Tastenakrobatik fürs Web

Es ist mir etwas peinlich, aber diese Erkenntnis hier habe ich Facebook zu verdanken. Das soziale Netzwerk, das in vielen Leute unsoziale Neigungen fördert, hat mich auf eine nützliche Funktion aufmerksam gemacht. Ich wusste, dass die bei vielen Websites da ist – aber ich habe die Nutzung noch nicht so richtig verinnerlicht. Dabei spart man mit ihr Zeit und kommt als echter Power-User rüber. (Auch wenn echte Power-User ihre Zeit wahrscheinlich nicht auf Facebook verplempern.)

Es geht um die Tastaturkürzel. Sie sind bei «richtigen» Anwendungen nützlich, und es gibt sie immer öfters auch bei Webseiten. Facebook zeigt in einer (nicht immer sichtbaren) Fussleiste ein kleines Symbol an, über das man eine Übersicht der vorhandenen Kürzel abrufen kann. Es geht aber auch per Tastaturkürzel: Das ? bringt (meistens, aber jetzt, wo ich den Beitrag schreibe, gerade nicht) ein Overlay mit allen Kürzeln zum Vorschein. Die Kürzel funktionieren aber trotzdem: j springt zum nächsten Post, k zum vorherigen. Mit Enter öffnet man die Meldung. Mit p schreibt man einen neuen Erguss Beitrag. Mit l fügt man ein Like hinzu, mit c einen Kommentar. Und das s ist für Share.

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Tricks fürs Jagen und Sammeln im Web

Die Browser wandeln sich. Wenn wir uns zurück erinnern, wie sie früher ausgesehen haben, dann packt uns das nackte Grauen. Naja, mich wenigstens. Andere werden vielleicht sentimental – denn es gibt Leute, die Anstrengungen unternehmen, damit «Windows 10 im XP-Look erstrahlt» (echt jetzt, «PC-Tippp»?!)

Allerdings bleiben gewisse Funktionen unangetastet. Zum Beispiel die Lesezeichen, neudeutsch Bookmarks. Die gibt es, seit es Browser gibt. Doch meine Theorie ist, dass sie selten genutzt werden – zugegeben, die Theorie basiert auf anekdotische Evidenz, wobei ich mich auf mich selbst berufe.

Mit anderen Worten: Ich nutze kaum mehr Lesezeichen; und ich erkläre im Video hier auch, weshalb das so ist: „Tricks fürs Jagen und Sammeln im Web“ weiterlesen

Container für Webseiten

Firefox hat neuerdings die Erweiterung Multi-Account Containers im Programm. Ist die installiert, hat man die Möglichkeit, geöffnete Webseiten, bzw. die dazu gehörenden Browser-Reiter, in so genannte «Umgebungen» zu verschieben. Die Standard-Umgebungen heissen Arbeit, Banking, Einkaufen und Facebook (wobei Facebook laut diesem Tweet von Facebook Container stammt). Das erinnert an die Möglichkeit der Reitergruppen, die ich seinerzeit im Beitrag Sich beim privaten Surfen nicht erwischen lassen beschrieben und ganz gern genutzt habe. Doch diese Funktion wurde eliminiert – da ist es unwahrscheinlich, dass sie nun in neuer Form wiederaufersteht.

Im Hilfebeitrag Tab-Umgebungen mit Multi-Account Containers beschreibt Mozilla die Sache wie folgt:

Tab-Umgebungen funktionieren wie normale Tabs, aber die in einer Tab-Umgebung besuchten Websites erhalten Zugriff auf ein separates Segment des Browserspeichers. Das bedeutet, dass Ihre Website-Einstellungen, protokollierten Sitzungen und die Trackingdaten nicht in die neue Umgebung übertragen werden. Ebenso wirkt sich das Surfen in der neuen Umgebung nicht auf Ihre eingeloggten Sitzungen oder die Trackingdaten der anderen Umgebungen aus.

Das klingt für meinen Geschmack etwas zu technisch, als dass ich unmittelbar in Begeisterung ausbrechen würde. Die konkreten Beispiele sind dann aber etwas einleuchtender:

Man kann sich mit unterschiedlichen Konten beim gleichen Dienst anmelden, selbst wenn der Dienst keine Unterstützung für Multi-Account zur Verfügung stellt. Das ist sehr sinnvoll – denn sogar mit Google, wo es die Multi-Account-Unterstützung gibt, kommt garantiert immer erst das private GMail-Konto, wenn man eigentlich das geschäftliche Konto benötigt hätte. Und vice versa.

Die zweite Funktion ist, Websites zu isolieren: „Container für Webseiten“ weiterlesen

Browserbenachrichtigungen? Nein danke

Die Benachrichtigungen am Smartphone sind höchstens in der Hälfte der Fälle nützlich. Geschätzt sind die lästigen Benachrichtigungen eher in der Merhzahl. Darum frage ich mich, ob es eine gute Idee war, auch die Browser mit der Möglichkeit auszustatten, solche Benachrichtigungen anzuzeigen. Technisch sind die durchaus spannend: Denn diese Benachrichtigungen werden selbst dann angezeigt, wenn die benachrichtigende Website gar nicht geöffnet ist.

