Hier scheint die Sonne (aus der Bildbearbeitung)

Seit dem letzten Beitrag in meiner grossen RAW-Entwickler-Reihe ist ein bisschen Zeit vergangen. Im April habe ich mich um Pixelmator Photo gekümmert. Heute ergibt sich eine gute Gelegenheit, die Reihe fortzusetzen.

Vor Kurzem ist nämlich die Version 4 von Luminar erschienen. Das ist eine Software, die es für Windows und Mac gibt – ab 79 Euro. Sie sei die «erste zweckbasierte und nicht werkzeugbasierte Fotobearbeitung», schreibt der Hersteller. Das klingt gut – aber auch ein bisschen nach einer Marketingphrase. Denn natürlich ist jede Bildbearbeitung zweckbasiert – es ist einfach so, dass man dem Nutzer die Entscheidung die Entscheidung nicht abnehmen sollte, welchen Zweck er verfolgt und welches Werkzeug er dazu benötigt.

Jedenfalls setzt Luminar auch auf künstliche Intelligenz – was auch andere tun, erfahrungsgemäss mit durchwachsenem Resultat.

Eine der wesentlicheren Fragen ist, ob Luminar auch als Ersatz für Lightroom dienen kann. Denn um die ging es in meiner Reihe zu den RAW-Entwicklern, die ich hier vorgestellt habe. Die Antwort darauf ist kein Ja oder Nein, sondern sie hängt von den Ansprüchen ab. „Hier scheint die Sonne (aus der Bildbearbeitung)“ weiterlesen

Ihr habt mich bekehrt

Ich habe neulich zweimal über Editoren geschrieben: Über Sublime Text und dann über Notepad++, mit speziellem Augenmerk auf Markdown. Beide Male haben mir insgesamt mindestens fünf LeserInnen geschrieben, ich solle mir doch Visual Studio Code (VSC) ansehen (hier etwa die Empfehlung von Manuel). Dieser Editor stammt von Microsoft, ist quelloffen und nicht nur für Windows, sondern auch für Mac und Linux zu haben.

Da kann ich natürlich gar nicht anders, als diese Empfehlung aufzugreifen. Erstens ist es per se bemerkenswert, wenn sich Microsoft für Open-Source und Linux einsetzt. (Für mich wirkt es noch immer kontraintuitiv, ein solches Programm vor der Nase zu haben – auch wenn ich natürlich weiss, dass Microsofts Engangement inzwischen Jahre zurückreicht. Schon vor zehn Jahren war es Thema in Digitalk 84. Und hier habe ich die Linux-Möglichkeiten in Windows vorgestellt.)

Zweitens wäre das Programm eine interessante Wahl, weil es für alle wichtigen Plattformen zur Verfügung steht – und obendrein einen ansprechenden Eindruck erweckt. Stellt sich also die Frage: Löst Microsoft alle meine Probleme? „Ihr habt mich bekehrt“ weiterlesen

Linux-Express statt Windows-Schneckenpost

Meine Mutter hat sich neulich einen neuen Laptop gekauft: Modell Plastikbomber von Acer. Der ist mit einer schon ziemlich veralteten Version von Windows 10 ausgestattet. Und die macht leider keinen Spass.

Die Geschwindigkeit ist erträglich, so lange man kein Anwendungsprogramm ausführt. Doch sobald man ein Programm startet, verwandelt sich der Plastikbomber in eine Schnecke, die obendrein unter Kriech-Lahmheit leidet. Man fragt sich unweigerlich, wie Acer guten Gewissens ein solches Gerät zum Verkauf anbieten kann.

Ich habe es mit den üblichen Massnahmen versucht: Analyse mit dem Taskmanager, Selbststarter abschalten und Dienste deaktivieren. Geholfen hat es fast nichts. Im Taskmanager war auch so noch eine viel zu grosse Grundlast zu beobachten. Und die Festplatte (leider keine SSD) war auch ständig am Rödeln.

An der Stelle ist offensichtlich: Dieser (2019 gekaufte) Laptop ist Windows 10 nicht gewachsen. „Linux-Express statt Windows-Schneckenpost“ weiterlesen

Sublime Text: Viele Stärke und eine unverzeihliche Schwäche

Wenn man Mac OS 10.15 alias Catalina installiert, müssen die Programme mit 32-bit-Architektur über die Klippe springen. Auf meinem Macbook hat es einige altgediente Programme erwischt, die ich jetzt ersetzen muss – was immerhin einige Beiträge hier im Blog abwirft.

Eines der auf der Strecke gebliebenen Programme ist Text Wrangler. Das ist der Texteditor, den ich auf dem Mac seit Jahren benutze. Ich schätze ihn, weil er mit Apple Script kooperiert und deswegen gut für Automatisierungsaufgaben geeignet ist. Im Beitrag  Wegen Dingen wie AppleScript habe ich Apple noch nicht abgeschrieben habe ich ein solches Projekt beschrieben: Ich exportiere die Textelemente aus meinen Final-Cut-Projekten, damit sie im Korrektorat gegengelesen werden können.

