Identität ist dort, wo man sich gerade hochgeladen hat

Ein gelungenes Stück Sciencefiction mit einem hartgekochten Detektiven und Technik, die wir jetzt schon gerne hätten: «Hologrammatica» von Tom Hillenbrand.

Sosehr ich auch versuche, meine Bücher mithilfe von künstlichen Intelligenzen und klugen Algorithmen zu finden – siehe Eine neue Liebe finden – sosehr komme ich immer wieder zur Erkenntnis, dass nichts über die Tipps von Freunden gehen. So auch bei dem Werk, das ich euch heute näherbringe. Das ist eine Empfehlung meines Mitnerdfunkers Kevin Rechsteiner, der es in unserer Sendung Endlich Spass am Stubenhocken kurz vorgestellt hat.

In diese Zukunft würde ich mich sofort hochladen lassen.

Es heisst Hologrammatica (Amazon Affiliate) und stammt von Tom Hillenbrand. Weder das Buch noch der Autor war mir vorher geläufig. Schlecht zu fühlen brauche ich mich deswegen nicht, weil der Hillenbrand gemäss Wikipedia erst seit knapp neun Jahren fiktionale Werke schreibt. Der Erstling von 2011 war ein «kulinarischer Krimi», was nicht gerade meinem literarischen Beuteschema entspricht. Mit Siencefiction ging es 2014 los – und sechs Jahre Verzögerung bei der Entdeckung eines neuen Sterns am Firmament sind für einen Hobby-Kritiker vertretbar. Finde ich.

Also, zum Buch: Ich bin noch nicht ganz durch, doch ich mache mich trotzdem schon an die Rezension. Erstens, weil ich so nicht Gefahr laufe, unabsichtliche Spoiler von mir zu geben. Und zweitens, weil mir der Stil und die Geschichte so gut gefällt, dass ich jetzt schon weiss, dass selbst ein völlig missratenes Ende mir den Spass nicht (komplett) verderben würde. „Identität ist dort, wo man sich gerade hochgeladen hat“ weiterlesen

Das iPad Pro: Da ist noch Luft nach oben

Das iPad hat neulich seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Ich habe dazu ein paar Stimmen gesammelt, und ergänze an dieser Stelle gerne die differenzierte Analyse der Apple-Freaks des «Bits und so»-Podcasts: Die erinnern daran, in welcher Stimmung wir waren, als Steve Jobs vor zehn Jahren dieses magische Gerät angekündigt hat.

Und sie erwähnen zu Recht, dass wir uns damals mit einem Ding namens Netbooks herumgeschlagen mussten. Diese meist extrem untermotorisierten Laptops, die für ihren Zweck dann doch reichlich viel Gewicht und Bauhöhe mitbrachten, waren nicht die reine Freude. Auch darum hat das iPad – beziehungsweise der Slate, wie man diese neue Geräteklasse vor der Ankündigung Jobs‘ noch spekulativ bezeichnet hat – einen Nerv getroffen.

Das iPad hat diese Erwartungen nur ansatzweise erfüllt: Das finde ich, und auch die Podcaster von «Bits und so» sind, obwohl sie teils eingefleischte Nutzer sind, zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt.

Aber da man nicht bis in alle Ewigkeit auf seinen vorgefertigten Meinungen bestehen sollte, habe ich mir vorgenommen, auch einmal das iPad Pro einer kritischen Würdigung zu unterziehen. „Das iPad Pro: Da ist noch Luft nach oben“ weiterlesen

Ein Fazit nach bald fünf Jahren Apple Watch

Als im April 2015 die Apple Watch auf den Markt kam, war ich einer der ersten Tester. Ich war damals aber alles andere als begeistert. Apple hat es damals nicht geschafft, mich von der Notwendigkeit dieses Gadgets zu überzeugen.

Und noch schlimmer: Weil es die Uhr nicht nur mit vernünftiger Ausstattung in einem akzeptablen Preisrahmen gab, sondern auch in Gold mit einem fünfstelligen Preisschild, habe ich das als Auswuchs jener Börsen-Logik wahrgenommen, die mir ziemlich zuwider ist.

Diese Logik funktioniert so, dass öffentlich gehandelte Unternehmen zur Befriedigung der Aktionäre und Analysten zu einem konstanten Wachstum verdammt sind. Das wiederum hat zur Folge, dass die Unternehmen ständig in neue Märkte expandieren müssen.

Mit zwei unangenehmen Konsequenzen: „Ein Fazit nach bald fünf Jahren Apple Watch“ weiterlesen

Instagram und ich, wir haben uns nichts mehr zu sagen

Instagram? Das ist dieses Ding, wo Influencer im Reagenzglas gezüchtet und wie im Zoo gehalten werden. Wieso schreitet nicht schon längst die UN-Menschenrechtskommission ein?

Und nein, das ist nicht zu harsch formuliert. Genau so klingt es, wenn Zuneigung verraten und Liebe enttäuscht wird. Und genau das ist das Thema in diesem Beitrag hier: Um eine Beziehung, die über die Jahre immer mehr gelitten hat. Und bei der es an der Zeit ist, einen Schlussstrich zu ziehen.

