So ganz ist Audible J.K. Rowling nicht gewachsen

«The Ink Black Heart» ist der neueste Fall von Cormoran Strike und Robin Ellacott, der sich span­nend und authen­tisch mit dem Cyber­mob­bing aus­ei­nander­setzt. Die Geschich­te ist gelungen, doch die Hörbuch-Um­setzung wirft Fragen auf.

Es gibt ein Leben nach Harry Potter, wie J.K. Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith beweist. Unter dem erscheint seit 2013 ihre Krimi-Serie mit dem Cormoran Strike und seiner Partnerin Robin Ellacott. Ich habe hier und hier zwei Bücher aus der inzwischen sechsteiligen Reihe besprochen und komme nicht umhin, dem neuesten Streich einen – ja, ich weiss, leider viel zu langen – Blogpost zu widmen.

Das tintenschwarze Herz – es schlägt auch in Internet-Nutzern.

In diesem neuesten Fall geht es um eine Mordermittlung, in zu einem grossen Teil in den sozialen Medien stattfinden. Cormoran und Robin sind mit der Aufgabe konfrontiert, in einem verwirrenden Panoptikum aus Twitter-Pseudonymen, anonymen Mitspielern in einem Videogame und realen Akteuren die richtigen Zuordnungen zu machen. Wie man sich vorstellen kann, gibt es in dieser Sphäre unendlich viel Raum für Missverständnisse und Irrtümer.

Das Buch heisst The Ink Black Heart bzw. Das tiefschwarze Herz. Es hat (in Deutsch) geschlagene 1360 Seiten und ist als englisches Hörbuch satte 32 Stunden und 43 Minuten lang. Und nein, das ist nicht das Thema: „So ganz ist Audible J.K. Rowling nicht gewachsen“ weiterlesen

Gesunder Menschenverstand statt KI

Bei Audible und Amazon kann man seinen Lieb­lings­autoren folgen. Das ist eine in Ansätzen nütz­liche Funk­tion – die das Einge­ständ­nis bein­hal­tet, dass die tollen Vor­schlags-Algori­thmen doch nicht so toll sind.

Audible bzw. Amazon hat vor ein paar Tagen die Möglichkeit eingeführt, einem Autor zu folgen: Wir suchen in der App oder auf der Website nach einem seiner Titel, tippen oder klicken auf den Namen. Daraufhin gelangen wir zur Autorenseite, auf der wir den Follow-Knopf betätigen.

Oder, noch einfacher: Wir öffnen in der App die Rubrik Bibliothek und wählen in der obersten Liste Autoren. In der Liste sehen wir alle Autoren, von denen wir Hörbücher besitzen und können die gewünschten auswählen, um sie zu abonnieren.

Die Abos sind auf bei Audible dieser Seite einzusehen. Und da es eine gemeinschaftliche Funktion für Amazon und den Kindle ist, existiert auch eine entsprechende Seite bei Amazon.

Das ist eine nette Neuerung. Zumindest auf den ersten Blick – wenn man genauer hinschaut, könnte man sie auch für unausgereift halten. Aber dazu komme ich gleich noch.

Die Grundidee erweckt jedenfalls den Eindruck, als ob der Hörbuchverlag eine wichtige (und seit 27 Jahren überfällige) Beobachtung gemacht hätte: „Gesunder Menschenverstand statt KI“ weiterlesen

Wenn der Sprecher ein tolles Hörbuch verhunzt

Ist Audible zu schlampig bei der Aus­wahl der Sprecher? Ein exem­pla­risches Beispiel, bei dem diese Vermu­tung im Raum steht. Plus eine weitere mög­liche Er­klä­rung – und eine Job­chance für alle, die gerne Ge­schich­ten erzäh­len und die pas­sen­de Stimme dazu haben.

Neulich habe ich die tolle Buchserie von Tom Hillenbrand besprochen, in der der detektivisch veranlagte Luxemburger Koch Xavier Kieffer kulinarisch angehauchte Kriminalfälle löst. Da ich sie als Hörbuch gehört habe, ergab sich die Gelegenheit, die besondere Leistung des Sprechers hervorzuheben: Gregor Weber macht das hervorragend, und er ist eine Idealbesetzung für das Buch.

