Der Komfort eines GAs, aber ohne die Fixkosten

Ich hatte jahrelang ein GA. Für Nichtschweizer: Das ist ein Generalabonnement, mit dem man fast alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos benutzen darf. Man kann es mit der BahnCard 100 in Deutschland vergleichen, wobei die sich meines Wissens auch auf viele Bus- und Tram-Strecken, jedoch nicht auf Schifffahrtslinien und Bergbahnen erstreckt.

Die Flatrate im öffentlichen Verkehr gibt einem vor allem auch ein schönes Gefühl der Freiheit: Man kann in jeden Zug einsteigen und, die entsprechende Freizeit vorausgesetzt, hinfahren, wohin man will. Sieht man aus dem Fenster des Zuges einen interessanten Bahnhof mit einem vielversprechenden Ortsnamen, dann steigt man aus. Und wenn das Kaff die Erwartungen nicht erfüllt, fährt man weiter – und zwar in die Himmelsrichtung, die einem gerade am verlockendsten erscheint.

Ich weiss nicht, wie viele Leute das dann auch wirklich tun: Komplett planlos herumreisen, nur der eigenen Spontaneität verpflichtet. «Der Nase nach», wie es in Deutsch so schön heisst. „Der Komfort eines GAs, aber ohne die Fixkosten“ weiterlesen

Steampunk minus Punk, plus Bakelit und Nazis

Heute bespreche ich das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Genau das richtige Buch zur rechten Zeit, lautet das Fazit, wenn man es in sieben Worten (und 41 Zeichen) zusammenfassen müsste. Es handelt sich um NSA – Nationales Sicherheits-Amt (Amazon Affiliate) von (vielleicht nicht ganz überraschend) Andreas Eschbach.

Das Buch zeigt drei Dinge. Erstens führt es vor Augen, was ein faschistischer Staat mit moderner Massenüberwachungstechnologie anstellt: Mit gespeicherten Positionsdaten von Mobiltelefonen, persönlichen Mails, finanziellen Transaktionsdaten, aufgezeichneten Telefonanrufen, digitalen Patientenakten, Terminen in der Cloud. Und mit Gesichtserkennung und neuronalen Netzen – wenn Doktor Mengele auf künstlicher Intelligenz trifft. Nun könnte man sagen, dass das eine triviale Erkenntnis ist: Natürlich missbraucht der faschistoide Staat alle diese Mittel. Selbstverständlich werden sie dazu verwendet, Dissidenten aufzuspüren, zu verfolgen, zu beseitigen. Niemand darf sich wundern, wenn ein falsches Wort in der Öffentlichkeit dazu führt, dass die Geheimpolizei an die Türe klopft. Respektive diese eintritt.

Doch Eschbach zeigt auch auf, wie ungehinderter Zugang zu persönlichen Daten auch arglose Leute korrumpiert. „Steampunk minus Punk, plus Bakelit und Nazis“ weiterlesen

Hübsch, aber…

Auf meiner Suche nach einem Ersatz-CMS wurde mir zweimal Grav empfohlen (hier und hier): Das ist ein CMS, das auf flat files setzt. Und wenn man sich fragt, wie Dateien denn «flach» sein können – und ob sie das nicht immer sind, da die Bits auf dem Datenträger meist ausgelegt und nicht geschichtet werden –, dann gelangt man zu dem Wikipedia-Artikel Flat-file database: Die Daten werden nicht in einer speziellen Datenbank, sondern in normalen Textdateien abgelegt. Flatpress, mein altes CMS, macht das so. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Anforderungen sind niederschwellig. Man benötigt nicht wie bei WordPress und anderen datenbankgestützten Content-Management-Systemen zusätzliche Software wie MySQL oder dergleichen. Und man die Struktur und die Komplexität unter Kontrolle: Man kann die Sache so simpel wie möglich halten.

Die Vorteile einer «richtigen» Datenbank, die im Jargon auch «relationales Datenbankmanagementsystem», (einigermassen) kurz RDBMS genannt wird, sind hingegen, dass auch mehrere Leute mit den Daten arbeiten können, ohne ihre Eingaben gegenseitig zu überschreiben. Es gibt organisatorisches Drumherum wie Transaktionen und Zugriffsberechtigungen. Und es ist der Anspruch, dass eine Datenbank besser skaliert und auch bei grossen Datenmengen noch eine gute Leistung zeigt. Allerdings dürfte es so sein, dass die Datenbank erst ab einer gewissen Datenmenge die Performance-Vorteile ausspielt. Bei wenigen Daten ist mutmasslich flat file im Vorteil – auch wenn es schwierig ist abzuschätzen, wo die Trennlinie verläuft. „Hübsch, aber…“ weiterlesen

Browserbenachrichtigungen? Nein danke

Die Benachrichtigungen am Smartphone sind höchstens in der Hälfte der Fälle nützlich. Geschätzt sind die lästigen Benachrichtigungen eher in der Merhzahl. Darum frage ich mich, ob es eine gute Idee war, auch die Browser mit der Möglichkeit auszustatten, solche Benachrichtigungen anzuzeigen. Technisch sind die durchaus spannend: Denn diese Benachrichtigungen werden selbst dann angezeigt, wenn die benachrichtigende Website gar nicht geöffnet ist.

