Eine längst überfällige Windows-Revolution

Auch wenn Linux-Anwen­der nur müde lächeln: In Microsofts Be­triebs­sys­tem gibt es mit dem Windows Package Manager nun eine gross­artige Methode, um Apps zu instal­lieren, aktuali­sieren und zu entfer­nen.

Mein Groll Microsoft gegenüber wegen Windows 11 ist noch nicht verflogen. Dennoch geht es heute um eine Errungenschaft, die mich – zumindest ein kleines bisschen – versöhnlicher stimmt. Es handelt sich um den Windows Package Manager, in der Kurzform auch Winget genannt.

Natürlich, an dieser Stelle ist ein müdes Lächeln aus den Reihen der Linux-Fans unvermeidlich. Völlig zu Recht, wie ich finde, aber dazu gleich mehr. Zuerst sollte ich erklären, worum es sich eigentlich handelt.

Also, Microsoft ist auf die grandiose – und ungefähr seit dreissig Jahren überfällige – Idee gekommen, eine Paketverwaltung in Windows einzubauen. Sie verpackt Software zur Auslieferung auf die Clientcomputer in Pakete, die alles enthalten, was man braucht: „Eine längst überfällige Windows-Revolution“ weiterlesen

Zeit, vom gedruckten Buch Abschied zu nehmen

Die beiden E-Book-Reader Sage und Libra 2 von Kobo sind so gut, dass die E-Books nun endgültig komfortabler sind als ihre papierenen Vorläufer. Ein paar Haare in der Suppe habe ich trotzdem gefunden.

Ich führe mir meine Lektüre meistens in Form von Hörbüchern zu Gemüt. E-Book-Readern bin ich dennoch nicht abgeneigt – und darum freue ich mich, dass ich zwei Testgeräte zur Verfügung gestellt bekommen habe, mit denen ich bislang keine Erfahrungen gemacht habe. (Das war allerdings ein Trugschluss, mehr dazu aber gleich.)

Es handelt sich um den Kobo Sage und um den Kobo Libra 2. Der Name Kobo ist hierzulande vermutlich nicht so vielen Leuten ein Begriff – ich hatte ihn schon gehört, aber ohne näher mit ihm vertraut zu sein. Doch die immer hilfreiche Wikipedia sorgt für Aufklärung: Kobo ist ein Buchhändler aus Toronto, Kanada, der 2009 gegründet worden ist. Seit zehn Jahren ist er eine Tochtergesellschaft des japanischen Onlinehändlers Rakuten. Von dem gibt es auch einen Video-on-Demand-Dienst, den ich auf meinem Sony-Fernseher entdeckt, bislang aber nicht näher inspiziert habe.

Der erste Eindruck der beiden Geräte war für mich verblüffend. Sie haben mich sosehr an die Tolinos erinnert, dass ich mich schon gefragt habe, ob ich es mit einem dreisten Fall von Plagiat zu tun haben könnte.

Zur Erinnerung: „Zeit, vom gedruckten Buch Abschied zu nehmen“ weiterlesen

Ein Buch, bei dem man nur so durch die Seiten gleitet

«Gliss» ist eine poetisches Sciencefiction-Geschichte, die bezaubert und belehrt. Und wer das für einen Widerspruch hält, der kennt Andreas Eschbach schlecht, weil der solide mit einem Fuss in der Wissenschaft und mit dem anderen in der Fabulierkunst steht.

Andreas Eschbach ist ein Phänomen: Er gehört zu den fleissigen Buchautoren, was allein zwar bemerkenswert, aber nicht aussergewöhnlich ist. Einer der produktivsten Autoren überhaupt kommt in diesem Blog hier auch immer mal wieder vor.

Es ist Stephen King, der hier sogar die Rangliste anführt – noch vor Isaac Asimov, Kathleen Mary Lindsay und Jozef Ignacy Kraszewski. King schreibe um die 2000 Wörter pro Tag, lässt uns dieser Beitrag wissen – was auch ungefähr meinem Output entspricht, der aber, zugegeben, weniger umsatzträchtig ist.

Aber zurück zu Eschbach: Was ihn zum Phänomen macht, ist der Umstand, dass er keine Flops produziert. Das unterscheidet ihn wiederum von den meisten: „Ein Buch, bei dem man nur so durch die Seiten gleitet“ weiterlesen

Eine Handvoll Tipps für Onedrive für den Mac

Tricks für die überaus praktische Funktion «Dateien bei Bedarf» (Files on demand), die es bei Microsofts Cloudablage auch für Apple-Computer gibt.

Ich bin nicht immer ein Blitzmerker – zum Beispiel habe ich erst jetzt kapiert, dass es die nützliche «Dateien bei Bedarf»-Option (Files On-Demand) längstens auch beim Mac gibt. Sie muss dort schon anfangs 2019 mit Mojave Einzug gehalten haben.

