Apple diktiert die Agenda

Apple in der Jahres­muste­rung: Der iPhone-Konzern hat die Kunst per­fek­tioniert, das Interes­se der Welt­öffent­lich­keit auf sich zu ziehen. Trotzdem gab es keine revo­lutionä­ren An­kündi­gungen, aber kleine Fort­schritte und einige Ent­täu­schungen.

Eins muss man Apple lassen: Der Konzern hat die Kunst perfektioniert, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen und konstant im Gespräch zu bleiben. Streng getaktete, perfekt gestaffelte Events, Ankündigungen, Produktneuigkeiten und Gerüchte sorgten 2021 dafür, dass das Interesse kaum je erlahmte.

Einigen Leserinnen und Lesern ist es zu viel geworden. Ich erinnere mich noch an eine Diskussion, die sich an einem Beitrag zu iOS 15 entzündet hatte. Ich hatte daraufhin versucht, mit dem Beitrag In den App-Stores kommt die freie Software unter die Räder die Debatte in eine andere, meines Erachtens produktivere Richtung zu lenken – aber, wie ich feststellen musste, ohne den geringsten Erfolg. Die Apple-Verweigerer kein anderes Thema, sie wollten bloss weniger Apple.

Das kann ich nachvollziehen: „Apple diktiert die Agenda“ weiterlesen

Der Dick Pic-King und seine riesige Phallus-Rakete

Bei Amazons Jahres­muste­rung kommt man um den Kon­zern­chef nicht herum – und nicht um die Frage, was Jeff Bezos mit dieser Penis-förmigen Rakete be­zwecken wollte, mit der er die Atmos­phäre pene­trierte.

Beitragsbild: His name is Bezos, Jeff Bezos (Jeff Bezos von Daniel Oberhaus/Fickr.com, CC BY 2.0).

Meine diesjährige Jahresmusterung lässt gewisse Mängel beim dramaturgischen Aufbau erkennen. Bei der vierten und zweitletzten Folge geht es um ein Unternehmen, zu dem ich fast gar nichts zu sagen habe. Der Klimax meiner Miniserie ist eher eine Art vorzeitiger Samenerguss.

Wobei wir beim Thema wären: Amazon und Jeff Bezos. Ich meine, der Mann tut alles, um meine Vorurteile zu erfüllen. Vor einem Jahr habe ich mich im Beitrag Der unheimliche Krisengewinnler gefragt, ob dieser milliardenschwere Online-Unternehmer nicht nur äusserlich wie der Bösewicht aus einem Bond-Film aussieht, sondern auch biografisch in diese Rolle passen würde. Und was macht Bezos? Er fliegt dieses Jahr mit einer Rakete ins Weltall, als ob er es darauf angelegt hätte, die hanebüchene Handlung aus Moonraker wahr werden zu lassen. Und wie um Bond in den Schatten zu stellen, hat Bezos eine Rakete benutzt, die wie ein gigantischer Penis aussieht: „Der Dick Pic-King und seine riesige Phallus-Rakete“ weiterlesen

Microsoft fällt in alte Muster zurück

Bei der Jahres­musterung kommt der Windows-Konzern nicht gut weg: Windows 11 ist ein Flop mit Ansage. Und als ob das nicht negativ genug wäre, nutzt Microsoft seine Macht­posi­tion bei den Desktop-Systemen wie früher scham­los aus.

Microsoft muss sich in der Jahresmusterung 2021 an zwei Dingen messen lassen¹: Erstens natürlich an der Verheissung, die der Chef am 24. Juni abgegeben hatte. Satya Nadella hatte damals versprochen, «grösste Update des Jahrzehnts würde bevorstehen». Das hatte damals zu Spekulationen Anlass gegeben, Windows 10 würde durch einen Nachfolger abgelöst, der mutmasslich Windows 11 heisst.

Wie wir wissen, ist es genauso gekommen: Windows 11 ist auf dem Markt erschienen und hat diese Erwartungen nicht einmal ansatzweise erfüllt. Ich habe nach der Ankündigung kritisiert, dass man nicht von einem grossen Update sprechen kann, wenn in einem Update vorwiegend Dinge abgeschafft werden. Denn eben: „Microsoft fällt in alte Muster zurück“ weiterlesen

Mit brutaler Ignoranz zum finanziellen Erfolg

Facebook war 2021 enorm profitabel. Trotzdem ist das soziale Netzwerk in der Jahresmusterung 2021 der grosse Verlierer, der gleich dreimal komplett versagt hat.

Wer der Versager des Jahres ist, liegt auf der Hand; da müssen wir nicht um den heissen Brei herumreden: Es ist Facebook, das soziale Netzwerk.

«Nur so zur Erinnerung.»

Muss ich diesen Entscheid begründen, oder liegt er auf der Hand? Facebook hat 2021 auf der ganzen Linie versagt, wie ich gerne anhand einiger Texte aufzeige, die ich dieses Jahr über das soziale Netzwerk verfasst habe. Weil es einige sind, gliedere ich sie in drei Bereiche:

Facebook hat während der Pandemie versagt; indem es zur Radikalisierung beigetragen und den extremen Ansichten beispielsweise bei den Impfverweigerern Vorschub geleistet hat («Wir sehen uns vor dem Kriegsgericht», Die destruktive Kraft der sozialen Medien und Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn).

