Auf einem Laptop-Bildschirm sind verschiedene Kurzbefehle und Einstellungen angezeigt. Im Vordergrund ist eine orangefarbene Box mit Anweisungen zur Bildbearbeitung sichtbar. Im Hintergrund ist eine Pflanze zu erkennen.
Die Kurzbefehle-App bei Mac OS 27 alias Golden Gate erstellt mittels KI massgeschneiderte Arbeitsabläufe, die sogar ausführlich beschrieben werden.

Die beste Neuerung von Mac OS 27: Die Kurzbefehle-App

Eine un­schein­bare Neue­rung von Apples Herbst-Up­dates hat das grösste Po­ten­zial: In der Kurz­be­fehle-App baut uns jetzt die KI leis­tungs­fä­hige Auto­ma­ti­sie­rungen. Vier Bei­spiele, was damit möglich ist und wo Apple In­tel­li­gence noch schei­tert.

Ihr erlaubt, dass ich mich bei meiner Besprechung von Mac OS 27 auf einen einzigen Aspekt konzentriere: nämlich die Neuerungen in der Kurzbefehle-App. Die anderen Features sind entweder bislang nicht verfügbar (die neue Siri) oder entsprechen den Verbesserungen in iPad OS 27. Die neuen KI-Bearbeitungsmöglichkeiten bespreche ich hier mit einem grossen Test.

Halt, eine Besonderheit muss ich kurz ansprechen: Der Codename des Updates lautet Golden Gate. Mit dem hat es Apple endlich geschafft, eine Region Kaliforniens aus dem Hut zu zaubern, mit der ich etwas anfangen kann. Ich unternahm 1992 einen langen Spaziergang vom European Guest House (heute European Hostel) an der Market Street durch den Golden Gate Park und bis ans andere Ende der Brücke. Eine besondere Verbindung mit dieser Betriebssystemversion verspüre ich deswegen leider nicht.

Endlich Automatisierung für alle?

Also, die Kurzbefehle-App. Sie hat Anschluss an Apple Intelligence gefunden: Die KI erstellt anhand einer Beschreibung den Ablauf, den wir im Idealfall 1:1 benutzen oder von Hand perfektionieren können. Das ist ein grosser Fortschritt und bringt eine Demokratisierung dieser Automatisierungsfunktion.

Vielleicht: Denn falls die KI die Programmierung der Abläufe gut hinbekommt, steht sie viel mehr Anwenderinnen und Anwendern zur Verfügung als bisher. Dann kann jedermann und jedefrau Routineaufgaben – z. B. die Benennung von Bildern und Dateien – exakt nach den eigenen Vorstellungen erledigen.

Screenshot eines Computerbildschirms mit einer Übersicht über Kurzbefehle. Links sind verschiedene Kategorien und Optionen aufgeführt, rechts wird beschrieben, wie ein Kurzbefehl erstellt werden kann.
So wird der Kurzbefehl per KI erstellt. An dieser vermeintlich simplen Aufgabe scheitert Apple Intelligence jedoch.

Ohne die KI benötigt man ein solides Verständnis für die Funktionsweise des Betriebssystems und den Aufbau solcher automatischer Abläufe. Man muss verstehen, wie sich eine Aufgabe in sinnvolle Einzelschritte zerlegen lässt. Und es gibt ein beträchtliches Frustpotenzial. Ich unterschätzte den Aufwand für vermeintlich simple Kurzbefehle notorisch.

Darum die Frage: Funktioniert das Vibe-Coding eines solchen Kurzbefehls? Ich prüfe das mit vier teils ambitionierten Projekten:

1) Ein «Bild des Tages» auf dem Sperrbildschirm

Die Idee dockt beim hier beschriebenen Projekt an: Ich möchte einen Kurzbefehl einrichten, der jeden Morgen um fünf Uhr ein schönes Bild aus dem Web holt und es auf dem Sperrbildschirm als Hintergrund einrichtet.

Ich formuliere die Aufgabe wie folgt:

Mache mir einen Kurzbefehl, der jeden Morgen um fünf Uhr auf Unsplash.com in der Kategorie Menschen ein neues Motiv sucht – idealerweise eines mit einer hohen Bewertung oder besonders grosser Aufmerksamkeit, falls das möglich ist – und das als neues Bild im Sperrbildschirm einrichtet. Da ich die Automatisierung auf dem iPhone verwenden möchte, sollen hochformatige Aufnahmen bevorzugt werden.

