Kann Bookbeat Audible das Wasser reichen?

Seit einem Jahrzehnt kaufe ich meine Hörbücher bei Audible. Wäre es nicht Zeit für einen Wechsel – zumal es bei Bookbeat Hörbücher à dis­cré­ti­on gibt? Ich habe mir diesen Entscheid nicht einfach gemacht.

Ich bin ein fleissiger Bücherkonsument. Leser kann man das aber im Grunde nicht nennen, weil ich mir seit mehr als zehn Jahren Literatur hauptsächlich in Form von Hörbüchern zuführe.

Diese Hörbücher kommen hauptsächlich von Amazons Hörbuchtochter Audible. Ende 2009 habe ich mit einem Gutschein angefangen, den ich nach Bedarf für Titel ausgegeben habe. Seit März 2012 läuft mein Abo bei Audible.com, bei der englischsprachigen Variante der Plattform. Ich habe mein Abo dort, weil der grösste Teil der Titel, die ich kaufe, aus dem angelsächsischen Raum stammt und ich sie gern im Original höre.

Kleine Klammerbemerkung: Ich finde es nach wie vor unsinnig, dass Audible separate Plattformen für die diversen Sprachräume betreibt, bei denen es unterschiedliche Angebote und variierende Preise gibt. Ein Abo für alle – und jeweils der günstigste Preis, das wäre benutzerfreundlich. Aber wie im Beitrag Verlags-Idioten dargelegt, ist es in der Praxis noch viel komplizierter: Da hängt es nämlich von der Kreditkarte ab, ob man ein Buch kaufen kann oder nicht.

Doch trotz dieses Ärgernisses bin ich Audible mehr als ein Jahrzehnt treu geblieben. Das natürlich vor allem aus einem Grund: Es gibt keine gleichwertige Alternative. Denn wie man es auch dreht und wendet: Audible hat das grösste Angebot – und mit der Auswahl steht und fällt ein Bücherladen, ganz egal, ob er nun gedruckte Werke, digitale Bücher oder gelesene Literatur anbietet.

Würde sich ein Wechsel lohnen?

Und ja, ich schaue immer mal wieder, was die Konkurrenz zu bieten hat. Seinerzeit habe ich mir das Angebot der Buchhändler aus dem deutschsprachigen Raum angeschaut und musste leider zum Schluss kommen, dass mich das nicht zu einem Wechsel bewegen kann. Die Auswahl ist kleiner und die Präsentation verbesserungsfähig.

Eine vergleichsweise neue Alternative ist Bookbeat. Das ist ein Dienst, der 2015 in Schweden gegründet wurde. Es gibt ihn seit 2017 in Deutschland, und wie Wikipedia erläutert, kann man ihn seit 2018 auch in der Schweiz und in Österreich nutzen.

Entweder stehe ich auf dem Schlauch – oder es gibt in der Sciencefiction-Kategorie tatsächlich nur die Unterkategorie «Space Opera».

Der Clou dieses Dienstes ist, dass er Hörbücher zur Flatrate anbietet. Wie bei Netflix oder Spotify kann man sich während einer bestimmten Hördauer so viele Bücher anhören, wie man will. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Audible, wo man für seine monatliche Abogebühr ein Guthaben erhält, das man für einen bestimmten Titel ausgeben muss. Dieser Titel steht einem dann für «immer» zur Verfügung, also auch dann noch, wenn man das Abo beendet. Bei einer Flatrate ist das nicht der Fall.

Trotzdem: Wäre Bookbeat eine Alternative für mich? Bei Audible zahle ich 14.95 US-Dollar, was sich auf der letzten Kreditkartenabrechnung mit 13.85 Franken niederschlug.

Bei Bookbeat entrichtet man wie oben erwähnt seinen Obolus für die Hördauer: 25 Stunden pro Monat (Basis) kosten zehn Euro, 100 Stunden 15 Euro (Standard) und für eine unbeschränkte Dauer bezahlt man zwanzig Euro (Premium).

Staffelung nach Hördauer

Nein, mit zehn Stunden komme ich nirgendwo hin.

Nun verrät mir die Audible-App ver­dienst­voller­weise genau, wie viele Stunden ich pro Monat höre. Die Hördauer variiert sehr stark – je nachdem, ob ich gerade ein gutes oder ein schlech­tes Buch am Start habe und was sich an Podcasts in meinem Pod­catcher ange­sammelt hat. Es sind, grob gerechnete, zwischen zehn und fünfzig Stunden.

Mit anderen Worten: Das günstigste Abo reicht bei weitem nicht. Das mittlere müsste nach menschlichem Ermessen genügen. Doch nur mit dem teuersten Abo hätte ich die Garantie, nicht plötzlich gegen das Limit zu laufen.

