Alles ausser interaktiv

Soll ich hier Night Film (Amazon Affiliate), in Deutsch Die amerikanische Nacht (Amazon Affiliate) von Marisha Pessl besprechen? Dagegen spricht, dass es kein Tech-Thriller ist, obwohl Tor-Browser und Darknet mehrfach erwähnt werden. Es ist noch schlimmer: Es ist ein Mystery-Thriller, in dem es um Okkultismus, den Leibhaftigen, sowie Hexen geht. Also Dinge, bei denen man als gestandener Nerd unweigerlich den Kopf schüttelt.

Für eine Rezension spricht, dass es ein gelungener Thriller ist, mit einer Geschichte zum Abtauchen, einer flüssigen Schreibweise und einem stimmigen Stil. Ich lehne mich nur ein bisschen zum Fenster hinaus, wenn ich behaupte, dass die Stimmung so überzeugend ist, wie wenn sich Übervater Stephen King ein bisschen anstrengt. Es gibt wunderbare Szenen, zum Beispiel wenn der abgehalfterte Investigativ-Journalist Scott McGarth mit seinen beiden unfreiwilligen Ermittler-Kollegen Nora Halliday und Hopper Cole die sehr gealterte Diva Marlowe Hughes besuchen, die wie ein lichtscheues Reptil in ihrem Luxusapartment vegetiert und Alkohol wie Wasser trinkt. „Alles ausser interaktiv“ weiterlesen

Verlags-Idioten

Ein Ärgernis der digitalen Welt sind die Geoblockaden. Bei Ebooks und Hörbüchern existiert es in einer speziellen Ausprägung. Im Beitrag Audible macht gar keine gute Figur habe ich beschrieben, wie man mir nicht erlaubt hat, die Harry Potter-Hörbücher in der von Stephen Fry gelesenen Fassung zu hören.

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Häh? (Bild: JD Hancock/Flickr.com, CC BY 2.0)

Diesem Problem bin ich wieder begegnet. Ich habe hier und hier die Krimireihe von Michael Ridpath erwähnt, in der Kommissar Magnus Jonson in Island Verbrechen aufklärt und seinem eigenen isländischen Erbe auf die Spur kommt.

Neulich ist mir eingefallen, nach weiteren Folgen dieser Reihe zu suchen. „Verlags-Idioten“ weiterlesen

Wie Hörbücher technisch zu verbessern sind

Bücher werden im Schnitt enorm hochwertig produziert. Hörbücher leider nicht. Gute Vorschläge für Audible und Co.

Im Beitrag So muss das moderne Buch habe ich mich darüber ausgelassen, dass die Bücherbranche sich schwer mit dem modernen Leser tut. Der hat nicht mehr die Zeit, sich aufs Sofa zu setzen, um seine Literatur zu geniessen. Er tut es unterwegs, beim Pendeln, bei der Hausarbeit oder beim Sport – auf jeden Fall oft multitasking-mässig und parallel zu anderen Tätigkeiten, die ihn intellektuell nicht sonderlich fordern.

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Soll ich mir das etwa alles merken? (Bild: Game of Thrones World Map and Cities/awoiaf.westeros.org/Wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Das sollte nun, so finde ich, auch Auswirkungen darauf haben, wie Hörbücher produziert werden. Ich habe vor Jahren im Beitrag Audible, wie wärs mit Kapiteln? die oft deplorable Produktionsqualität angeprangert. Da habe ich kritisiert, dass manchmal noch nicht einmal die Titel richtig erscheinen, sondern unicodemässig verhunzt sind. Die Kapitel sind willkürlich gesetzt und nicht beschriftet. Und die begleitenden Informationen, die es bei gedruckten Büchern gibt, fehlen bei den Hörbüchern in aller Regel.