Wenn man nach einer 64-bit-Variante sucht, dann wird einem vom Hersteller beschieden, es gebe das Programm nicht mehr. Man solle stattdessen auf BBEdit umsteigen. Was ich nicht getan habe. Mir gefällt die Optik nicht sonderlich gut und mir ist der Preis von 50 US-Dollar zu hoch.

Darum benötige ich eine Alternative. Am liebsten wäre mir, es gäbe Notepad++ für den Mac. Doch dieser Wunsch wurde bislang nicht erhört. Darum ist an dieser Stelle der Moment gekommen, Sublime Text anzusehen. Das ist einer der populärsten Editoren überhaupt. Und den gibt es für Windows und Mac. „Sublime Text: Viele Stärke und eine unverzeihliche Schwäche“ weiterlesen

So donnert das Mail!

Nach meiner ausführlichen Aktion mit dem Test von vier Mailprogrammen (Mailbird, Em Client, Mailspring und The Bat!) bin ich zum Schluss gekommen, dass die naheliegende Alternative zum Handkuss kommt: Mozilla Thunderbird.

Das ist leider überhaupt nicht originell. Aber manchmal bringt es nichts, auf Teufel komm raus originell sein zu wollen. Denn auch die Schwarmintelligenz sagt, dass Thunderbird die beste Wahl ist. Bei Alternativeto.net hat Mozillas Mailprogramm mit Abstand die meisten Likes (1912).

Beim Wechsel des Mailprogramms stellt sich üblicherweise ein Problem. Nämlich das der Datenübernahme. Es gibt zwar gewisse Standards für die Mailablage (Mbox, Maildir bzw. Eml). Aber typischerweise betreibt jedes Programm seinen proprietären Wildwuchs. Man kann auf eine Import- oder Exportfunktion hoffen oder ein Übersetzungsprogramm nutzen (ich empfehle jeweils Mailstore, siehe Vier Tricks fürs altehrwürdige E-Mail). „So donnert das Mail!“ weiterlesen

Die fette, hässliche Mailfledermaus

Neulich habe ich ein Video gemacht, in dem es um Programme ging, die mehr als zwanzig Jahre alt sind und die man heute noch problemlos benutzen kann. The Bat! hätte ausgezeichnet in diese Sammlung gepasst: Laut Wikipedia gibt es dieses Mailprogramm schon seit 1997.

Bei dem Video habe ich es ausgelassen. Dafür bekommt das Mailprogramm nun eine separate Besprechung. Und zwar in der Reihe mit Mailbird, Em Client und Mailspring. Denn ein Leser hier im Blog hat es mir in einem Kommentar empfohlen. Woraufhin mir eingefallen ist, dass ich es schon einmal vorgestellt hatte. Nämlich am 27. August 2001 als «Tipp der Woche» mit dem Titel «Die Fledermaus bringt Netzpost».

Damals hatte The Bat! Funktionen, die man anderweitig vergebens gesucht hat. Ich habe sie in meinem Artikel aufgezählt:

Zum Beispiel die Funktion, mit der man grosse Mails direkt vom Server löschen konnte, ohne dass man sie erst herunterladen musste. Denn man erinnere sich: Anfang der Nullerjahre wurde Spam zum enormen Problem. Und es gab Viren wie Loveletter-/Iloveyou, die enorme Mailmengen generiert haben. Tausende von Mails via Modemverbindung herunterzuladen, war eine Plage. Das war es eine riesige Erleichterung, den digitalen Müll direkt auf dem Server zu löschen. Denn was es (standardmässig) auch noch nicht gab, war Webmail. „Die fette, hässliche Mailfledermaus“ weiterlesen

Das eierlegende Wollmilchsau-Grafikprogramm

IrfanView ist eines jener Programme, das ich schon seit immer benutze – und damit ähnlich wichtig ist wie 7-Zip, Synchronizier oder PhraseExpress. Erwähnt habe ich das Programm en passant immer mal wieder. Zum Beispiel im Beitrag Wie man Digitalfotos händisch sortiert, der zu den beliebtesten Tipps und Tricks dieses Blogs gehört. Oder hier im Beitrag Das dreckige Dreifachdutzend, den ich auch mal wieder aufdatieren könnte. Doch heute ist es mir einen separaten, ausführliche Beitrag wert.

Also, IrfanView: Es gibt diesen Shareware-Klassiker seit 1996 als normalen Download und inzwischen auch im Windows-Store.

