Parteien sind im digitalen Zeitalter überflüssig

Also, es kann nun sein, dass gleich alle auf mich einprügeln und mir abgrundtiefe Ignoranz vorwerfen werden. Abgesehen davon, dass mein Ego das verkraften müsste, wäre das gar nicht so schlimm: Dann hätten nämlich ein paar Leute über meine Idee nachgedacht und wahrscheinlich hätte dabei sogar ein Erkenntisgewinn herausgeschaut.

Also, es geht um Parteien. Und die Frage, ob es die in der digitalen Zeit überhaupt noch braucht. Die Digitalisierung bringt bekanntlich eine Disintermediation mit sich. Wikipedia erklärt dieses sperrige Wort mit der Wertschöpfungskette, bei der Stufen überflüssig werden. Ein Beispiel ist der Kleiderladen in der Stadt, der überflüssig wird, wenn man via Internet direkt beim Hersteller bestellt.

Es gibt noch viele andere Beispiele: Es braucht den Verlag nicht mehr, wenn ich als Autor mein Buch in elektronischer Form selbst bei Amazon veröffentliche. Disintermediation findet auch statt, wenn ein Musiker seine Songs direkt bei Spotify reinstellt. Oder wenn ich auf die Dienste des Bankenwesens verzichte und all meinen Kram nur noch via Bitcoin kaufe. Und auch ein Podcast oder ein Blog ist Disintermediation: Der Autor richtet sich direkt an sein  Publikum, ohne dass ein Medienhaus die Finger dazwischenhält.

Also, warum keine Disintermediation in der Politik? „Parteien sind im digitalen Zeitalter überflüssig“ weiterlesen

Zum Glück gibt es etwas Besseres als WinAmp

Im Beitrag Der Windows Media Player müffelt gewaltig ging es darum, dass Windows multimedia-mässig nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Ich habe mir daraufhin vorgenommen, ein paar Musik-Apps zu testen. Den Anfang machen wollte ich mit WinAmp. Die alten Säcke – also Leute, mit einem ähnlichen Jahrgang wie ich – werden sich erinnern: Das ist ein Musikplayer, der mit Windows 95 gross geworden ist. Er kam 1997 zum ersten Mal heraus und passt damit auch bestens in meine Die Oldtimer im Softwarebereich-Liste.

WinAmp? Danke, kann weg.

Nun ist aus diesem Unterfangen leider nichts geworden. Ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen, mich ausgiebig mit diesem Produkt abzugeben. Es sieht dafür einfach zu sehr nach 1990er-Jahre aus: Dieser Skeuomorphismus! Dieses mit unzähligen Funktionen vollgestopfte Programmfenster. Die winzige Schrift. Die heute nun wirklich nicht mehr so tollen Vizualisations.

Und obendrein diese hässlichen Anachronismen – wie zum Beispiel, dass der Internet Explorer als Reiter im Media Library-Fenster integriert ist. Ja, der Internet Explorer!

Es tut mir leid, aber WinAmp gehört leider auf den Müllhaufen der Software-Geschichte. Bleibt die Frage: Gibt es eine moderne Antwort auf die Frage, wie man Musik aus einer lokalen Musikbibliothek stilvoll an seinem PC abspielt?

Zum Glück gibt es die. „Zum Glück gibt es etwas Besseres als WinAmp“ weiterlesen

Ueli oder Keypirinha?

Im Beitrag Ueli, der Windows-Knecht habe ich ein Programm nicht nur für Windows, sondern auch für den Mac vorgestellt, mit dem man via Tastatur Programme starten, Websites aufrufen und viele Dinge mehr tun kann.

Nun hat sich gezeigt, dass diese Empfehlung bei den eingefleischten Tastaturakrobaten nur auf ein müdes Lächeln stiess. Auf Facebook schrieb einer meiner Freunde: «Hach, Quicksilver war noch viel cooler als Alfred… aber kuck mal Keypirinha an.»

Alfred ist ein Tastatur-Launcher für den Mac, den ich hier vorgestellt hatte. Quicksilver ebenso – und obwohl es in der Vergangenheitsform erwähnt wird, scheint es noch immer zu existieren. Die Entwicklung schreitet zwar nicht rasant voran und dass auf der Homepage als Beispiel iPhoto herhalten muss, wirft schon die Frage auf, ob dieses Projekt noch lebt.

Aber ein bisschen was tut sich noch: Letztes Jahr hat der Entwickler noch Unterstützung für die Touchbar eingebaut. Damit wäre das Programm ein heisser Kandidat für Leute, die noch immer gewillt sind, etwas mehr aus ihrer Touchbar herauszuholen. Wie im Beitrag Touchbar-Schabernack beschrieben, wird diese Apple-Errungenschaft vor allem für Unfug, nicht aber für produktive Zwecke genutzt.

