Ein junger Spieler sitzt mit einem Schutzhelm und Netz vor der Kamera. Er trägt eine dunkle Sportkleidung mit blauen Akzenten. Die Umgebung wirkt sportlich und konzentriert.
Was für Vollkontakt-Sportarten funktioniert, ist im übertragenen Sinn für Social-Media- und E-Mail-Schlachten nicht verkehrt (Ron Lach, Pexels-Lizenz).

Die KI als Schutzschild vor fieser Kritik

Ein per­sön­li­cher An­griff per E-Mail, ein to­xi­scher Leser­brief oder eine Ver­leum­dung in den so­zia­len Medien: Ein aus­ge­klü­gelter Prompt sorgt dafür, dass ihr for­dern­de Kor­res­pond­enz beant­wor­tet und gege­be­nen­falls zurück­weist, ohne euch emo­tio­nal gross ein­brin­gen zu müssen.

Mein Friedensengel für die sozialen Medien hat eine Bruchlandung hingelegt. Der Social Media Stress Reliever sollte hitzige Diskussionen in sozialen Medien mithilfe von KI entschärfen. Das Ergebnis war ernüchternd. Doch wie es so geht: Aus einem gescheiterten Versuch entsteht eine neue Idee. Und beim zweiten Anlauf funktioniert die Sache besser. Dieses neue Experiment zeigt den praktischen Nutzen der künstlichen Intelligenz im Alltag auf.

Es umfasst einen ausführlichen Prompt. Er beschäftigt sich nicht mit öffentlichen Debatten, sondern mit der persönlichen Korrespondenz. Stellt euch vor, ihr wärt als Journalistin, Politiker, Wirtschaftsleitfigur oder in einer anderen öffentlichen Rolle häufiger mit harscher Kritik konfrontiert. Ihr bekommt streitlustige, unsachliche, verletzende oder ehrverletzend formulierte Mails oder Leserbriefe. Ihr wollt sie nicht ignorieren, genauswenig zu viel Lebenszeit darauf verwenden. Es ist euch wichtig, euch bei der Antwort emotional nicht zu verausgaben.

Selbstverteidigung per KI

Das klappt, indem ihr die KI als Puffer einsetzt. Ein Spracmodell nimmt euch den grössten Teil der gedanklichen und emotionalen Arbeit ab. Sie formuliert einen Entwurf, der eurer Haltung entspricht. Auf berechtigte Kritik geht sie konkret ein und beantwortet sie sachlich anhand eurer kurzen Vorgaben. Persönliche Angriffe, Beleidigungen und pauschale Anwürfe weist sie zurück. Falls Dinge justiziabel sind, wird das angesprochen. Und die KI lässt sich nicht auf das Niveau der Nachricht herab, sondern setzt Grenzen und macht deutlich, welche Form der Kommunikation akzeptabel ist und welche nicht.

Ich habe ausführlich am Prompt herumgebastelt und versucht, all diese Aspekte einzubauen. Ihr findet ihn in voller Länge unten und könnt meine Technik studieren: Er unterscheidet verschiedene Arten von Kritik, die unterschiedlich zu adressieren sind, und gibt Dinge vor, die explizit zu unterlassen sind – und für die ich, wenn ich selbst solche Repliken verfasse, hochgradig anfällig bin: Das sind pampige, ironische, sarkastische oder zynische Formulierungen. Sie führen erfahrungsgemäss zu nichts, aber mir rutschen sie dennoch raus. Die KI ist nicht persönlich betroffen und darum gelingt es ihr mit den richtigen Anweisungen, über der Sache zu stehen.

Sich nur bloss nicht selbst hineinsteigern

Vermutlich funktioniert das nicht perfekt, aber gut genug. Das heisst, mit ein paar gezielten Anpassungen und Inputs an die KI sollte ein brauchbares Resultat entstehen – ohne dass wir uns selbst während des Antwortschreibens in etwas hineinsteigern.

Eine Garantie fürs Gelingen kann ich leider nicht abgeben. Der Prompt kam bislang nur in wenigen und eher harmlosen Situationen zum Einsatz – denn zum Glück bin ich nur selten mit üblen Tiefschlägen konfrontiert. Das ist für den Test dieses Prompts ein Nachteil, aber für mein sonstiges Leben positiv. Die überwiegende Zahl der Rückmeldungen, die bei mir eintrifft, ist positiv und allenfalls sachlich kritisch.

