Nahaufnahme eines Kopfes mit geflochtenen Haaren, die in mehreren Reihen angeordnet sind. Einige der Zöpfe sind mit rosa Fäden verziert. Im Hintergrund unscharfe, helle Farben.
Wenn die Zöpfe so cool wären wie bei dieser Flechtfrisur, dürfte Microsoft sie für alle Ewigkeiten beibehalten (Natalia García Prieto, Pexels-Lizenz).

All die Zöpfe, die Microsoft bis heute nicht abgeschnitten hat

Diesen Spott hat sich der Win­dows-Kon­zern ehr- und red­lich ver­dient. Nach 15 Jahren ist es nicht gelungen, die alte System­steue­rung ab­zu­lösen. Nicht nur das: In Windows stecken Alt­lasten, die über dreissig Jahre auf dem Buckel haben.

Vor inzwischen neun Jahren erschien das Content-Creator-Update von Windows 10. Damals machte der Microsoft-Marketingchef für Windows und Geräte eine interessante Aussage: Brandon LeBlanc versprach, die Einstellungen-App würde «die Systemsteuerung letztendlich ersetzen». Und wir fragen uns: Wann ist letztendlich? Vor oder nach dem jüngsten Gericht?

Denn wir stellen fest: Es gibt die Systemsteuerung noch immer. Ihr Funktionsumfang ist zwar geschrumpft und für den Alltag müssen wir sie kaum noch bemühen. Für spezifische Anwendungsfälle kommt sie weiterhin zum Zug. Ich habe hier im Blog ein halbes Dutzend Fälle dokumentiert¹. Es gibt weitere Relikte aus Windows-95- oder NT-Zeiten, etwa die Datenträgerverwaltung².

Bildschirm der Systemsteuerung von Windows, mit Optionen zur Anpassung der Computereinstellungen, einschließlich System, Benutzerkonten, Netzwerk, Hardware und Programme.
Der alte Holzmichel lebt noch.

Der Hauptzweck dieses Blogposts ist es (natürlich), uns über Microsoft und Brandon LeBlanc lustig zu machen. Es ist zwar nachvollziehbar, warum die Ablösung dieser alten Systemkomponenten keine Priorität geniesst. Es liegt in der Logik des Softwaregeschäfts, dass man mit neuen Funktionen von sich reden macht und kein Entwickler und keine Projektmanagerin je wegen der Erneuerung eines uralten Softwarebestandteils eine Lohnerhöhung erhielt.

Selbst die neue App ist schon reichlich alt

Trotzdem muss dieser unglaublich schleppende Fortgang selbst Satya Nadella hochnotpeinlich sein. Denn das Bedienparadigma, dem die heutige Einstellungen-App entsprang, geht auf Windows 8 zurück. Es ist demnächst 15 Jahre alt und damit selbst reichlich überholungsbedürftig.

Das ist nicht bloss meine Beobachtung. Auch auf Twitter wurde neulich darüber diskutiert. March Rogers, zuständig für «Windows Experiences» begründete das auf Twitter für die Druckerverwaltung mit der Tatsache, dass es viele Netzwerk- und Druckergeräte sowie Treiber gäbe, und dass wir «sicherstellen, dass wir keine Probleme verursachen».

Und ja, ich stelle mir das wirklich ätzend vor, am Montagmorgen ins Büro zu kommen und vom Chef den Auftrag zu fassen, die Unterstützung für dreissigjährige Netzwerkdrucker zu renovieren.

Dialogfenster zur Symbolauswahl in einem Windows-Betriebssystem. Es zeigt verschiedene Symbole, darunter Programmicons und grafische Elemente, mit Optionen zum Durchsuchen und Bestätigen.
Wenn man eine Verknüpfung mit einem individuellen Icon ausstatten will, kann man dafür «moricons.dll» wählen.

Windows ist sein eigenes Museum

Zumindest für altgediente Nutzerinnen und Nutzer hat die Sache eine positive Seite. Diese Überbleibsel aus der seligen PC-Vergangenheit erinnern uns daran, dass selbst ein KI-versessenes Unternehmen wie Microsoft nicht in der Lage ist, die Welt komplett auf den Kopf zu stellen. Auf Reddit machen sich die Leute einen Spass daraus, die ältesten Komponenten auszugraben, die bis heute überlebten. Das sind die bekannten drei:

  • Die Bibliothek mit Icons für MS-DOS-Anwendungen, eingeführt 1990 mit Windows 3.0 (moricons.dll unter c:\Windows\System32 bzw. SysWOW64).
  • Die Zeichentabelle (charmap.exe) zur Auswahl von Sonderzeichen ist heute zwar als 64-Bit-Variante verfügbar, stammt im Kern aber aus der 16-Bit-Ära.
  • Ein Überrest an DOS-Code in Windows-Programmen. Bis heute steckt ein sogenannter DOS-Stub in jeder ausführbaren EXE-Datei. Es ist dazu da, die Meldung «This program cannot be run in DOS mode» anzuzeigen.

Fussnoten

1) Namentlich die folgenden:

Es gibt noch weitere, u.a. die erweiterten Energieeinstellungen, eigene Energiesparpläne

2) Spontan fallen mir folgende Dinge ein:

Ein Kommentar zu «All die Zöpfe, die Microsoft bis heute nicht abgeschnitten hat»:

  1. @Matthias Müssen ja, wie sollte es sonst rückwärts kompatibel sein und 30 Jahre alte Programme laufen lassen können? Das ist kein Bug, das ist eine Notwendigkeit. Wo Microsoft am laufenden Meter Mist baut ist der neue 💩 den sie ungewollt in Ihr Betriebssystem klatschen den Keiner will und Niemand einen Mehrwert bringt außer Microsoft die Userdaten stehlen und missbrauchen was eigentlich illegal sein sollte. Wir sollten Windows in die Tonne klopfen wo es hingehört.

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