Mehr als acht Jahre nach dieser Kritik ist die Situation bei einem Punkt etwas besser: „Wie Hörbücher technisch zu verbessern sind“ weiterlesen

So muss das moderne Buch

Neulich habe ich hier einen Podcast gehört, der die Krise des Lesens postulierte. Auch der (kostenpflichte Abo+-Artikel aus dem Tagesanzeiger Jeder Zweite kauft keine Bücher mehr stösst ins gleiche Horn:

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Medienmetamorphose. (Bild: sik-life/Pixabay, CC0)

Der deutsche Buchhandel habe sechs Millionen Käufer verloren. Die Gründe würden auf der Hand liegen: Das gute alte Buch erfährt immer mehr Konkurrenz. Zum Beispiel durch Streaming von Serien und Musik. Und durch die vielen Zerstreuungsmöglichkeiten, die das Smartphone so bietet. Ausserdem finden wir gehetzten Zeitgenossen immer weniger Zeit, uns mit einem Buch aufs Sofa zu setzen. Schuld hier natürlich die ausbeuterischen Arbeitgeber, die in trickreicher Art und Weise es schaffen, die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit aufzuweichen (höre dazu auch Tag der Arbeits-Apps).

Im Artikel äussern sich Fokusgruppen wie folgt:
„So muss das moderne Buch“ weiterlesen

Etwas dürftige Auswahl, ein bisschen wenig Herzblut

Ich habe neulich versprochen, das Hörbuch-Download-Angebot von orellfuessli.ch, inklusive Tolino-App (für iPhone/iPad und Android) näher anzusehen. Und dieses Versprechen wird jetzt hier sogleich eingelöst werden.

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Gediegene Optik und Gamification-Schnickschnack: An der Audible-App müssen sich die anderen messen.

Doch vorab noch eine Bemerkung für Leserinnen aus dem übrigen deutschsprachigen Europa: Es gibt ähnliche Angebote auch in Deutschland, zum Beispiel bei Thalia.de bzw. thalia.at. Orell Füssli und Thalia haben hierzulande 2013 ein Joint Venture gestartet, der Name Thalia ist 2015 verschwunden. Die Webseiten sehen sich so ähnlich, dass wohl das gleiche CMS dahintersteckt und die Unterschiede auch sonst nicht allzu gross sein dürften. Die Tolino-App lässt sich in der Schweiz mit Orell Füssli und Weltbild nutzen, in Deutschland mit Hugendubel, Thalia, Weltbild, eBook.de, Bücher.de, Meine Buchhandlung, Mayersche und Osiander.de und in Österreich mit Thalia und Weltbild.

Also, die Website von Orell Füssli macht im Vergleich zu Audible einen trägen Eindruck, was das Schmökervergnügen leider etwas schmälert. „Etwas dürftige Auswahl, ein bisschen wenig Herzblut“ weiterlesen

Google hat keine Audible-Killer im Köcher

Im Beitrag Google mischt den Hörbuch-Markt auf habe ich beklagt, dass Audible bei der Literatur zum Hören derart dominant ist – und im Nerdfunk habe ich diesbezüglich nachgedoppelt. Ich mag Audible, auch wenn es Dinge gibt, die mich stören. Das grösste Problem ist, dass der einheimische Buchmarkt völlig aussen vor bleibt, wenn man seine Bücher bei der Amazon-Tochter kauft. Das finde ich schade, weswegen ich mir schon überlegt habe, zum Spartarif von Orell Füssli zu wechseln. Aber da ich vor allem englischsprachige Hörbücher höre, ist das Angebot im Vergleich zu Audible.com bislang nicht ansatzweise konkurrenzfähig.

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Sie ist ein Hörbuch-Fan und hätte gerne, dass auch das einheimische Buchgewerbe auf seine Kosten kommt. (Bild: Kaboompics/Karolina/pexels.com, CC0)

Vor Kurzem ist Google ins Hörbuchgeschäft eingestiegen. Wenn ich dort einkaufe, nützt dem Schweizer Buchhandel leider auch nichts. Das soll mich aber nicht daran hintern, die Hörbücherabteilung des Play-Store einmal näher anzusehen. Auffällig ist: Google streicht hervor, dass sein Angebot ohne Abo funktioniert. Das ist natürlich gegen Audible gemünzt, wo man Bücher zwar auch einzeln erweben kann, man aber mit der Nase aufs Abo gestossen wird.

Das Angebot macht einen etwas zusammengewürfelten Eindruck. Es gibt zum Start eine Handvoll mit stark vergünstigten Hörbüchern. „Google hat keine Audible-Killer im Köcher“ weiterlesen

Auch Amazon hat keine Chance

Ja, selbst ein Riese wie Amazon ist machtlos, wenn es um die hegemonialen Ansprüche der so genannten Rechteinhaber geht. Die machen, wir wissen es, unsinnige territoriale Ansprüche geltend. Die führen dazu, dass Inhalte nicht überall zur Verfügung stehen, sondern nur in ausgewählten, handverlesenen Ländern. Manchmal kann man diese Diskriminierung mittels VPN beenden. Manchmal auch nicht.

