Eine Person mit einem gelben T-Shirt hält einen kleinen Strauß roter Rosen in der Hand. Im Hintergrund ist ein unscharfer, urbaner Raum sichtbar.
Höchstes Lob von Microsoft – perfekt verkörpert von diesem Herrn mit dem Sträusschen (Marwan Ahmed, Unsplash-Lizenz).

Copilot verteilt Rosen – und behält den Traffic wohl für sich

Wie nutzen die grossen Sprach­mo­del­le unsere In­halte? Einen in­te­res­san­ten (und frustrie­ren­den) Ein­blick liefert die «AI Per­for­mance»-Über­sicht in den Bing Web­master Tools. Copilot zi­tiert fleis­sig aus diesem Blog hier – doch mehr Besu­cher­innen und Besucher bringt das nicht.

Neulich habe ich mich von der Flut an KI-Texten nicht abschrecken lassen, für die Linkedin inzwischen berüchtigt ist. Und siehe da, dieses Mal lohnte sich der Besuch. Der Grund war ein interessanter Post von Sam Steiner, beruflich irgend etwas mit dem Internet macht und vor zehn Jahren bei uns im Podcast zu Besuch war. Er erwähnte AI Performance-Übersicht, die seit Kurzem in den Bing Webmaster Tools existiert.

Bei den Webmaster-Tools handelt es sich um ein Analyse-Dashboard zur Performance unserer Websites bei Microsofts Suchmaschine Bing. Wir sehen, mit welchen Suchbegriffen sie in den Trefferlisten erscheinen und welche Seiten angeklickt werden. Google liefert mit der Search Console eine vergleichbare Übersicht.

Bing als Quantité négligeable

Zu meiner leichten Verblüffung waren meine Websites bereits in den Webmaster-Tools hinterlegt. Offensichtlich habe ich sie vor Jahren registriert, daraufhin jedoch nie wieder vorbeigeschaut. Der Grund liegt auf der Hand: Die Suchmaschine, die mir am meisten Leserinnen und Leser vermittelt, ist Google. Bing kommt auf nicht einmal ein Prozent.

Die besagte Ansicht AI Performance liefert jetzt einen Grund für gelegentliche Besuche bei Microsoft. Sie führt auf, wie oft Inhalte von den eigenen Websites in Antworten von Copilot eingeflossen sind. Wir erfahren das Total der Zitate für einen bestimmten Zeitraum, sowie die durchschnittliche Zahl der erwähnten Einzelseiten.

Diagramm zur AI-Performance, das die Gesamtanzahl der Zitationen (15.8K) und die durchschnittlich zitierten Seiten (28) über einen Zeitraum von mehreren Monaten darstellt.
Bing zitiert fleissig aus meinem Blog: Das ist die «AI Performance» in den Bing Webmaster Tools. (Und eine leichte Sommerflaute ist nicht zu übersehen.)

Zu meiner gelinden Überraschung liegt diese Linie nicht flach auf der X-Achse: Bing erwähnt meine Website täglich zwischen fünfzig und über hundert Mal. Im Vergleich ist die Zahl der Impressionen bei Bing zwar deutlich grösser – aber typischerweise generiert eine Resultatliste mehr Treffer als eine KI Quellenangaben.

Welche Blogposts Copilot am häufigsten zitiert

Zu den zitierten Inhalten zählen mein Test des Video-Editors Kapwing, die Spracheinstellungen pro App beim iPhone und die Tastaturkonfiguration wiederum beim iPhone. Das sind interessante Einblicke, wie die mir für ChatGPT, Claude, Gemini, Mistral, Grok, Meta AI und Deepseek noch lieber wären. Das könnte helfen, das Profil meines Webangebots zu schärfen. (Wenn man das denn tun wollen würde und es nicht weiterhin für richtig hält, über Dinge zu schreiben, von denen man etwas versteht und die gerade wichtig sind.)

Augenblicklich brennt unter jedem Fingernagel eine Frage!

Welche Einsichten lassen sich aus dieser AI Performance-Analyse ableiten? Ermöglicht sie uns Erkenntnisse darüber, wie sich die künstliche Intelligenz auf die Nutzung unserer Websites auswirkt? Und vor allem: Was bringt es uns, von Copilot oder einem anderen Sprachmodell erwähnt zu werden? Klicken die Leute die Quellen überhaupt an?

Werden die zitierten Quellen jemals angeklickt?

Zu all diesen Punkten gibt Microsoft keine Auskunft. Es ist bemerkenswert, dass die Analyse zur klassischen Bing-Suche (Search Performance) die absolute Zahl der Klicks und die Click-Through Rate (CTR) ausweist. Diese zweite Zahl besagt, wie viele der in den Suchresultaten aufgeführten Links geöffnet werden. Bei der herkömmlichen Bing-Suche variiert sie für Clickomania stark; aber für einzelne Suchbegriffe beträgt sie zehn Prozent oder mehr.

Bei der KI-Analyse fehlt die Click-Through-Rate. Wir erfahren nicht, ob wir etwas von diesen Zitaten haben oder ob sie der Situation zu vergleichen wären, in der uns unser Chef mit einem feuchten Händedruck abspeist, statt uns Lohn auszuzahlen.

Die Vermutung liegt auf der Hand, dass der CTR-Wert bei der KI geringer ist als bei der Suche – denn sonst hätte Microsoft alles Interesse, diesen Wert ins Rampenlicht zu rücken.

Vielleicht lässt sich der Einfluss der KI überprüfen, wenn ich mir die Klickzahlen der von Copilot häufig zitierten Artikel ansehe? Diese Methode scheint die Vermutung zu bestätigen, dass Copilot kein Traffic-Lieferant ist. Es ist bei keinem dieser Blogposts ein nennenswerter Anstieg in der Statistik zu beobachten. Ob von Bing erwähnt oder nicht erwähnt, macht keinen Unterschied.

Microsoft lenkt vom wesentlichen Thema ab

Das führt mich zur Vermutung, das AI Performance-Dashboard könnte eine Blendgranate sein. Es appelliert an die Eitelkeit: Man fühlt sich geschmeichelt, wenn sich Copilot auf die persönliche Expertise abstützt. Das lenkt davon ab, dass ausser dem Ego-Boost nichts rumkommt.

Schon gar kein Geld und keine Werbeeinnahmen und noch nicht einmal Reichweite fürs Blog. Ist das fair oder überhaupt nur akzeptabel?

Ich finde nicht. Darum, Microsoft:

  • Weist gefälligst die CTR aus!
  • Und falls die markant geringer ist als bei der Websuche, müssen wir über eine finanzielle Entschädigung für die Verwendung unserer Inhalte reden.

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