Wie man auf Twitter fragt, wenn man keine Antwort will

Der Mikro­blog­ging­dienst hat eine Mög­lich­keit ein­ge­führt, die Ant­wort­mög­lich­keiten auf Tweets einzuschränken. Doch die ist kom­plett miss­raten

Enno Lenze ist Kriegsreporter und oft in der Ukraine. Zu seinem Beruf sei er «versehentlich» gekommen, heisst es bei Übermedien. Die Fotos, die er auf Twitter postet, zeigen ihn häufig mit schusssicherer Weste und gepanzerten Fahrzeugen posierend. Da ein Hang zum Martialischen unübersehbar ist, habe ich den Verdacht, dass trotz des Versehens eine deutliche Prädisposition für diesen Beruf vorhanden ist.

Aber darum geht es gar nicht. Sondern um eine Nebensächlichkeit. Neulich hat Lenze das Foto eines Flugblatts gepostet, das mit «Achtung, Ihr Spritfresser tötet» überschrieben war. Es stammt von einer Gruppierung namens «The Tyre Extinguishers», die mir bis dato nicht bekannt war. Sie fällt seit Kurzem damit auf, dass sie bei SUVs die Luft aus den Reifen lässt. Über 5000-mal hat sie das laut Wikipedia gemacht.

Auf dem Flugblatt werden einige Thesen aufgestellt: „Wie man auf Twitter fragt, wenn man keine Antwort will“ weiterlesen

Hey, Twitter! Wie wärs mit sozialer Verantwortung?

Da meldet man einen ekla­tant rassis­tischen Tweet auf Twitter. Und was pas­siert? Nichts. Es stellt sich die Frage, was die Inhalts­richt­li­nien über­haupt wert sind.

Die erbitterten Debatten über die kulturelle Aneignung sind am Abklingen – wie das halt so ist. Denn selbst mit voller Schützenhilfe der sozialen Medien können sich die Emotionen nicht unbegrenzt auf dem Siedepunkt halten. Und schliesslich wartet schon der nächste Aufreger darauf, die öffentliche Empörung zu befeuern.

Eine Sache gibt es nachzutragen. Nämlich die Frage, ob die sozialen Medien endlich bereit sind, ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen.

Konkret geht es mir um eine Wortmeldung von einem Herrn Gregor Keller, der auf Twitter zu begegnen ich das Pech hatte: „Hey, Twitter! Wie wärs mit sozialer Verantwortung?“ weiterlesen

Elon Musk: Twitters Untergang oder Rettung?

Der Tesla-Chef wird zum Gross­aktionär und Verwal­tungs­rat bei Twitter. Möglich, dass er nun die abso­lute Meinungs­frei­heit einführen will – was man ihm als Heu­che­lei auslegen müsste. Plus: Sechs Prozent Offliner in Deutschland.

Die wichtigste Tech-Meldung diese Woche ist Elon Musks Coup, sich an Twitter zu beteiligen, bzw. eine bestehende Beteiligung massiv auszubauen. Drei Milliarden hat er in die Hand genommen, um sich 9,2 Prozent des Aktienkapitals und einen Sitz im elfköpfigen Verwaltungsrat zu beschaffen. Nach dem Rückzug von Jack Dorsey ist es nicht verkehrt, wenn dort wieder eine charismatische Persönlichkeit Einzug hält. Ob Musk die richtigen Akzente setzt, darf allerdings bezweifelt werden.

Das vermutet auch Philipp Löpfe (einer meiner Ex-Chefs) bei «Watson»: „Elon Musk: Twitters Untergang oder Rettung?“ weiterlesen

Den Browser entlasten

Immer mehr Reiter, eine stets wachsende Sammlung an angehefteten Websites und immer weniger Überblick: da musste etwas passieren. Darum habe ich einige Aufgaben von Firefox an Windows-Apps ausgelagert.

Der Browser ist in den letzten Jahren immer mehr ins Zentrum meiner Arbeit gerückt. Der grösste Teil meiner Berufs besteht auf Recherche und Schreibarbeit; und beides verrichte ich in Firefox. Informationen sammle ich, wenn nicht in der direkten Kommunikation, dann im Web; die Textarbeit leiste ich in mehreren Content-Management-Systemen.

Das hatte zur Folge, dass es bei mir in Firefox immer mehr angeheftete Reiter gab. Irgendwann waren am linken Rand meiner Reiterleiste fast ein Dutzend Websites angepinnt. Bei meinem alten Computer – der acht, und nicht wie der neue PC 32 GB RAM hatte – war das allein aus Ressourcen-Gründen keine gute Idee.

Doch auch wenn der Computer die Reiterflut verkraftet, ist es fraglich, ob man sich selbst nicht zu viel zumutet: „Den Browser entlasten“ weiterlesen

Über Sinn und Unsinn der Twitter-Labels

Beim Mikrobloggingdienst lassen sich neuerdings Bots kenntlich machen. Es gibt auch Labels für Regierungs-Accounts und staats­nahe Medien. Bringt diese Kenn­zeich­nung etwa oder ist sie bloss eine Alibi­übung?

Transparenz bei meinem twitternden Alter-Ego.

Twitter stellt seit etwa einem Monat die Möglichkeit bereit, Accounts zu kennzeichnen, die automatisch bespielt werden – und die man gemeinhin als Bots bezeichnet.

