Massgebliche Apps

iOS 12, hier vorgestellt, enthält auch eine neue App namens Massband. Die tut das, was man anhand des Namens vermuten darf: Sie misst, und zwar via Kamera und Augmented Reality. Im Beitrag Die Venus im Vorgarten habe ich ausgeführt, dass ich der erweiterten Realität das revolutionäre Potenzial abspreche: Es gibt einfach zu wenig sinnvolle Dinge, die man damit tun kann. Zu den Dingen, die mir Spass machen, gehören Apps, die einem Dinge über die Umwelt verraten, zum Beispiel über vorbeifahrende Schiffe. Und Apps, die einem helfen, die Umgebung zu erschliessen – wie das Massband tut.

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Man kann sein Lieblingssofa per AR-App übrigens auch gefahrlos auf die Strasse stellen.

Allerdings ist Massband nun relativ bescheiden im Funktionsumfang. Es gibt nebst dem Massband auch eine Wasserwaage, die früher in der Kompass-App steckte. Sie zeigt die Neigung an, wobei man daran denken sollte, dass die Kamera bei vielen iPhone-Modellen etwas vorsteht. Sie verfälscht die Messung im zwei Grad, wenn sie beim Messen aufliegt. Man kann übrigens durch Tippen auf den Bildschirm die Messung auf Null stellen, wenn man einen freien Winkel ermitteln will. Das ist ganz praktisch.

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Ist das noch Fotografie?

Im Beitrag Schabernack oder Spiegelreflex habe ich über den Porträtmodus des iPhones geschnödet. Er versucht, die Anmutung eines mit grossem Sensor aufgenommenen Bildes zu imitieren, obwohl die winzigen Objektive eines Smartphones niemals die Abbildungsleistung einer grossen Kamera zu erbringen vermögen – egal, ob es sich nun um eine Spiegelreflexkamera oder um ein spiegelloses Modell handelt.

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Die Blende nachträglich vestellen (links) oder den Fokuspunkt versetzen (rechts) – und man kann bei Focos sogar ein anderes virtuelles Objektiv auswählen.

Ich kritisiere im Beitrag, dass die Illusion nicht perfekt ist. Allerdings macht die Technik grosse Fortschritte. Apps imitieren die Eigenschaften von richtigen, teuren Objektive. Phil Schiller hat an der letzten Keynote den Begriff der Computational photography in den Mund genommen: Mittels massiver Rechenleistung, die Apple in ein Ding namens Neural Engine packt, imitieren die neuen iPhone-Modelle (Xs, Xs Max und Xr) sogar das Bokeh, das ein grosses Portrait-Objektiv erzeugen würde.
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Edge, auf Sicherheit getrimmt

Eine der populärsten Folgen der digitalen Patentrezepte war die zum sichersten Browser der Welt, hier im Blog unter dem Titel Das Gegenteil vom Internet Explorer veröffentlicht. Der Browser schützt sich, indem er in einer abgekapselten Umgebung läuft. Die Hürden, um aufs Betriebssystem überzuspringen, werden für Schadprogramme massiv erhöht.

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So stellt sich Microsoft eine böse Website vor, die vom System isoliert werden muss.

Microsoft hat eine ähnliche Funktion im Betriebssystem eingebaut – allerdings auf typisch microsoftsche Weise: Sie trägt einen kryptischen Namen, ist standardmässig deaktiviert und so gut versteckt, dass man sie nur dann findet, wenn man genau weiss, wonach man suchen muss.

Die Funktion heisst Windows Defender Application Guard (WDAG). Mittels der Virtualisierungstechnik Hyper-V wird der Browser (Edge oder, falls es denn wirklich sein muss, der Internet Explorer) in einen Container versetzt, der vom übrigen System abgeschottet läuft. „Edge, auf Sicherheit getrimmt“ weiterlesen

Suchmaschinen? Miese Versager sind sie alle!

Ich predige immer mal wieder die angewandte Google-Skepsis. Und die Berichte von Googles Aktivitäten in China machen meine Vorbehalte nicht eben kleiner: «The Intercept» hat über den Prototypen einer chinesischen Suchmaschine berichtet, die ziemlich evil klingt: Dragonfly würde zensurierte Resultate ausliefern und gleichzeitig die Suchanfragen mit der Telefonnummer des Suchenden koppeln. Was das bedeuten könnte, wird von Menschenrechtsgruppen im Beitrag so gesagt:

It could result in the company “directly contributing to, or [becoming] complicit in, human rights violations.”

Aus dem Grund halte ich immer ein Auge nach Suchmaschinen offen, die man anstelle von Google nutzen könnte. Zum Beispiel Bing (Wieso nicht mal ein bisschen bingen?), Duck Duck Go oder Startpage.com – bei dieser Suchmaschine sucht man via Google, aber anonymisiert.

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Die verwanden Begriffe, die Swisscows bereithält, sind eine charmante Idee – aber mehrheitlich unbrauchbar.

