Ein älterer Computerbildschirm mit einer Tastatur steht auf einem Tisch, umgeben von unidentifizierbaren Pflanzen und einer warmen Beleuchtung im Hintergrund.
Damals wars einfach: Auf solchen Monitoren hatte ein Programmfenster Platz (Brooke Balentine, Unsplash-Lizenz).

Der Fluch der grossen Bildschirme: Wie man den Browser richtig nutzt

Theo­re­tisch ist die ge­teil­te An­sicht in Fire­fox, Chrome und Sa­fari prak­tisch. In der Rea­li­tät schei­tert sie an läs­ti­gen funk­tio­nel­len Pro­blemen. Doch es gibt Abhilfe: Hier die besten Me­thoden, zwei Web­si­tes pa­ral­lel zu nutzen.

Mit der Version 149 hielt bei Firefox die geteilte Ansicht Einzug. Ich weiss nicht, wie es anderen damit geht, aber für mich ist das eine bedeutende Neuerung. Es gibt diese Funktion – teils unter dem englischen Namen Split View in den meisten Browsern, namentlich Chrome, Edge und – besonders augeklügelt – in Vivaldi.

Das ist eine gute Gelegenheit, die Sache einmal ausführlich zu diskutieren. Denn vielleicht seht ihr es wie ich: Ihr findet die Funktion theoretisch zwar sinnvoll, scheitert im Alltag aber an praktischen und funktionalen Hürden. Es ist absolut bemerkenswert, welch frappante User-Experience-Design-Herausforderungen sich bei dieser scheinbar banalen Sache stellen.

Screenshot einer Websuche zu «Split View Browsers» mit mehreren Artikeln zu Firefox und Google Chrome. Links sind verschiedene Links und Texte angezeigt, rechts ein Auswahlfenster für Tabs.
Brandneu und (noch) nicht zu Ende gedacht: Die geteilte Ansicht in Firefox.

Aber fangen wir bei der Erkenntnis an, dass die modernen Bildschirme schuld daran sind, dass Browser nicht mehr so einfach zu benutzen sind wie früher. Auf meinen Röhrenmonitor mit 16 Zoll passte 2002 genau eine Website. Statt ausgeklügeltes Fenstermanagement zu betreiben, waren viele von uns (ich inklusive) Weltmeister mit der Alt-Tabulator-Tastenkombination. Doch bei 27 Zoll und mehr ist es offensichtliche Platzverschwendung, neben einer, sagen wir, 1200 Pixel breiten Website 1500 Pixel Leerraum anzeigen zu lassen.

Es passen zwei Ansichten, Dokumente bzw. Fenster nebeneinander, weswegen Microsoft sich für Windows die Snap-Layouts ausdachte und Apple die zuvor lausige Fensterverwaltung in Sequoia aufpeppte.

Für welche Zwecke zwei Websites nebeneinander sinnvoll sind

Überlegen wir uns, in welchen Fällen im Browser eine Aufteilung sinnvoll ist. Vier exemplarische Beispiele für den Split-View-Einsatz :

  1. Beim Recherchieren im Netz mithilfe von Google, Duck Duck Go oder Kagi verwenden wir links die Liste der Suchresultate. Das Panel rechts bietet sich an, um die einzelnen Websites zu sichten und zu beurteilen, ob sie für unsere Zwecke nützlich sind oder nicht.
  2. Wer Texte oder E-Mails schreibt, findet es sicherlich praktisch, den Editor in der einen Hälfte offenzuhalten und in der anderen nützliche Informationen im Blick zu haben – gleichgültig, ob das nun Suchresultate aus dem Web, eine Online-Notizapp, das Transkript eines Interviews oder ein KI-Chatbot ist.
  3. Falls wir in die Verlegenheit kommen, eine Präsentation abhalten zu müssen, könnten wir parallel zu der gerade projizierten Folie Notizen oder ein Manuskript im Auge behalten.
  4. Bei Planungen jeglicher Art ist die Zweiteilung ebenfalls sinnvoll: Links etwa der Kalender, rechts eine Liste mit Terminen, die verteilt werden müssen.