Ich habe sogleich die Gelegenheit ergriffen, mein Alter-Ego @MSchuessler mit diesem Label auszuzeichnen. Das verwittert in Eigenregie meine Artikel. Ich habe es vor zehn Jahren eingerichtet, weil ich unbedingt mit dem damals höchst faszinierenden Web-Automatisierungsdienst Ifttt herumexperimentieren wollte. Inzwischen ist Ifttt leider in Ungnade gefallen: „Über Sinn und Unsinn der Twitter-Labels“ weiterlesen

Der Realitätsschock und die sozialen Medien

Seit Donnerstag zehrt die Aktualität an den Nerven, und durch Twitter zu blättern, ist eine gefühlsmässige Achterbahnfahrt. Sollte man sich eine Auszeit gönnen – oder bringt es etwas, sich dem sozialmedialen Wahnsinn zu stellen?

Seit gestern stehe ich neben mir. Um mich herum ist zwar alles wie immer und auch an der normalen, täglichen Routine, mit der ich mich durch zwei Pandemiejahre gebracht habe, hat sich nichts verändert.

Trotzdem beherrscht mich dieses Gefühl, das ich erst erfolglos mit viel Doomscrolling einzuhegen versuchte – und dem ich heute mit zwei Podcasts wenigstens ansatzweise auf die Schliche gekommen sind: „Der Realitätsschock und die sozialen Medien“ weiterlesen

Der Messias ist schon da – aber viele andere fehlen noch

Was taugt diese Twitter-Alternative für Leute, die bei Twitter rausgeflogen sind? Nach einem Augenschein von Gettr glaube ich nicht, dass die Plattform für Deplatformierte eine Zukunft hat.

Neulich ist mir auf Twitter jener Zürcher Kantonsrat begegnet, der zwar vor einiger Zeit von der Plattform verbannt worden ist, nun dort aber mit einem neuen Account ein Comeback hinlegte. Er hat in einem Tweet erwähnt, er sei auch auf Gettr zu finden, würde dort aber seit vier Monaten nichts mehr schreiben, weil «zu Milieu».

Das hat mein Interesse geweckt. Was meint er mit «zu Milieu»? Der nächste Satz, wonach Facebook «das einzige soziale Medium mit Relevanz» sei, macht es klar: Es ist ihm zu wenig los auf Gettr, bzw. er findet, er habe dort zu wenig Reichweite.

Mich hat das daran erinnert, dass ich mir Gettr schon lange einmal ansehen wollte. Zur Erinnerung: „Der Messias ist schon da – aber viele andere fehlen noch“ weiterlesen

Ein endgültiger Ausstieg bei Twitter, Hü und Hott bei Microsoft

Eine Würdigung von Jack Dorsey und die Frage, wie es mit Twitter nach dessen Abgang weitergeht. Plus im Wochenrückblick: Der Windows-Konzern kann sich nicht entscheiden, wie weit er bei der Protektion seines Browsers gehen will.

Just setting up his twttr (Jack Dorsey von Joi Ito, CC BY 2.0).

Jack Dorsey kehrt Twitter den Rücken

Am letzten Montag hat Jack Dorsey mitgeteilt, er gebe seinen Posten als Twitter-Chef ab. Er hat den Kurznachrichtendienst vor 15 Jahren gegründet und übergibt den Chefposten nun an Parag Agrawal, der bislang Technik-Chef des Unternehmens war.

Dorsey hat Twitter im März 2006 zusammen mit Biz Stone und Evan Williams gegründet, wobei deren Unternehmen Odeo ursprünglich eine Plattform fürs Podcasten hätte entstehen sollen. „Ein endgültiger Ausstieg bei Twitter, Hü und Hott bei Microsoft“ weiterlesen

Die grosse Vaxxie-Kontroverse

Ist man ein privilegierter, ignoranter Unsympath, wenn man ein Foto postet, wie man die Spritze gegen Covid-19 erhält?

Kafi Freitag hat in ihrem schönen Podcast (Hansdampfinnen in der Podcastgasse) in der Folge Impfen gegen den Rest der Welt eine Tirade gegen mich höchstpersönlich vom Stapel gelassen. Kafi fand, ich sei ein «gruusiger Ignorant», und es sind noch ein paar andere Vokabeln gefallen, an die ich mich nicht mehr erinnere. Aber es war nicht schön.

Die Attacke, die übrigens nicht an mich direkt, sondern an meinesgleichen gerichtet war, hatte sich an dem entzündet, was man gemeinhin als «Vaxxie» bezeichnet: Fotos, auf denen man zeigt, wie man gerade geimpft wird. „Die grosse Vaxxie-Kontroverse“ weiterlesen

Twitter sagt, ich sei eine linke Socke

Was ist eigentlich von The Blindspotter zu halten? Dieser Twitter-Analyst masst sich an, meine – und auch eure – politische Ausrichtung zu erkunden. Erkenntnis: Manchmal passt das, manchmal nicht.

Neulich bin ich dank meines lieben Twitter-Freundes @undifferanziert bei The Blindspotter gelandet. Letzterer verspricht, einem aufzuzeigen, ob man bei seinem Nachrichtenkonsum einen blinden Fleck aufweist. Sprich, ob man sich ausgewogen informiert oder bestimmte Quellen bevorzugt. Und ja, es geht um die politische Ausrichtung.

Wie zu erwarten war.

Bei mir kam der Blindspotter zu einem wenig überraschenden Ergebnis. Er hat einen starken Linksdrall konstatiert und den sogar mit einem Prozentwert ausgewiesen: „Twitter sagt, ich sei eine linke Socke“ weiterlesen