Zappenduster und eiskalt

In «Blackout» malt sich Marc Elsberg aus, wie Europa von einem gross­flächi­gen, lang­an­dauern­den Strom­ausfall betrof­fen ist: Glaub­würdig – und gleich­wohl spannend und unter­halt­sam.

Ein beliebter Buchtitel. Auch Andreas Eschbach hat ihn schon benutzt.

Was würde passieren, wenn uns von einem Moment auf den nächsten das Internet abhandenkäme? Dieses Szenario führt die westliche Gesellschaft innert kürzester Zeit an den Rand des Abgrunds. Zumindest hat sich das Wolf Harlander im Buch «Systemfehler» so ausgemalt.

Dieses Buch habe ich kürzlich besprochen, und es hat mich auf den Geschmack gebracht. Was wäre die nächste Katastrophe, mit der ich mich auseinandersetzen könnte? Natürlich sollte sie noch verheerender sein als die vorherige. Denn man will sich schliesslich menschlich und als Leser weiterentwickeln.

Die Wahl lag auf der Hand: Es ist das Buch Blackout von Marc Elsberg.

Der Name des Autors war mir bislang nicht geläufig, was nur mit einem massiven Versagen zu erklären ist: „Zappenduster und eiskalt“ weiterlesen

Texte auf die atomare Methode bearbeiten

Atom liefert eine hervorragende Gelegenheit, dem angestammten Text- und Code-Editor untreu zu werden. Es gibt das Open-Source-Programm für alle Plattformen, und es ist enorm wandel- und ausbaubar.

Manche Entscheidungen sind schwierig. Wie zum Beispiel: Was soll ich beruflich machen? Soll ich heiraten und wenn ja, wen? Soll ich Kinder in die Welt setzen und welche politischen Überzeugungen passen zu mir?

Doch was soll ich sagen? Auf diese Fragen lässt sich eine Antwort finden – oder man wartet ab, bis sich die Sache von selbst ergibt. Eine Sache scheint mir aber nach wie vor fast unlösbar. Nämlich: Wie zum Teufel kommt man zu einem Texteditor, der alle Bedürfnisse wunschgemäss erfüllt und obendrein hübsch ausschaut?

Wenn man, wie ich, gleichzeitig mit Windows und Mac arbeitet, wird die Sache doppelt schwierig. Es gibt nur wenige Editoren für Text und Code, die es für beide Plattformen gibt und die für Plattformen gleich gut adaptiert sind. „Texte auf die atomare Methode bearbeiten“ weiterlesen

«Cell» ist das perfekte Buch für alle Mobiltelefon-Hasser

Stephen King hat ein techno­phobes Buch über unsere moder­nen Kommuni­kations­gewohn­heiten geschrieben. Das würde mich nicht stören – aber leider ist die Story nicht sonderlich gut.

Was für ein fulminanter Anfang! Clayton Riddell sitzt, nichts Böses ahnend, in einem Kaffee, während plötzlich das Pandämonium ausbricht: Um ihn herum fallen Leute tot um, beissen sich die Ohren ab, schlagen sich die Köpfe ein und verhalten sich so, als wären sie allesamt verrückt geworden.

Mit der Abschaltung von GSM hat sich das mit den Pulsen auch erledigt.

Und das sind sie. Zumindest jener Teil der Bevölkerung, der sein Mobiltelefon mit dabei hatte. Offenbar hat ein über das Netz verbreitetes Signal die kognitiven Funktionen der Teilnehmer ausgelöscht und eine Art animalisches Verhalten ausgelöst. Später sollte dieses Signal «Puls» genannt werden. Doch erst einmal sieht Clayton, der eigentlich Grund zum Feiern hätte, weil er  sein Comic «Dark Wanderer» einem Verlag verkaufen konnte, wie sich die Zivilisation von einem Moment auf den nächsten in Luft auflöst.

In seinem Buch Cell (Amazon Affiliate), in Deutsch Puls (Amazon Affiliate) kommt Stephen King untypisch schnell auf den Punkt: „«Cell» ist das perfekte Buch für alle Mobiltelefon-Hasser“ weiterlesen

Die Luca-App ist wirklich so schlimm, wie alle sagen

In Deutschland muss man sich beim Besuch von Restaurants und Kulturbetrieben oft mit der Luca-App einchecken. Die App steht aus Datenschutzgründen in der Kritik. Doch wie ich bei einem Selbstversuch herausgefunden habe, hat sie noch andere Probleme.

Einen grossen Teil meiner Sommerferien habe ich in Deutschland verbracht. Dabei bin ich nicht umhingekommen, die famose Luca-App zu verwenden. Also was bleibt mir anderes übrig, als eine Rezension über sie zu schreiben?

Die Luca-App (Android und iPhone) dient dem Contact-Tracing. Sie erfüllt einen ähnlichen Zweck wie die Swisscovid-App – mit einigen wesentlichen Unterschieden.

