Höhenflug oder Bruchlandung?

Für die meisten Wordpress-Nutzer ist die Jetpack-Installation so sicher wie das Amen in der Kirche. Ein Dogma, dass man unbedingt hinterfragen müsste – allein weil dieses Plugin aus Datenschutzgründen problematisch ist.

Der Umzug dieses Blogs auf WordPress ist genau drei Jahre her. Das Langzeit-Fazit ist positiv. Ich habe es nicht bereut. Meine Bloggerei ist viel effizienter geworden und mein Blog gefällt mir besser – auch wegen Dinge wie dem Posts On This Day-Plugin von Jeremy Herve. So simpel das ist, macht es mir Freude, jeden Tag ein paar meiner eigenen Blogposts zu entdecken, von denen ich in vielen Fällen keine Ahnung mehr hatte.

Eine Frage bleibt jedoch. Ich habe seinerzeit das Jetpack-Plugin ganz selbstverständlich installiert. Es liefert schliesslich auf einen Schlag eine ganze Reihe von Funktionen, die man sonst mühsam über einzelne Erweiterungen einrichten müsste. Es sind insgesamt gut fünfzig Funktionen, die hier aufgezählt sind.

Von denen brauche ich die folgenden:

  • Carousel, ein Bildstrecken-Tool, mit dem der Nutzer eine Anzahl Bilder durchklicken kann.
  • Lazy Images. Dieses Modul sorgt dafür, dass nicht alle Bilder beim ersten Seitenaufruf geladen werden, sondern erst, wenn der Nutzer entsprechend weit nach unten scrollt.
  • Monitor sendet eine Benachrichtigung, wenn die Website offline ist.
  • Protect sorgt für Schutz gegen Brute-Force-Attacken. Eine Statistik dazu gibt es im Backend, wonach über 56’000 solcher Angriffe abgewehrt worden sind. Und über 26’000 Spam-Kommentare, die ebenfalls nicht manuell gelöscht werden mussten.
  • Publicize stellt neue Blogposts automatisch bei Twitter ein. Man könnte auch andere Plattformen wie Facebook berücksichtigen.
  • Related Posts zeigt zu einem Blogpost ähnliche Beiträge an.
  • SEO Tools verspricht eine Suchmaschinenoptimierung. Das sollte meines Erachtens eine integrale WordPress-Funktion sein.
  • Site Stats zeigt Statistiken über die Nutzung der Website an.
  • Sitemaps erzeugt ein Abbild der Site-Struktur für Google und Bing.
  • Subscriptions ermöglicht es den Nutzern des Blogs, Beiträge via Mail zu bekommen.
  • Widget Visibility steuert die Sichtbarkeit von Widgets auf einzelnen Seiten. Auch da kann man sich fragen, warum das nicht eine Standard-Wordpress-Funktion ist.

Gut integriert

Das sind alles nützliche Dinge, die für Jetpack sprechen. Da diese Erweiterung von WordPress-Erfinderin Automattic stammt, sind sie entsprechend gut integriert und funktionieren darum mutmasslich besser, als wenn man stattdessen ein Plugin von irgend einem Drittentwickler einsetzen würde.

Ausserdem muss man Automattic zugutehalten, dass Jetpack kontinuierlich weiterentwickelt und aktuell gehalten wird. Auch diesbezüglich wäre das Sicherheitsrisiko grösser, wenn Dritte mit im Spiel wären. Wenn bloss einer oder zwei keine Lust mehr hat, sein Plugins trotz einer bekannten Sicherheitslücke zu aktualisieren, könnte das unangenehme Folgen haben. Ich erinnere an die oben erwähnten 56’000 Einbruchsversuche – zumindest ein paar von den Leuten wären bestimmt auf die Idee gekommen, eine dieser Sicherheitslücken auszunutzen.

Und, letzter Vorteil, alle diese Funktionen sind gratis. Es gibt zwar auch kostenpflichtige Jetpack-Funktionen wie die Datensicherung. Doch dazu habe ich eine Alternative gefunden.

Zu viel Overhead

Trotzt dem bleibt nicht wegzudiskutieren, dass ich nur etwa einen Fünftel aller vorhandenen Funktionen nutze und so gesehen Jetpack eine ziemliche Blähsoftware ist.