Eine Benutzeroberfläche zeigt eine Uhrzeit von 09:41, das Datum „Di. 9. Jan.” und ein Bild im Hintergrund. Unterhalb befinden sich verschiedene App-Symbole und Navigationsoptionen.
Mit Nachhilfe von ChatGPT gelangt dieses Projekt zum glücklichen Abschluss: Der Kurzbefehl holt täglich ein neues Bild von Unsplash für den Hintergrund des iPhone-Lockscreens.

Die beiden Bedingungen (hohe Bewertung und optimiert fürs Hochformat) werden ignoriert. Das wundert nicht, denn sie sprengen die Möglichkeiten eines Kurzbefehls.

Der Kurzbefehl, der mir die KI zurückliefert, funktioniert leider nicht. Die Ursache liegt darin, dass er eine falsche bzw. nicht mehr aktive Schnittstelle verwendet. Unsplash Source wurde im Juni 2024 eingestellt (nachdem die bereits 2021 abgekündigt worden war).

Es gibt eine neue Schnittstelle, mit der das Abrufen eines Bildes komplexer ist: Wir müssen einen API-Key registrieren und in der Abfrage übergeben. Wir erhalten ein Json-Objekt zurück, aus dem wir eine auf ein Bild verweisende URL herausoperieren. Diese wiederum wird an die Befehle Inhalte von URL abrufen und Hintergrund festlegen übergeben.

Ich lege den API-Key an, beschreibe das Vorgehen entsprechend und nehme einen zweiten Anlauf. Und siehe da: Anhand der konkreten Beschreibung liefert Apple Intelligence einen tadellosen Kurzbefehl.

Dass Apple Intelligence eine seit fünf Jahren abgekündigte Schnittstelle verwendet, ist ein Fauxpas. Doch ChatGPT liefert die notwendigen Informationen und einen groben Ablauf für den Kurzbefehl. Das führt uns zu folgendem Fazit:

  • Für einen erfahrenen Anwender, eine geübte Anwenderin gelingt es, innerhalb einer Viertelstunde einen Kurzbefehl fürs individuelle «Bild des Tages» aufzusetzen. Anstelle von Unsplash könnten wir auch wallhaven.cc, Flickr oder sonst eine Bilderplattform verwenden – das ist toll!
  • Doch für ungeübte User liegt die Latte weiterhin hoch. Meine eingangs aufgestellte Behauptung, die Kurzbefehle würden demokratisiert, ist zumindest für diesen Fall widerlegt.

2) Slack während der Ferien ruhigstellen

Damit das iPhone während der Ferien nicht nervt, habe ich im Juni mehrere Methoden ausprobiert, um die Benachrichtigungen zu bändigen. Ein Versuch bestand darin, die Benachrichtigungen per Kurzbefehl zu deaktivieren. Damals förderte erst eine Recherche im Web die Erkenntnis zutage, dass diese Einstellung per Kurzbefehl nicht geändert werden kann.

Dank der KI ist die nicht mehr nötig. Die künstliche Intelligenz meldet: «Kurzbefehle können die Benachrichtigungseinstellungen für bestimmte Apps sie Slack nicht direkt ändern.»


3) Ein Foto vom Handy direkt ins Blog schicken

Wäre es nicht toll, wenn ich Bilder direkt ab iPhone in meine Word­pess-Mediathek einspeisen und sogleich für Blogposts verwenden könnte? Das wäre ein riesiger Fortschritt fürs mobile Bloggen: Schon 2014 kam ich zum Schluss, dass man den Text notfalls über die Touch-Tastatur ins CMS hineinbekommt (heute gibt es mobile Tastaturen sogar fürs Smartphone), doch es unzumutbar kompliziert ist, Bilder mit dem richtigen Dateinamen und in optimierter Grösse dort einzuspeisen. Daran ändert die Jetpack-App bis heute nichts.

Hilft die Kurzbefehle-App uns aus der Bredouille? Meine Idee ist ein Workflow, der über den Teilen-Befehl bzw. das Sharesheet anhand eines Bildes ausgelöst wird. Er muss folgende Dinge tun:

  • Das Bild richtig benennen, nämlich mit einem Präfix fürs Datum und einer kurzen, per KI generierten Inhaltsangabe.
  • Dann soll er das Foto verkleinern; auf maximal 2500 Pixel für die lange Kante.
  • Der entscheidende Schritt ist der automatische Upload in die Word­press-Mediathek. ChatGPT verrät mir, dass das über die Rest-API möglich ist, und gibt mir den Tipp, dafür ein Anwendungspasswort zu verwenden.
  • Für mein Archiv soll das Bild mit gleichem Dateinamen, aber in voller Grösse im Public-Ordner auf dem iCloud-Drive platziert werden.

