Ein Mann steht in einem verschneiten Gelände, er trägt einen Hut und eine Weste mit dem Aufdruck «SHERIFF». Im Hintergrund sind unscharf bewaldete Hügel zu sehen.
Dieser Sheriff hier wirkt nicht wie ein Freund und Helfer – und nicht so, als ob er Schabernack im Formatierungsbereich tolerieren würde (Javier Leal, Pexels-Lizenz).

Ein neuer Markdown-Sheriff ist in der Stadt

Marktext ist einer der besten Markdown-Editoren über­haupt: kosten­los und Open Source, erhält­lich für Windows, Mac und Linux und mit allen wich­ti­gen Funk­tio­nen aus­ge­stat­tet. Nur beim Export und der Aus­wahl an Designs muss er gegen­über einigen Kon­kur­ren­ten zurück­stecken.

Den wievielten Markdown-Editor stelle ich heute vor? Über den Daumen gepeilt sind es ein gutes Dutzend; allein für den Mac zähle ich sechs Exemplare (Ulysses, iA Writer, Atom, Sublime Text, Typora und Next­pad++ unter Vorbehalt).

Doch weil die Anforderungen variieren und die Auswahl gross ist, kommt heute Marktext dazu. Dieses Programm gibt es für Windows, Mac und Linux. Es ist Open Source, somit kostenlos und eine gute Wahl für Leute, die bislang nicht mit der Markdown-Welt in Berührung kamen. Es handelt sich um eine simple Auszeichnungssprache für Text, die den Textaustausch über die Systemgrenzen hinweg massiv erleichtert und hervorragend mit KI-Sprachmodellen harmoniert.

Bildschirmansicht eines Dokuments mit dem Titel «Zuse» aus dem Jahr 1950. Links ist ein Inhaltsverzeichnis zu sehen, rechts ein Text über Rechenmaschinen und die Eidgenössische Technische Hochschule.
Das schlichte, übersichtliche Programmfenster von Marktext.

Was ist das Unterscheidungsmerkmal von Marktext? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, weil sich viele der Markdown-Editoren ähnlich sehen: Sie setzen samt und sonders auf eine übersichtliche und diskrete Programmoberfläche, auf eine gefällige Textdarstellung und auf das exakt richtige Mass an Funktionen. Es scheint mir ein impliziter Konsens darüber zu herrschen, welche Features unverzichtbar sind.

Alles da, was man zum Schreiben braucht

Es handelt sich um die folgenden:

  • Ein Programmfenster ohne Schnickschnack. Es gibt keine Symbolleiste und keinen Screen-Clutter à la Word. Eine Seitenleiste ist erwünscht, aber die muss ausblendbar sein.
  • In dieser Seitenleiste gibt es eine Übersicht der geöffneten Dokumente, eine Suchfunktion und eine Gliederungsansicht mit den hierarchischen Überschriften.
  • Es existiert eine überschaubare Auswahl an Themes, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen: von nüchtern und klar bis verspielt und schnörkelhaft.
  • Die Bedienung per Tastaturkürzel ist zentral: Es gibt eine durchdachte Zuordnung von Shortcuts für die Formatierung, und wichtige Funktionen wie die Quellcode-Ansicht.
  • Ein flexibler Umgang mit Dateiformaten zählt zu den elementaren Features: Dokumente lassen sich in diversen Formaten exportieren und der Import und Export via Zwischenablage ist in verschiedenen Varianten möglich (mindestens Markdown, HTML und reiner Text).
  • Suchen-Ersetzen ist mit regulären Ausdrücken möglich. Wünschenswerterweise über mehrere Dateien hinweg.
  • Es gibt umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten, die dem Umstand Rechnung tragen, dass beim Markdown-Parsing ein gewisser Spielraum besteht; beispielsweise bei (weichen) Zeilenumbrüchen.
Tabellenansicht mit Daten zu Bevölkerung und Geschlechterverteilung in der Schweiz. Enthält Optionen zum Einfügen und Entfernen von Zeilen sowie Daten zu Ausländern, Männern und Frauen.
Die deutsche Sprache bringt das Tabellenmenü durcheinander.

Ich darf vermelden, dass Marktext sämtliche Bereiche mit Bravour abdeckt. Es gibt lediglich wenige Punktabzüge, nämlich für die folgenden Dinge:

  • Die Darstellungsvarianten sind limitiert. Im Menü Design (Theme) gibt es zwar 23 dunkle Varianten und zehn helle. Sie verwenden indes alle den gleichen Font und dieselben Schriftgrössen und unterscheiden sich lediglich bei der Farbgebung (in den Einstellungen bei Design (Theme) gibt es für alle eine Vorschau). Mein angestammter Markdown-Editor Typora ist hier vielseitiger¹.
  • Die Bearbeitung von Tabellen funktioniert okay, allerdings bereiten die zu langen deutschen Befehle Probleme, indem sie sich in den Kontextmenüs überlappen.
  • Bei den Markdown-Formatierungsvarianten ist Marktext wiederum nicht so vielseitig wie Typora. Beispielsweise fehlt die Hervorhebung (==markiert==), die ich schätze; und die horizontalen Linien (---) werden hässlich dargestellt.
  • Marktext exportiert als HTML und PDF. Typora ist leistungsfähiger. Bei dieser App gibt es neun weitere Optionen².
  • Der Quellcode-Modus ist nicht so leicht zugänglich wie bei Typora, wo er über einen Knopf am unteren Bildschirmrand aktiviert wird. Wir müssen stattdessen auf Ansicht > Quellcode-Modus klicken oder Option Command s betätigen.
Bild zeigt eine Benutzeroberfläche mit verschiedenen Design-Optionen. Jede Option ist beschriftet und enthält den Platzhaltertext «Lorem Ipsum». Links sind Einstellungen aufgeführt.
Die Designs von Marktext: Viele Farbvarianten, aber immer die gleiche Schrift.