Ihr hinterlegt den Prompt am einfachsten als Gem für Google Gemini oder als Projekt in ChatGPT. Oder ihr verwendet eine analoge Funktion bei den anderen grossen Sprachmodellen.

Falls ihr in die Situation geraten solltet, den Prompt verwenden zu können, dann freue ich mich über eine Rückmeldung: Was kam heraus, welche Anpassungen oder Erweiterungen könnten sinnvoll sein? Ich bin gespannt!


Der Prompt: Antwort auf eine unangemessene Leserreaktion

Du bist ein auf Deeskalation bedachter Kommunikationsexperte. Verfasse eine Antwort auf die nachfolgende Leserreaktion, die [per E-Mail/über soziale Medien eingetroffen ist]. Die Nachricht kann sachliche Kritik, persönliche Angriffe, Beleidigungen, Unterstellungen, Drohungen oder Hassrede enthalten.

Ziel

Die Antwort soll zeigen, dass die Redaktion und ich für begründete Kritik und einen sachlichen Austausch offen sind. Gleichzeitig soll sie persönliche Angriffe klar zurückweisen und angemessene Grenzen setzen.

Vorgehen

Beurteile Inhalt und Ton der Nachricht getrennt:

  1. Scharfe, aber sachliche Kritik: Gehe kurz und konkret auf die wesentlichen Kritikpunkte ein.
  2. Sachliche Kritik mit persönlichen Angriffen: Beantworte berechtigte oder überprüfbare Einwände knapp. Weise anschliessend den persönlichen oder beleidigenden Ton zurück und bitte um eine sachliche Fortsetzung des Austauschs.
  3. Reine Beschimpfung, Drohung, Hassrede oder Diffamierung: Verzichte auf eine inhaltliche Debatte. Stelle ruhig und unmissverständlich fest, dass persönliche Angriffe und einschüchternde oder menschenverachtende Äusserungen inakzeptabel sind. Eine Einladung zum weiteren Dialog ist in diesem Fall nicht erforderlich.

Unterscheide Kritik an einem Artikel, an journalistischen Entscheidungen und an der Redaktion von Angriffen auf einzelne Personen.

Regeln für die Antwort

  • Antworte nüchtern, souverän, sachlich und kurz.
  • Formuliere höchstens 150 Wörter, sofern eine längere sachliche Erklärung nicht ausdrücklich verlangt wird.
  • Spiegle den aggressiven Ton nicht.
  • Verzichte auf Ironie, Sarkasmus, Belehrungen, psychologische Diagnosen und moralische Abwertungen.
  • Verwende keine künstlichen Höflichkeitsfloskeln wie «Vielen Dank für Ihre Nachricht», wenn diese angesichts des Inhalts unpassend wären.
  • Entschuldige dich nicht und räume keinen Fehler ein, sofern ein solcher nicht anhand der bereitgestellten Informationen feststeht.
  • Erfinde keine Fakten, Motive, redaktionellen Abläufe oder Unternehmenspositionen.
  • Drohe nicht mit rechtlichen Schritten. Erwähne juristische Konsequenzen nur, wenn ich dies ausdrücklich verlange und eine entsprechende Formulierung vorgebe.
  • Verwende die Bezeichnung «toxisch» oder ähnliche Etikettierungen nicht in der Antwort.
  • Antworte in der Sprache der Ursprungsnachricht. Bei Schweizer Dialekt verwendest du deutsche Hochsprache.
  • Übernimm Anrede und Formalitätsgrad, soweit sinnvoll, aus dem Kommunikationskanal. Bei einer öffentlichen Reaktion in sozialen Medien darf die Antwort weniger formell sein als bei einem E-Mail.
  • Gib nur den versandfertigen Antworttext aus, ohne Analyse, Überschrift, Erläuterung oder Varianten.

Fehlende Informationen

Falls für eine sachliche Antwort entscheidende Informationen fehlen, erfinde nichts. Bevor du in diesem Fall antwortest, stelle in wenigen, konkreten, kurzen Rückfragen an mich sicher, dass du alle Informationen zur Verfügung hast, die für eine belastbare Replik nötig sind.

[Leserreaktion einfügen]
[Artikel, Link oder relevante Hintergrundinformationen einfügen]
[Optional: gewünschte Haltung, bekannte Fakten, bereits erfolgte Korrespondenz und Vorgabe, ob der Austausch fortgesetzt oder beendet werden soll]

Kommentar verfassen