Was sind eigentlich Snap-Layouts und Snap-Gruppen in Windows 11?

Eine der von Microsoft gefeierten Neue­rung im Betriebs­system ist die Möglich­keit, Fenster an­zuor­dnen und zu gruppieren. Ich erkläre, wie das funk­tioniert – und was fehlt, damit diese Funk­tionen all­tags­taug­lich wären.

In Windows 11 gibt es zwei mysteriöse neue Funktion, die beide irgendetwas mit einer fragwürdigen Eurodance-Kombo namens Snap! zu tun haben, die mit dem grottigen Song I’ve Got the Power 1989 einen internationalen Hit hatte¹.

Nein, Scherz. Die Euro-Gruppe hatte ein Ausrufezeichen im Namen, bei diesen beiden Funktionen namens Snap-Gruppen und Snap-Layouts gibt es das Ausrufezeichen nur in Form von marketingmässigen Übertreibungen. Microsoft stellt sie nämlich als produktivitätssteigernde Effizienz-Wunderwaffe dar.

Da stellen sich zwei Fragen. Erstens: Worum handelt es sich? Und zweitens: Ist was dran an Microsofts Behauptungen?

Grundsätzlich geht es darum, zwei, drei oder noch mehr Fenster effizient nebeneinander anzuordnen. Microsoft will es vereinfachen, mit Anwendungen parallel zu arbeiten.

Fenster anzuordnen, war bisher harte Arbeit mit der Maus

Das scheint mir sinnvoll: Die freischwebenden Fenster, die wir seit den Anfängen der Desktop-Betriebssysteme kennen, sind ohne Zweifel sehr flexibel. Aber die Arbeit mit ihnen artet leicht in mühsames Hantieren mit der Maus aus. Früher musste man Fenster mit der Maus manuell auf eine bestimmte Grösse ziehen und nebeneinander platzieren, um sie in Gänze im Blick zu haben.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat Microsoft schon mit Windows 10 gemacht. Wenn man bei gedrückter Windows-Taste (⊞) zusammen mit der Pfeiltaste  → oder ← betätigt, springt das Fenster im Vordergrund in die linke bzw. rechte Bildschirmhälfte. Mit ⊞ ↑  zeigt sich das Fenster in der oberen Bildschirmhälfte und mit ⊞ ↓ springt es nach unten. Wenn man dann ⊞ ↓ nochmals drückt, dann wird das Fenster minimiert und mit ⊞ ↑ wiederhergestellt.

Man kann den gleichen Effekt auch erzielen, indem man das Fenster mit der Maus an einen der Bildschirmränder oder in eine Ecke zieht.

Wenn man ein Fenster auf diese Weise anordnet, zeigt Windows die anderen offenen Programme im freien Bereich an, sodass man bloss eins davon auswählen muss, um es dort einzufügen.

Nachdem der Firefox-Browser in die linke Fensterhälfte verschoben wurde, zeigt Windows die anderen offenen Programme an, damit man eines davon in der rechten Hälfte platzieren kann.

Die Grössenverhältnisse verändern

Die Fenster erscheinen dann nebeneinander, und wenn man den Mauszeiger auf den Bereich bewegt, wo sich die Ränder der beiden Fenster berühren, erscheint ein Doppelpfeil, den man bewegen kann. Tut man das, macht man das eine Fenster grösser, das andere gleichzeitig kleiner.

Nebenbei bemerkt funktioniert das fast identisch beim Multitasking am iPad. Das ist ein weiterer Beleg für meine These, dass sich Microsoft bei den Neuerungen in Windows in letzter Zeit stark an den Gewohnheiten der Smartphone- und Tablet-Nutzer orientiert (siehe dazu hier und hier).

Snap-Layouts (Andock-Layouts)

Wie erwähnt: Diese Funktion kennt man bereits aus Windows 10. Windows 11 treibt die Sache noch ein wenig weiter. Es gibt hier die sogenannten Snap-Layouts, die in einem Popup-Fensterchen angeboten werden, wenn man den Mauszeiger auf den Maximieren-Knopf in der rechten oberen Ecke eines Programmfensters bewegt.