Benachrichtigungen
Nein, bitte nein! Wirklich, ich möchte nicht! Jetzt nicht, später nicht, niemals! (Über das Pfeilchen nach unten verhindert man weitere Nachfragen.)

Es drängt sich natürlich die Vermutung auf dass diese Push-Möglichkeit wie beim Smartphone eingesetzt wird: Die Webseitenbetreiber sehen in ihr eine praktische Möglichkeit, den Nutzern das eigene Informationsangebot in Erinnerung zu rufen – ganz gleichgültig, ob der Nutzer an irgend etwas Wichtigem dran ist und nicht durch eine Banalität gestört werden möchte. Ich habe es bei der Vorstellung von iOS 12 ausgeführt: Die Browser müssten die Umstände miteinbeziehen, um beurteilen zu können, ob der Nutzer gestört werden soll oder nicht. Und man müsste auch den Informationsgehalt irgendwie beurteilen können. Dann könnte man den Wert eines Pushes mit einem dynamischen Schwellenwert vergleichen und so abschätzen, ob er durchdringen soll oder still in einer Benachrichtigungs-Historie verschwinden soll.
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Kann man sich bookmarken

photopea.com ist eine Bildbearbeitungssoftware direkt im Browser. Man kann ohne Installation – und sogar ohne Registrierung – Bilder hochladen, bearbeiten und das fertige Resultat herunterladen. Bemerkenswert ist, dass Photopea auch die Dateiformate von Photoshop (.psd), Gimp (.xcf) und von Sketch öffnet. Letzteres ist ein Vektor-Editor für den Mac, den ich nicht näher kenne – die beiden anderen Formate sind aber weit verbreitet bzw. im Fall von Photoshop geradezu dominant.

Das allein macht Photopea schon wertvoll: Sollte man in die Verlegenheit kommen, eine Photoshop-Datei öffnen zu müssen, ohne eine Photoshop-oder Photoshop-Elements-Installation in Griffnähe zu haben, dann hilft einem dieser Webdienst weiter: Man kann die Datei öffnen, in ein anderes Format überführen und in einem passenden Format herunterladen. Zur Verfügung stehen nicht nur PNG, JPG, SVG, Gif und PDF, sondern auch Exoten wie EMF, BMP, Tiff und (warum auch immer) BMP. Und man kann eine Komposition auch im PSD-Format speichern.

Für einen Test habe ich in Photoshop mein halboffizielles Testbild (Diese Aufnahme hier von David Bartus bei Pexels mit einer CC0-Lizenz) mit einer Text- und einer Korrekturebene mit Ebenenmaske angereichert, einige Ebeneneffekte hinzugefügt (Kontur und Schein nach aussen) und das Meisterwerk in voller Auflösung gespeichert. „Kann man sich bookmarken“ weiterlesen

Clickomania: Problems submitting results

The switch to a new web server and https encryption resulted in a problem: It is was not possible anymore to submit results to clickomania.ch/ngscores. A detailed description of the problem is provided here – and here, you’ll find the Clickomania source code as well, because I made it publicly available. Since I am not able to add support for https and provide the long overdue general overhaul, I want to give the community the chance to do so.

But you don’t have to wait for this to happen. There is an immediate solution. You need to update the game or the game files. The new game files use a new, unencrypted subdomain for the results, ngscores.clickomania.ch.

This is the workaround:

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Damit die Daten da sind, wo man sie braucht

Je mehr Geräte man verwendet, desto grösser die Herausforderung, auf allen immer die passenden Informationen bereitzuhaben. Klar, als Cloud-Verfechter macht man es sich einfach: Man schiebt alles Wichtige auf die Dropbox, in die iCloud oder lädt es bei Onedrive ab. Das funktioniert. Aber dieser Weg passt halt nicht für alle Lebenslagen: Manchmal ist es zu umständlich, grosse Datenmengen ins Netz zu stellen. In einigen Fällen möchte man es nicht tun, weil es sich um heikle Informationen handelt. Und Leute wie ich finden, zwischendurch einfach mal wieder auf die Eigenverantwortung pochen und Daten selbst managen zu müssen.

