Ein Familienmitglied konfrontierte mich – mit einem vorwurfsvollen Unterton in der Stimme, weil ich schliesslich fürs reibungslose Funktionieren der digitalen Infrastruktur verantwortlich bin – mit folgendem Problem: Das Macbook Air M1 sei im Internet fürchterlich lahm unterwegs. Man beobachte einen Webseitenaufbau wie zu Dial-up-Zeiten. Und das Backup dauere selbst bei minimalen Dateiänderungen ewig und drei Tage.
Die Ursache des Problems war schnell gefunden: Der Apple-Laptop war über das 2,4-GHz-Band mit dem Heimrouter verbunden. Dort herrscht in unserem Mietshaus ein derartiger Verkehr, dass nur lausige Datenübertragungsraten realisierbar sind. Es läuft nur deswegen noch, weil ein paar alte Gadgets darauf angewiesen sind.
Das 5-GHz-Netz überträgt Bits und Bytes mit einem vielfach höheren Tempo. Das Macbook sollte, selbstverständlich, auf dieser Welle senden und empfangen. Es versteht sich von selbst, dass ein vier Jahre alter Laptop dazu kompatibel ist. Er zeigt es auch brav als verfügbares Netzwerk an. Doch verbinden will er sich damit nicht. Wählt man es aus, erscheint der Passwortdialog und danach, trotz korrekter Eingabe, eine Fehlermeldung.
Alles eine Frage des richtigen Kanals
In den Supportforen von Apple finden sich Meldungen zu exakt diesem Problem. Die Antwort umfasst in aller Regel einen Hinweis auf die von Apple empfohlene WLAN-Konfiguration und den Tipp, die üblichen Fehlerbehebungsmassnahmen durchzuexerzieren. Das ist nicht verkehrt, aber ich empfehle vorab eine andere Massnahme.
Meine Lösung besteht darin, den Funkkanal manuell festzulegen. Eingestellt werden sollte die tiefstmögliche Kanalnummer.
Unser Router, die Fritzbox 5530, erlaubt das in der Admin-Umgebung unter WLAN in der Rubrik Funkkanal. Dort schalten wir von Funkkanal-Einstellungen automatisch setzen (empfohlen) auf Funkkanal-Einstellungen anpassen um, und im Abschnitt 5-GHz-Frequenzband aktiv wählen wir anstelle von Autokanal z.B. Kanal 36 oder Kanal 40.

Und siehe da: Augenblicklich legt das Macbook seine störrische Haltung ab und verbindet mit dem erwartbaren Tempo.
Zwei Fragen bleiben:
- Ist das eine gute Lösung?
- Was ist die Ursache des Problems?
Die Antwort auf die erste Frage ist ein Nein: Es ist eine Behelfslösung, die ihrerseits das Risiko für neue Probleme birgt. Falls ein anderer Router in der Umgebung unbedingt auf dem von uns gewählten Kanal senden will, sind Interferenzen unvermeidlich. Immerhin zeigt die Fritzbox auf der Seite Funkkanal ein Diagramm mit der Belegung der WLAN-Funkkanäle, mit dessen Hilfe wir bei akuten Frequenzkollisionen einen weniger ausgelasteten Kanal suchen könnten. Und zum Glück ist die Reichweite im 5-GHz-Netz geringer als im 2,4-GHz-Band, sodass uns die Nachbarschaft weniger ins Gehege kommen sollte.

Es soll Router geben, bei denen wir nicht gezwungen sind, einen Kanal fix zu wählen, sondern stattdessen Kanäle sperren dürfen, die nicht vom gesamten Gadget-Fuhrpark goutiert werden. Das ist umso nützlicher, je genauer wir eingrenzen können, welchen Kanal ein bestimmtes Gerät nicht mag.
Als Ergänzung zu diesem Tipp verweise ich hier auf meine gesammelten Beiträge zum WLAN-Troubleshooting und zur Optimierung des Wifi-Datenfunks:
- Die Anleitung für systematische Fehlersuche und Perfektionierung der Konfiguration.
- Hilfe rund um die Captive Portals: Was hilft, wenn das WLAN im Hotel nicht funktioniert und, für weiterführende Troubleshooting-Methoden, Probleme mit öffentlichen WLANs (Teil 2).
