Twitter sagt, ich sei eine linke Socke

Was ist eigentlich von The Blindspotter zu halten? Dieser Twitter-Analyst masst sich an, meine – und auch eure – politische Ausrichtung zu erkunden. Erkenntnis: Manchmal passt das, manchmal nicht.

Neulich bin ich dank meines lieben Twitter-Freundes @undifferanziert bei The Blindspotter gelandet. Letzterer verspricht, einem aufzuzeigen, ob man bei seinem Nachrichtenkonsum einen blinden Fleck aufweist. Sprich, ob man sich ausgewogen informiert oder bestimmte Quellen bevorzugt. Und ja, es geht um die politische Ausrichtung.

Wie zu erwarten war.

Bei mir kam der Blindspotter zu einem wenig überraschenden Ergebnis. Er hat einen starken Linksdrall konstatiert und den sogar mit einem Prozentwert ausgewiesen: „Twitter sagt, ich sei eine linke Socke“ weiterlesen

Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn

Manche Leute drehen frei, weil ein Ex-US-Präsident und ein Zürcher Kantonsrat auf Twitter blockiert worden sind. Resultat: Absurde Diskussionen auf Facebook – aber auch spannende Überlegungen, wie die Meinungsfreiheit zu schützen wäre.

Neulich hatte ich eine Diskussion auf Facebook, die sich im weitesten Sinn um die Frage nach der Zensur in den sozialen Medien gedreht hat.

Diese Diskussion hat sich – wie häufig auf Facebook, im Kreis gedreht. Godwin’s law hat sich einmal mehr bewahrheitet. Diese Regel besagt, dass bei Diskussionen im Internet früher oder später ein Nazi-Vergleich erfolgt. In diesem Fall kam dieser Vergleich schon ganz am Anfang: Meine kleiner, spöttischer Beitrag hier, der sich mit dem Twitter-Output von Weltwoche-Chef und Nationalrat Roger Köppel beschäftigt, wurde mit folgenden Worten kommentiert:

Beginn eines Denunziantentums? Schöne neue Welt wie in der dunkelsten Zeit Deutschlands.

Nun, mit diesem Zitat dürfte auch schon deutlich werden, warum sich die anschliessende Diskussion nichts Vernünftiges hervorgebracht hat: „Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn“ weiterlesen

Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 3: @koeppelroger

Ich bewerte ungefragt, völlig subjektiv und teilweise hochgradig unfair die Twitter-Nutzer aus meiner Bubble. Heute einer, der die meisten seiner Berufskollegen alt aussehen lässt: @KoeppelRoger

Name und Twitter-Handle
Das Header-Bild verspricht eine heile Welt, die dieser Account nicht heraufzubeschwören vermag.

Roger Köppel alias @KoeppelRoger. Das Twitter-Handle ist, man muss es anerkennen, durchaus passend gewählt. Der Proband versteckt sich nicht hinter einem fantasievollen Alias oder hinter einer originellen Abwandlung seines Geburtsnamens.

Im Gegenteil: Das Twitter-Handle entspricht dem Geburtsnamen, mit einer bemerkenswerten Besonderheit allerdings: Der Proband stellt den Nachnamen vor den Vornamen.

Dieses Muster ist als Anknüpfung an eine konservative Tradition zu verstehen. In ländlichen Gebieten war (und ist es womöglich heute noch) Brauch, Leute mit dem Geschlechtsnamen voran zu benennen, teils sogar im Genitiv: «Meiers Fritz ist gestern schon wieder besoffen mit dem Velo aus dem Spunten nach Hause gefahren».

Hier drückt der Nachname eine Art Stammeszugehörigkeit aus, während der Vorname lediglich eine Konkretisierung darstellt, welcher der Meiers denn nun genau gemeint ist. „Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 3: @koeppelroger“ weiterlesen

God save the Bundesrat!

Ist das simpler Schabernack, was der Flags Mashup Bot betreibt – oder schon künstlich intelligente Satire? Jedenfalls handelt es sich um einen der amüsantesten Twitter-Bots überhaupt.

Man hat mich noch nie fahnenschwenkend durch die Strassen laufen sehen. Dafür fehlt mir die adäquate Grundhaltung. Die Fahnen hatten, wie man bei Wikipedia nachlesen darf, ursprünglich eine militärische Bedeutung. Sie halfen Soldaten dabei, ihre Einheit wiederzufinden und nicht versehentlich auf der Seite des Feindes das Kriegshandwerk zu verrichten.

Auch heute sind Fahnen vor allem Ausdruck der bedingungslosen Verehrung als einer kritischen Grundhaltung. Und ja, sie sind auch identitätsstiftend. In dieser Funktion kann ich mit ihnen leben – sodass ich auch schon an einer Erstaugustfeier sass, ohne das Gefühl zu haben, mich konstant von den überall drapierten Nationalsymbolen distanzieren zu müssen. (Das ist aber wirklich schon lange her.)