Da gibt es auch qwant.com – eine Suchmaschine, die den Nachteil hat, dass man sich nach kurzer Zeit nicht mehr an die korrekte Schreibweise erinnern kann. Quant? Quwant? Qwuant? Vielleicht ist das in Frankreich weniger ein Problem, wo die Suchmaschine beheimatet ist. Jedenfalls legt sie mehr Wert auf den Datenschutz und durchsucht auch News, soziale Kanäle wie Twitter, sowie Musik. Und das neue Design ist recht hübsch, wie ich finde.

Und erinnert sich noch jemand an die Schweizer Suchmaschine? „Suchmaschinen? Miese Versager sind sie alle!“ weiterlesen

Ist Office noch ein Ding?


Microsoft bringt Office 2019: Lohnt sich dieses Update?

Office 2019 ist so halb erschienen: Die Unternehmenskunden können die Software bereits beziehen, für die anderen erscheint der Nachfolger von Office 2016 irgendwann demnächst. Für mich Anlass für zwei Dinge: Erstens für obiges Video, das die wichtigsten Neuerungen vorstellt.

Zweitens für die Frage im Titel: Ist Office noch ein Ding? Und braucht die Software überhaupt noch Updates, oder könnte man sie als zu Ende entwickelt betrachten und dementsprechend Updates geflissentlich ignorieren?

Die Antwort lässt sich natürlich nicht verallgemeinern, sondern hängt davon ab, was man tut, wie oft, für wen und mit welchem Anspruch. „Ist Office noch ein Ding?“ weiterlesen

Spiele zu klauen ist ein ungesühntes Verbrechen

Gibt es eigentlich ein Copyright auf Spielideen? Die Frage hat sich mir neulich aufgedrängt, als mir aufgegangen ist, wie viele Spiele mit «Blast» im Titel es im App-Store gibt: Im Beitrag Wer hat hier von wem abgekupfert? habe ich versucht, das zu klären. Aber es ist aussichtslos, weil es nebst «Toon Blast» und «Angry Birds Blast» auch «Toy Blast», «Balloon Blast» und so viele weitere Inkarnationen gibt, dass ich mir hier einen Wolf recherchieren müsste, um allen auf die Spur zu kommen.

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Auch das gute alte Monopoly könnte man nachbauen – Monopoly nennen sollte man es allerdings nicht. (Bild: Ylanite Koppens/Pexels, CC0)

Und nein, es gibt kein Copyright auf Spielideen, was ich allein daran gemerkt habe, dass ich in den 1990ern nicht verklagt worden bin, weil ich mit Clickomania eine SameGame-Variante in die Welt gesetzt habe. Und man merkt es heute daran, dass populäre Spielprinzipen wie die Match Three-Puzzles den App Store überschwemmen. Er hier schreibt, jede Woche tauche ein neuer Titel derselben Machart auf, und das scheint mir nicht übertrieben. Das führt dazu, dass die Titel heftig beworben werden müssen: Wer ab und zu ein werbefinanziertes Game spielt, der kommt um die Werbung für Homescapes, Jewel Quest, Fishdom oder Angry Birds POP! nicht herum. Die Popularität lässt sich mit einem Wort erklären. Respektive mit dreien: Candy Crush Saga. Eine Spiel-App, die 200 Millionen US-Dollar umsetzt, ist no spit in the bucket.

Das ruft Nachahmer auf den Plan, und die müssen, wie ich, nicht befürchten, verklagt zu werden. Im US-Urheberrechtsgesetz heisst es:
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Als der Vatikan gehackt worden war

Nach meinem Eschbach-Exzess1 ist es an der Zeit, wieder andere Autoren zum Zug kommen zu lassen. Aber es ist angebracht, in Eschbachs Umfeld nach einem Nachfolger zu suchen – denn die Mischung aus Spannung, kluger Geschichten, sympathischer Helden und dem anpassungsfähigen Erzählstil ist ganz in meinem Sinn. Ich habe darum für die Büchersuche das GPS für Literatur angeworfen und bin auf Wolfgang Hohlbein gestossen. Er schreibt, laut Wikipedia, «Bücher, die ich selbst gerne lesen würde». Das klingt zwar banal, trifft aber gerade im Unterhaltungsbereich nicht für sehr viele Autoren zu. Viele schreiben Bücher, von denen sie glauben, dass die Verlagslektoren sie gerne lesen. Und das macht einen grossen Unterschied.

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Staffage. (Bild: Walkerssk/Pixabay, CC0)

Jedenfalls passt es gut, dass es in Das Paulus-Evangelium (Amazon Affiliate) um Hacker geht – da bleibe ich auch der Rubrik der Nerdliteratur treu. Und um wie üblich die Rezension mit dem Fazit zu beginnen, würde ich dieses Buch unter Vorbehalten empfehlen. Seine Bestimmung, mich als Leser zu unterhalten, erfüllt es bestens. Es ist nicht so raffiniert konstruiert wie die Plots von Eschbach und es gibt am Ende einen klassischen Showdown mit Schiesserei und Schwertkampf, aber keinen «Kampf der Hacker» und kein Kräftemessen auf der technologischen Ebene, wie man sich das als Nerd natürlich wünschen würde. „Als der Vatikan gehackt worden war“ weiterlesen

Er digikam, sah und verwaltete

Das ist wieder einer dieser Blogposts, bei denen ich mich für den Titel entschuldigen muss. Also, ich entschuldige mich ganz herzlich für den Titel, der ein dummer Kalauer ist und nicht in diesem und in keinem anderen Paralleluniversum als Titel dienen sollte. Allerdings sollte auch keine Software Digikam heissen müssen. Und die affige offizielle Schreibweise mit kleinem D und grossem K («digiKam») macht es noch schlimmer.

