Eine Frau mit langen Haaren lehnt sich an einen alten, zerbrochenen Computermonitor in einer Werkstatt. Sie hat die Augen geschlossen und scheint zu träumen.

Was hilft, wenn der Bildschirm spinnt

Der Monitor zeigt bloss wildes Ge­flacker und Pixel­müll? Mit einer syste­ma­tischen Feh­ler­suche kom­men wir der Urs­ache der Bild­stö­rungen auf die Spur.

Weil nur Masochisten am Laptop arbeiten, benutze ich meinen meistens mit Bluetooth-Maus und -Tastatur und einem externen Bildschirm. Das ist eine hervorragende Kombi.

Zumindest, solange alle Beteiligten brav mitspielen. Vor Wochenfrist weigerte sich mein Monitor zu Hause, diese Regel zu befolgen. Statt der idyllischen Ansicht eines wohlaufgeräumten Desktops zeigte er wüste Pixelstürme oder liess die Anzeige horizontal hin und her ruckeln.

Bisweilen gibt es das Problem auch in der Variante, bei der ein bunter Pixelnebel über den Desktop zieht.

Was tun? Das Prozedere zur Behebung dieses unhaltbaren Zustands liegt auf der Hand: Wir finden heraus, welche Komponente kaputt ist, und ersetzen sie. Im Idealfall ist das eine simple Angelegenheit, im dümmsten Fall eine kleine Katastrophe. Nämlich dann, wenn die Grafikkarte des Laptops die Grätsche macht.

Die Eingrenzung Enttarnung des Corpus Delicti entpuppt sich als überraschend knifflig. Das liegt an der hohen Zahl der Beteiligten:

  1. Nebst Laptop (Spectre x360 Convertible 14)
  2. und Bildschirm (von Philips) sind das noch
  3. ein USB-C-Adapter mit HDMI-Ausgang (meiner ist von Satechi) und
  4. ein HDMI-Kabel.

Der Macbook-Schreibtisch erscheint glasklar

Für die Diagnose wende ich die bewährte Methode an, eine Komponente nach der anderen auszutauschen. Als Tech-Journalist bin ich in der glücklichen Lage, auf einen beträchtlichen Fundus zurückgreifen zu können. Einen Ersatz-Bildschirm habe ich nicht zur Hand, dafür aber ein Macbook Pro M3, das über einen HDMI-Ausgang verfügt. Es liefert eine aufschlussreiche Erkenntnis: Schuld ist nicht der Bildschirm. Denn der Mac liefert eine einwandfreie Darstellung.

Ein Computerbildschirm zeigt einen Desktop mit zahlreichen Dateisymbolen und Ordnern, die dicht angeordnet sind. Es gibt viele gelbe Ordner und verschiedene Dokumentdateien, die dem Bildschirm ein überfülltes Aussehen verleihen.
Das ist die Bildstörungs-Variante mit dem vertikalen Flackern.

Ein anderes HDMI-Kabel löst das Problem nicht. Ich grabe in meiner Elektro-Gerümpel-Schublade in einem weiteren Schritt nach einem Ersatz für den USB-C-Adapter und werde fündig. Ganz zuunterst liegt das USB-C-Mini-Dock von LMP. Wir lernen: Fürs Eingrenzen von derlei Fehlern ist es praktisch, nicht alles zu entsorgen, was wir entsorgen könnten, und ausrangierte Gadgets griffbereit zu haben.

Niemand will schuld sein?

Das Dock verhilft mir zu einem echten Überraschungsmoment. Es löst das Problem nämlich nicht.

Im Gegenteil: Es produziert fast identische Aussetzer wie sein Gegenstück. Nun bin ich nachhaltig verwirrt. Denn wenn ich meinen Laptop im Büro an einen externen Bildschirm anschliesse, ist ebenfalls alles paletti. Das heisst: Die Laptop-Grafikkarte ist – zum Glück – auch intakt. Keine der beteiligten Komponenten ist alleine schuld. Aber sie verweigern sich der harmonischen Teamarbeit.

Indessen fällt auf, dass das Problem just während der heissen Tage in diesem Sommer auftritt. Die Vermutung steht im Raum, dass mein Equipment gerne hitzefrei hätte. Verständlich, aber leider keine Option.

Vielleicht lässt sich das Problem beheben, indem ich in Windows die Bildwiederholfrequenz und die Auflösung herunterschraube? Die Antwort ist ein überraschendes Nein. Auch mit extrem niedrigeren Einstellungen flackert es schlimmer als das digitale Fegefeuer in der Pixelhölle.

Wer genau aufgepasst hat, dem wird etwas aufgefallen sein: Eine Diagnosemöglichkeit habe ich bislang ausgelassen. Da mein Laptop zwei USB-C-Ports hat, wäre es doch einen Versuch wert, das Dock probehalber am anderen Anschluss anzustöpseln.

Die Lösung ist verblüffend simpel

Und tatsächlich: Damit löst sich das Problem in Luft auf. Beim HP Spectre x360 scheint der USB‑C‑Anschluss in der rechten Gehäusekante zuverlässig zu funktionieren; der in abgeschrägten Ecke oben rechts aber Macken zu haben. Ob das allgemein gilt oder nur bei meinem Modell so ist, kann ich nicht abschliessend beurteilen. Es könnte eine unsaubere Verarbeitung oder ein Problem mit der Abschirmung vorliegen. Da der Laptop dazu neigt, in dieser Ecke warm zu werden, halte ich eine thermische Schwachstelle für die wahrscheinlichste Erklärung. Zumal, tatsächlich, bei kühleren Temperaturen auch der problematische Anschluss ein stabiles Bild liefert.

Fazit: Ein bisschen schade ist es, dass ich nicht mit einer universellen, hieb- und stichfesten Lösung für Bildstörungen am externen Monitor aufwarten kann. Zwei nützliche Erkenntnisse gibt es trotzdem:

  • Laptops mit nur einem USB-C-Anschluss müssen wir meiden.
  • Und: Auch wenn wir uns von Computern eine 0-oder-1-Arbeitsweise gewohnt sind, trifft das für die Hardware nicht zu. Die funktioniert auch mal bloss halb, wie wir uns das aus der analogen Welt gewohnt sind.

Diese Marotte erschwert die Fehlersuche. Doch eigentlich ist es auch nett zu wissen, dass der USB-C-Slot auch mal einen schlechten Tag haben kann oder genauso unter der Bruthitze leidet wie der Hund des Nachbarn und die Freundin des Arbeitskollegen …

Beitragsbild: So schlimm war es bei mir zum Glück nicht (Marcelo Chagas, Pexels-Lizenz).

Ein Kommentar zu «Was hilft, wenn der Bildschirm spinnt»:

  1. Thanks for this article! I had a similar problem a few days ago and none of my solutions worked. After reading your post, I thought to try a different USB-C port, and it actually worked! It was so simple, you’re a lifesaver. This post came at the perfect time and solved a problem that had been bothering me for days.

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