Euch fallen sicherlich viele andere Beispiele ein.

Eine Person mit geflochtenen Haaren sitzt vor einem Fenster, während ein Kontextmenü von einem Computerbildschirm angezeigt wird. Der Hintergrund ist verschwommen und unklar.
Der Befehl «Link in Ansicht rechts öffnen» in Chrome macht die geteilte Ansicht überhaupt brauchbar.

Jedenfalls zeigt sich sofort, dass sich die geteilte Ansicht nicht für alle Zwecke gut eignet. Beispiel 1, die Webrecherche: Um ein in der einen Ansicht angezeigtes Resultat links in der anderen Ansicht zu inspizieren, müssten wir einen Befehl wie Link in der linken/rechten Ansicht öffnen zur Verfügung haben. Google Chrome stellt ihn zur Verfügung. Bei Firefox fehlt er. Es funktioniert dort auch nicht, den Link per Maus in die andere Ansicht hinüberzuziehen. Tut man das, öffnet sich die neue Website dennoch in der ursprünglichen Ansicht. Das ergibt keinen Sinn.

Auch für den zweiten Anwendungsfall ist Split-View nicht geeignet. Beim Verfassen sollte unser Editor an Ort und Stelle verharren, während wir in der zweiten Ansicht die Quellen durchwechseln – denn schliesslich geht es bei dieser Arbeit darum, viele Informationen zu aggregieren. Doch über den Befehl In geteilter Ansicht öffnen (Firefox) bzw. Tab zu neuer geteilter Ansicht hinzufügen (Chrome) schweisst die beiden ausgewählten Reiter quasi wie der Standesbeamte zu einem Pärchen zusammen. Man kann zwar über die Adressleiste eine andere Adresse aufrufen. Aber es ist nicht möglich, z. B. in der rechten Ansicht durch die offenen Reiter zu rotieren, während die linke Ansicht unverändert bleibt.

Wir kommen zum Schluss, dass diese Neuerung in Firefox nicht das universelle Hilfsmittel ist, auf das viele gehofft haben mögen. Es existieren indes weitere Methoden, um mehrere Websites nebeneinander zu platzieren. Hier die Übersicht mit den Vorteilen, Nachteilen und Mängeln:

1) Split View: Für Paarungen von Dauer

Wir kommen zum Schluss, dass die Hochzeitsmetapher passend für die geteilte Ansicht ist (obwohl Split-View eher nach Scheidung denn nach Vermählung klingt): Diese Methode ist sinnvoll für Kombinationen von einer gewissen Dauer. Von obiger Auswahl betrifft das die Beispiele drei und vier. Bei Präsentationen und Planungen ist diese Ansicht unbestreitbar nützlich.

2) Zwei Browser-Fenster nebeneinander

Diese Methode verlässt sich auf die oben erwähnten Fensterverwaltungsfunktionen der Betriebssysteme. Sie funktioniert für viele Belange gut, zum Beispiel fürs Schreiben. Das Wechseln der Inhalte ist selbst per Tastatur einigermassen komfortabel möglich: Mit Alt Tabulator wechseln wir zwischen den Fenstern und mit Ctrl Tabulator zwischen den Reitern.

Eine Herausforderung bleibt es, von Fenster A aus einen Link in Fenster B zu öffnen, damit in Fenster A immer der gleiche Inhalt sichtbar bleibt, wie es z.B. für Webrecherchen sinnvoll wäre. Es gibt dafür zwei Tricks:

  • Wir nutzen eine Reitergruppe, die es bei Chrome, Safari, Firefox und in anderen Browsern gibt. Wir platzieren im Fenster rechts eine Gruppe, die Rechts heisst und verfrachten einen Reiter ins gewünschte Fenster, indem wir ihn dieser Gruppe zuweisen. Für diese Methode wäre es enorm hilfreich, einen Link beim Anklicken via Kontextmenü oder über eine Steuertaste direkt in einer bestimmten Gruppe öffnen zu können. Diese Möglichkeit fehlt leider bislang.
  • Wir verwenden bei Firefox eine Erweiterung wie Erweiterung Efficiency Split Screen oder Tab Mover. Die hilft beim Verteilen der Reiter an die gewünschte Stelle.