Nun bin ich bei der siebten Folge der Reihe angelangt, die Goldenes Gift heisst und sich mit gefälschtem Honig und dem schwierigen Verhältnis von Menschheit und Bienentum beschäftigt. Ich lasse mich sicherlich nicht zu weit auf die Äste hinaus, wenn ich davon ausgehe, dass Tom Hillenbrand den Film More than Honey von Markus Imhoof auch gesehen hat.

Diese Folge wird nicht mehr von Gregor Weber gelesen, sondern von Stefan Lehnen, der viele Hörbücher gesprochen hat und den man fernsehmässig offenbar aus der Serie «Strum der Liebe» kennt.

Stefan Lehnen tritt ein schweres Erbe an, dem er nicht gerecht wird: „Wenn der Sprecher ein tolles Hörbuch verhunzt“ weiterlesen

Vergriffene Hörbücher

Das «Audible Statistics Extractor»-Script generiert eine Übersicht aller bei Audible gekauften Titel. Mit dessen Hilfe kam ich einem seltsamen Phänomen auf die Spur – nämlich dem Geheim­nis der aus­verkauf­ten Hör­bücher.

Neulich bin ich über das Script Audible Statistics Extractor von The Modern Nomad gestolpert. Das macht etwas Sinnvolles und Naheliegendes: Es erzeugt eine Liste¹ mit allen Hörbüchern, die man bei Audible gekauft hat und verzeichnet in tabellarischer Form säuberlich Titel, Autor oder Autoren, Sprecher, bei einem Mehrteiler den Titel der Serie, Länge und Abspielposition. Titel, Autor, Sprecher, etc. sind jeweils auch verlinkt, sodass man sie per Klick im Browser aufrufen kann.

Die vollständige Liste in Excel – sortier- und filterbar.

Es gibt in der Tabelle noch weitere Felder, nämlich für Kaufdatum, Bewertung und Auszeichnung als Favorit. Diese Felder sind bei meinem Test leer geblieben, was etwas schade ist – aber den Nutzen insgesamt nicht infrage stellt. Zumal für Leute wie mich mit einer archivarischen Ader.

Und damit wären wir auch bei der Frage, die sich an dieser Stelle manche Leute stellen werden: „Vergriffene Hörbücher“ weiterlesen

Mord und Schwarzgeld in Athen

Im deutschsprachigen Raum wurde das Hörbuch lange Jahre sträflich vernachlässigt. Das ändert sich jetzt – zur Freude von Krimifans wie ich einer bin.

Ein Merkmal des Hörbuchs ist, dass es längst nicht in allen Welt- und Sprachregionen gleichermassen Fuss fassen konnte. Am weitesten verbreitet ist es in den USA, die man als dessen Mutterland bezeichnen könnte. Dort erlangten sie schon ab 1975 dank Books on Tape zu beachtlicher Beliebtheit. Das Unternehmen vertrieb ungekürzte Aufnahmen auf Kassette.

Im deutschsprachigen Raum haben die Hörbücher eine noch längere Tradition, wie man bei Wikipedia nachlesen kann: Erste Produktionen brachte 1954 die deutsche Blindenstudienanstalt mit ihrer Blindenhörbücherei auf den Markt. Einen Vorläufer gibt es als sogenanntes Hörbild, das auf Tonwalzen oder Wachsplatten gespeichert ist, schon seit Ende des 19. Jahrhunderts.

Doch obwohl die Tradition im Vergleich zu den USA weiter zurückreicht, ist das Angebot bedeutend kleiner. Ich sehe dafür zwei Gründe: „Mord und Schwarzgeld in Athen“ weiterlesen

Kann Bookbeat Audible das Wasser reichen?

Seit einem Jahrzehnt kaufe ich meine Hörbücher bei Audible. Wäre es nicht Zeit für einen Wechsel – zumal es bei Bookbeat Hörbücher à dis­cré­ti­on gibt? Ich habe mir diesen Entscheid nicht einfach gemacht.

Ich bin ein fleissiger Bücherkonsument. Leser kann man das aber im Grunde nicht nennen, weil ich mir seit mehr als zehn Jahren Literatur hauptsächlich in Form von Hörbüchern zuführe.

Diese Hörbücher kommen hauptsächlich von Amazons Hörbuchtochter Audible. Ende 2009 habe ich mit einem Gutschein angefangen, den ich nach Bedarf für Titel ausgegeben habe. Seit März 2012 läuft mein Abo bei Audible.com, bei der englischsprachigen Variante der Plattform. Ich habe mein Abo dort, weil der grösste Teil der Titel, die ich kaufe, aus dem angelsächsischen Raum stammt und ich sie gern im Original höre.