Klar, wie der Einwand an dieser Stelle lautet: „Mit brutaler Ignoranz zum finanziellen Erfolg“ weiterlesen

Google ist auf dem Weg zum evil empire

Da ist sie wieder, die Jahres­mus­terung: In meinem Rück­blick auf die Leis­tungen der Tech­kon­zerne 2021 kommt als Erstes die grosse Such­maschi­ne an die Reihe. Google bzw. Alphabet ist auf den ersten Blick lang­wei­lig, auf den zweiten be­un­ruhi­gend.

Ich weiss, ihr habt alle sehnlichst auf sie gewartet: auf meine schöne Rückblickserie namens Jahresmusterung. Ihr erinnert euch natürlich: Letztes Jahr habe ich damit angefangen, die Leistungen der grossen Tech-Konzerne zu beurteilen. Und das soll nun auch heuer wieder geschehen.

Damit die Spannung gewährleistet ist, fange ich mit dem Kandidaten an, der auf den ersten Blick der langweiligste war und auf den zweiten Blick beängstigende Tendenzen zeigt. Das ist – und ich könnte hier noch einige Pirouetten schlagen, um die Spannung zu erhöhen, was die traurige Wahrheit aber leider auch nicht besser macht – Google.

Ja, Google: Das ist jener Konzern, der in früheren Jahren ein Feuerwerk an Ideen versprüht hat. Alle zwei Wochen kam irgendein neues Produkt um die Ecke. Vieles davon ist genauso schnell verschwunden, wie es gekommen ist – oder noch schneller: „Google ist auf dem Weg zum evil empireweiterlesen

Jahresmusterung, Teil 5: Chance verpasst, Facebook

Ich bewerte die Leistungen der Tech-Konzerne 2020. Facebook hat sich zwar keinen ganz grossen Patzer geleistet. Doch das ist schon das beste, was man über das soziale Netzwerk dieses Jahr sagen kann.

So ein richtiger Klimax ist das nicht, wenn ich mich im (mutmasslich) letzten Teil meiner schönen Serie zur Jahresmusterung der grossen Tech-Konzerne auf Facebook stürze. Denn Facebook ist seit Jahren ein Sorgenkind. Aus der eigentlich schönen Vision, die Menschen der ganzen Welt zu vernetzen, ist eine Art geistiger Krankheit geworden, die sich pandemisch durchs Internet verbreitet. Ich habe sie seinerzeit Morbus Facebook genannt.

In einem in diesem Jahr erschienenen Buch, hier besprochen, lässt uns Steven Levy nacherleben, wie es dazu kommen konnte – und wie die Taten des Mark Zuckerberg seiner hehren Vision nie so richtig gerecht werden konnten. Dieses Muster hat sich auch 2020 fortgesetzt: Zuckerberg hat zwar keinen Skandal à la Cambridge Analytica gebaut, worüber man eigentlich schon einmal froh und dankbar sein müsste. Aber Facebook hat nicht den Eindruck erweckt, dass man längst diagnostizierten Probleme auch wirklich angehen will. Im Gegenteil – was wir 2020 aus Menlo Park in Kalifornien gehört haben, ist unter dem Strich sehr ernüchternd.

Erinnern wir uns an den Boykott im Juli: „Jahresmusterung, Teil 5: Chance verpasst, Facebook“ weiterlesen

Jahresmusterung, Teil 4: Der unheimliche Krisengewinnler

Amazon hat 2020 die Mög­lich­kei­ten genutzt, die sich durch die Co­ro­na­pan­de­mie ergeben haben. Und was ist an der Theorie, dass Jeff Bezos ein fleisch­ge­wor­de­ner Bond-Böse­wicht sei?

Beitragsbild: Amazon Spheres Grand Opening von Seattle City Council/Flickr.com, CC BY 2.0)

Wenn mich jemand fragen würde, welcher von den grossen Fünf in meiner Gunst am tiefsten steht, würde mir die Antwort einigermassen schwerfallen. Denn besagte Gruppe ist nicht gerade eine Versammlung von Unternehmen, der ungefilterte Zuneigung zuteil wird – weder von mir noch von der Welt im allgemeinen.

Also, mit den grossen Fünf meine ich jene Giganten in der digitalen Welt, die manchmal mit dem Akronym GAFAM (oder alternativ FAAMG), gebildet aus den Anfangsbuchstaben bezeichnet werden, bestehend aus Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft. Und ja, wenn ich mich entscheiden würde, wer aus dieser Gruppe der grösste Unsympath ist, dann würde meine Wahl auf Amazon fallen. Dicht gefolgt von Facebook.