1) Check-in statt kontinuierliches Tracing

Eingecheckt. (Und zwar hier).

Der erste Unterschied besteht darin, dass die App kein konti­nuier­liches Contact-Tracing ermöglicht, sondern ein Check-in-System bei Lokalen, Bars und Clubs, aber auch in Museen und im Zoo.

Das wird auch in Deutschland in vielen Bundesländern für diverse Gelegenheiten wie den Besuch von Restaurants und Kulturstätten vorausgesetzt. Während die Swisscovid-App somit rein freiwillig ist, kommt man um Luca oft nicht herum.

2) Eine Privat-Initiative

Zweiter, entscheidender Unterschied: „Die Luca-App ist wirklich so schlimm, wie alle sagen“ weiterlesen

Wie wäre es, so plötzlich ganz ohne Internet?

Im Thriller «Systemfehler» von Wolf Harlander bringen Cyberterroristen das Internet zu Fall. Das Ende unserer Online-Gesellschaft ist eine unterhaltsame Angelegenheit – auch wenn das Buch ebenfalls einen Systemfehler aufweist.

Juhuu, ich bin Literatur-Influencer!

Zumindest vermute ich das, nachdem ich neulich unaufgefordert ein Rezensionsexemplar eines Buchs erhalten habe. Es handelt sich um das brandneue Werk von Wolf Harlander. Es läuft unter dem Titel Systemfehler, und es passt tatsächlich hervorragend in mein literarisches Beuteschema. Das spricht für die Pressearbeit des Rowohlt-Verlags. Und ich weiss das zu würdigen. Ich habe das Buch nämlich gelesen und schreibe nun auch gerne eine Besprechung für die Nerdliteratur-Rubrik hier im Blog.

Also, der Klappentext verspricht nichts weniger als die kommunikative Apokalypse: „Wie wäre es, so plötzlich ganz ohne Internet?“ weiterlesen

Neue Tugenden und ein alte Schwäche

PhraseExpress ist ein ausgeklügeltes Programm zur Textbausteinverwaltung, das selbst in Version 15 noch Verbesserungspotenzial auslotet. Allerdings bleibt auch ein dickes Manko erhalten.

Es gibt einige Programme, die für meine tägliche Arbeit unverzichtbar sind und die meine Produktivität massiv erhöhen. Eines dieser Softwareprodukte ist PhraseExpress.

Es handelt sich um eine Verwaltung von Textbausteinen, die man mittels Tastaturkürzeln oder über Texteingaben abruft. Ich habe das Programm hier im Blog schon des Öfteren erwähnt, weil es eben nicht nur simple Autokorrekturaufgaben übernimmt.

Nein, die Software eröffnet auch vielerlei Rationalisierungsmöglichkeiten: Sie erleichtert die Office-Korrespondenz, ist hervorragend geeignet, Supportanfragen  abzuwickeln und hilft Automatisierungsfans wie mir dabei, den Umgang mit Links und Fussnoten beim Bloggen zu vereinfachen¹. Und ich benutze PhraseExpress sogar fürs Googeln².

Doch so intensiv ich die Software auch nutze, war ich enorm Update-faul:  „Neue Tugenden und ein alte Schwäche“ weiterlesen

Das smarte Home macht Fortschritte – aber nicht schnell genug

Mit zwei neuen Wifi-Switches von Mystrom nimmt unser smartes Home Gestalt an. Auf der positiven Seite ist zu vermelden, dass die Inbetriebnahme einfacher geworden ist. Zu kritisieren bleibt, dass die Software Nachholbedarf hat.

Ich habe neulich zwei neue Wifi-Switches von Mystrom gekauft. Das sind Adapter, die man zwischen die Steckdose und ein beliebiges Elektrogerät klemmt, woraufhin man besagtes Gerät über die Mystrom-App, oder aber auch via Apple Homekit steuern kann. Ich habe den Switch im Detail im Beitrag Ein Quäntchen Smartheit fürs Eigenhome besprochen.

Zwei Dinge sind mir im Vergleich zum Vorgänger aufgefallen: „Das smarte Home macht Fortschritte – aber nicht schnell genug“ weiterlesen

Jetzt mal im Ernst: Heute bloggen nur noch die Ewiggestrigen – oder?

Noch ist nicht der letzte Blogger gestorben, doch dass die Blogosphäre implodiert ist, lässt sich nicht übersehen – und schuld sind nicht allein die sozialen Medien. Trotzdem: Eine Durchhalteparole.

Wenn man Wikipedia glauben darf, dann ist das Blogging ungefähr vor sechs Jahren gestorben. Im Beitrag zur Geschichte dieser publizistischen Disziplin heisst es im Abschnitt «2014 und danach»:

Die Entwicklung der sozialen Medien und die Geschwindigkeit, mit der auf gepostete Inhalte reagiert wird, führten zu zunehmenden Todesbescheinigungen, auch wenn anerkannt wurde, dass das, was danach kam, viel von der DNS der Idee aufgenommen hat.