Dennoch hatte ich während gewisser Phasen meines Lebens intensiv mit Fahnen zu tun. Nämlich ungefähr 1996, wo ich bei meinem damaligen Arbeitgeber an einem Multimediaprojekt mitgearbeitet habe. Das hiess «Swiss Publishing CD» und wird im Beitrag Eine Ära geht zu Ende ausführlich gewürdigt:  Wir haben damals eine Schweizer Clipart-Sammlung zusammengetragen. Die Fahnen von Ländern, Kantonen und Gemeinden waren ein zentraler Bestandteil dieser Sammlung und ich habe selbst diverse Fahnen in Illustrator als Vektorgrafik digitalisiert. „God save the Bundesrat!“ weiterlesen

Zwischen Twitter-Nostalgie und Offline-Realität

Ich wünsche mir eine Zeitmaschine für Twitter. Und generell für mein digitales Leben.

Sosehr meine Abneigung gegen Facebook tagtäglich wächst – und so gross meine Scham auch ist, dass ich noch immer zu viel Zeit auf Zuckerbergs Plattform verbringe –: Eine Funktion gibt es, für die ich Facebook liebe.

Das ist die Erinnerungen-Seite: Dort findet man die Posts, die man am selben Tag vor einem, zwei, fünf oder zehn Jahren veröffentlicht hat. Das ermöglicht eine Zeitreise in die Vergangenheit, die oft spannend ist: Man sieht, womit man sich vor x Jahren beschäftigt hat. Das weckt meistens Erinnerungen und bringt oft alte Gefühle zurück.

Manchmal ist die Reaktion auch Unverständnis. Denn es gibt Posts, die ich nach Jahren schlicht nicht mehr verstehe. Es ist anzunehmen, dass sie sich auf ein tagesaktuelles Ereignis beziehen, das dann doch nicht so wichtig war.

Diese Rückblicke sind in einem Jahr wie diesem besonders aufschlussreich – und vermutlich auch etwas schmerzhafter als in einem normalen Jahr. Sie führen uns vor Augen, wie beherrschend Corona ist und welche Auswirkungen die Pandemie im ganz normalen Alltag hat. Und das finde ich, trotz der negativen Note, letztlich bereichernd.

Diese Rückblicke gibt es auch in der Foto-App von Apple (siehe hier) und in der Fotos-App von Windows (hier). Spass würden sie sicherlich auch bei Twitter machen. Einen Beleg für diese Vermutung gibt es: „Zwischen Twitter-Nostalgie und Offline-Realität“ weiterlesen

Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 2: @PrettyDamnSwiss

Ich bewerte ungefragt, völlig subjektiv und teilweise hochgradig unfair die Twitter-Nutzer aus meinem Dunstkreis. Heute: Rea.

Name und Twitter-Handle

Rea is staying the fk home alias @PrettyDamnSwiss. Diese Twittererin hat ein natürliches, leicht anarchistisches Talent für Twitter und ein wohl angeborenes Gespür für die neuen digitalen Medien. Das ist allein an den beiden Eckdaten ihres Accounts, dem Namen und dem Twitter-Handle, zu erkennen.

Was macht die Kröte da?

Einerseits verrät uns die heutige Probandin in der Angabe beim Namensfeld nichts mehr als ihren Vornamen, Rea. Andererseits verwendet sie ihn für die unmissverständliche Feststellung, dass sie the fuck zu Hause bleibt.

Mit diesem Zusatz positioniert sie sich klar als Unterstützerin der Covid-19-Schutzmassnahmen – und da sie das bereits beim Namen tut, darf die Twitter-Gefolgschaft auch davon ausgehen, dass diese Twittererin auch bei ihren Tweets mit Meinungsäusserungen nicht sparsam sein wird.

Man könnte auch den Eindruck bekommen, dass diese Twittererin direkt und schnörkellos kommuniziert. Doch dieser Annahme wird bereits durch das Twitter-Handle infrage gestellt. Das lautet @PrettyDamnSwiss.

Dieses Alias ist – zumindest für Leute, die die Probandin nicht persönlich kennen – nicht eindeutig zu interpretieren. „Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 2: @PrettyDamnSwiss“ weiterlesen

Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 1: @redder66

Hurra, endlich eine neue Rubrik in meinem Blog: Ich bewerte ungefragt, völlig subjektiv und teilweise hochgradig unfair die Twitter-Nutzer aus meinem Dunstkreis.

Name und Twitter-Handle

Réda el Arbi, alias @redder66. Das Twitter-Handle könnte sich vom Vornamen des Twitter-Nutzers ableiten. Eine Anspielung auf den Redder – «einen Weg zwischen zwei mit Hecken besetzten Gräben» – ist zwar denkbar, aber wenig plausibel; da es sich nicht um einen im Bereich der Naturpflege oder des Gartenbaus angesiedelten Account handelt.

