Eine App für Orte, an denen man gerne ist

Aus unerfindlichen Gründen nutze ich noch immer die Swarm-App (für Android und iPhone/iPad). Die älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch. Unter dem Namen Foursquare hat die seinerzeit für Furore gesorgt. 2010 war es, als diese Check-in-Apps aufkamen und damals für einigen Social-Media-Stress gesorgt hatten. Nebst Foursquare gab es auch Gowalla, das von Facebook 2011 übernommen und 2012 eingestellt wurde.

Die Idee war eigentlich einleuchtend: Man registriert seine Anwesenheit an einem Ort, sodass man von anderen dort gefunden werden kann. Wenn jemand dazustossen möchte, kann er das tun. Spontane Treffen, wie sie nur mit dem Internet möglich sind.

Ich weiss nicht, wie es euch geht – aber für mich hat diese Idee nicht funktioniert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dank einer dieser Apps jemals jemanden spontan getroffen hätte. Die Sache ist an mehreren Dingen gescheitert: „Eine App für Orte, an denen man gerne ist“ weiterlesen

Blake Crouch passt gut auf die Lesecouch

Ich bin neulich über das Buch «Dark Matter» gestolpert. Das Leseerlebnis war erfreulich, weswegen sogleich die Frage aufgetaucht ist: Wer ist der Autor, dieser Blake Crouch? Und war das nur ein Zufallstreffer oder würde es sich lohnen, noch etwas tiefer in dessen Werk einzutauchen?

Wikipedia ist kurz angebunden, und das, was man dort lesen kann, ist offensichtlich von Crouchs Homepage abgeschrieben, die auch eher auf der dürftigen, selbstgebastelten Seite angesiedelt ist. Es gibt ihn aber immerhin auf Twitter und Facebook, wobei sich aus dem Stöbern durch die sozialmedialen Ergüsse kein wirklicher Erkenntnisgewinn ergibt. Es bleibt mir daher nichts anderes übrig, als noch ein Buch von ihm zu lesen.

Das ist Pines (Amazon Affiliate), der erste Teil aus der Wayward Pines Trilogy. Die gibt es auch als Fernsehserie. Und in Buchform auf Deutsch, wobei der erste Band Psychose heisst. Und man kann fast nichts von der Geschichte erzählen, ohne zu viel zu verraten. Ausser natürlich den Klappentext: „Blake Crouch passt gut auf die Lesecouch“ weiterlesen

Diese Foto-App macht vor gar nichts Halt

Die meisten Bildbearbeitungs-Apps fürs iPhone haben mit Live-Fotos nichts am Hut. Sie bearbeiten das Standbild, nicht aber die kurze Bewegtsequenz. Das ist meistens nicht tragisch. Wenn man ein Bild für die Weitergabe per Messenger oder die Veröffentlichung auf einer Social-Media-Plattform aufbereitet, dann wird aus dem Live-Foto fast überall ein Nicht-Live-Schnappschuss. Apple hat es verpasst, einen Standard zu entwickeln, mit dem man die Live-Fotos auch leicht auf seiner eigenen Website präsentieren könnte.

Für Bearbeitungen, die am Live-Foto erhalten bleiben sollen, muss man zur Standard-Fotos-App greifen. Was man mit der macht, erstreckt sich auch auf den «lebendigen» Teil der Aufnahme.

Oder man probiert sein Glück mit der Infltr-App. Sie behauptet von sich zwei Dinge. Erstens: Sie könne «alles» bearbeiten. Nebst normalen Fotos auch Live-Fotos, Videos, Fotos mit Tiefeninformationen und Moments. Das sind die automatisch generierten Rückblick-Filme, die man inzwischen allerdings sehr gut auch mit den Mitteln des Betriebssystems verändert und verbessert.

Zweitens liefert die App Filter. Und zwar «unendlich viele», wie sie behauptet. „Diese Foto-App macht vor gar nichts Halt“ weiterlesen

So machen digitale Postkarten keinen Spass

Eines der weniger prominenten Opfer des Medienwandels ist die Postkarte. Die dürfte in den letzten Jahren schwer unter die Räder gekommen sein. Bei mir gehörte es früher zum Ferienritual, etwa ein halbes Dutzend möglichst kitschiger Karten auf den Weg zu schicken. Heute macht man eher eine Live-Reportage via WhatsApp, belästigt die Leute auf Facebook mit seinen Schnappschüssen von Sonne, Meer und Sonnenschirmen (unter denen man entweder selbst liegt oder die man in seinem Longdrink stecken hat).

Oder man schickt Postkarten mit eigenen Motiven, die man per Smartphone fabriziert und über einschlägige Dienstleister verschickt. Das mindert die Auswirkungen des Medienwandels ein bisschen: Papierhersteller und Druckdienstleister bleiben im Spiel. Doch die Fotografen und Postkartenverkäufer gehen leer aus. Und die Post kommt beim Porto auf die Rechnung.