Okay, den letzten Satz habe ich des Effekts wegen geschrieben. Ich werde mein Instagram-Konto (@mrclicko) nicht löschen. Aber ich halte fest, dass mir Instagram je länger je weniger geheuer ist und ich jedes Mal zusammenzucke, wenn die insidrige Kurzformel #insta an mein Ohr dringt (zum Beispiel von Sara Satir in diesem Podcast hier). Oder wenn einer von #instagold schwadroniert (zum Beispiel Olli Schulz in diesem Podcast hier).

Ja, vermutlich meint es der Schulz sogar ironisch. Doch ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis meine Schwiegermutter mich fragt, wie sie Influencerin für … äh, ihr bevorzugtes Themengebiet behalte ich aus Gründen jetzt für mich. „Instagram und ich, wir haben uns nichts mehr zu sagen“ weiterlesen

Parteien sind im digitalen Zeitalter überflüssig

Also, es kann nun sein, dass gleich alle auf mich einprügeln und mir abgrundtiefe Ignoranz vorwerfen werden. Abgesehen davon, dass mein Ego das verkraften müsste, wäre das gar nicht so schlimm: Dann hätten nämlich ein paar Leute über meine Idee nachgedacht und wahrscheinlich hätte dabei sogar ein Erkenntisgewinn herausgeschaut.

Also, es geht um Parteien. Und die Frage, ob es die in der digitalen Zeit überhaupt noch braucht. Die Digitalisierung bringt bekanntlich eine Disintermediation mit sich. Wikipedia erklärt dieses sperrige Wort mit der Wertschöpfungskette, bei der Stufen überflüssig werden. Ein Beispiel ist der Kleiderladen in der Stadt, der überflüssig wird, wenn man via Internet direkt beim Hersteller bestellt.

Es gibt noch viele andere Beispiele: Es braucht den Verlag nicht mehr, wenn ich als Autor mein Buch in elektronischer Form selbst bei Amazon veröffentliche. Disintermediation findet auch statt, wenn ein Musiker seine Songs direkt bei Spotify reinstellt. Oder wenn ich auf die Dienste des Bankenwesens verzichte und all meinen Kram nur noch via Bitcoin kaufe. Und auch ein Podcast oder ein Blog ist Disintermediation: Der Autor richtet sich direkt an sein  Publikum, ohne dass ein Medienhaus die Finger dazwischenhält.

Also, warum keine Disintermediation in der Politik? „Parteien sind im digitalen Zeitalter überflüssig“ weiterlesen

Zum Glück gibt es etwas Besseres als WinAmp

Im Beitrag Der Windows Media Player müffelt gewaltig ging es darum, dass Windows multimedia-mässig nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Ich habe mir daraufhin vorgenommen, ein paar Musik-Apps zu testen. Den Anfang machen wollte ich mit WinAmp. Die alten Säcke – also Leute, mit einem ähnlichen Jahrgang wie ich – werden sich erinnern: Das ist ein Musikplayer, der mit Windows 95 gross geworden ist. Er kam 1997 zum ersten Mal heraus und passt damit auch bestens in meine Die Oldtimer im Softwarebereich-Liste.

WinAmp? Danke, kann weg.

Nun ist aus diesem Unterfangen leider nichts geworden. Ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen, mich ausgiebig mit diesem Produkt abzugeben. Es sieht dafür einfach zu sehr nach 1990er-Jahre aus: Dieser Skeuomorphismus! Dieses mit unzähligen Funktionen vollgestopfte Programmfenster. Die winzige Schrift. Die heute nun wirklich nicht mehr so tollen Vizualisations.

Und obendrein diese hässlichen Anachronismen – wie zum Beispiel, dass der Internet Explorer als Reiter im Media Library-Fenster integriert ist. Ja, der Internet Explorer!

Es tut mir leid, aber WinAmp gehört leider auf den Müllhaufen der Software-Geschichte. Bleibt die Frage: Gibt es eine moderne Antwort auf die Frage, wie man Musik aus einer lokalen Musikbibliothek stilvoll an seinem PC abspielt?

Zum Glück gibt es die. „Zum Glück gibt es etwas Besseres als WinAmp“ weiterlesen

Ueli oder Keypirinha?

Im Beitrag Ueli, der Windows-Knecht habe ich ein Programm nicht nur für Windows, sondern auch für den Mac vorgestellt, mit dem man via Tastatur Programme starten, Websites aufrufen und viele Dinge mehr tun kann.

Nun hat sich gezeigt, dass diese Empfehlung bei den eingefleischten Tastaturakrobaten nur auf ein müdes Lächeln stiess. Auf Facebook schrieb einer meiner Freunde: «Hach, Quicksilver war noch viel cooler als Alfred… aber kuck mal Keypirinha an.»

