In your head, zombie

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Der Teeologe hat lange geschwiegen. Was daran liegt, dass er in der letzten Zeit nicht zu ausgiebigen Teezeremonien gekommen ist. Aber immerhin, heute gibt es wieder eine Verkostung. Und zwar des Cranberry-Tees aus Müllers Teestube. Erhältlich in dem Laden der Müller heisst, obwohl er nicht Mehl herstellt, sondern Drogerieprodukte verkauft.

Cranberries, oder, wie sie in Deutsch heissen würden, Moosbeeren, sind als Saft weit verbreitet und werden vom Teeologen in dieser Form auch gern getrunken. (Ohne dass er sich deswegen aber Saftologe nennen würde.) Die medizinische Wirkung, die bei Tees immer gerne als Verkaufsargument angeführt wird – speziell dann, wenn sich der Geschmack für diesen Zweck nicht besonders eignet – ist bei dieser Beere umstritten. Bei jungen Frauen soll sie gegen Harnwegsinfekte helfen. Das ist bei einem älteren Herrn wie dem Teeologen aber nicht so richtig stichhaltig.

Folgerichtig gibt es auf dem Säckchen nirgendwo ein Heilsversprechen. Man muss ihn somit allein wegen des Genusses trinken. Und das kann man durchaus tun. Ich mag den Geschmack: Leicht säuerlich, nicht aufdringlich, aber dennoch vollmundig. Allerdings würde ich empfehlen, ihn acht Minuten lang ziehen zu lassen. Dann wird er «kräftig». Zieht er nur fünf Minuten, ist er laut Anleitung «normal». (Und wer will schon einen «normalen» Tee trinken.

Also: Die Kranbeere ist auf alle Fälle die bessere Hagebutte. Hagebuttentee ist bekanntlich ebenfalls sehr schön rot, aber so langweilig, dass einem beim Trinken die Füsse einschlafen. Diese Alternative ist differenzierter und anregender, auch wenn ich ihn jetzt nicht als Geschmacksexplosion bezeichnen würde. Er hat auch eine angenehme Nase und einen unaufdringlichen Abgang. Das Säuerliche muss man mögen (und vertragen). Aber das ist bekanntlich auch beim Saft so.

Der Tee ist lose, und eignet sich ITTHO1 eher für den Morgen und fürs Frühstück als für den Abend.

Einen Einwand gibt es: In den Zutaten ist zu lesen, dass die Cranberry-Scheiben gerade mal 0,75 Prozent ausmachen. Die anderen, mengenmässig viel bedeutenderen Zutaten sind Apfel, Hibiskus, Hagebuttenschalen (oh nein!), Ananas (Ananas, Zucker), Orangenschalte, Zimt und Aroma – was immer das nun wieder sein soll – Ringelblumenblüten und Kornblumenblüten.

Das bedeutet, dass man sich recht weit aus dem Fenster lehnt, wenn man diesen Tee als Cranberry-Tee bezeichnet. Es ist eine Früchteteemischung, die geschmacklich an Cranberrys erinnert, mehr aber auch nicht. Man kann nun darüber streiten, ob die Deklaration okay ist. Ich würde schon erwarten, dass der namensgebende Bestandteil auch in nennenswerter Menge vorhanden sein müsste.

Lässt man das ausser acht und bewertet den Geschmack, dann hat man hier einen Tee, der nicht unbedingt zum Lieblingstee werden dürfte, aber wie gesagt eine hervorragende Alternative zur Hagebutte darstellt. Und das ist ja auch was.

PS: Der Titel ist natürlich eine Anspielung2.

Footnotes

  1. In the Teeologe’s humble opinion. ^top
  2. Klaro. ^top

Autor: Matthias

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