Auf die Schnelle habe ich keine Statistik gefunden, die den Rückgang in Zahlen ausdrücken würde. Auf statista.com gibt es zwei Auswertungen: 2016 verschickten demnach noch immer 78 Prozent der Deutschen Postkarten, was zur Überschrift «Lang leben die Postkarte» Anlass gab. WhatsApp und andere Messenger rangieren mit 36 Prozent auf Platz zwei. (Man darf offensichtlich auch mehr als eine Form der Feriengruss-Übermittlung wählen.)

2018 war das lange Leben der Postkarte dann offensichtlich auch schon vorbei. „So machen digitale Postkarten keinen Spass“ weiterlesen

Das Smartphone hat noch fünf Jahre

Ist es ein Hype – oder echter Fortschritt? Die Frage muss man sich bei der Augmented Reality (AR) stellen. Die erweiterte Realität ist in der Theorie eine super-faszinierende Angelegenheit. Die Welt, wie wir sie sehen und durchstreifen, wird durch künstliche Elemente ergänzt. Die richtige und die simulierte Welt fangen an, sich zu durchdringen und ineinander überzugehen.

Das ist eine Horrorvorstellung für Leute, die finden, die Leute würden heute schon zu viel in ihr Smartphone glotzen. Ich verstehe schon, dass Leute finden, eine klare Trennung zwischen den Sphären sei sinnvoll: Hier das richtige Leben mit den echten Freunden. Dort der Cyberspace mit seinen sozialen Medien.

Aber natürlich lässt sich das heute schon nicht so klar mehr trennen – dafür gibt es im Alltag schon viel zu viel verborgene digitale Technik, die uns lenkt und beeinflusst. Darum ist AR nur eine besonders offensichtliche Manifestation einer Entwicklung, die viel weiter geht.

Trotzdem hatte ich den Eindruck, die Augmented Reality in der jetztigen Form sei ein wahnsinniger Hype. „Das Smartphone hat noch fünf Jahre“ weiterlesen

Der gefälschte Hitler

Die Macher des «Stern» zeigen die Grösse, die unrühmlichste Affäre aus der Geschichte des Magazins in einer ausführlichen Podcast-Reihe aufzuarbeiten. Die heisst Faking Hitler und ist über diese Adresse hier abonnierbar.

Die Geschichte dürfte allen bekannt sein, die sich entweder ansatzweise für Medien interessieren oder aber den Film Schtonk! gesehen haben. (Der die Affäre für einen satirischen Spielfilm ziemlich adäquat darstellt.) Gerd Heidemann ist der Der beste Mann im Stall des «Stern», der von Henri Nannen, seines Zeichens ebenfalls Journalistenlegende, jeweils für die besonders kniffligen Recherchen aufgeboten wurde.

Heidemann hat eine kleine Schwäche für Überbleibsel des tausendjährigen Reiches. Er hat, wie «Schtonk!» zu sehen, tatsächlich Hermann Görings Yacht «Carin II» für sich gekauft, und verkehrte gerne in den Kreisen, in denen ein schwungvoller Handel mit Hinterlassenschaften von Nazi-Grössen stattfand. So bekam er auch Wind von angeblichen Hitler-Tagebüchern, die angeblich auf dem Schwarzmarkt angeboten worden waren.

Und sogleich gingen Heidemanns Leidenschaft für Nazikram mit dem Jagdinstinkt des Reporters eine unheilvolle Verbindung ein. Heidemann spürte den Verkäufer der Bücher, Conny Fischer auf und erwarb zwischen 1981 und 1983 tranchenweise 62 Bände dieser vermentlichen Hitler-Memoiren. „Der gefälschte Hitler“ weiterlesen

Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister

Heute geht es um Darkroom. Ich dachte erst, es handle sich um eine Tablet-Variante eines bekannten Open-Source-RAW-Konverters. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich den Namen verwechsle und jenes Programm Darktable heisst. Siehe: Auf die dunkle Seite wechseln? Das ist nun aber kein Grund, sie nicht zu besprechen. Auch wenn mich bei den Foto-Apps angesichts der schieren Zahl immer das Gefühl beschleicht, es gäbe noch mindestens zehn andere Produkte, die noch viel empfehlenswerter und besprechenswürdiger gewesen wären.

