Microsoft fällt in alte Muster zurück

Bei der Jahres­musterung kommt der Windows-Konzern nicht gut weg: Windows 11 ist ein Flop mit Ansage. Und als ob das nicht negativ genug wäre, nutzt Microsoft seine Macht­posi­tion bei den Desktop-Systemen wie früher scham­los aus.

Microsoft muss sich in der Jahresmusterung 2021 an zwei Dingen messen lassen¹: Erstens natürlich an der Verheissung, die der Chef am 24. Juni abgegeben hatte. Satya Nadella hatte damals versprochen, «grösste Update des Jahrzehnts würde bevorstehen». Das hatte damals zu Spekulationen Anlass gegeben, Windows 10 würde durch einen Nachfolger abgelöst, der mutmasslich Windows 11 heisst.

Wie wir wissen, ist es genauso gekommen: Windows 11 ist auf dem Markt erschienen und hat diese Erwartungen nicht einmal ansatzweise erfüllt. Ich habe nach der Ankündigung kritisiert, dass man nicht von einem grossen Update sprechen kann, wenn in einem Update vorwiegend Dinge abgeschafft werden. Denn eben: „Microsoft fällt in alte Muster zurück“ weiterlesen

Mit brutaler Ignoranz zum finanziellen Erfolg

Facebook war 2021 enorm profitabel. Trotzdem ist das soziale Netzwerk in der Jahresmusterung 2021 der grosse Verlierer, der gleich dreimal komplett versagt hat.

Wer der Versager des Jahres ist, liegt auf der Hand; da müssen wir nicht um den heissen Brei herumreden: Es ist Facebook, das soziale Netzwerk.

«Nur so zur Erinnerung.»

Muss ich diesen Entscheid begründen, oder liegt er auf der Hand? Facebook hat 2021 auf der ganzen Linie versagt, wie ich gerne anhand einiger Texte aufzeige, die ich dieses Jahr über das soziale Netzwerk verfasst habe. Weil es einige sind, gliedere ich sie in drei Bereiche:

Facebook hat während der Pandemie versagt; indem es zur Radikalisierung beigetragen und den extremen Ansichten beispielsweise bei den Impfverweigerern Vorschub geleistet hat («Wir sehen uns vor dem Kriegsgericht», Die destruktive Kraft der sozialen Medien und Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn).

Klar, wie der Einwand an dieser Stelle lautet: „Mit brutaler Ignoranz zum finanziellen Erfolg“ weiterlesen

Google ist auf dem Weg zum evil empire

Da ist sie wieder, die Jahres­mus­terung: In meinem Rück­blick auf die Leis­tungen der Tech­kon­zerne 2021 kommt als Erstes die grosse Such­maschi­ne an die Reihe. Google bzw. Alphabet ist auf den ersten Blick lang­wei­lig, auf den zweiten be­un­ruhi­gend.

Ich weiss, ihr habt alle sehnlichst auf sie gewartet: auf meine schöne Rückblickserie namens Jahresmusterung. Ihr erinnert euch natürlich: Letztes Jahr habe ich damit angefangen, die Leistungen der grossen Tech-Konzerne zu beurteilen. Und das soll nun auch heuer wieder geschehen.

Damit die Spannung gewährleistet ist, fange ich mit dem Kandidaten an, der auf den ersten Blick der langweiligste war und auf den zweiten Blick beängstigende Tendenzen zeigt. Das ist – und ich könnte hier noch einige Pirouetten schlagen, um die Spannung zu erhöhen, was die traurige Wahrheit aber leider auch nicht besser macht – Google.

Ja, Google: Das ist jener Konzern, der in früheren Jahren ein Feuerwerk an Ideen versprüht hat. Alle zwei Wochen kam irgendein neues Produkt um die Ecke. Vieles davon ist genauso schnell verschwunden, wie es gekommen ist – oder noch schneller: „Google ist auf dem Weg zum evil empireweiterlesen

Die hohe Kunst, die guten Web-Apps aufzuspüren

Unter zapier.com/apps findet sich eine Übersicht von Web-Anwen­dungen aus einem guten Dutzend Kate­gorien, die bei der Suche und Evaluation von Online­diensten helfen. Ich habe die Voll­ständig­keit und die Nütz­lich­keit in Augen­schein ge­nom­men.