Und siehe da: Dieser komplizierte Arbeitsablauf funktioniert fast auf Anhieb.

Screenshot einer Dateiansicht in einem Cloud-Speicher mit mehreren Bilddateien. Die Namen und Details der Dateien sind sichtbar, darunter «Fahrrad», «Kampfsport», «Sonnenuntergang» und «Reiher».
Die Fotos aus meiner Mediathek: Autmatisch fürs Blog benannt, auf die richtige Grösse gebracht und hier in iCloud fürs Archiv paratgelegt.

Zwei Korrekturen sind notwendig:

  • Die Authentifizierung an der Rest-API klappt nicht auf Anhieb, weil ich meinen Benutzernamen nicht angebe. Statt nachzufragen, liess ihn die KI weg. Ich generiere den Authentifizierungsstring selbst (unter Windows mit der Powershell).
  • Die Rest-API ist tückisch. Doch mit der Hilfe ChatGPTs klappt das Debugging: Ich weise explizit darauf hin, dass als Content-Disposition exakt attachment; filename="bild.jpg" angegeben werden müsse.

Ein Tipp dazu: Ein Kurzbefehl kann nachträglich mittels Apple Intelligence bearbeitet, erweitert und korrigiert werden: Einfach in den Bearbeiten-Modus wechseln, dort auf den Knopf Kurzbefehl beschreiben klicken und die Änderungswünsche angeben.

Fazit: Grossartig! Das ist eine enorme Erleichterung im Alltag, die ich allein mit Apple Intelligence nicht hinbekommen hätte. In Kombination mit ChatGPT klappte es in einer guten halben Stunde.

Ein umgekipptes Mountainbike liegt auf einem Kies- und Erdweg, umgeben von herbstlichen Blättern und Sträuchern. Bäume und Vegetation sind im oberen Bildbereich sichtbar.
Anders als dieses Velo hier kam ich mit meiner Kurzbefehle-Automatisierung ans Ziel: Das Foto hier landete über den Teilen-Befehl automatisch im Blog hier.

4) Der Trennstrich-Helfer

Ende Juni vergeudete ich einen halben Tag damit, mir einen Kurzbefehl für eine simple Aufgabe zu basteln: Er sollte mir in einem Text in der Zwischenablage die Platzhalter durch bedingte Trennstriche ersetzen. Es geht darum, hier im Blog und in Dokumenten den Zeilenfall langer Worte zu verbessern. Am Desktop-Computer ist das kein Problem, doch am iPhone ist das annähernd unmöglich – und da die Kurzbefehle via iCloud synchronisiert werden, besteht die einfachste Vorgehensweise darin, den Kurzbefehl am Mac zu erstellen und am iPhone oder iPad zu benutzen.

Diese Aufgabe ist krachend gescheitert; ich bekam den Kurzbefehl nicht hin. Und – oh Wunder! – die KI schafft genauso wenig. Sie fügt den entsprechenden Unicode-Code (\u00AD) als Klartext ein: unbrauchbar.

Trotzdem ist das ein kleiner Fortschritt: Denn statt stundenlanger Versuche und Anfällen von Selbstzweifeln kommen wir nach zwei Minuten zum Schluss, dass wir die Finger von diesem Unterfangen lassen sollten.


Abschliessendes Fazit: Es bleibt kompliziert

Das Vibe-Coding für die Kurzbefehle ist eine hervorragende Idee, doch die Umsetzung hat Luft nach oben. Ohne ChatGPT wäre ich bei allen meinen Projekten gescheitert oder hätte viel mehr Zeit für die Umsetzung benötigt. Folgende Erkenntnisse bleiben:

  • Für ungeübte Anwenderinnen und Anwender gibt es nach wie vor viele Stolperfallen und ein grosses Frustpotenzial. Damit die «Automatisierung für alle» in greifbare Nähe rückt, muss die KI gewaltig zulegen.
  • Doch für User wie mich, die nicht ganz unbeleckt sind, jedoch nicht tief genug in der Materie drinstecken, dass sie die Kurzbefehle aus dem Ärmel schütteln würden, ist das eine tolle Sache. Meinen neuen Word­press-Uploader werde ich intensiv benutzen!

Natürlich ist das eine Steilvorlage, um die Möglichkeiten für Kurzbefehle massiv auszubauen. Apple ist dabei, die Grundlagen zu legen. Das Projekt heisst Apple Intents, und es besteht kein Zweifel, dass es eine Menge Potenzial hat.

Kommentar verfassen