Kleine Klammerbemerkung: Ich finde es nach wie vor unsinnig, dass Audible separate Plattformen für die diversen Sprachräume betreibt, bei denen es unterschiedliche Angebote und variierende Preise gibt. Ein Abo für alle – und jeweils der günstigste Preis, das wäre benutzerfreundlich. Aber wie im Beitrag Verlags-Idioten dargelegt, ist es in der Praxis noch viel komplizierter: Da hängt es nämlich von der Kreditkarte ab, ob man ein Buch kaufen kann oder nicht.

Doch trotz dieses Ärgernisses bin ich Audible mehr als ein Jahrzehnt treu geblieben. Das natürlich vor allem aus einem Grund: „Kann Bookbeat Audible das Wasser reichen?“ weiterlesen

Skandal, was mir der Amazon-Algorithmus so alles vorenthält!

Ich bespreche drei Bücher: Zwei überzeugen und eines habe ich eines fertig gelesen. Und dieses dritte Buch macht klar, dass J. K. Rowling auch der grösste Shitstorm nichts anhaben kann.

Meine Ausbeute bei den Hörbüchern war in der letzten Zeit nicht gut. Von drei gekauften Werken habe ich nur eines fertig gelesen. Dabei gehöre ich zu denen, die angefangene Dinge meistens zu Ende bringen – auch bei der Lektüre.

Die drei Bücher waren NPC von Jeremy Robinson, Brave New World von Aldus Huxley (deutsch Schöne Neue Welt) und Troubled Blood von
Robert Galbraith alias J. K. Rowling (deutsch Böses Blut). (Links jeweils Amazon Affiliate.)

Wenn ihr mich und dieses Blog hier gut kennt, dann erratet ihr sofort, bei welchem Buch ich drangeblieben bin.

Ja, natürlich, «Troubled Blood», der neueste Fall von Cormoran Strike und Robin Ellacott. Ich habe The Cuckoo’s Calling gelesen und hier besprochen und dann mit The Silkworm und Career of Evil nachgedoppelt. Und anhand des bücherübergreifenden Handlungsbogens ist mir aufgefallen, dass ich eine Folge verpasst haben muss.

Eine kleine Nachforschung hat ergeben, dass dem tatsächlich so ist. Mir ist Lethal White von 2018 entgangen. Das ist die vierte Folge, die ich mir sogleich besorgt habe – nicht ohne mich darüber zu ärgern, nun die Bücher nicht in der richtigen Reihenfolge geniessen zu können.

Nicht so toll, wie Jeff Bezos glaubt

Dieses Versäumnis lässt den famosen Amazon-Algorithmus in  schlechtem Licht dastehen. „Skandal, was mir der Amazon-Algorithmus so alles vorenthält!“ weiterlesen

Offline-Versager sind sie alle

Dann halt ein Paperback vom Bahnhofkiosk – oder was soll man sonst tun, wenn man erst von Netflix und dann von Audible im Stich gelassen wird?

Wir waren in den Ferien. Und zwar in Edgehausen, dem Hauptort der Provinz Bitgetröpfel in der Region Netzlos in Offlineistan.

Nein, das ist natürlich eine Übertreibung. Das Land, in dem wir in den Ferien waren, hat zwar beim Netzausbau nicht den besten Ruf. Aber dass ich quasi offline war, lag einerseits an meiner Entscheidung, ein klein wenig Internet-Detoxing zu betreiben und kein Roaming-Datenpaket zu buchen. Andererseits war das Hotel schuld.

Dieses Hotel wartet in der Lobby mit einem temporeichen WLAN auf, an dem es nichts zu mäkeln gibt – der geneigte Stipvisiteur könnte somit zum Schluss kommen, dass das einzig relevante Kriterium für die Wahl des Gästehauses (nebst der Frage, ob die Laken für neue Gäste jeweils gewechselt werden) erfüllt ist. Dumm nur: Bis ins Zimmer reicht die Versorgung nicht. Genau vor der Tür sackt die Datenrate ins Bodenlose. Und in den Stosszeiten (also allen Stunden ausser 2:00 bis 4:30 Uhr) kommt nur selten überhaupt ein Datenpaket durch. Surfen endet mit einen Timeout und Videostreaming mit einer leicht verzögerten Vorführung von ungefähr 10 Frames pro Viertelstunde.