3) Öffnen in der Seitenleiste

Die Seitenleiste von Firefox ist für Inhalte gedacht, die ausserhalb der normalen Reiter platziert werden. Mozilla hat sie für die KI-Chatbots aus der Versenkung geholt, aber wir verwenden sie genauso für Lesezeichen, Chronik, die synchronisierten Tabs, Raindrop.io oder via Page Assist für eigene KIs. Mit der Erweiterung Sideview öffnen wir normal eine Website in dieser Leiste, die sich nach Gutdünken am rechten oder linken Rand platzieren lässt.

Screenshot einer Bildschirmansicht, die ein WordPress-Editor-Fenster und eine Google-Suchliste mit Blog-Ideen zeigt. Die Suchanfrage lautet: «über was könnte ich bloggen».
Die Sideview bringt eine Website in die Seitenleiste von Firefox – fürs Bloggen nicht verkehrt.

Für mich seit Jahren eine ausgezeichnete Möglichkeit, meinen Word­press-Editor immer im Blick zu halten. Eine Kleinigkeit trübt den Nutzen: Es ist zu umständlich, eine bereits offene Seite in die Seitenleiste zu verfrachten: Es gibt im Kontextmenü beim Klick auf einen Reiter zwar den Befehl Open in Sideview. Doch der verschiebt nicht den bereits geöffneten Reiter dorthin, sondern lädt dort die fragliche URL neu.

Das heisst: Wenn ich im Word­press-Editor bereits angefangen habe, einen Artikel zu schreiben, müsste ich den erst speichern und den Entwurf in der Seitenleiste wieder öffnen. Das ist so umständlich, dass ich darauf verzichte.

4) Die Linkvorschau

Zugegeben, diese Methode ist nicht wirklich dazu gedacht, zwei Websites dauerhaft nebeneinander offen zu halten. Stattdessen erlaubt sie uns eine schnelle Beurteilung, ob es sich lohnt, einen Link überhaupt «richtig» zu öffnen. Wir erhalten eine Vorschau als Pop-up. Anhand der Vorschau öffnen wir ihn als normalen Reiter oder ignorieren ihn, worauf er automatisch verschwindet.

Schon wieder auf dem Weg nach draussen? Die Linkvorschau in Firefox zeigt keine KI-Zusammenfassung mehr an.

Am iPhone und iPad tippen wir für die Vorschau einen Link an und halten den Finger unten, bis die Vorschau erscheint. Bei Firefox am Desktop funktioniert es ähnlich: Wir klicken einen Link per Maus an und halten die linke Maustaste gedrückt, bis die Voransicht erscheint.

Zwei Bemerkungen dazu:

  • Der Nutzen beim iPhone und iPad wird oft durch die Cookie-Consent-Banner zunichtegemacht, die formatfüllend in der Voransicht erscheinen und den eigentlichen Inhalt komplett überdecken. Um irgendetwas von der Seite zu sehen, müssen wir sie öffnen, die Cookies abnicken und dann den Inhalt prüfen.
  • Bei Firefox habe ich den Verdacht, dass die Link-Preview-Funktion bereits wieder auf dem Weg nach draussen ist. Die hier beschriebenen Einstellungen sind nicht mehr zugänglich und die KI-Zusammenfassung erscheint nicht mehr. Falls das der Fall ist, wäre ich sehr ungehalten.

2 Kommentare zu «Der Fluch der grossen Bildschirme: Wie man den Browser richtig nutzt»

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