Explizit zu kritisieren ist die Nummer im Handle. In aller Regel sind es wenig erfahrene Internetnutzer, die ihren bevorzugten Aliasnamen mit einer Nummer, beispielsweise dem Jahrgang, ergänzen, wenn der gewünschte Name bereits vergeben ist.

Originalität der Twitter-Bio
«Fick dich!»

Die Selbstcharakterisierung unseres heutigen Probanden lautet wie folgt: «Privat hier – Consultant Communication, brutaler Blogger @ fadegrad.co, freier Journalist, Campaigner, PR-Profi, Autor – allergisch auf Bullshit».

Der Proband wählt eine betont sachliche Form, um sich selbst zu charakterisieren. Er gibt Hinweise auf seine berufliche Tätigkeit, erklärt aber gleichzeitig, dass er Twitter zu privaten Zwecken nutzt. Wir erkennen hier einen gewissen Widerspruch: „Das grosse Twitterer-Assessment, Folge 1: @redder66“ weiterlesen

Twitter, nur ohne den Zahlenverhau

Eine Browser-Erweiterung entfernt die Anzahl Likes, Retweets und Follower aus der Benutzeroberfläche von Twitter. Das klingt unsinnig – ist es aber nicht.

Der scharfsinnige, hier schon einmal erwähnte Ezra Klein hat mich auf eine Browser-Erweiterung namens Twitter Demetricator aufmerksam gemacht, die es für Firefox und für Google Chrome gibt.

Na, wie viele Likes hat dieser Tweet wohl eingesammelt?

Sie blendet bei den Retweets, Antworten und Favoriten die Zahlenangaben aus. Man erfährt auch nicht mehr, wie viele Follower ein Account hat und wie vielen Leute er folgt.

Das klingt auf den ersten Blick völlig unsinnig. Als Twitter-Nutzer ist man gewohnt, diese Informationen bei Relevanzabwägungen routinemässig miteinzubeziehen. Wenn etwas mit vielen Herzchen versehen oder häufig retweetet wurde, dann beurteilen wir es als wichtiger als Meldungen, die scheinbar unbeachtet durch die Zeitleiste flutschen.

Der Urheber der Erweiterung ist ein Künstler namens Ben Grosser. Er schreibt: „Twitter, nur ohne den Zahlenverhau“ weiterlesen

Wie man sich auf Twitter nicht kurz fasst

Sind Threads auf Twitter sinnvoll oder eine Verluderung der Sitten? Und falls man ihnen etwas abgewinnen kann: Zwei Tricks, wie man sie komfortabel liest und schreibt.

Ein Twitter-Thread ist eine Verkettung mehrerer Tweets, die dann zum Einsatz kommt, wenn ein einziger Tweet mit seinen 280 Zeichen für die Botschaft nicht ausreicht. Die Idee ist, dass man seinem eigenen Tweet Antworten hinzufügt. Auf diese Weise entsteht eine mehr oder minder solide verbundene Kette von Tweets.

Wie das «Diggit Magazine» aufzeigt, haben einige Änderungen an der Funktionsweise des Mikrobloggingdienstes dazu beigetragen, dass sich Threads leichter schreiben und lesen lassen. Es hilft, dass bei Antworten der Name des angesprochenen Twitter-Nutzers nicht mehr am Anfang des Tweets angezeigt wird, sondern in eine Extra-Zeile gewandert ist.

Da ist es nur folgerichtig, dass Threads nicht mehr nur als inoffizieller Hack gelten, sondern direkt unterstützt werden. Über den Plus-Knopf kann man einem Tweet automatisch weitere Beiträge hinzufügen. Das macht es einfacher, den Überblick zu bewahren.

Besonders komfortabel finde ich Twitter-Threads aber trotzdem nicht – weder für den Verfasser noch für den Leser. Ich würde die altgediente Methode daher vorziehen: „Wie man sich auf Twitter nicht kurz fasst“ weiterlesen

Stolpersteine in der Timeline

Twitter im Speziellen und soziale Medien im Allgemeinen sind ein bisschen wie Formatradio: Für gewöhnlich plätschert es vor sich hin. Man sieht einmal was Lustiges, dann etwas Ärgerliches, ab und zu einen unnötigen Auswurf eines Verschwörungstheoretikers oder Fake-News-Reposters. Aber es gibt wenig, was die Routine des Sich-Berieseln-Lassens unterbrechen würde.

Es gibt aber eine Ausnahme. Seit einiger Zeit folge ich dem Twitter-Account @AuschwitzMuseum. Was die Tweets mit mir machen, lässt sich am besten mit der englischen Redewendung stop dead in my tracks umschreiben. Sie katapultieren mich augenblicklich aus dieser Ist-alles-nur-Internet-Theater-Haltung – wenn ich einem Tweet wie diesem hier begegne: „Stolpersteine in der Timeline“ weiterlesen