Schon vor neun Jahren habe ich mich gefragt, wie man im Web die guten Dienste findet. Denn wer keine Abneigung gegen die Cloud verspürt, kann viele Aufgaben statt mit einer lokalen Software oder einer App genauso gut mit einer Webanwendung lösen. Der hauptsächliche Vorteil liegt auf der Hand: Man muss nichts installieren und später aktualisieren, sondern nur ein Benutzerkonto einrichten und loslegen.

Es gibt auch handfeste Nachteile. Nebst der Abhängigkeit eines fremden Anbieters ist das grösste Problem die Auffindbarkeit: Es ist schwierig, sich einen Überblick des Angebots zu verschaffen – in Denglisch spricht man von einer schlechten Discoverability. Denn es gibt keinen zentralen Store und kein massgebliches Verzeichnis, das die Suche vereinfachen würde.

Das ist für klassische Software anders: „Die hohe Kunst, die guten Web-Apps aufzuspüren“ weiterlesen

Ein wachsames Holzauge im Web

Wer als Erster Bescheid wissen will, wenn der Traumjob inseriert, eine bestimmte Wohnung neu vermietet oder ein besonderes Objekt in einer Online-Auktion angeboten wird, braucht ein Webmonitoring-Werkzeug wie Distill.io.

Ein Kollege hat mich neulich gefragt, wie man denn beliebige Websites auf Änderungen hin überprüfen könne – und ob distill.io diese Aufgabe denn erfüllen würde.

Da ich diese Software selbst noch nie benutzt hatte, konnte ich die Frage nicht beantworten – aber mir immerhin vornehmen, mir selbst ein Bild zu machen. Und das genau das soll hier und jetzt geschehen.

Denn Gründe, Websites zu überwachen, gibt es genügend: „Ein wachsames Holzauge im Web“ weiterlesen

Mein Facebook-Freund Jürg und sein Hitler-Vergleich

Auf Facebook jagt ein grauenvoller Post den nächsten. Darüber könnte man ganz leicht abstumpfen. Ich mache aber das Gegenteil: Ich nehme mir Zeit darüber traurig zu sein, dass es so weit kommen konnte.

Beitragsbild: An diesem Tor sollte der Coronafrust auf eine verhältnismässige Grösse zusammenschrumpfen («Jedem das Seine», Lars K Jensen/Flickr.com, CC BY 2.0).

Meinen Facebook-Freund Jürg habt ihr im Beitrag Die tapferen Kämpfer gegen Zensur und Denkverbote kennengelernt. Es ging damals um einen Text vom «Die Ostschweiz»-Autor Stefan Millius, mit dem ich zwar nicht einverstanden war, aber über den man immerhin diskutieren konnte.

Heute hat Jürg wieder einmal einen Auftritt hier im Blog, weil er – ihr ahnt es sicher – wieder einmal etwas auf Facebook gepostet hat.

Sind Hitlervergleiche inzwischen völlig normal?

Im Unterschied zu seinem Beitrag von einem Jahr liefert er aber keine Grundlage mehr für eine produktive Diskussion, sondern postet ein Meme, das mich ratlos und traurig zurücklässt.

Über dieses Meme mag ich mich gar nicht gross auslassen. Es wurde anlässlich der Ernennung des neuen deutschen Bundesministers für Gesundheit in Umlauf gebracht und zeigt Karl Lauterbach mit Hitler-Schnauz und einer in Fraktur gesetzten Aufforderung zum Impfen.

Denken wir uns zwei oder meinetwegen fünf Jahre zurück. Hätte mein Facebook-Freund Jürg 2016 auf derart nonchalante Weise eine solche Abscheulichkeit in seine Timeline gestellt? „Mein Facebook-Freund Jürg und sein Hitler-Vergleich“ weiterlesen

Tschugger, Berset, Zuckerberg

Die letzte retrospektive Linksammlung für dieses Jahr ist fällig: Darin geht es um schräge Gadgets und noch schrägere Apps, neue Smartphones, Tiktok und um Windows 11.

