Eine lächelnde Person in einem karierten Hemd winkt in die Kamera, während sie auf einem Sessel sitzt. Im Hintergrund sind Pflanzen und ein Regal sichtbar.
Es könnte ein freundlicher, aber entschlossener Abschied werden (Vitaly Gariev, Pexels-Lizenz).

Ihr entscheidet: Fliegt die Werbung von meinem Blog oder nicht?

Es gibt deut­li­che An­zei­chen, dass das Werbe­ge­schäft (hier im Blog und wo­mög­lich darüb­er hinaus) keine Zu­kunft hat. Hier eine Aus­le­ge­ord­nung mit einer – hof­fent­lich auch für euch Le­serin­nen und Leser in­te­res­san­ten – Al­ter­na­tive.

Ich trage mich mit dem Gedanken, Adsense von meinem Blog zu verbannen. Das ist das Werbenetzwerk von Google bzw. Alphabet, das euch die Anzeigen hier präsentiert – zumindest, falls ihr keinen Werbeblocker eingerichtet habt. Es läuft seit 2010 und war ursprünglich als Experiment gedacht, mit dem ich ausloten wollte, wie viel Geld sich damit verdienen lässt. Über den Daumen gepeilt hat mir Google in den letzten 16 Jahren zwei bis drei Monatslöhne überwiesen.

Das ist kein Einkommen, das mich dazu bewogen hätte, meinen Brotjob zu kündigen. Aber es ist mehr, als dass ich schulterzuckend darauf verzichten wollen würde. Der Kritik zum Trotz, die ich zwischendurch einstecken musste.

Der Grund für meine Überlegungen ist einfach: Im letzten Jahr sind die Einnahmen so drastisch zurückgegangen, dass ich zunehmend Mühe habe, euch fürs Kleingeld mit den teils aufdringlichen, teils billigen, teils betrügerischen Online-Anzeigen zu behelligen.

Tausende Aufrufe und bloss einige Rappen an Einnahmen

Liniendiagramm zeigt die Entwicklung der Seitenaufrufe (blau) und geschätzten Einnahmen (rot) über den Zeitraum vom 19. bis 26. Juni 2026. Details zu den Werten sind eingeblendet.
Minimaler Werbeumsatz trotz rekordverdächtiger Seitenaufrufe.

Das Beispiel hier soll es illustrieren: Am 26. Juni erzielte ich eine beachtliche Zahl von 5386 Seitenaufrufen. Vier Klicks auf die Banner generierten einen Umsatz von 79 Rappen. Ich bin kein Experte für Online-Werbung und das Thema interessiert mich nur mässig. Aber wenn wir die Click-Through-Rate (CTR) als Messgrösse heranziehen, dann beläuft sie sich auf 0,09 Prozent. Das bedeutet, dass eine riesige Menge von Leuten mit Werbung konfrontiert wird, die sie offensichtlich nicht interessiert.

Naturgemäss schwankt die CTR extrem; das Maximum in den letzten drei Jahren lag für mein Blog bei zwei Prozent. Das Minimum lässt sich nicht so leicht feststellen, aber selbst die Tiefpunkte sanken bislang kaum unter ein Promille.

Diagramm zeigt die Entwicklung der Klickrate (CTR) über mehrere Jahre. Die Werte schwanken zwischen 0,6 % und 2,4 % mit erkennbaren Spitzen und Tälern.
Wie viele Banner angeklickt werden, schwankt über die Zeit massiv. Doch was hier wie ein leichter Aufschwung aussieht, ist leider keiner.

Wie ist das zu erklären? Vielleicht handelt es sich um einen temporären Tiefpunkt, der daherrührt, dass in der Sommerzeit weniger Kampagnen gefahren werden, die die Leserinnen und Leser meines Blogs interessieren. Es scheint mir auch die Interpretation zulässig, dass die «gute» Werbung zunehmend aus dem Web verschwindet – oder zumindest von Google Adsense.

Wer ist schuld? Ist die KI schuld?

Um das zu erklären, ziehe ich eine zweite Messgrösse heran: die Seitenaufrufe. Es ist zwar leider nicht so, dass jeden Tag über 5000 Leute vorbeischauen. Aber ich stelle fest, dass seit Ende 2025 immer wieder Ausschläge nach oben stattfinden.

Die widersprechen der Überlegung, dass die KI zu einer Austrocknung des Webs führen müsste. Es ist nicht undenkbar, dass die Ausschläge daher rühren, dass die KI tatsächlich für «qualitativ hochwertigere Klicks» sorgt, wie Google behauptet. Sprich: Leute, die mittels AI-Mode bei Google oder über einen KI-Chatbot Informationen suchen, landen eher auf meinem Blog als auf irgendeiner per KI zusammengeschusterter SEO-Ramschsite.

Genauso gut kann es sein, dass viel mehr Scraping stattfindet und diese Abrufe durch Bots verursacht werden, die jegliches Material fürs Training von noch einem LLM im Web zusammenkratzen. Zu dieser Deutung passt, dass die Zahl der Impressions (also der Werbeausspielungen) nicht im gleichen Mass ansteigt wie die Seitenaufrufe. Denn solche Bots interessieren sich typischerweise nicht für Werbung. Zu dieser Interpretation trägt ferner bei, dass sich die Ausschläge kaum in der (allerdings ihrerseits lückenhaften) Statistik von Jetpack abbilden.