Darum schere ich nicht alle Daten über einen Kamm. Vieles, was früher oder später eh öffentlich im Netz landet, deponiere ich bei Dropbox und bei Onedrive. Und sogar Google Docs nutze ich, aller Skepsis zum Trotz. Zum Beispiel für die Manuskripte für die Nerdfunk-Sendungen.

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Kein Kamera-Ei des Kolumbus

Kamera-Apps fürs iPhone gibt es … naja, aus Angst vor einem anprangernden Tweet der Floskelwolke verwende ich nun nicht die nahe liegende Formulierung, in der die Worte «Sand» und «Meer» vorkommen. Es gibt jedenfalls sehr viele davon. Zum Beispiel die hier vorgestellte und noch immer gern verwendete Manual Camera. Oder Halide. Die App ist für 6 Franken fürs iPhone erhältlich.

Ich habe diese App besorgt, weil ich neulich die Siri-Kürzel vorgestellt habe: Das sind einzelne App-Befehle, die man über Googles digitale Assistentin aufrufen kann. Mit Halide ist es möglich, per Sprachbefehl ein Foto zu machen – und sogar per Hey, Siri! Das ist schon ganz charmant – und es ist per Kurzbefehle-App auch möglich, einen ganzen Workflow dranzuhängen, der ein Bild zum Beispiel gleich bei Instagram postet. Es war nie einfacher, Influencer zu sein!

Die Sprachsteuerung ist aber nur ein Nebenaspekt. „Kein Kamera-Ei des Kolumbus“ weiterlesen

In jeder Stadt per öV ans Ziel

Die SBB– und die ZVV-Fahrplan-App helfen einem bei der Suche nach den passenden Verbindung im öffentlichen Nahverkehr und bei inländischen Fernverbindungen. Und wenn einem die beiden Apps nicht weiterhelfen, versucht man sein Glück mit Wemlin.

Doch wenn man im Ausland unterwegs ist, dann fällt einem meistens erst nach der Landung ein, dass man sich die passende App hätte besorgen sollen, um eine Bus- oder Zugsverbindung für die Fahrt zum Hotel herauszusuchen. Man kann sein Glück dann mit Google Maps oder Apple Maps probieren: Diese beiden Hilfsmittel für die Navigation und Orientierung haben für viele Weltregionen ebenfalls öV-Fahrplandaten hinterlegt. Aber eigentlich würde man lieber eine universelle Fahrplan-App benutzen.

Eine solche ist nach eigenen Angaben Moovit: «Die Nummer eins der ÖPNV-Apps weltweit!», wobei man sich sofort fragt, was «ÖPNV» denn heissen könnte. Wikipedia verrät es: Öffentlicher Personennahverkehr, also S-Bahn, U-Bahn, Trams, Busse, Boote im näheren Umfeld, ohne Fernverkehr, Mietvelos, Taxis und Ritschkas. Oder womit man sich sonst noch von A nach B bewegen könnte.
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Die Welt durch die Augen des Google-Bots

Der User-Agent Switcher ist eine nützliche Erweiterung für Firefox, mit der man den User Agent umschalten kann. Je nach Einstellung gibt sich Firefox dann nicht mehr als Firefox unter Windows, sondern als Safari unter Mac OS, als Edge-Browser unter Windows oder als Android-Telefon oder sonst ein Gerät bzw. eine Software aus.

Das ist nützlich, wenn man Websites testen muss, die sich auf den einzelnen Geräten unterschiedlich verhalten sollen. Ich brauche diese Erweiterung aber aus einem trivialeren Grund: Ich betreue bei Publisher.ch bekanntlich den Downloadbereich. Da dort sowohl die Windows- als auch die Mac-Versionen der Programme angeboten werden, muss ich beides herunterladen. Viele Websites nehmen dem Nutzer die Arbeit ab, die passende Variante wählen zu müssen – mit dem unerfreulichen Nebeneffekt, dass ich die Mac-Version nicht herunterladen kann, wenn ich einen Windows-Computer benutze. Damit ich dazu keinen Mac bemühen muss, schalte ich einfach den User Agent um. Das klappt in den meisten Fällen hervorragend.

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Eine Schreckreaktion? So sieht Google aus, wenn man mit User Agent «Googlebot» surft.

Lustig ist nun, dass man die Einstellung bei User Agent nun auch auf exotische Dinge wie Google Bot einstellen kann. Und das, von Neugierde getrieben, auch sogleich tut. „Die Welt durch die Augen des Google-Bots“ weiterlesen