Ein geöffneter Laptop auf einem Holztisch zeigt einen Bildschirmschoner mit Baumrinde-Motiv. Links daneben steht ein schwarzer Topf mit einem Kaktus.

Tahoe hat zwei gute Neuerungen zu bieten

Das Up­date auf Mac OS 26 lohnt sich, selbst wenn wir dem neuen «Liquid Glass»-Design nichts ab­ge­win­nen können: Praktische Neue­rungen wie die farbigen Ordner und der Ver­lauf der Zwi­schen­ab­lage reis­sen es heraus.

iOS 26 und iPad OS 26 kamen hier zum Zug. Fehlt noch Tahoe, wie die neueste Inkarnation von Apples Desktop-Betriebssystem heisst. Beziehungsweise Mac OS 26. Denn auch dieses Softwareprodukt bleibt nicht von der Versionierung mittels Zahl des kommenden Jahres verschont.

1) Das neue Design: Was gefällt und was stört

Und auch das flüssige Glas bleibt dem Mac nicht erspart. Darum komme ich nicht darum herum, meine Betrachtungen beim neuen Design zu beginnen:

  • Überraschung: Beim Dock kann ich Liquid Glass unerwarteterweise etwas abgewinnen. Durch die milchglasige Transparenz wirkt das Dock dezenter als vorher.
  • Störend finde ich hingegen die nun völlig unsichtbare Menüleiste. Sie ist keine Leiste mehr, sondern eine Ansammlung freischwebender Befehle. Apple behauptet, dadurch würde sich der «Bildschirm grösser anfühlen». Das finde ich nicht. Und je nach Hintergrundbild leidet die Lesbarkeit beträchtlich.
  • Die Systemeinstellungen gefallen mir noch weniger als früher: Es gibt mehr Abstand zwischen den Einträgen, was selbst auf Bildschirmen, die sich «riesig anfühlen» zu viel mehr Scrollerei führt.
  • Und bei all den Rundungen in jedem Winkel hätte ich es voll okay gefunden, wenn wenigstens die Menüs eckig geblieben wären.
  • Apropos: Da fällt störend ins Auge, dass einzig die Bildschirmecken unten links und rechts nicht abgerundet sind. Ist das niemandem bei Apple aufgefallen?

Ein Tipp zur unsichtbaren Menüleiste: In den Systemeinstellungen bei Bedienungshilfen > Anzeige findet sich die Option Transparenz reduzieren. Ist sie eingeschaltet, erscheint sie opak wie gehabt.

Screenshot der macOS-Systemeinstellungen für Hintergrundbilder, links eine Menüleiste mit Optionen, rechts eine Auswahl an verfügbaren Hintergrundbildern, darunter «Dynamische Hintergründe».
Die Systemeinstellungen sind sind optisch noch immer nicht mein Fall.

2) Launchpad: Rest in peace

Zu den Vorteilen von Tahoe zähle ich auch die Beseitigung von Launchpad. Eingeführt mit Mac OS X Lion, sollte es eine Brücke zum iPhone herstellen: Wie vom Telefon gewohnt, konnten Apps über eine rasterförmige Anordnung von Icons gestartet werden. Ich fand das vor 14 Jahren seltsam, und das Launchpad ist bis zu seiner Abschaffung nur für einen einzigen Zweck gut gewesen: als Beweis, dass der Mac und iPhone/iPad individuelle Bedienkonzepte benötigen. Es macht einen Unterschied, ob wir per Maus auf einem grossen Bildschirm oder per Touch auf einem kleineren Display arbeiten.

Kurze Zwischenbemerkung: Das scheint ein Widerspruch zu meiner Feststellung zu sein, dass sich die strikte Trennung zwischen Tablet und Laptop längst überlebt hat und von Apple bloss deswegen aufrechterhalten wird, um weiterhin beides verkaufen zu können. Ich halte an dieser Aussage fest und präzisiere sie mit dem Hinweis, dass Apple – statt das Launchpad abzuschaffen – auch Macs mit Touch-Bedienung hätte einführen können. Denn dann hätte dieses 2011 eingeführte Bedienelement plötzlich Sinn ergeben.

So betrachtet, steht die Vermutung im Raum, dass Apple damals eine Fusion von Mac OS und iPad OS in Betracht gezogen, aber nie umgesetzt hat. Ist die mit dem Ende des Launchpads vom Tisch? Vielleicht – aber nicht unbedingt. Als Optimistin könnte man auch vermuten, dass der Weg für eine nachhaltigere Lösung geebnet werden soll, bei der die Elemente der Maus- und Touch-Bedienkonzepte harmonisch zusammengeführt werden sollen.