Aber heute soll es um die zweite Empfehlung gehen: „Ueli oder Keypirinha?“ weiterlesen

Hier scheint die Sonne (aus der Bildbearbeitung)

Seit dem letzten Beitrag in meiner grossen RAW-Entwickler-Reihe ist ein bisschen Zeit vergangen. Im April habe ich mich um Pixelmator Photo gekümmert. Heute ergibt sich eine gute Gelegenheit, die Reihe fortzusetzen.

Vor Kurzem ist nämlich die Version 4 von Luminar erschienen. Das ist eine Software, die es für Windows und Mac gibt – ab 79 Euro. Sie sei die «erste zweckbasierte und nicht werkzeugbasierte Fotobearbeitung», schreibt der Hersteller. Das klingt gut – aber auch ein bisschen nach einer Marketingphrase. Denn natürlich ist jede Bildbearbeitung zweckbasiert – es ist einfach so, dass man dem Nutzer die Entscheidung die Entscheidung nicht abnehmen sollte, welchen Zweck er verfolgt und welches Werkzeug er dazu benötigt.

Jedenfalls setzt Luminar auch auf künstliche Intelligenz – was auch andere tun, erfahrungsgemäss mit durchwachsenem Resultat.

Eine der wesentlicheren Fragen ist, ob Luminar auch als Ersatz für Lightroom dienen kann. Denn um die ging es in meiner Reihe zu den RAW-Entwicklern, die ich hier vorgestellt habe. Die Antwort darauf ist kein Ja oder Nein, sondern sie hängt von den Ansprüchen ab. „Hier scheint die Sonne (aus der Bildbearbeitung)“ weiterlesen

Ihr habt mich bekehrt

Ich habe neulich zweimal über Editoren geschrieben: Über Sublime Text und dann über Notepad++, mit speziellem Augenmerk auf Markdown. Beide Male haben mir insgesamt mindestens fünf LeserInnen geschrieben, ich solle mir doch Visual Studio Code (VSC) ansehen (hier etwa die Empfehlung von Manuel). Dieser Editor stammt von Microsoft, ist quelloffen und nicht nur für Windows, sondern auch für Mac und Linux zu haben.

Da kann ich natürlich gar nicht anders, als diese Empfehlung aufzugreifen. Erstens ist es per se bemerkenswert, wenn sich Microsoft für Open-Source und Linux einsetzt. (Für mich wirkt es noch immer kontraintuitiv, ein solches Programm vor der Nase zu haben – auch wenn ich natürlich weiss, dass Microsofts Engangement inzwischen Jahre zurückreicht. Schon vor zehn Jahren war es Thema in Digitalk 84. Und hier habe ich die Linux-Möglichkeiten in Windows vorgestellt.)

Zweitens wäre das Programm eine interessante Wahl, weil es für alle wichtigen Plattformen zur Verfügung steht – und obendrein einen ansprechenden Eindruck erweckt. Stellt sich also die Frage: Löst Microsoft alle meine Probleme? „Ihr habt mich bekehrt“ weiterlesen

Linux-Express statt Windows-Schneckenpost

Meine Mutter hat sich neulich einen neuen Laptop gekauft: Modell Plastikbomber von Acer. Der ist mit einer schon ziemlich veralteten Version von Windows 10 ausgestattet. Und die macht leider keinen Spass.

Die Geschwindigkeit ist erträglich, so lange man kein Anwendungsprogramm ausführt. Doch sobald man ein Programm startet, verwandelt sich der Plastikbomber in eine Schnecke, die obendrein unter Kriech-Lahmheit leidet. Man fragt sich unweigerlich, wie Acer guten Gewissens ein solches Gerät zum Verkauf anbieten kann.

Ich habe es mit den üblichen Massnahmen versucht: Analyse mit dem Taskmanager, Selbststarter abschalten und Dienste deaktivieren. Geholfen hat es fast nichts. Im Taskmanager war auch so noch eine viel zu grosse Grundlast zu beobachten. Und die Festplatte (leider keine SSD) war auch ständig am Rödeln.

An der Stelle ist offensichtlich: Dieser (2019 gekaufte) Laptop ist Windows 10 nicht gewachsen. „Linux-Express statt Windows-Schneckenpost“ weiterlesen

Sublime Text: Viele Stärke und eine unverzeihliche Schwäche

Wenn man Mac OS 10.15 alias Catalina installiert, müssen die Programme mit 32-bit-Architektur über die Klippe springen. Auf meinem Macbook hat es einige altgediente Programme erwischt, die ich jetzt ersetzen muss – was immerhin einige Beiträge hier im Blog abwirft.

Eines der auf der Strecke gebliebenen Programme ist Text Wrangler. Das ist der Texteditor, den ich auf dem Mac seit Jahren benutze. Ich schätze ihn, weil er mit Apple Script kooperiert und deswegen gut für Automatisierungsaufgaben geeignet ist. Im Beitrag  Wegen Dingen wie AppleScript habe ich Apple noch nicht abgeschrieben habe ich ein solches Projekt beschrieben: Ich exportiere die Textelemente aus meinen Final-Cut-Projekten, damit sie im Korrektorat gegengelesen werden können.