Laden in der Lobby

Aber egal, dachte ich. Mit ein bisschen Vorbereitung lässt sich das lösen. Ich nehme also das iPad herunter in die Lobby. Die Idee: Einige Folgen der gerade aktuellen Serien offline zu laden. Die würden wir uns am Abend zu Gemüte führen, wenn das WLAN hoffnungslos überlastet ist.

Ich habe aber nicht damit gerechnet, dass das schöne Offline-Feature von Netflix auf ganzer Linie – das heisst, bei zwei von unseren zwei aktuellen Serienhits – komplett versagt.

Erstens bei Shtisel: Das ist eine Fernsehserie aus Israel, die uns Netflix nach Vollendung von «Unorthodox» (siehe Wer will sich von einem Algorithmus bevormunden lassen?) vorgeschlagen hat – und die ohne Zweifel als würdiger Vorläufer gelten darf und die Hauptdarstellerin aus jener Serie, Shira Haas, in einer Nebenrolle glänzen lässt. Die Offline-Wiedergabe ist unbrauchbar: „Offline-Versager sind sie alle“ weiterlesen

Was Buchverlage von Fernsehserien lernen könnten

«Terminus» von Peter Clines ist ein Buch, das mich ratlos lässt. Das liegt daran, dass es auf frü­he­ren Ge­schich­ten auf­baut, die ich nicht mehr prä­sent habe. Eine Reka­pitu­la­tion hätte gehol­fen.

Schauen Buchautoren manchmal fern? Die Frage klingt polemischer, als sie gemeint ist. Ich will der buchschreibenden Zunft keine Abgehobenheit attestieren – obwohl ich mich schon ein bisschen wundere.

Der Ausgangspunkt für mein Erstaunen ist folgender: Sowohl im Fernsehen als auch beim Buch gibt es die sogenannte Serie. Sie entsteht dann, wenn ein Werk nicht in einem Stück an den Rezipienten überantwortet wird, sondern in Segmenten. Die Daseinsberechtigung für diese sequenzierte Form der Erzählung wird von Wikipedia einleuchtend beschrieben:

Um Spannung und Interesse der Zuschauer zu erhalten, ist ein Drama in seiner Länge zeitlich beschränkt. Geduld, Konzentrationsfähigkeit und schiere körperliche Ausdauer des Publikums lassen eine Aufführung von mehr als drei, maximal vier Stunden nicht zu.

Übertragen auf Bücher hat das Serienprinzip praktische Gründe. Man stelle sich George R.R. Martins «A Song of Ice and Fire» als Einzelausgabe vor: Die wäre (gemäss Amazon) fast 23 Zentimeter dick und 3,9 Kilogramm schwer.

Mehrere dünne Bücher statt ein dickes

Und natürlich gibt es auch kaufmännische Gründe. Mehrere dünne Bücher ergeben einen höheren Verkaufserlös als ein dickes. „Was Buchverlage von Fernsehserien lernen könnten“ weiterlesen

Apple, der moderne Wegelagerer?

Die rigide Kontrolle, die Apple über den Store ausübt, ist stossend: Die Machtansprüche schaden dem Nutzerkomfort, wie man bei Netflix und Spotify sieht. Die Kartellklagen sind eine logische Folge.

Apple ist in einer komfortablen Position. Der iPhone-Hersteller nimmt im App-Markt eine so wichtige Rolle ein, dass niemand an ihm vorbeikommt. Und allein das bringt ordentlich Schotter ein.

Zum Beispiel, wenn ein Anbieter in seiner App Inhalte verkauft. Apple verdient an Zahlungen, die in einer App getätigt werden, kräftig mit: Bei Abos, die in der App abgeschlossen werden, sind es 30 Prozent im ersten Jahr und danach 15 Prozent.

Geht man zu weit, wenn man das als moderne Wegelagerei bezeichnet? Einträglich ist es jedenfalls. Die «Washington Post» schreibt, Netflix habe 2018 Apple 257 Millionen US-Dollar in Cupertino abgeliefert. Das muss weh tun – zumal die Summe wegen des Umsatzwachstums auf eine halbe Milliarde angestiegen wäre, wenn der Streamingdienst nicht aufgehört hätte, in der iOS-App Abos anzubieten.

So weit, Apple öffentlich anzuprangern, will Netflix trotzdem nicht gehen. „Apple, der moderne Wegelagerer?“ weiterlesen