Kurz bevor das Jahr zu Ende geht, nehme ich die Gelegenheit wahr, meine Liste mit den gesammelten Artikeln auf den neuesten Stand zu bringen. Sie fängt an mit den Beiträgen für die Tamedia aus dem Dezember:

„Tschugger, Berset, Zuckerberg“ weiterlesen

Wie Spotify die Apple Watch rockt

Musik, Podcasts und Hörbücher via Smartwatch zu hören, ist in vielen Lebenslagen praktisch, besonders beim Sport. Ich gebe Tipps, wie das mit Spotify am besten funktioniert und welche erfreulichen Nebenwirkungen es hat.

Was taugt die Apple Watch für die Offline-Nutzung? Dieser Frage bin ich neulich nachgegangen und habe die Möglichkeiten ausgelotet, unterwegs, speziell beim Sport, Musik, Hörbücher oder Podcasts ab Uhr anzuhören.

Das erspart es einem, das Telefon mitnehmen zu müssen. Es gibt dafür zwar gute Möglichkeiten wie diesen Gürtel hier. Doch es wäre in der Tat noch einfach, wenn man das Telefon zu Hause lassen könnte. Das reduziert die Gefahr auf null, es zu zerstören, sollte man beim Joggen über eine Wurzel stolpern und darauf zu liegen kommen.

Die Quintessenz im Beitrag damals war: Es geht, aber es ist umständlich und noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich hatte darum weiterhin mein iPhone mit dabei.

Doch nun ist das anders. Ich habe das Telefon bei meinen letzten Joggingrunden zu Hause gelassen. Den Unterschied macht Spotify: „Wie Spotify die Apple Watch rockt“ weiterlesen

Eine gute Fernsehbox – nicht mehr und nicht weniger

Das neue AppleTV-Modell im Test: Für wen sich der Umstieg lohnt – und für wen nicht. Plus eine Analyse, warum aus Apples Plänen, die Box zu einer Spielkonsole zu machen, nichts geworden ist.

In unserem Haushalt hat der neue AppleTV der sechsten Generation Einzug gehalten (als Testgerät von Apple). Und zwar nicht aus reiner Freude am Konsum, denn bis auf eine Ausnahme hat der Vorgänger seine Aufgabe auch nach Jahren ordentlich erfüllt – bis auf eine einzige, aber entscheidende Ausnahme.

Beim Vorgänger handelt es sich um einen AppleTV HD von 2015. Das ist die vierte Generation, bei dem zum ersten Mal die fabulöse Siri-Remote zum Einsatz kam: Jene Fernbedienung mit Touchfeld, die man auch als Spielcontroller verwenden konnte.

Leider hat sich diese Doppelfunktion nicht bewährt: „Eine gute Fernsehbox – nicht mehr und nicht weniger“ weiterlesen

Hey, wir sind keine Newsroboter

Ich komme nicht umhin, völlig freiwillig und ohne jegliche Anordnung von oben ein Produkt meines Arbeitgebers zu empfehlen. Nämlich den Apropos-Podcast der Tamedia.

Ich habe mit mir gehadert, ob ich den heutigen Blogpost schreiben soll. Denn es soll darin um einen Podcast gehen, der von meinem Arbeitgeber stammt und in dem ich auch schon einen Auftritt hatte (Warum Facebook uns gerade jetzt eine neue virtuelle Welt verspricht). Die Gefahr ist unvermeidlich, dass meine Empfehlung als parteiisch erscheint. Dieser Gefahr setze ich mich nicht gerne aus, denn dieses Blog hier soll weiterhin als unabhängig wahrgenommen werden – weil es das schliesslich auch ist.

Vielleicht bin ich auch übervorsichtig. Man ist nicht automatisch ein PR-Instrument, wenn man nicht wenigstens ein paar der Produkte seines Arbeitgebers gut finden würde. Nein, wenn man an ihnen überhaupt keinen Gefallen findet, sollte man schnellstens den Job wechseln. Der Ausschlag gegeben hat für mich, dass ich den Podcast nicht nur theoretisch eine vielversprechende Idee finde, sondern ihn seit einiger Zeit regelmässig höre, und zwar nicht aus Pflichtbewusstsein, sondern, weil ich ihn spannend und aufschlussreich finde.

Also, nach dieser wohlabgewogenen Erklärung sei gesagt, wenden wir uns dem Thema zu: „Hey, wir sind keine Newsroboter“ weiterlesen