Aber besser später als nie: „Eine Handvoll Tipps für Onedrive für den Mac“ weiterlesen

Dreifaches Aha-Erlebnis mit Apples Fitnessdaten

Drei Aus­wer­tungs­metho­den, mit denen man seinen sport­lichen Ge­wohn­heiten und Leistung auf die Schliche kommt: Heat­maps, Explorer-Punkt­zahl und Edding­ton-Zahl.

Im Beitrag Wie man das Maximum aus den Gesundheitsdaten herausholt habe ich vor einem halben Jahr die App Health Fit vorgestellt (fünf Franken im App Store): Sie wertet die vom iPhone gesammelten Gesundheitsdaten aus und zeigt, was man alles aus ihnen herausholen kann.

Ich komme auf die App zurück, weil mir inzwischen zwei Dinge aufgefallen sind, die ich beim ersten Mal übersehen habe oder die erst durch Updates hinzugefügt worden sind.

Also erstens: „Dreifaches Aha-Erlebnis mit Apples Fitnessdaten“ weiterlesen

Ein Hurra für die Raumklang-Revolution – oder ist Stereo gut genug?

Ist Raumklang-Musik ein echter Fortschritt oder bloss ein Marketing-Furz der Streaminganbieter? Ich habe mir 3D-Audio bei Apple Music angehört und eine handfeste Überraschung erlebt.

Die Stereofonie ist nun nicht gerade eine brandneue Erfindung. Im Gegenteil; wie uns Wikipedia pflichtbewusst aufklärt, hat diese Form des Raumklangs eine 140-jährige Geschichte. Der erste Film mit Stereoton war Walt Disneys Fantasia von 1940. Die erste Stereoplatte kam 1957 auf den Markt und enthielt auf der einen Seite Geräusche einer Eisenbahn und auf der anderen Seite Dixieland mit den Dukes of Dixieland.

Es stellt sich somit die Frage, ob mit Stereo das Ende der technischen Revolution erreicht ist oder ob es längst überfällig wäre, die nächste Stufe zu zünden. Technisch sind wir längst so weit, dass wir mehr als zwei Tonspuren in eine Audiodatei packen können. Auf analoge Weise ist das aufwändig und fehleranfällig, in digitaler Form wird lediglich die Datenmenge etwas grösser.

Wenn man die Sache nüchtern anschaut, dann kommt man unweigerlich zu einem ernüchternden Schluss: „Ein Hurra für die Raumklang-Revolution – oder ist Stereo gut genug?“ weiterlesen

Zehn stimmungsvolle Tipps für Mac OS 12

Monterey, die neueste Version von Apples Mac-Betriebssystem, ist seit zehn Tagen offiziell erhältlich. Sie bringt einige grosse Neuerungen und vor allem auch diverse kleinere, aber umso nützlichere Verbesserungen.

Mac OS 10.12 alias Monterey ist seit gut einer Woche offiziell erhältlich. Eine kurze Übersicht der Funktionen, die Apple offiziell herausstreicht, gibt es am Ende dieses Beitrags¹.

An dieser Stelle soll es nun um einige kleinere, nicht beworbene, aber umso praktischere Neuerungen gehen.

Den Mauszeiger einfärben

Revolutionär! Der Mauszeiger lässt sich nun umfärben.

Die grossartigste Neuerung ist vermutlich diejenige, de es erlaubt, dem bislang über Jahrzehnte uniformen Mauszeiger eine neue Farbe zu verpassen. Bislang war er aussen weiss und innen schwarz. Nun darf der Nutzer aber sowohl die Füllung als auch die Kontur umfärben.

Dieses Wunder geschieht in den Systemeinstellungen bei Bedienungshilfen in der Rubrik Anzeige im Reiter Zeiger. Dort findet sich auch die Option Schüttele den Mauszeiger, um ihn zu finden, die in diesem Blog schon in den höchsten Tönen gelobt wurde, nämlich in den Tipps für Leute, denen gelegentlich der Mauszeiger abhandenkommt. „Zehn stimmungsvolle Tipps für Mac OS 12“ weiterlesen

Acht Perlen aus dem ARD-Archiv

In der Media­thek von WDR, RBB, SWR, SR, NDR und BR gibt es die «Retro»-Beiträge, die den da­mali­gen Zeitgeist, die Be­geiste­rung über den Fort­schritt und das Unver­ständ­nis über neue kulturelle Strö­mungen ein­drück­lich vermit­teln.

Ich bin ein Fan von digitalen Archiven jeder Art, egal, ob darin nun Fotos zu finden sind oder Bücher. Ich finde es toll, dass SRF alte Beiträge und Sendungen auf Youtube veröffentlicht (Schweizweite Zeitreisen).

