Jahresmusterung, Teil 2: Der Konzern, der gegen Trump und Corona anstinken konnte

Ich beurteile die Leistungen der grossen Tech-Konzerne in diesem Jahr. Und selbst ein gestrenger Kritiker wie ich kommt zum Schluss: 2020 hat sich Apple am besten geschlagen.

Nachdem diese neue Rubrik auf derartig grossen Anklang gestossen ist, mache ich gleich weiter. Ein Unternehmen, das unbedingt beurteilt werden sollte, ist Apple.

Apple, man muss es festhalten, hat etwas geschafft, dass 2020 nur wenigen gelungen ist: Der Konzern konnte sich während seinen Anlässen in den Schlagzeilen nicht nur gegen die Coronakrise behaupten, sondern auch gegen das Debakel um die Abwahl von Ex-Präsident Trump.

Ich halte fest, dass ich die Aufmerksamkeit nicht immer gerechtfertigt fand. Trotzdem muss ich neidlos anerkennen: Gegen eine Pandemie und einen irren Möchtegern-Autokraten anzustinken, muss man erst einmal schaffen!

Da Apple diesbezüglich Anerkennung gebührt, kann ich auch gleich mit dem Fazit herausplatzen: Es war für Apple ein gutes Jahr.

2020 war besser, als einige der vorherigen Jahre. Und zwar nicht deswegen, weil Apple nach den (für meinen Geschmack viel zu vielen Events) im Dezember nochmals einen Coup lancierte: Mit jenem doch etwas gar teuren Kopfhörer namens AirPods Max, den ich mir nicht kaufen werde. Da spare ich lieber noch ein bisschen länger und kaufe mir diesen hier.

Apple hat sich in diesem Jahr auch Pleiten geleistet. Die grösste war das Epic-Debakel, das vor Augen geführt hat, dass es mit den App-Stores nicht so weitergehen kann. Diese Erkenntnis hat mich im August zur Forderung geführt, dass wir bessere App-Stores brauchen (Paywall). Ich hoffe auf Einlenken für 2021. Realistischerweise gehe aber davon aus, dass das noch ein längerer Kampf werden wird.

Auch kein Glanzstück ist Apple One. Auch wenn die Idee nicht verkehrt ist, hat mich die Umsetzung nicht überzeugt.

Es gibt auch ein Mittelfeld: Jene Neuigkeiten, die ich mit Interesse zur Kenntnis genommen habe und die man unter solider Weiterentwicklung verbuchen kann, die aber keine Begeisterungsstürme ausgelöst  haben.

Also, zum Fazit. Unter dem Strich bleiben zwei positive Dinge:

Erstens Apples Bekenntnis zum Datenschutz.

Apple ist gewillt, echte Massnahmen gegen das Tracking in den Apps zu ergreifen. Was einem im Vergleich zu Google dazu bringt, gar nicht anders zu können, als Android-Geräte zu meiden und auf das iPhone und das iPad zu setzen.

Siamesische Zwillinge (links das Macbook Pro von 2016, rechts das Macbook Air von 2020).

Zweitens der M1 und die Abkehr von Intel.

Das neue Macbook Air im ersten Augenschein hat mich von dieser Strategie überzeugt.

Und mir gefällt, dass Apple damit Microsoft unter Zugzwang setzt und für Innovation beim klassischen Computing sorgt. Es wird klar, dass sogar Desktop-PCs von ARM-Prozessoren profitieren können.

Ich habe oft genug kritisiert, dass Apples zweigleisige Strategie mit den getrennten Systemen für die Macs und iPads immer weniger Sinn ergibt und sich nur so erklären lässt, dass Apple eben weiterhin Macbooks und iPads verkaufen möchte.

Aber diese Gewinnmaximierungsmasche wird sich nicht ewig aufrecht erhalten lassen. Es würde mich nicht wundern, wenn schon Ende 2021 mehr Klarheit herrschen würde, wie Apple diese disparate Softwarelandschaft zu konsolidieren gedenkt. Aber vielleicht dauert es auch noch einmal zehn Jahre.

Wir werden sehen. Trotzdem freue ich mich auf das nächste Apple-Jahr.

Beitragsbild: Hoffentlich wird dieser Grannysmith nicht wegen Markenrechtsverletzung verklagt (Toni Cuenca, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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