Darkroom ist eine App fürs iPhone und iPad. Sie ist kostenlos und bietet dafür einen soliden Basis-Funktionsumfang. Es gibt in App-Käufe fürs Freischalten der weitergehenden Werkzeuge. Für alle Tools zahlt man 10 Franken. Der Hersteller singt in der Beschreibung im App Store in den höchsten Tönen eine Lobeshymne auf sich selbst: „Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister“ weiterlesen

Für Architektur- und Blutmondfotografen

Neulich hat mich Rainer gefragt, ob ich seine App Sun Locator besprechen würde. Solche Anfragen gibt es ab und zu. Ich nehme sie sehr gerne entgegen, gebe aber keinerlei Garantie ab. Ob und wann eine Besprechung erfolgt. Und wo: Es kann somit passieren, dass die App den Auftritt hier im Blog hat und nicht in der Zeitung, beim Newsnetz oder im Patentrezept-Video. Andererseits kam es schon öfters vor, dass ich Besprechungen aus dem Blog für die grosse Bühne aufgegriffen habe. Man könnte sagen, dass das Blog zur Ochsentour gehört.

Woher kommen die Sonnenstrahlen? Und wo gehen sie hin?

Also, zu Sun Locator. Sie dient dazu, einem die Position von Sonne und Mond im Verlauf des Tages anzuzeigen. Das hilft Filmern und Fotografen, die Tageszeit für eine Aufnahmesession auszusuchen, in der das Licht aus der gewünschten Richtung kommt. Wenn man Architekturfotografie betreibt, möchte man wahrscheinlich, dass die Fassade des abzulichtenden Gebäudes nicht im Schatten liegt. Aber auch frontales Licht ist nicht unbedingt ideal. Ein bisschen Schattenwurf hilft, die räumlichen Dimensionen zu erfassen.

Aber auch die Architektur nicht Gegenstand, sondern bloss Kulisse ist, will man wahrscheinlich eine bestimmte Stimmung erzielen. Ob Landschaft oder Portrait, die Sonne ist ein Einflussfaktor, den man genau bestimmen kann – viel einfacher als ein anderer Komparse, der mitunter überhaupt nicht mitspielt. „Für Architektur- und Blutmondfotografen“ weiterlesen

Haben die bei Rovio einen Dachschaden?

Eigentlich sollte das heute ein simpler kleiner Game-Tipp werden. Mir ist das Spiel «Angry Birds Dream Blast» (kostenlos, Free to Play, für Android und iPhone/iPad) in die Finger geraten. Das passt mit Fug und recht in meine kleine Reihe mit indirekten Nachfolgern meines Spiels Clickomania. Doch mir ist dann etwas dazwischen gekommen. Doch bevor ich das ausführe, doch noch ein paar Worte zum Spiel:

Die Grundidee ist die alt bekannte: Das Spiel wirft bunte Bälle (bzw. «Blasen») aufs Spielfeld, die man platzen lassen muss. Das ist möglich, wenn mehrere Blasen mit der gleichen Farbe eine Gruppe bilden. Je grösser die Gruppe, desto besser: Punktemässig und allenfalls auch, was die Durchschlagskraft angeht.

Doch was die Ausführung angeht, liegen Welten zwischen meinem Spiel und dem von Rovio: Die App ist aufwändiger und abwechslungsreicher, als es mein simples Progrämmchen je war. Es gibt hübsche Grafiken und Animationen. Man bekommt es mit vielfältigen Power-Ups und speziellen Spielelementen zu tun. Natürlich haben auch die wütenden Vögel und die bescheuerten Schweine einen Auftritt. Denn dieses Spiel ist ein Spin-off des hier vorgestellten «Angry Birds Blast». (Das wiederum ein Spin-off des allerersten Angry-Birds-Titels ist.) „Haben die bei Rovio einen Dachschaden?“ weiterlesen

Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs

Eine der besten Erfindungen in der Softwarewelt sind die Erweiterungen: Sie erweitern den Funktionsumfang. Und zwar ganz gezielt und nicht einfach aufs Geratewohl, wie es bei Software-Weiterentwicklungen normalerweise oft der Fall ist. Denn die Updatepolitik der Softwarehersteller ist oft marketinggetrieben: Es werden Features eingebaut, die sich gut bewerben lassen und die bei den «Entscheidern» in den Unternehmen gut ankommen.

Das Resultat sind nicht unbedingt bessere, sondern überfrachtete Produkte. Die Blähware (Bloatware) ist theoretisch für alle Eventualitäten gerüstet. Praktisch findet man sich als Nutzer bei all diesen auf Vorrat hinzugefügten Befehlen nicht mehr zurecht. Und die hochgezüchteten Softwaremonster starten langsam, brauchen viel Speicher, stürzen auch mal ab oder hängen.

Mit Erweiterungen hingegen installiert man sich genau die Funktionen, die man auch braucht. Wenn man sie nicht mehr braucht, entfernt man sie wieder. Wie gut das funktioniert, sieht man bei den Browsern. Zumindest für Firefox und Chrome gibt es eine riesige Auswahl an Add-ons für alle möglichen und unmöglichen Zwecke.

Natürlich haben die Erweiterungen auch Nachteile: „Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs“ weiterlesen