Computerraum in den 1960er-Jahren.

Ich stöbere auch gerne in der ARD-Mediathek, wo es seit einiger Zeit auch die sogenannten Retro-Inhalte gibt. Und wenn ich meine Laudatio mit der Kritik anfangen darf: Die Erschliessung der Inhalte ist schlecht.

Das fängt damit an, dass die Inhalte nach Sendeanstalt gegliedert ist. Es gibt Einstiegsseite für die Archive der einzelnen Sender, nämlich WDR Retro, RBB Retro, SWR Retro, SR Retro, NDR Retro, MDR Retro und BR Retro.

Eine übergeordnete Seite habe ich nicht erst durch Zufall, als ich mit diesem Beitrag hier fast fertig war, gefunden. Es gibt sie unter ardmediathek.de/retro, und sie ist eine gute Einstiegshilfe. Bleibt nur die Frage, warum man sie via Google und nicht über die Mediathek-eigene Suche findet. Generell fällt mir die Orientierung in der ARD-Mediathek schwer: „Acht Perlen aus dem ARD-Archiv“ weiterlesen

Wahre Weisskragen-Verbrechen

Die «Süddeutsche Zeitung» hat den Wirecard-Skandal als Podcast aufgearbeitet. Die zentrale Frage in «1,9 Milliarden Lügen» lautet: Haben wir es mit einem Wirtschaftskrimi oder mit einem Spionagethriller zu tun?

Wirecard: 1,9 Milliarden Lügen heisst die Podcastreihe der «Süddeutschen Zeitung» mit acht Folgen, die von Mitte April bis in den Juni veröffentlicht wurden und die die als «grösster deutscher Bilanzskandal» titulierte Affäre aufarbeitet. Als «Spotify Original» ist diese Produktion leider nur beim Streaminganbieter zu hören. Aber spannend ist es allemal.

Je nach Wechselkurs können es noch ein paar Tausend mehr oder weniger sein.

Gastgeberin der Reihe ist die Audio- und Video-Redaktorin Laura Terberl, die im Vergleich zu der überdrehten Art des «Cui Bono»-Podcasts (Hat Ken Jebsen diesen Podcast verdient?) etwas spröde wirkt, der man nach kurzer Eingewöhnungszeit gerne zuhört – und deren nüchterner Präsentationsstil ohne Zweifel besser zu der seriösen «Süddeutschen Zeitung» passt als der Habitus eines medialen Newcomers, der es der ganzen Welt zeigen will, wie das der Antrieb des Podcast-Startups war, das hinter der besagten Produktion über Ken Jebsen steht.

Doch natürlich schlagen einen auch langsamer getaktete Erzählungen in den Bann, wenn sie eine schillernde Hauptfigur wie Jan Marsalek haben, der in der Folge zwei dem etwas trockenen Vorstandsvorsitzendern Markus Braun gegenübergestellt wird, der offenbar einige Wissenslücken zu den Vorgängen in seinem Unternehmen aufwies.

Die Podcast-Reihe ist, so könnte man sagen, didaktisch aufgebaut: „Wahre Weisskragen-Verbrechen“ weiterlesen

Sind wir alle Sklaven unserer Smartphones?

Wenn es nach Anna Miller und ihrem Auftritt in Schawinskis Talkshow geht, sind wir Smartphone-Nutzer allesamt sucht­ge­fähr­det und auf­ge­rufen, uns abzu­nabeln. Eine meines Erach­tens falsche Eins­chätzung.

Vorgestern, am letzten Sonntag war in Roger Schawinskis «Doppelpunkt»-Podcast Anna Miller zu Gast. Es ging um unseren Umgang mit dem Smartphone – und zwar auf eine Weise, von der ich mich persönlich angegangen fühlte. Denn nach Anna Miller gehöre ich fraglos zu den bedauernswerten Kreaturen, die von den Handyherstellern in die Abhängigkeit getrieben wurden und nun als sogenannte Phombies (phone zombie) durch ihren Alltag und die Weltgeschichte getrieben werden.

Darum fühle ich mich zu einer Replik bemüssigt. Ich glaube, dass Anna Miller im Kern einige interessante Ideen hat, die in der zugespitzten Form aber unzutreffend sind. Ferner finde ich, dass genau durch diese undifferenzierte Problematisierung die Medien ihren guten Ruf verspielen, weil sie Leute zwecks Bedienung einer These in eine Ecke drängen, wo diese Leute erstens nicht sein wollen und zweitens auch nicht hingehören.

Die Motivation für ihren Feldzug gegen das Smartphone bezieht Anna Miller aus einer Selbstbeobachtung: „Sind wir alle Sklaven unserer Smartphones?“ weiterlesen