Wenn man nach einer 64-bit-Variante sucht, dann wird einem vom Hersteller beschieden, es gebe das Programm nicht mehr. Man solle stattdessen auf BBEdit umsteigen. Was ich nicht getan habe. Mir gefällt die Optik nicht sonderlich gut und mir ist der Preis von 50 US-Dollar zu hoch.

Darum benötige ich eine Alternative. Am liebsten wäre mir, es gäbe Notepad++ für den Mac. Doch dieser Wunsch wurde bislang nicht erhört. Darum ist an dieser Stelle der Moment gekommen, Sublime Text anzusehen. Das ist einer der populärsten Editoren überhaupt. Und den gibt es für Windows und Mac. „Sublime Text: Viele Stärke und eine unverzeihliche Schwäche“ weiterlesen

So donnert das Mail!

Nach meiner ausführlichen Aktion mit dem Test von vier Mailprogrammen (Mailbird, Em Client, Mailspring und The Bat!) bin ich zum Schluss gekommen, dass die naheliegende Alternative zum Handkuss kommt: Mozilla Thunderbird.

Das ist leider überhaupt nicht originell. Aber manchmal bringt es nichts, auf Teufel komm raus originell sein zu wollen. Denn auch die Schwarmintelligenz sagt, dass Thunderbird die beste Wahl ist. Bei Alternativeto.net hat Mozillas Mailprogramm mit Abstand die meisten Likes (1912).

Beim Wechsel des Mailprogramms stellt sich üblicherweise ein Problem. Nämlich das der Datenübernahme. Es gibt zwar gewisse Standards für die Mailablage (Mbox, Maildir bzw. Eml). Aber typischerweise betreibt jedes Programm seinen proprietären Wildwuchs. Man kann auf eine Import- oder Exportfunktion hoffen oder ein Übersetzungsprogramm nutzen (ich empfehle jeweils Mailstore, siehe Vier Tricks fürs altehrwürdige E-Mail). „So donnert das Mail!“ weiterlesen

Die fette, hässliche Mailfledermaus

Neulich habe ich ein Video gemacht, in dem es um Programme ging, die mehr als zwanzig Jahre alt sind und die man heute noch problemlos benutzen kann. The Bat! hätte ausgezeichnet in diese Sammlung gepasst: Laut Wikipedia gibt es dieses Mailprogramm schon seit 1997.

Bei dem Video habe ich es ausgelassen. Dafür bekommt das Mailprogramm nun eine separate Besprechung. Und zwar in der Reihe mit Mailbird, Em Client und Mailspring. Denn ein Leser hier im Blog hat es mir in einem Kommentar empfohlen. Woraufhin mir eingefallen ist, dass ich es schon einmal vorgestellt hatte. Nämlich am 27. August 2001 als «Tipp der Woche» mit dem Titel «Die Fledermaus bringt Netzpost».

Damals hatte The Bat! Funktionen, die man anderweitig vergebens gesucht hat. Ich habe sie in meinem Artikel aufgezählt:

Zum Beispiel die Funktion, mit der man grosse Mails direkt vom Server löschen konnte, ohne dass man sie erst herunterladen musste. Denn man erinnere sich: Anfang der Nullerjahre wurde Spam zum enormen Problem. Und es gab Viren wie Loveletter-/Iloveyou, die enorme Mailmengen generiert haben. Tausende von Mails via Modemverbindung herunterzuladen, war eine Plage. Das war es eine riesige Erleichterung, den digitalen Müll direkt auf dem Server zu löschen. Denn was es (standardmässig) auch noch nicht gab, war Webmail. „Die fette, hässliche Mailfledermaus“ weiterlesen

Das eierlegende Wollmilchsau-Grafikprogramm

IrfanView ist eines jener Programme, das ich schon seit immer benutze – und damit ähnlich wichtig ist wie 7-Zip, Synchronizier oder PhraseExpress. Erwähnt habe ich das Programm en passant immer mal wieder. Zum Beispiel im Beitrag Wie man Digitalfotos händisch sortiert, der zu den beliebtesten Tipps und Tricks dieses Blogs gehört. Oder hier im Beitrag Das dreckige Dreifachdutzend, den ich auch mal wieder aufdatieren könnte. Doch heute ist es mir einen separaten, ausführliche Beitrag wert.

Also, IrfanView: Es gibt diesen Shareware-Klassiker seit 1996 als normalen Download und inzwischen auch im Windows-Store.

Ich nutze ihn seit mindestens 1997, wie mir ein Blick in meine Artikel-Datenbank verraten hat. Im Dezember 1997 habe ich in einem Artikel zu zwei Digitalkameras (Olympus C-1000L mit 850 Kilopixeln Auflösung und Agfa ePhoto 1280 mit 810 Kilopixeln) habe ich das Programm wie folgt erwähnt: „Das eierlegende Wollmilchsau-Grafikprogramm“ weiterlesen