Im Vergleich mit dem mittleren Abo ist Bookbeat etwas teurer: 15 Euro statt knapp 14 Franken. Und ja, bei einem Monat mit fünfzig Hörstunden oder reicht ein Audible-Buch nicht; da selbst die dicksten Wälzer selten mehr als fünfzig Stunden Laufzeit aufweisen. Doch da mein Engagement über die Zeit schwankt, habe ich meistens genügend Credits angespart, dass ich mir bei Audible in einem Monat auch mal zwei oder drei Bücher leisten kann. So fängt das Guthabensystem auch Schwankungen auf. Man muss allerdings bedenken , dass Credits nach einem Jahr verfallen.

Der grosse Vorteil bei Bookbeat ist indes, dass man mit der Flatrate keine Hörproben braucht: Man kann mit irgend einem Buch anfangen und es zu Ende hören, wenn es gefällt oder jederzeit durch einen anderen Titel ersetzen, wenn es nicht passt. Das gibt einem eine gewisse Freiheit: Bei einem gekauften Titel fühlt man sich eher verpflichtet durchzuhalten, selbst wenn sich kein Hörvergnügen einstellen mag. Man kann zwar bei Audible Bücher ohne Angabe von Gründen umtauschen. Doch ich tue das nur, wenn ein Buch meine Erwartungen in krasser Weise nicht erfüllt.

Durch die Bücher zappen?

Andererseits, wie gross ist die Gefahr, dass zu einem allzu heiklen und oberflächlichen Literaturkonsumenten zu verkommen? Mir fällt der Einstieg in ein neues Buch oft schwer, weil ich mich mit den Figuren, den Handlungsschauplätzen und der Erzählweise vertraut machen muss. Das ist manchmal ein kleiner Kampf – gerade in den Fällen, bei denen das vorherige Buch so grossartig war, dass ich ihm noch nachtrauere. Doch oft genug lohnt es sich dranzubleiben, bis sich, wie in einer neuen Beziehung, die Vertrautheit bemerkbar zu machen beginnt (Eine neue Liebe finden).

Würde ich das noch tun, wenn ständig Tausende von Alternativen locken? Ein Vorteil des Audible-Modells ist, dass man zu einer sorgfältigen Auswahl gezwungen wird, mit dem Klicken auf den Kaufen-Knopf den herausfordernden Auswahl-Vorgang aber auch wieder beendet. Mit der Flatrate verbleibt er dauerhaft im aktiven Zustand. Es ist wie bei Spotify: Wer hört dort eine Playlist oder ein Album bis zum Ende, wenn es einen Durchhänger gibt? Doch ich bin überzeugt: Die Durchhänger gehören zum Leben.

Bei der Auswahl gibt es einen klaren Sieger

Bleibt die Frage nach dem Angebot. Zu diesem Zweck habe ich nachgeschaut, ob es die letzten zehn Bücher, die ich bei Audible gehört haben, auch bei Bookbeat zu finden gäbe:

  1. ✔ Petros Markaris, Offshore, hier
  2. ✔ Dirk Rossmann, Der neunte Arm des Oktopus, hier
  3. ❌ J.K. Rowling, The Ickabog
  4. ❌ Ernest Cline, Ready Player Two
  5. ✔ Robert Galbraith, Lethal White, hier
  6. ❌ Robert Galbraith, Troubled Blood
  7. ✔ Andreas Eschbach, Eines Menschen Flügel, hier
  8. ❌ Aldous Huxley, Brave New World
  9. ❌ Margaret Atwood, The Handmaid’s Tale, die deutsche Fassung ist erhältlich
  10. ❌ Suzanne Collins, The Ballad of Songbirds and Snakes

Auffällig ist, dass vor allem viele der englischsprachigen Neuerscheinungen fehlen (The Ickabog, Ready Player Two, Troubled Blood, The Ballad of Songbirds and Snakes). Es ist zu erwarten, dass diese früher oder später auch bei Bookbeat auftauchen – vielleicht im Original, ansonsten sicherlich in der übersetzten Variante.

Trotzdem ist für mich die Auswahl das entscheidende Kriterium. Und da sind die Lücken bei Bookbeat zu gross, als dass ein Wechsel für mich infrage käme. Trotzdem bleibe ich am Ball, werde vielleicht den Probemonat absolvieren und hier Bericht erstatten, wie gut mir die Benutzung des Landens und der App (für Android und iPhone/iPad) gefällt.

Beitrag: Einen Nachteil haben Audible und Bookbeat gemeinsam: Wenn man sie nutzt, wohnt man hinterher nicht in einer so schönen Bibliothek (Polina Zimmerman, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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