Zu meiner Besprechung von Mac OS 26 alias Tahoe und von iOS 26 habe ich eine Kleinigkeit zu ergänzen – und zwar meine Lieblingsfunktion. Nicht nur das: Ich hoffe, dass diese Neuerung als leuchtendes Beispiel dafür dienen wird, wie wir die künstliche Intelligenz selbstbestimmt einsetzen. Und zwar flexibel und nach unseren Bedingungen. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass sich Apple gegenüber den Kritikern der zögerlichen KI-Strategie rehabilitieren konnte.
Dabei geht es um eine auf den ersten Blick banale Sache: um die Kurzbefehle-App. Die gibt es seit iOS 12. Sie ist für Automatisierungen zuständig, arbeitet mit Siri zusammen und ist theoretisch eine gute Sache – im praktischen Alltag aber leider oft zu limitiert.
Nicht mehr: Denn mit den jüngsten Betriebssystem-Updates lassen sich in einer Automatisierung Befehle einbauen, die per Apple Intelligence ausgeführt werden. Wie das konkret funktioniert, zeige ich an zwei Beispielen:
1) Dateien passend benennen
Dieser Kurzbefehl nimmt die Datei entgegen, die im Finder markiert ist. Mittels KI erstellt er eine kurze Zusammenfassung. Diese kombiniere ich mit einem Datumspräfix und benenne die ausgewählte Datei entsprechend um. Und voilà: Eine Datei, die einen Dateinamen aufweist, der exakt meinen Vorstellungen entspricht und ohne mein Zutun erstellt wurde.

Das funktioniert in folgenden Schritten:
- Der Befehl Ausgewählte Dateien im Finder aufrufen bestimmt das Objekt, das analysiert werden soll.
- Der nächste Schritt lautet Modell verwenden: Wir haben drei Modelle zur Auswahl; dazu später mehr. Wir legen hier den Prompt fest, mit dem die KI arbeiten soll. Im Beispiel lautet er: «Fasse diese Datei inhaltlich in ein bis zwei Stichworten zusammen. Achte darauf, dass diese Kurzbeschreibung nicht länger ist als 50 Zeichen und keine Interpunktion und Sonderzeichen enthält.»
- Wir speichern diese Zusammenfassung als Variable Inhalt.
- Wir greifen wiederum auf die ausgewählte Datei im Finder zu und verwenden Details von Dateien abrufen, um das Erstellungsdatum in Erfahrung zu bringen. Diese Information bringen wir mittels Datum formatieren in die gewünschte Form (mit Datumsformat: Eigenes und dem Muster
yyMMdd). - Das Datum speichern wir als Variable Datumspräfix.
- Wir rufen noch einmal die ausgewählte Datei ab und benennen sie anhand unserer beiden Variablen (
DatumspräfixInhalt) wie gewünscht.
Das Resultat ist brauchbar, jedoch nicht perfekt:
- Es funktioniert leider nur mit einer Datei auf einmal. Sind mehrere Dateien ausgewählt, erscheint ein Dialog, der uns dazu nötigt, uns für eine zu entscheiden.
- Die Beschreibung ist nicht immer über alle Zweifel erhaben. Für den grossen Screenshot oben lautet sie «250925 Diskussion über Dateiverwaltung und KI-Tools auf Mac.» Die KI ignoriert nicht nur die Vorgabe, sich auf ein bis zwei Stichworte zu beschränken, sondern verwendet verbotenerweise auch den Punkt. Wir könnten probieren, diese zu lange Ausgabe in einem zweiten Schritt nochmals per KI zu kürzen und zu bereinigen.
- Und wir müssen nicht darüber diskutieren, dass die inhaltliche Beschreibung für den Screenshot nichts taugt.