Alfred ist ein Tastatur-Launcher für den Mac, den ich hier vorgestellt hatte. Quicksilver ebenso – und obwohl es in der Vergangenheitsform erwähnt wird, scheint es noch immer zu existieren. Die Entwicklung schreitet zwar nicht rasant voran und dass auf der Homepage als Beispiel iPhoto herhalten muss, wirft schon die Frage auf, ob dieses Projekt noch lebt.

Aber ein bisschen was tut sich noch: Letztes Jahr hat der Entwickler noch Unterstützung für die Touchbar eingebaut. Damit wäre das Programm ein heisser Kandidat für Leute, die noch immer gewillt sind, etwas mehr aus ihrer Touchbar herauszuholen. Wie im Beitrag Touchbar-Schabernack beschrieben, wird diese Apple-Errungenschaft vor allem für Unfug, nicht aber für produktive Zwecke genutzt.

Aber heute soll es um die zweite Empfehlung gehen: „Ueli oder Keypirinha?“ weiterlesen

Hier scheint die Sonne (aus der Bildbearbeitung)

Seit dem letzten Beitrag in meiner grossen RAW-Entwickler-Reihe ist ein bisschen Zeit vergangen. Im April habe ich mich um Pixelmator Photo gekümmert. Heute ergibt sich eine gute Gelegenheit, die Reihe fortzusetzen.

Vor Kurzem ist nämlich die Version 4 von Luminar erschienen. Das ist eine Software, die es für Windows und Mac gibt – ab 79 Euro. Sie sei die «erste zweckbasierte und nicht werkzeugbasierte Fotobearbeitung», schreibt der Hersteller. Das klingt gut – aber auch ein bisschen nach einer Marketingphrase. Denn natürlich ist jede Bildbearbeitung zweckbasiert – es ist einfach so, dass man dem Nutzer die Entscheidung die Entscheidung nicht abnehmen sollte, welchen Zweck er verfolgt und welches Werkzeug er dazu benötigt.

Jedenfalls setzt Luminar auch auf künstliche Intelligenz – was auch andere tun, erfahrungsgemäss mit durchwachsenem Resultat.

Eine der wesentlicheren Fragen ist, ob Luminar auch als Ersatz für Lightroom dienen kann. Denn um die ging es in meiner Reihe zu den RAW-Entwicklern, die ich hier vorgestellt habe. Die Antwort darauf ist kein Ja oder Nein, sondern sie hängt von den Ansprüchen ab. „Hier scheint die Sonne (aus der Bildbearbeitung)“ weiterlesen

Ihr habt mich bekehrt

Ich habe neulich zweimal über Editoren geschrieben: Über Sublime Text und dann über Notepad++, mit speziellem Augenmerk auf Markdown. Beide Male haben mir insgesamt mindestens fünf LeserInnen geschrieben, ich solle mir doch Visual Studio Code (VSC) ansehen (hier etwa die Empfehlung von Manuel). Dieser Editor stammt von Microsoft, ist quelloffen und nicht nur für Windows, sondern auch für Mac und Linux zu haben.

Da kann ich natürlich gar nicht anders, als diese Empfehlung aufzugreifen. Erstens ist es per se bemerkenswert, wenn sich Microsoft für Open-Source und Linux einsetzt. (Für mich wirkt es noch immer kontraintuitiv, ein solches Programm vor der Nase zu haben – auch wenn ich natürlich weiss, dass Microsofts Engangement inzwischen Jahre zurückreicht. Schon vor zehn Jahren war es Thema in Digitalk 84. Und hier habe ich die Linux-Möglichkeiten in Windows vorgestellt.)

Zweitens wäre das Programm eine interessante Wahl, weil es für alle wichtigen Plattformen zur Verfügung steht – und obendrein einen ansprechenden Eindruck erweckt. Stellt sich also die Frage: Löst Microsoft alle meine Probleme? „Ihr habt mich bekehrt“ weiterlesen

Linux-Express statt Windows-Schneckenpost

Meine Mutter hat sich neulich einen neuen Laptop gekauft: Modell Plastikbomber von Acer. Der ist mit einer schon ziemlich veralteten Version von Windows 10 ausgestattet. Und die macht leider keinen Spass.

Die Geschwindigkeit ist erträglich, so lange man kein Anwendungsprogramm ausführt. Doch sobald man ein Programm startet, verwandelt sich der Plastikbomber in eine Schnecke, die obendrein unter Kriech-Lahmheit leidet. Man fragt sich unweigerlich, wie Acer guten Gewissens ein solches Gerät zum Verkauf anbieten kann.

Ich habe es mit den üblichen Massnahmen versucht: Analyse mit dem Taskmanager, Selbststarter abschalten und Dienste deaktivieren. Geholfen hat es fast nichts. Im Taskmanager war auch so noch eine viel zu grosse Grundlast zu beobachten. Und die Festplatte (leider keine SSD) war auch ständig am Rödeln.

An der Stelle ist offensichtlich: Dieser (2019 gekaufte) Laptop ist Windows 10 nicht gewachsen. „Linux-Express statt Windows-Schneckenpost“ weiterlesen