Benachrichtigungen
Nein, bitte nein! Wirklich, ich möchte nicht! Jetzt nicht, später nicht, niemals! (Über das Pfeilchen nach unten verhindert man weitere Nachfragen.)

Es drängt sich natürlich die Vermutung auf dass diese Push-Möglichkeit wie beim Smartphone eingesetzt wird: Die Webseitenbetreiber sehen in ihr eine praktische Möglichkeit, den Nutzern das eigene Informationsangebot in Erinnerung zu rufen – ganz gleichgültig, ob der Nutzer an irgend etwas Wichtigem dran ist und nicht durch eine Banalität gestört werden möchte. Ich habe es bei der Vorstellung von iOS 12 ausgeführt: Die Browser müssten die Umstände miteinbeziehen, um beurteilen zu können, ob der Nutzer gestört werden soll oder nicht. Und man müsste auch den Informationsgehalt irgendwie beurteilen können. Dann könnte man den Wert eines Pushes mit einem dynamischen Schwellenwert vergleichen und so abschätzen, ob er durchdringen soll oder still in einer Benachrichtigungs-Historie verschwinden soll.
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Die Welt durch die Augen des Google-Bots

Der User-Agent Switcher ist eine nützliche Erweiterung für Firefox, mit der man den User Agent umschalten kann. Je nach Einstellung gibt sich Firefox dann nicht mehr als Firefox unter Windows, sondern als Safari unter Mac OS, als Edge-Browser unter Windows oder als Android-Telefon oder sonst ein Gerät bzw. eine Software aus.

Das ist nützlich, wenn man Websites testen muss, die sich auf den einzelnen Geräten unterschiedlich verhalten sollen. Ich brauche diese Erweiterung aber aus einem trivialeren Grund: Ich betreue bei Publisher.ch bekanntlich den Downloadbereich. Da dort sowohl die Windows- als auch die Mac-Versionen der Programme angeboten werden, muss ich beides herunterladen. Viele Websites nehmen dem Nutzer die Arbeit ab, die passende Variante wählen zu müssen – mit dem unerfreulichen Nebeneffekt, dass ich die Mac-Version nicht herunterladen kann, wenn ich einen Windows-Computer benutze. Damit ich dazu keinen Mac bemühen muss, schalte ich einfach den User Agent um. Das klappt in den meisten Fällen hervorragend.

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Eine Schreckreaktion? So sieht Google aus, wenn man mit User Agent «Googlebot» surft.

Lustig ist nun, dass man die Einstellung bei User Agent nun auch auf exotische Dinge wie Google Bot einstellen kann. Und das, von Neugierde getrieben, auch sogleich tut. „Die Welt durch die Augen des Google-Bots“ weiterlesen

Firefox ist jetzt auch ein Passwort-Manager

Neulich wollte ich die App Lockbox von Firefox vorstellen. Das hat damals nicht geklappt, weil die App nicht im Schweizer Store verfügbar war. Nun ist sie es, und ich kann auf das Thema zurückkommen.

Sie ist so unspektakulär, wie damals befürchtet. Aber praktisch genug, um vorgestellt und empfohlen zu werden. Sie klinkt sich in Firefox Sync ein. Dieser Dienst gleicht bekanntlich Lesezeichen, Reiter, Verlauf, Passwörter, Add-ons und Einstellungen bei allen angehängten Firefox-Installationen ab. Man hat auf allen beteiligten Geräten die gleiche Surf-Umgebung zur Verfügung. Konfiguriert wird die Synchronisation in den Einstellungen bei Firefox-Konto bzw. unter about:preferences#sync (der Link setzt den Aufruf bei Firefox in die Adressleiste, wo man dann noch Enter drücken muss, um die Einstellungsseite zu öffnen).

Es gibt die App fürs iPhone, jedoch bislang noch nicht für Android. Lockbox erlaubt den Zugriff auf die in Firefox gespeicherten Passwörter und zeigt sie am Mobiltelefon an. Via iPhone hat man seine Passwörter zugriffsbereit, wenn man sie an einem Computer benötigt, auf dem Firefox nicht installiert ist oder Sync nicht eingerichtet werden kann oder soll. Das kann durchaus hilfreich sein – auch wenn die mobile Variante von Firefox die Synchronisation natürlich unterstützt und die am Desktop verwendeten Logins ebenfalls zur Verfügung hat.