3) Farbige Ordner und Piktogramme: ein echter Hingucker!

Zurück zu Tahoe – und einem winzigen Detail, das im Alltag einen grossen Unterschied machen wird: die farbigen Ordner. Die Möglichkeit, Ordner mit Etiketten (Tags) auszustatten, gibt es schon ewig (seit 2013 und Mac OS Mavericks, um genau zu sein). Doch die empfand ich immer als unausgegoren, weil diese Tags nur als farbiger Punkt im Ordnertitel, nicht aber beim Ordner selbst ersichtlich waren.

«Dateimanager-Fenster zeigt den Ordner 'Dokumente'. Links Favoritenliste, rechts Ordnernamen mit je neuestem Änderungsdatum. Oben Navigationstasten und Suchfeld.»
Vorher (Mac OS Ventura): Tags erscheinen nur als farbige Punkte beim Namen des Ordners oder der Datei.
Dateimanager-Fenster mit Ordnern: «Privatkopien», «KI-Videos», «KI-Bilder» und anderen. Linke Seite zeigt Favoriten wie «Schreibtisch» und «Dokumente». Sortierung nach Änderungsdatum.
In Mac OS Tahoe werden Ordner nun in der Farbe des Tags gezeigt. Und sie können auch mit Piktogrammen ausgestattet werden.

Das ist nun anders: Wie bei Windows (mit diesem Trick) sind bestimmte Ordner selbst in Ansichten ohne Beschriftung (z. B. der Galerie) anhand des Icons zu erkennen. Nicht nur das: Mit einem Control-Klick und dem Befehl Ordner anpassen lassen sich auch Piktogramme auswählen, die in der Ansicht Symbole auf dem Ordner angezeigt werden.

Wer hätte gedacht, dass 41 Jahre nach der ersten Version von Mac OS eine Verbesserung bei den Kernfunktionen möglich sein würde?

4) Der Verlauf für die Zwischenablage: Gut, dass es den endlich gibt!

In Tahoe können wir nicht nur auf das neueste Element in der Zwischenablage zugreifen. Es stehen genauso frühere Einträge zur Verfügung. Dazu muss in den Systemeinstellungen unter Spotlight die Option Zwischenablagensuche eingeschaltet sein.

Wenn wir Spotlight aufrufen (normalerweise über Command Leertaste), können wir folgende Dinge tun:

  • Entweder tippen wir ein paar Buchstaben ein, die zum fraglichen Eintrag in der Zwischenablage passen.
  • Oder wir betätigen Command 4: Mit diesem Tastaturkürzel erscheint der Verlauf der Zwischenablage.
Suchergebnisfenster auf einem Mac mit dem Suchbegriff «airp». Gefundene Einträge sind z. B. «AirPort-Dienstprogramm», Webseiten und Bilddateien im Zusammenhang mit AirPods.
Spotlight zeigt einen Verlauf der Zwischenablage an und sucht nach passenden Einträgen.

Nebenbei:

  • Mit Command 1 erscheinen alle Apps,
  • mit Command 2 die zuletzt verwendeten Dateien
  • und mit Command 3 die Aktionen wie Nachrichten Senden, Timer starten oder E-Mail senden.

Zwei abschliessende Bemerkungen:

  • Über den Kopieren-Knopf am rechten Rand eines Eintrags kopieren wir den zurück in die Zwischenablage. Dank der universellen Zwischenablage lässt sich die Information auch auf ein iPhone, iPad oder einen anderen Mac übertragen, der Handoff benutzt.
  • Der Verlauf für die Zwischenablage ist eine weitere, seit Urzeiten überfällige Neuerung. Es wurmt mich etwas, die zu loben, weil ich nicht einmal vor einem halben Jahr mit Maccy ein Utility genau für diesen Zweck gekauft und vorgestellt habe. Aber sei es drum: Eine solche Funktion direkt im Betriebssystem zur Verfügung zu haben, ist allemal besser.

5) Und abschliessend ein paar Kurztipps

6) Bonus: Die Kurzbefehle-App mit Apple Intelligence

Das ist meine Lieblingsfunktion, und ich halte sie für wegweisend. Darum widme ich ihr einen eigenen, ausführlichen Beitrag: Apple Intelligence sollte Microsoft und Google als Vorbild dienen.

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