zu verstehen. Leider ohne Erfolg. Klar, das theoretische Konzept leuchtet mir schon ein: Man kann dort irgendwelche Dinge einstellen. Da andere sie hochstufen und herabwählen können, sollte es so sein, dass die besonders interessanten Dinge ganz nach oben gelangen. So weit, so einleuchtend.

Nur ist Reddit leider (auch nach dem Rededign) so unübersichtlich, dass ich überhaupt noch nie jemals etwas gefunden habe, das mich nur ansatzweise interessiert – ich wüsste noch nicht einmal, wo ich anfangen sollte zu suchen. „Steemt die Kohle?“ weiterlesen

Dock.io: Die Zukunft oder ein zukünftiger Flop?

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Dieses Bild hat entfernt mit dem Thema zu tun, weil es Verbindungen zwischen Leuten darstellt. (Bild: rawpixel/Pixabay, CC0)

Ich habe von mehreren Leuten eine Einladung zu dock.io bekommen. Das ist eine Website, die, während ich diesen Blogbeitrag verfasse, noch nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag hat. Das liegt vielleicht daran, dass die Wikipedia-Autoren das Funktionsprinzip nicht verstanden haben – und das meine ich jetzt nicht überheblich, denn mir ist auch nicht ganz klar, wie Dock ganz konkret funktionieren sollte.

Bei How It Works heisst es zur Funktionsweise:

Dock.io is a decentralized data exchange protocol that lets people connect their profiles, reputations and experiences across the web with privacy and security.

Das erinnert natürlich sofort an Diaspora, einem sozialen Netzwerk mit hochfliegenden Plänen, das grandios gescheitert ist. Aber natürlich: „Dock.io: Die Zukunft oder ein zukünftiger Flop?“ weiterlesen

Meine Strategie gegen den Facebook-Datenhunger

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Wo man im Web sonst noch so herumhüpft, bleibt Herrn Zuckerberg verborgen. (Bild: Kaique Rocha/Pexels.com, CC0)

Im Nerdfunk haben wir in der Folge Das himmelblaue Chilbimonster den Facebook-Skandal analysiert. Kevin und ich sind zum Schluss gekommen, dass wir beide nicht in die #DeleteFacebook-Rufe einstimmen werden. Aber wir beide nutzen dieses datenhungrige Biest so, dass es uns nicht wehtun würde, wenn sämtliche dort gespeicherten Daten geklaut, verschachert oder öffentlich gemacht würden. Das heisst für mich, dass ich die allermeisten Dinge sowieso öffentlich poste und Beiträge verbreite, die ich auch über Twitter oder auf was für Kanälen auch immer verbreiten würde. Das heisst leider nicht, dass Facebook nicht trotzdem sehr viel über mich erfährt – und unter Umständen mehr, als mir lieb ist.

Das hat zum einen mit der sozialen Struktur zu tun: Da man sich mit Leuten verbindet, ergibt sich eine Abbildung des Beziehungsgeflechts. Und die kann unter Umständen aufschlussreich sein und indirekte Rückschlüsse auf Gesinnung, politische Einstellungen und Vorlieben zulassen. „Meine Strategie gegen den Facebook-Datenhunger“ weiterlesen