Ein moderner Kaffeeautomat mit Touchscreen, der verschiedene Getränkeoptionen wie Espresso, Cappuccino und heisse Schokolade anbietet. Im Hintergrund ist ein Feuerlöscher zu sehen.
Dieses heimtückische Exemplar einer Gastro-Kaffeemaschine – mutmasslich eine WMF 1300 S – stürzte den Teeologen in eine Glaubens- und Gesundheitskrise.

Als in Österreich eine Kaffeemaschine den Teeologen töten wollte

Es ist nicht nur eine Zu­mu­tung für Genies­ser, sondern auch ein Gesund­heits­risiko für Leute mit einer Un­verträg­lich­keit: Der Teeo­loge wurde in Inns­bruck von einem Hotel-Kaffee­voll­automat mit Kombi­aus­lauf ausser Gefecht gesetzt und lernte viel über mangel­haftes Prdoukt­design.

Während der Sommerferien lernte der Teeologe zwei wichtige Lektionen für sein Leben: Erstens etwas Banales über bösartige Kaffeemaschinen. Zweitens etwas Grundlegendes über schlechtes Design.

Diese zweite Erkenntnis besagt, dass bei der Gestaltung von Produkten nichts zusammenwachsen darf, was nicht zusammengehört. Wenn das trotzdem passiert – beispielsweise aus Spargründen –, treten hässliche Implikationen auf: Im vorliegenden Fall erlitt der Teeologe Bauchkrämpfe und durchwachte Nächte.

Das heisst: Wenn beim Velo das Schutzblech und die Bremse an der gleichen Schraube hängen, ist das kein Problem, bis es plötzlich eines wird. Desgleichen, wenn im Auto Rücklicht und Bremslicht über die gleiche Massenleitung angesteuert werden. Und wenn die Einkaufs-App aus Gründen die Banking-PINs und die Wiederherstellungscodes fürs Benutzerkonto speichern will, dann freut das vor allem die Hacker aus Weissrussland, China, Nigeria und Nordkorea.

Eine unerwünschte Arabica- und Robusta-Dosis

Ausgangslage: Der Teeologe verbrachte eine Woche in einem Hotel in Innsbruck. Bekanntlich zählte er früher zur Konfession der leidenschaftlichen Kaffeetrinker, doch gesundheitliche Gründe zwangen ihn zur Apostasie. Wegen seines Magens bekannte er sich vor anderthalb Dekaden zu der Vielfalt der Kräuter-, Blätter- und Blüten-basierten Aufgussgetränke, denen er selbstverständlich auch während des Urlaubs am Inn huldigte.

Doch im «grauen Bären» fand nicht nur ein heimtückischer Anschlag auf das Glaubensbekenntnis des Arabica- und Robusta-abstinent lebenden Teeologen statt. Er bekam des Weiteren vor Augen geführt, dass seine Unverträglichkeit so gross ist, dass ein paar Tropfen des alten Gifts reichen, um ihn hochgradig zu beeinträchtigen. Tagsüber ging es einigermassen. Doch nachts erlitt er arge Leibschmerzen.

Es dauerte mehrere Tage, bis der Teeologe der Ursache auf die Spur kam. Durch Beobachtung identifizierte er die beiden Kaffeevollautomaten im Frühstücksraum als Übeltäter: Es handelt sich (mutmasslich¹) um das Modell 1300 S der Marke WMF, das nebst Espresso, Cappuccino, heisser Schokolade, und normalem Kaffee kochendes Wasser anbietet – alles aus einem Stutzen.

Ein Sakrileg ist ein Sakrileg – ob beim Design von Software oder von Kaffeevollautomaten

Also: keine saubere Trennung der Schnittstellen – was in der Softwareentwicklung genauso ein Sakrileg ist wie in der Gastronomie. Wird unter diesen Umständen ein Getränk hergestellt, tropfen Reste des vorherigen Produkts nach. Das ist aus geschmacklicher Sicht unerwünscht, weil jeder Kaffeeologe bestätigen wird, dass Bohnenöle hartnäckig sind und das Tee-Aroma schmeckbar verfälschen. Die beiden Getränksorten haben unterschiedliche Zieltemperaturen, und schon die alten Griechen wussten², dass man solch verschiedene Dinge nicht über einen Kamm scheren darf.

Eine Hand hält einen Teebeutel mit der Aufschrift «Grüner Bio-Tee Sencha» aus biologischer Landwirtschaft. Im Hintergrund ist eine dunkle Umgebung zu erkennen.
Dieser Tee half dem Teeologen, sich von der Attacke der Kaffeemaschine zu erholen.

Damit dieser Blogpost nicht ohne Erfüllung der eigentlichen teeologischen Mission endet, hier ein Hinweis auf die Sorte, die zur Rekonvaleszenz beitrug – natürlich hergestellt mittels Teekocher im Hotelzimmer. Es handelt sich um den grünen Bio-Tee Sencha, den es beim Spar für 2,99 Euro für zwanzig Teebeutel gibt. Der Clou ist, ihn nicht für die angegebenen drei bis fünf Minuten ziehen zu lassen, sondern mindestens dreimal so lang – oder den Beutel in der Tasse zu lassen, bis sie ausgetrunken ist. Denn wie für solche Lebenslektionen gilt auch für den Teegenuss: Je bitterer, je besser!

Fussnoten

Nahaufnahme eines metallischen Objekts mit Verschmutzungen, beleuchtet von blauen und weissen Lichtquellen. Im Hintergrund sind metallische Oberflächen sichtbar.
Der Blick von unten. Naja.

1) Ich habe anhand der Betriebsanleitungen versucht, nachzuprüfen, ob es sich im Hotel des Teeologen tatsächlich um das vermutete Modell handelt und ob das einen  Kombiauslauf für Teewasser und Kaffee verwendet. Das scheint der Fall zu sein, obwohl anscheinend einen (in Innsbruck nicht vorhandenen) getrennten Heisswasserauslauf als Option existiert.

Ein unscharfes Foto zeigt, dass im vorliegenden Fall nur zwei Ausläufe vorhanden sind. Ausserdem konnte der Teeologe das Nachtropfen einer dunklen Flüssigkeit – die bei Heisswasser nicht gefragt ist – beobachten. ↩

2) Der Teeologe verweist in diesem Kontext gern auf die Regula Lesbia, die «lesbischen Bauweise» (Λεσβία οἰκοδομία). Schon Aristoteles wusste, dass bei der bei der polygonalen Bauweise aufgrund der  unregelmässigen Gestalt der Steine keine starre Richtschnur verwendet werden darf. ↩

Ein Kommentar zu «Als in Österreich eine Kaffeemaschine den Teeologen töten wollte»:

  1. @Matthias @MrClicko ich hab zwar keine nennenswerten Unverträglichkeiten aber ich versuche diese Automaten auch immer zu meiden. Die sind teilweise ohne großen Aufwand gar nicht richtig zu reinigen. Ja klar bisher ist noch keiner dran gestorben aber den Gedanken was aus so einer Schimmel-Sporen-Schleuder zu trinken behagt mir auch nicht so. 😆

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