Die vier grossen Stärken von Marktext

Diesen Kritikpunkten zum Trotz gefällt mir Marktext ausgezeichnet. Das liegt an diesen nützlichen Möglichkeiten hier:

  • Die Befehlspalette (Command palette), aufzurufen übers Menü Ansicht oder Shift Command p. Sie stellt Formate und Befehle über eine durchsuchbare Liste parat, in der die jeweiligen Tastaturkürzel ersichtlich sind. Sehr hilfreich!
  • Mit der Befehlspalette verwandt ist das At-Menü. Es wird (wie bei Google Docs und Notion) durch Drücken der @-Taste am Zeilenanfang aktiviert und enthält Befehle wie Tabellenblock, Mathematische Formel, HTML-Block, Code-Block, Zitat-Block, die Front-Matter-Erweiterung für strukturierte Metadaten und Diagramme.
  • Apropos Diagramme: Marktext unterstützt diverse Varianten davon, u. a. Vega Lite, Fluss, Sequenz, PlantUML und (juhuu!) Mermaid.
  • Standardmässig zeigt das Programm mehrere Dokumente als separate Fenster an. Es ist möglich, auf eine Darstellung mit Reitern umzuschalten. Das tun wir im Menü Ansicht über Tab-Leiste umschalten.
Screenshot eines digitalen Editors mit einem Menü für erweiterte Blöcke. Es zeigt Optionen wie Tabellenblock, mathematische Formel, HTML-Block und Code-Block, jeweils mit Tastenkombinationen.
Über das @-Menü werden auf einer neuen Zeile Inhaltsblöcke eingefügt.

Fazit: Marktext ist ein heisser Kandidat, der Typora ablösen könnte. Nicht, dass ich mit meinem angestammten Markdown-Editor unzufrieden wäre. Aber dieses Programm wirkt unter dem Strich fokussierter und mehr aus einem Guss. Das liegt vielleicht daran, dass (mutmasslich) von einem einzelnen Entwickler als kommerzielles Projekt betrieben wird, hinter Marktext demgegenüber eine Community steht. Und die Befehls- und @-Palette sind im Alltag enorm hilfreich.

Mein Entscheid ist nicht gefallen: Die Exportmöglichkeit als Epub nutze ich bei Typora gern, um Vortragsnotizen auf meinen Tolino-E-Book-Reader zu bekommen. Doch die Optik gefällt mir bei Marktext besser.

Marktext gehört zum Markdown-Spitzenfeld

Also, dieses Programm ist auf alle Fälle einen Blick wert. Das gilt nicht nur für Leute, die sich erstmals in die Markdown-Welt vorwagen, sondern (wie in meinem Fall) auch für langjährige Markdown-Fans. Drei Tipps zum Schluss:

  1. In den Einstellungen bei Allgemein findet sich die Option Automatisches Speichern, die Datenverlust vorbeugen sollte.
  2. Das Programm kann auf Deutsch verwendet werden. Eventuell ist die Sprache manuell umzuschalten (unter Preferences > General > Language bzw. Einstellungen > Allgemein > Deutsch).
  3. Mit der englischen Sprachauswahl finden sich am Ende des Menü Edit am Mac einige Befehle, die mit der deutschen Einstellung nicht verfügbar sind. Das sind namentlich die Writing Tools von Apple Intelligence, die Autofill-Funktion für Kontakte und Kreditkarten-Informationen, die Spracherkennung (Diktat) und die Emoji- und Symbol-Palette.

Fussnoten

1) In den Einstellungen bei Design (Theme) gibt es die Möglichkeit, ein benutzerdefiniertes CSS zu hinterlegen. Das wurde bei meinem Test der Mac-Version allerdings hartnäckig ignoriert.

2) Das sind die Formate in Typora: Word (.docx), Openoffice, RTF, Epub, LaTeX, Media Wiki, reStructuredText, Textile und OPML.

Ein Kommentar zu «Ein neuer Markdown-Sheriff ist in der Stadt»:

  1. Wenn man ohnehin mit Obsidian arbeitet, wäre das Plugin „Advanced PDF Export“ einen Versuch wert. Es kann Notizen als PDF exportieren. Mir reicht PDF als Format meist.

    Aufwändigere Dokumente (mehrseitig, mit Index) erstelle ich mit VS Code und Typst. Wenn ich einmal ein DOCX benötige, erstelle ich gleich das gesamte Dokument in Word.

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