Wie man das von ähnlichen Apps her kennt ist es möglich, das Passwort in die Zwischenablage einzufügen. Man kann auf diesem Weg ein in Firefox gespeichertes Passwort fürs Login bei der passenden App benutzen. „Firefox ist jetzt auch ein Passwort-Manager“ weiterlesen

Firefox, der bunte Hund

Gestern ging es um nützliche neue Browser-Funktionen, die für Firefox aus dem Testpilot-Programm entsprungen sind. Heute geht es damit weiter. Denn wo wir schon dabei sind, solltet ihr auch Firefox Color ausprobieren. Mit dem Projekt darf man das Erscheinungsbild des Browsers anpassen. Man wählt eine Farbe für die sichtbare Programmoberfläche (Background Color), die im Wesentlichen aus der Adressleiste und den Reiterköpfen besteht. Man kann diese Oberfläche mit einem Muster (Theme Texture) ausstatten. Ausserdem gibt man vor, mit welcher Farbe die Toolbar, die Icons auf der Toolbar und der Text, die Reiter-Markierungen, die Schrift der Tabs im Hintergrund erscheinen sollen.

Für sein Farbschema muss man nicht unbedingt von vorn anfangen. Es gibt auf der Website 24 Vorgaben, die man auswählen und modifizieren darf.

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Nicht weltumwälzend, aber praktisch: Die Möglichkeit, den Browser farblich anzupassen.

Man kann dieses Erscheinungsbild (theme) speichern und über einen Link wie diesen hier auch anderen zur Verfügung stellen.
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Das sollten alle Browser können!

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle Firefox Lockbox vorstellen. Das ist eine App, die am iPhone Zugriff auf die in Firefox gespeicherten Passwörter gibt. Die gelangen am einfachsten via Firefox Sync aufs Mobilgerät. Und mit der App wird so aus Firefox ein simpler Passwortmanager – man kann ein Passwort in der App nachschlagen, wenn man es in einem anderen Browser oder an einem Computer benötigt, wo Sync nicht eingerichtet ist.

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Wie grossartig ist das denn? Zwei Webseiten nebeneinander! (Aus unerfindlichen Gründen erscheint mein Blog-CMS links in der mobilen Version – vielleicht fordert Side View diese an, damit die Seite in der Leiste auch schmal optimal angezeigt wird.)

Leider steht diese App im Schweizer Store nicht zur Verfügung, da es sich um ein Testpilot-Projekt handelt. Und darum benötige ich an dieser Stelle ein Ausweichthema. Und das ist naheliegenderweise testpilot.firefox.com. Ich verstehe, wenn es Leute gibt, die der Ansicht sind, dass ich mir nicht gerade ein Bein ausgerissen habe, um auf besagtes Ausweichthema zu stossen. Aber ich glaube, dass es eine Bereicherung ist. Denn mein Tipp hier ist um Welten besser als Firefox Lockbox – ehrlich wahr!
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One trick fox

Ich bin neulich einer Variante von Firefox begegnet, die Firefox Focus oder in Deutsch Firefox Klar heisst. (Warum bei iOS manche Programmnamen eingedeutscht werden, leuchtet mir nicht so richtig ein.) Es gibt diese Variante für iPhone und iPad und Android, und laut Heise.de handelt es sich um einen «minimalistischen Spezialisten mit Schwerpunkt auf Datenschutz».

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Surfen mit Hut. (Bild: 1643606/pixabay.com, CC0)

Das erinnert an den Ghostery Privacy Browser (für Android und für iPhone/iPad). Und natürlich an den Brave Browser. Schon in meiner Kritik zu diesem Produkt habe ich die Frage aufgeworfen, ob es nicht sinnvoller wäre, die herkömmlichen Browser mit Funktionen zum Schutz der Privatsphäre auszurüsten. Die gibt es in Firefox bekanntlich auch – weswegen sich tatsächlich die Frage stellt, was diese Extra-Variante eigentlich soll. Die Begründung in der Beschreibung zum Browser lautet wie folgt:
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Eine neue Chance für Firefox


Das Video und der Beitrag bei Tagesanzeiger.ch

Heute kommt er, der neue Browser von Firefox: Version 57, alias Quantum. Und natürlich möchte man hier stehende Wendung vom Quantensprung ins Spiel bringen. Mir hat das leider die Floskelwolke (Seine Schreibe entfloskeln) verdorben: Die Besserwisser dort haben darauf hingewiesen, dass man es bei dieser Floskel mit subatomaren Grössenordnungen zu tun bekommt und das die korrekte Assoziation also «winzig» und nicht «riesig» ist. Ich weiss nicht, ob das wirklich stimmt, zumal Wikipedia die Redewendung so herleitet, dass die Entdeckung des physikalischen Phänomens eine riesige wissenschaftliche Erkenntnis war, die damals alte Gewissheiten zum Einstürzen brachte. Darum bleibt hier offen, ob es sinnvoll war, dem neuen Browser dieses Label überzustülpen. Gut kling es jedenfalls.

Also, zurück zum Thema: „Eine neue Chance für Firefox“ weiterlesen