Die Aussage wird noch weiter relativiert, indem der Wikipedia-Eintrag darauf hinweist, dass es noch immer beeindruckend viele Blogs gibt: Vor zwei Jahren seien ungefähr 500 Millionen gezählt worden. Man könnte nun endlos darüber streiten, wie akkurat eine solche Zahl und wie gross ihre Aussagekraft ist, wenn beispielsweise viele Blogs vernachlässigt vor sich hindümpeln und der Elan ihres Bloggers vielleicht noch zweimal im Jahr aufflammt.

Tot nicht – aber nicht mehr relevant

Meines Erachtens zeigt das vor allem, dass die Frage, ob Blogs nun tot sind oder nicht, nicht zu beantworten ist. Sie lässt auch eine wichtige medienwissenschaftliche Erkenntnis ausser Acht, nämlich das Rieplsche Gesetz„Jetzt mal im Ernst: Heute bloggen nur noch die Ewiggestrigen – oder?“ weiterlesen

Eine Begegnung der ganz anderen Art

Ich mache etwas, das man als Science­fiction­literatur­kritiker nie tun sollte: Ich lobe ein Buch vor der letzten Seite. Aber «Project Hail Mary» von Andy Weir ist eine so grossartige Geschichte, dass ich nicht anders kann.

Andy Weir hat mit «The Martian» ein Buch abgeliefert, das mich 2014 in atemloser Spannung gehalten hat: Mark Watney bleibt während einer abrupt abgebrochenen Marsmission alleine auf dem roten Planeten zurück und kämpft mit wissenschaftlicher List um sein Überleben und seine Rückkehr. Sein nächstes Buch spielte auf dem Mond, hatte eine Frau (Jasmine «Jazz» Bashara) als Heldin und erreichte nicht mehr ganz die Flughöhe des Vorgängers – war aber nichtsdestotrotz ein erfreuliches Stück Sciencefiction-Literatur.

Ein Höllenfahrtskommando!

Und jetzt Project Hail Mary, zu Deutsch Der Astronaut. Das ist nun ein ful­minan­tes Science­fic­tion-Aben­teuer, das alles hat, was man sich wünscht. Ich gehe so weit, es noch höher zu hängen als «The Martian» – und ich würde mein Taschengeld von den nächsten fünf Jahren darauf verwetten, dass die Welt nicht lange auf eine Verfilmung wird warten müssen¹.

Also, ohne Spoiler und ohne Umschweife mein Fazit, das auf eine vorbehaltlose Lese- bzw. Hörempfehlung hinausläuft. Die Geschichte hat gewisse Ähnlichkeiten mit «The Martian», sodass ich am Anfang gewisse Befürchtungen hatte, der Autor hätte sich dazu hinreissen lassen, das Erfolgsrezept seines ersten Buchs zu kopieren.

Doch diese Befürchtung zerstreut sich bereits nach ein paar Kapiteln: „Eine Begegnung der ganz anderen Art“ weiterlesen

Sechs Dauerbrenner, drei Todesfälle, elf Verstossene und eine Abbitte

Vor bald einem Jahrzehnt habe ich meine Lieblingspodcasts gekürt. Jetzt komme ich auf meine damaligen Empfehlungen zurück und sage, welche sich bestätigt haben, welche nicht – und wo ich so falsch lag, dass ich mich heute entschuldigen muss.

Beitragsbild: Dick DeBartolo und Leo Laporte bei der Aufzeichnung des Podcasts «The Daily Giz Wiz» anlässlich der Eröffnung der Twit Brickhouse Studios in Petaluma, Kalifornien, am 24. Juli 2011 (Pax Ahimsa Gethen/Wikimedia, CC BY-SA 4.0).

Blogs sind etwas Tolles. Das gilt allgemein, aber es trifft speziell auch auf dieses Blog hier zu. Das schreibe ich ganz unbescheiden, auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass der Nutzen für mich selbst grösser ist als für die Allgemein- oder gar die Menschheit.

Also, es gibt einen bestimmten Grund, warum ich mein Blog gerade so toll finde. Ich habe nämlich den Beitrag Durchlauferhitzer für Podcasts wiederentdeckt. In dem habe ich im Dezember 2013 die Podcasts aufgezählt, die ich damals abonniert hatte. Das erlaubt es mir nun, ein bisschen persönliche Geschichtsschreibung zu betreiben: Welche Podcasts von dieser Auswahl höre ich noch immer? Welche sind auf der Strecke geblieben?

Die Erkenntnisse sind durchaus interessant. Zumindest für mich – und vielleicht auch für andere langjährige Podcastfans: „Sechs Dauerbrenner, drei Todesfälle, elf Verstossene und eine Abbitte“ weiterlesen