Der Unterschied bei dieser Reihenfolge macht der Chef. Ich würde zwar Mark Zuckerberg kein gebrauchtes Automobil abkaufen wollen. (Oder mit ihm ein gemeinsames Unternehmen gründen.) Aber er taugt weniger zum Superschurken als Jeff Bezos. „Jahresmusterung, Teil 4: Der unheimliche Krisengewinnler“ weiterlesen

Jahresmusterung Teil 3: Hat Microsoft 2020 überhaupt etwas gemacht?

Es gibt eine weitere Note für einen grossen Tech-Konzern. Derjenige, der sich heute meinem Urteil stellen muss, hat dieses Jahr immerhin eine Spielkonsole lanciert.

Microsoft hat dieses Jahr mehrfach in Form von nostalgischen Rückblicken stattgefunden: In meinem Beitrag Das leise Ende des PC-Zeitalters zum Auslaufen von Windows 7. Oder im grossen Jubiläumsbeitrag zu 35 Jahren Windows 1.0, der die Frage gestellt hat, warum das Betriebssystem eigentlich nicht gleich zu Beginn wieder von der Bildfläche verschwunden ist.

Ist Microsoft vor allem noch dazu da, sentimentale Gefühle zu wecken und uns daran zu erinnern, wie wir in unserer Jugend mit dem Programmmanager hantiert und  mit Solitär Zeit verschwendet haben? Ist dieser Eindruck gerechtfertigt?

Zu einem guten Teil ist er das natürlich. Microsoft ist zwar nicht den Weg von IBM gegangen und für uns Endanwender in der kompletten Bedeutungslosigkeit versunken. Aber Microsoft ist nicht mehr das Unternehmen, das Trends vorgibt und an dem sich unsere Gefühle entzünden – egal, ob die nun positiver oder negativer Art sind.

Natürlich mit einer grossen Ausnahme: „Jahresmusterung Teil 3: Hat Microsoft 2020 überhaupt etwas gemacht?“ weiterlesen

Jahresmusterung, Teil 2: Der Konzern, der gegen Trump und Corona anstinken konnte

Ich beurteile die Leistungen der grossen Tech-Konzerne in diesem Jahr. Und selbst ein gestrenger Kritiker wie ich kommt zum Schluss: 2020 hat sich Apple am besten geschlagen.

Nachdem diese neue Rubrik auf derartig grossen Anklang gestossen ist, mache ich gleich weiter. Ein Unternehmen, das unbedingt beurteilt werden sollte, ist Apple.

Apple, man muss es festhalten, hat etwas geschafft, dass 2020 nur wenigen gelungen ist: Der Konzern konnte sich während seinen Anlässen in den Schlagzeilen nicht nur gegen die Coronakrise behaupten, sondern auch gegen das Debakel um die Abwahl von Ex-Präsident Trump.

Ich halte fest, dass ich die Aufmerksamkeit nicht immer gerechtfertigt fand. Trotzdem muss ich neidlos anerkennen: Gegen eine Pandemie und einen irren Möchtegern-Autokraten anzustinken, muss man erst einmal schaffen!

Da Apple diesbezüglich Anerkennung gebührt, kann ich auch gleich mit dem Fazit herausplatzen: Es war für Apple ein gutes Jahr.

Apple konnte mehrere Coups landen

2020 war besser, als einige der vorherigen Jahre. Und zwar nicht deswegen, weil Apple nach den (für meinen Geschmack viel zu vielen Events) im Dezember nochmals einen Coup lancierte: „Jahresmusterung, Teil 2: Der Konzern, der gegen Trump und Corona anstinken konnte“ weiterlesen

Jahresmusterung, Teil 1: Eine schlechte Note für Google

Eine neue Rubrik im Blog: Ich be­ur­tei­le die Leis­tungen der grossen Tech-Firmen von 2020. Als erster ist der sympa­thische Such­ma­schinen­kon­zern aus Moun­tain View, Kali­for­nien, an der Reihe.

Sagt, liebe Leserinnen und Leser dieses schönen Blogs, was haltet ihr von dieser Idee? Es geht um eine kleine Reihe zum Jahresende, in der ich Rückblick halte.

Und ja, bevor ihr mir ins Wort fallt und darauf hinweist, dass ein Jahresrückblick keine originelle Idee ist und wir im Nerdfunk mit dem digitalen Realitätsabgleich (erste Folge 2020: Drucker sagt nein) dieses Format seit mehr als zehn Jahren pflegen, lasst mich noch auf ein besonderes Merkmal dieser neuen Reihe hinweisen:

Also, die eigentliche Idee ist, dass ich einem grossen Tech-Unternehmen eine Note austeile. Wie hat es sich geschlagen? Ist es den Erwartungen gerecht geworden? Läuft alles so, wie wir als Kunden und Nutzer es uns wünschen würden?

Damit ihr euch das vorstellen könnt, ein Beispiel: Meine Beurteilung eines nicht unwichtigen Suchmaschinenbetreibers aus Mountain View, Kalifornien, der nebenbei auch noch ein florierendes Cloudgeschäft betreibt. Wie hat uns Google dieses Jahr gefallen? „Jahresmusterung, Teil 1: Eine schlechte Note für Google“ weiterlesen