Adobes Unterlassungssünde

Wer bei Adobe seinen Willen bekommen will, muss zu groben Methoden greifen. Und nicht davor zurückschrecken, die Creative Cloud zu hacken.

Ich schlage mich neuerdings mit Adobe, der Creative Cloud und auch dieser Schnittsoftware herum – siehe dazu auch: Die Premiere muss leider verschoben werden. Und dabei bin ich auf eine Sache gestossen, die öffentlich erörtert werden muss. Denn einer von uns beiden steht auf dem Schlauch – entweder ich oder Adobe.

Es geht darum, dass man mit Adobe-Programmen noch einige Dinge zusätzlich bekommt, um die man keineswegs gebeten hat. (Okay, mit «man» bin ich gemeint.) Zu diesen Dingen gehört das Abomodell. Und dazu gehört auch diese sogenannte kreative Wolke, englisch Creative Cloud oder abgekürzt CC.

Gigabyteweise Datenmüll

Nachdem ich also Premiere installiert hatte, ist mir aufgefallen, dass auf meinem Mac plötzlich ein Ordner auftauchte, der mit zwei Gigabyte an Daten zugemüllt war. Das hat mich wenig erfreut, da ich gerade einige Anstrengungen unternommen hatte, meine Festplatte von ebensolchen Mülldateien zu befreien.

Bei näherer Betrachtung ist mir aufgefallen, dass ich an diesem Müll nicht ganz unschuldig war: Es handelte sich nämlich um Dateien, die ich vor Urzeiten in die Creative Cloud hochgeladen hatte. Das muss noch zu Publisher-Zeiten gewesen sein, wo ich gelegentlich Tipps und Tricks zur Creative Cloud verfasst habe und dazu zum Zweck der Illustration und Demonstration meiner Tipps passendes Anschauungsmaterial bei Adobe deponiert habe. Dass ich derlei Relikte der Vergangenheit nicht unmittelbar im Zugriff und auf meinem Mac haben muss, versteht sich allweg von selbst.

Erst einmal fragen?

Jedenfalls kann man sich fragen, wie sinnvoll es ist, dass Adobe einem bei der Installation einer Software automatisch den aktivierten CC-Client auf die Festplatte zu spielen, der wiederum den ganzen Online-Datenbestand synchronisiert. Das hätten schliesslich nicht nur zwei, sondern auch gleich hundert oder fünfhundert Gigabyte sein können.

Naheliegender Gedanke: Man behebt die Misere durch eine selektive Synchronisation. Sie sorgt dafür, dass bei einem bestimmten Client-Gerät nicht alle Ordner, sondern nur die auserkorenen abgeglichen werden. Derlei Rosinenpickerei gibt es bei Microsoft Onedrive, bei der Dropbox und bei der Nextcloud.

Man darf behaupten: Das ist eine absolut grundlegende Funktion. Ich habe somit keine Sekunde daran gezweifelt, dass es nur ein paar Mausklicks braucht, um diese kreativen Altlasten von meinem Mac fernzuhalten.

Selektiver Sync?

Allerdings war ich auch diverse Mausklicks später nicht schlauer. Nirgendwo habe ich die Funktion entdeckt, mit der sich Dateien von der Synchronisation hätten ausschliessen lassen. Ich finde im lokalen Client-Programm die Möglichkeit, die Synchronisation zu stoppen, aber nicht, sie nach Ordner oder sonst wie einzuschränken.

Hier lässt sich die Synchronisation anhalten – und man darf den Ordner wählen, der abgeglichen wird. Mehr Optionen gibt es nicht.

Ein solches Feature gibt es auch nicht in der Weboberfläche (assets.adobe.com). Ist es denkbar, dass diese Funktion, so unvorstellbar mir das auch erscheint, nicht existiert?

Es gibt Anzeichen dafür, dass dem so ist. In der Hilfe hier ist nicht von einer solchen Möglichkeit die Rede.

In einem Community-Forum wird eine entsprechende Anfrage ebenfalls abschlägig beantwortet. Diese Anfrage stammt von 2014 – es könnte daher sein, dass sie nicht mehr zutreffend ist. Aber wenn die Funktion irgendwann in den letzten bald sieben Jahren aufgetaucht sein sollte, ist sie sehr gut versteckt.

Tomaten auf den Augen?

In diesem Fall bitte ich um Aufklärung. Ich bin mir nicht zu fein zuzugeben, dass ich manchmal Tomaten auf den Augen habe. Doch sollte dieses Feature nicht vorhanden sein, obwohl es schon vor Jahren gefordert wurde, dann muss man sich schon sehr fragen, wie bei Adobe die Prioritäten gesetzt werden.

Bleibt die Frage, ob man einen Hack anwenden könnte. Im Beitrag Box ohne Drop habe ich seinerzeit beschrieben, dass man am Mac einfach einen Doppelpunkt in den Dateinamen einzufügen braucht, wenn man möchte, dass die Dropbox eine Datei unter Windows nicht verfügbar macht. Das liegt daran, dass der Doppelpunkt am Mac bei Dateinamen erlaubt ist, bei Windows jedoch nicht.

Adobe beschreibt in diesem Support-Dokument, dass ungültige Dateinamen auch bei der Creative Cloud zu Synchronisationsfehlern führen – allenfalls aber mit konstant erscheinenden Fehlermeldungen, die man als lästig empfinden könnte.

Leider ist das eine sehr grobschlächtige Methode, die obendrein nur in eine Richtung funktioniert – also wenn man Dateien am Mac zur Verfügung haben möchte, die man Windows vorenthalten will. Gemäss dem Beitrag What are invalid characters for a file name under OS X? frisst Apples Betriebssystem fast alle Zeichen.

Und ja, falls man es schafft, einen ungültigen Dateinamen zu fabrizieren, ist die Wahrscheinlichkeit gross, damit die ganze Creative Cloud zum Absturz zu bringen. Und das wäre mir, trotz meiner temporären Aversion gegen diese unanpassungsfähige Datenwolke, dann doch nicht recht.

Beitragsbild: Bei Adobe kommt immer gleich alles runter (Dominik Dancs, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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