Die Snap-Layouts (Andocklayouts), mit denen sich mehrere Fenster nebeneinander platzieren lassen.

Diese Snap-Layouts – in der deutschen Übersetzung von Windows etwas weniger prägnant Andocklayouts genannt – bestehen aus vorgefertigten Aufteilungen für zwei, drei oder vier Fenster, die in unterschiedlichen Grössenverhältnissen neben- und übereinander angeordnet werden. Man kennt diese Layouts schon von den Microsoft Powertoys, wo sie Fancy Zones heissen. Auch beim Mac kann man Fenster auf analoge Weise anordnen, nämlich mit Programmen wie Magnet oder Rectangle.

Snap-Gruppen (Andock-Gruppen)

Wenn man auf die beschriebene Weise zwei oder noch mehr Programme anordnet, entsteht eine Snap-Gruppe (deutsch offiziell: Andockgruppe). Über die kann man leicht zur Gruppe zurückwechseln, wenn man zwischendurch ein anderes Programm benutzt hat.

In der Vorschau der Taskleiste sieht man das Einzelprogramm sowie die Andockgruppe.

Das klappt über die Taskleiste: Wenn man dort den Mauszeiger auf ein Programm bewegt, das zu der Gruppe gehört, erscheint als Popup wie bisher ein Vorschau des Fensters und daneben eine Vorschau der ganzen Gruppe. Klickt man darauf, wird die Gruppe in den Vordergrund geholt.

Drei Tipps:

  • Ein Programm kann mit separaten Fenstern an mehreren Gruppen beteiligt sein: Es ist möglich, den Browser etwa mit dem Explorer und Word in einer Gruppe und mit der Notiz-App in einer zweiten Gruppe zu kombinieren.
  • Wenn man mit der rechten Maustaste auf die Gruppen-Vorschau klickt, erscheint ein Kontextmenü, über das man die Gruppe als ganzes minimieren, wiederherstellen und schliessen kann.
  • Es findet sich hier der Befehl Gruppeneinstellungen, der zur Rubrik System > Multitasking in den Windows-Einstellungen führt, wo man diverse Einstellungen zum Snap-Verhalten treffen kann.
Das Menü, das beim Rechtsklick auf eine Andockgruppe erscheint.

Das ist eine halbgare Sache

Bleibt, ein Fazit zu ziehen: Ich finde die Snap-Gruppen sinnvoll und ein überfälliges Zugeständnis an die vielen Windows-Benutzer mit riesigen Bildschirmen.

Die Umsetzung finde ich aber halbherzig. Mir ist ein Rätsel, wieso die Gruppen nur über die Taskleiste, nicht aber über den App-Switcher (auch Task Switcher oder App-Wechsler genannt) zugänglich sind. Wenn man AltTabulator drückt, erscheinen nur die einzelnen Fenster, aber nicht die Gruppen.

Man könnte sogar so weit gehen, dass die gruppierten Fenster als Einheit behandelt werden, bis man sie explizit trennt – beispielsweise, wenn man sie als Ganzes zwischen virtuellen oder realen Bildschirmen hin und her bewegen möchte. Und wieso nicht die Möglichkeit anbieten, für eine solche Snap-Gruppe eine Verknüpfung in der Taskleiste oder dem Startmenü anzulegen? Man könnte dann die häufig gemeinsam genutzten Programme mit einem Klick gleich in der gewünschten Anordnung starten.

Noch etwas: Für den Umgang mit vielen Fenstern wäre es sinnvoll, wenn Windows-Programme ihre Kinder-Fenster standardmässig als Reiter anzeigen würden. Wie nützlich das wäre, zeigte das Shareware-Programm Groupy schon vor Jahren (Warum kann Windows das nicht schon längst?).

Fussnoten

1) Wenn es denn sein muss: Hier das Video:

Beitragsbild: Wer andocken will, muss mit den dicken Seilen umgehen können – zumindest, wenn wenn ein Schiff mit im Spiel ist. Als Windows-Benutzer muss man fürs gleiche Manöver wissen, wie man mit seinen Fenstern umgeht (Berto Vazquez, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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