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Da sträuben sich dem Kapitalisten die Haare. (Bild: Money! von Thomas Galvez/Flickr.com, CC BY 2.0)

Einen solchen Fall habe ich im Beitrag Audible macht gar keine gute Figur diskutiert. Es ging darum, dass ich bei Audible.com, wo ich mein Hörbuch-Abo habe, die von Stephen Fry gelesene Fassung der Harry-Potter-Bücher nicht kaufen kann, weil in den USA eine andere Variante im Angebot ist.
„Auch Amazon hat keine Chance“ weiterlesen

Audible macht gar keine gute Figur

Ich habe mich gelegentlich schon darüber aufgeregt, dass der Markt alles regelt. Ausser die Interessen der Konsumenten; excuse me please. In dieser Überzeugung wurde ich neulich durch absurde Vorkommnisse bestärkt.

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Häh? (Bild: JD Hancock/Flickr.com, CC BY 2.0)

Wohl weil ich neuerdings dem amüsanten Twitter-Account @jk_rowling folge, bin ich auf den Gedanken verfallen, mir nach zehn Jahren ihr Œuvre erneut zu Gemüte zu führen. Ich habe die Bücher damals in Papierform gekauft, doch wie es mit Papier so geht: Es wird an den Schwager ausgeliehen, der damit dann viele Dinge tut, ausser es zu retournieren. In Digital wäre das nicht passiert.

Jedenfalls hatte ich Lust auf die vom hochverehrten Stephen Fry – ebenfalls ein Twitter-Highlight – gelesenen Hörbücher. Und da sich bei meinem Audible.com-Account aus Gründen sechs Credits angesammelt hatten, schien es eine gute Idee, die dafür zu verwenden.

Doch nein. Harry Potter gibt es in Hörbuchform nicht nur von Fry gelesen, sondern auch von You probably don’t know who. Der Telegraph hat sich sogar ein bisschen über die Amerikaner lustig gemacht, die nicht in den Genuss dieses exquisiten britischen (Nicht-)Exportguts kommen.
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Da hat Audible voll daneben gehauen

Die Titelalternative zu diesem Beitrag war: Bugger off, Ender!

Audible hat mich in letzter Zeit mit der Empfehlung gepiesackt, ich solle mir doch Ender’s Game anhören. Auf Deutsch heisst die Geschichte Enders Spiel oder laut Wikipedia Das grosse Spiel. Wikipedia bezeichnet die Geschichte ausserdem als Military Science Fiction, was mir hätte eine Warnung sein sollen. Ich mag zwar Science Fiction im Allgemeinen. Aber das militärische Subgenre kann mir gestohlen bleiben. Mit ein wenig Militarismus kann ich leben – denn sonst hätte ich mir auch Star Trek mit samt der Starfleet ans Bein streichen müssen. Aber die Figuren in Star Trek sind keine Militärköpfe. Im Gegenteil: Kirk setzt sich immer wieder über die Hierarchien hinweg und für Spock zählt sowieso nur der Rationalismus.

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Kleiner Brutalo, grosser Brutalo.

Doch ich habe mich davon nicht abhalten lassen. Auch nicht von der Kontroverse um den Autor, der wegen seiner vehementen Ablehnung der Homo-Ehe in die Kritik geraten ist. IMHO ist es Unsinn, wenn man nur Geschichten von Autoren liest, mit denen man politisch auf einer Linie liegt. Ein Werk muss für sich selbst sprechen. Es kann im Idealfall auch deutlich intelligenter sein, als was sein Urheber in politischen Debatten so von sich gibt.
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Was hat Mutter Natur beim Wetter noch zu melden?

Die Chinesen machten für die Olympischen Spiele in Peking auf Schönwetter – und zwar wortwörtlich, indem sie Tausend Raketen mit Silberjodid in den Himmel schossen. Wieso brauchen wir eigentlich die Meteorologen noch, wo es doch längstens Manipulationsmaschinen wie das HAARP gibt, die weltweit Stürme, Dürren und Überschwemmungen auslösen können? Insider sagen: Das Wetter ist längstens zu einem Instrument der Kriegsführung geworden.