In die Lücke springt – das Buch!

Der langen Rede kurzer Sinn: Angesichts dieser Entwicklung bin ich zuversichtlich, die Werbeeinnahmen locker ersetzen zu können. Meine Idee ist, einige der Inhalte als E-Book zu vertreiben – mit Print-on-Demand-Option für gedruckte Ausgaben. Naheliegend sind die KI-Tipps, ferner die gesammelten Beiträge der Rubrik Tech-Premieren und der Evergreens.

Den endgültigen Entscheid überlasse ich euch. Die Frage lautet: Würdet ihr es schätzen, wenn dieses Blog werbefrei würde? Und würdet ihr dafür in Erwägung ziehen, ab und zu ein solches Werk zu erwerben – für euch, zum Verschenken oder wofür auch immer¹?

Fussnoten

1) Bei meiner letzten Umfrage wurde ich gebeten, diese aus Datenschutzgründen nicht mit Google Forms abzuhalten. Ich habe das beherzigt und stattdessen Typeform benutzt – dabei aber leider übersehen, dass in der Variante mit Gratis-Abo nur zehn Antworten pro Monat entgegengenommen werden. Das ist zu wenig für diesen Zweck hier und der Basic-Preisplan für geschlagene 25 Euro pro Monat ist nur auf hundert Antworten ausgelegt – selbst die würde ich hoffentlich sprengen. Ich musste daher reumütig zu Google zurückkehren. Sorry!

7 Kommentare zu «Ihr entscheidet: Fliegt die Werbung von meinem Blog oder nicht?»

  1. Ich sehe deine Werbung nicht, da ich einen Werbeblocker habe. Das mit dem E-Book ist zwar eine gute Idee, aber als langjähriger Buchautor (mehr als 15 Jahre) von Projektmanagement-Büchern habe ich für dich eine schlechte Nachricht. Seit 2022 und der Einführung von KI sind die Buchverkäufe, besonders von Sachbüchern, massiv eingebrochen (bis zu 50%). Dies bestätigt dir auch der Blogartikel von Tim Ferries, der Millionen von Bücher verkauft hat: https://tim.blog/2026/06/12/has-ai-already-killed-nonfiction/ Mit Büchern (speziell Non-Fiction) etwas Geld zu verdienen ist in Zukunft schwierig. Weiterhin viel Erfolg und Gruss, Roland

  2. Ich muss gestehen, dass ich seit Jahren mit Adblocker unterwegs bin. Arbeite ich einmal an einem fremden Rechner, blende ich Werbung unbewusst aus. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt auf eine Anzeige geklickt habe.

    Belassen würde ich die Referral-Links. Diese verwende ich jeweils bewusst, wenn ich etwas kaufen will. Du bist vertrauenswürdig genug, die Beiträge zu erstellen und danach allenfalls ein besprochenes Produkt zu verlinken. Das stört dann überhaupt nicht. Nervig sind Blogs, bei denen man sieht, dass es darum geht, möglichst viele Produkte zu verlinken.

    Flattr & Co. haben sich leider nie durchgesetzt. Vielleicht, weil man dafür ein Konto erstellen und die Kreditkartendaten angeben muss. Evtl. wäre TWINT eine Option? Das hat in der Schweiz fast jeder und eine Spende ist unkompliziert möglich.

    Eine Community aufzubauen wäre eine weitere Möglichkeit, aber bei Deinem breiten Themenspektrum schwierig. Das (thematisch fokussiertere) Blog „Elektronik-Kompendium“ versucht das gerade. Als Mitglied bekommt man vom Autor Unterstützung bei Fragen zu den vorgestellten Projekten und kann an einem regelmässigen Online-Austausch mit Autor und anderen Mitgliedern teilnehmen. Das finde ich eine interessante Idee.

    Bezüglich Umfrage: Falls self-hosted infrage kommt, kann ich Formbricks sehr empfehlen. Damit lassen sich Umfragen einfach erstellen und auswerten.

  3. Zweimal Ja: Ich würde es sehr begrüssen, wenn die ärgerliche und vor allem ärgerlich hässliche Werbung verschwände. Und ich würde ein E-Book wohl kaufen.
    Und noch ein Ja, ein ungefragtes. Ich würde den Blog auch abonnieren, wenn das Abo nicht mehr als, sagen wir, 50 Franken pro Jahr kostet.

  4. Danke erstmal für die meistens interessanten Themen. Wäre ich nicht zugedeckt mit Arbeit, würde ich auch gerne ab und an mal antworten. Dies hier ist eine Ausnahme 😉 Ich lese fast alle Beiträge, da mir auch deine Schreibe gefällt. Werbung an sich ist mir Wurscht. Da ich in diesem Sektor arbeite, sehe ich diese natürlich beruflich anders und tatsächlich, manchmal ist sogar was interessantes dabei.
    Fazit, wenn du mit der Google Adsense-Verwaltung (Consent Mode, immer wieder neue Einstellungen, Abrechnung, Steuern uvm.) keinen Mehraufwand hast, lass es einfach laufen. Wer den Rappen nicht ehrt …

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