Die Stromsparmechanismen bei Windows sind notorisch unzuverlässig. Und nein, das ist kein Diss, sondern eine nüchterne Feststellung – hier exemplarisch einer, der darlegt, wie die diesbezüglichen Defizite sein Vertrauen in Microsofts Betriebssystem untergruben.
Meine Erfahrung ist nicht derart düster. Ich erlebte bisher nicht, dass mein vermeintlich schlafender Laptop seine Batterie komplett entleerte. Es kam jedoch vor, dass ich ihn (wie hier auf Reddit beschrieben) in warmem bis glühendem Zustand aus dem Rucksack zog.
Woran liegt es? Und was tut man dagegen?
Die Antwort auf beide Fragen lautet: Es ist leider kompliziert. Microsoft führte mit Windows 10 Modern Standby ein. Diese Methode ist ausgeklügelter als der alte Mechanismus, wenn sie richtig funktionieren würde. Was sie anscheinend oft nicht tut.
Warum? Windows besitzt eine historisch gewachsene Systemarchitektur, die den Drittentwicklern allerhand Freiheiten lässt. Der Wildwuchs expandierte über die Jahre, sodass bei den allermeisten Rechnern einige Treiber und Softwareprogramme installiert sind, die sich nicht an die Regeln halten und den Ruhezustand torpedieren. Diese aufzuspüren und zur Raison zu bringen, ist selbst für erfahrene Anwenderinnen und Anwender ein Ding der Unmöglichkeit oder extrem zeitintensiv.
Die radikale Lösung wäre eine Neuinstallation des Systems, die möglichst ohne Altlasten auskommt. Um euch diesen mühseligen Weg zu ersparen, schlage ich folgendes Verfahren vor:
1) Die Ursachen diagnostizieren
Als Erstes müssen wir herausfinden, welche Hintergrundprozesse und -Aktivitäten den Computer wachhalten bzw. immer wieder aufwecken. Es gibt zu diesem Zweck ein Diagnosetool in Windows. Es heisst powercfg, und erstellt einen sogenannten System Power Report, in dem es die Aktivitäten im Ruhezustand protokolliert und die Top Offenders auflistet: Das sind die Komponenten, die den Ruhemodus torpedieren.

Ihr startet die Eingabeaufforderung mit Administratorrechten und tragt folgenden Befehl ein:
powercfg /sleepstudy /duration 7 /output "%USERPROFILE%\Desktop\sleepstudy.html"
Nach einer gewissen Zeit taucht der Bericht in Form einer HTML-Datei auf eurem Schreibtisch auf. Weitere Details zu dem powercfg-Befehl findet ihr in diesem Blogpost hier.
2) Die «Sleepstudy» von ChatGPT oder Gemini analysieren lassen
Dieser Bericht ist zwar umfassend, liefert leider nur Ursachen und keine Diagnose. Microsoft verhält sich wie ein Arzt, der uns die Röntgenbilder in die Hand drückt und es uns überlässt, die passende Therapie abzuleiten.
Zum Glück haben wir heute die künstliche Intelligenz: Wir können die fragliche Datei an ChatGPT, Gemini oder Claude verfüttern. Eine ausführliche Problembeschreibung ist nicht nötig, weil der Bericht für sich selbst spricht und die Sprachmodelle von allein auf die Idee kommen, die Probleme zu identifizieren und Lösungen vorzuschlagen.
In meinem Fall zeigt sich, dass mehrere Probleme zusammenkommen, die einzeln angegangen werden wollen:
3) Der Thunderbolt-Treiber und die externen Geräte zähmen