- Mit dem Android-Telefon oder iPhone bei WLAN-Problemen aufs Mobilfunknetz ausweichen.
- Die bei Mac OS eingebaute WLAN-Diagnosefunktion nutzen.
- Schlechte WLAN-Verbindungen mittels Repeater verbessern.
Bewährte Methoden gegen ein lästiges Problem
Zur zweiten Frage, der Ursache: Für diese Antwort muss ich leider etwas ausholen:
Das Wi-Fi-Spektrum ist in einzelne Abschnitte unterteilt, was es den Routern in näherer Umgebung erlaubt, aneinander vorbeizufunken. In der Standardkonfiguration wählt der Router den Kanal, den er für den passendsten hält. Das ist nicht ohne Tücke, wie in diesem Erklärstück nachzulesen ist:
Nachteilig ist, dass dieses Frequenzband weltweit nicht einheitlich geregelt ist. Nicht nur der verfügbaren Bandbreite wegen, sondern auch in der Nutzung. So gibt es mit Flug- und Wetterradar einen Primärnutzer, für den dieser Frequenzbereich reserviert ist, aber regional unterschiedlich in Verwendung ist. In der Regel in der Nähe von Flughäfen. Deshalb ist die Erweiterung Dynamic Frequency Selection (DFS) zum Schutz der Primärnutzer in der EU Pflicht. Viele Hersteller preisgünstiger WLAN-Router sparen sich die DFS-Technik und dürfen im 5-GHz-Band nur auf den Kanälen von 36 bis 48 arbeiten.
Sind wir hier etwa in Japan?
Wikipedia hält eine eindrucksvoll lange Liste mit den Einschränkungen und Vorgaben in den diversen Ländern und Regionen bereit. Die allein erklärt das Phänomen nicht, zumal das Macbook nicht zu den einfach gestrickten Geräten gehört, die mit der dynamischen Frequenzauswahl nichts anfangen können. Wäre das die Einschränkung, würde es das Problem erklären: Denn wie oben erwähnt, nutzt unsere Fritzbox mit der Einstellung Autokanal normalerweise einen Kanal, der von DFS nicht abgedeckt ist.
Trotzdem scheint es auf der Hand zu liegen, dass das Problem damit zu tun hat: Das Macbook meidet den von der Fritzbox standardmässig genutzten Kanal. Daran könnte ein «Bug» schuld sein. Dagegen spricht, dass alle anderen Apple-Geräte im Haushalt, auch Macbooks, nicht betroffen sind. Die wahrscheinlichste Erklärung ist eine imaginierte oder vielleicht temporäre Störquelle, die das Apple-Notebook aus dem Konzept bringt.
Es wäre eine Detektivaufgabe, den Schuldigen zu ermitteln: Ist es die Fritzbox, die einen belegten Kanal wählt und die Clients ins Verderben steuert? Oder hat das MacBook tatsächlich Probleme mit gewissen Kanälen? Ich habe gerüchteweise vernommen, dass einige Apple-Geräte Probleme mit Kanal 36 haben.
Die MacBooks mit Apple-CPU unterstützen die relevanten Funkstandards für Band Steering und Funkmessung. Die Fritzbox sollte sie also auf das richtige Netzwerk leiten können. Wenn sie es richtig macht.
Die Consumer-APs werden zwar immer besser, aber ich setze trotzdem noch auf professionelle Geräte. Der Aruba AP22 kostet um die Hundert Franken und unterstützt unter anderem DFS. Es sind die einzigen Geräte, mit denen ich bisher „Wireless Uplink“ (ein AP nur über Funk verbunden) tadellos hinbekommen habe. Oft hat es in Privathaushalten mit WLAN-Empfangsproblemen schon gereicht, das WLAN am Router zu deaktivieren und einen AP22 hinzustellen. WLAN ist leider keine Stärke der Geräte unseres lokalen Kabelnetzbetreibers…
Falls möglich, könnte für das 2,4 GHz-WLAN ein anderer Name und ein anderes Passwort verwendet werden. Weil dann kann ein Gerät nicht automatisch auf dieses Netz zurückfallen, wenn auf dem 5-GHz-Netz keine Verbindung zustande käme. Dies ist meine Lösung mit meinem Router.
Guter Tipp! Das mache ich auch so.
Danke! Sehr, sehr hilfreicher Artikel. Das erklärt mir nun auch einiges.