Ich nutze ihn seit mindestens 1997, wie mir ein Blick in meine Artikel-Datenbank verraten hat. Im Dezember 1997 habe ich in einem Artikel zu zwei Digitalkameras (Olympus C-1000L mit 850 Kilopixeln Auflösung und Agfa ePhoto 1280 mit 810 Kilopixeln) habe ich das Programm wie folgt erwähnt: „Das eierlegende Wollmilchsau-Grafikprogramm“ weiterlesen

Die Zukunft des Internets. Und der Welt

Neulich habe ich mich über den Medienwandel bei der Fotografie ausgelassen: So geht die Fotografie den Bach hinunter, war meine Erkenntnis. Kurz zusammengefasst: Fotos sind heute Massenware. Das führt zu einem Preiszerfall. Und eine Folge ist auch, dass die Wertschätzung verloren gegangen ist.

Ein bisschen wie im Journalismus. Allerdings noch drastischer, weil den Fotografen nicht nur das Internet zu schaffen macht, sondern auch der technische Fortschritt bei der Hardware. Denn um als Blogger einem gestandenen Medium die Leser abzujagen, muss man einigermassen geradeaus schreiben können.

Pressefotograf, oder «Leserreporter», wie man sie auch gerne nennt, kann jeder werden, der ein Smartphone im Sack hat. Also wirklich jeder. Er muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und sein Gerät einigermassen in die richtige Richtung halten – und er sollte nicht vergessen, auf den Aufnahmeknopf zu drücken. Das Resultat sieht man dann in der «Tagesschau». Bei spektakulären Ereignissen auch gerne mal als hochkant gefilmtes Video.

So weit die kulturpessimistische Tirade. Marc hat bei Facebook einen interessanten Kommentar dazu gemacht. Nämlich folgenden: „Die Zukunft des Internets. Und der Welt“ weiterlesen

So langsam freunde ich mich mit Systemkameras an

Manchmal tun Blogger und Journalisten den Leuten Unrecht. Heute wäre das um ein Haar passiert. Ich wollte nämlich über die App Wireless Mobile Utility von Nikon (gratis fürs iPhone und Android, aber bitte nicht herunterladen!) herziehen. Die ist dazu da, um Bilder von einer Nikon-Kamera mit WLAN herunterzuladen. Ich habe nämlich im Moment die Nikon Z6 zu Hause, über die an dieser Stelle auch noch ein paar Worte zu verlieren wären. Aber zuerst muss ich die schöne Anekdote fertig machen, die ich hier angefangen habe und die den hehren Zweck verfolgt, auf den Unzulänglichkeiten des Apple App Store herumzureiten.

Also diese App von Nikon, die kurz auch WMU genannt wird: Sie sieht so aus, als ob sie im letzten Jahrtausend entwickelt worden wäre. Und sie macht Unfug: Da hat man eine Kamera, die Bilder mit beeindruckenden 24,5 Megapixeln macht. Und was tut diese App? Sie weiss nichts Besseres, als Fotos auf 300 bis 500 KB herunterzurechnen. Sie überträgt auch keine RAW-Dateien und keine Videos. Da platzt nicht nur mir die Hutschnur, sondern auch vielen anderen Anwendern, wie man in den Kommentaren sieht.

Das Problem liegt allerdings daran, dass ich die falsche App genommen habe. „So langsam freunde ich mich mit Systemkameras an“ weiterlesen

Dieses Blog ist am Ende (Teil 2)

Gestern habe ich hier dargelegt, warum dieses Blog an einem Scheideweg angekommen ist. Das CMS, das ich verwende, wurde offiziell für tot erklärt. Es kann zwar noch ein bisschen weitergehen – aber nicht mehr allzu lange. Ich muss mir Gedanken machen, ob ich auch mein Blog hier einfach sterben lasse – oder welche Alternativen es gäbe. Das mache ich, wie es sich für einen richtigen Blogger gehört, öffentlich. Und ihr dürft gerne mitdiskutieren. Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen und Anregungen. Ich weiss, dass viele von euch sich besser mit Content-Management-Systemen, Webdesign und diesen Dingen auskennen, als ich das tue – und ich darum einiges lernen kann, was meine Optionen angeht. Darum lasst es mich via Kommentare wissen, wenn euch etwas einfällt, woran ich nicht gedacht habe.

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Migration sei die Mutter aller Probleme, hat er gesagt. In diesem speziellen Fall hat er noch nicht einmal Unrecht. (Bild: Michael Panse mit Parteitag (43)/Flickr.com, CC BY-ND 2.0)

Also, ich werde an dieser Stelle die Möglichkeiten einer Migration erörtern. Denn damit wären alle Probleme gelöst: Alle Inhalte wandern von Flatpress in ein neues CMS und fertig. Ich mache weiter wie gehabt – bis ich an Altersschwäche von meinem Blogger-Hocker falle.

Doch geht das wirklich so einfach? Zweifel sind angebracht, weil Content-Management-Systeme sehr oft Silos sind: Man bekommt Inhalte, wenn sie einmal drinstecken, kaum mehr heraus – jedenfalls nicht so, dass man sie andernorts einfach weiterverwenden könnte. Und 2100 Beiträge von Hand transferieren – das kommt nicht in Frage.
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