Der Haupt-«Offender» in meiner «Sleep Study» ist der Thunderbolt Controller.
Gemini empfiehlt, ihn über den (alten) Gerätemanager aufzuspüren und zu aktualisieren. Ich finde ihn unter Systemgeräte. Dumm nur: Er ist bereits aktuell. Wir könnten probieren, ihn zu deaktivieren (via Eigenschaften). Dann müssten wir allerdings daran denken, ihn bei Bedarf wieder manuell zu aktivieren. Zweite Möglichkeit: Anhand der Dateinamen des Treibers (z. B. TbtBusDrv.sys und TbtP2pShortcutService.exe) im Internet nach Lösungen suchen.
Ein heisser Tipp, den die KI nicht kennt, ich dafür aber schon: Im Eigenschaften-Dialog wechseln wir zum Reiter Energieverwaltung und deaktivieren die Option Gerät kann den Computer aus dem Ruhezustand aktivieren.
Beide KIs erkennen anhand des Berichts, dass an meinem Laptop ein USB-Dock hängt, über das ich einen externen Bildschirm und zwei Festplatten angeschlossen habe. Das sind eine Menge möglicher Störfaktoren. Eine pragmatische Lösung für einen sichereren Ruhezustand besteht darin, das Dok abzustöpseln.
4) App-Aktivitäten eindämmen
Es gibt Anzeichen dafür, dass gewisse Webanwendungen wie Slack Hintergrundaktivitäten im Ruhezustand entfalten. Diese Apps bzw. den Browser zu schliessen, würde helfen. Allerdings müssten wir nach der Rückkehr an den Computer unsere Arbeitsumgebung wiederherstellen, was über Gebühr viel Arbeit macht.
Eine vielversprechende Möglichkeit wäre, im Standby-Modus das Netzwerk zu deaktivieren – denn wenn die Webanwendungen offline sind, werden sie durch Benachrichtigungen und ähnliche Dinge auch nicht zu Aktivitäten veranlasst.
Diese Konfigurationsänderung ist knifflig. Ich habe es ohne Erfolg gemäss dieser Anleitung probiert. In meinem Fall tauchte die erwähnte Option in den erweiterten Einstellungen für den Energieplan nicht auf. Doch über die Gruppenrichtlinie klappt es. Die Kurzzusammenfassung dieses Beschriebs:
Wir bemühen den Editor für lokale Gruppenrichtlinien (gpedit.msc) und blättern uns in der Baumliste über Richtlinien für lokaler Computer > Computerkonfiguration > Administrative Vorlagen > System > Energieverwaltung > Standbymoduseinstellungen, doppelklicken auf den Eintrag Netzwerkverbindungen im verbundenen Standbymodus zulassen (Akkubetrieb) von Nicht konfiguriert auf Deaktiviert.

5) Allgemeiner Tipp 1: Geräte dürfen den Computer nicht aufwecken
Es gibt einige Vorkehrungen, die auf alle Fälle sinnvoll sind; gleichgültig, welche Erkenntnisse powercfg-Befehl zutage fördert. Das sind meine Vorschläge:
Mit folgendem Parameter ausgeführt, erscheint eine Liste der Geräte, die den Computer aufwecken können:
powercfg /devicequery wake_armed
Wir können den fraglichen Geräten das Recht entziehen, den Computer aufzuwecken. Das ist wie im Abschnitt «Der Thunderbolt-Treiber» beschrieben über die Eigenschaften im Gerätemanager möglich.
In meinem Fall wird die Tastatur (HID-Tastatur (003)) aufgelistet. Ihr würde ich die Erlaubnis zum Aufwecken nicht entziehen, weil ich den Computer weiterhin durch Betätigen einer Taste aus dem Ruhezustand holen können will.
6) Allgemeiner Tipp 2: Beim Zuklappen in den Ruhezustand gehen
Eine Methode, die sich für mich bewährte: Das Zuklappen des Deckels soll den Computer nicht in den normalen Standby-Modus schicken, sondern in den Ruhezustand (Wikipedia beschreibt die Unterschiede dieser Modi detailliert): Bei dem wird der Inhalt des Speichers auf die Festplatte geschrieben und der Computer abgeschaltet. Das stoppt die Hintergrundaktivitäten komplett und sorgt für Ruhe. Nachteil: Das Aufwecken dauert länger. Aber es funktioniert bestens, wenn wir uns angewöhnen, bei einer kurzen Abwesenheit vom Rechner diesen zu sperren (Windows-Taste und l) und bei einer etwas längeren Pause den Deckel zu schliessen.
Für diese Änderung bemühen wir die Einstellungen¹ und öffnen System > Strom und Akku. Im Abschnitt Deckel, Ein/Aus und Standbymodus-Schaltflachensteuerelemente ändern wir jeweils bei Eingesteckt und Akku die Option Wenn ich den Deckel schliesse, wird mein PC von Standby auf Ruhezustand.

Mehr zu den Konfigrationsmöglichkeiten bei Microsofts Betriebssystem findet sich im Beitrag Tipps für den Windows-Energiesparmodus.
Fussnoten
1) Diese Anpassung ist auch über die klassische Systemsteuerung möglich, die wir via Windows-Suche aufstöbern. Wir klicken uns durch die Optionen Hardware und Sound > Energieoptionen und betätigen in der Liste links den Punkt Auswählen, was beim Zuklappen des Computers geschehen soll.
In dieser Ansicht ändern wir für die Option Beim Zuklappen sowohl für Akku als auch bei Netzbetrieb die Optionen auf Ruhezustand. ↩