Bei Textdateien ist das Resultat meist (nicht immer) besser. Und wir haben die Möglichkeit, ein anderes Modell zu wählen. Zur Auswahl stehen:
- Private Cloud Compute: Das sind KI-Modelle, die Apple selbst betreibt und die hohen Anforderungen an die Privatsphäre genügen sollen.
- Auf diesem Gerät: Das ist ein kleines, lokal installiertes LLM, das ohne Internetverbindung auskommt und auch keine Datenspuren ausserhalb des eigenen Geräts hinterlässt.
- ChatGPT: Die KI von OpenAI in der Cloud.
Das lokale Sprachmodell ist der Aufgabe leider nicht gewachsen. Auch wenn ich den Prompt stark verkürze, erscheint der Fehler: «Die Anfrage überschreitet die maximal erlaubte Länge». Mit ChatGPT dauert die Umbenennung deutlich länger, doch das Resultat ist im Schnitt besser. Für den Screenshot lautet der Dateiname «250925 Diskussion KI». (Das ist der Dateiname, der bei der abgebildeten Datei zu sehen ist.)
Einschätzung dazu: Die Ergebnisse sind nicht perfekt. Dennoch: Noch im Juli habe ich Programme (für Windows und Mac) vorgestellt, die genau das tun, was wir hier durchexerziert haben, nämlich Dateien mittels KI zu benennen. Diese Aufgabe lösen wir mit dem Tandem aus der Kurzbefehle-App und Apple Intelligence jetzt mit Bordmitteln.
Ein Tipp: Wenn wir diesen Kurzbefehl in der Mediathek in den Bereich Schnellaktionen ziehen, steht er direkt übers Menü bei Finder > Dienste > Datei umbenennen (der Name des Kurzbefehls) zur Verfügung.

2) Bildbeschreibungen erzeugen
Dieser Kurzbefehl funktioniert ähnlich wie der vorherige – bloss viel simpler. Er benötigt als Input wiederum die ausgewählte Datei im Finder. Er erstellt dann eine Beschreibung anhand des folgenden Prompts:
Beschreibe den Bildinhalt in ein bis zwei Sätzen. Konzentriere dich auf allfällige Personen im Vordergrund und ihre Tätigkeiten. Falls Texte zu sehen sind, gib die wieder. Falls Anführungszeichen benötigt werden, verwende Guillemets («»).

Diese Beschreibung wird in die Zwischenablage gestellt. Wir verwenden sie daraufhin als Bildlegende in unserem CMS, einer Layoutsoftware oder in der Textverarbeitung. Wir können sie auch als Alt-Text einsetzen. Das geht wie hier beschrieben auch direkt mit WordPress. Allerdings benötigen wir mit dieser Methode ein Guthaben, das wir über die API eines Cloudanbieters wie OpenAI benutzen können.
Die Bildbeschreibungen, die mir die KI bei den Tests lieferte, waren einwandfrei.
Fazit: Das Potenzial ist gross, aber es gibt Luft nach oben
Mir gefällt, wie Apple die künstliche Intelligenz im System zugänglich macht und die Interaktion mit lokal gespeicherten Dokumenten und Dateien ermöglicht. Das ist transparenter und flexibler, als Microsoft das bei Windows und Google bei Android handhabt. Wir Nutzerinnen und Nutzer erhalten die Gelegenheit, Arbeitsabläufe nach unseren Vorstellungen aufzusetzen.
Zugegeben, die Kurzbefehle-App ist nicht selbsterklärend. Aber die Hürden lassen sich wiederum per KI überwinden: ChatGPT erklärt gern, welche Befehle uns für bestimmte Aufgaben weiterhelfen.
Das Potenzial ist riesig, auch wenn Apple Intelligence noch in den Kinderschuhen steckt. Der grösste Kritikpunkt ist das lokale LLM, das meinen Aufgaben hier nicht gewachsen ist. Dabei wäre es toll, derlei Aufgaben komplett autonom und ohne Cloud erledigen zu können. Ich sehe zwei Lösungsansätze:
- Apple legt selbst nach und verbessert seine lokalen Modelle so, dass sie den Mindestanforderungen gewachsen sind.
- Oder – noch besser – Apple öffnet Apple Intelligence für Modelle von Drittherstellern. Am besten mit direkter Integration von Hugging Face.
Falls ihr eigene spannende Anwendungsbeispiele für Apple Intelligence und die Kurzbefehle-App habt, freue ich mich über eine kurze Beschreibung via Kommentare!