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Digikam vereinigt die typischen Qualitäten und Schwächen eines Open-Source-Programms auf sich.

Aber es gibt eine solche Software, und ich habe mich entschieden, sie zu besprechen. Schliesslich kamen hier in letzter Zeit immer wieder Programme aus dem Bereich der Fotografie zum Zug – und da gehört Digikam zu den bekannten Vertretern aus dem Open-Source-Bereich. Allerdings ist dieses Programm vor allem ein Organisationsinstrument und weniger RAW-Konverter mit ausgeklügelten Entwicklungsmöglichkeiten – aber das ist nicht per se schlecht: Es wäre die perfekte Ergänzung zu DxO PhotoLab (Fotobearbeitung für Minimalisten), da dieses Programm auf die Entwicklung spezialisiert ist und nur rudimentäre Verwaltungsfunktion hat.

Nach der Installation (die lange dauert und einen Ordner von 1,24 GB Grösse auf der Windows-Festplatte anlegt, der sagenhafte 4476 Dateien enthält) begrüsst einen das Programm mit einem Assistenten, der wissen will, wo man seine Fotos gespeichert hat, welche Datenbank man zur Verwaltung nutzen möchte, wie mit Rohdatenbildern verfahren werden soll, auf welchem Weg die Metadaten gespeichert werden, ob der Vorschaumodus mit Proxy-Bildern oder den Komplettbildern arbeitet, was beim Linksklick passiert und ob Kurzinfos beim Mouseover angezeigt werden oder nicht.

Davon könnte man sich bereits überfordert fühlen: „Er digikam, sah und verwaltete“ weiterlesen

Weil ich mir das wert bin

Ich habe zwar mehrere Jobs, bin aber bei allen festangestellt bzw. fester Freier. Nun kommt es aber trotzdem vor, dass man gelegentlich wissen möchte, wie viel diese oder jene Arbeit eigentlich wert wäre, wenn man sie verrechnen würde. Was müsste man verlangen, wenn man zwei, drei Stunden für jemand etwas tut?

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In vier Schritten erfährt man seinen optimalen Stundenansatz.

Die Antwort auf diese Frage ist schwierig. Gerade wenn man festangestellt ist, fällt es einem schwer, den Wert seiner Arbeit in Form einer Zahl auszudrücken. Persönlich hält man sich vielleicht für so genial, dass der Betrag auch mit fünf Stellen noch zu gering erscheint. Umgekehrt möchte man sich die Peinlichkeit ersparen, eine so hohe Zahl zu nennen, dass der andere unwillkürlich zusammenzuckt. Was also tun? Eine gute Möglichkeit ist, nach empfohlenen Tagessätzen zu googeln. Als Journalist findet man dann vielleicht das PDF Der Leitfaden für den Arbeitsalltag von Freien JournalistInnen von Syndicom, in dem es Folgendes heisst:
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Die WLAN-Maschen enger ziehen


WLAN mit maximalem Tempo.

Das Patentrezept-Video diese Woche dreht sich um einen der grossen Klassiker: Das WLAN, das nicht so zuverlässig und schnell ist, wie es sein könnte. Es gibt Tipps zur Optimierung. Und zwar zu den Router-Einstellungen, der Positionierung des Access-Points und zu den Diagnosemöglichkeiten.

Ich hatte auch die Gelegenheit, fürs Video einen Mesh-Router zu testen. Das ist eine neue Technologie, mit der sich WLAN-Netze ohne viel Heckmeck ausdehnen lassen. Zu diesem Zweck verteilt man einfach weitere Router an strategisch günstigen Positionen – und die erledigen die Magie. Ich kann nun an dieser Stelle leider nicht sagen, wie effektiv die Erweiterung in der Praxis funktioniert. Das aus zwei Gründen: Erstens hatte ich nur einen Router zur Verfügung. Und zweitens ist mein Domizil auch mit einem Router recht gut erschlossen, sodass ich vom beschriebenen Problem selbst gar nicht wirklich tangiert bin. Aber ich will mir auch nicht vorwerfen lassen, Betroffenheitsjournalismus zu betreiben (zwinker).

Der fragliche Mesh-Router heisst Google Wifi und wurde mir von Digitec als Testgerät zur Verfügung gestellt (hier trotzdem der Amazon-Affiliate-Link). „Die WLAN-Maschen enger ziehen“ weiterlesen