Das eigentliche Problem scheint mir aber die Koppelung an den WordPress-Account zu sein. Denn ohne das Login bei WordPress.com gibt es keine der aufgeführten Funktionen, und viele der Features, wie insbesondere die Statistik, werden via WordPress.com zur Verfügung gestellt.

Das ist aus Datenschutzgründen problematisch. Wenn man bedenkt, wie viele Websites global mit WordPress laufen und in Betracht zieht, dass ein Grossteil davon mit Jetpack ausgestattet sind, dann kann man sich ausmalen, dass Automattic ein ausnehmend detailliertes Bild über die Interessen des globalen Internetpublikums erhält.

Automattic ist auch ganz gut im Datensammeln

Kommt hinzu, dass bei Automattic in den letzten Jahren noch einige weitere interessante Produkte gelandet sind:

Das ist beachtlich, sodass man sich fragen kann, wie es Automattic geschafft hat, sich nicht sosehr zu exponieren wie Google oder Facebook und nicht als «Datenkrake» wahrgenommen zu werden.

Ich glaube, die Antwort liegt darin, dass das Unternehmen geschickter agiert und sich eine gute Portion Idealismus bewahrt hat – zumindest halte ich das Bekenntnis auf automattic.com – «We are passionate about making the web a better place» – für nicht völlig heuchlerisch. Und es scheint auch anderen so zu gehen, was erklären könnte, warum ich auf die Schnelle keinen Beitrag gefunden habe, der mit Automattic wegen der Datensammelei so richtig hart ins Gericht gehen würde. Falls es einen solchen Artikel gibt und ich ihn einfach nicht gefunden habe, dann klärt mich bitte via Kommentare auf.

Es bleiben Fragen offen

Ich werde darum den Bedenken zum Trotz Jetpack nicht den Rücken kehren. Einen Kritikpunkt muss ich allerdings noch anbringen. Die Statistikfunktion überzeugt mich je länger je weniger. Sie ist zwar interessant für die Beiträge der letzten Zeit, aber es ist schwierig, die generellen Trends herauszufinden: Welche Themen interessieren meine Besucher – und was kommt überhaupt nicht an? Welches ist der Beitrag, einen Monat nach der Veröffentlichung die beste bzw. geringste Anzahl Views hatte? Da bleiben mit Jetpack noch viele Fragen offen.

Beitragsbild: Ob dieser Raketenrucksack noch zündet? (Sebastian Voortman, Pexels-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

5 Gedanken zu „Höhenflug oder Bruchlandung?“

  1. „Zeig mir Deine Plugins und ich sage Dir, wer Du bist!“ 😃 Das funktioniert tatsächlich recht gut. Wenn ich eine Installation sehe mit Divi, Elementor und 50 weiteren Plugins (darunter Sachen wie „Hide Footer“), dann kommt der Ersteller meist aus der Designer- und nicht aus der Technik-Ecke.

    Ich als Techniker war CMS gegenüber lange kritisch eingestellt, habe WordPress jedoch inzwischen lieben gelernt, aber bei mir gibt es selten mehr als fünf Plugins. Den Footer entferne ich im Template und das Logo mache ich per CSS grösser. Ist aufwendiger, aber in der Wartung einfacher und wesentlich schneller. Besonders Elementor bringt viel Ballast mit.

    Jetpack ist so ein Zwischending. Hat mir auch nie gefallen, weil wenn ich selbst hoste, dann hoste ich selbst, dann binde keine fremden Clouds ein.

    1. Mit fünf Plugins käme ich nicht durch, aber ich habe inzwischen die Regel, dass ich nur ein neues installieren darf, wenn ich ein altes lösche. Zum Glück habe ich noch ein, zwei in der Hinterhand. 😉

      Was ich mir von Jetpack erhofft habe, sind ein paar Besucher, die über die Reader-Sektion in der WordPress-App kommen. Dieser Effekt ist aber bis jetzt vernachlässigbar.

      1. Meine Websites können auch nicht so viel wie Deine. 😃 Meist brauche ich Contact Form 7, W3 Total Cache, WPML (bei mehrsprachigen Sites) und WP-Matomo zur Einbindung der Matomo-Statistiken. (War früher als „Piwik“ bekannt.)

        Ich betreibe Matomo separat und binde nur den Tracking-Code ein, aber wie ich gerade gesehen habe, gibt es ein neues Plugin namens „Matomo Analytics“, welches Matomo auch gleich noch enthält. Das könnte für Dich interessant sein zur Auswertung der Leserzahlen.

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